Balladenwochenende: Belsazar – Gewogen und zu leicht befunden

Bel-šarru-uṣur (auch Belsazar; griechisch Baltạsar) war ein babylonischer Kronprinz, der von 552 bis 543 v. Chr. die Regierungsgeschäfte führte. Sein Name bedeutet: „Bēl (Baal) beschütze den König“. Belsazar nun kommt auf die Idee, sich bei einem großen Fest zu besaufen und dann aus den schicken heiligen Gefäßen, die sein Vater aus Jerusalem geraubt hat, weiterzutrinken und seine eigenen Götter hochleben zu lassen. Götter zu ver…eiern war immer schon eine schlechte Idee, die reagieren dann oft komisch, und der, dem die Gefäße gehören, ist keine Ausnahme. Es erscheint eine geisterhafte Hand ohne Körper und schreibt geheimnisvolle Worte an die Wand, die keiner versteht. Belsazar erschrickt tierisch und verspricht Gold und Macht demjenigen, der ihm vorlesen und deuten kann, was da steht. Schließlich schafft man einen jüdischen Weisen namens Daniel zu ihm, der ihm erklärt, an der Wand stünde „Mene mene tekel u-parsin“: „Gezählt, gewogen (und zu leicht befunden) und zerteilt.“ Belsazar hält sein Versprechen Daniel gegenüber, wird aber noch in der gleichen Nacht ermordet (Quellen: Belsazar und Menetekel, beides Wikipedia). Sein Reich fällt an die Perser.

Ja, das ist eine biblische Geschichte (Daniel 5, 1–30), aber darauf will ich jetzt gar nicht hinaus, das ist mir sogar ziemlich egal. Aus der Bibel zu stammen erklärt nur, wieso dieses Motiv der Hand, die geisterhaft irgendwelche Wahrheiten an die Wand schreibt, die erst mal keiner versteht, bzw. der Schrift an der Wand so ungeheuer populär werden konnte. Sozusagen der Ursprung von allem „Dumm gelaufen“.

Rembrandt van Rijn [Public domain], via Wikimedia Commons

Rembrandt van Rijn [Public domain], via Wikimedia Commons

Ungeheuer bekannt ist Rembrandts Gemälde, „Das Gastmahl des Belsazar“ (hier mehr Info). Belsazar oder die Hand oder die Schrift an der Wand tauchen bei ungeheuerlich vielen Gelegenheiten (nicht nur) in der deutschen Geistesgeschichte auf. Eine davon ist die Ballade, bei der ich jetzt endlich gelandet bin.

 

Heinrich Heine: Belsatzar (Quelle)

Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.

Nur oben, in des Königs Schloß,
Da flackert’s, da lärmt des Königs Troß,

Dort oben, in dem Königssaal,
Belsatzar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reih’n,
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht’;
So klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Muth.

Und blindlings reißt der Muth ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech, und lästert wild;
Die Knechtenschaar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Geräth auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand’.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund,
Und rufet laut mit schäumendem Mund:

Jehovah! dir künd’ ich auf ewig Hohn, –
Ich bin der König von Babylon!

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward’s heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Da kam’s hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und todtenblaß.

Die Knechtenschaar saß kalt durchgraut,
Und saß gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsatzar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.

 

Bemerkenswert sind die Abweichungen von der biblischen Geschichte am Ende. Offensichtlich ging Heine davon aus, dass seinen Lesern die Geschichte so vertraut war, dass er gar nicht mehr andeuten musste, was an der Wand stand: Beispielsweise das Scheitern des politischen Systems, in dem er lebte, denn Belsazar ward ja in selbiger Nacht … eben. Heine schrieb die Ballade 1827; und „gewogen und zu leicht befunden“, dieses Gefühl habe ich dieser Tage oft an allen Ecken und Enden, nur das Vertrauen, dass alles besser wird, mit Umsturz oder ohne, das fehlt mir grundlegend. Aber ich bin ein grimmiger Optimist, was das angeht: Aufgeben ist auch keine Lösung.

Es gibt einige moderne Adaptionen der Ballade, von denen ich persönlich die von Achim Reichel am liebsten mag (und am besten kenne) (und online nicht finde), zurzeit höre ich mich aber gerade in Händels „Belshazzar“-Oratorium ein.

