In Sachen Zwangseinweisung

„Ich habe in solch einem hohen Amt noch nie einen so arroganten selbstbezogenen Menschen erlebt. Er tut alles, um im Gespräch zu sein und um Beifall zu erhalten.“ (Matthias Vernaldi über unseren Bundesgesundheitsminister, mehr lesen hier)

Um was es geht: „Der Bundesgesundheitsminister will eine Reform bei der Versorgung beatmeter Menschen. […] Sein Gesetzentwurf sieht vor, dass die Intensivpflege mit Beatmung in den eigenen vier Wänden nur noch dann möglich sein soll, wenn keine klinische Versorgung möglich oder zumutbar ist.“ (Quelle: AbilityWatch, unbedingt lesen)

Das bedeutet: Wer beatmet werden muss, soll ins Heim – und darf nicht mehr zu Hause in seinem normalen sozialen Umfeld leben. Für immer. Auch, wenn das gegen (zurzeit noch) geltendes Recht verstößt.

Ich halte meinen Text hier absichtlich kurz, bildet euch bitte selbst eure Meinung.

Wichtig ist der Text von Ability Watch: hier

Wichtig ist, dass es morgen eine Demo vor dem Bundesgesundheitsministerium gibt, das morgen Tag der offenen Tür hat: Sonntag, den 18.08.2019 um 10:30h. Treffpunkt ist Friedrichstraße 108, Berlin, Bundesministerium für Gesundheit. Hier ist die Veranstaltung auf Facebook, auch ohne Account lesbar, hier ist der Aufruf auf Twitter.

Wer nicht in, um oder bei Berlin wohnt, kann die Petition dazu auf change.org unterzeichnen. Es sind schon über 36.000 Unterzeichner.

Wer Reaktionen und Erklärungen haben will, was das Gesetz für Betroffene bedeutet, der findet entsprechende Links zentral bei der dergl gesammelt: Gegen das Luftabdrücken auf ihrem Blog, der ich auch den Hinweis auf diese Misere verdanke.

Macht was draus. Heute geht es die meisten von uns nichts an, aber jedem von uns kann etwas passieren, das ihn von anderen abhängig macht … und dann bin ich persönlich froh, wenn einer für mich aufsteht …

 

Demoaufruf von AbilityWatch zur Demonstration am 18.08.2019 in Berlin. Grafik (c) AbilityWatch

Demoaufruf von AbilityWatch zur Demonstration am 18.08.2019 in Berlin. Grafik (c) AbilityWatch

 

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79 Kommentare zu “In Sachen Zwangseinweisung

  1. Danke. Ich habe den Link zu deinem Artikel hier mal in der Linksammlung zum Thema nachgetragen. Ich vermute, dass sich im Laufe des heutigen Tages noch weitere Betroffene auf unterschiedlichen Plattformen zu Wort melden. Anja, die nicht weiß wie lange sie noch ohne Beatmung klar kommt, weil sie nicht weiß, wann ihr ALS in die nächste Etappe geht, versucht mir einen Gastbeitrag zukommen zu lassen. Ob das klappt wissen wir nicht. Sie hat Angst, dass man sie mit diesem Gesetz beizeiten einfach liegen lässt.

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      • Ich habe doch nur geupdated, wie im Januar auch. Jetzt sind es die. Wann ich? Vielleicht sind wir Trinkhalmbrauchende die Nächsten, G. ist unter anderem dazu da mir dann und wann irgendwelche Speisereste aus der Luftröhre zu holen, wenn ich ICP-bedingt falsch schlucke.

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        • Eben. Was ich schrieb: Es kann jeden treffen. Verdammt. Rücksichtnahme. Respekt. Solidarität.

          Als ich Kind war, brachten mir meine Eltern bei, dass man Notärzten/Notarztwagen Platz machen muss, denn: Die kommen auch für dich. Heute lese ich, dass es … Menschen … gibt, die bei Notarztwagen die Radmuttern lockern. Aus Spaß. Um zu sehen, was dann passiert. Oder so.
          Manchmal versteh ich die Welt nicht mehr.

