Grüner Ring: Dritte Etappe

Was hatte ich mich auf diese Etappe gefreut! Kurz, das heißt knapp 10 Kilometer (höhö), und gefühlt nur Parks. Nun … es ging ja auch richtig gut los. Gestartet bin ich mit der Überfahrt über die Elbe ab Finkenwerder Fähre mit der Linie 64 nach Teufelsbrück, wo ich um 12 Uhr mit meiner Mitwanderin, die auf der anderen Seite wohnt, am Anleger verabredet war. Was auch bedeutet, dass ich um 10:30 Uhr bei mir an der Bushaltestelle stand. Leerer Bus, kein Umsteigen, ziemlich leere Fähre.

Schon auf der Elbe deutete es sich an: Der Wetterbericht könnte stimmen, das Wetter würde vielleicht nicht halten. Zwei Fotos dazu: Das eine ist von Sonntag und zeigt die Elbe stromabwärts, dort sieht man links das Airbus-Gelände und rechts das Ober- und Unterfeuer Blankenese (die Leuchttürme, von rechts nach links) sowie das Unterfeuer Rissen, und ich bin nicht ganz sicher, ob der leuchtende Punkt darüber das Rissener Oberfeuer ist … und man sieht auch, dass es sich bereits „zuheiterte“, wie mein Vater das früher genannt hätte, also eintrübte (Foto, links daneben die Schornsteine gehören zum Kraftwerk Wedel).

Das andere Bild ist vom Sonntag zuvor (bei strahlendem Sonnenschein) und stromaufwärts Richtung Hafen fotografiert – als Ansicht einer der Hamburger Klassiker. Einige von euch werden das Hafenpanorama kennen, also schicke ich euch mal suchen: Na? Welche Kirchtürme erkennt ihr, und vor allem, wie viele? 😉 Großklicken hilft!



In Finkenwerder auf dem Gelände der HPA-Stackmeisterei (eine Art Straßenmeisterei für den Fluss) traute ich übrigens meinen Augen nicht (Foto): Seht ihr die weiße Männerfigur, die die Hände in die Hüften stützt? Das ist einer der »Vier Männer auf Bojen« des Künstlers Stephan Balkenhol, die seit 1993 Hamburg auf diversen Gewässern bereichern (Link). Da die aber von Frühling bis Spätherbst ununterbrochen ihre Posten beziehen, was macht dieser hier an Land? Ich muss bekennen, dass ich die Antwort nicht weiß, aber die Figuren sind letztes Jahr alle ausgetauscht worden (Neuguss aus Aluminium; der Zahn der Zeit, das Wetter, die Vögel etc. hatten den ursprünglichen Eichenfiguren im Laufe der Jahre böse zugesetzt – die Kosten hat die Stadt Hamburg übernommen). Ich überlege schon länger, die Männer mal abzulichten. Ich vermute, dass dies hier der »Eichenmann« ist, der in der Alster stand (erkennbar an der Armhaltung).

Den Teufelsbrücker Anleger (Foto) ziert nach wie vor das Café/Restaurant Engel. Über Hamburg hinaus wurde es bekannt, als vor 20 Jahren ein Containerfrachter nach einem Maschinenausfall den Anleger rammte und schwerstens beschädigte.



Wir jedenfalls liefen locker los und befanden uns fast sofort im Grünen. Karte und Beschreibung hatten nicht gelogen, als sie mir fast durchgängig Parks und »Grünräume« versprachen, wir fielen von einem Entzücken über die idyllischen Ausblicke ins andere (Foto). Es ging durch den Wesselhöfftpark und Westerpark am Derbyplatz Flottbek vorbei (Reiten! Springderby! Fernsehen! Kindheitserinnerungen!), wir unterquerten den S-Bahnhof Klein Flottbek und wanderten entlang am Loki-Schmidt-Garten, also am Botanischen Garten, der ein echtes Highlight für jeden Gartenfan sein soll.
Später trafen wir am Ziegeleiteich nicht nur ein über unsere Ankunft begeistertes Blässhuhn (Foto) und einen Reiherenterich (Foto), sondern es begann auch leicht zu regnen. Zumindest meine Fotografierlust mit der Winzlingskamera schränkt das ein, sodass ich zwar noch diese beeindruckende Baukastenfront hinter dem Elbe Einkaufszentrum festhielt (Foto), aber danach eher weniger die ungezählten, immer noch bezaubernden Einblicke in Grünes und Blühendes.



