Vom Garten und Liebe und Herbst

 

Im Garten

Die hohen Himbeerwände
Trennten dich und mich,
Doch im Laubwerk unsre Hände
Fanden von selber sich.

Die Hecke konnt’ es nicht wehren,
Wie hoch sie immer stund:
Ich reichte dir die Beeren,
Und du reichtest mir deinen Mund.

Ach, schrittest du durch den Garten
Noch einmal im raschen Gang,
Wie gerne wollt’ ich warten,
Warten stundenlang.

(Theodor Fontane, Im Garten, aus: Gedichte (Ausgabe 1898), Online-Quelle)

 

Lehnen im Abendgarten beide

Lehnen im Abendgarten beide,
Lauschen lange nach irgendwo.
„Du hast Hände wie weiße Seide …“
Und da staunt sie: „Du sagst das so …“

Etwas ist in den Garten getreten,
Und das Gitter hat nicht geknarrt,
Und die Rosen in allen Beeten
Beben von seiner Gegenwart.

(Rainer Maria Rilke, Lehnen im Abendgarten beide, aus: Erste Gedichte/Gaben an verschiedene Freunde, Insel 1913, Online-Quelle)

 

Der Garten

Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll,
Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten,
Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwoll
Einst unser junges Sehnen, und wir starrten
In manche blaue Nacht. Nun bist du tot
Drei bunte Jahre. Die Kastanien fallen.
Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot,
Es müssten deine leichten Tritte hallen.
Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar,
Und mächtig drückt mich eine süße Schwere,
Als ob der irre Duft von deinem Haar
Noch irgendwo in diesen Büschen wäre.

(Emanuel von Bodman, Der Garten, in: Hans Bethge (Hrsg.), Deutsche Lyrik seit Liliencron, 1905, Online-Quelle)

 

Rotes Weinlaub im Herbst | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Momentan ist in meinem Offline-Leben ziemlich viel los, und ich weiß nicht, wann/ob ich zu meinen täglichen Runden durch die Blogs komme, geschweige denn zum Schreiben. Seht es mir bitte nach.

Kommt gut in die neue Woche, so oder so!