Schwestern | abc.etüden

Ich wollte mich bei dir bedanken. Ohne dich würde ich bestimmt noch Tiere essen, weißt du das?

Du verarschst mich, ja?

Erinnerst du dich denn nicht mehr daran, was du mir erzählt hast, als wir Kinder waren?

Was denn?

Du warst mein großes Vorbild! Aber für dich war ich ja nur die doofe kleine Schwester, die dir immer alles geglaubt hat.

Willst du nun darüber sprechen oder nicht?

Unverdrossen bist du über Wochen darauf rumgeritten, wie eklig das wäre. Und wieso ich das so toll finden könnte, immerhin würden echte Tiere dafür sterben. Die würden totgeschlagen, getrocknet, gemahlen und kämen da rein. Und dass der Waldmeistergeschmack nur zur Tarnung wäre, das wüssten alle.

Hör mal, ich weiß echt nicht, was du meinst!

Ich seh dich noch mit den Augen rollen, wenn Mama die Tüte aufgerissen hat, und so tun, als würde dir schlecht! Irgendwann bin ich rausgerannt, wenn ich sie nur damit knistern gehört habe.

Du meinst das ernst, oder?

Total ernst.

Waldmeister? Warte, du mochtest keinen Waldmeister, als du klein warst, stimmt.

Aber du erinnerst dich nicht mehr, warum? Du warst schon immer großzügig mit der Wahrheit. Bist du heute noch.

Nee. Keine Ahnung. Ist das schlimm? Was war es denn?

Wackelpudding.

Wackelpudding? Echt jetzt? Ich mochte das Glibberzeugs nie!

Es war mein Lieblingsessen, und Mama hat es extra für mich gekocht. Bis du es bemerkt hast.

Ach Quatsch.

Ja, sicher … Heute ist mir der Mechanismus hinter der Lüge natürlich klar.

Lüge? Was habe ich dir denn bloß erzählt?

Wie nennt man denn grünen Wackelpudding noch?

Sag du es mir.

Froschsülze.

FROSCHSÜLZE? Hahaha. Und das hast du wirklich geglaubt?

Lustig, nicht?

Bist du noch sauer auf mich?

Wäre ich eine Hexe, wärst du jetzt ein Frosch.

Haha. Glück gehabt, was?

Tja, schade. Berühmte letzte Worte, Schwesterchen …

 

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 03/04.2022: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Tanja mit ihrem Blog Stachelbeermond. Sie lautet: Wackelpudding, unverdrossen, knistern.

Ja, klar, das ist eine Geschichte über das nicht immer einfache Verhältnis von Schwestern und dann auch eine Geschichte über Nahrungsmitteltabus, sprich, was finden wir eklig (und essen es deshalb nicht) und warum. Wikipedia hat dazu einen langen und interessanten Artikel (hier klicken zum Lesen).
Ich persönlich gestehe: Ich würde eigentlich fast alles mal probieren, weil ich neugierig bin. Zu dem, was ich nicht essen möchte, gehören Frösche, also sprich Froschschenkel (weil ich deren Gewinnung barbarisch finde), und Hummer (weil ich die Zubereitung barbarisch finde).

Dass grüner Wackelpudding auch „Froschsülze“ genannt wird, weiß ich dagegen ausschließlich aus der Wikipedia – und fand es schauderhaft inspirierend. 😉

 

73 Kommentare zu “Schwestern | abc.etüden

  1. Zum Glück hatte ich keine Schwester, einen großen Bruder hätte ich gern gehabt, aber auch den gab es nicht. Mir war der Begriff Froschsülze auch nicht bekannt, aber ich mochte auch keinen Wackelpudding, das Gewackel auf dem Teller, in der Schüssel war mir suspekt, irgendwie Appetit verderbend und dann die Farbe….
    Geschwisterliebe in der Kindheit – oft Kampf und viel Streit untereinander, aber wenn es gegen einen von ihnen seitens der Eltern geht, dann halten sie zusammen wie Pech und Schwefel – erlebe ich gerade bei den Enkelfratzen.
    Dir einen vielleicht etwas trockereren Sonntag als wir hier haben und liebe Grüße, Karin

