Winterblues | abc.etüden

CN: Wer gerade mit der/gegen die Einsamkeit (ob aufgrund der Coronamaßnahmen oder nicht) zu kämpfen hat, den könnte dieser Text triggern. Seid gewarnt.

 

Das Fenster der Dachkammer blockierte. Am Anfang hatte sie es persönlich genommen, hatte gedacht, jemand wolle sie hindern, hinauszuklettern oder sich hinauszustürzen, dann aber hatte sie herausgefunden, dass sie wohl nur einen schwergängigen Hebel würde umlegen müssen, denn es ließ sich kippen. Nun gut, auch so konnte man lüften. Das Öffnen würde sie wohl noch ein, zwei Wochen verschieben, denn solange ihr Arm immer noch so wehtat, war nicht daran zu denken, damit Druck auszuüben.

Überhaupt, wo war der Gedanke hergekommen, sie wolle sich umbringen? Der war neu, dachte sie kritisch und unangenehm berührt. Und nein, sie war ja auch nicht absichtlich gestürzt, DAS würde sie geschickter anstellen, auch wenn ihre Bodenstiege reichlich steil und zum Halsbrechen vermutlich durchaus geeignet war. Hm.

Sie seufzte. Jeder Winter nahm ihr ein bisschen mehr Substanz, dieser war keine Ausnahme, und die ganzen Beschränkungen machten es nicht leichter. Wer von so vielen Möglichkeiten für Kontaktaufbau sprach, der kannte keine Menschen wie sie. Menschen ohne großen Bekanntenkreis, die jetzt niemanden hatten, der sie besuchen und umarmen würde. Menschen, für die der Lebensmitteleinkauf der gesellschaftliche Höhepunkt war, weil alles geschlossen worden war, wo man andere treffen und sich ein bisschen unterhalten konnte. Sie hatte im Fernsehen einige Politiker gesehen, die sich zum Affen machten, und sich gefragt, ob sie in der gleichen Gesellschaft lebten.

Es war manchmal schwer, nach vorne zu sehen. Sie umarmte die Gleichgültigkeit, die sich wie eine warme, braune Decke um sie legte, gab den Widerstand auf und ließ die Tage auf der Couch verstreichen. Wozu sollte sie aufstehen, sich zurechtmachen, sich zusammenreißen? Früher hatte sie Antworten darauf parat gehabt, aber jetzt?

Okay. Sie war gesund. Alles würde enden, auch der Winter und die diversen Lockdowns, und sie würde die Fenster aufreißen, draußen sitzen und mit anderen lachen.
Wenn sie dann noch lebte.

 

abc.etüden 2021 06+07 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Torsten und seinem Blog Wortman. Sie lauten: Affe, neu, blockieren.

Diese Etüde wollte geschrieben werden, nachdem ich schon mal angefangen hatte, vom „Winterblues“ zu reden. Sollte irgendwer von euch der Meinung sein, dass da eine Triggerwarnung drüber gehört, lasst es mich bitte wissen. Ich hoffe, die nächste wird fröhlicher.
Nein, die ist nicht autobiografisch, aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass sie es vielleicht sein könnte, wenn ich, na, sagen wir mal, 20 Jahre älter wäre und NATÜRLICH auf keinen Fellträger aufzupassen hätte … 😉

Nachdem ich bemerkt habe, dass ich immer wieder ein gewisses Foto eines Dachfensters vor Augen hatte, habe ich überlegt, ob ich diese Etüde nicht auch Myriades Impulswerkstatt widmen soll, aber ich glaube, ich hebe mir das auf.

Update: Da Myriade meint, dass diese Etüde hervorragend zu ihrem Fenster passen würde, sei sie hiermit auch in die Liste der Beiträge zur Impulswerkstatt Februar eingereiht.