Nachdem ich murrend (aber immer noch hoffend) einsehen musste, dass sich das mit dem Nass von oben eher nicht ändern würde, rasteten wir im Feuchten (in einer Regenpause, aber inzwischen in die Regencapes gehüllt) auf einem Hügel im Lise-Meitner-Park und genossen die unerwartet grüne Aussicht. Fragt man mich übrigens, woran ich mich von dieser Etappe auch erinnern werde: Fluglärm. Wir waren die meiste Zeit in der Einflugschneise unterwegs, die Intervalle waren kurz und viele Flieger niedrig. So gut die Wege waren (mit unkommunikativen Radfahrern und freundlichen Spaziergängern) und außerhalb des Parks mit gepflegten Gärten sowie naturbelassenen Grünflächen (Foto) – ich hätte hier erwartet, sehr viel mehr DESY-Gebäude (Homepage) zu sehen zu bekommen, aber wirklich identifizieren konnte ich nur eins am Ende des Geländes (Foto). Der stetig fallende, sanfte Regen verlockte uns dann auch nicht, durch den Dahliengarten zu schlendern (statt ihn nur rechts liegen zu lassen), und scheuchte uns schnell in den Wald im (Altonaer) Volkspark, den wir zügig durchquerten, um dann am anderen Ende auf das HSV-Stadion zu treffen.
Sorry, Fußballfans, das ist sicher ein sehr beeindruckendes Bauwerk mit Tradition (Foto), auch bei Nässe, aber den Weg ab dort bis zur S-Bahn Stellingen fand ich einfach nur hässlich, steril, vollgeschmiert und mit einer völlig trostlosen Ausstrahlung (Foto, das ist schon am Bahnhof, der Eingang zur S-Bahn ist auf der anderen Seite). Selbst die Radfahrer waren jetzt unhöflich, allerdings hörte passend zum Etappenende der Regen auf. Aber ausgerechnet letzten Sonntag wurde auf der Strecke Eidelstedt – Altona gebaut, sodass wir beide auf Schienenersatzverkehr umsteigen mussten – nie die beste Idee für Platzängstliche.
Nach einem letzten schnellen gemeinsamen Kaffee erwischte ich einen Bus nach Altona, plumpste dort erleichtert in die S-Bahn nach Harburg und dann wieder in den Bus, der mich zu Hause ausspuckte.



Die Statistik zum Schluss. Etappenanfang: Finkenwerder Fähre bzw. Anleger Teufelsbrück, Etappenende: S-Bahn Stellingen (Arenen). Gugl und ich hatten eine Streckenlänge von ca. 9,5 Kilometern ab Etappenanfang geplant, meine Schrittzähler zeigten insgesamt 17.571 Schritte an, was, wenn es stimmt, 11,7 Kilometer entsprächen. Das kann absolut hinkommen, denn auf meinem Schrittzähler war ja auch noch der Weg zum/vom Bus und der Fußweg zur Fähre. Die Beschilderung war jedenfalls auf inzwischen gewohnt hohem Niveau und die Regencapes haben gehalten, und während ein großer Teil Deutschlands unter Brüllaffenhitze litt, hatte Hamburg maximal 20 Grad. Wir hatten übrigens beide so ein »Ach, das war es diesmal schon? Schade!«-Gefühl, was ich irgendwie doch belustigend fand. Ich wünsche mir diese Etappe noch mal, an einem anderen Wochentag und bei besserem Wetter, und vielleicht würde es mehr Spaß machen, sie in die andere Richtung zu gehen.

