Von Liebe und Liedern

[Das Glück ist dieses]

Das Glück ist dieses: Beieinander ruhen,
schweigsam als wie gebettet in den Abend,
und Horchen ist es auf den Ton,
den meine Seele nächtlich deiner singt.

(Walter Calé, Das Glück ist dieses, aus: Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, 1910, Online-Quelle)

Dein Haar hat Lieder, die ich liebe

Dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
und sanfte Abende am Meer –
O glückte mir die Welt! O bliebe
mein Tag nicht stets unselig leer!

So kann ich nichts, als matt verlegen
vertrösten oder wehe tun,
und von den wundersamsten Wegen
bleibt mir der Staub nur auf den Schuhn.

Und meine Träume sind wie Diebe,
und meine Freuden frieren sehr –
dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
und sanfte Abende am Meer.

(Max Herrmann-Neiße, Dein Haar hat Lieder, die ich liebe, aus: Verbannung, 1919, Online-Quelle)

Bin heut im erstarrten Garten gewesen

Bin heut im erstarrten Garten gewesen,
Wo ich in deinem Auge einst Lieder gelesen;
Wo die Biene den Tropfen Seligkeit sog
Und wie ein Stückchen Himmel der Schmetterling flog.

Wo der Mond aufstieg wie der Liebe Lob,
Wie ein Herz, das sich von der Erde hob,
Und wo jetzt die Wurzeln der Blumen verwesen,
Hab’ ich in toten Blättern noch Lieder gelesen.

(Max Dauthendey, Bin heut im erstarrten Garten gewesen, aus: Der brennende Kalender (November), 1905, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 220)

 

Quelle: Pexels

 

Wenn der Valentinstag, den ich ansonsten souverän ignoriere, schon mal auf einen Montag fällt, dann kann ich dem ja auch ausnahmsweise Rechnung tragen, oder? 😉 Denn schöne Liebesgedichte gibt es erfreulicherweise wirklich viele.

Ob ihr nun verpartnert seid oder nicht oder in Erinnerungen (und/oder Hoffnungen) lebt – oder von alldem gar nichts: Kommt gut und heil in und durch die neue Woche, und vielleicht lassen euch die Gedichte ja lächeln …

 

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19 Kommentare zu “Von Liebe und Liedern

  1. Ich trage zur Feier des Tages Erich Fried bei

    „Strauch mit herzförmigen Blättern“:

    [HIER HAT DAS URHEBERRECHT ZUGESCHLAGEN.]

    und „Ohne dich“:

    [HIER HAT DAS URHEBERRECHT ZUGESCHLAGEN.]

    —————-
    Viele Grüße in den Wochenanfang!

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Alexander,
      sei ganz herzlich bedankt. Ich kenne beide Gedichte und mag sie sehr, aber Fried darf in so einem Rahmen wie diesem nicht öffentlich zitiert werden, das verstößt gegen das Urheberrecht. Einer Bloggerin, der ich folge, ist sogar ein Artikel über Fried, in dem sie Fried-Gedichte zitiert hat, abgemahnt worden, und das ist noch gar nicht lange her. Ich darf deine wunderbaren Gedichte nicht stehen lassen. 😒
      Das ist auch der Grund, weshalb du bei mir nur relativ alte Kamellen finden wirst: Ich gehe mit dem Urheberrecht konform, weil mir alles andere zu anstrengend ist, nicht weil ich die Lösung in ihrer geltenden Form irgendwie für die betroffenen Autoren bekanntheitsfördernd finden würde – Leute wie Fried sind vielleicht gerade nicht betroffen, aber alle anderen Autor*innen werden unsere Nachkommen entmotten müssen, wenn die 70 Jahre Schonfrist abgelaufen sind. 🤬
      Bitte, es tut mir sehr leid, nichts für ungut, ja? 😉🧡👍
      Nachmittagskaffeegrüße 😁☁️☕🍪👍

      Gefällt 3 Personen

      • Oh ja, natürlich. Ich vergesse das gerne, weil ich nämlich alles, was ich mag, auch kaufe und zwar meistens mehrmals, um es zu verbreiten. Die Verbreitungstiefe geht dahin, weil man nicht zitieren darf und weil nicht gekauft wird, was man gut findet. Das ist nicht bei jedem so, und deshalb muss man das streichen. Der Sammelband „Liebesgedichte“ von Erich hat nur so gut gepasst und sei somit ohne Zitat jeder/jedem ans Herz gelegt, der Poesie mag 🙂 Sorry nochmal.

        Gefällt 2 Personen

      • Danke, dass du die Quelle genannt hast, und ich stimme dir zu, dass man Frieds „Liebesgedichte“ eigentlich kennen sollte (oder vermutlich kennt), wenn man nicht mehr ganz jung ist.
        Alles gut, ich danke dir. 😁☁️☕🍪👍

        Gefällt 3 Personen

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