04 – Wann ist Winter? | Adventüden

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Wann ist Winter? (Die Hoffende, ICH & MEHR)

 

Es ist Vorweihnachtszeit und wie immer im Advent wandern meine Erinnerungen zurück in meine Kindheit. Fast alle Menschen träumen von einer weißen Weihnacht und glauben, davon schon ganz viele erlebt zu haben.

Wie gut doch unser Gehirn zu uns ist, es schenkt uns das Vergessen. Nicht so schöne Begebenheiten existieren später nicht mehr für uns, es bleibt das feste Bewusstsein, dass die Feiertage fast immer weiß waren. Doch leider erlebten wir den Weihnachtszauber in unserer Vergangenheit meist grün, so grün wie den Baum im Wohnzimmer.

Die weiße Pracht kam erst später. Ganz selten steckten zu Silvester bengalische Feuer in Schneehaufen. Fast immer war es kalt, manchmal feucht, ab und zu sehr windig. So richtig schönes Feuerwerkswetter gab es genauso selten wie Schnee zu Weihnachten. Aber die kalte Jahreszeit rückte spürbar und unaufhaltsam heran.

Im neuen Jahr, wenn die Schule wieder losgegangen war, kam endlich auch der lang erwartete Winterzauber. In dieser Zeit träumte ich oft am Fenster, sah den Schneeflocken zu und beobachtete genau, ob sie groß oder klein waren, fing sie auf und besah sie – bis sie sich durch die Wärme meiner Hand auflösten.

Die schönsten Wintertage waren für mich jene, an denen ich aus der Schule kam, den Ranzen in eine Ecke warf, sofort die Hosen, Schuhe und Jacke wechselte, die Pudelmütze aufsetzte und den Schlitten holte. Dann rodelte ich bis zum Dunkelwerden mit den anderen Kindern aus dem Viertel. Abends kamen oft die Väter (und manchmal auch die Mütter) dazu. Dann wurde es zu einem großen Event für Familien, ohne dass es einer Organisation bedurft hätte.

Das Rodeln im Dunkeln, nur im Schein der Straßenlaternen, gehört zu meinen allerschönsten Kindheitserinnerungen.

 

Adventüden 2019 04 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

49 Kommentare zu “04 – Wann ist Winter? | Adventüden

  1. Je tiefer im Festland, je näher am Nordpol und je höher gelegen die Kindheit stattgefunden hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Erinnerungen an weiße Weihnachts- und Silvesterfeiertage Erinnerungen an reale Gegebenheiten sind. In Sibirien dürften „grüne“ Weihnachten eher selten sein.
    Interessant, dass „Väter“ mit gerodelt haben, an sowas kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Mein Vater (ebenso wie die Väter der anderen Kinder) kam in aller Regel erst heim, wenn wir längst in den Betten lagen. Meine Mutter rodelte auch nicht mit, sondern holte uns allenfalls ab, damit wir rechtzeitig in selbige Betten kamen.
    Trotzdem (oder gerade deswegen?) setzt die Geschichte bei mir Erinnerungsspiralen in Gang. Danke dafür!

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    • Das ist auch bei mir so. Ich erinnere mich zwar durchaus an weiße Weihnachten, aber eben auch oft an grüne. Was es aber in meiner Erinnerung immer gab, waren diese Winterphasen mit einer geschlossenen Schneedecke, wo auch ich nach Hause kam, die Schulsachen in die Ecke warf und rodeln ging. In meiner Vorstellung ist das so im Grundschulalter, vermutlich wenig älter.
      An Eltern kann ich mich nicht erinnern, aber an ältere Geschwister (der anderen), und Mütter kamen auch nur, um uns nach Hause zu holen.
      Paradiesische Kindheit, wenigstens dann. Ach.
      Liebe Grüße
      Christiane 😁✨❄️☃️

      Gefällt 5 Personen

      • Die meisten Väter in meiner Wohngegend fingen schon morgens 6 Uhr mit der Arbeit an. Entsprechend früh kamen sie zurück. Das passt schon so… 😉 Meine eigene Mutter ist nicht mit gerodelt, aber einige Nachbarinnen.
        Ich freue mich, dass ich eure eigenen Erinnerungen wach rufen konnte! ❤️
        Liebe Grüße
        die Hoffende

        Gefällt 1 Person

        • Ja, das klingt plausibel, wenn jemand um sechs anfängt zu arbeiten, dass er abends die Kinder holen kann. Leider dauerte der Arbeitstag meines Vaters länger, er ging meistens sogar schon um fünf aus dem Haus und kam selten vor elf Uhr abends wieder. Sechs Tage in der Woche. Am Sonntag hockte er dann daheim über der Buchführung. Seltsamerweise haben wir Kinder trotzdem eine gute Beziehung zu ihm entwickeln können. Die Urlaube waren sehr intensiv, und sommers machten wir immer mal wieder Ausflüge auf die Kuhweiden, wo er als Tierarzt tätig war. Manchmal besuchten wir ihn auch im Veterinärkrankenhaus, picknickten im dahinter liegenden Nutzgarten oder durften auf seiner mechanischen Schreibmaschine tippen und seine ewig langen Zahlenkolonnen nachrechnen. Lang ist‘s her.