Wenn uns in der Woche nicht der Himmel auf den Kopf fällt, trifft man uns nächstes Wochenende auf Etappe vier, unter anderem in Richtung Niendorfer Gehege und Flughafen. Auch dieses Mal gilt: Ich freue mich jetzt schon.


Mein ganzes Grüner-Ring-Gedöns als Kategorie zum Nachlesen: hier klicken!


40 Kommentare zu “Grüner Ring: Dritte Etappe

    • Die Strecke ist echt hübsch, sieht man von der Gegend um das Stadion ab, aber das Wetter passte nicht so ganz dazu, alles in allem … 😉
      Danke. Bei diesem Beitrag ist dein Like durchgekommen, bei anderen ist mir das Fehlen schon aufgefallen. Kann es an deinen Cookieeinstellungen liegen? 🤔 Ich habe keine Ahnung, was es sonst sein könnte, kann also auch falsch sein, aber ich weiß von dir ja, dass du so wenige wie möglich haben willst. Kannst du über den Reader liken? Dein Reader geht noch, oder?
      Nachmittagskaffeegrüße! 🌞🌳☕🧊🌼👍

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    • Ich glaube, so was wie meine Berichte findet man nur dann gut, wenn man selbst wandert – was ich natürlich überhaupt nicht verstehe 😉
      Und was das Gedöns angeht: Stimmt andere sind schlimmer, aber ich könnte auch anders 😎
      Freut mich, dass du unerschrocken dabei bist! 👍
      Abendgrüße bei heller Sonne 🌞🌳🥤🥗🌼🦋

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      • Wandern ist toll. Zeit erlebt sich völlig anders, Strecke, Dauer, Geräusche, die Atmung. Irgendwie verwandelt sich die Welt, und in deinen Beschreibungen verwandelt sich Hamburg in eine erforschbare, fröhliche tummelige Gesamtwelt. Das ist schön. Ich bin früher gerne sehr früh am Morgen durch Berlin gegangen – dieses Berlin, dass plötzlich leise, ruhig, verschlafen ist. Die Tauben hüpfen. Spatzen fiepen, und nur hier und da ein Auto, das verschämt um die Ecke biegt. Diese Wanderungen geben so viel Lebensqualität und vieles von dem schimmert durch deine Beschreibungen hindurch. Das inspiriert sehr!! Na klar, bleibe ich dabei!

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        • Ach, ich danke dir. Du hast mit allem recht. Die Welt verwandelt sich, indem man sie sich erläuft, und ich fange an, die Faszination von Fernwanderwegen zu verstehen, so klein meine eigenen Strecken auch sind. Vielfalt ist für viele leichter erlebbar, wenn sie sie in der handzahmen Variante geboten bekommen, und nichts anderes ist dieser Wanderweg. Hamburg IST schön und bunt und manchmal erschreckend, ich werde nicht müde, das zu betonen …
          Ich werde nie mein ungläubiges Entzücken vergessen, als ich spätnachts in Berlin meinem ersten Stadtfuchs 🦊 begegnet bin, der wenige Meter vor mir seelenruhig über die Straße lief und mich komplett ignorierte 🧡. (Gestern habe ich ein Buch über Stadtfüchse erhalten, ja, Berlin 😉.)
          Das Schöne im Kleinen … 🍷🍪🦋👍

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        • Ja, Stadtfüchse sind gar nicht so selten. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen fröhlich vor sich hin trotten sehe. Die Utopie einer Welt, in der niemand niemandem etwas zuleide tun will und tut und selbst Füchse wieder mit uns zusammenleben können. Einfach toll. Stimmt! Schön, wie du das formuliert hast!!