Hier ist also der freundliche Herr Stavenhagen (und nein, ich finde Vogelfrey und JDD nicht besser)

 

 

Blog goes Ballade | 365tageasatzaday

 

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Aufruf! Balladenwochenende: Die Brück‘ am Tay

Balladen sind, kurz erklärt, Romanhandlungen in einem Gedicht zusammengefasst. Das macht das Gedicht in der Regel länger, jawohl, und zumindest wenn es eine klassische Ballade ist, macht es das Gedicht auch gereimt, auf jeden Fall gibt es so etwas wie ein Versmaß. Und meist ist es dramatisch (was sehr oft wörtliche Rede bedeutet), womit es dann erstens (hoffentlich) nicht langweilig ist und zweitens gleich drei Literaturgattungen vereint: Lyrik, Epik, Drama.

Klingt eigentlich ganz nett? Ist es auch. Wäre es noch viel mehr, wenn nicht ungezählte Schüler/innen in ungezählten Jahrgängen damit geplagt worden wären, eines dieser Trümmer auswendig lernen und aufsagen zu müssen. Ich hatte auch diese Sorte Lehrer, die einem alles versauen können. Bei mir haben sie es nicht geschafft, aber wenn ich Balladen nicht vorher schon gekannt und geliebt hätte, wäre es knapp geworden. Ich vermute mal, ihr habt da eigene Geschichten.

Daher und auch, weil es ein grau-weißer, kalter, stürmischer Freitag der 13. im Winter ist und ich finde, dass wir alle „Lieder vor dem Ofen zu singen“ brauchen und singen sollten, damit die Welt bunt bleibt, mein Aufruf an euch: Macht mit beim Balladenwochenende! Füllt drei Tage lang eure Blogs mit Balladen! Postet eure Lieblingsballaden bei euch, stoßt ein Fenster in andere Welten auf, erzählt, warum ihr diese Ballade besonders liebt oder hasst oder was euch mit ihr verbindet! Ich freue mich, wenn mein Bildchen benutzt wird und/oder ihr hierher verlinkt, aber das steht euch natürlich völlig frei.

 

Blog goes Ballade | 365tageasatzadayQuelle: Bild Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Meine Freitags-Ballade, die mich damals unglaublich beeindruckt hat, basiert auf einem wahren Vorfall.

 

Theodor Fontane: Die Brück‘ am Tay (Quelle)

(28. Dezember 1879)
When shall we three meet again?
Macbeth

»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«
»Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.«
»Am Mittelpfeiler.«
»Ich lösche die Flamm.«
»Ich mit.«

»Ich komme vom Norden her.«
»Und ich vom Süden.«
»Und ich vom Meer.«

»Hei, das gibt einen Ringelreihn,
Und die Brücke muß in den Grund hinein.«

»Und der Zug, der in die Brücke tritt
Um die siebente Stund’?«
»Ei, der muß mit.«
»Muß mit.«

»Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand!«

Auf der Norderseite, das Brückenhaus —
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu,
Sehen und warten, ob nicht ein Licht
Übers Wasser hin »Ich komme« spricht,
»Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
Ich, der Edinburger Zug.«

Und der Brückner jetzt: »Ich seh’ einen Schein
Am anderen Ufer. Das muß er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
Unser Johnie kommt und will seinen Baum,
Und was noch am Baume von Lichtern ist,
Zünd’ alles an wie zum heiligen Christ,
Der will heuer zweimal mit uns sein, —
Und in elf Minuten ist er herein.«

Und es war der Zug. Am Süderturm
Keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
Und Johnie spricht: »Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
Die bleiben Sieger in solchem Kampf.
Und wie’s auch rast und ringt und rennt,
Wir kriegen es unter, das Element.

Und unser Stolz ist unsre Brück’;
Ich lache, denk’ ich an früher zurück,
An all den Jammer und all die Not
Mit dem elend alten Schifferboot;
Wie manche liebe Christfestnacht
Hab’ ich im Fährhaus zugebracht
Und sah unsrer Fenster lichten Schein
Und zählte und konnte nicht drüben sein.«

Auf der Norderseite, das Brückenhaus —
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu;
Denn wütender wurde der Winde Spiel,
Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel’,
Erglüht es in niederschießender Pracht
Überm Wasser unten… Und wieder ist Nacht.

