11 – Schicksale eines Pudels | Adventüden

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Schicksale eines Pudels (Gerda, Gerda Kazakou)

 

Der Pudel Maximilian zog sich die Mütze über den kahlgeschorenen Schädel. Wütendes Hundegebell schlug ihm entgegen, wohin er sich auch wendete. Er fürchtete sich. Und er fror. Puh, diese Kälte! Sein armer nackter Leib zitterte, sein Schwanz baumelte, eine kahle Strippe, traurig hin und her. Was gäbe er jetzt um das Bärenfell, auf dem er bequem zu Füßen seines Großmeisters zu ruhen pflegte. Aber ach. Sein Großmeister wurde abgeholt und er selbst kahlgeschoren und in die üble kalte Welt gejagt. Nur die schäbige Pudelmütze wurde ihm, wie zum Spott, aufs Haupt gestülpt.

Das Geschrei der Männer, die seinen Herrn hinausschleiften, hallte noch in seinen empfindlichen Ohren nach. Zauberer hatten sie ihn geschimpft, Teufel gar.
»Mein geliebter Herr Mefi Stophel ein Teufel? Und ich sein Helfershelfer?«
Ach, diese grausamen Hände, diese brutale Schur! Maximilian schniefte. Vorsichtig tappte er über die Pfützen, die überfroren und spiegelglatt waren. Im Glatteis spiegelten sich bunte Lichter, denn Weihnachten nahte. Aber was nutzte ihm das Lichterspiel? Ach, wäre er, was sie sagten! Wüsste er einen Weihnachtszauber! Ein warmes Stübchen würde er sich herbeizaubern, vollgestopft bis oben mit Leckerbissen und Kuscheltieren!

Kaum gedacht, sah er eine junge bezopfte Frau mit einem schon ältlichen Mann, die ein Kind auf einem Schlitten hinter sich herzogen.
»Gretchen, schau, ein Pudel!« sagte der Mann, und die Frau nickte und wunderte sich. Seit wann interessierte sich ihr Mann Heinrich für Hunde?
Auch das Kind hatte den Pudel entdeckt und streckte begeistert seine Händchen aus: »Komm, Hundi, komm zu mir unter die Decke, da ist es schön kuschelig!«
Und eh die Eltern noch einen Einwand vorbringen konnten, sprang der gelehrige Pudel auf den Schlitten und kuschelte sich zitternd an das Kind. Eine Freundschaft fürs Leben war geboren. Niemand als der Tod würde sie wieder trennen können – das Kind Wolfgang und den Pudel Maximilian.

 

(c) Gerda Kazakou für die Adventüden | 365tageasatzaday© Gerda Kazakou für die Adventüden

 

Adventüden 2019 11 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

52 Kommentare zu “11 – Schicksale eines Pudels | Adventüden

  1. Pingback: Adventüde: Schicksale eines Pudels | GERDA KAZAKOU

  2. Ja so schön und lieblich hätte das ganze ausgehen können, warum haben sie es sich alle nur so schwer gemacht.
    Nur ganz so berühmt wäre das Drama vermutlich nicht geworden.
    Wunderbarer Einfall.
    (Dabei hatte ich felsenfest mit einer gereimten Etüde gerechnet)
    Liebe Grüße
    Natalie

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  3. ach, Gerda, was machst Du bloß für adventliche Kalenderetüden *g*.
    Beim geschorenen Pudel tickte es noch nicht in mir, aber bei Mefi Stophel klickte es dann endlich und ich fing mit dem Grinsen an und wie genial dann Deine Umsetzung in die weihnachtliche Richtung.
    Ach, ach, hätte Goethe nicht doch vielleicht ein bissel mehr Humor haben sollen?
    Oder steinigt mich nun jemand vonwegen Weltliteratur und Drama und so? *g*
    Lieb grüßt immer noch erheitert, Bruni

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  4. ok, ich wußte halt nicht so recht, ob er das so schön hintergründige Humorige Deiner Zeilen auch wirklich erkannt hätte.
    Hatte er den wirklich? Er hatte Ängste und neidete anderen ihr Schaffen, das weiß ich, aber der Humor?
    Wo steckte der? Du kennst ihn tausendmal besser, das ist sonnigklar

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  5. Eine wunderbare Geschichte über den Beginn einer langen Freundschaft. Erinnert mich ein wenig, wie der Herr Kater hier sein neues Zuhause fand. Kam rein, wenig Berührungsängste, legte sich aufs Sofa und fand es gemütlich. Nach diversen Versuchen, ihn ‚loszuwerden‘, dahin woher er kam, gaben wir und die Ersthalterin auf und seit vielen Jahren ist er ein treuer Begleiter des Alltags.
    Super, als ich beim Gretchen war, musste ich nochmal umkehren und nach dem Mefi suchen, dazu schön bebildert. Klasse.
    Grüße!

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    • Es ist immer eine Ehre, von einem Tier ausgesucht zu werden, auch wenn dessen Gründe sehr banal sein mögen 🐱
      Bei dem Fellträger und mir war es auch so, aber das ist eine meiner Lieblingsgeschichten, die kennst du bestimmt. 😁🐱
      Und Katzen haben Sitzfleisch, das kann ich bestätigen 😉👍

      Gefällt 1 Person

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