Vom Meer und dem Du

 

Du bist mein Land

Du bist mein Land,
ich deine Flut,
die sehnend dich ummeeret;
du bist der Strand,
dazu mein Blut
ohn Ende wiederkehret.

An dich geschmiegt,
mein Spiegel wiegt
das Licht der tausend Sterne;
und leise rollt
dein Muschelgold
in meine Meergrundferne.

(Christian Morgenstern, Du bist mein Land, aus: Und aber ründet sich ein Kranz, 1902, Online-Quelle)

 

Nur dich

Der Himmel trägt im Wolkengürtel
Den gebogenen Mond.

Unter dem Sichelbild
Will ich in deiner Hand ruhn.

Immer muß ich wie der Sturm will,
Bin ein Meer ohne Strand.
Aber seit du meine Muscheln suchst,
Leuchtet mein Herz.

Das liegt auf meinem Grund
Verzaubert.

Vielleicht ist mein Herz die Welt
Pocht –

Und sucht nur noch dich –
Wie soll ich dich rufen?

(Else Lasker-Schüler, Nur dich, aus: Gesammelte Gedichte, 1917, Online-Quelle)

 

Lied vom Meer

Capri. Piccola Marina

Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:
du kommst zu keinem her;
wenn einer wacht,
so muß er sehn, wie er
dich übersteht:
uraltes Wehn vom Meer
welches weht
nur wie für Ur-Gestein,
lauter Raum
reißend von weit herein…

O wie fühlt dich ein
treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

(Rainer Maria Rilke, Lied vom Meer, Der neuen Gedichte anderer Teil, 1918, Online-Quelle)

 

Sonnenuntergang mit Mondsichel über dem Meer | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich bin ja davon überzeugt, dass jede*r so was wie sein „inneres Meer“ hat. Ich jedenfalls habe gerade Sehnsucht nach meinem.

Kommt gut in und durch die neue Woche!

 

Zwei Welten | abc.etüden

Sie nennt mich „Tiger“. Seit Jahren. Eigentlich fast von Anfang an. Gut, es gibt Schlimmeres, ich kann sogar mal mit „Tigerchen“ leben. Im Eifer des Gefechts rutscht einem ja so manches heraus.

Was ich aber eigentlich nicht abkann, ist dieses Gesäusel, das sie manchmal draufhat. Schau mal dieses und mach mal jenes, ist das nicht nett und möchtest du nicht vielleicht doch …? Aber wehe, ich tue ihr Gerede als das ab, was es ist, nämlich belanglos, ignoriere sie und gehe meiner Wege. Dann ist sie beleidigt, seufzt ganz tief und bekommt manchmal sogar nasse Augen, vor allem, wenn ich einen Zug durch die Gemeinde gemacht habe und ein bisschen länger ausgeblieben bin. Wie ich das hasse, dass sie sich Sorgen macht! Ich liebe sie doch!

Gestern, ich muss es gestehen, hat sie mich mit ihrem halbgar dahinplätschernden Gerede so sehr genervt, dass ich erst laut und dann handgreiflich geworden bin. DIE – SCHNALLT – MANCHMAL – SO – WAS – VON – NICHTS! Komm mir jetzt bitte keiner mit „Gewalt ist keine Lösung“. Mir ist einfach der Kragen geplatzt.
Okay, ich muss einräumen, dass sie mir daraufhin prompt die Tür gewiesen hat. Hab sie noch irgendwas von „blöder Papiertiger“ pöbeln hören und bin abgehauen. Die ganze Nacht. So! Mütchen kühlen? Ich? Soll SIE sich doch erst mal beruhigen!

Heute Morgen tat es mir wirklich leid. Ich bin der Mann im Haus, ich hätte nicht so ausflippen dürfen. Verantwortung und so. Zum Glück hat sie nur „Na, du Spinner, alles okay?“ gesagt. Dann durfte ich wieder rein.
Und jetzt liege ich auf dem Sofa und sie streichelt mein Fell und krault mich hinter den Ohren, wenn sie an mir vorbeigeht. Ich muss nur noch herausbekommen, wo hier ein Papiertiger ist, denn in diesem Haus gibt es nur einen Fellträger, und der bin ich.

 

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 04/05.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Donka mit ihrem Blog OnlyBatsCanHang und lauten: Papiertiger, belanglos, plätschern.

Ich bin sehr entzückt, dass bei der Vielfalt von Papiertigern auf DEN Trichter noch keine*r gekommen ist.

