Der Besuch | abc.etüden

 

Er riecht komisch. Zu viel mit der Grappaflasche gefeiert ist es nicht, und ich glaube auch nicht, dass er krank ist. Aber man kann nicht sagen, dass er sich normal benimmt, denn er putzt unsere Höhle viel gründlicher als sonst. Schön, wenn meine Decke mal von dem Fellbelag befreit wird, dann ist das angemessen, aber noch viel lieber wüsste ich, was los ist.

»Kater, wir bekommen demnächst Besuch«, teilt er mir mit, als ich auf seinem Bauch liege, damit er mich streichelt.

Besuch also! Hier kommt selten wer Fremdes her. Hoffentlich nicht wieder die mit den kupferfarbenen Haaren. Wobei ich das ja nicht glaube. Die Leckerlis, mit denen sie versucht hat, sich bei mir einzuschleimen, waren absolut unangemessen, und das habe ich ihr auch klargemacht, als sie mir plump vertraulich kommen wollte, jawohl! So einfach bin ich nicht zu haben!
Aber Menschen sind da anders. Vor allem, wenn sie schon angefangen haben, so komisch zu riechen.

»Wenn sie kommt, könntest du vielleicht ein bisschen netter sein als beim letzten Mal?«, bittet er prompt und krault mich am Ohr.

Nun, ich fand es etwas übertrieben, dass sie darauf bestand, in die Notaufnahme gefahren zu werden, und herumschrie, sie habe keine Tetanusimpfung und bekäme jetzt bestimmt eine Blutvergiftung.
Ich hatte mich wohl ein bisschen zu doll hinreißen lassen. Passiert mir manchmal. Entschuldigung.
Aber »Berserker« habe ich dann wirklich erst mal nachschlagen müssen, als er mit ihr weg war.

Heute Morgen hat er zwei große Kartons mit Geraffel vollgepackt, das seit Monaten hier schon herumfliegt, und in den Geräteschuppen im Hof geschleppt. »Aufräumen« nannte er das.

»Ich freu mich halt, was willst du?«, hat er sich verteidigt, als er meinen Blick bemerkt hat.

Er riecht jeden Tag komischer. Leute, hier ist echt was im Busch.
Ich geh schon mal die Krallen am Sofa schärfen.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Eigentlich war es schon lange mal wieder Zeit für eine Kattitüde, oder? Tatsache ist, dass mein Fellträger sich tatsächlich während seiner drolligen 10 Minuten in einen Taschenrambo verwandeln kann – dann fließt auch tatsächlich (mein) Blut und er ist völlig weggetreten und im Rausch. Ich habe ein paar sehr beeindruckende Spuren davon an den Unterarmen.
Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass ein*e unschuldige*r Besucher*in darunter zu leiden hatte, und schon gar nicht wegen irgendwelcher Leckerlis … 😉

Update: Es gibt eine Fortsetzung: Es wird ernst 😉

 

31 Kommentare zu “Der Besuch | abc.etüden

      • Sie beobachten uns, also bewerten sie auch nach ihren Maßstäben, was das in Bezug auf sie bedeutet, wie z.B. bestimmte Schuhe statt der Lauftüchtigen anzuziehen, oder den Anzug beim Mann verstanden meine Hunde immer als Signal, dass sie voraussichtlich nicht mitkommen werden.
        Ansichten über das ihnen Angemessene, wirkt jedenfalls wie ein typisches Katzending, selbst wenn nur Lust und Unlust dahinterstehen.

