Adventüden 2021 07-12 | 365tageasatzaday

07.12. – Fernweh | Adventüden

Wie wär’s, wenn wir an Silvester zur Abwechslung mal wegfahren?«, hatte meine beste Freundin mich im Sommer bei einem Glas Eistee gefragt und sofort mein Interesse geweckt. Doch von der anfänglichen Euphorie war nicht mehr viel übrig. Das Ziel bereitete mir kein Kopfzerbrechen, denn nach Hamburg hatte ich schon immer ein zweites Mal gewollt, doch vor der Tür stand bereits Halloween, und wir hatten noch immer keine Unterkunft – so langsam lief uns die Zeit davon. Schon seit Monaten war selbst die von mir anvisierte Jugendherberge an den St. Pauli Landungsbrücken ausgebucht.

»Und wenn wir auf die Übernachtung verzichten?«, druckste ich zwischen Kürbissuppe und Bratapfel herum. Mittags mit dem Zug hin- und anschließend gleich wieder zurückfahren, wenn wir Glück hatten. »Oder wir schlagen uns die Nacht auf der Reeperbahn um die Ohren und nehmen einen Zug, der uns zum Katerfrühstück wieder nach Hause bringt …« Je länger ich redete, desto mehr begeisterte ich mich für meinen Einfall, schließlich hatte ich schon alle möglichen Zugverbindungen überprüft. Dennoch blieb Sabine skeptisch.

»Und wenn wir Pech haben, stiefeln wir bei Schneeregen durch eine arschkalte Stadt und können zusehen, wie wir die Zeit totschlagen. Du glaubst doch nicht, dass du irgendwo reinkommst, so voll wie das da ist.« Ich wollte es nur ungern zugeben, aber damit hatte sie vermutlich recht. Geborgenheit sah anders aus: Die Aussicht, mir zwischen all dem Glitzer den Allerwertesten abzufrieren, erschien mir wenig verlockend.

Dennoch war die Sehnsucht da – vielleicht fanden wir ja irgendwo eine kleine Pension etwas weiter außerhalb, in der wir das alte Jahr ausklingen lassen konnten, falls alle Stricke rissen.


Autor*in: Ulrike                              Blog: Blaupause7

 

Adventüden 2021 07-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

40 Kommentare zu “07.12. – Fernweh | Adventüden

    • Und jetzt auch noch einmal hier: Inzwischen bin relativ sicher, dass die aktuelle Situation die erdachte überholt hat und ihr Raum in der Herberge bekämt: Hamburg hat zum zweiten Mal ein Böllerverbot für Silvester ausgesprochen. Das sollte bedeuten, dass es selbst an den Landungsbrücken und an der Alster relativ ruhig und dunkel sein dürfte. Gut für alle Hunde und Katzen; der Rest wird sich zeigen. 🤔😉
      Herzlichen Dank, dass du auch dieses Jahr wieder mitgeschrieben hast, und natürlich dafür, dass dich deine Adventüde ausgerechnet nach Hamburg führt! 😁🧡👍
      Herzliche Morgenkaffeegrüße 😁☁️🧡☕🍪👍

      Gefällt 4 Personen

    • In Hamburg ist speziell an der Alster und an den Landungsbrücken (und wohl auch auf der Reeperbahn) sonst der Teufel los. Das will man höchstens besoffen und knallfreudig, wenn überhaupt. Besonders beliebt: Böller in die Menge schmeißen, die nicht ausweichen kann. Ohne Worte. Das Böllerverbot, um die Krankenhäuser zu entlasten, zumindest die Notfallkrankenhäuser, halte ich vor so einem Hintergrund für sehr gerechtfertigt.
      Ich werde an der Straße stehen und den Nachbarn (wenn sie da sind) ein gutes neues Jahr wünschen. Wie immer. 😁👍

      Gefällt 3 Personen

        • Ich kann größere Mengen an Menschen ab, solange ich um mich herum den obligatorischen Meter Platz habe und sie ruhig bleiben. Das war früher an der Alster auch durchaus der Fall (gewusst wo), und wird auch wieder so sein.
          Aber da lebte der Fellträger noch nicht bei mir. Seitdem halte ich ihm ziemlich regelmäßig die Pfote, wenn es laut wird. Sind eh nicht viele, mit denen ich feiern möchte 😉🥂🎉

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  1. Oh wie schön, daran erinnert zu werden – ich war auch schon in Hamburg zwischen den Jahren und es ist in bleibender Erinnerung, wenn auch schon Jahre her. Es war besonders, wir waren schön an und haben ziemlich gefroren, weil der Wind wirklich durch die Straßen, um die Ecken und durch unsere Knochen. Diese Erinnerung stieg in mir auf durch diese reizende vom Realismus gezeichnete sehnsüchtige Geschichte. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt und so bin ich mir sicher, viele Wege führen nach Rom, also auch nach Hamburg und alles wird gut. Ich wüßte gern, wie es ausgegangen war…. Lach
    Fernwehige Grüße

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  2. Das freut mich natürlich, dass deine Protagonistinnen ausgerechnet nach Hamburg wollen 😋 und jetzt finden sie bestimmt ein Quartier. Die Jugendherberge steht kurz vorm Konkurs, meine Tochter hat da einen Teil ihrer Ausbildung gemacht,musste dann aber wegen Corona wechseln.

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  3. heididei, ich war länger abwesend – also hier ist die Auflösung für das Mysterium:

    Als ich die Etüde geschrieben hatte, sah es so aus wie in der Etüde. Im Herbst haben wir dann ein Angebot für Würzburg gefunden. Das ist 1. nicht so weit weg und mit dem Zug schnell zu erreichen, und 2. da wir am 30. fahren und ich an dem Tag aber noch arbeite, war das für mich ideal.

    Ich hoffe jetzt nur, dass es kein Beherbergungsverbot gibt und das Hotel uns eine Absage erteilt.

    Danke für die vielen Gedanken, die ihr euch gemacht habt.

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  4. Pingback: Weihnachtspause | Irgendwas ist immer

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