14 – Auf der Jagd | Adventüden

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Auf der Jagd (Stepnwolf, Weltall. Erde. Mensch…und Ich.)

 

Das Kaminzimmer sah pittoresk aus. Zumindest aus dem Blickwinkel eines Jagdenthusiasten. Von den obligatorischen Jagdtrophäen und Wandgemälden über Vitrinen voller Pokale und Jagdflinten bis zum durchaus etwas überdimensionierten Bärenfell vor dem Steinkamin war dieser Raum vollends ein Jägertraum. Einzig die obere Galerie mit ihren unendlichen Bücherreihen widersprach diesem Bild ein wenig.
Und natürlich die wild im Zimmer verstreuten Leichenteile.

»Agent Luphes? Wir haben etwas gefunden.«
»Wo?«
»Auf der Veranda.«

Es hatte die ganze Nacht hindurch geschneit. Erst in den Morgenstunden ließ das Schneegestöber allmählich nach, bis nur noch vereinzelte Schneeflocken geschmeidig gen Boden rieselten, wo sie in einem Meer aus Weiß versanken. Das Dach der Veranda ragte weit hinaus, weshalb der Neuschnee gänzlich fehlte. Der Platz davor war mit Spuren übersät.

»Wir gehen anhand der Fußabdrücke von einer männlichen Person aus, circa eins neunzig groß und eher ein Leichtgewicht. Sieht nach Einbruch mit Todesfolge aus. Die zerfledderte Leiche könnte von den anderen Spuren herrühren.«

Agent Luphes’ Blick fiel auf ein Gewimmel wolfsähnlicher Abdrücke.

»Nach der übereilten Flucht des Täters hat sich anscheinend ein Wolfsrudel an dem noch frischen Fleisch satt gefressen. Wie pflegte mein alter Herr immer zu tönen: Ein Wolf ist kein Kuscheltier! Da kann man nur hoffen, dass der Baron zu diesem Zeitpunkt bereits tot war.«

Agent Luphes nippte am Kaffee. Ihrem ersten an diesem frühen Morgen. Sie ging zurück zum Tatort. Vorbei an abgetrennten Körperteilen. Erklomm die Leiter zur Galerie. Schaute über die Balustrade und sah, was sie längst vermutet hatte. Die Leichenteile waren mitnichten wahllos verstreut. Verband man alle miteinander, bildeten sie vielmehr einen Buchstaben. Ein W.

Das war definitiv kein Raubmord, ebenso wenig ein Rudel ausgehungerter Wölfe. Sondern eigentlich nur ein Wolf. Allerdings ein ganz spezielles Exemplar.

Agent Luphes wählte eine Nummer auf ihrem Handy. Ihre Lippen murmelten nur einen Satz:  »Mein Bruder ist zurück.«

 

Adventüden 2019 14 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

77 Kommentare zu “14 – Auf der Jagd | Adventüden

  1. Wolf-gang🐺 treibt ganz unheilig sein Unwesen. Ich lasse mir lieber mein Weihnachtsknuspermüsli zum Frühstück schmecken als einen Herrn Baron🦇und James,wo bleiben Sie, räumen Sie bitte die Schweinerei auf, aber bitte achten Sie auf Mülltrennung🤨 gruselige amüsierte Grüsse ins Wochenende, Karin

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  2. Gute Geschichte, und nicht wirklich sentimental, denn die dahinterliegenden multiple Tragik wird nicht ausgearbeitet und lässt sich allenfalls ahnen. Ein Toter. Eine sicher nicht unproblematische Geschwisterbeziehung. Ja, Fortsetzungen wären spannend!

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  3. Klasse! Waren wir die Tage beim Weihnachtsfilm für die ganze Familie, sind wir nun beim 23:45 Uhr Film, und die Kinderlein schlafen fein.
    Muss mal schauen, wär mal wieder Zeit für Die Hard….
    Mehr, sag ich noch, bitte Mehr!
    Grüße an Agent Luphes!

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    • Ich hatte damals im Aufruf definitiv darauf hingewiesen, dass die Etüde zwar im Winter spielen, aber durchaus nicht an Weihnachten festgemacht werden müsste. Okay, die meisten von uns haben es trotzdem getan, ich auch. Aber gegen irgendwelche Regeln ist es keineswegs.
      Liebe Grüße
      Christiane 😁☕🍩🎄

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    • Quengelfront +1, du bist notiert. 😁👍
      Der Stepnwolf hat schon seine Absicht bekundet, öfter teilzunehmen, also hoffen wir mal!
      Liebe Grüße
      Christiane 😁👍🍩🎄🕯️🕯️

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  4. Tausend Fragen, die zu beantworten sind; was passiert mit den Leichenteilen , wer beerbt den Baron ,mit wem hat die Lupine telefoniert, warum war der Wolfsbruder weg, was passiert mit der Bibliothek und …und wenn sie nicht gestorben sind,dann leben sie noch heute, also bitte Fortsetzung folgt Herr steppender Wolf, ach ne da ist ja ein anderer mit gemeint🙂
    Misst der Herr Autor 1.90m und ist dünn, vielleicht ein Wolf im Schafspelz…
    Nur mal festgestellt: ich bin nicht neugierig – nur wissbegierig🤗
    Es wünscht ihm einen nicht ganz so stürmischen Abend eine quengelnde Leserin

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  5. hach, was für eine verrückt gruselige Gruselgeschichte, keine kleine liebevolle, adventliche Etüde, sondern eine, die die schwarze Seite zeigt und unsere unterschwelligen Emotionen bedient.
    Ich bin auch für Fortsetzungen, Auflösungen und Erklärungen für dieses oder jenes. Noch steh ich im ach so dunklen Gedankenwald…

    Liebe adventliche Abendgrüße von Bruni

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    • Ich sehe schon, ich muss eine Petition an den Stepnwolf und Agent Luphes aufsetzen *seufz*. Immerhin, auf der Liste seiner guten Vorsätze steht, nächstes Jahr mehr Etüden zu schreiben …
      Adventliche und völlig kaputte Abendgrüße zurück, liebe Bruni!
      Christiane 😁🐱🍷🍷🎄✨🕯️🕯️

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        • Ja, eher das Ende einer langen Periode. Kennst du das, wenn man endlich Urlaub hat und prompt krank wird, weil die Anspannung abfällt und der Körper „Ich bin auch noch da“ sagt. So habe ich mich gestern gefühlt. Heute – mal sehen, auf jeden Fall mache ich heute sehr kleine Schritte.
          Dir einen wunderbaren 3. Advent!
          Liebe Grüße
          Christiane 😁🐱🎄✨🕯️🕯️🕯️

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