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        • Ja, man unterstellt Katzen ja immer gern Ansichten über alles, ich bin da ja auch nicht anders. 😉
          Stimmt. Meiner weiß, wenn ich wegfahre, weil er meine innere Unruhe und das Packen mitbekommt, und daran gemessen weiß er auch, ob nur für über Nacht oder länger. Und es stimmt ganz sicher, dass er keine Veränderungen mag. 😁😼👍

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  1. -:))) mein Herr Kater ist zwar nie angriffslustig, aber er macht bei Besuchern unmißverständlich klar, wem zuerst die Gunst geschenkt werden muß, legt sich platt, den Bauch nach oben vor die Füße und erwartet ausdauerndes Kraulen und wenn das nicht klappt, wird der Sessel malträtiert, an den er nicht darf. Schon hat er wieder Aufmerksamkeit.
    Kommen Katzenbesitzer dann ist alles klar, aber ich habe zwei Freundinnen, die kein Fell anfassen können, da wird es schwierig.
    Bei Deinem obigen Katttitüdenkatzimatz kommt ja vielleicht auch noch Eifersucht hinzu.
    Lieber Gruß zu Euch, hier waren die Gewitter gnädig, es ist mords schwül schon wieder, mal sehen, was der Tag bringt. Karin

    Gefällt 4 Personen

    • Klar, der Etüdenkater ist eine Nummer-eins-Katze und im Grunde nur an neuen Dienern interessiert – sprich, ein Haustyrann 😼
      Bei deinem ist das aber auch klar, dass alle Aufmerksamkeit ihm gilt, so ein Schöner wie er ist …
      Meiner schaut sich schon an, wer kommt, aber zu meinen Freundinnen ist er echt lieb 😺
      Unser Wetter ist kühl und feucht, schlimm war hier nichts, das darf gern so bleiben, auch wenn es wärmer wird
      Liebe Grüße
      Christiane 😁😺☁️☕🍪👍

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    • Moin Annette, nee, noch nicht geplant. Ich bespreche das gerade mit einem gewissen Katzenherrn, der meinen Schoß belagert, unter welchen Umständen er geneigt sein könnte, seinen Menschen zu teilen … 😉😼
      Kaffee? Keks? ☕🍪
      Liebe Sonntagsgrüße
      Christiane 😁☁️😻👍

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  2. Es ist schon verwunderlich, was wir unseren Pets alles verzeihen. Dasselbe Benehmen bei Menschen würden wir wohl abscheulich finden. Bei unseren Tieren akzeptieren wir, dass sie eben sind, wie sie sind, bei Menschen nicht. Da setzen wir voraus, dass sie einen inneren Korrektor haben, der aus Eifersucht, Aggressivität, Geliebtwerdenwollen, Launen, Gefräßigkeit geborene Attitüden unter Kontrolle hält. Die Toleranz gegenüber tierischen Mitbwohnern ist allerdings recht neu, denke ich.

    Gefällt 3 Personen

    • Ja, das glaube ich auch, wobei es Geschichten aus der Sicht von (höchst gebildeten) Tieren ja schon länger gibt, denk an den Kater Murr von E.T.A. Hoffmann … 😺
      Ich denke auch, dass es ein Stück weit den Reiz solcher Geschichten ausmacht, dass die Tiere das sagen, was sich die Menschen höchstens zu denken trauen …. 😂
      Liebe Grüße
      Christiane 😁😼☕🍪👍

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  3. Mittlerweile bin ich auch schon abgestiegen und betüdele „unsere“ freilaufende Katze, die uns regelmäßig besucht. Sie hat sich Pluspunkte erarbeitet, weil sie die Mäuse am Haus und im Garten etwas unter Kontrolle gebracht hat und weil sie unseren Hund vor vielen Zecken bewahrt. Da darf sie dann auch schon mal auf meinen Schoss.
    Herrgott, wie ich mich schäme!

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  4. *lach* …als ich auf seinem Bauch liege, damit er mich streichelt.
    Köstlich, Deine Formulierung, liebe Christiane. Und dann bemert er auch noch, daß sein Mensch so anders riecht als sonst… Da wird man doch mißtrauisch als Katze 🙂
    Tja, wie werden sie über uns denken, die liebsten Vierbeiner? Ich vermute, mit Nachsicht *sdhmunzel* und ab und zu müssen sie uns ihre Meinung sagen, was uns dann als ganz gemeines Beißen und Kratzen ausgelegt wird… miau mio *g*
    Liebe Grüße in die Nacht von Bruni an Dich

    Gefällt 1 Person

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