Grüner Ring: Achte Etappe

Bisher konnte ich mich über meinen neuen Freund, den HVV (Hamburger Verkehrsverbund), echt nicht beschweren. Das änderte sich letzten Sonntag, als ich gleich zweimal auf der Suche nach der Abfahrt des Busses total alt aussah: einmal an der U-/S-Bahn-Haltestelle Elbbrücken, um die herum noch weitgehend Baustelle ist, einmal an der S-Bahn-Haltestelle Rothenburgsort, wo es zurzeit wohl irgendeinen Schienenersatzverkehr gibt und alles ein bisschen … irgendwo … abfährt. Ich hätte letztere Haltestelle nicht gefunden, hätte ich nicht zufällig den richtigen Busfahrer gefragt! Im Rennen!
Ausschilderung? Null. Angaben im Internet? Ja, vorhanden und vage interpretierbar (Elbbrücken), aber nicht interpretierbar für Rothenburgsort, weil ich keine Ahnung hatte, wo ich war, weil ich von den Elbbrücken bis dahin auch nicht mit dem Bus gekommen war, den ich erwartet hätte und mich komplett ausgesetzt fühlte. Und zu allem Überdruss war der Bus, den ich ab Rothenburgsort unter Zeitdruck erwischen musste, der einzige pro Stunde, der fuhr, und den zu verpassen ist dann echt doof, wenn man zu einer bestimmten Zeit verabredet ist.
Nun. Es hat geklappt.

Wie dem auch immer sei, der Bus spuckte uns am gewünschten Etappenstart aus (Moorfleeter Deich (Ost), das ist eine der Haltestellen am Eichbaumsee, also Hamburger Südosten, ihr erinnert euch an letzte Woche?), es war noch relativ kühl und konnte sich nicht entscheiden, ob die Sonne durch die Wolken brechen würde (ja, später). Wir waren beide der Ansicht, dass das Wetter wunderbar so sei, denn heute würden wir an der Dove Elbe entlang stadteinwärts bis zu den Elbbrücken laufen, und da ist Deich und somit eher weniger Schatten angesagt. Die Dove Elbe (niederdeutsch »dov« bedeutet »taub«) ist ein vor knapp 600 Jahren abgetrennter 18 Kilometer langer Nebenarm der Unterelbe (mehr dazu bei Wikipedia und hamburg.de), der die Hamburger Marschlande durchfließt und hinter der Tatenberger Schleuse seit 1579 wieder mit der Norderelbe zusammentrifft. Sie wird als Bade- und Bootsfahrparadies beschrieben: Was man alles nicht kennt! Mir war das durchaus nicht klar, ich verbinde mit den Vier- und Marschlanden überwiegend Gemüseanbau (Reisebericht NDR).

Der offizielle Tour-Guide des Grünen Ring Hamburg (hamburg.de) beschreibt unsere Strecke so: Wasserpark Dove Elbe – Yachthafen Moorfleet – Moorfleeter Deich – Tatenberger Weg – Moorfleeter Hauptdeich – Naturschutzgebiet Holzhafen – Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe – Kaltehofe-Hauptdeich – Elbpark Entenwerder. Ich würde sagen, dass wir ab dem Eichbaumsee am Wasser entlanggelaufen sind, wo immer es ging, dann dem Verlauf des Moorfleeter Deichs sowie des Moorfleeter Hauptdeichs gefolgt sind, die Kaltehofe überquert, in Entenwerder Pause gemacht und dann die Neuen Elbbrücken überquert haben, um danach ab der U-/S-Bahn-Haltestelle Elbbrücken unseren jeweiligen Heimweg anzutreten.

War es schön? Ja, unglaublich, und auch entspannt. Yachtclubs, Motorboot-Clubs und Segelclubs und -vereine, die sich wie Perlen an einer Kette aneinanderreihen. Speziell am Anfang in der Nähe des Eichbaumsees gab es Badestellen, ansonsten war der Zugang zum Ufer meist verwehrt/gesperrt – wobei ich sagen muss, dass ich nicht gesucht habe.