Ein schönes Wochenende wünschen wir euch! 🙂 🐱

 

Von Taufe und Kindsein

 

Einleitung

Eh man auf diese Welt gekommen
Und noch so still vorlieb genommen,
Da hat man noch bei nichts was bei;
Man schwebt herum, ist schuldenfrei,
Hat keine Uhr und keine Eile
Und äußerst selten Langeweile.
Allein man nimmt sich nicht in acht,
Und schlupp! ist man zur Welt gebracht.

(Wilhelm Busch, aus: Die Haarbeutel, Einleitung, 1878, Online-Quelle)

 

III. Thalia. Die Bürger.

Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen;
So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben,
Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.
Denn der eine hat die, die anderen andere Gaben;
Jeder braucht sie, und jeder ist doch nur auf eigene Weise
Gut und glücklich.

(Johann Wolfgang von Goethe, aus: Hermann und Dorothea, Online-Quelle)

 

Wollt ihr die Kinder treu behüten

Wollt ihr die Kinder treu behüten,
laßt eure Sorge Liebe sein,
gedeihen doch die zarten Blüten
nur in der Liebe Sonnenschein.

Heilt auch das Leben manche Wunden,
die erste schließt sich nimmermehr
und ganz wird nie das Herz gesunden,
war seine Kindheit liebeleer.

(Albert Traeger (Wikipedia), Wollt ihr die Kinder treu behüten, Online-Quelle)

 

VERSE AUF EIN KLEINES KIND

Dir wachsen die rosigen Füße,
Die Sonnenländer zu suchen:
Die Sonnenländer sind offen!
An schweigenden Wipfeln blieb dort
Die Luft der Jahrtausende hangen,
Die unerschöpflichen Meere
Sind immer noch, immer noch da.
Am Rande des ewigen Waldes
Willst du aus der hölzernen Schale
Die Milch mit der Unke dann teilen?
Das wird eine fröhliche Mahlzeit,
Fast fallen die Sterne hinein!
Am Rande des ewigen Meeres
Schnell findest du einen Gespielen:
Den freundlichen guten Delphin.
Er springt dir ans Trockne entgegen,
Und bleibt er auch manchmal aus,
So stillen die ewigen Winde
Dir bald die aufquellenden Tränen.
Es sind in den Sonnenländern
Die alten, erhabenen Zeiten
Für immer noch, immer noch da!
Die Sonne mit heimlicher Kraft,
Sie formt dir die rosigen Füße,
Ihr ewiges Land zu betreten.

(Hugo von Hofmannsthal, Verse auf ein kleines Kind, Insel Verlag 1922, Online-Quelle)

 

Frisch getauft | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, mit Erlaubnis des stolzen Vaters

 

Ich bin in dem Alter, wo ich bei Mini-Zwergen voll sentimentale Anfälle bekomme. Nein, keine peinlichen, jedenfalls noch nicht. (Ist die nicht süüüüß?)

Kommt gut in und durch die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 04.05.20 | Wortspende von OnlyBatsCanHang

Die erste Runde ist rum, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wie fühlt ihr euch, seid ihr schon wieder drin im Schreiben? Ich eher nicht, habe ich festgestellt, bei mir hat es dieses Mal tatsächlich nur für eine Etüde gereicht … es war einfach zu viel los. Nun muss das ja nicht unbedingt was Schlechtes sein – war es auch nicht. Jedenfalls nicht bei mir.

Umso erfreuter bin ich, dass ich drei neue Etüdenschreiber*innen in unserer Runde begrüßen darf: Elvira vom Quilttraum, Judith von Mutiger leben und Susanne von books2cats. Nochmals herzlich willkommen, schön, dass ihr da seid! Das ist aber noch nicht genug, VIER Etüdenrückkehrer*innen haben (möglicherweise) „mehr schreiben“ als guten Vorsatz für das neue Jahr und sich von den Wörtern inspirieren lassen: Carmen, Ela, der Stepnwolf und Yvonne. Wobei der*die geneigte Adventüdenleser*in sich vielleicht noch an die Adventüde des Herrn Stepnwolf erinnert: die mit dem Werwolf. Ja, die. WILLKOMMEN ZURÜCK, ihr Lieben!

Na, dann fangen wir mal mit der Statistik und der Liste an. Eingereicht (ohne Nachzügler) wurden 44 Etüden von 31 Blogs. Die Liste führen diesmal drei Männer an: Gerhard mit fünf, fraggle mit vier und Werner mit drei Etüden.

