Von Sommer und Sehnsucht

 

Sommernachtszauber

Einsam in der Julinacht bin ich träumend heimgegangen;
schmeichelnd hielt Resedenduft meine Sinne süß umfangen.
Durch die Lindenzweige ging flüsternd ein geheimes Sehnen,
von den Blüten fiel der Tau leis und lind wie Liebestränen.

Einsam durch die Julinacht irrten Mandolinenklänge,
ach, als ob aus Fernen weit deine Stimme zu mir dränge,
deine Stimme, die mir einst weich in wogenden Akkorden
wie Musik ertönt – und jetzt klanglos, unstet, fremd geworden …

Fern aus Süd ein Windhauch kam; heimlich durch das Lindendunkel
blitzte, deinen Augen gleich, träumerisches Lichtgefunkel.
Leuchtend fiel ein Stern herab – ach, wo mocht’ sein Strahl sich senken?!
Einsam in der Julinacht, weinend mußt ich dein gedenken. –

(Clara Müller-Jahnke, Sommernachtszauber, aus: Gedichte, 1910, Online-Quelle)

 

Im Sommerwald

Im Sommerwald, wo sich die Blätter drücken,
Liegt Sonnenschein in kleinen Stücken,
Drinnen die Mücken schweben und rücken.
Ich muß mich unter die Stille bücken.
Vor den finstern Tannenlücken
Sah ich einen Schmetterling weiß wie einen Geist aufzücken.
Der Wald riecht nach Kien und ist heiß.
Vielleicht hat hier ein Herz gebrannt und nur der Wald davon weiß.

(Max Dauthendey, Im Sommerwald, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 315/16)

 

Brief in die Sommerfrische

Ich habe so Sehnsucht nach Dir.
Weil alles so gut steht
Auf unserem Gemüsebeet.
Und Du bist in England. Nicht hier
Bei mir.
Frau heißt auf Englisch „wife“;
Muß man, um das zu lernen,
Sich so weit und so lange entfernen?
Bei uns ist alles Gemüse reif.
Meinst du, daß ich das allein
Esse? Kommt gar nicht in Frage.
Und so vergehen die Tage.
Könnte doch zu zweit so billig sein.

Bis August und noch September vergeht,
Ist alles verfault auf dem Beet.
Aber Englisch ist wichtiger als Gemüse,
Das es schließlich auch in Büchsen gibt.
Und ich gönne dir das alles sehr. Grüße
Dich!
Dein Mann (einsam in Dich verliebt).

(Joachim Ringelnatz, Brief in die Sommerfrische, aus: Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute, 1934, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Für die anbrechende Woche sagen die Wetterfrösche für Hamburg Höchsttemperaturen eher unter 20 °C voraus. Der Regen, so er fällt, ist willkommen und nötig, aber ach … manchmal könnte ich auch ein bisschen Meer (blau, blaugrün) vertragen …

Kommt gut in und durch die neue Woche! :-)

In eigener Sache: WP scheint im Moment meine Kommentare zu fressen. So geschehen bei Arno, wortverloren, Anja (Annuschka). Könntet ihr bitte mal schauen, ob ich im Spam gelandet bin und mich freischalten? Danke! Veronika hat meine Kommentare aus dem Spam befreit, sie sollten also dort sein. Eigentlich.

Und könntet ihr bitte checken, ob beim Etüdensommerpausenintermezzo eure Kommentare alle da sind? Falls es ums Verplatzen nicht geht: Bitte per Mail und/oder über mein Kontaktformular. Danke euch!

 

22 Kommentare zu “Von Sommer und Sehnsucht

    • Ich kannte das Wort (auch „Resedagrün“), hatte aber keine Ahnung (mehr?), wie die Dinger aussehen. Außerdem habe ich irgendwas mit „Reseden und Ranunkeln“ im Kopf und frage mich, wo ich DAS nun wieder herhabe …
      Ich wünsch dir einen guten Start in die Woche und dass sie sich harmonisch gestaltet!
      (Habe ich übrigens gestern ein vielsagendes Schweigen in Richtung Adventüden/Etüdensommerpausenintermezzo gesehen oder hat WP schlicht deinen Kommentar gefressen? Du darfst auch spenden, wenn du nicht schreiben willst, ist dir hoffentlich klar, oder?)
      Liebe Grüße
      Christiane 😉

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      • Vielen Dank, den wünsche ich Dir auch. Inwieweit es sich um einen harmonischen Start in die Woche handeln wird, kann ich wohl aber erst nach Abpfiff des heute Abend sattfindenden Relegationsrückspiels beurteilen … ;-)

        Und, ähm, ja, Du hast durchaus ein Schweigen vernommen, ob es ein vielsagendes ist, weiß ich allerdings selbst nicht. ;-) Dir als Chef-Etüdantin wird nicht entgangen sein, dass ich in der Hinsicht aus verschiedenen Gründen in letzter Zeit eher wenig geschrieben habe und ich nehme an, dass sich das wenigstens fürs Intermezzo eher nicht ändert. Zumindest aber bei den Adventüden bin ich aller Voraussicht nach diesmal nicht dabei.