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        • Die Notarztwägen überhaupt nicht durchlassen, denn parken oder einen Termin haben sei wichtiger. Vor zwei-drei Wochen war da war in Düsseldorf: 16-jähriger tödlich verunglückt und eine Frau hat entweder den Weg oder die Notfallstelle mit ihrem Auto blockiert, weil ihre Sache sei wichtiger als der Verletzte.

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  2. Irgendwie hat der Typ immer so fixe Ideen und denkt nicht eine Sekunde darüber nach was es beudetet. Der braucht jemand neben sich, der ihm erklärt, was das im Konkreten zB auch für ihn und seine Familie bedeuten würde. Oder noch besser, jm. der ihm sagt, dass Politiker die falsche Berufswahl ist.
    Grüße, Katharina

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    • Ich glaube nicht, dass man dem irgendwas erklären kann. Frag mal die Leute, die die Linksammlung auf meinem Sachblog lesen – oder kommt selbst rüber, ich kann dich reinlassen -, der Typ ist eine der wenigen Personen, an denen ich mich RICHTIG abarbeiten kann. Egal wozu der den Mund aufmacht, Herr Vernaldi (den Christiane zitiert hat) hat sicher Recht. Schon alleine wenn du dir überlegst wie lange der gebraucht hat um Konversiontherapien zu verbieten (und das Blutspendeverbot ist so weit ich weiß immer noch nicht aufgehoben) und die Schwulen sind ja nun mal seine eigenen Leute… Meine Mutter ist Falco-Fan, ich muss da gerade an ein Lied denken: „Die ganze Welt dreht sich um mich, denn ich bin nur ein Egoist, der Mensch, der mir am nächsten ist, bin ich , ich bin ein Egoist“ (könnte auch von Spahn sein, der hoffentlich nicht auch noch anfängt zu singen)

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  3. Laut AbiltyWatch auf Twitter sind mehr als 100 Leute da:

    und angeblich möchte der Jens mit Raul Krauthausen reden (ich glaube es ja nicht):

    Es gilt noch: Drückt in Netzwerken Solidarität aus, teilt Blogposts, macht sonst was. Das ist erst der Anfang, irgendwann trifft es alle.

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      • Weiß ich doch. Guckt außer dir überhaupt noch jemand drauf? Glauben wahrscheinlich alle, sie seien unverwundbar. Es gibt Asthmatiker*innen, die nachts beatmet werden und Asthma gilt als „Volkskrankheit“, die Leute trifft es auch. Etliche Leute um die 60 haben eine Schlafapnoe, die werden sofern sie Gerätschaften brauchen mit abgeräumt. Leute mit Mukoviszidose… Was ist wenn die Leute irgendwann weg sind?“ Ja, äh, ich hab das damals nicht ernstgenommen, ich dachte, nur Komapatienten, oder was?!

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        • Samstag: 114 Aufrufe
          Sonntag: 26 Aufrufe
          Montag: 12 Aufrufe
          Dienstag: bisher 7 Aufrufe

          Allerdings habe ich das „Kommentare abonnieren“ nicht aktive, wobei mir aber nicht klar ist, ob alle, die es interessieren könnte, es wissen, dass sie darüber die Updates bekämen.
          Lass mich mal ganz doof was fragen: Mein verstorbener Freund bekam zum Schluss nachts Sauerstoff. Das war wenig mehr als eine Flasche und ein Stöpsel, vielleicht noch ein Gestell zum Aufhängen. Fällt das schon unter „Beatmung“ oder ist das noch eine Vorstufe? Ich kenne mich da nicht aus.

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        • Weiß ich nicht, frag da mal lieber jemanden, der/die/das in dem Thema richtig drin ist, sonst erzähle ich noch ungewollt Mist. Ich würde allerdings vermuten, dass das irgendwann alles zusammengefasst wird. Die Kostenträger-Argumentation könnte sein, dass Krankenhäuser bzw. Heime solche Apparaturen standardmäßig besitzen (tun sie das grundsätzlich?) und man deshalb nicht die Krankenkasse belasten müsse…

          Ich weiß von Mukoviszidose-Patienten, die unter genau der Argumentation schon zwangseingewiesen wurden und ich rede von Leuten, die bis dahin selbstständig gelebt und zum Teil auch gearbeitet haben. Der eine hatte nur so einen Rucksack, sah aus wie diese Trinksystemrucksäcke fürs Trekking, und da kam dann der Schlauch zur Sauerstoffbrille raus. Also auch nichts großes, hat er bei der Arbeit unter den Tisch gestellt und fertig, war laut Gesetz schon zu viel verlangt. Der lebt nicht mehr.