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        • Das finde ich sehr schön, dass ihr so ein schönes Verhältnis zueinander hattet! Aber das Arbeitspensum von deinem Vater hört sich für mich schlimm an… Meiner war angestellt und hatte somit sehr geregelte und wesentlich kürzere Arbeitszeiten. Aber es hat alles seine Vor- und Nachteile. Schön, dass wir beide schöne Erinnerungen haben! ❤️

          Gefällt 2 Personen

  2. Weisse Weihnachten: ich kann mich an keine einzige erinnern. Gibt es wohl nur noch im Fernsehen. Schnee an Sylvester? Habe ich nur während der Skiurlaube in der Schweiz in Erinnerung.
    Aber weiterhin davon träumen ist schön und kostet ja nichts.

    Gefällt 4 Personen

    • Weiter im Osten des Landes bekommt man ab und zu einen Schwung der russischen Kälte ab. Wenn das zum richtigen Zeitpunkt passiert, kann es tatsächlich weiße Weihnachten (oder Silvester) geben. Hin und wieder habe ich also eine solche erlebt, aber sicher nicht in der Häufigkeit wie in meiner Erinnerung. 😉
      Seid lieb gegrüßt und träumt euch einfach in eine Weihnacht eurer Wünsche! 😊
      die Hoffende

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  3. Auch mein Kopfkino läuft, besonders, wenn auch wir nach der Schule den Schlitten ergriffen und auf die Rodelbahn zogen, bis es dunkel wurde. Komisch, die Kälte haben wir gar nicht empfunden, während mir heute scheint, im Winter (der ja hier keiner mehr wirklich ist) bin ich nur von bewegungsfernen Frostbeulen umgeben.

    An weiße Weihnacht direkt kann ich mich nicht erinnern, eher an Schneematsch und verirrte Schneeflocken und meine Eltern waren not amused, wenn wir am 1. Feiertag die Verwandtschaft in Recklinghausen und am 2. die in Witten besuchten und die Straßen rutschig waren.

    Im Pott hielt der Schnee wohl nie so lange …

    Liebe Grüße dir!

    Gefällt 3 Personen

    • Es gibt bestimmt Statistiken, wie oft früher wirklich zu Weihnachten Schnee lag – und wo. Dürfte auch mit der geografischen Höhe zu tun haben, je flacher, desto weniger Schnee, weil in der Regel wärmer …
      Hach, ja, früher … :-)

      Gefällt 2 Personen

    • Der Pott hatte wohl auch den Nachteil, dass es im Ballungsgebiet mit viel Industrie immer etwas wärmer ist. Ich erlebe das hier in der Pfalz, in meinem jetzigen Zuhause. Die BASF direkt nebendran und nur in Ausnahmefällen bleibt der Schnee mal liegen. Eine Woche ist das Maximum, einmal hatten wir nur einen Tag Schnee im ganzen Winter. Ich kann mir deine Erinnerungen also sehr lebhaft vorstellen. Umso schöner, dass du trotzdem vom Rodeln erzählen kannst! 😊 Ich habe damals auch nie gefroren, war ständig in Bewegung. Für Kinder ist das, glaube ich, normal. 🤔
      Danke, dass auch du mir von deinen Erinnerungen erzählt hast! 😊👍
      Liebe Grüße
      die Hoffende

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      • Liebe Hoffende (ein schöner Name übrigens),
        BASF als Nachbar ist fast, wie in Reichweite einer Zeche zu leben. Aber du hast recht, da ist es sicher wärmer und die Luft dicker.
        Wenn ich heute ins Ruhrgebiet komme oder durchfahre, ist das alles anders geworden, zum Glück.

