Vom Miteinander (2)

WIE MACHEN WIR UNS GEGENSEITIG DAS LEBEN LEICHTER?

Wir haben zu großen Respekt vor dem,
Was menschlich über uns himmelt.
Wir sind zu feig oder sind zu bequem,
Zu schauen, was unter uns wimmelt.

Wir trauen zu wenig dem Nebenuns.
Wir träumen zu wenig im Wachen.
Und könnten so leicht das Leben uns
Einander leichter machen.

Wir dürften viel egoistischer sein
Aus tierisch frommem Gemüte. –
In dem pompösesten Leichenstein
Liegt soviel dauernde Güte.

Ich habe nicht die geringste Lust,
Dies Thema weiter zu breiten.
Wir tragen alle in unsrer Brust
Lösung und Schwierigkeiten.

(Joachim Ringelnatz, Wie machen wir uns gegenseitig das Leben leichter?, aus: Flugzeuggedanken, Berlin 1929, Online-Quelle)

Es gehört nicht viel dazu

Es gehört nicht viel dazu
Einander glücklich zu machen:
Ein bißchen Liebe nur
Und ein befreiendes Lachen
Und die Klugheit, zu wissen,
Daß wir lauter Bettler sind,
Die von Pfennigen leben müssen,
Die man am Weg gewinnt.

(A. de Nora, Es gehört nicht viel dazu, aus: Hochsommer, Neue Gedichte. 1912, Online-Quelle, Quelle unbestätigt)



Quelle: Pixabay

Ich habe es letzte Woche schon geschrieben: Normalerweise veröffentliche ich keine zwei Beiträge an einem Tag, damit sie sich untereinander keine Konkurrenz machen, speziell bei den Adventüden möchte ich das nicht. Aber weil mein Herz daran hängt, will ich euch so ganz ohne Gedicht(e) dann doch nicht in/durch die Woche entlassen.

Hier geht es zur Adventüde von heute.

 

24 Kommentare zu “Vom Miteinander (2)

  1. Danke, dass du die wöchentliche Dosis Dichtung weiterverabreichst. Diese Strophe:

    „Wir dürften viel egoistischer sein
    Aus tierisch frommem Gemüte. –
    In dem pompösesten Leichenstein
    Liegt soviel dauernde Güte.“

    hat ins Schwarze getroffen (und ich meine hierbei nicht meinen dampfenden heißen Kaffee 🙂 Steine haben mich schon immer mit ihrem Gleichmut und ihrer soliden Loyalität beeindruckt. Felsen in der Brandung eines lebenden Lebens. Schön, mit Rückenwind in die Woche! Herzliche Grüße!

    Gefällt 3 Personen

  2. [Karin hatte hier ein Gedicht (Werner Söllner, „Liebende“) gepostet, das nach Urheberrecht nicht stehen bleiben darf, der Dichter ist erst 2019 gestorben. Ich habe es in einer Besprechung gefunden, geht bitte dort kurz lesen, es lohnt sich.]

    http://www.planetlyrik.de/jochen-hieber-zu-werner-soellners-gedicht-liebende/2021/11/

    Ich hoffe, Du kannst es stehenlassen – Copyright? Es fiel mir nur zu Deinem Miteinander ein..
    Lieber Montagsgruß zu Dir und in die Runde, Karin

    Gefällt 2 Personen

    • Kann ich nicht, liebe Karin, tut mir leid, aber ich habe es auf einer Seite gefunden, von der ich glaube, dass die es veröffentlichen dürfen … 😉
      Vielen lieben Dank und ganz herzliche Grüße in die Schweiz! 🌧️🕯️🕯️☕🍪👍

      Gefällt 1 Person

  3. Wundervoll ausgesucht, liebe Christiane!
    Alle beide sind so gut, daß Worte dazu gar nicht mehr notwendig sind.
    Ringelnatz ist ein Künstler im nur scheinbar leichten poetischen Formulieren.
    A. d. Nora kenne ich gar nicht, aber ich denke hier an eine Frau und weiß nicht recht, wieso.
    Feine Worte von ihr, die einfach klingen und doch von einer so schwierigen Melodie singen…

    Liebe Grüße, mal wieder in den späten Abend von Bruni

    Gefällt 1 Person

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