Vogelflug | abc. etüden

Sie war so wütend und fühlte sich innerlich so zerrissen, sie hätte schreien und mit Gegenständen werfen können.

„Warum bist du so sauer?“

„Ach, kümmer dich doch um deinen eigenen Kram“, brummte sie in sich hinein, aber sprach es nicht laut aus. Es war eh egal, als Nächstes würde man ihr Wechseljahresbeschwerden unterstellen. Was sollte sonst schon mit ihr sein?

Der Herbst brach mit Macht herein, es wurde jeden Tag dunkler und kälter und sie fühlte sich wie ein Tier, das nicht zu den anderen in den Stall wollte. Es muss doch mehr als alles geben! Irgendwas war total falsch.

Draußen hörte sie die ziehenden Gänse, sie stürzte auf die Terrasse und starrte in den Himmel, dem fliegenden V hinterher. Früher, ja, früher, da hatte man den Vogelflug genutzt, um die Zukunft vorauszusagen. Eingeweideschau übrigens auch, iiih, sie erinnerte sich, davon in der Schule im Lateinunterricht gehört zu haben. Aber würde sie denn wirklich die Zukunft erfahren wollen, so richtig im Ernst, oder war sie dazu nicht doch zu ängstlich? Sie, bei der die Tarotkarten streikten und die Silvesterbleigießerei nur irgendwelche obskuren Knubbel hervorbrachte? Zurzeit jedenfalls zweifelte sie an allem und jedem, und sie war sich nicht sicher, wie tief das Grollen ihre Grundfesten erschüttern würde, wenn sie es weiter zuließe.

Wer dachte, dass sie heute eifrig den Putzwedel schwingen würde, dem würde sie jedenfalls mit dem Besen eins überbraten. Ha. So!

Soll doch. Sollen die anderen.

„Hau bloß ab, du“, raunzte sie die Katze an, die vor ihr um die Ecke bog. Die jedoch, ignorant wie stets, hielt auf sie zu und rieb sich an ihrem Bein. Reflexartig hob sie sie hoch, fuhr zärtlich über das kurze, harte Fell und lächelte bei dem zufriedenen Schnurren des kleinen Tieres.

Sie fühlte sich wie der Gordische Knoten vor dem großen Schlag.

 

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulli und ihrem „Café Weltenall“ und lauten: Vogelflug, ängstlich, schwingen.

 

Von Zeit und Vergehen

 

Durch manchen Herbst

Durch manchen Herbst des Leidens
mußt du, Herz,
eh dich die letzte goldne Sichel mäht.
Schon späht
ihr blankes Erz
nach deinem dunklen Blut.
Wie bald, so ruht,
verströmend Gold,
es, Abendröten gleich
in jenem Reich
des Ewigen Abends,
welcher Friede heißt!
O süßer Geist
der Nächte,
sei mir hold!

(Christian Morgenstern, Durch manchen Herbst, aus: Melencolia, 1906, Online-Quelle)

 

Nächtens will ich mit dem Engel reden

(VIII)

Nächtens will ich mit dem Engel reden,
ob er meine Augen anerkennt.
Wenn er plötzlich fragte: Schaust du Eden?
Und ich müsste sagen: Eden brennt

Meinen Mund will ich zu ihm erheben,
hart wie einer, welcher nicht begehrt.
Und der Engel spräche: Ahnst du Leben?
Und ich müsste sagen: Leben zehrt

Wenn er jene Freude in mir fände,
die in seinem Geiste ewig wird, –
und er hübe sie in seine Hände,
und ich müsste sagen: Freude irrt

(Rainer Maria Rilke, Nächtens will ich mit dem Engel reden, Teil von: Gedichte für Lulu Albert-Lazard; Irschenhausen, 25. September 1914, aus: Rainer Maria Rilke, Gedichte 1906 bis 1926, Insel-Verlag 1953, S. 258)

 

Weisst du – wo?

Weit – weit –
Hart an der Ewigkeit,
Über den Zeiten,
Ganz hinter Mitternacht,
Wo schauernd schreiten
Füsse der Geister sacht,
Wo gar kein Wald mehr
Und keine Wiese lacht,
Wo, dieses Lebens leer,
Schläft eines Oceans Macht
– Dort winkt ein Streifen Strand,
Dort kreist die Sehnsucht mein
Adlergleich, ganz allein,
Suchend nach Land.

(Karl Ernst Knodt, Weisst du – wo?, aus: Neue Gedichte, 1902, Online-Quelle)

 

See und Waldrand im Nebel | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde den Rilke einigermaßen verstörend und ungewöhnlich.Das Gedicht ist mir neu, ich versuche gerade, mir einen Reim darauf zu machen. Aber wie dem auch immer sei: Kommt gut in die neue Woche.