 

Copyright: Myriade

 

85 Kommentare zu “Winterblues | abc.etüden

  1. Ja, wenn ich keine Enkelkinder betreuen dürfte … Einkaufen gehe ich ja nicht, auch keine Lebensmittel, nicht einmal Medikamente. Ich lasse alles liefern und bin dankbar, dass es möglich ist. Und ich hoffe so sehr, dass die Grundschulen zu bleiben, bis die Gefahr vorüber ist (obwohl ich nicht daran glaube). Oder dass zumindest die Präsenzpflicht ausgesetzt bleibt (obwohl auch diese Hoffnung im Sinken begriffen ist). Denn wenn die Präsenzschulpflicht meine Enkelin in die kontaktintensiven Schulräume zwingt, wird es zu riskant, sie zu betreuen (und ihr Brüderchen gleich Kontaktperson 1), spätestens wenn ihr täglicher Test positiv ausfällt. Ich weiß nicht, ob ich das abwarten sollte. Eher nicht, aber dann ist es für mich vorbei mit jeglicher Form persönlicher Kontakte. Ab da werden meine Geschichten wohl alle Triggerwarnungen benötigen, falls ich noch welche schreiben sollte.

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    • Das ist eine schwierige Abwägung, die ich nicht treffen möchte, liebe Elke. Geht es nach der Politik, sollen die Schulen recht bald wieder öffnen – die Frage ist, was die Bundesländer daraus machen … 🤔
      Ich hoffe, dass du einen guten Weg für dich findest. Wenigstens kann ich dir versichern, dass ich deine Geschichten auch mit Triggerwarnungen alle lesen werde 😉
      Hab einen guten Tag! 🌞❄️
      Morgenkaffeegrüße 😁🌨️☕🍪👍

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    • Wenn man in einer Familie lebt, fällt einem das oft nicht so auf, aber es gibt mehr Menschen, die so leben müssen, als man denkt.
      Ja, ich bin froh, dass ich im Internet und am Telefon hängen kann und rausgehe, wenn auch auf Abstand. Andere können das nicht, und der Winter tut sein Teil dazu. ❄️🌨️
      Morgenkaffeegrüße zurück, auch hier mit Frost und Fitzelschnee 😁🌨️❄️☕🍪👍

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  2. Es ist ein perfektes Stimmungsbild, wie wohl viele die Situation empfinden.
    Mich hat die Zeit verändert, sie hat mich entschleunigt. Und zum Glück werde ich nicht so schnell einsam.
    Ich vermute, dass außer der Bundeskanzlerin die meisten die britische Mutation unterschätzen. Ich habe die dramatische Entwicklung in Irland mitverfolgt. Guten Morgen, Christiane ☕️🍀💫

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    • Die Kanzlerin muss damit rechnen, dass irgendwer immer: „Wie konnten Sie nur?“ ruft, egal, was sie tut. Wer nicht allein lebt, hat ja auch zumindest eine feste Bezugsperson. Isolation macht etwas mit einem … 🤔
      Guten Morgen, Barbara! 😁
      Morgenkaffeegrüße 😁❄️🌨️☕🍪👍

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  3. Bei den ersten Zeilen dachte ich nicht an gegenwärtige pandemisch bedingte Umstände. sondern an das ganz normale Alter von Frauen mit geringfügiger Rente und nicht mehr als ihrem nicht minder hinfälligen Haus, immerin einer Art Glück im Unglück, statt in einer Einrichtung selbst des letzte Stücks Eigenleben zu entsagen, wenn nötig, auch der freien Entscheidung, sich aus dem Dachfenster zu stürzen. Ich dachte vor allem an spanische Dörfer im Hinterland, die fast ausschliesslich von solchen Alten in ihren immer gefährlich werdenden Häusern bewohnt werden, denen jedes Wäscheaufhängen auf den brüchigen Holzbalkons zum letzten Mal werden könnte. Die gibt es immernoch, nur plus Pandemie, und einsam waren sie vorher schon, weil die beruftstätige Familie sie auch ohnedies kaum besucht hat.
    Vermutlich muss man nicht so weit gehen, solche Alten gibt es hierzulande auch, die sich nicht beim Sozialamt melden, weil sie wissen, dass ihnen, bevor sie finanzielle Hilfe erhalten, das Haus dagegengerechnet wird, und dann ist es vorbei mit der „Option Dachfenster“ oder, nur wenig milder, wann was getan oder wer jederzeit im Zimmer geduldet werden muss.