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        • Ob die KKH/Heime das standardmäßig besitzen, kann ich nicht beantworten, aber es ist die Minimalversion, glaube ich, daher vermute ich, dass ja.
          Okay, danke, dann muss ich mal woanders schauen. Infos dazu sollte es ja jetzt gerade geben.

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        • Irgendwer weiß definitiv ab wann die Definition „Beatmung“ zutrifft. Es haben sich jetzt ja, besonders wegen der Dringlichkeit, fast nur schwer Betroffene zu Wort gemeldet, aber irgendwo sind die Leichtbetroffenen auch.

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  4. kobinet hat noch was:

    „Vor achtzig Jahren – am 1. September 1939 – begann nicht nur der Zweite Weltkrieg, sondern per rückdatiertem Erlass auch die systematische Tötung von Menschen mit Behinderungen durch das nationalsozialistische Regime.

    Bis Kriegsende fallen den später unter dem Namen ‚Aktion T4‘ bekannt gewordenen Morden rund 70.000 Menschen zum Opfer. Insgesamt sterben im Rahmen der Krankenmorde rund 200.000 Menschen. Das Ziel war es, die Kosten für die Pflege in den Krankenanstalten zu senken und unheilbare Erbkrankheiten auszurotten.

    Vor diesem Hintergrund fordert unser Verband im Aktionsbündnis des Deutschen Behindertenrates, dass der jetzt vorgelegte Referentenentwurf zum neuen Rehabilitations- und Intensivpflegegesetz (RISG) von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, im Wesentlichen überarbeitet werden muss.“

    aus: Stellungnahme Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter
    https://kobinet-nachrichten.org/2019/08/31/vor-80-jahren-begann-die-systematische-toetung-von-menschen-mit-behinderung/

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      • Das ist das gleiche Thema, aber der Artikel hat mit dem Klecks nichts zu tun. Ich habe den Artikel auch erst viel später gefunden, allerdings gibt es gerade sehr viele, die die Parallele ziehen. Letztens das von der Berliner Behindertenzeitung zum Beispiel thematisierte das auch. Ich rechne damit, dass morgen irgendeine Gedenkrede auch die Spahnpläne thematisiert werden.

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      • Einige davon werden, wie gesagt, von mir sein. Andere vielleicht durch den Gedichte-Pingback bei kobinet kommen. Also dort zu den Gedichten gefunden und dann hier in der Seitenleiste den Artikel aufgerufen haben.

        Ich kann heute Morgen kein lesbares Deutsch, werde mich auch wahrscheinlich ein paar Tage ausklinken (also nicht wundern, wenn ich dann „weg“ bin oder nicht antworte).

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        • Gut, dass du es sagst, hab heute früh den Eintrag auf deinem Sachblog gelesen und mache mir seitdem Gedanken, natürlich auch um/über dich. War schon gestern Abend bestürzt wegen der Schließung der Kommentare. Pass auf dich auf.

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        • Es laufen da gerade Sachen, die nicht in Ordnung sind und die ich zum Teil auch persönlich nehme und dafür habe ich weder die Zeit, noch die Kraft noch die Verpfichtung dazu für alle alles zehnmal zu erklären oder mir gefühlt so bald ich derzeit irgendetwas irgendwo sage eins vor den Latz geben lassen zu müssen.

          Ich muss schauen wie ich die Sachen, die schieflaufen wieder gerade bekomme. Aber ich habe auch noch ein anderes Leben (scheinen einige – nicht du – zu vergessen) und nicht die stabilste aller Gesundheiten.

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        • Meine Gedanken kreisen um dieses Verantwortungsthema, seit wir es angerissen haben. Aber ich muss es für mich selbst formuliert bekommen, so weit bin ich noch nicht, denn ich bin sicher, dass daraus Rückfragen entstehen, und da möchte ich einiges durchdenken.
          Wir lesen uns. Wie gesagt, pass auf dich auf.

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