Später wurde der Weg erst schmal (Foto) und führte uns dann auf den Moorfleeter Deich/Hauptdeich, was zwei ziemlich lange Straßen sind. Weniger Ausblicke zum Wasser, dafür mehr Einblicke ins »Landleben«: Pferde, Gewächshäuser (im Hintergrund verläuft die A 25), immer wieder reich bestückte Brombeerhecken (meist noch ziemlich sauer), liebevoll dekorierte Häuser bzw. Fenster (Foto, Foto, Foto, Foto).



Und Radfahrer, und zwar in rauhen Mengen, nicht nur die Wir-fahren-den-Grünen-Ring-Radfahrer, die wir ja nun kennen, sondern solche, die im Pulk mit Trikots und teilweise Carbonrädern sich laut unterhaltend an uns vorbeisausten. Okay, wir befanden uns auf einer wenig bis gar nicht befahrenen Straße, wir mussten selten an den Rand springen, es war Sonntag. Später war der Verkehr für Autos sowieso gesperrt, wir gingen auf dem Deich (Foto) und warteten darauf, den »Rasenmähern« zu begegnen (die Schafherden grasen jeweils ein Stück Deich ab, dann werden sie »versetzt« und nehmen das nächste in Angriff usw. Erkennbar ist das an den frischer werdenden, äh, Ausscheidungen, die sie hinterlassen). Ich habe nicht mitgezählt, wie oft wir dem Bus begegnet sind, mit dem wir selbst gefahren waren: einige Male (Foto).



Irgendwann unterquerten wir dann die Autobahn (A 1), auf der, welch Wunder (Sonntag, der Elbtunnel war schon wieder gesperrt), mal wieder zähfließender Verkehr herrschte. Schön, wenn einen diese Aussicht so gar nicht juckt (Foto – das Ding mit den zwei Schornsteinen ist übrigens das Heizkraftwerk Tiefstack (Artikel auf hamburg.de)). Für uns unsichtbar vereinigte sich irgendwo linker Hand die Dove Elbe mit der Norderelbe, uns interessierte aber mehr die Aussicht zur Rechten: Willkommen am Naturschutzgebiet Holzhafen (Wikipedia)! (Foto) Es wirkt in diesen Berichten vielleicht so, als ob wir immer nur im Vorbeigehen alles abnicken würden, aber dem ist nicht so, wir haben da lange gestanden und uns umgeschaut und gefreut und gestaunt. Umso mehr, als inzwischen auch auf dem Deich mehrere eng beisammen gedrängte Pulks Schafe auftauchten, denen die Passanten reichlich egal zu sein schienen und die uns überwiegend ihrer Hinteransicht würdigten – ledig einen schiefen Blick, der mir zugeworfen wurde, habe ich festgehalten (Foto).



Wirklich spektakulär fanden wir dagegen ein paar Schritte weiter den Ausblick über die Wasserbecken und Schieberhäuschen (die Türmchen!) des (stillgelegten) Elbwasser-Filtrierwerks Kaltehofe auf das Kraftwerk (Foto). Auch dazu gibt es natürlich einen höchst informativen Wikipedia-Eintrag, noch mehr lohnt sich aber das Hingehen und Anschauen. In der Villa, die früher das Hygienische Institut beherbergte (Foto), befinden sich heute ein Informationszentrum sowie ein Café, auf dessen Terrasse sich gemütlich Zeit verbringen lässt (Foto). Man kann das Gelände besichtigen, es ist zu empfehlen, nur am Sonntag stand uns der Sinn nicht danach.



Runter von der Kaltehofe, rüber nach Entenwerder (Foto). Mit Entenwerder verbinde ich hauptsächlich friedliche Stunden in dem hippen (zugegeben) Café auf dem Ponton (der Container ist ein begehbares Kunstobjekt) auf der Elbe, am Sonntagnachmittag ist es eigentlich voll, dieser war keine Ausnahme: Es wuselte (Foto). Wir fanden trotzdem noch ein Plätzchen, um für eine Stunde unsere Füße auszustrecken – und dann begann der Wind heftig damit, die Wolken zusammenzutreiben. Regen war für den späteren Nachmittag gerufen.



