Alltag | April

Alltag ist zurzeit, dass ich gefühlt durch meinen Tag hetze: Keine Zeit, keine Zeit! Termine, Deadlines, kann grade nicht, können wir das aufschieben, es ist noch so viel zu erledigen, was Priorität hat, ich will mir doch für das, was auch noch zu tun ist, Zeit nehmen können.

Und täglich grüßt das Hamsterrad.

Ich achte darauf, dass ich genug schlafe, indem ich nachts unter anderem die Unterbrechungen durch einen gewissen Herrn Fellträger zu reduzieren versuche („Geh halt raus und bleib da!“), was einfacher ist, seit es nicht mehr friert, und problematisch, wenn draußen Schneegriesel fällt wie im Moment. Ich bemühe mich ebenfalls, täglich an die frische Luft zu kommen, soll heißen, weiter als bis zum Briefkasten (Homeoffice kann echt hinderlich sein), aber ich HABE Deadlines (klingt viel schicker als „Termine“), die gehalten werden müssen, und es kann jederzeit irgendwas sein – auch das dürfte jede*r kennen.

Habe ich also ein Problem mit meinem Zeitmanagement? Nein, so überraschend sich das anhört. Meistens nicht. Ich habe ein Problem mit meinem Gefühl dazu. Ich habe nur das Gefühl, dass ich hetzen muss (weil ich nämlich oft so gar keine Lust habe; Druck ist auch Motivation) – und benehme mich entsprechend.

Ich bin ziemlich gut im Organisieren. Ich plane und mache viel auf die letzte Minute (eher Stunde), dann muss das natürlich klappen, dann darf nicht viel schiefgehen – aber ich habe meist eine Sicherheitsreserve an Zeit, damit ich tagsüber einkaufen gehen kann (echt ein Luxus) oder spontan mit der Nachbarin-Freundin bei einem Kaffee einen ausklönen kann. Ich halte meine Termine. Immer. Muss ja. Irgendwie.
Aber wenn ich den ganzen Tag konzentriert in den Rechner gestarrt habe, bin ich fertig mit der Welt und mag höchstens noch bisschen Blogs lesen und ein, zwei Runden Quizduell spielen, aber zu mehr reicht es dann nicht. Etüden schreiben? Andere Posts, so was wie diesen hier? Ha. Dann gehen nicht mal mehr Mails.

Ich bin ein Leser, kein Gucker, schon immer gewesen. Was also bei mir trotzdem fast immer geht, ist lesen. Analog. Und dann auch wieder, je nach Tagesform, etwas, was meinen Geist herausfordert … oder weniger. Da ich nicht über einen Reader oder über ein Tablet lese, besitze ich die Sorte Bücher nicht, die meist ausschließlich als E-Book verkauft werden – Schmonzetten und Schlimmeres oder Splatterthriller. Ich bin froh, dass ich nie zu den Bestsellerlisten-Lesern gehört habe, und was „man“ liest oder gelesen haben „muss“, nehme ich meist mit Verwunderung zur Kenntnis. Andererseits genieße ich es, mir aus den diversen Buchliebhaber-Blogs in meiner Blogroll Leseanregungen zu holen, und dass diese sich oft an den Neuerscheinungen und damit doch auch an dem „Muss“ orientieren, ist mir dann auch wieder egal.

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

Immer noch dankbar bin ich dem Buchhändler in einem kleinen Antiquariat vor über 20 Jahren, der mir, die ich seine Fantasy-Ecke umgrub, ein Buch mit dem Kommentar: „Ich glaube, das könnte dir gefallen“, in die Hand drückte. Er hatte recht und unrecht zugleich: Das Buch entstammte der Feder einer meiner daraufhin erklärten Lieblingsautorinnen, Patricia A. McKillip, aber es war nicht die „Riddle-Master“-Trilogie, sondern eine Buchgemeinschaftsausgabe der „Vergessenen Tiere von Eld“ (zweites Buch von unten im deutschen Bild). Eld hat es nie auf meine Top-Ten-Liste geschafft, „Riddle-Master“ (ich finde, „Rätselmeister“ hört sich blöd an) sehr wohl. Da ihr Verlag häufiger gewechselt hat, was das Bild dokumentiert, und die neueren Bücher von PMK alle nicht mehr übersetzt werden (High Fantasy: ruhig, hintergründig und schön, der Fokus liegt auf der Entwicklung von Personen, nicht auf blutigen Schlachten; nein, keine Elben und keine Zwerge; sehr unzeitgemäß), lese ich sie auf Englisch und habe begonnen, sie zu sammeln. Sie schreibt keine Reihen, daher ist ihr Œuvre (ich habe ernsthaft erwogen, „Output“ zu verwenden) überschaubar, auch wenn es auf Wikipedia (deutsch und englisch) anders aussieht. Inzwischen gibt es auch ein sprachwissenschaftliches Buch über sie: „Patricia A. McKillip and the Art of Fantasy World-Building“. Ich habe noch längst nicht alle ihrer Romane (und wer sich über die Brüche in den Buchrücken mokiert: betrüblich, ja, finde ich auch, ist halt viel secondhand).