(Hinweis in eigener Sache: Heute und morgen ist eine gewisse Anthologie noch kostenlos herunterzuladen – bitte hier weiterlesen!)

 

Halloween-Geschichten: Ich bin auch dabei

Vor einem Monat und einem Tag habe ich hier eine Ausschreibung mit euch geteilt, Halloween-Geschichten zu verfassen und einzureichen. Die Zeit war recht knapp, einige von euch haben sofort „O ja!“ gerufen, andere müde abgewinkt. Nachdem ich ziemlich auf den letzten Drücker mit einem vorerst letzten Teil meiner Wassermaler-Geschichte fertig geworden war (Wassermaler goes Halloween, wer sich an die anderen Geschichten erinnert, der weiß, dass sie nicht wirklich reißerisch waren, diese hier ist es auch nicht) und eigentlich erwartete, dass man mir „Sehr nett, aber bisschen unspektakulär“ sagen würde (was ich verstanden hätte), wurde ich von der Aufforderung seitens der Agentur überrascht, ob ich vielleicht noch Luft für eine zweite Geschichte hätte. Klar, wenn man mich schon so nett fragt!
Meine zweite Geschichte wurde dann zwar „halloweeniger“, aber, ehrlich gesagt, ist Grusel eigentlich nicht mein Genre.

Und dann hatte ich gestern Mittag eine erfreuliche Mail im Postkasten: DAS E-BOOK IST ERSCHIENEN! Mit meinen beiden Geschichten! Und, wie ich dann erfreut festgestellt habe, mit so einigen aus der Etüdenrunde!

Öffentlich gefreut haben sich bereits Alice, Corly G., Katharina, Rina.P. René hat jetzt nachgezogen und vermutlich wie ich darauf gewartet, euch sagen zu können: Jetzt, Leute, stürmt zu Amazon und ladet es euch umsonst herunter, denn vom 27. bis 29. Oktober läuft eine Gratis-Aktion! (Was die Uhrzeit angeht: leidiges Ding. Amazon.de startet nicht nach europäischer, sondern nach US-Zeit, also 12 AM PDT, und das sollte, wenn ich mich nicht irre, um 8 Uhr morgens sein.) Susanne (Sommerfeld) wiederum führt den entzückenden Blog „books2cats“ und ist auch mit zwei Geschichten vertreten. Und Manuela folgt „Irgendwas ist immer“.

Also: Hier den Jubel lesen.
Dann: Hier downloaden (wie gesagt, 27.–29. Oktober ab vermutlich 8:00 Uhr gratis, es gibt kostenlose Kindle-Apps für PC/Laptop/Smartphone/Tablet, man braucht allerdings einen Amazon-Account).

 

Cover "Weder süß noch sauer", Halloween-StorysQuelle: Media-Agentur Gaby Hoffmann

 

Von Herbst und Schatten

 

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke, Herbsttag, aus: Das Buch der Bilder, 1. Buch Teil 2, S. 48, 1902 (Entstehungsdatum), Online-Quelle)

 

Herbst

Eine trübe, kaltfeuchte Wagenspur:
Das ist die herbstliche Natur.
Sie hat geleuchtet, geduftet, und trug
Ihre Früchte. – Nun, ausgeglichen,
Hat sie vom Kämpfen und Wachsen genug. –
Scheint’s nicht, als wäre alles Betrug
Gewesen, was ihr entwichen?!

Das Händesinken in den Schoß,
das Zweifeln am eignen, an allem Groß,
Das Unbunte und Leise,
Das ist so schön, daß es wiederjung
Beginnen kann, wenn Erinnerung
Es nicht klein machte, sondern weise.

Ein Nebel blaut über das Blätterbraun,
Das zwischen den Bäumen den Boden bedeckt.

Wenn ihr euren Herbst entdeckt:
Dann seid darüber nicht traurig, ihr Fraun.

(Joachim Ringelnatz, Herbst, aus: Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute, 1934, Online-Quelle)

 

MUSIK IM MIRABELL

Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn
Im klaren Blau, die weißen, zarten.
Bedächtig stille Menschen gehn
Am Abend durch den alten Garten.

Der Ahnen Marmor ist ergraut.
Ein Vogelzug streift in die Weiten.
Ein Faun mit toten Augen schaut
Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.

Das Laub fällt rot vom alten Baum
Und kreist herein durchs offne Fenster.
Ein Feuerschein glüht auf im Raum
Und malet trübe Angstgespenster.

Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.
Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.
Die Magd löscht eine Lampe aus,
Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.

