Latschen durch die Seeveniederung ;-)

Nachdem ich die letzten Male mehr oder weniger steile Wege über Stock und Stein erklommen hatte, wollte ich zur Abwechslung unbedingt mal wieder was Flaches, gerne am Wasser. Auf meine übliche Deichtreten-Runde hatte ich dann aber auch keine Lust. Warum nicht mal was Neues, zumindest halbwegs? Moment, war da nicht was?

Doch, da war was. Eine Runde durch die Untere Seeveniederung (Wikipedia), gefunden auf draussenlust.de (tolle Seite; hier klicken, da gibt es auch die Karte). Ich bin den Teil, der an der Seeve entlangführt, schon gegangen und hatte gar nicht registriert, dass es noch einen Parallelweg weiter östlich gibt. Kraft souveräner Willkür beschloss ich daher, an der Elbe bei Wuhlenburg zu starten und zuerst den unbekannten Teil zu erkunden.

Gesagt, getan. Joa. Ganz nett. Später Sonntagmittag, eigentlich bestes Ausflugswetter, sonnig, warm, in der Ferne aufziehende Wolken. Asphaltierte Straße, eigentlich klassisch für Fahrräder und autofahrende Anlieger (und Ortskundige). Ich hatte rechts Deich und links allerlei Häuser, Grünzeug und ab und an auch bisschen Teiche (Seerosen, Fische, Libellen, Wasserläufer etc., teilweise echt schön), später die Elbmarsch – und war nicht sonderlich erfreut, dass mich gefühlt ständig Radfahrer an den Rand klingelten. Also rauf auf den Deich – ein alter Deich, noch sehr steil – und nicht gemäht, aber dafür dann immerhin mit Aussicht (sehr plattes Land, merke: Niederung) nach beiden Seiten.
Ich war in einer leicht genervten Stimmung, ich gebe es zu, und stapfte leicht grimmig die ganze Zeit durch die Sonne vor mich hin. Immerhin wehte ein Lüftchen, sodass ich keine Probleme mit fliegendem bzw. beißendem Viehzeug hatte, anders als die Kühe, die ich linkerseits gelegentlich mit ihren natürlichen Fliegenklatschen wedeln sah.
Und natürlich entzückte mich der Hüpfer, der irgendwann auf meinem Arm landete und sich geduldig fotografieren ließ. Das nun wiederum ist etwas, was ich speziell am Sommer liebe und was die Begleitmusik beisteuerte: Die Konzerte von Heuschrecken und Grillen und was nicht noch allem, dieses unglaublich laute Zirpen in allen Tonlagen – und meist sind sie so klein, dass man keine Ahnung hat, wo sie sitzen, aber auf keinen Fall weit weg J
Was für eine Menge Geräusch von so einem vergleichsweise winzigen Tier!

 

Quelle: ichmeinerselbst, Anklicken macht groß!

 

Irgendwann fing die Sonne richtig an zu brennen, und ich war dankbar, dass ich vom Deich runter und abbiegen durfte, denn jetzt kam ein Teil, der ein bisschen Schatten versprach, und ich nutzte ihn gern. Ich bin dann am Rand von Stelle entlanggetrottet, was aber egal war, ich blieb diesseits der Bahnlinie, in diesem Fall die ICE-Trasse zwischen Hannover und Hamburg – sehr befahren, echt nah an der Straße. Muss man mögen. Ich frage mich, ob man das noch wahrnimmt, wenn man dort länger wohnt, denn die Häuser waren gepflegt und modern, es ist also keine unbeliebte Gegend. Vermutlich nicht.

Nicht so hübsch (ich war immer noch im Meckermodus) fand ich, dass meine Straße später wegen Bauarbeiten über ein ziemlich langes Stück aufgerissen und gesperrt war. Nun kommen Fußgänger überall durch, ich also auch, aber einen Abzug in der B-Note wegen Mühseligkeit gibt das schon. Snob, ich.