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    • Stimmt auch, so jemand stand mir ursprünglich vor Augen, als ich die Etüde schrieb. Okay, hierzulande, dazu muss man nicht weit weg.
      Eben: … „wer jederzeit im Zimmer geduldet werden muss“. Gruselige Vorstellung.
      Morgenkaffeegrüße 😁❄️🌨️☕🍪👍

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      • Nein, muss man nicht, wenn man auf dem Dorf wohnt, kennt man auch hierzulande mindestens einen solchen alten Menschen. Ich brauche aber gar nicht so weit blicken, Meine Mutter hat trotz relativ guter finanzieller Lage den letzten selbstgewählten Schritt dem totalen Betreutwerden vorgezogen.

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        • In abstrakter Weise hatten wir darüber schon mal gesprochen, aber ich war in dem Moment trotzdem überrascht. Sie war keine, die offene Durchsetzungsfähigkeit als Eigenschaft zugeschrieben bekommen hätte, aber gerade deshalb war dieser „Rückzug“ wahrscheinlich genau ihr Weg.

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    • Ja, klar, aber wie, wenn man vorher auch nicht so eng war? Mentalitäten sind unterschiedlich – hier klingelt man nicht einfach bei den Nachbarn … 🤔😉
      Was das angeht, hoffe ich, dass Corona Spuren hinterlässt, und zwar im positiven Sinne.
      Morgenkaffeegrüße 😁❄️🌨️☕🍪👍

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  4. Einsamkeit im Alter ist ja sowieso schon ein großes Thema. Aber nun in der Pandemie. Und es hat nun mal nicht jeder Zugang zum Internet, oder Interesse daran. Es ist unglaublich traurig. Und Du hast wieder einmal passende, einfühlsame Worte gefunden, liebe Christiane. ❤

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      • Schön, wenn man dann wenigstens jemanden zum telefonieren hat. Letztes Jahr hatte ich eine Trauerbegleitung – der Mann war gestorben, die Frau nun ganz allein. Sie hatte Angst irgendwann tot in ihrer Wohnung zu liegen ohne dass es jemand bemerkt. Ich habe ihr dann einen Bremer Verein empfohlen, dort rufen Ehrenamtliche einen regelmäßig an und kümmern sich auch, wenn sie niemanden erreichen. Da die Koordination etc. natürlich Kosten verursacht, muss man einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Klar, dass muss man sich auch leisten können. Aber sie war froh, dass es das gibt.
        Leben…
        Morgenteegrüße ❤ 😀

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        • Ja, und das ist eine sehr realistische Furcht. Meine Mutter hatte einen Deal mit ihrer zehn Jahre jüngeren Nachbarin und Freundin: Da beide eine relativ strenge Tagesstruktur hatten, schauten sie morgens nach, ob zu einer bestimmten Uhrzeit im anderen Haus die Vorhänge aufgezogen waren. Wenn nicht, hätten beide auf der Matte gestanden. Ist auch vorgekommen 😉
          Das mit dem Verein finde ich aber auch eine gute Idee. 👍👍👍

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      • So ein Deal ist natürlich toll. Aber diese Dame zum Beispiel fühlte sich nicht in der Lage, solche Kontakte selber zu knüpfen und hatte eben auch keine Familie mehr und keine Freunde. Das macht es natürlich schwierig… Ich war so froh, eine Lösung für sie gefunden zu haben.

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  5. Für mich hat Deine Geschichte nichts mit dem sozialen Status zu tun – sie trifft auch für die Menschen (es sind nich immer nur Frauen) zu, die in einer Art goldener Käfig leben und aufgrund von egal was für Umständen, gewollt oder ungewollt, allein sind. Telefonate, Internet sind zwar eine gute Ablenkung, aber sie ersetzen nicht die zwischenmenschlichen realen Kontakte. Wenn dann noch so ein Wetter mit wochenlangem Grau hinzukommen, dann kommt diese Gleichgültigkeit sich selbst gegenüber. Ich bin eigentlich vom Wesen her ein optimistischer und fröhlicher Mensch, merke aber inzwischen, wie mich dieser Lockdown verändert und das bereitet mir auch Angst.
    Ich danke Dir für diese Etüde und werde jetzt einen Spaziergang ins Weiße machen, das hilft…
    Lieber Gruß, Karin

