Adventüden 2020 11-12 | 365tageasatzaday

11.12. – Streicheleinheiten | Adventüden

 

Sie hätte sich ja denken können, dass ihre Freundin mal wieder alles andere einem Treffen mit ihr vorziehen würde. Prioritäten eben.

Wer war sie denn auch? Alleinstehend, mit Katze, ohne großartige soziale Kontakte und immer noch im Selbstfindungsprozess, wo andere ihr Studium wuppten, irgendeine Ausbildung meisterten und mit dem eigenen oder dem Geld der Eltern Spritztouren wer weiß wohin unternahmen. Und sie? Ihr bereitete die bloße Vorstellung Panik, Fahrstunden nehmen zu sollen.

Da saß sie nun auf ihrer Couch, die Kuscheldecke über den Füßen und die Fernbedienung vor sich liegend. Andere verlustierten sich wohl gerade bei Lebkuchen und Glüh-Gin auf dem Weihnachtsmarkt, während sie sich mal wieder von Netflix berieseln ließ.

So sehr sie selber das vorweihnachtliche Lichtermeer auch mochte, mit wem hätte sie sich hineinstürzen sollen?

Das Leben war kein Wunschpunsch …

Sie hörte ein leises Miauen. Ihr Kater Seppel machte sich an der Terrassentür bemerkbar. Nachdem er seinen Hunger gestillt hatte, gesellte er sich schnurrend zu ihr auf das Sofa. Die Streicheleinheiten für ihn taten auch ihrer Seele gut.

Autor*in: Ellen     Blog: nellindreams

 

Adventüden 2020 11-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

44 Kommentare zu “11.12. – Streicheleinheiten | Adventüden

      • Wenn die Freundin ein wahre Freundin ist, sollte sie schon mal ihre Prioritäten anders setzen und mal hin gucken, was mit dem Mädel passiert. Und das Mädel selber sieht ja eigentlich was mit ihr los ist – also Hinterntritt und ab zum Psychologen? Jaaaa, das sagt sich immer so einfach, aber wenn ich Diabetes habe, gehe ich auch zum Arzt ….
        Morgenkaffeegrüße zurück 🙂

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        • Ich weiß, was du meinst; und ich bin schon aus Prinzip dafür, dass Frauen den Führerschein haben sollten, aber es gibt so unglaublich viele Leute, die nicht gern (und daher schlecht) fahren … 🤔
          Okay, ich hoffe auf die Meinung der Autorin dazu 😁, ich glaube, das bekommen wir nicht gelöst.

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        • Oh, ich fahre auch nicht gerne Auto (zumindest nicht auf der Autobahn), dazu kommt, dass ich nachtblind bin – aber ich habe keine Panik….. Für mich kommt das in der Geschichte so ein wenig rüber wie generell Angst, sich draußen zu bewegen …… aber vielleicht habe ich da auch zuviel rein gedeutet 🙂

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        • Es gibt sehr sensible, introvertierte Menschen, die immer wieder in eine solche oder ähnliche Situation rutschen…Leider auch in meinem Umfeld. Und gewisse depressive Phasen hat vielleicht der/die eine oder andere auch selber schon erlebt. Wichtig ist wirklich das Umfeld – und dass es neben der Freundin vielleicht doch noch andere Absprechpartner*innen oder Personen gibt, die man an sich heran lässt. So lange der Kater für den Moment Seelenbalsam ist, kann das okay sein. Er sollte nur nicht der einzige Tröster sein…
          Die Sache mit dem Führerschein ist auch so eine Geschichte… Es wäre gut, wenn sie es schaffen würde, sich einen Ruck zu geben und anzufangen.
          Es stimmt, man kann sich beim Lesen Sorgen machen um die Protagonistin. Aber andererseits tut ihr das Haustier offensichtlich gut, so dass sie sich nicht ganz tief hinunterziehen lässt. Also doch ein tröstender Moment, oder?
          Ich gebe zu, dass die Geschichte spontan aus einer Begegnung mit einer Person entstanden ist, die sich manchmal schwer tut. Von außen dran zu bleiben ist wichtig.Ohne zu bedrängen…

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        • Ja, wer kennt sie nicht so depressive Phasen – gerade, wenn man sensible ist, evtl noch schwerer. Und gerade dann umso wichtiger, dass man sich mit Menschen umgibt (und mögen es noch so wenige sein), die einen vielleicht auch mal an die Hand nehmen, in den Arm nehmen oder treten oder wie auch immer. Das scheint deiner Hauptperson leider zu fehlen. Und ich befürchte, dass ein Haustier da für den Moment tröstend sein kann, aber auf Dauer nicht ausreicht….