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das ja.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Jacqueline auf Meine bunte Textewelt: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier und hier
Nicole auf Die Waldträumerin: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Carmen aus der Wortwabe: hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Susanne auf books2cats: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch … und Ich.: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 04/05 des Schreibjahres 2020 kommen zum ersten Mal von Donka mit ihrem Blog OnlyBatsCanHang. Die neuen Begriffe lauten:

Papiertiger
belanglos
plätschern.

 

Auch im neuen Jahr darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 2. Februar 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Nichts in Sicht | abc.etüden

Er betrachtete gelassen den Mann, der in seine Amtsstube gestürmt war und sich aufgebracht nach dem Verbleib des Aushängeschildes des Ortes erkundigt hatte. Schließlich sei ihm von kompetenter Stelle zugesichert worden –

„Christopher, mein Freund. Auch wenn es hart klingt, es ist mir völlig egal, wovon ihr beim Tourismusverein geträumt habt. Mach doch mal die Augen auf und schau noch mal nach draußen. Siehst du hier irgendwo Schnee? Hast du die Wetterprognosen verfolgt? Hat irgendwer in der letzten Zeit für die nächsten Wochen auch nur mal annähernd von hoher Niederschlagswahrscheinlichkeit für das Flachland gesprochen und damit Schnee gemeint? Du erinnerst dich, das echte weiße Zeug, das vom Himmel fällt, kein Plastik oder so? Wir leben in Schleswig-Holstein, Himmeldonnerwetter!“

Sein Gegenüber setzte zu einer erbosten Antwort an, aber er winkte einfach nur ab.

„Ich war bei den Ersten, die hier mit dem Ding auf dem Bungsberg Ski fahren gelernt haben, habe ich dir das jemals erzählt? Das waren noch Winter, sogar hier bei uns! Ja, ich weiß, unser Skilift ist selbstverständlich kein mickriger mobiler Schlepplift, sondern Kult, und natürlich fest eingeplant in den Skiurlaub von Gästen aus ganz Norddeutschland. Aber wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren …
Sehen wir mal davon ab, dass das Teil zuallererst repariert werden und dann durch den TÜV müsste, wir immer noch, äh, Schwierigkeiten mit der Qualifikation eines potenziellen Betreibers haben und die Gemeindeversammlung letztens beschlossen hat, mögliche Gelder woanders zu investieren. Bei diesem Wetter bekomme ich den Skilift nicht mehr durch, das ist die traurige Wahrheit.

Alter, ich würde dir lieber heute als morgen die üblichen Verdächtigen zum Aufbauen in die Lagerhalle kommandieren, aber wenn das so weitergeht mit dem Klimawandel, dann, mein Freund, sehe ich für unseren schönen Ort und seinen Skilift, ehrlich gesagt, dauerhaft schwarz.“

 

abc.etüden 2020 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 02/03.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von mir (Irgendwas ist immer) und lauten: Skiurlaub, mickrig, kommandieren.

Der Bungsberg (Wikipedia-Artikel) ist mit 168 Metern die höchste Erhebung in Schleswig-Holstein. Ich würde hier nicht wirklich von einem „Berg“ sprechen, aber es gibt dort Deutschlands nördlichstes Wintersportgebiet (hier Bilder) und seit 1971 einen mobilen Schlepplift, der Kult ist und bei Bedarf im Winter auf- und abgebaut wird. Diesem Lift geht es schlecht, es gibt diverse Schwierigkeiten, die ich nur aus der Presse kenne, aber ich befürchte, dass er, wenn es tatsächlich dauerhaft wärmer werden wird, nicht mehr sehr häufig zum Einsatz kommen wird.
Und ebenfalls: Hier ist der ausbleibende Schnee ein Ärgernis. Woanders kostet er Existenzen.

Selbstverständlich sind alle Personen, die in dieser Etüde vorkommen, vollständig fiktiv und die dargestellten Schwierigkeiten erheben keinerlei Anspruch auf Aktualität. Soll heißen: Ich weiß den aktuellen Stand der Dinge nicht. Dieser Text ist Fiktion. Es KÖNNTE so sein, MUSS aber nicht.