 

Tangram Quadrat | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Wenn ich mein Gehirn aus dem Hamsterrad befreien will und gleichzeitig nachdenken möchte, lege ich Tangrams. Händisch. Ebenfalls analog also. Ich weiß nicht, warum es funktioniert, aber es funktioniert. Das ist allerdings noch mal eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Liebe Ulli, vielen Dank, dass ich auch dieses Mal wieder meine Alltagsschilderung verspätet bei dir einreichen durfte!

 

Quelle: Ulli Gau

 

53 Kommentare zu “Alltag | April

  1. Liebe Christiane, guten Morgen! Du wirst hoffentlich noch wohlig schlafen und der Fellträger dich in Ruhe lassen, hier liegt nun auch wieder eine ganze dünne Decke Schnee auf der Terrasse :(
    Ich wusste ja schon, dass du viel um die Ohren hast, aber wieviel war mir dann doch nicht klar und eigentlich weiß ich auch gar nicht was du in deinem Homeoffice treibst, für wen du planst, organisierst und deine time-lines einhalten musst. Vielleicht magst du mir das ja mal verraten?
    Tangram … das finde ich jetzt witzig, letzten Samstag habe ich eins in Miniaturform für meine Enkelin erworben, später habe ich meins hervorgekramt und gedacht, ich könnte ja auch mal wieder …
    Mrs. Mc. Killip kenne ich nicht, werde sie wohl auch nicht kennenlernen, bin nicht wirklich eine Fantasyleserin, aber muss ich ja auch nicht :)
    Hej, hab tausend Dank für deinen Beitrag, gut, dass es bei diesem Projekt keine time-line gibt :)
    Liebe Grüße und dir einen wohligen Sonntag,
    Ulli

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    • Guten Morgen, liebe Ulli, ja, als du kommentiert hast, träumte ich noch vor mich hin und der Fellträger verbreitete Schrecken unter der Mäuseschaft 😺
      Als ich mit meinem Blog anfing, beschloss ich, dass ich privat bleiben wollte, solange es eben geht. Das heißt, konsequenterweise, nichts zu tun, was mir als Werbung ausgelegt werden kann. Das ist sicherlich eine diskutierbare Entscheidung, aber öffentlich möchte ich mich auch gerne weiterhin hinter der Formulierung „Christiane macht was mit Computern und mit Texten“ verschanzen. Aus Gründen. Das bedeutet aber ausdrücklich NICHT, dass ich es dir nicht in einer persönlichen Mail erzählen würde, wenn du es gern wissen möchtest – ich bin sicher, dass du mein Geeier dann verstehst.
      Tangram: Ich muss meine mal zählen, ich muss mich davon abhalten, mir welche zu kaufen, ich finde die so hübsch. Ich kann aber sagen, dass ich dies aus Holz am schönsten finde.
      Einen gelungenen Sonntag auch dir!
      Liebe Grüße aus dem gerade sonnigen Hamburg
      Christiane und der Fellträger-mit-Maus (tot) 😀😾🐁

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  2. Liebe Christiane, schön, dass du so viel analog machen kannst und magst. Das ist auch irgendwie ein Luxus, finde ich: Man muss Platz haben für analoge Bücher, für analoge Spiele. Stauraum. Der kostet Geld, jeder Quadratmeter extra. Wenn ich meine kleine Wohnung zu voll stelle, kann ich nicht mehr frei atmen (haha, ganz unabhängig von meiner malträtierten Lunge), deshalb bevorzuge ich mein Tablet, für Lektüren ebenso wie für beruhigende Spiele. Es nimmt einfach weniger Platz weg, und die kleine Wohnung wirkt somit großzügiger und lässt sich einfacher aufräumen. Und das führt wieder zu mehr Muße, zu mehr Ruhe. Ich wünsche dir, dass du dich weniger gehetzt fühlst und den analogen Luxus weiterhin nach Kräften genießen kannst!