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  1. Pingback: 11.12. – Streicheleinheiten | Adventüden — Irgendwas ist immer | nellindreams

  2. So richtiges Mitleid mit ihr stellt sich bei mir nicht ein – entweder ist sie so ein Typ, der sich gern selbst leid tut oder aber ihre Eltern haben in ihrer Erziehung sehr viel falsch gemacht und ihr das Selbstvertrauen ausgetrieben, dann hilft wirklich nur noch eine Therapie. Selbstfindung und Netflix – das paßt auch nicht zusammen. Sie kann gegen den Strom schwimmen, dann sollte sie sich aber nicht leid tun.
    Kater und Kuscheldecken sind aber immer gut -:)))
    Unterschiedliche Denkweise:
    Da mein Kater nur mit den Füßen gestreichelt werden möchte, denke ich mir: eine amüsante und für mich oft das Gleichgewicht halten zu müssende Übung, die zum Lächeln reizt ob seiner Vorlieben.
    Sie würde vlt. denken: dem Kater geht es so wie mir – er wird nur mit den Füßen getreten.
    Mal wieder interessant, diese unterschiedlichen Sichtweisen bei den Kommentaren – ich liebe so etwas.

    Lieber Gruß zu Dir , liebe Christiane von Karin mit mal wieder im Waschbecken schlafendem Kater -:))

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    • Ich bin mir nicht sicher, ob man ihre Zurückhaltung unbedingt den Eltern oder der Erziehung anlasten sollte. Das wäre vielleicht doch zu einfach, denn Vieles ist doch auch „in einem drin“, oder? Wer kämoft nicht manchmal gehen innete Schweinehunde in irgendeiner Form an? 😉
      Sie muss einen Weg finden, mehr nach außen zu gehen, sich mehr von sich aus zu öffnen und nicht immer nur auf andere zu warten, denn ihre Einsamkeit, so sehr sie sie mit ihrem Kater auch genießen mag, ist ihr durchaus bewusst.
      Danke für Deinen Kommentsr und Gruß an Deinen Kater! 😊

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    • Selbstfindung ist ein aktiver Prozess, liebe Karin, sind wir uns darin einig? Wenn das so ist, kann sie doch auch netflixen, solange sie nach Perspektiven für sich selbst sucht und sich nicht nur berieseln lässt. Schön, ist bisschen weit hergeholt, zugegeben. 😉
      Mein Katerherr möchte mich heute terrorisieren, einen Kratzer hab ich schon – übermütiges Biest 🐈😾😉
      Mittagskaffeegruß 😁☁️☕🍪🕯️👍

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      • Die Selbstfindung findet bis ins hohe Alter statt, man hinterfragt sich dann oft nochmal neu. Ob netflix Perspektiven anbietet, vermag ich nicht zu beurteilen, ich kenne die Sendungen dort nicht.
        Mein Katerherr ist friedlich, blockiert nur schon wieder das Waschbecken.
        Gute Nachtgruß zu Dir, Karin

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        • Wenn mensch auf der Suche ist, kann mensch auch aus „Vom Winde verweht“ was ziehen, oder, um in der Jahreszeit zu bleiben, aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ 😉
          Morgenkaffeegruß 😁🌲🕯️☕🍪👍

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  3. Katzen und nicht etwas Rentiere sind die heimlichen Helden der Adventüden, ach was sag ich, der Etüden überhaupt.
    Gibt es Statistiken wieviele Suizide Katzen pro Jahr verhindern? Wieviele Milliarden sie den Versicherungen an Therapeutenkosten einsparen?
    (Nein, ich habe keine Katze und vermisse das auch nicht.)
    Eine sehr glaubwürdig erzählte Geschichte und der Hauptperson wünsche ich, dass es nur eine vorübergehende Krise ist.
    Ich habe übrigens auch keinen Führerschein, nicht nur aus Ökogründen, sondern auch weil ich mir die Herrschaft über so etwas Schnelles, Gefährliches nie zugetraut habe.
    Sonst bin ich gar nicht übermäßig ängstlich.

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    • Das mit der Katze liegt aber auch an mir, würde ich behaupten, ich leiste dem hemmungslos Vorschub … 😀
      Es mag viele gute Gründe geben, selbst nicht fahren zu wollen, ich kannte einen Menschen mit Narkolepsie. Er meinte zwar, sein Leben lang urban gewohnt und nie ein eigenes Auto gebraucht zu haben, aber in einer stillen Stunde gab er zu, dass das nicht der einzige Grund war …
      Wobei fahren zu können nicht unbedingt heißt, dass man dazu einen Führerschein haben muss … 😉

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  4. Eine schöne kleine Etüde! Mir hat sie gar nicht so leid getan, ich finde, ein Sofa mit Decke, Netflix und ein Kater, der Gesellschaft sucht, sind nicht das allerschlechteste… allerdings sollte das alles selbst gewählt sein, nicht der Notnagel. Wenn es der Notnagel ist, wäre ich auch für „setz dich in Bewegung!“.

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    • Die Frage ist die nach der Motivation. Ich habe das auch mehr als ein entschiedenes Einigeln gelesen. Das ist als Dauerzustand zumindest gefährlich, trotz der berüchtigten Chill-Wirkung von Katzen 😁😾🐈
      Morgenkaffeegruß 😁☁️🕯️🌲🌠🐈☕

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