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    • Dann macht die Elterngeneration was richtig, liebe Karin, ich kenne nämlich aus diversen Familien (auch meiner eigenen, aber nicht meine Generation) das Gegenteil: Wenn ich das Gefühl habe, Mama/Papa hat dich lieber als mich, dann mache ich dir das kaputt. Das ist nicht schön und immer ein Problem, das sich lange durch die Familiengeschichte ziehen kann … 🤔
      Hier regnet es leicht vor sich hin, der Fellträger kam schon mit sehr feuchtem Pelz nach Hause 🐅🌧️
      Sonntagvormittagkaffeegrüße 😁🌧️☕🍪👍

      Gefällt 3 Personen

      • Das kaputt machen kenne ich nicht, aber einen gewissen „Konkurrenzkampf“ seitens des einen – aus Gründen nicht ansprechbar und immer wieder traurig, aber letztendlich muss jeder mit sich selbst ins Reine kommen (klingt das bitter?). Und trotzdem erlebe ich es auch, dass in Notfällen alle Kinder da sind – und das ist ja auch viel wert 🙂
        Gemütliche Sonntagsgrüße mit zweitem Kafffee. Mann ist mit Hund raus in den Regen und ich schmuse mit den Fellträgern 🙂

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        • Ja, das ist bitter, aber richtig. Da kannst du wohl nur Gesprächsoffenheit signalisieren (wenn es dich selbst betrifft) oder ein sehr wachsames Auge drauf haben, wenn es darum geht, jemandem gerecht zu werden … 🤔😏
          Zweiter Kaffee läuft gerade durch, es regnet leicht, der Fellträger schläft … 🐅🌧️
          Sonntagvormittagkaffeegrüße 😁🌧️☕🍪👍

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      • Nachdem Falk 5 Jahre der absolute Star war und nach der Geburt von Lars in den Hintergrund treten mußte, war das für ihn eine schwierige Zeit und er schloß den kleinen Bruder aus allem aus, er durfte nicht in sein Zimmer, nicht seine Spielsachen benutzen und er war grob zu ihm. Je älter Lars wurde und je besser sie kommunizieren konnten, als Lars sprechen lernte, seitdem klappt es wunderbar. Natürlich gibt es Kämpfe, aber jetzt kämpfen sie zusammen gegen die anderen.
        In ca. drei Wochen habe ich sie alle bei mir, (Eltern und Enkel) dann kann ich mir ein noch besseres Bild machen und ich bin nach der Abreise abgekämpft -:)))

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        • Es KANN ja auch gut gehen, sagt ja keiner. Ich kenne nur auch die Gegenbeispiele, wenn dann die Eltern da auch noch ihre Erziehungsagenda drin haben etc. etc., ach … 😏
          Dass du hinterher abgekämpft bist, glaube ich dir sofort!!! 😁👍

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      • Bei uns waren es 4 Jahre „Grosser Bruder – kleine Schwester“.
        Über ein Dutzend Jahre mussten vergehen, bis sich das Machtgefälle- Verhältnis in eine auskömmliche Akzeptanz gewandelt hat.
        Bei meinen Kindern war der Abstand grösser, und ich habe mehr darauf geachtet, ob „Spielchen“ ablaufen, als man das wohl früher gemacht hätte.

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        • Bei meiner Kinderfreundin kam der kleine Bruder, als sie fünf war. Er war vom ersten Tag an der Prinz, der ersehnte Stammhalter, und sie minderwertig, weil nur ein Mädchen. Ja, ich kann das so schreiben, und ich höre an der Stelle besser auf. 🤬
          Gut, dass es dir/euch besser ergangen ist, gut, dass du ein Auge drauf hattest. 👍👍👍

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        • Man wird kaum fertig mit diesen unseligen Wunsch- und Wertschätzungsproblemen, aber es ist gut, wenn es thematisiert, statt permanent nur Geschwisterkitsch idealisiert wird., so dass jeder, der es anders kennt, sich vorkommt, als wäre seine Wahrnehmung irrig, mit allen Konsequenzen, die jemanden treffen, der unerwünscht stöörend schwierige Ereignisse in persönlichen Verhältnissen offenbart.
          Auch wenn es mal wieder draussen grau ud öde ist. wünsche ich dir einen gemütlichen Sonntag!

