01.12. – Deine Zeit | Adventüden

Wenn du an Weihnachtsbäckerei denkst, dann riechst du diesen besonderen Duft. In Erwartung des lieben Besuchs bricht endlich der sonst zwanghaft gedrosselte Backrausch aus. Kinder sind dankbare Abnehmer und Esser. Es darf wieder wie früher sein, der Tisch üppig gefüllt werden. Es gilt, genau zu planen, denn das ersehnte Ergebnis braucht Liebe und vor allem Zeit, die Vorfreude wird nicht in Minuten, sondern in Stunden und Tagen gemessen.

Eine der wichtigsten Zutaten ist Geduld. Sauerteig, Joghurt, Mehl, Wasser, Salz und ein Hauch Hefe sind die Basis. Du weißt genau, wann der Teig richtig ist, riechst die perfekte Temperatur, fühlst die Bindung, erspürst die Elastizität. Ab in die Schüssel, die Gehzeiten einhalten, Dehnen, Falten, Wärme, Kälte, Routine.
Das Kind kommt. Welch Freude. Wie schnell die Zeit vergeht. Wann wird sie da sein, ist die Bahn pünktlich, das Brot grad aus dem Ofen, verführerisch duftend wird es den Sturz aus dem Topf, in dem sonst der Familieneintopf zubereitet wird, wie immer überstehen. Resch und splitternd wird die feine Kruste sein, dieses unbeschreibliche Ausnahme-Geräusch, wenn die erste viel zu dicke dampfende Brotscheibe heruntergeschnitten wird, die Butter darauf schmilzt. Ihre Augen werden leuchten und ein feines »Hmmmm« wird über ihre Lippen kommen, Schritte eilen in die Küche und innige Zufriedenheit schlägt dir entgegen, wenn du gegen alle Vernunft dieses warme, wohlriechende Brot aufschneidest, die Butter auf die Scheibe streichst und das Salz in der Mühle nur über dem Brot ausschüttelst und nicht an dem Mahlwerk drehst …
Das ist Liebe pur – und köstlich.

Es kann Weihnachten sein, muss es aber nicht. Eine Zeit für die Familie, für Gespräche und Zeit für Brot. Darf man auch eine Kerze auf den Brotlaib stecken? Dir wäre danach. Du lässt es und lächelst, weil alles gut ist. Alle sind da. Was braucht es mehr Lametta …


Autor*in: Doro                    Blog: Doro|Art


Adventüden 2022 01-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

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68 Kommentare zu “01.12. – Deine Zeit | Adventüden

  1. Guten Morgen Zusammen, 1. Dezember – erste Türchen öffnen… jetzt geht es unaufhaltsam dahin. Ich bin sehr froh, dabei sein zu dürfen und wünsche einen schönen Tag mit vielleicht auch der leckersten Nebensache der Welt, einem Stück Brot.

    Gefällt 6 Personen

    • Hallo Werner,
      Brot für die Woche, so ist es bei mir (ohne Tochter) auch. Ich backe einmal die Woche. Wenn sie da ist häufiger, da behalte ich fest den Brotleib im Auge, ich brauch ja wenn dann Vorlauf. Lach.

      Gefällt 3 Personen

  2. Vielen Dank für sooo viel Miterleben. Es war mir ein großes Vergnügen. Gerade nach ein Paar Ballett „Passagen“ in der Oper ist das Lesen der späten wunderbaren anerkennenden Kommentare ein grandioser Abschluss. Wie das Gläser einsammeln nach einem Fest. Dankeschön. Jetzt freu ich mich auf Morgen und dann den nächsten Morgen… und auf all die wunderbaren Adventüden. Danke Christiane für diese wunderbare Plattform – ein Ort der Begegnung.
    Gute Nacht!

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen, liebe Doro, das freut mich sehr, dass all die Reaktionen auf deine wunderschöne Adventüde so ein wohliges Gefühl bei dir hinterlassen haben. So soll es sein!
      Herzliche Morgenkaffeegrüße ☁️🕯️☕🍪👍

      Gefällt 1 Person

  3. Wie schön! Du hast mir ganz viele Erinnerungen geschenkt – meine im September verstorbene Mama hat in ihren guten Zeiten immer Brot frisch gebacken für den Weihnachtsabend…leckeres Bauernbrot mit toller Kruste. Wunderschön geschrieben, danke!

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    • Hallo, das berührt mich jetzt sehr. Erinnerungen sind so kostbar. Vielleicht solltest Du von nun an das Brot backen, damit dieses wunderbare Ritual bleibt. Es wäre es wert. Wenn Du Sauerteig oder sonst etwas brauchst – aber wahrscheinlich ist ihr Rezept vorhanden.
      Vielen Dank dass Du Deine Erinnerungen auch mit mir teilst. LG Doro

      Gefällt 1 Person

  4. Frisches Brot. Bei mir gibt es das immer dienstags. 😊
    Aber ich kann mich sehr in deine Adventüde einfühlen. Wenn auch erst zwei Wochen später, weil ich so säumig bin.
    Danke für deine Geschichte. Jetzt habe ich frischen Brotduft in der Nase. 🌼

    Gefällt 2 Personen

  5. Pingback: Weihnachtspause | Irgendwas ist immer

  6. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 02*03*23 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

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