Betrachtung der Zeit | Myriades Impulswerkstatt

Myriades Impulswerkstatt beschenkt uns im März mit einem wunderbar ruhigen Sonnenuntergangsbild zum Spielen, das zugleich nah und fern wirkt und bei mir (und nicht nur bei mir) sofort Skandinavien-Assoziationen auslöste. Stimmt auch. Es stammt aus Norwegen.

Norwegen, altnordisch norðrvegr, bedeutet »Weg nach Norden« (wobei Bedeutung und Herkunft als nicht sicher geklärt gelten). Egal. Karge Landschaften machen etwas mit mir, und als Myriade bekundete, Barockgedichte zu mögen (jedenfalls lieber als die Zeit, die sonst in meinen Montagsgedichten vorherrscht), war mir klar: Der Weg nach Norden, der Weg nach innen, da geht was.

76. Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit genommen/
Mein sind die Jahre nicht/ die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein/ und nehm‘ ich den in acht
So ist der mein/ der Jahr und Ewigkeit gemacht.

(Andreas Gryphius, Betrachtung der Zeit, aus: Epigramme. Das erste Buch, 1643–1663, Online-Quelle)

 

»Die Barocklyrik ist im Wesentlichen von drei Leitmotiven geprägt, die das Lebensgefühl der Menschen beschreiben. Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war der Alltag der Menschen von Gewalt und Zerstörung bestimmt. Alle diese Motive setzen sich mit der dadurch weit verbreiteten Angst vor dem Tod und dessen Auswirkungen auf verschiedene Art auseinander:  Memento mori, Vanitas, Carpe diem.« (Quelle: Wikipedia)

Ich freue mich, seit Langem mal wieder einen Anlass gehabt zu haben, Text und Bild zu verbinden. Vielleicht mache ich das öfter, ich weiß es noch nicht. Ich brauche zurzeit bisschen Stille zum inneren Luftholen, also seht es mir nach, falls ich online seltener präsent bin.

Es empfiehlt sich, das Bild großzuklicken.

 

Gryphius – Myriades Impulswerkstatt 03-21 | 365tageasatzaday
Quelle: Myriade; Bearbeitung: ich

 

23 Kommentare zu “Betrachtung der Zeit | Myriades Impulswerkstatt

  1. Jaaa, das war der Gryphius, der mir bei deinen Montaggedichten so gut gefallen hat. Er drückt unter Einbeziehungen des Glaubens an einen Gott etwa dasselbe aus, was der Buddhismus ohne Schöpferkonzept auch ausdrückt: wichtig und beeinflussbar für den Menschen ist das Jetzt.
    Deine Pastellisierung des Fotos gefällt mir auch, es ist ohne das Orange weniger strahlend, dafür aber ruhiger und vielleicht noch etwas weiter als es das Original schon ist. Diese literaturgeschichtliche Miniatur mit Bild gefällt mir sehr gut. Auch als Modell für weitere „Ausgaben“ 😉 🙂
    Danke, dass du trotz intensiveren Innenwegen so einen schönen, originellen Beitrag spendest. Foto –> Stück Literatur + kurzer Überblick über die Epoche oder den/die Autorin oder … ist wieder ein neues Kreativbeispiel ❤

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, und interessant ist, dass es den Barockdichtern nicht um Individualität ging/geht, sondern um das Darstellen von „ewigen“ Gesetzen bzw. Gesetzmäßigkeiten. Weiß die Quelle dazu nicht mehr, fand das aber sehr erhellend.
      Bildbearbeitung ist (m)ein Thema, seit ich digital fotografiere, wobei ich irgendwann an Grenzen gestoßen bin, sowohl finanzielle als auch zeitliche. Aber zurzeit habe ich wieder Lust auf etwas anderes als immer nur Text. Nun ja. 😉
      Innenwege: ja, eindeutig. Ich glaube, ich will endlich Frühling 🌼🌞. Wir hatten leichten Nachtfrost, und genau so fühle ich mich.
      Schön, dass du mein Experiment magst ❤️
      Mittagskaffeegrüße 😁🌥️☕🥐👍

      Gefällt 1 Person

      • Das Darstellen von ewigen Gesetzen ist ja auch die Stoßrichtung der Mathematik. Ich verstehe da wenig davon, aber der F informiert mich. Sehr spannende Zusammenhänge !
        Ja, Bildbearbeitung, ich schaue mir gerne gelungene Ergebnisse an. In diesem Sinne freut es mich, wenn du daran arbeitest. Das selbst Betreiben reizt mich weniger, aber das kann sich ja jederzeit ändern 🙂
        Jedenfalls mag ich dein Experiment sehr !
        Die Ergebnisse von Nachtfrost tauen wieder auf 😉

        Gefällt 1 Person

  2. Danke dir, Christiane.
    „Der Augenblick ist mein…“ – so zeitlos und aktuell, immer wieder neu.
    Schön.
    Und ja, Nachtfrost hatten wir auch – auch ein winziges bisschen Schneefall. Aber jetzt – jetzt ist ja hochoffiziell Frühling, da gibt es bald einen Ruck.
    Hab einen feinen Abend
    herzlich
    Judith

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  3. Pingback: Impulswerkstatt März – Zusammenfassung – MYRIADE – La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

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