Wir brachen auf und marschierten strammen Schrittes auf die Elbbrücken zu, über die wie üblich die Stadtautobahn (A 255) rauschte, und unterquerten selbige bei dem großen Hotelturm. Drüben ist schon Hafencity-Gebiet, soll heißen, es ist zum Teil Brache, zum Teil Baustelle und überwiegend echt hässlich. Ich knipste noch schnell den alten, ausgebrannten Kran (endlich weiß ich, wie man dahinkommt) (Foto) und von fern die spacigen Röhren des U-/S-Bahnhofs Elbbrücken (Foto). Die Architektur lehnt sich an die Elbbrücken an, heißt es. Das ist vor einem Eingang (Foto), aber drin ist die Aussicht nicht minder spektakulär: Das ist die Linie U 4, die endet hier nämlich (Foto), soll heißen, sie dreht um. Da die S-Bahn nicht in derselben Röhre fährt wie die U-Bahn, kann man das so sagen. Als ich in Harburg im Bus saß, trafen die ersten Regentropfen die Windschutzscheibe, ich bin aber nicht wirklich nass geworden, obwohl es sich danach über Nacht einregnete.



Statistik. Etappenanfang: Bushaltestelle Moorfleeter Deich (Ost), Etappenende: U-/S-Bahn-Haltestelle Elbbrücken. Meine Gugl-Maps-Kilometerzahl lag bei 10,8 Kilometer, meine Schrittzähler zeigten jedoch insgesamt 21.217 Schritte an, was gemittelt 14,15 Kilometer entsprächen. Na schön, ich glaube nicht, dass es so weit war, aber es soll mir egal sein, Schritte sind Schritte.

Übrigens: Zwei Etappen noch, dann sind wir rum. Nächsten Sonntag, so das Wetter mitspielt, geht es auf der anderen Seite der Elbe wieder stadtauswärts (Hamburg hat im Osten weder Brücken noch Fähren, daher mussten wir jetzt bis fast in die Innenstadt zurück). Auch das wird wieder eine eher unschattige Strecke, befürchte ich. Nun ja, wir werden sehen, bisher war Petrus ja bis auf ein Mal voll auf unserer Seite. Ich freue mich jedenfalls drauf. Unverdrossen.


Mein ganzes Grüner-Ring-Gedöns als Kategorie zum Nachlesen: hier klicken!


39 Kommentare zu “Grüner Ring: Achte Etappe

  1. Gibt es irgendwo eine Karte, auf der man sieht, wo ihr langgeht. Das fände ich toll, um kartenmäßig die Tour nachzuvollziehen (ich mag Karten) – ansonsten freue ich sehr über den schiefen Blick, den du festgehalten hast. Sehr schön. Hörte sich nach einer (bis auf dem Anfang) entspannten Tour an! Ich freue mich auf die neunte Etappe!

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    • Das Problem mit Karten ist, dass sie ein Copyright haben, daher müsste ich mir über Open Street Map Kartenmaterial beschaffen, ggf. selbst gestalten und einbinden. Das ist mir zu viel Aufwand für zu wenig Resonanz, wenn ich ehrlich bin.
      Wenn es dich aber nicht stört, dich ein bisschen hineinzuwühlen, dann gibt es auf den Seiten des Grünen Rings, von mir hier als „Tour-Guide“ bezeichnet, auch Kartenmaterial. Nach deren Maßstäben befinde ich mich jetzt auf Etappe 5 „Mittlerer Landweg bis Veddel“ https://www.hamburg.de/wandern-im-gruenen/4475924/wandern-strecke-5/
      und wenn du diese Seite aufrufst, gibt es im unteren Teil einen Link zum entsprechenden PDF (https://www.hamburg.de/contentblob/5667358/3a342d5848ce19e2df4fb18032763390/data/d-5-mittl-landweg-veddel.pdf), und DAS enthält eine Karte mit der eingezeichneten Route, nur halt nicht mit meinen Etappenstart- und Endpunkten.
      Ja, ich mag Schafe auch, und ich freue mich immer, wenn ich auf meinen Deichtreten-Runden welchen begegne, auch wenn der natürliche Dünger nicht immer fein ist … 😉
      Vormittagskaffeegrüße! 🌞🌳☕🧊🌼👍