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    • Leben in Abgeschiedenheit hat viele Facetten, liebe Karin, die Finanzen sind nur ein (wichtiger) Aspekt. Ja, man verändert sich, die Frage ist, ob man etwas hat oder entwickeln kann, um es dem entgegenzusetzen, und das ist nie leicht … 🤔😉
      Viel Spaß draußen! Licht und frische Luft helfen, ich kenne das auch von mir 😁👍
      Morgenkaffeegrüße, auch an den Waschbeckenschläfer 😁🐈☕🍪👍

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    • Ich habe deinen Kommentar überlesen, Lea, bitte entschuldige! 😦
      Natürlich hast du recht! Wie es mir geht, ist manchmal zweitrangig, aber wehe, der Fellträger hat irgendwas oder möchte sein Lieblingsfutter, dann bin ich aber unterwegs! 😉
      Danke dir für deine Ergänzung! 😁
      Abendgrüße 😁🐈❄️🍷🍪👍

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  6. Eine Etüde, Christiane, die ins Herz trifft. 50% der deutschen Haushalte, las ich, sind Singelhaushalte. Das zeigt schon mal, wie weit das mehr oder weniger frei gewähle Alleinleben schon fortgeschritten ist. Viele Einzellebende klammern sich verzweifelt an die Restfamilie, um nicht in der völligen Einsamkeit zu enden, überschütten Kinder, sofern vorhanden, mit Telefonaten und Besuchswünschen. Das war vor C auch schon so ähnlich, aber nun ist der kleine Bewegungsfreiraum weg, den es eben doch noch gab: das Cafe um die Ecke, die Urlaubsreise, der Einkaufsbummel, die Ausflüge, das Vereinsleben, der gemeinsame Spaziergang mit alten Freundinnen, die Bibliothek, das Konzert, der Buch- oder der Wollladen. Nichts ist übrig geblieben. Stattdessen laufen die Menschen verängstigt mit Masken vor dem Gesicht herum, dass es zum Erbarmen ist. Wovor fürchten sie sich denn so schrecklich? Dass dieses Leben, das so völlig leergelaufen ist, enden könnte? Na und? Das internet IST KEIN ERSATZ, auch das Telefon nicht.
    Liebe Grüße und Dank für die einfühlsame Etüde.

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    • Nein, nichts ist Ersatz für persönliche Begegnungen, liebe Gerda. Man kommt an einen Punkt, an dem man das spürt.
      Ich wende mich bisschen gegen dein „verängstigt“, den Eindruck habe ich nicht, aber das mag subjektiv und/oder lokal sein. Ich denke, dass viele nur ihre Maske tragen, weil es vorgeschrieben ist und man höflich sein will.
      Telefon und Internet können helfen, aber die Einsamkeit, die meist durch die Coronamaßnahmen nur verstärkt wird, bleibt … 🤔
      Sei ganz herzlich gegrüßt 😁🌞❄️☕🍪👍

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      • Gestern traf ich eine 76jährige Bekannte am Strand. Sie war allein, ihr halbes Gesicht war hinter einer schon recht unansehnlich gewordenen Maske verborgen, die Augen verängstigt. Ich weiß, dass sie Tag und Nacht vorm Fernseher hockt und immer die dramatischsten Informationen in ihrem Gehirn speichert. Selbstverständlich hielt ich Abstand – schon aus Selbstschutz, denn diese Masken sind echte Virenschleudern.

        In Kalamata treffe ich oft solche alten Menschen, die eine schlechtsitzende Maske tragen und halb blind vor sich hintapern, vielleicht in einen Minimarket huschen und eine Kleinigkeit kaufen (mehr geht nicht). Sie sind zu Tode erschrocken! und sie wissen nicht, wie sie dem Tod entrinnen können. Ich höre von anderen, dass ihre alten Mütter oder Väter die Wohnung nicht mehr verlassen wollen, weil sie sich vor Ansteckung fürchten. Sie fürchten sich, Christiane! Sie tragen die Maske nicht, weil sie andere schützen wollen, sondern weil sie sich einbilden, damit geschützt zu sein, selbst am Meer, in der freien Natur, im letzten Bergdorf tragen sie sie. Und niemand sagt ihnen die Wahrheit.

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        • Mir ist neulich erst wieder aufgefallen, dass viele, wenn sie älter werden, vermutlich aus Verunsicherung demjenigen glauben, der am lautesten, am farbenfrohsten und am reißerischsten brüllt. Wer sich immer das größte Drama gibt, der hat aber nicht erst jetzt damit angefangen! 🤔
          Dass du schreibst, dass sie sich wirklich fürchten, das ist schlimm. Ich käme nie auf die Idee, in der freien Natur Maske zu tragen, auch nicht normal auf der Straße … 🤔 O weh.