»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«
»Um Mitternacht, am Bergeskamm.«
»Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.«

»Ich komme.«
»Ich mit.«
»Ich nenn’ euch die Zahl.«
»Und ich die Namen.«

»Und ich die Qual.«
»Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.«
»Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand.«

 

Weshalb ich diese Ballade niemals völlig vergessen werde, hat mehrere Gründe. Das Unglück, über das Fontane berichtet, hat es wirklich gegeben, Fontane spricht „vom Einsturz der Firth-of-Tay-Brücke in Schottland am 28. Dezember 1879, der mit einem Eisenbahnzug 75 Menschen in den Tod riss. Die Firth-of-Tay-Brücke war 1871–1878 unter enormem Aufwand erbaut worden und bereits eineinhalb Jahre nach ihrer Eröffnung im Sturm zusammengebrochen“ (Quelle: Wikipedia, seht euch die Bilder an, ich zumindest war damals schon fassungslos).

Ferner ist diesem Gedicht ein Zitat aus Shakespeares „Macbeth“ vorangestellt. Ich will hier überhaupt keine Diskussion über Shakespeare vom Zaun brechen, seine Werke sind (mit anderen) das Fundament, auf dem die moderne Geistesgeschichte steht. Meine Erinnerung an Macbeth ist eine Off-Topic-Erinnerung an den Englischunterricht der Oberstufe, als wir das Teil ungelogen mindestens ein Jahr durchgekaut und alles, wirklich alles, durchdiskutiert haben. (Wir haben uns, trotz der Orson-Welles-Verfilmung, teilweise rechtschaffen gelangweilt. Der Parallelkurs hatte mit „Romeo und Julia“ mehr Glück.) Und drittens geht es um das Wirken von Hexen.

Ich habe schon immer ein Faible für Hexen gehabt. Ich fand es meist doof, wie sie in den Märchen wegkamen, ich hatte immer das Gefühl, dass da mehr dahintersteckte, als man mir erzählte. Auch Fontane benutzt Hexen hier nur scheinbar als Sündenböcke, in Wirklichkeit kritisiert er die Industrialisierung, die Fortschritts- und Technikgläubigkeit der Menschen, die glauben, die Macht der Naturgewalten (hier symbolisiert durch die Hexen, siehe Macbeth) bezwungen zu haben. Kommt mir als Thema heute immer noch sehr vertraut vor.

Und schließlich gibt es da noch Terry Pratchetts Eingangsszene zu „MacBest“.

Wind heulte. Blitze stachen ziellos herab, wie ein ungeschickter Mörder. Donner rollte über das dunkle, regengepeitschte Land. […] Mitten im elementaren Stürmen, neben tropfnassen Stechginsterbüschen, glühte Feuerschein wie Tollheit im Auge eines Wiesels. Das flackernde Licht fiel auf drei Gestalten. Es blubberte im nahen Kessel, und eine unheimliche Stimme kreischte: Wann soll’n wir drei uns wiedersehen?“
Eine kurze Pause folgte.
Schließlich erwiderte eine andere und weitaus normaler klingende Stimme: „Tja, ich hätte nächsten Dienstag Zeit.“

Willkommen auf der Scheibenwelt! Wer jetzt bildlich sehen möchte, worauf Terry Pratchett sich bezieht, klicke hier, dies ist die Eingangsszene von Macbeth in der grandiosen Verfilmung mit Orson Welles.

Reicht das? Das reicht. Also, ich freue mich darauf, eure liebsten Balladen zu lesen.

Und last but not least gibt es nach so viel Shakespeare noch ein Bröckchen Otto Sander zu herrlichen Bildern von William Turner.

 

 

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Aufruf: Jeder nur ein Kreuz! ;-)

Es gibt so ungefähr zwei Gelegenheiten, wo der Blogger an sich gern zur Nabelschau kommt und tiefsinnig wird, jedenfalls wenn er keinen reinen Themenblog hat. (Okay, irgendwas ist immer, aber das hatten wir ja schon.) Das eine ist der Jahreswechsel, das andere der Bloggeburtstag. Ja, ist denn heut schon Weihnachten? Also, ich war ja die letzten Monate nicht so wahnsinnig aktiv, aber DAS hätte ich gemerkt.