Schließlich aber näherte ich mich endlich dem, worauf ich nach der Beschreibung neugierig war: Seevengeti, ein Beweidungs-/Naturschutzprojekt (hier beim NABU mehr lesen). Gut gemacht, aber erst mal unspektakulär. Leider stellte ich beim Blick in den Himmel sehr schnell fest, dass ich mir besser nicht allzu viel Zeit nehmen sollte, um mich auf dem Aussichtsturm einzunisten und die Gegend sowie den Steller See zu bewundern: Der Wind hatte die Wolken inzwischen reichlich zusammengeschoben, wenn ich nicht nass werden wollte, war es ratsam, die Beine in die Hand zu nehmen und zu schauen, ob ich noch einigermaßen trocken am Auto ankommen könnte. Ich schätzte, dass ich ungefähr zwei Drittel der Strecke zurückgelegt hatte, und hastete voran.

Kurz hinter der Seevengeti überquerte ich die hier schnell fließende Seeve und war damit auf bekanntem Terrain. Die Wolkenwand sah inzwischen ziemlich amtlich dunkel aus (aber ohne Wetterleuchten), und ich fing an zu überlegen, ob ich da kein klassisches Eigentor geschossen hatte, denn wo war meine Regenjacke? Richtig, zu Hause, warm und trocken, wie sich das gehört. Aber mir blies der Wind ins Gesicht, und ich hoffte, dass er die Wolken über mir mitnehmen würde – und weiter vorne war es glücklicherweise hell. Sollte ich also eine Portion Wasser von oben abbekommen, würde das vermutlich nicht allzu lange andauern. Und wozu stehen an der Seeve Bäume?

Ich war schon ein gutes Stück vorwärtsgekommen, als mich die ersten dicken Tropfen trafen und ich einsah, dass es geboten war, mich in Erwartung von mehr sofort unterzustellen. Und jetzt erwies es sich als die beste Idee des Tages, trotz Wärme in den Wanderstiefeln losgelaufen zu sein, denn die dicken Sohlen erleichterten mir das Überqueren der überaus naturbelassenen und schafbefressenen Wiese deutlich.
Und so saß ich nach kurzer Zeit am Seeveufer auf einer Wurzel unter einer freundlichen Kopfweide, hörte den Regen auf das dichte Blätterdach fallen und spürte, wie die ganze Hektik des Tages und aller unterdrückter Ärger von mir abfielen, meine Lebensgeister neu erwachten und sich wie blöde freuten, einfach nur seelenruhig abzuwarten, bis die Wolken weitergezogen waren. Was übrigens verhältnismäßig bald war, von daher war meine Einschätzung völlig korrekt gewesen. Also bedankte ich mich bei dem Baum für seinen Schutz und brach wieder auf.
Es war nicht mehr weit, ich wanderte bester Laune vor mich hin und erreichte bei Elbkilometer 604,9 den Elbdeich und die Seevemündung. Von dort aus waren es nur noch ein paar Schritte bis zu meinem Auto.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Anklicken macht groß!

 

Fazit: Angegeben ist eine Streckenlänge von 10,7 Kilometer. Meine Schrittzähler haben sich beide auf 15.605 Schritte eingeschossen, was im Mittel ca. 10,5 Kilometer sind, und dieses Mal glaube ich ihnen, da ich keine nennenswerten Steigungen überwunden habe.
Die Strecke ist flach und asphaltiert und bestimmt toll für Radfahrer (ohne die Baustelle). Aber ehrlich gesagt war das Aufregendste, was ich gesehen habe, ein Reh, das den Ashauser Mühlengraben durchwatete (und mich ignorierte). Oh, und das silberne »Alien« auf freiem Feld natürlich 😉 Sollte ich dort noch mal gehen, trabe ich wieder am Junkernfeldsee vorbei und mache einen Abstecher zur Seevengeti, der unbekannte, jetzt bekannte neue Teil hat mich nicht überzeugt. Aber vielleicht war das auch einfach nur die falsche Jahreszeit für die Strecke und ich bin im Sommerloch gelandet – oder ich müsste mehr botanisches Wissen haben. Im Frühling habe ich jedenfalls die Schachbrettblumenblüte verpasst.
Ich weiß nicht. Mein Favorit zum Deichtreten bleibt erst mal der Elbdeich.

 

Last but not least ist das ein Beitrag zum diesjährigen Etüdensommerpausenintermezzo, verwendete Wörter: Eigentor, Fliegenklatsche, Konzert, Lebensgeister, Regen, Sommerloch, Wasserläufer, Wetterleuchten, Willkür. Kein Similaungletscher in der norddeutschen Tiefebene, sorry, Olpo. Nein, das ist nicht die Geschichte, ich die eigentlich schreiben will, aber wenn ich meine Unterwegs-Berichte nicht schnell online stelle, dann sind sie überholt – und dies Gelatsche ist von Mitte Juli.