 

Vom Winter

 

Winter

Geduldig ist der Wald,
Behutsamer der Schnee,
Am einsamsten das Reh.
Ich rufe. Was erschallt?
Der Widerhall macht Schritte.
Er kehrt zurück zu seinem Weh:
Das kommt heran wie leise Tritte.
Er findet mich in meiner Mitte.
Warum hab ich den Wald gestört?
Vom Schnee ward nichts gehört.
Hat sich das Reh gescheut?
Wie mich das Rufen reut.

(Theodor Däubler, Winter, in: Menschheitsdämmerung, 1920, S. 119, Online-Quelle)

 

An den Winter

Willkommen, lieber Winter,
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Spielst du, als wär’ es Sand!

Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.

Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt’ im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!

(Elisabeth Kulmann (Wikipedia), An den Winter, Online-Quelle)

 

Der Winter

Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Und Stürme wehn umher und Regenschauer.

Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende,
Wie einer Frage Ton, daß dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.

Mit Untertänigkeit
Scardanelli.

d. 24 April 1849.

(Friedrich Hölderlin, Der Winter, aus: Gedichte 1806–1843, Online-Quelle, von unbekannter Hand auf den 7. Nov. 1842 datiert (Quelle))

 

 

| 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt alle gut in die neue Woche! Liegt eigentlich bei irgendwem von euch Schnee?

 

Von Zeit und Erinnerung

 

Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit genommen/
Mein sind die Jahre nicht/ die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein/ und nehm’ ich den in acht
So ist der mein/ der Jahr und Ewigkeit gemacht.

(Andreas Gryphius, Betrachtung der Zeit, Epigramme. Das erste Buch, 1663, Online-Quelle)

 

Erinnerung

Einmal vor manchem Jahre
war ich ein Baum am Bergesrand,
und meine Birkenhaare
kämmte der Mond mit weißer Hand.

Hoch überm Abgrund hing ich
windbewegt auf schroffem Stein,
tanzende Wolken fing ich
mir als vergänglich Spielzeug ein.

Fühlte nichts im Gemüte
weder von Wonne noch Leid,
rauschte, verwelkte, blühte;
in meinem Schatten schlief die Zeit.

(Ricarda Huch, Erinnerung, aus: Gedichte, 1894, Online-Quelle)

 

[Sieben Billionen Jahre vor meiner Geburt]

Sieben Billionen Jahre vor meiner Geburt
war ich eine Schwertlilie.

Meine Wurzeln
saugten sich
in einen Stern.

Auf seinem dunklen Wasser
schwamm
meine blaue Riesenblüte.

(Arno Holz, Sieben Billionen Jahre vor meiner Geburt, aus: Phantasus, II. Heft, Berlin, 1899, Online-Quelle)

 

 

Schiefe Birke im Winter | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Das YT-Video ist mit Otto Sander, ist (und bleibt) der nicht großartig?

Eigentlich vermute ich ja, dass Arno Holz eine Lotosblüte gemeint hat. Macht aber nichts, hat mich nur davon abgehalten, ein entsprechendes Foto herauszusuchen.

Wer noch Feiertag hat, dem wünsche ich einen entspannten Tag, und uns allen, dass wir gut in die neue Woche kommen!

 

 

Schreibeinladung für die Textwochen 02.03.20 | Wortspende von Irgendwas ist immer

Frohes Neues, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, ich hoffe, ihr seid alle gut reingerutscht, seid aus den Ferien wieder da und seid vom neuen Jahr bisher sanft in den Armen gewiegt worden.

Wer es noch nicht gelesen hat, findet mein Adventüden-Fazit hier.

Eine Entschuldigung vorweg: Ich bin nicht dazu gekommen, euch wegen Wortspenden anzuschreiben, also spielen wir in den ersten beiden Wochen meine eigene – was auch nicht weiter ungewöhnlich ist, diese Ehre teilen sich der Etüdenerfinder und ich ja oft. Wozu ich aber auch nicht gekommen bin, ist, die Neueinsteiger bei den Etüden zu fragen, ob sie denn überhaupt auf die Wortspenderliste WOLLEN. Da wären also: Puzzleblume (Puzzle❀„-Blog), die Findevogelfrau (Findevogelblog), die Fledermaus (OnlyBatsCanHang), Tanja (Stachelbeermond), Martina (Und sonst so?) und Sofie (Sofies viele Welten). Wenn ihr auf die Liste potenzieller Wortspender wollt (die Wortspender werden ausgelost, siehe Kleingedrucktes), dann äußert bitte ein fröhliches „Ja, ich will“ in den Kommentaren, und zwar bitte innerhalb der nächsten 4 Tage, damit ich dann ziehen (und euch anschreiben) kann.
(Du denkst, du bist längst qualizifiziert und ich habe dich noch nie gefragt? Bitte melden, dann schau ich gern noch mal – ich bin gerade bisschen raus.)