(Georg Trakl, Musik im Mirabell, aus: Gedichte, 1913, Online-Quelle)

 

Herbstwald, trüb | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich habe mit mir selbst einen Deal gemacht: Einmal pro Jahr poste ich Rilkes Herbsttag. Es ist mir (mit Verlaub) scheißegal, dass viele von euch damit vermutlich den Deutschunterricht assoziieren, dieses Gedicht hat sich seit vielen, vielen Jahren in mein Herz eingegraben, deshalb will ich es hier lesen. Außerdem werden Gedichte dadurch nicht schlechter, dass man sie öfter als einmal liest.

Ich bin heute vermutlich erst gegen Abend online, falls sich wer wundert, dass ich nicht antworte.

Kommt gut in die neue Woche, so oder so!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.19 | Wortspende von Café Weltenall

Wenn ich die neue Etüdensaison plane, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dann lege ich auch die Reihenfolge fest, wann welche*r Wortspender*in drankommt, und meistens geschieht das aufgrund der gespendeten Wörter, dass ich in diesem Moment denke, dass die besonders gut in die Zeit passen. Jetzt ist es jedoch zum zweiten Mal nacheinander, dass ich denke, dass die Auswahl der Wortspender als Kommentar zu der Triggerdebatte gelesen werden könnten. Lasst mich euch versichern: Nein, dem ist nicht so.

Dieses ist eines der wenigen Male, dass ich es nicht geschafft habe mitzuschreiben. Mein schlechtes Gewissen ist gewaltig, es liegt nicht an den Wörtern, auf keinen Fall – aber ich hatte zu wenig Zeit und war im Kopf mit anderem beschäftigt, zum Beispiel mit einer gewissen Halloween-Geschichte und den Vorbereitungen auf die Buchmesse. Tatsächlich ist auch dies ein vorgeplanter Beitrag; da ich, wie viele von euch schon festgestellt haben dürften, jedes Mal fast dasselbe schreibe, ist das nicht wirklich schwer.

Okay, wie immer geht es los mit der Statistik. Wir haben 35 Etüden von 24 teilnehmenden Blogs (Stand ohne Nachzügler), die Liste führt Myriade mit vier Etüden an, danach kommt Werner mit drei Etüden, womit ich gleich zum nächsten Punkt übergehe und zwei neue Mitschreibende begrüße: Die Fledermaus auf OnlyBatsCanHang und die Findevogelfrau (sag mir gern, wie ich dich nennen darf) vom Findevogelblog. Ich amüsiere mich gerade ein bisschen, dass hier jetzt zwei Blogs vertreten sind, die sehr ähnlich heißen …

Ich bin zurzeit noch auf der Buchmesse, und daher fast komplett offline. Ich bitte ggf. um Entschuldigung; ich habe euch zwar verlinkt bzw. trage es nach, komme aber erst später zum Lesen bei euch rum (wenn ich wieder wach bin. Oder so).

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das Procedere ja meist inzwischen zu Genüge.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier, hier und hier
Die Fledermaus auf onlybatscanhang: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Die Findevogelfrau aus dem Findevogelblog: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier und hier
Martina auf Und sonst so?: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 43/44 des Schreibjahres 2019 kommen seit langer Zeit mal wieder von Ulli Gau aus ihrem Café Weltenall. Die neuen Begriffe lauten:

Vogelflug
ängstlich
schwingen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 03. November 2019. Habt noch ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Vom Garten und Liebe und Herbst

 

Im Garten

Die hohen Himbeerwände
Trennten dich und mich,
Doch im Laubwerk unsre Hände
Fanden von selber sich.

Die Hecke konnt’ es nicht wehren,
Wie hoch sie immer stund:
Ich reichte dir die Beeren,
Und du reichtest mir deinen Mund.

Ach, schrittest du durch den Garten
Noch einmal im raschen Gang,
Wie gerne wollt’ ich warten,
Warten stundenlang.

(Theodor Fontane, Im Garten, aus: Gedichte (Ausgabe 1898), Online-Quelle)

 

Lehnen im Abendgarten beide

Lehnen im Abendgarten beide,
Lauschen lange nach irgendwo.
„Du hast Hände wie weiße Seide …“
Und da staunt sie: „Du sagst das so …“

Etwas ist in den Garten getreten,
Und das Gitter hat nicht geknarrt,
Und die Rosen in allen Beeten
Beben von seiner Gegenwart.

(Rainer Maria Rilke, Lehnen im Abendgarten beide, aus: Erste Gedichte/Gaben an verschiedene Freunde, Insel 1913, Online-Quelle)

 

Der Garten

Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll,
Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten,
Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwoll
Einst unser junges Sehnen, und wir starrten
In manche blaue Nacht. Nun bist du tot
Drei bunte Jahre. Die Kastanien fallen.
Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot,
Es müssten deine leichten Tritte hallen.
Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar,
Und mächtig drückt mich eine süße Schwere,
Als ob der irre Duft von deinem Haar
Noch irgendwo in diesen Büschen wäre.