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      • Der Vollständigkeit halber: Das mit den Karten gilt für jede Etappe des Grünen Rings. Wenn man tief genug gräbt, findet man auf hamburg.de auch den Link zu den zu den GPX-Dateien für das Navi, wichtig für Radfahrer, wichtig aber auch für mich, da ich mir die Route in Gugl Maps aufs Handy geladen habe.

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  2. Da sind sie ja die versprochenen Wasserstraßen und -wege, auch mit viel Industrie rundherum! Dass das Schaf einen Moment lang seine schafischen Verpflichtungen unterbrochen hat um dir einen nicht ganz belämmerten Blick zuzuwerfen, ist doch ein Erfolg des persönlichen Charismas 🙂

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  3. ein reicher bilderbogen hier in wort und bild!

    hast du vor, so eine etappen-tour nochmal zu planen? (vielleicht auch was für die zusammenfassung …)
    was würdest du anders anpacken?
    was war top?

    lieben gruß aus dem gröbenzeller flachland❣️
    pega

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    • Deine Fragen, liebe Pega, nehme ich alle mit für mein Fazit, weil das ja eigentlich die Klassiker sind: Was war gut, was war schlecht, was würdest du anders machen, würdest du es noch mal machen?
      Danke dir dafür! 🧡
      Ich musste gerade erst mal nachschauen, wo genau Gröbenzell eigentlich liegt … 😉
      Herzliche Abendgrüße aus dem heißen Hamburg! 🌡️⛲☕🧊🌼👍

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  4. Unermüdlich seid Ihr und das Wetter bei Euch ist ja auch um einiges angenehmer zum Wandern als bei uns.
    Bei mehr als 30° würde keine Tour große Freude machen und ob man das Ende noch erleben könnte, steht in den Sternchen 🙂
    Für morgen sind 37° angesagt. Da denkt wohl kaum einer an eine solch schöne Wanderung wie diese hier.
    Das Schafebild ist herzig. Eines ist interessiert. Die restliche Herde frißt emsig vor sich hin *g* und läßt sich nicht stören…
    Was sind das für schöne alte putzig trutzige Türmchen in Kaltehofe? Oder falle ich hier auf ein Spiegelbild rein, liebe Christiane?
    Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

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  5. Ubs, jetzt bin ich in der Wasserkunst fast ertrunken 🙂

    * Das Projekt wird von der Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe getragen, die sich zur einen Hälfte im Besitz der Stadt Hamburg und zur anderen Hälfte im Besitz von Hamburg Wasser befindet, die auch die Kosten für Sanierung und Bau des heutigen Museums und der Gestaltung des Außengeländes trugen. *

    Lieber Gruß aus der Hitze

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  6. Das hört sich wie ein toller Ausflug an, liebe Christiane. Danke fürs Mitnehmen. Es ist ja erstaunlich, wie viele unterschiedliche Gegenden Hamburg hat und wie viele man in solch einer Großstadt immer noch finden kann.
    Mit herzlichen Grüßen vom sonnigen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    • Ich könnte mir vorstellen, dass das zu einer Konzeption wie dem Grünen Ring dazugehört, unbekannte schöne Ecken vorzustellen, auch für mich als Hamburger. In diesem Fall ist das mehr als gelungen, meiner Meinung nach.
      Grüße nach Gewitter zurück! ⛈️🌈🌼👍

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  7. Pingback: Grüner Ring: Fazit | Irgendwas ist immer

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