29.11. – Eine Liebeserklärung der anderen Art | Adventüden

Tim saß rauchend am Fenster und betrachtete den Sternenglanz der wolkenlosen Nacht. Langsam kam der Winter und manchmal roch die Luft schon nach Schnee, der wahrscheinlich wieder nicht fallen würde, dabei war es erst Oktober.

Er hätte gar nicht sagen können, warum ihm solche Gedanken kamen, aber seit einigen Minuten dachte er an die kommende Weihnacht. In ihm wuchs eine Idee. Der entsprechende Entschluss, diese sofort in die Tat umzusetzen, stand kurz vor dem Durchbruch.

Er würde seiner Mutter eine Liebeserklärung der ganz besonderen Art machen!

Er ersann einen Adventskalender, den er selbst bauen würde. Hielten ihn doch seine fünf Geschwister für einen Tunichtgut, der nichts zustande brachte. Die würden staunen.

Er erhob sich wie ein Mann, der genau weiß, was zu tun ist, und griff sich im Vorbeigehen den Kellerschlüssel. Es war zwar schon spät, aber er würde zunächst nur die Grundlagen schaffen.

Im Keller angekommen suchte er lange nach seiner Laubsäge, die seit ewigen Zeiten nicht mehr in der Hand gehabt hatte. Er kramte in den Regalen. Schob Kisten und Kartons hin und her. Plötzlich verspürte er einen brennenden Schmerz und zog die Hand zurück. Blut sickerte aus einem Riss am Mittelfinger. Die Säge war gefunden! Schnell tupfte er mit einem Taschentuch das Blut ab. Er fand Holzleim, Schraubendreher, sogar sein altes Schnitzmesser. Er suchte Holz zusammen und betrachtete die verschieden langen Stücke.

Tim besah sich sein Material. Er überlegte, doch eine Zeichnung zu machen, fand einen kurzen Bleistift und so begann er seine Arbeit.

Sieben Stunden später – der Himmel wurde gerade sanft rosa – betrachtete er stolz sein Werk: ein Schwibbogen wie die Gebäckdose des Elbflorenzer Stollenkonfekts, in dem er 24 Fächer versteckt hatte. Die Figuren, die er noch schnitzen wollte, würden seine Familie darstellen.

Er musste sich ranhalten, wenn er das bis zum ersten Advent schaffen wollte.


Autor*in: Kain Schreiber                    Blog: Gedankenflut


Adventüden 2022 29-11 | 365tageasatzaday
 
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

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63 Kommentare zu “29.11. – Eine Liebeserklärung der anderen Art | Adventüden

  1. Pingback: 29.11. – Eine Liebeserklärung der anderen Art | Adventüden — Irgendwas ist immer – Gedankenflut

  2. Da hat Tim sich wirklich etwas Schönes ausgedacht, um seine Mutter und Familie zu überraschen. Gerade über selbstgemachte Dinge freut man sich doch meist besonders. Auch wenn Tim diesen Schwibbogen sozusagen mit „seinem eigenen Blut bezahlt“ hat. 😉

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  3. Die beschriebene Schwibbogenform des Elbflorenzer Stollenkonfekts musste ich erstmal im Netz suchen, das ist schon ein beachtliches Vorhaben für einen, der spontan seine Kenntnisse im Werken wieder hervorkramt, aber die Selbstverständlichkeit der Beschreibung lässt keinen Zweifel am guten Ergebnis.

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  4. Herrlich herrlich ich kenne das Fieber, in Gedanken an die zu Beschenkenden noch den Adventskalender fertigzukriegen auch wenn es rein rechnerisch zeitlich niemals mehr zu schaffen ist. Und ich kenne den Stolz und das große Glück, es geschafft zu haben. Und zwar für sich. Die besten Ideen kommen ja immer spontan und zu knapp und dann das Unmögliche möglich zu machen + Postlieferzeiten oder sonst irgendwelche Umstände. Ein AdventsWerk ist immer eine große Nummer. 24 ist eine konditionsfordernde Zahl. Und dann soll es als Ganzes und als Einzelnes Tägliches so sein, dass man es am liebsten behalten möchte und dann gibt man es von Herzen her. Ich liebe es – das große Gefühl all sein Talent, seine Liebe zum Tun so zu kanalisieren. Und ich tue s immer für mich.

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  5. Pingback: Weihnachtspause | Irgendwas ist immer

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