Teilen Sie das bitte!

 

Plakat zur Demo am 24.1.2019 in Saarbrücken. Bild: AbilityWatch

 

„Teilen Sie das bitte!“, fordert uns die dergl in mehr als einem Beitrag in den letzten Tagen auf. Es geht um nichts weniger als das Recht, als Behinderter einigermaßen selbstbestimmt zu leben, was jenem Behinderten, sein Name ist Markus Igel, systematisch abgesprochen wird. Daher gibt es jetzt gerade viel Lärm, denn wenn man bei ihm damit durchkommt, wird das möglicherweise Vorbildfunktion haben.
dergls Erklärungen finden sich hier.

Alles nicht meine Baustelle, werden jetzt viele von euch denken. Nein, meine auch nicht, ich habe in den letzten Tagen versucht nachzuzählen, wie viele Behinderte ich eigentlich kenne, mit denen ich auch schon mal gesprochen habe (das hört sich schlimmer an, als es ist, gemeint ist, dass man/ich Gelegenheit und Möglichkeit habe, mit dem*derjenigen zu sprechen). Einen. Rollifahrer, lebt (hoffentlich immer noch) selbstständig (ich weiß nicht, wo), studierter Sozpäd oder so. In dem Zusammenhang, in dem wir uns begegnet sind, war die Behinderung kein Thema, und ich habe keinen Kontakt zu ihm.

Nein, nicht meine Baustelle. Aber was ist, wenn mir morgen der berühmte Ziegelstein auf den Kopf fällt, ich mit der Karre einen Unfall baue und alles ganz doof läuft? Dann kann es sein, dass Schluss ist mit dem selbstbestimmten Leben, dann sitze ich in irgendeinem Heim fest und langweile mich vermutlich zu Tode. Was mir im Alter eh blühen kann, aus Mangel an vertrauten Personen und/oder Geld. Jede*r denkt, dass dann schon gut für einen gesorgt wird und steckt den Kopf in den Sand. Ich auch.

Gleichzeitig kennt aber jede*r die Berichte über Leute in der Pflege, die sich schier totarbeiten für wenig Geld, weil an allen Ecken und Enden Kosten gesenkt, rationalisiert und gespart werden.
Macht die Augen auf, Leute. Das könnten wir alle sein, um die es geht. Wer in unserem Staat von der Wohltätigkeit und der Willkür des Staates abhängig ist, dem geht es nicht mehr gut, der Sozialstaat baut sich seit spätestens der Kohl-Regierung massiv um, und nicht zum Wohl derer, die eh schon wenig haben. Es gibt diesen Spruch, dass man den Charakter von Menschen daran erkennt, wie sie mit denjenigen umgehen, die nichts für sie tun können. Da ist was dran.

Nicht meine Baustelle, immer noch nicht? Aber was ist dieses ganze Internet-Gedöns von Bloghausen und der großen Internetfamilie denn wert, wenn ich nicht mal der Bitte von jemandem wie der dergl nachkomme, die in dem Thema drinsteckt wie keine andere, weil sie selbst betroffen und auch schon deswegen scheißgut informiert ist? Das kann ich eigentlich nicht vor mir selbst vertreten.

Daher: Geht auf diese Demo, wenn ihr könnt. Lest zum Thema „Markus Igel“ bei den kobinet-Nachrichten, zum Beispiel hier: Das Behörden-Drama um Markus Igel (in dem Artikel gibt es auch Links zur Petition und zum Fundraising).

Zu den Berichten zur Situation Behinderter, denen man nun wirklich nicht vorwerfen kann, einseitig zu sein, gehört auch der über den Fall Nenad, der zu Unrecht 11 Jahre lange eine Förderschule für Geistige Entwicklung zu besuchen hatte, obwohl er gar nicht geistig behindert war. Einzelfall? Darüber kann man streiten. Überprüft eure Meinung und fangt hier mit Gucken an:

Ein Schüler verklagt den Staat – Nenad und das Recht auf Bildung (WDR-Mediathek, noch bis 14.11.19)

Und, last but not least, eine Doku zum Thema Inklusion: Das Märchen von der Inklusion, ARD-Mediathek, noch bis 21.01.20.

Wem das immer noch nicht genug Links sind, der lese bitte diese Etüde von dergl (Für die Etüden: Paul B.), auch wegen der ergänzenden Links in den Kommentaren.

Nein, das ist nicht lustig. Alles nicht.

 

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35 Kommentare zu “Teilen Sie das bitte!

  1. Danke, Christiane, dein Aufruf verstärkt auf gute Weise, was dergl mit ihren wichtigen Recherchen und Aufrufen zu mobilisieren versucht: das Interesse, das Informiertsein von uns „Normalen“ an den Lebenssituationen anderer Menschen, die aus dem einen oder anderen Grunde exkludiert sind, und die Bereitstellung geeigneter staatlicher Maßnahmen zu ihrer Inclusion. Ich hoffe, viele gehen hin!
    Auch hier vor Ort versuchen einige von uns, die Situation von AMEA („Menschen mit besonderen Bedürfnissen“) zu verbessern. Durch die wirtschaftliche Krise sind diese Menschen, die sowieso nur durch die dauernde Unterstützung von Anverwandten existieren können, weiter unter Druck geraten. Daher haben einige engagierte Menschen einen Träger geschaffen, der Projekte zur Ausbildung und beruflichen sowie gesellschaftlichen Sitiuation von AMEA in Kalamata realisieren wird. Für mich ist es eine wichtige Erfahrung, dabeizusein und diese Initiative zu unterstützen.

