Alltag | März

Eigentlich dachte ich, sie will mich bestimmt nicht mehr. Ulli. Ulli für ihr Projekt „Alltag“, das eigentlich am ersten Freitag des Monats fällig war. Also eigentlich vor knapp zwei Wochen, Asche auf mein Haupt. Ich bin mal wieder mit meinen vagen Ideen im Alltag untergegangen, in der Arbeit versackt, in Frühling oder Nicht-Frühling. Zu viel auf Bildschirme gestarrt, zu wenig draußen gewesen. Das alte Lied. Wenn Ulli nicht nachgefragt hätte (danke!), hätte ich mich wohl davongeschlichen.
Dabei kann ich euch heute von was Schönem erzählen: einer kleinen Freude im Alltag.

Ich mag das Herannahen des Frühlings. Ich bin die, die sich einen Schnupfen holt, weil sie bei offenem Fenster schläft, weil sie endlich wieder die Vögel die Sonne hervorrufen hören möchte. Ich stehe wie vom Donner gerührt vor Krokuswiesen. Sich mit einer Decke in die Sonne zu setzen, ein Heißgetränk zu schlürfen und so zu tun, als wäre es schon viel später im Jahr, möglichst neben einem Heizstrahler, das bin sehr ich. Also oft. Und natürlich gehe ich gern im Nieselregen spazieren. Wenn er warm ist. Und nein, ich mache jetzt keine Etüde daraus.

Letztes Jahr Ende Januar erhielt ich ein Geschenk. Lebende Pflanzen – zurückhaltend gießen! Ein geheimnisvolles und sehr geschmackvolles Ensemble verschönerte ab da meine Fensterbank. Milchsterne in the becoming.

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

Ich wartete und liebte und goss vorsichtig, wie angeraten. Wir warteten. Und es gedieh und erblühte. Wir waren begeistert.

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

Der Fellträger ist Freigänger und klug genug, nicht an allem zu kauen, was bei mir rumsteht. Sowohl meine Amaryllis als auch er haben es bisher überlebt, warum also nicht auch der Milchstern, der übrigens auch für Katzen giftig sein soll, wie ich dann irgendwo las.

Die Milchsterne wuchsen und wucherten und wuchsen sich aus und verblühten …

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

… und noch nicht mal Mitte Februar war es vorbei mit der Herrlichkeit und ich war traurig. Wegwerfen? Niemals. Es gab keinen Hinweis, dass die Milchsterne nur einjährig wären. Nun habe ich aus Gründen bei mir keine Möglichkeit, einfach ein paar Zwiebelchen in die Erde zu stecken. Aber meine Nachbarin sagte: „Klar, geben Sie her!“ Wir verbuddelten sie und ich vergaß sie.

Bis sie mir neulich wieder einfielen, als ich die ganzen Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge, Märzenbecher und hin und wieder sogar schon eine kleine Mini-Narzisse sah. Und was soll ich sagen: Voilà! Christiane proudly presents:

 

Milchstern | 365tageasatzaday

 

Es ist noch nicht sonnig gewesen, seitdem ich sie entdeckt habe (äh, vorgestern), ich denke, sie haben noch nicht geblüht. Ich behalte sie im Auge und ggf. vor der Kamera. Aber der Anblick reicht schon mal, um mir extrem gute Laune zu machen.

Und weil es so schön ist, kommt jetzt mein Lieblingsbesucher beim Baden (wer genau hinschaut, kann eine Tropfenspur sehen). Ja, Marion, das Vogelbuch. Ist das ein Blaumeiserich, weil er so blau ist, weiß das wer?

 

Blaumeise beim Bad | 365tageasatzadayQuelle: Alle Fotos in diesem Beitrag ichmeinerselbst