Wer wissen möchte, welche Intermezzos wo schon online sind, kann hier klicken.

 

Etüdensommerpausenintermezzo 2021 – 7 aus 12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

44 Kommentare zu “Latschen durch die Seeveniederung ;-)

  1. Hallo Christiane, toller Bericht und einmal wieder der Beweis dafür, dass das Glück in den kleinen Dingen liegt (wenn man bereit ist, sie wahrzunehmen). Ich stimme Dir jedenfalls zu: Der interessantere Teil der Runde an der Seeve ist definitiv der westliche, mit den beiden Seen und der Seevengeti – ich werde bestimmt nochmal im Frühjahr dorthin zurückkehren, um die Schachbrettblumen zu bewundern.

    Lg
    Alex von Draussenlust.de

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    • Ich hab den selten an, den Meckermodus, aber es war nun mal so. 😉
      Danke dir, freut mich, dass du gerne mitgestapft bist, meckernd oder nicht 😁
      Nachmittagskaffeegrüße 😁🌦️🌳🌼☕🍪👍

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  2. Hehe … daß es die Sommerdingsbums ist, war schon gleich klar – und ich war gespannt, ob du den Similaun einbauen kannst 😉 … is aber sicher besser so – die Geschichte fließt – aber weit weniger träge als die Elbe. Eigentlich ein Neindanke-Weg, denn Radfahrer und Wanderer vertragen sich in Bewegung nunmal nicht…

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    • Mir ist jeder Schlenker in Richtung Similaun, der mir einfiel, so abgedroschen vorgekommen, dass ich darauf verzichtet habe – man muss nicht alles machen, nur weil es geht, es war einfach unglaubwürdig. Aber ich arbeite dran, das war nicht die letzte Geschichte für das Intermezzo 🤔😉👍
      Ich geb dir recht, was den Weg angeht, ich mag den Asphalt nicht, jedenfalls nicht durchgängig, und das Stück Deich hat es auch nicht rausgerissen. 😉
      Trübe, kühle Nachmittagskaffeegrüße 😁🌦️🌼🌳☕🍪👍

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      • Meine war bestimmt die letzte, liest ja sowieso niemand. Wahrscheinlich ist sie zu lang und wenn Motorrad draufsteht, kann sie schon deswegen nicht interessant sein zum Miterleben, weil man/frau selbst kein Moppet fährt…
        Asphalt und Wandern ist wie joggen auf Asphalt…
        Grüße zurück, hier ist es durchzogen sonnig, aber warm – komme eben von der Aktion „Treib doch die Donau von Greifenstein nach Kritzendorf runter“ zurück. Sie hat um die 20° und ist 2 Meter höher als es normal wäre um diese Jahreszeit – und eine tolle, blitzschnelle Strömung in der Mitte, schätze >1,5m/sec; lustig: man überholt ständig ganze Wiesen und Holz für’s Lagerfeuer, die sich rund um den Schwimmer tummeln … 😉

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        • Durch diesen Veröffentlichungsunfall, den du hattest, war deine Geschichte nicht im Reader, das hat dich bestimmt auch ein paar Leser gekostet. Und nicht alle sind so aufmerksam wie du und flöhen die Kommentare durch.
          Ich weiß, was ich mache: Ich ziehe die Liste vor, die ich sonst zum Ende erstellt hätte, und hänge sie ans Ende meines Aufrufs. Vielleicht hilft es ja. 🤔
          Whoa! 🏊 Du hast ja schon mal erzählt, dass du so was machst (treiben lassen), aber bei Hochwasser??? Nun weißt du ganz sicher, was du tust, aber das klingt echt nach Spaß für Große … 😉
          20 °C Lufttemperatur hätte ich hier gern, es ist bedeckt und kühl und deutlich drunter. 😟