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      • Dass mit dem „Drama“ ist zutreffend. Sie war immer schon so. Nun aber ist es ein Drama, das sie selbst betrifft.
        Mich wundert ein bisschen, dass du dich anscheinend wunderst, dass sich die Menschen tatsächlich fürchten. Ja, was glaubtest du denn? Dass ein Jahr Indoktrination spurlos an den Gemütern vorbeizieht? Die meisten älteren Menschen sind davon überzeugt, dass sie eines grausamen Erstickungstodes sterben werden, wenn sie nicht gehorsamst alles tun, was von ihnen verlangt wird – und noch etwas mehr.

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        • Und genau das glaube ich – in der von dir gewählten Formulierung – tatsächlich nicht. Ich glaube, dass ein Jahr Medienbeschuss viel anrichtet, sicher, aber so absolut, wie du es festschreibst, sagst du, dass man im Alter nicht mehr denken kann. Komm schon, da bist du selbst das beste Gegenbeispiel.

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        • Selbstverständlich gibt es in jedem Alter Ängstliche und solche, die dagegen gefeit sind, Christiane. Die Älteren aber werden in größerem Maße durchs TV beeinflusst und sie haben mehr Angst vor dem Tod. Sie haben weniger Möglichkeiten, die offiziellen Ansichten zu hinterfragen (wo denn? Nicht mal das Cafe existiert, wo man solche Fragen ventillieren konnte. Und internet haben sie nicht). Ältere sind in der Regel konservativer, scheuen Risiken und halten sich an Vorschriften des Staates. Das trifft zwar für mich nicht zu, doch Ausnahmen bestätigen die Regel. 😉

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        • Japp, wenn du das so differenzierst, kann ich dir zustimmen 😉 Wobei mich eventuelle Zahlen für Deutschland da sehr interessieren würden, denn ich gehe davon aus, dass du dich im Wesentlichen auf Griechenland beziehst, oder? …
          Mir war nur deine vorherige Aussage zu absolut.

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        • Ich kann ein Stück weit verstehen, wovon Gerda spricht, lieber Werner. Hattest du bei der ganzen Berichterstattung nie das Gefühl, dass du ständig im Grunde dasselbe hörst und dich im Kreis drehst?
          Wenn man jemandem etwas immer wieder sagt, wird es irgendwann geglaubt. Ich finde es zumindest nicht verkehrt, zu bemerken, dass genau das geschehen ist. Und bitte, das ist keine Kritik an irgendwelchen Entwicklungen oder Maßnahmen, das ist eine Beobachtung … 🤔

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        • Ja, aber Indoktrination ist etwas anderes, als wenn immer wieder das Gleiche gesagt werden muss, damit die Leute die Situation verstehen.
          Ich war heute morgen mit meiner Frau einkaufen und beobachte das schon seit längerer Zeit: meine Frau und ich sind fast die Einzigen, die ihre Hände und den Einkaufswagengriff desinfizieren. 90% macht das nicht und die Märkte sind auch nicht mehr so dahinterher, wie bei der ersten Welle.
          Also liegt es doch nahe, dass die Bevölkerung immer wieder darauf hingewiesen werden muss, wie ernst die Situation ist. „Mir passiert da schon nichts“ und weghören und genervt sein hilft da wohl nichts.

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        • Dein Beispiel trifft auch nicht das, was ich meinte, aber ich verstehe, dass du das Argument etwas Konkretes knüpfen möchtest. Ist hier im Übrigen nicht anders 🤔
          Würdest du in einen Artikel schauen wollen, den Bernd (Red Skies over Paradise) gestern geteilt hat, nur um der Diskussion willen?