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        • Es ist erstaunlich: Berlin ist nicht so signifikant größer als Hamburg, was die Fläche angeht, hat doppelt so viele Einwohner, aber eine ganz andere Struktur. Ich kenne mich keine Berichte von Füchsen in der Stadt, und übrigens auch keine von Waschbären … 🦊🦝
          Ich liebe Utopien. Mensch wird reicher dadurch – wenn er es zulässt. 🤔😉👍

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  1. Zwei Wanderfreudige und Unermüdliche!
    Liebe Christiane, ich versinke vor Hochachtung fast in den Boden. Schon beim *zärtlichen* (wie schön) Nieselregen dachte ich, neee, den hätte ich wirklich nicht gemocht.
    Obwohl ich die Örtlichkeiten nicht kenne, bin ich gerne mitgewandert Ich konnte erkennen, wo es Euch besonders gut gefiel und auch, wo es nicht ganz so wundervoll war 🙂
    Ich habe auch mit Interesse die Fotos betrachtet und kannte nichts, was mich aber nicht abschreckte, weiterzulesen *schmunzel*.

    Liebe Grüße in die Nacht an Dich, Du Fleißige

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  2. Eine Wanderung durch mein Früher irgendwie, viele vertraute Wege seit Jahren nicht gegangen (obwohl das ja ginge).
    Ich glaube alles (zumindest das neuwertige), das ich als Kind trug, stammte aus dem Elbeeinkaufszentrum und sonntas gings an die Elbe 😉
    Das war das Airbuswerk allerdings noch nicht da, da war da noch ein nach der Ramsar-Konvention geschütztes Binnengewässer.

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    • Ja, Airbus und das Mühlenberger Loch, gut, dass du daran erinnerst. Und meiner Mitwanderin ging/geht es ähnlich, sie hat Verwandte in Osdorf und auch Erinnerungen zum Beispiel an das EEZ …
      Ich kann den Weg nur empfehlen, wenn du nicht fotografieren willst, bestimmt auch bei Regen – was würde das Fundevögelchen denn besonders interessieren? 🤔😉
      Nachtgrüße 🌳🍷🍪🌼👍

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      • Was das Fundevögelchen besonders interessiert? Abgestellte Elektroroller!( ergo ich such mir Strecken mit möglichst wenigen)
        Und Wasser in jeder Form von Pfütze bis Strom, weidende Tiere, jede Form von Maschinen, Buslinien, Bahnlinien, Kletterbäume, Eisverkäufer…
        Eine Zeitlang ( bei ihm hält alles nur eine Zeitlang) hatte er eine angelegte einfache Digitalkamera, er hat in erster Linie Busse, Altglascontainer und Leitplanken fotografiert🙂Wenn wir unsere Fotos verglichen haben, hatte man nicht den Eindruck, dass wir zusammen unterwegs waren.

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        • Ich finde es eine Pest, dass man die Dinger scheinbar überall stehen lassen darf, ich begegne denen echt oft. Die Faszination für Wasser und weidende Tiere kann ich verstehen, die Faszination für Maschinen auch, zumindest theoretisch, aber wie sich das in eurem Zusammenleben praktisch auswirkt, davon habe ich keine Vorstellung 🤔. Ich bin halt die „Ohne Kinder“-Sorte 😟.
          Dagegen finde ich es höchst erstaunlich, dass er in dem Alter Spaß am Fotografieren hat (-te), oder war das mehr ein Ausprobieren?
          Mittagshitzekaffeegrüße! 🌞☕🧊🍪👍

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    • Eichen nicht, aber ich würde zur automatischen Berechnung der Schrittlänge unbedingt deine Körpergröße angeben. Ferner gibt es Schrittzähler, die extrem empfindlich eingestellt sind (manche zählen angeblich bereits, wenn man das Handy schwenkt oder schüttelt), das würde ich überprüfen, empirisch 😉
      Ja, das kann schon sein, dass du jeden Tag so viele Schritte machst. Was mit ziemlicher Sicherheit dann aber nicht stimmt, ist die zurückgelegte Entfernung, denn Schrittzähler gehen von einer Standard-Schrittlänge aus. Wie gut die Entfernungsmessung ist, ist ein Zusammenspiel zwischen Empfindlichkeit des Sensors, den Einstellungen und nüchterner Beobachtung. Normalerweise macht man im Haus zwar viele Schritte, die fallen aber eben höchst unterschiedlich lang aus. 🦵🦵
      Nachtgrüße 🌳🍷🍪🌼👍

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