(Emanuel von Bodman, Der Garten, in: Hans Bethge (Hrsg.), Deutsche Lyrik seit Liliencron, 1905, Online-Quelle)

 

Rotes Weinlaub im Herbst | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Momentan ist in meinem Offline-Leben ziemlich viel los, und ich weiß nicht, wann/ob ich zu meinen täglichen Runden durch die Blogs komme, geschweige denn zum Schreiben. Seht es mir bitte nach.

Kommt gut in die neue Woche, so oder so!

 

Von Herbst und Korn

 

Das Samenkorn

Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,
Die Amsel wollte es zerpicken.

Aus Mitleid hat sie es verschont
Und wurde dafür reich belohnt.

Das Korn, das auf der Erde lag,
Das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt ist es schon ein hoher Baum
Und trägt ein Nest aus weichem Flaum.

Die Amsel hat das Nest erbaut;
Dort sitzt sie nun und zwitschert laut.

(Joachim Ringelnatz, Das Samenkorn, in: Kleine Wesen, 1910, aus: Sämtliche Gedichte, Diogenes 1997, S. 12)

 

Stilles Reifen

Alles fügt sich und erfüllt sich,
musst es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr’ und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages jenen
reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte
in die tiefen Speicher führest.

(Christian Morgenstern, Stilles Reifen, aus: Ich und die Welt, Online-Quelle)

 

Gottesdienst.

Sieh! keinen Tropfen Wasser schluckt das Huhn,
Ohn’ einen Blick zum Himmel auf zu thun;
Und, ohne vor anbetend sich zum Staube
Geneigt zu haben, pickt kein Korn die Taube.
Was sie bewußtlos thun, thu du’s bewußt;
Daß du vor ihnen dich nicht schämen mußt.

(Friedrich Rückert, Gottesdienst., in: Auswahl deutscher Gedichte : für die untern und mittlern Klassen der Gelehrten- und höhern Bürgerschulen ; nach den Originalien und mit Anmerkungen, 1842, Online-Quelle)

 

Hände halten Haferkörner im Feld mit Hafer | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Gestern gefunden bei Mystik aktuell und spontan sehr gemocht:

 

Ja, davon scheint es einige Versionen zu geben. Unter einer anderen habe ich Folgendes gefunden:

„The River Is Flowing“ was a chant written in the 1970s by Sun Bear, a member of the Chippewa Tribe. He was born in the White Earth Reservation in the North of the United States on 31 August 1926 and died on 19 June 1992 at the age of 66 in Spokane, Washington. – Additional verses were added by E. Barrie Kavash in her 2005 novel „Sacred Cave“ which is set in North America’s prehistoric southeast.

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 41.42.19 | Wortspende von reisswolfblog

Die Anzahl der Extraetüden ist ja häufig etwas dünner gesät, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dafür fallen dann diejenigen, die reinkommen, etwas mehr ins Auge … Spontan verliebt habe ich mich in der vergangenen Woche jedenfalls in die Protagonistin der Etüde von Tanja von Stachelbeermond, die sich damit den Etüden neu angeschlossen hat: Hurra, herzlich willkommen und lang lebe Fräulein Honigohr! Aber auch die anderen Etüden sind wie immer nicht von schlechten Eltern, daher lest gerne rein! Ich bin dieses Mal nicht vertreten: Meine sämtlichen kreativen Gedanken befinden sich bei den Halloween-Geschichten; ich schreibe meine Wassermaler-Geschichten fort …

Die Statistik ist dagegen für Extraetüden erfreulich: 15 Etüden von 13 teilnehmenden Blogs (Stand ohne Nachzügler), jeweils zwei Etüden haben dieses Mal Alice und Corly beigesteuert. Vielen (Extra-)Dank!
Ich war gestern fast komplett offline und bitte um Entschuldigung; ich habe euch zwar verlinkt, komme aber erst heute später zum Lesen bei euch rum (wenn ich wieder wach bin).

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das Procedere ja meist inzwischen zu Genüge.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Tanja auf Stachelbeermond: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Martina auf Und sonst so?: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Werner auf Werner Kastens: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier

Nachzügler: Natalie im Fundevogelnest: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 41/42 des Schreibjahres 2019 kommen zum ersten Mal von fraggle und seinem Blog reisswolfblog. Die neuen Begriffe lauten:

Gewächshaus
jodhaltig
fälschen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 20. Oktober 2019. Uns allen viel Schreiblust, und habt noch ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2019 41+42 | 365tageasatzaday

 

abc.etüden 2019 41+42 | 365tageasatzaday