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        • Nuja, Veröffentlichungsunfall… wenn die Seite 50x aufgerufen wird und drei (drei) Lesern gefällt der Inhalt, dann frag ich mich, wie der Rest liest bzw nach welchen Kriterien für ihn eine Geschichte ‚gut‘ genug ist, daß er sie mit dem Minimumzeichen honoriert: denn gerade zu dieser umgebauten Geschichte hab ich aus dem eigenen nahen Dunstkreis mitfühlenden, belustigten Applaus bekommen, wiewohl ihm die Urfassung gar nicht bekannt war…
          Die Donau ist im Moment nicht gefährlich, sondern sogar weniger unangenehm – denn dort, wo bei Sommernormalstand Buhnen bis knapp unterhalb der Wasserhöhe reichen, schwebt man momentan 1,5 Meter höher darüber hinweg und jeder Normalmensch hält sich von Fähranlegern oder anderen Objekten, welche Verwirbelungen auslösen usw fern… Unter Umständen ist der teutsche Ordnungs- und Sicherheitswahn schon bis Ösiland geschwappt, denn ich war das einzige Treibgut heute auf dem Fluß, abgesehen vom restlichen Grünorganischen … 😉

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        • Echt? Na das verstehe ich nicht. Ich kann nur sagen, dass die Zahl meiner Besuche bei dir bestimmt zweistellig war, denn gerade weil du dir so viel Arbeit damit gemacht hast, alle Wörter (okay, fast) im Lostopf einzubauen, habe ich öfter mal nachgeschaut.
          Und ob Ö in Gefahr ist, deutsche Überreaktionen zu übernehmen, kann ich erst recht nicht beurteilen: Ich hoffe nicht. Wobei ich durchaus finde, dass D öfter mal einen Knall hat … 😉

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        • Aber deine IP wird doch nur jeweils 1x gezählt in 24 Stunden und die kenne ich doch … 😉
          Wir halten uns wacker. Doch die Jasager, Speichellecker und ängstlichen Täubchen bei Ansagen ‚von oben‘ sind überall in der Überzahl… die Dummen sehen ja gerade wieder mal reichlich fern, um nix zu verpassen … 😉

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  3. Pingback: 7 aus 12 | Etüdensommerpausenintermezzo II-2021 | Irgendwas ist immer

  4. Toll, Dein Bericht über Deine Wanderung , liebe Christiane!
    Du warst leicht genervt zu Anfang und bist trotzdem weitergewandert. Du ziehst durch, was Du Dir vorgenommen hast. Das tun so viele nicht. Sie geben auf, wenns nicht so passt, wie sie es gerne hätten.
    Bewundernswert finde ich auch, daß Dich der Regen nicht wirklich geschreckt hat!

    Ganz herzlich, Bruni

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    • Den Regen hatte ich ignoriert, liebe Bruni, und das war nicht klug. Es war Regen angesagt, und ich dachte, ich würde vorher zurück sein. 🤔😉
      Der Rest war pure Dickköpfigkeit, frei nach dem Motto: Wenn ich schon mal hier bin, dann nehme ich das so, wie es kommt.
      Neee, hat schon gepasst. Ich war froh über den Regen und die aufgezwungene Pause, sonst wäre vielleicht mit der Laune wieder heimgekommen, das hat mich rausgeholt …
      Nachtgrüße 😁✨🍷🥨🧀👍

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  5. Und noch ein Ziel auf meiner immer länger werdenen Ausflugsliste.
    Wobei sich wahrscheinlich wieder die Frage stellt, wie kommen wir dahin?
    Wir sind heute von Grande nach Aumühle an der Bille langgelaufen.Wärmste Empfehlung!!!
    Wo kann man schon stundenlang (jedenfalls wenn man für knapp 13 km fast fünf Stunden braucht) durch dichten Wald an einem Fluß lang laufen?.
    Kann sein, dass mein Sommeretüdenintermezzo noch umzieht;)

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    • Guten Morgen, liebe Natalie. Schau dir mal die verlinkte Seite an, da gibt es Anfahrtipps auch mit den Öffis. Generell würde ich aber sagen, dass die Elbe ein ziemliches Hindernis darstellt, wenn man ohne Auto unterwegs ist. Bei Zollenspieker könntest du mit der Fähre übersetzen und dann mit dem Bus weiter, die Fähre wäre bestimmt auch für kleine Mitwanderer spannend 😁
      Aumühle ist noch ein weißer Fleck auf meiner Landkarte, ich war mal im Schmetterlingsgarten, aber das ist ewig her … 😉
      Und auf dein Intermezzo freue ich mich schon sehr! 🧡
      Herzliche Sonntagmorgenkaffeegrüße 😁🌞🌳🌼☕🍪👍

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  6. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 36.37.21 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

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