        Ich versuche derzeit tatsächlich, meinen Blog eher auf sein ursprünglich angedachtes „Kerngeschäft“ einzudampfen. Für alles andere, wie Etüdentexte etc. böte sich da der Start eines Zweitblogs an – das klingt aber auch nach doppelter Arbeit … und ob ich das möchte …!? ;-)

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        • Hm. Klar ist es mir aufgefallen, klar habe ich es bedauert, ich finde diese deine Art, Dampf abzulassen – du nimmst ja in der Regel zu etwas Stellung, das dich aktuell aufregt –, ausgesprochen erheiternd. Dass sich das schlecht planen lässt (Adventüden), das Problem hatten wir ja schon letztes Jahr, von daher verstehe ich dich gut. 😉 Musst du wissen, ich würde es bedauern, wenn du das Etüdenschreiben aufgeben würdest, wobei ich das mit der Konzentration aufs Wesentliche ebenfalls nachvollziehbar finde.
          Ein Zweitblog macht jedoch m. E. eigentlich nur Arbeit beim Einrichten, aber, wie du neulich schriebst, wenn wir mal eine Pandemie haben oder es regnet … 😉
          Schau dir meine „Regensucherin“ an, das hatte ich mir zwar mal anders vorgestellt, aber die läuft jetzt so nebenher und wird ab und an mal gefüttert, wenn mir was über den Weg läuft. Das ist keine Arbeit, nicht vergleichbar mit hier.
          Musst du wissen. Wortspendeberechtigt bist du, ich würde mich freuen. Und wie eben erwähnt, ich würde bedauern, wenn du alles um die Rezensionen herum streichst. Ich harre der Dinge. 😉

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    • Du bist schnell mit deinem Urteil bei der Hand, liebe Gisela. Ich teile deine Meinung nicht, aber das ist ja auch nicht nötig. Schön, dass ein Gedicht deinen Geschmack trifft.
      Liebe Grüße
      Christiane 😁⛅☕🍪👍

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  1. Wie du ja weißt, bin ich bei den Künstlern nicht vollständig objektiv, daher hat es mir natürlich der Ringelnatz angetan. Erinnert mich an die Zeit, als meine Frau mal für eine Zeit im Ausland war. Sie hat mir auch sehr gefehlt. Ein Gedicht, mit Parallelen zu unserem nicht vorhanden Gemüsebeet, habe ich aber auch damals nicht gezogen. Vielen Dank für diesen neuerlichen Ringelnatz ;-)

    Gefällt 1 Person

    • Ich mag speziell dieses Gedicht total gern, in seiner Nüchternheit liegt so viel Tiefe … ❤️
      Freut mich, dass ich dir eine Freude machen konnte. 😁
      Der Aufruf zur Wortspende für die Adventüden und das Etüdensommerpausenintermezzo ist raus, schon gesehen? 😉
      Liebe Grüße
      Christiane 😁⛅☕🍪👍

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      • Ja, ich glaube genau diese gewisse Nüchternheit ist das, was ich an ihm so faszinierend finde. Trotzdem eloquent und gerade auf den Punkt. Mag ich :-)

        Die Aufrufe hab ich gesehen, wenn auch erst hier in den Kommentaren. Bin z. Zt. ähnlich rar, aus ähnlichen wie von dir erwähnten Gründen, aber da kommt auf jeden Fall was, und ich bin auch bei allen mit dabei :-)

        VG, René

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  2. Für mich ist der Ringelnatz mit Abstand das schönste der Drei. Er mischt seinem Ernst so viel Humor unter, dass ich beim Lesen immer wieder dachte, der Mann, der kann´s einfach. Luftig, locker, leicht ironisch und doch so voller Liebe zu ihr, die ihn da zuhause mit dem reifen Gemüse sitztenläßt *grins*, Zu schön, seine Zeilen.

    Liebe Grüße zur Nacht von Bruni

    Gefällt 1 Person

    • Ich mag wie immer alle drei, liebe Bruni, das habe ich ja schon mehrfach geschrieben, aber Ringelnatz hat bei mir ganz oft einfach eine Sonderstellung. Wie Rilke, obwohl ich die nun nicht unbedingt in einen Topf werfen würde 😉😉😉
      Liebe Grüße am Morgen
      Christiane 😁🌦️☕🍪👍

      Gefällt 1 Person

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