Okay, kann es losgehen? Das letzte Fazit vom alten Jahr findet sich hier, falls jemand noch mal reinschauen will.

Die Wörter für die Textwochen 02/03 des Schreibjahres 2020 kommen von mir, Christiane, Blog Irgendwas ist immer. Die neuen Begriffe lauten:

Skiurlaub
mickrig
kommandieren.

 

Auch im neuen Jahr darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 19. Januar 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Adventüden 2019. Ein Fazit.

Schön war’s, oder?! Als Allererstes möchte ich mich bei euch bedanken, die ihr mitgeschrieben habt, ohne euch wäre eh nichts gegangen, dann bei der Gruppe unermüdlich Lesender, Likender und Kommentierender – es ist so eine Freude, dass ihr immer wieder bei mir auftaucht!
Na klar, als Gruppe der Schreibenden sind wir ziemlich unterschiedlich und decken eine große Bandbreite ab. Diese Vielfalt wurde immer wieder genannt und hat mich, ehrlich gesagt, auch ein bisschen gewundert – ich kann doch nicht die Einzige sein, die überall liest, wo Etüden auftauchen? Zudem habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass jede*r weiß, dass die Vorweihnachtszeit und speziell Weihnachten für viele eine schlimme Belastung darstellen und dass sich das ruhig in den Adventüden niederschlagen darf.

Wirklich total geflasht haben mich aber dann die vielen Wortmeldungen, die alle in die Richtung gingen, dass ihr euch morgens beeilen / euch darauf freuen / extra früh in den Blog schauen würdet, um das aktuelle Türchen des Adventüden-Adventskalenders zu lesen. HERZLICHEN DANK!!! Das ist natürlich genau das, was ich hören will und auch brauche und geht runter wie, äh, Lebkuchen.

Ihr habt vielleicht schon im Sommer mitbekommen, dass ich zumindest gelegentlich gern in meine Statistiken schaue. Ich dachte, dass es euch vielleicht interessieren könnte, wie denn die Adventüden so „performt“ haben. Erwartet habe ich, dass die frühen Adventüden viele Klicks haben und die späten wenige, auch, weil es ja auf Weihnachten zuging und alle gefühlt in Hektik waren. Das bestätigte sich höchstens grob als Trend. Seht selbst, hier sind die Top 5 mit der Anzahl Aufrufe.

 

TOP 5 Adventüden 2019 | 365tageasatzadayScreenshot; anklicken macht groß!

 

TOP 1: Myriade, 13. Dezember
TOP 2: Veronika, 20. Dezember
TOP 3: Bettina, 3. Dezember
TOP 4: Petra, 5. Dezember
TOP 5: Tanja, 1. Dezember

 

Was lernen wir daraus? 😉

  1. Nachdenkliche Etüden sind ganz vorne mit dabei (TOP 2 und 3)
  2. Austria rules! (TOP 1 und 2)
  3. Kein Mann unter den TOP 5 (ja, schon gut, die Plätze 6 und 9 gehen an Herren, ja, schon gut, ich wollte unbedingt einen dritten Punkt).

Myriades Etüde ist die einzige mit über 200 Aufrufen, TOP 6 ist knapp unter 150, und nur eine einzige Adventüde ist unter 100 Aufrufen geblieben. Wenn jemand von euch Mitschreibenden seine Platzierung wissen will, gebe ich gern Auskunft.

 

Danke für das immer wiederkehrende Lob, ich würde mir „so eine Mühe machen“. Na ja. Entweder man macht so was ganz oder gar nicht, das ist jedenfalls meine Meinung. Mit ein bisschen Organisation lässt sich der wirklich nicht geringe Zeitaufwand ganz schön verteilen, so waren zum Beispiel ALLE Adventüden-Beiträge vor dem Erscheinen der ersten bereits vorgeplant, wozu auch gehörte, dass die Grafik mit den sich öffnenden Türchen fertig gebastelt und eingebunden war – ich zeige euch das unten als GIF, ich hoffe, auf euren Bildschirmen bewegt sich was.