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  7. Ja, die wollte und sollte geschrieben werden. Auch wenn sie mich nicht voll trifft, so trifft sie doch im Kern. Den Jungen klaut die Pandemie ein Stück ihrer Jugend, und man versteht ihren Unmut, den Alten ein Stück dessen, was noch bleibt, was vielleicht nicht viel ist, aber von hier aus gesehen eben alles.
    Liebe (trotzdem recht fröhliche) Grüße
    Christa 😀☕

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    • Es ist einfach zu verzweifeln, wenn man sich nicht austauschen kann und einem die Decke auf den Kopf fällt. Dann ist irgendwann auch der eigene Radius höchst begrenzt.
      Sei herzlich zurückgegrüßt! 😁🌞❄️☕🍪👍

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  8. Sie hat viel Allgemeingültigkeit diese Etüde (und zum Impuls-Fenster passt sie auch hervorragend).
    Es ist schon ein Unterschied, ob man allein lebt oder nicht, natürlich, aber „nur“ im privaten Bereich. Die vielen Möglichkeiten des lebens, die man derzeit nicht hat, treffen alle in gleichem Maß.
    „Ob man etwas hat oder entwickeln kann, um es dem entgegenzusetzen“ ist ein ganz wichtiger Satz, der nicht nur für Lockdown-Zeiten gilt. Es gibt ja durchaus viele freiwillig allein lebende Menschen, die die Vorzüge dieser Lebensform schätzen und genießen, aber genau diese Vorzüge kann man derzeit eben nicht ausleben. Aber man kann auch als Paar oder Familie vieles nicht ausleben und kann einander nach so langer Zeit schon auch gehörig auf die Nerven fallen. Wie gesagt, ich finde die Betrachtungen sehr allgemeingültig..

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    • Weißt du, ich habe ein Problem mit der Dauer des Ausnahmezustandes. Mich mal für ein paar Wochen einzuschränken, okay, vor allem, wenn mir alle versichern, dass es einen tieferen Sinn hätte 😉
      Aber irgendwann stoße auch ich, die ich eigentlich gerne so lebe, wie ich lebe, an meine Grenzen. Okay, was tun? Ich arbeite dran; und dies hier ist eine Form des Dampfablassens, denn ich weiß ja, dass ich damit nicht allein bin.
      Wenn du magst, verlinke ich zu dir? 😉
      Mittagskaffeegrüße 😁🌞❄️☕🍪👍

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      • Ja bitte, verlinke doch, dann mache ich das auch und setze den feinen Text auf die Impulswerkstatt-Liste.
        Du hast Recht, es ist die Dauer, wir sind alle schon gierig nach Veränderung. „Das soziale muss wieder aufgefüllt werden“ meinte meine Schwägerin gestern.
        Mich überrascht eigentlich die Wirkung, die die Situation auf mich hat. Ich muss nicht dreimal die Woche ausgehen und immer fünfzig Leute um mich haben, eher im Gegenteil, aber derzeit lechze ich nach Gesellschaft …

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        • Done.
          Ja, deine Schwägerin hat recht, genau so ist es. Und auch ja, auch ich bin eher das Gegenteil, aber auch mir geht es so, dass ich jetzt gerne häufiger Gesellschaft hätte … Aber, wie ebenfalls schon geschrieben, die Coronamaßnahmen verstärken das nur, mir fällt jeden Februar bisschen die Decke auf den Kopf … 😉

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  9. guten morgen christiane!
    ich bin jeden tag dankbar, nicht allein zu sein. geheiratet zu haben. ein schönes zu hause zu haben. und auch wenn ich früher gern allein war, mich manchmal sogar nach mehr einsamkeit gesehnt habe…es ist einfach eine grenze erreicht, die es schwer und schwerer macht und so spricht deine etüde wohl viele an und etlichen aus dem herzen. in so vielerlei hinsicht.

    …so und nun treten alle von ihren fenstern zurück und versuchen, sich einen schönen tag zu gestalten!
    😉

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  10. Liebe Christiane, da triffst du gerade auf einen nicht mehr dicken Nerv von mir. Und ja, ich glaub eine Triggerwarnung wäre angebracht.
    Danke, dass „sie“ noch Licht hinter all dem sieht und sich auf etwas freuen kann, dass sie die Zuversicht noch nicht verloren hat.
    Herzliche Grüße
    Ulli

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  11. Oh ja, diese pandemischen Geschichten mit allem ihren physischen und psychischen Nebenwirkungen… Damit wird sich irgendwann einmal u.a. die Literaturgeschichte beschäftigen… ?
    Sehr gute Beschreibung der Befindlichkeiten inkl. Selbstironie und dem positiven Dreh zum Ende hin!

