On the Road Again? | abc.etüden

Ihm klingelten immer noch die Ohren von dem Zetermordio, das sie geschrien hatte, und von dem Tränenausbruch, der unweigerlich gefolgt war. Irgendetwas war gar nicht in Ordnung in der letzten Zeit.
Sie aß komische Dinge! Sie roch fremd! Sie war anders mit ihm! Okay, er hatte ein Bedürfnis nach Unabhängigkeit und war viel unterwegs, aber offenkundige Respektlosigkeit konnte er nicht tolerieren, sie kannte ihn schließlich gut, das musste er sich nicht bieten lassen.
»Tja, Griff ins Klo, was? Dann bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als dir ein Ei auf den Kerl zu backen«, hatte ihre Freundin gesagt und böse geschaut. Besser war es aber dennoch nicht geworden, auch wenn ihre Hand wie üblich zu ihm gewandert war. Und was hatten die Frauen überhaupt mit »sitzen lassen« gemeint? Er hatte jedenfalls nichts falsch gemacht, da war er sich sicher, und wenn er sie auf der Couch heulen sah, dann hielt das sein weichmütiges Herz kaum aus.
»Ich habe Sorgen«, hatte sie ihm neulich gestanden, »und eigentlich habe ich ziemlich Angst vor dem, was da auf mich zukommt.« Er hatte sie zu trösten versucht, aber es war nicht genug gewesen. Er hasste es, hilflos zu sein.

Sie war hektisch. Sie räumte die Wohnung um. Sie kümmerte sich noch weniger um ihn. Sie machte die Schlafzimmertür zu, was er als Affront empfand. Außerdem wurde ihr Bauch immer dicker und ihre Laune meistens noch schlechter.
Er verstand nicht, was geschah, er fühlte sich unerwünscht und zog seinerseits die Reißleine.

Nun lag er gemütlich auf einer Veranda in der Schrebergartenkolonie, hörte den Regen auf das Dach trommeln und schlug die Pfoten unter. Mäuse gab es genug, für Essen war also gesorgt. Sie fehlte ihm trotzdem. Er wollte, dass alles in Ordnung war. Morgen würde er mal vorbeischauen. Oder übermorgen. Oder nächste Woche. Bestimmt.

 

abc.etüden 2021 01+02 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 01/02.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder. Sie lauten: Zetermordio, weichmütig, backen.

 

Auch ich, ich gestehe es, treibe mich gelegentlich im Netz auf Katzenseiten herum, nicht nur der Fellträger hinter meinem Rücken 😉 Es gibt nichts, was einem so schnell bessere Laune bescheren kann, aber auch nichts, wo einem so schnell das Herz zerfließen kann, man muss also durchaus vorsichtig sein. Zum Glück passt meiner auf mich auf, dass ich nicht aus Versehen das »Catlady-Einstiegsset« ordere und er demnächst seinen Schlafplatz mit ein paar Katzenkindern teilen muss …
So landete ich jedenfalls auf einer Seite über »Wie geht die Katze damit um, wenn ein Baby ins Haus kommt?« (hängt sehr von der Katze und ihrer Menschbezogenheit ab, aber man kann was machen), und dachte, dass das ein prima Thema für eine Etüde/Kattitüde sei, wo die Situation wirklich aus dem Ruder gelaufen ist und »der Katz« mal nicht automatisch alles unter Kontrolle hat …

Kennt sich jemand von euch damit aus? Katha, habt ihr euch schon Gedanken dazu gemacht, falls du dies hier liest?

Dass dabei dann zufällig gerade Willie Nelson aus dem Radio tropfte und mir mit »On the Road Again« den Etüdentitel (+ Ohrwurm) bescherte, war Zufall. Hier, falls ihr auch wollt – ja, gut aussehender Mann, zumindest auf dem Pic (ich weiß, wie alt er ist, aber mich würde interessieren, wie alt er da war 😉 ):

 

 

Schönen Sonntag zusammen!

 

Update! Bekommt noch jemand seine Mails/Benachrichtigungen über GMX? Ich kann seit 9:00 Uhr Mails zwar verschicken, aber nicht mehr empfangen, und wüsste gern, ob es noch jemandem von euch so geht …

 

111 Kommentare zu “On the Road Again? | abc.etüden

  1. Nelson hat den Song 79 für einen Country-Schnulzen-Film geschrieben, in dem er auch die Hauptrolle spielt, hab ihn vor ewigen Zeiten gesehen, heute kräht kein Hahn mehr danach, die Musik hat überlebt; aus 1980 stammt die Aufnahme. Nun mußt du nur noch rechnen … 😉

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  2. Ich habe keine Erfahrung mit solchen Situationen, vermute aber stark, dass der Kater zurückkommt, ob der Vater des Babys …das liegt an der Etüdenschreiberin -:)))
    Gruß in den das Wetter weiß noch nicht was es will Morgen , Karin