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    • Danke, liebe Gerda. Es ist einfach das Bewusstsein, dass wir alle in der gleichen Welt leben. Wenn wir das „Teile und herrsche“ überwinden wollen: Da fängt es an.
      Finde ich großartig, dass du dich engagierst.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  2. Pingback: Ein geteilter Aufruf | la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

  3. Drei Twitter-Links zum Thema:

    Auch der Deutsche Behindertenrat solidarisiert sich mit Markus Igel und den über 100 Demonstranten: (Link zu Twitter)

    Von der Demo: (Link zu Twitter) (Link zu Twitter)

    (Man beachte die Schilder mit den Artikeln des Grundgesetzes und der UN-BRK. Und: Da sind Aktivisten aus ganz Deutschland drunter, es ist wahrscheinlich scheißekalt und viele von denen müssen ihren Verdienst abgeben, sind also immer knapp bei Kasse, wissen nicht wie sie bis Monatsende und sind trotzdem da. Von wegen uns arme Hascherl muss man „beschützen“ – wir halten was aus!)

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    • Ich weiß, es gibt einen Punkt, wo man weiß: Jetzt gilt es. Wenn der erreicht ist, (und es ist immer ein anderer,) dann bewegt man sich, wenn es irgendwie geht. Prioritäten und so weiter.
      (Genau. Wofür haben wir das Grundgesetz, wenn es keinen kümmert/kümmern muss?)
      Liebe Grüße
      Christiane

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  4. Pingback: Teilen Sie das bitte! | Irgendwas ist immer | Red Skies over Paradise

  5. Erinnerst du dich noch was ich dir gestern früh gesagt habe? 34 Leute außer mir haben es zumindest gelesen, Myriade und Bernd haben es in ihren Blogs weitergetragen, vielleicht hat noch wer verlinkt oder geteilt von dem/der wir nichts wissen, sowohl Myriade als auch Bernd sind wenn man auf die Likes schaut auch zumindest angelesen worden… Kleine Geste, aber mindestens ein paar Handvoll Leute denken nun vielleicht mal nach…

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      • Es wird nicht viel nachkommen, das heißt nicht, dass man die Fahne einrollen darf (tust du ja nicht). Wenn man sich so anguckt was in gewissen Medien seit Wochen an behindertenfeindlicher Gülle unter anderem über Greta Thunberg ergossen wird, sollte jedem/r/m klar sein was Sache in diesem Land ist. Dagegen ging Markus‘ Fall ziemlich unter.

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        • Weißt du, die kloppen auf sie ein, weil „behindert“ eben leicht ist (da kann sie ja nicht richtig im Kopf sein) und man da so schön sämtlichen behindertenfeindlichen Scheiß, zum Teil verpackt in „Das arme Mädchen“ absondern kann. Das wirkliche Problem ist aber: Sie ist 16 und hat mehr auf dem Kasten als einige Politikleute, sie ist engagiert und – für einige auch – sie ist weiblich. Nur damit wird man eben nicht so gefeiert wie wenn man behindertenfeindlichen Scheiß ablässt.

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        • Den Artikel finde ich richtig gut, weil er mal was zu den Zahlen und deren Zusammensetzung sagt („7.000 Euro im Monat vom Staat bekäme ich auch mal gern.“ Sinngemäß aufgeschnappt.). Sehr schön.

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        • Ja, eben. Die Leute meinen man kann mit dem Geld einen faulen Lenz schieben. Du musst für ALLES – ich schreibe das groß weil das zumindest bei meinem Kostenträger mit 50€ schon anfängt – haarklein nachweisen wofür, wann, wie und wo und wenn du mal 2€ zu viel bekommen hast, sind die bei der nächsten Leistung gleich wieder weg. Du hast da persönlich nichts von, aber das verstehen viele nicht oder wollen es nicht verstehen.

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        • Das sind Gehälter, der hat da nichts von. Das Problem ist man vergisst, dass die Assistenzen mehrere sind, die alle sozialpversicherungspflichtig angestellt werden müssen, und dass keine/r/s von denen endlos kann, das heißt Krankengeld, Urlaubsgeld muss man eigentlich einkalkulieren und dann ist das keine hohe Summe mehr.

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        • Ja, DU hattest den Artikel gelesen und verstanden. Bei anderen setzt punkt 7.000€ der Beißreflex ein und sie denken nicht mehr nach für was diese Summe zweckgebunden ist.

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  6. Pingback: In Sachen Markus Igel | Irgendwas ist immer

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