Die öfter erwähnte Tatsache, dass ich alles, was nicht niet- und nagelfest war, kommentiert habe, berührt eines meiner ehernen Blogprinzipien: Wer hier was schreibt, bekommt eine Antwort. Besonders, wenn der Kommentar ein (sinnvoller) Satz ist und nicht das dritte, fünfte, zehnte Herzchen, Blümchen, Sternchen, Kätzchen auf die längst schon von mir beantwortete Frage, wie es mir denn geht, den Wunsch nach einem guten Tag etc.
Manche finden allerdings den Punkt zum Aufhören nicht, habe ich den Eindruck, wenn sie immer eine Antwort bekommen. Sehr simpel: Es ist mein Blog, daher habe ich hier das letzte Wort, ihr könnt also aufhören, ohne unhöflich zu sein 😉

Warum mache ich das? Wenn ich auf einem Blog bin und eine Anmerkung schreibe, dann freue ich mich, wenn der Bloginhaber mir persönlich antwortet, sei es auch noch so klein und mein Kommentar noch so bescheuert, denn dann fühle ich mich gesehen. Und wo ich mich gesehen fühle, da komme ich gern wieder. Logisch, oder? Das ist also eine Frage von Höflichkeit, klar, aber auch eine Frage von so was Abstraktem wie „Leserbindung“. Und ja, ich betrachte meinen Blog inzwischen zu einem großen Teil als den „Etüden-Blog“, dass ich mich dem Projekt verpflichtet fühle, sollte jedem*jeder inzwischen aufgefallen sein 😉
Ich war/bin wirklich happy, wenn/dass ihr euch in meiner Kommentarspalte zum Beitrag unterhalten habt/unterhaltet, konkret jetzt bei den Adventüden, weil ich dann endlich auch mal nur mitlesen konnte. Kommentieren frisst viel Zeit, ihr wisst das selbst. Ich freue mich sehr über die Diskussionen, die in meinen Kommentaren zustande kommen, und versuche auch, mich rauszuhalten, wenn ich definitiv nicht gemeint bin, wobei ich das im Eifer des Gefechts manchmal erst zu spät mitbekomme/mitbekommen habe, das gebe ich zu.

Was die meisten interessiert zu haben scheint ist die Frage, ob wir so was noch mal machen. Ja, gern. Ich möchte das Ganze erneut als Teil des Etüdensommerpausenintermezzos starten, denn damit habe ich dann tatsächlich genug Vorlaufzeit, dass es nicht allzusehr in Stress ausartet. Wir können die näheren Umstände gern im Sommer im Vorfeld diskutieren: Zeitrahmen (was ist, wenn jemand gern mitmachen will, aber z. B. aus Krankheitsgründen nicht kann), Anzahl bzw. möglicherweise Auswahl/Losen/Laufzeit verlängern (was machen wir, wenn jetzt zum Beispiel 30 Leute mitmachen? Der klassische Adventskalender läuft vom 1. Dezember bis zum 24., und danach brechen auch bei mir die Aufrufe ein, weil auch ich zu Weihnachten und zwischen den Jahren eigentlich null Lust auf Blog habe. Ich freue mich auf eure Gedanken zum Thema).

 

Coming up next: Am Sonntag geht es mit den regulären Etüden wieder los.

 

Adventskalender-GIF | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Über Hoffnung

 

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens.
(Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 1876 bis Sommer 1877, 23[119], Online-Quelle)

 

Kalender 2020 | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, aber so was von!

 

Wer regelmäßig bei mir mitliest, kennt meine Jahreskalender (2016, 2017, 2018, 2019). Jedes Jahr aufs Neue entsteht vor Weihnachten in mühevoller (aber geliebter) Kleinarbeit ein Kalenderposter, das im folgenden Jahr meine und (meist) die Türen weniger ausgewählter Mitmenschen verschönert. Auch das abgelaufene Jahr machte da keine Ausnahme. Wie im letzten Jahr bereits ist die Kalenderkachel weiß geblieben, weiß macht alles gefühlt bisschen leichter, vielleicht brauche ich das gerade.

Sollte ich irgendwem, der/die dies liest, bisher kein frohes gutes neues Jahr 2020 gewünscht haben, sei dies hiermit nachgeholt und nicht weniger herzlich gemeint.
Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und habt die Zeit der Festlichkeiten einigermaßen unversehrt überstanden.

Glaubt mal nicht, dass ich schon wach wäre, dies ist ein vorgeplanter Beitrag.

Coming up next: Sonntag gehen die regulären Etüden wieder los, ich wollte es nur mal erwähnt haben.