Fastenzeit | abc.etüden

Ihre Stimme klang anklagend. »Ich habe dich beobachtet. Wir waren übereingekommen, nicht vor Mittag etwas zu essen!«

Er ignorierte sie und starrte zur Spüle, wo noch die Reste des Essens standen. Ihres Essens. Fisch und Chips, wie er das hasste, schon den Geruch. Er hätte ihr etwas von der »Fressformel«, der süchtig machenden Kombination von Kohlehydraten und Fetten erzählen können, das Lieblingsthema der Professorin, ach, warum hatte er die eigentlich verlassen.
Aber wo als Krönung der Mahlzeit ein fruchtig-süßlicher Curryketchup auf den Tisch kam, da würde er damit kein Gehör finden.
Er seufzte innerlich. So viel zu gesundem Essen in diesem Haushalt.

Na schön, er war nicht mehr so schlank wie früher. Okay, ja, er verstand sogar, was sie mit »Rettungsringen« meinte. Zugegeben, er mochte vielleicht eher ein Gourmand als ein Gourmet sein, aber ihn so abzukanzeln, nur weil er sich aus dem Kühlschrank bedient hatte? Was bildete die sich denn ein? In diesem Ton? Und überhaupt, das waren Reste gewesen!

ER hatte jedenfalls gar nichts zugestimmt. Bestimmt nicht.

Er runzelte die Stirn und hoffte, es würde sie besänftigen, weil sie seine sogenannten Dackelfalten ja so toll fand. Überhaupt, noch so etwas! Denkerstirn ließ er sich ja gerade noch gefallen, aber Ähnlichkeit mit einem Dackel? Er? Das ging wirklich zu weit. Er musste dringend die Gesamtsituation überdenken. Allein.

Als die Klingel an der Haustür verheißungsvoll schepperte und sie ihrer Nachbarin öffnete, schoss er an ihr vorbei aus dem Haus, überquerte den Rasen mit drei Sprüngen, erklomm den Birnbaum und hockte sich erst mal schwer atmend in eine Astgabel.

Die beiden Frauen betrachteten ihn nachdenklich. »Ich hab es dir vorausgesagt, dass es bei der Ernährungsumstellung Schwierigkeiten geben könnte«, bemerkte die Nachbarin. »Nicht alle Katzen stehen auf Intervallfasten.«

 

abc.etüden 2021 12+13 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Puzzleblume und ihrem Blog Puzzle❀. Sie lauten: Dackelfalten, fruchtig, scheppern.

Weiß nicht, wie es bei euch ausschaut, aber in meinem Bekanntenkreis mehren sich die Intervallfaster. Für mich ist es nichts, da ich mit meiner Milchdosis im Morgenkaffee das Fasten breche, auch wenn ich zehnmal vor Mittag nichts esse …

 

50 Kommentare zu “Fastenzeit | abc.etüden

    • Moin Werner, danke für die Rückmeldung 😉. Du kennst mich einfach zu gut.
      Ich hoffe, dass Tierfasten kein Thema ist. Aber es gibt verfettete Katzen und Hunde, und ich vermute, dass Abnehmen da durchaus Thema ist, auch wenn ich nie gehört/gelesen habe, dass diesbezüglich Fasten oder sogar Intervallfasten propagiert würde 😉😁
      Sonnig-kühle Morgenkaffeegrüße aus Hamburg 😁🐈⛅☕🥐👍

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  1. Hehe … ich hasse Diskussionen um Essen, die einzig wahre richtige Ernährung und Rezepte. Außer, der Themenkreis wird persifliert, in welcher Form immer – gegen guten Geschmack und Schmankerln wie diesem habe ich natürlich nix.
    Köstlich … 😉

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    • Ich bin da interessierter, aber „das einzig Wahre“ ist fast immer mega anstrengend. Bei Menschen.
      Bei Tieren diskutiere ich nicht 😉
      Okay, ich habe Glück mit dem Fellträger: Dass der so puschelig aussieht, ist wirklich nur Fell … 🐈
      Heitere Morgenkaffeegrüße nach Wien! 😁⛅☕🥐👍

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  2. Eine Fastenkattitüde mit erbostem Katzenherrn – ich kann ihn so gut verstehen: ist ja auch zum auf-die-Bäume-klettern -:)))
    Meiner betreibt von alleine Intervallfasten – beim frühjährlichem Fellwechsel ist er schnäubig und will am liebsten gar kein Futter – könnte mir nie passieren -:)))
    Euch einen lieben Gruß und gemütlichen Start in die Osterfeiertage, Karin mit haarigem Kater

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    • Meiner mäkelt auch auch bzw. hat gemäkelt – es bessert sich erfreulicherweise gerade wieder. Nur bekomme ich nicht mit, dass es da Verbindungen mit dem Fellwechsel geben könnte – und er ist ja auch nicht dick. Interessante Überlegung, danke. 😁🐈
      Abendgrüße, auch an den Waschbeckenschläfer 😁🐈🍷🥘🥨👍

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21 | Wortspende von Ludwig Zeidler und Irgendwas ist immer | Irgendwas ist immer

  4. Über Ernährung kann man zusammenfinden oder aus dem Haus getrieben werden, das funktioniert bei Mensch und Tier.
    Wie oben erwähnt war die Stelle mit der Professorin die, ab der ein kätzischer Protagonist wahrscheinlich wurde. Die Idee, das Katzen sich bezüglich der Essensgerüche von Menschenfutter ebenso ekeln könnten wie umgekehrt, finde ich auch überzeugend.

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    • Ich könnte es mir mit dem Ekel zumindest vorstellen, und du kennst das vermutlich ebenso gut wie ich: Kaum macht man in der Küche etwas auf, was der/die Fellträger mag/mögen, kleben sie einem am Bein … 😉
      Aber nachdem ich in den Kattitüden eh alles vermenschliche: Warum soll er keine Vorlieben und Abneigungen haben wie jeder Mensch? 😀

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