Vom Miteinander

Aus stillen Fenstern

Wie oft wirst du gesehn
Aus stillen Fenstern,
Von denen du nichts weisst …
Durch wie viel Menschengeist
Magst du gespenstern,
Nur so im Gehn …

(Christian Morgenstern, Aus stillen Fenstern, aus: Einkehr, 1910, Online-Quelle)

Nach all den Nächten, die voll Sternen hingen

Nach all den Nächten, die voll Sternen hingen,
Nun diese dumpfe, trübe, nasse Nacht,
Als wär’ die Arbeit aller Zeit vollbracht
Und niemals wieder Hoffnung auf Gelingen!

Wohin die Schritte weisen, da das Ziel
Ertrank im nebeligen Grau der Wege?
Ich such’ nur noch, wo ich mich niederlege,
Den stillen Platz. Verloren ist das Spiel.

Ich höre vieler Menschen Schritte tasten –
Verirrte Menschen, einsam, müd und arm, –
Und keiner weiß, wie wohl ihm war und warm,
Wenn wir einander bei den Händen faßten.

(Erich Mühsam, Nach all den Nächten, die voll Sternen hingen, aus: Wolken. 1909–1913, Online-Quelle)

Es gehört nicht viel dazu

Es gehört nicht viel dazu
Einander glücklich zu machen:
Ein bißchen Liebe nur
Und ein befreiendes Lachen
Und die Klugheit, zu wissen,
Daß wir lauter Bettler sind,
Die von Pfennigen leben müssen,
Die man am Weg gewinnt.

(A. de Nora, Es gehört nicht viel dazu, aus: Hochsommer, 1912, Online-Quelle, Quelle zweifelhaft)


Quelle: Pixabay


Weiterhin schöne Urlaubstage euch allen, so ihr (noch) habt! Und auch wenn nicht: Kommt gut in und durch die neue Woche!


23 Kommentare zu “Vom Miteinander

    • Das ist der Plan hinter den Gedichten, immer wieder. Einen Moment innehalten, nachdenken, nicken, manchmal lächeln. Ich freue mich immer wieder über die Rückmeldung, dass es funktioniert 😉
      Auch dir einen guten Tag und eine gute Woche!
      Regenkaffeegrüße 🌧️🌳☕🍪🌼👍

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  1. Hallo Christiane,
    mir gefällt auch der Morgenstern sehr gut, mit seinem großen Reihmschema.
    Müsste es beim Mühsam im zweitletzten Vers nicht „wär“ heißen? Da bin ich drüber gestolpert beim Lesen. Wenn es nicht Konjunktiv sondern Vergangenheit wäre, dann müsste es im letzte Vers ja „Als“ heißen und nicht „Wenn“.
    Dir noch ne schöne Restwoche!

    Gefällt 1 Person

    • Ja, müsste es, denke ich auch, ich bin auch darüber gestolpert. Aber da wir das Original nicht vorliegen haben – ich gehe von einem Übertragungsfehler beim Scannen oder sogar schon im Druck aus – können wir die Frage nicht lösen und müssen beim Kritteln bleiben. Solltest du online etwas Originaleres auftreiben können, würde ich mich über den Link sehr freuen, ich suche immer danach.
      Freut mich, dass dich die Gedichte ansprechen! Auch dir eine gute, nicht zu heiße Woche!
      Mittagskaffeegrüße 🌞🌳☕🍪🌼👍

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  2. Nach all den Nächten, die voll Sternen hingen …
    Was für eine wunderschöne Zeile hat er als Titel genommen, der Herr Mühsam. Dann folgt nach und nach die Ernüchterung…
    Und doch mag ich seine Worte.
    Die Worte der anderen beiden mag ich auch sehr, denn in beiden finde ich nur Tiefe und keine Gedanken, die an der Oberfläche verweilen.
    Eine tolle Auswahl, liebe Christiane!
    Super ausgesucht hast Du wieder.
    Ganz herzlich, Bruni

    Gefällt 1 Person

    • Morgenstern ist vielschichtig, ähnlich wie Ringelnatz, neben Blödelei steht tiefer Ernst und ein Sinn fürs Metaphysische. Auf jeden Fall tut man ihm unrecht, wenn man das nicht in Betracht zieht.
      Danke dir.
      Abendgrüße 🌅🍷🧊🌼👍

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