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  3. Guten Morgen du Organisationstalent! Deine Lieblingsautorin kenne ich gar nicht – da ich Fantasy liebe, schaue ich mir das auf jeden Fall an. Ich kenne das von mir auch – unter Druck arbeite ich am effektivsten, meckerte aber dann auch am meisten über den vermeintlichen Stress😂 ich wünsche dir einen erholsamen Sonntag. Liebe Grüße Sabine

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    • Heute ist Blogkram angesagt, denn heute ist Etüden-Wörterspender-Zieh-Tag! Außerdem wollen die Montagsgedichte vorbereitet werden, und am liebsten würde ich noch bisschen rausgehen, aber das Wetter sieht gerade nicht so einladend aus. Mal sehen. Ich könnte natürlich auch die Couch belagern und lesen …
      Ich kann dir nicht mal sagen, womit du bei PMK anfangen solltest. „Erdzauber“ (die Riddle-Master-Trilogie) wäre die logische Wahl, und das gibt es noch für kleines Geld, aber es sind neue Übersetzungen, und sehr viele Rezensenten weisen darauf hin, dass die Übersetzung schlecht und die Namensänderungen grottig seien (offensichtlich sind viele Personen umbenannt worden, um ähnlich klingende Namen zu vermeiden oder das Geschlecht anzuzeigen, zum Beispiel heißt Morgons (die Hauptfigur) Schwester im Original „Tristan“). Ich habe die uralte Goldmann-Ausgabe in drei Bänden – entweder die oder gleich das Original. Liest du auf Englisch?
      Frag einfach, wenn ich dir bei was helfen soll.
      Liebe Grüße
      Christiane

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    • Ja, man legt beim Tangram ja auch Figuren. Mich haben deine Legearbeiten auch immer schon irgendwie daran erinnert. Sind das andere (welche?) Bereiche im Gehirn, die dann angesprochen werden, weißt du das zufällig?
      Liebe Grüße, schönen Sonntag!
      Christiane

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      • nein, keine Ahnung. Was ich weiß, ist, dass es eine angenehme Form der Konzentration ist, die ohne Wörter auskommt. Daneben laufen die Wortprogramme natürlich weiter, aber sie beanspruchen keine besondere Aufmerksamkeit. Dann kann es passieren, dass auch die verklumpten Worte und Gedanken sich lockern und ins Fließen kommen.

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  4. Hut ab. ich bin kein Homeoffice-Mensch. Während meines Studiums musste ich auch rausgehen und lernen, zu Hause lasse ich mich zu sehr ablenken. Nicht mal durch Katzenvideos oder so, ich neige dann dazu sowas wie Haushalt zu machen oder Dinge, die schon ewig liegengeblieben sind. ;)
    Von McKillip habe ich nocht nie gehört, dabei lese ich echt gerne Fantasy. Riddel-Master klingt auf jeden Fall vielversprechend. Setze die Reihe mal auf meine To-Read-Liste.
    Grüße, Katharina.

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    • Siehe meine Antwort zu Sabine Wortgeflumsel: Wenn du es auf Englisch lesen kannst, empfehle ich dir das Original. Falls nicht, sind die alten Goldmann-Ausgaben von der Übersetzung her die besten.
      McKillip ist eine von der alten Garde, die heutzutage kein Schwein mehr kennt, es sei denn, man ist zu der Zeit eingestiegen. Kann sein, dass es dir zu altmodisch ist 😀. Aber falls du es liest, würde ich mich über eine Rückmeldung sehr freuen, egal, wie sie ausfällt 😉
      Liebe Grüße
      Christiane

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  5. Liebe Christiane, dein Leben klingt so wie meines, vor 10 Jahren :D Nun arbeite ich bewußter und hänge mir nicht mehr so viel auf die Schultern, wie zu meinen besten Zeiten. Dienstags ist immer frei (der Tag wäre eigentlich egal, aber Dienstag hat sich so ergeben) und Sonntags kann ich in Ruhe arbeiten. Deadlines lasse ich mir nicht mehr setzen, aber ich war sowieso immer sehr schnell :D Hab einen schönen bummeligen Tag, bevor es morgen wieder hektisch wird :-)

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    • Momentan ist es bei mir halt so, lieber Arno. Ich hatte schon andere Zeiten; ich werde auch wieder andere haben, es wird sich ergeben. Alles in allem würde ich sagen, dass ich die Vorteile sehr zu schätzen weiß und die Nachteile so gut wie möglich in den Griff zu bekommen versuche … 😀
      Hab ein angenehmes Rest-Wochenende!
      Liebe Grüße
      Christiane, sonntäglich gestimmt

      Liken

  6. Freu mich, wieder einmal was über dich zu lesen, wenn ich auch nach wie vor neugierig bin, was du beruflich so machst :) Leider habe ich heute keine Zeit für irgendwas, ich muss Koffer packen und das dauert …….

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  7. Was für ein wundervoller Alltags-Beitrag, liebe Christiane, nicht kurz und knapp, trotz knapper Zeit, sondern informativ und lesenswert, nicht zu ernst und nicht zu lang.
    Für mich ist es der Erdzauber, oder auch die Rätselmeister. Eines der Bücher, die ich am meisten liebe und nie genug davon bekomme.
    ganz herzlich, Bruni.

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  8. Pingback: Alltag 7 – Radierworkshop im Atelier – Dozentin Susanne Haun | Susanne Haun

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