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  12. Meine Frau hat eine Freundin. Der Mann ist vor 4 Jahren gestorben, jetzt ist sie vollkommen alleine, denn Kinder wollte sie damals nicht, „da hätte man ja nichts unternehmen können“. Im ehemaligen Freundeskreis sind auch schon etliche weggestorben, sie hat kaum noch Kontakte und in Verbindung mit Corona bauen sich nun Depressionen bei ihr auf. Noch verstärkt durch das Schneechaos in Nordhessen, wo sie wohnt.
    Das kann ich alles nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass sie alle anderen die Schuld dafür gibt, selbst allerdings nie versucht hat, eigenständig Kontakte zu knüpfen über Vereine, über Soziale Projekte etc.
    Aber ich gebe zu, dass wohl nicht alle das können und sich frei machen können.
    Und so kann ich mich nur Kain anschliessen: zurücktreten und Fenster schliessen!

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  13. Deine Etüde ist doch ein kleines bißchen autobiografisch geworden, liebe Christiane. Ich denke an den Arm, der bei Hebelbewegung schmerzt…
    Alleine sein, sich alleine und einsam fühlen und dann noch das Wissen um einen gefährlichen Virus, das ist eine schreckliche Mischung.
    Ich bin niemand, der Riesenfeten braucht und ständig in Feierlaune ist, aber es wäre schon schön, wieder mehr Kontakte haben zu können und ohne Maske durch den Supermarkt zu eilen.
    Mich fragte jemand, ob ich mich nun, nachdem mich der Virus auch erwischt hatte, anders fühlen würde und ob mein Verhalten jetzt anders wäre wie vorher. Ich überlegte kurz und sagte dann, daß ich mich eigentlich verhalte wie vorher, aber doch mit etwas mehr Vorsicht.
    Menschen, die im Wald Masken tragen, verstehe ich nicht. Meinen sie, die Bäume könnten Viren ausspucken? Scheint die Sonne, fühlen wir uns alle gleich viel wohler und drum wünsche ich uns allen jede Menge Sonne und ein wenig weniger Kälte um uns herum.
    Liebe Grüße von Bruni an Dich, liebe Christiane

    Gefällt 3 Personen

    • Das ist die „Augen zu und durch“-Mentalität. Und dabei möglichst nichts falsch machen, weil das am einfachsten ist.
      Ich würde mir auch wünschen, dass ein bisschen mehr soziales Leben möglich wäre, aber zurzeit sieht es ja eher nach Verlängerung aus. Du sagst, du bist noch vorsichtiger geworden, liebe Bruni?
      Morgenkaffeegrüße 😁🌥️❄️☕🍪👍

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  14. Liebe Christiane,
    du beschreibst ein Thema, das es auch ganz ohne Pandemie gab und gibt – und das jetzt verstärkt wird. Das Alleinleben auf Dauer ist schon eine riesige Herausforderung.
    Hut ab für dein beschreiben in der Geschichte – und ja, ich finde sie passt auch in die Impulswerkstatt.
    Grüße zu dir
    Judith

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  15. Liebe Christiane,
    ich glaube es gibt und gab schon immer Menschen mit diesen Fenstern und diesen Gedanken. Sie sind so leise, dass sie nicht stören – und über etwas, was nicht laut ist, macht man sich leider selten Gedanken. Wenn ich die Klingelknöpfe meines Hauses betrachte und die wenigen Gesichter, die ich mit den Namen zusammen bringe,muss ich mir eingestehen, sind vielleicht ein paar mit Dachfenster dabei. Ich finde Deine Geschichte sehr zeitlos und ohne gesellschaftlichen Vorwurf – eine Bestandsaufnahme, so wie sie jedem geschehen kann. Leider.

    Gefällt 1 Person

    • Das sollte ja auch keine „Corona-Etüde“ sein, liebe Doro, dafür gibt es, wie du auch schreibst, derartige Schicksale zu häufig. Wahr ist, dass die Corona-Maßnahmen alles verschlimmern, indem sie eher beiläufige Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Das ist eine Zeit lang auszuhalten, aber auf die Dauer macht es mürbe …
      Danke dir für deinen Zuspruch.
      Abendgrüße! 😀

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