Adventüden 2021 11-12 | 365tageasatzaday

11.12. – Monster-Weihnachten | Adventüden

Sie wollen mich interviewen, für Ihren Artikel »Weihnachtliche Arbeitsbedingungen«? Da sind Sie bei mir genau richtig. Sie meinen also, dass unsereiner ohnehin nur rund zwei Wochen im Jahr arbeite und es daher keinerlei Anlass zu Klagen geben könne? Sie haben ja nicht die leiseste Ahnung von unseren Arbeitsbedingungen!

Als ich noch ganz jung war und keinerlei Erfahrungen hatte, landete ich in einem privaten Haushalt und dachte, ich hätte Glück gehabt und würde ein Minimum an Geborgenheit vorfinden. Was für ein Irrtum! Ich hatte ja keine Ahnung, aus welchen Monstern dieser Haushalt bestand.

Während der Weihnachtsfeier selbst war es noch nicht so schlimm, denn zu diesem Zeitpunkt standen meine Kollegen und ich nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber ab dem nächsten Tag war die Schonfrist vorbei. Die Kinder – das ist so eine Art kleinerer Monster – taten mit unsereinem etwas, das sie »spielen« nannten. Es handelt sich dabei um Beschädigungen bis zum Tod. Nein, ich bin nicht zu dramatisch, genügend Opfer habe ich gesehen.

Dann gab es da die Mutter, die Erzeugerin der kleineren Monster. Offiziell aß sie keine Schokolade, aber nachts schlich sie zum Weihnachtsbaum, riss die essbaren Teile herunter und verschlang sie vor unseren Augen. Grauenhaft!

Der größte Schrecken aber war ein weiteres Familienmitglied, das anders aussah als die übrigen, aber ebenso todbringend  war. Nach der ersten Begegnung hatte ich solche Angst, dass mein Glitzer speigrün wurde. Kein sehr erhebender Anblick. Dieses Wesen pflegte mit Körperteilen, die »Samtpfoten« genannt wurden, auf uns einzudreschen, dass uns Hören und Sehen verging. Die anderen Monster lachten dazu.

Nach diesem Arbeitsplatz musste ich mich sechs Monate lang in Behandlung begeben. Sie sehen, die zwei Wochen Arbeitszeit sind sehr relativ, wenn man bedenkt, dass wir an jedem einzelnen Tag Leib und Leben riskieren.

Deswegen bin ich heute auch Vorsitzende der Weihnachtsschmuckgewerkschaft, Abteilung Kugeln.


Autor*in: Myriade                         Blog: La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

 

Adventüden 2021 11-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

89 Kommentare zu “11.12. – Monster-Weihnachten | Adventüden

    • Also. Katzen müssen alles untersuchen, was ins Haus kommt, und als nützlich oder unnütz einstufen. Das sind, meiner Meinung nach, erst mal die Weihnachtsbäume 🌲, auf die kann man klettern. Unser Familienkater hat das ausführlich getan. Und gegen diese bunten Dinger hauen fand er auch lustig, weil dann immer jemand angerannt kam, wenn es klirrte.
      Seine Nachfolger/innen fanden/finden dann keine Bäume in Klettergröße mehr vor, aber ich bin völlig davon überzeugt, dass meiner auch klettern würde, bekäme er Gelegenheit 😁
      Samstagmorgenkaffeegrüße auf dein Dach 😁🐈🌲⛅☕🍩👍

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  1. Bezaubernde Idee.
    Ich finde die Vielfalt der Blickwinkel dieses Jahr ausgesprochen originell!
    Meine Mutter hat eine Tasse auf der ein umgefallener, recht zerupfter Weihnachtsbaum zu sehen ist, daneben zwei Katzen, eine ein völiig zerfleddertes Engelchen in den Pfoten, die sagt „And I told you . it wasn’t real“
    Eindeutig ein Fall für die Weihnachtsbaumschmuckgewerkschaft!

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  2. Welch grandiose und mir noch nicht geläufigen Perspektive auf das Fest… Klasse einfach klasse – mein Herz wird schmerzen, wenn mir eine meiner liebevoll selbstbemalten Kugeln herunterfallen wird… ich werde mich dann selbst anzeigen… es war schon so immer schwer, aber nun…. vielleicht lass ich sie alle in ihren Schachteln…. seufz – wie man es mach kann es nun verkehrt sein … das Leben ist gefährlich…
    LG Doro
    Vielleicht sollte ich eine Überwachungskamera installieren – dann weiß ich was die Kugeln nachts wenn alles schläft so veranstalten….

    Gefällt 2 Personen

  3. Zum Kichern schön, aber Kichern dürfte ich ja eigentlich gar nicht, weil es um eine sehr ernste Angelegenheit geht 🙂
    Sie sind so zerbrechlich, die alten kugeligen Silberdinger, die an unserem Bäumchen hängen, Jahr für Jahr und ich mußte sie oft retten über die Jahre. Mal waren es die bewundernden Kinder und dann wieder die jeweiligen Katzen, aber insgesamt waren die Rettungsaktionen erfolgreich und noch keine einzige Kugel hat sich bei mir beschwert *g*
    Eine feine Etüde, mit einer Riesenportion Humor geschmückt 🙂
    Ich grüße Dich herzlich und total schmunzelnd, liebe Myriade

    Gefällt 2 Personen

  4. Meine Schwester hat als kleines Kind mal in eine rote Kugel hineingebissen, weil sie so schön rot wie ein Apfel geglänzt hat.
    Spaßig war das nicht, und der Schreck war riesengroß, aber ihr ist zum Glück nichts schlimmes passiert. Für die Kugel sah’s dagegen trübe aus.

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  5. Ja, das Lametta (von dem es früher bekanntlich mehr gab), die Glitzerkugeln, die sind den Menschen lieb und teuer! Aber die Bäume, wer denkt an die Bäume!
    Kaum gefällt, läßt man als Bäumchen die erste Nadel fallen – schon gehts abwärts, zum Fenster hinaus, wird man als Müll behandelt oder gleich verbrannt!
    Also nochmals: wer, bitte, denkt auch einmal an die Bäume?

    Gefällt 1 Person

  6. Pingback: Weihnachtspause | Irgendwas ist immer

  7. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 01.02.22 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

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