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  3. Hallo Christiane,
    herrliche Perspektive – ich finde die Handels(und Gedanken)welt der Katzen hier wunderbar herausgearbeitet. Das schätze ich an Katzen, bis zu einem bestimmten Grad Dealbereit und darüber hinaus logisch konsequent – sie schauen einfach, dass sie sich nicht aufopfern und Schaden nehmen , sie achten auf sich – wir können nur von ihnen lernen…
    Einen lieben Mittagsgruß Doro

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    • Ah, weil sie anders riecht und anders isst? Und mit Schwangerschaft liegst du ja völlig richtig 😁👍
      Kätzisch lernt man nur von Katzen. Und was meinen hier geschilderten Katerherrn angeht, ist natürlich nicht auszuschließen, dass ich ihn etwas vermenschliche. Etwas *kicher* 😼
      Wenn ich dir mit was Kätzischem helfen kann, frag einfach. Hier lesen und kommentieren viele Katzenmenschen 😁😻

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    • So sollte das eigentlich auch sein, das ist ein Kennzeichen meiner Kattitüden, dass diese Auflösung erst am Ende erfolgt. Wenn du ein paar mehr lesen magst: Rechts in meiner Seitenleiste habe ich ein kleines Menü … 😉
      Die Anzahl der Kommentare ist bei mir nicht völlig unüblich, da ich normalerweise stolz auf eine gewisse Diskussionskultur bin. Allerdings sind es für einen Tag wirklich viele.
      Und ja, natürlich geht Cat Content immer, aber das hier ist Menschencontent im Katzengewand, wie so oft bei mir. 😁
      Grüße in die Hauptstadt! 😁🐈☕🍩👍

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    • Babys und Haustiere sind oft ein Problem. Während Hunde eher bissig werden oder anders „verhaltensauffällig“, wie man mir sagte, haben Katzen, vor allem, wenn sie Freigänger sind, halt auch noch die Möglichkeit, sich zu verdrücken. Nicht, dass ich jetzt denke, dass sie reflektieren (nur in der Etüde), sondern weil sie den Stress oder den Lärm nicht aushalten … 😼😺

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  4. Eine tolle Katzitüde , liebe Christiane.
    Er wird sich wundern, wenn er demnächst mal wieder vorbeischaut 🙂 Vermutlich wird er sich in seine kleinen Ebenbilder verlieben.
    Ne, da habe ich keine Ahnung, hatte immer nur die Katzendamen mit dem irre niedlichen Nachwuchs.
    Ganz herzlich, Bruni

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  5. hundkatzemaus bei VOX hatte dieses Thema öfter: viele Tiere, Katzen reagieren auf menschlichen Zuwachs (es muss nicht immer ein Baby sein) überhaupt nicht, andere werden zu einem großen Problem (einkoten und einnässen in der Wohnung, Aggressivität gegenüber dem Neu-Ankömmling). Es gibt Verhaltenstherapien für die Tiere und die Menschen. Einfach abwarten und sehen, ob und was sich tut. Liebe Grüße, Bernd

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  6. Die Katze bei uns in der WG war schwer entsetzt, regelrecht verängstigt , als sie das erste Mal das katzengroße Menschlein erblickte.
    Dann hat sie sich dran gewöhnt. Es war aber auch nicht meine Katze.
    Als das Kind dann hinterherkrabbelte fand sie es auch erst doof, hat aber schnell rausgekriegt, dass sie die Schnellere ist.
    Mein Sohn hat sie sehr geliebt.
    Sie ist aber schon lange tot.

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    • Es ist immer wieder lustig (okay, meistens), das bei Hund & Katz zu beobachten, wie wer rausbekommt, wer sich was leisten kann 😉
      Eine Freundin kannte eine Katze, die im Hundebett schlief, wenn ihr danach war, und der Hund davor. Der Hund ein Vielfaches so groß wie sie. Tja 😁 Und tagsüber haben sie beim Türenaufmachen zusammengearbeitet. Auch die beiden sind schon tot.
      Ach ja.
      Schönen Abend dir! 😁🌧️😼🍷👍

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  7. Die Katze meiner Schwägerin (auch eine Tochter meiner Herzenskatze) hat den menschlichen Nachwuchs mit einem Achselzucken quittiert und mit ihrem Leben einfach weiter gemacht.
    Es hätte meiner Schwägerin aber auch das Herz gebrochen, wenn sie sich abgewandt hätte. Aber Katzen lassen sich das nicht vorschreiben.
    Jedenfalls eine tolle Kattitüde.
    Grüße an dich und den Fellträger!

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    • Das beweist einmal mehr, dass Katzen halt ganz unterschiedlich ticken. Ich habe hier auch ein lärmempfindliches Exemplar, bin aber durchaus nicht sicher, ob er sich da nichts von mir abgeschaut hat … bei mir ist es selten laut und selten hektisch. 🤔
      Ich behaupte ja, dass Katzen oft viel menschorientierter sind, als man ihnen nachsagt, von daher kann ich mir die Reaktion auch gut vorstellen. Mensch gut, alles gut. 😉
      Ganz herzliche Grüße zurück! 😁🐈🌧️☕🍩👍

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  8. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 03.04.21 | Wortspende von blaupause7 | Irgendwas ist immer

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