        Wir haben das Rodeln jedenfalls noch erlebt, irgendwann werden die Kinder fragen, was Schnee ist …

        Liebe Grüße
        Anna-Lena

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        • Liebe Anna-Lena,

          danke für das Kompliment! 😊

          Ja, das ist wohl leider so, jetzt, wo das Ruhrgebiet schön grün geworden ist, wird es wärmer. Wir merken ja jetzt schon, dass man zuverlässig Schnee fast nur noch in den Bergen hat.
          Schön, dass wir noch solche Erinnerungen haben!

          Liebe Grüße
          die Hoffende

          Gefällt 2 Personen

  4. Da ich meine Kindheit im Harz erlebt habe, kann ich mich an viele weiße Weihnachten erinnern und an bitterkalte Silvester (damals mit wenig Feuerwerk) und lange Ausflüge zu unserer „Todesbahn“ so benennen ja Kinder immer selbst heute noch den kleinsten Hügel, auf dem Rammelsberg. Die Abfahrt dort hatte aber einen 20-minütigen Aufstieg zur Folge, aber wir wurden nie müde. Durchfroren kamen wir nach Hause. Eltern waren nicht von der Partie, eher größere Geschwister aus anderen Familien.
    Als ich mit 11 die ersten Skier zum Geburtstag bekam, bescherte mir Petrus sogar am 11.11. damals in Goslar gleich Schnee zum Lernen mit.
    Hier im Rhein-Main-Gebiet war es dann vorbei, da hatte es Petrus mit den Grünen und meist in der Silvesternacht kam der erste Frost und Schnee.
    Erinnerungsseelige Grüße auch an bitterlich bitzelnde Hände und Füße, Karin

    Gefällt 3 Personen

    • Wir versuchten, unsere Rodelbahn möglichst schnell zu bekommen, was durch intensives Befahren mit allen möglichen Materialien erreicht wurde. Ich erinnere mich an einen Winter, als wir alle Plastikbretter, Reifen oder sogar auch dicke Plastiktüten hatten. Direkter Bodenkontakt, alle Wellen direkt auf den Rücken und den Hintern, aber so herrlich! Mein ganzer Rücken war so voller großer blauer Flecke, wie ich es nie wieder erlebt habe, und meine Mutter war völlig schockiert … ;-)
      Skier dagegen haben mich nie gereizt.
      Liebe Grüße auf dein Dach
      Christiane ;-)

      Gefällt 2 Personen

    • Ach ja, die Todesbahn! Genau, sowas hatten wir auch! 😃 Herrlich…
      Ski bin ich nur im Urlaub gefahren und nach meinem ersten Sprungversuch dann auch nur noch Langlauf. 😉
      Danke, dass du mich an deinen Erinnerungen ebenfalls hast teilhaben lassen! ❤️
      Ich sitze hier auch am Rhein und muss von der Vergangenheit zehren. Schnee kommt hier nur äußerst selten vor…
      Liebe Grüße
      die Hoffende
      PS: Noch mehr haben sie gebitzelt, wenn sie im warmen Wasser wieder warm werden sollten… 😉

      Gefällt 2 Personen

  5. Je nachdem wo in Deutschland ich gewohnt habe, hatte ich weiße Weihnachten oder nicht. Vor allem im Schwarzwald kann ich mich aber an Rodeln zu Weihnachten erinnern. Direkt hinterm Haus. 😊
    Toller Erinnerungen.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 4 Personen

    • Klar, Schwarzwald war vermutlich hoch genug, dass der Schnee liegen blieb. Kann ich mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen – Schnee, der im November kommt und bis März oder so bleibt …
      Liebe Grüße, danke für deine Erinnerungen!
      Christiane 🙂

      Gefällt 3 Personen

    • Danke zurück für deine Erinnerungen! 😊👍
      Wer höher gelegen wohnte, hatte in Sachen Schnee immer die Nase vorn, das stimmt! Deshalb verbrachten wir unsere Winterurlaube auch immer im Mittelgebirge – mit Schneegarantie. 😉
      Liebe Adventsgrüße
      die Hoffende

      Gefällt 2 Personen

  6. Das ist ein wunderbarer Erinnerungsöffnungstext. Schwupps bin ich wieder im „Aper Wald“ (ich bin in einem Vorort von Düsseldorf aufgewachsen) und rodel mit den anderen Kindern aus unserer Siedlung um die Wette. Ich erinnere mich, dass anfangs Mutter noch mit dabei gewesen ist, später nicht mehr.
    Weiße Weihnacht war bei uns auch eher selten, aber wenn, dann war das immer ein I-Tüpfelchen auf die Freude, denn ja, ich habe mich als kleines Mädchen immer auf Weihnachten gefreut.
    Später ist später …
    Danke für diesen Text und herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 4 Personen

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