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    • Nee, ich glaube, die Zeiten von Wilhelm Busch sind auch bei denen vorbei 😉
      Angemessen ist dabei nichts, es geht ja schließlich nicht um Wackelpudding … 😎😢
      Sonntagvormittagkaffeegrüße 😁🌧️☕🍪👍

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      • Ja, klar, und neben der Angemessenheit muss ja auch immer die Wirksamkeit der Maßnahmen berücksichtigt werden…
        Ob Keule und Mühle rückwirkend die sabbotierte Wackelpudding-Elternliebe wieder herstellen könnte, dafür gibt es sicherlich keine wissenschaftliche Evidenz. [ebenfalls Sonnenbrille]

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        • Ob man solche Verletzungen reparieren kann, ist eine gute Frage. Mit Sicherheit müssten beide es wollen, und dazu gehört einiges mehr, als ich hier in meiner Etüde sehe … 😦

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  2. Das ist eine nette Geschichte, die Fakten stimmen aber nicht ganz so. Ich kenne jemanden, der in der Gelatine Verarbeitung gearbeitet hat. Es ist ein Abfallprodukt und übrigens mit der Einstellung dürfte man keine Gummibärchen oder Arzneimittelkapseln mehr schlucken.
    Liebe Grüße, Barbara

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  3. und es ist auch eine Geschichte darüber was sich dem einen unvergesslich einprägt, während es der andere vollkommen vergessen hat. Wobei es der „Sender“ ist, der vergisst, während der „Empfänger“ ein Leben lang davon gequält wird. Das ist ein sehr interessanter Aspekt deiner Geschichte und Knackpunkt in vielen Beziehungen nicht nur zwischen Einzelpersonen, sondern auch zwischen Völkern, Rassen, Religionen und anderen Kollektiven.

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    • Da hast du recht. Und während es in Familien und Beziehungen vielleicht noch aufzufangen ist, wird es immer schwieriger, je größer der Rahmen wird. Und das ist/wird dann irgendwann wirklich fatal.
      Danke dir, so weit hatte ich wiederum nicht gedacht. 👍
      Nachmittagskaffeegrüße 😁🌦️☕🍪👍

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  4. Bei dem Wort Froschsülze muss ich schlucken, ich würde nie Froschschenkel essen und Sülze mag ich auch nicht. Aber den Geschwisterkampf (5 Jahre jüngerer Bruder) kenne ich auch… Allerdings gab es bei uns bestenfalls mal Pudding und selbst gekocht, nichts aus der puren Chemietüte.

    Noch einen schönen Sonntag!
    Hier auch Niesel-Piesel und wir gehen jetzt ganz schnell Gassi *wink*

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    • Generell mag ich Sülze, und die gibt es auch in wohlschmeckenden tierfreien Varianten, um das mal anzumerken.
      Und derartige Geschwisterkämpfe können sich ja um schlichtweg alles drehen, Essen ist halt nur sehr häufig … 🤔
      Auch dir/euch noch einen schönen Abend, ich bin gerade vom Deichtreten zurück ⛵
      😁🐅🍵🍪👍

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  5. Froschsülze! 😮 Ich glaube, ich steige um auf Himbeer oder Zitrone… obwohl man da auch eine Menge Gedankenspielereien machen könnte. Ja, so Geschwistersituationen wirken lange nach, und das ist so schade, denn mit wem kann man sich besser über das Elternhaus austauschen als mit denjenigen, die es auch erlebt haben? Man könnte sogar eine/n lebenslang Verbündete/n haben, der einen als allererstes kennengelernt hat. Tja. So bleibt uns nur die Froschsülze. 😁

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  6. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 05.22 | Extraetüden | Irgendwas ist immer

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