Ja, tatsächlich, mein zweites Jahr ist rum. Und was soll ich sagen: Es war ganz anders als das erste, wo ich noch mein 365-Tage-Projekt durchgezogen habe, was ich immer noch für eine gute Idee halte. Es war viel dunkler, im positiven wie im negativen weniger an der Oberfläche, aber es macht mir nach wie vor Spaß, mir etwas aus Herz und Hirn und schrauben und in fremde Vorgärten zu schauen … Und danke, dass ihr hier seid.

Dies ist mein 515. Beitrag, WP zählt über 11.000 Kommentare (und es ist mir verdammt egal, dass ich vermutlich die Hälfte davon selbst geschrieben habe) und über 280 Follower, wobei ich nicht weiß, wo die Zahl herkommt, denn liken oder schreiben tut nur ein Bruchteil davon. Nun.

Wenn man Geburtstag hat, darf man sich was wünschen. War doch so, oder? Also, ich wünsche mir …

… etwas, was euch fröhlich macht. Erzählt es, postet es. Hier oder bei euch.
Kann gern Musik sein … oder … aber: Jeder nur ein Kreuz!  😀

 

Ich leg schon mal vor. Ganz sicher besser gelaunt werde ich, wenn mir den großartigen Grandpa Elliott mit seinen Sachen aus dem „Playing for Change„-Projekt anhöre.

Hier ist „Down by the Riverside“. Und ihr so?

https://www.youtube-nocookie.com/embed/nQ1gHm8v3ek

 

Blog – 365tageasatzadayQuelle: meineArbeitmitPixabay-Fotos

 

Lied zum Tag: Die Sache mit dem Wunder

Ja, es ist genau das, was ihr jetzt befürchtet, und vermutlich ganz anders, als ihr denkt. Nein, mir geht es nicht schlecht, gar nicht.

Dennoch: Aus Gründen.

(Happy Birthday allen, die heute Geburtstag haben!)

 

 

Hier sind Infos zum Film („Die große Liebe“, 1942), und hier ist als Zugabe Nina Hagen mit einer frühen Coverversion  ;-):

 

 

Habt ihr noch andere Lieblings-Coverversionen von diesem unglaublichen Lied? Gern her damit!

 

Fernsehen bildet.

Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.

(Groucho Marx, zur Diskussion über das Original-Zitat bitte hier entlang)

Heute ist der Welttag des Buches. Was bedeutet, dass ich mit euch mein Lieblingsspiel spielen kann. Und der Geburtstag von Shakespeare und Nabokov sowie der Todestag von Cervantes und Wordsworth. Nun bin ich sicher, dass zu diesen Herren schon das meiste (und anderswo viel besser) gesagt ist, also ran an die Bücher!

  1. Nehmt das nächstliegende Buch.
  2. Schlagt es auf Seite 23 auf.
  3. Zählt den 4. Satz ab (wenn ihr keinen 4. Satz habt, nehmt die 4. Zeile).
  4. Postet den hier bei mir oder bei euch (dann wäre Verlinken nett).
  5. Schreibt BITTE dazu, aus welchem Buch es ist.
  6. So ihr im Umkreis Lübeck wohnt, besucht heute oder morgen DIE BUCHMACHER in der wunderschönen St. Petri-Kirche, und haltet eure Geldbeutel gut fest, denn das Angebot ist klein und fein und reichhaltig.

Ich habe letzteres gestern gemacht (es ging gestern schon los, ich weiß also, wovon ich spreche) und hatte die Freude, die Lesung von Jutta Reichelt zu sehen/zu hören und mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Auf meiner „Unbedingt“-Liste steht jetzt der Wunsch, sie noch mal zu sehen/hören, wenn sie ein bisschen mehr Zeit hat und eventuell noch Fragen beantworten kann. Unterdessen habe ich mit dem Wiederlesen der „Wiederholten Verdächtigungen“ begonnen. Daher ist mein Zitat zur obigen Aufgabe naheliegend:

Was ist denn eigentlich los bei euch, fragt sie und Katharina ärgert sich über den anmaßenden Ton und fragt zurück, was an Christoph komisch gewesen sei, als er Finn zurückgebracht hat.

(Jutta Reichelt, Wiederholte Verdächtigungen)

 

Widmung Reichelt Wiederholte Verdächtigungen – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, klar, oder?

 

Das Meer sehen

Da schlug eben bei Ulli der Satz „Einmal im Jahr muss man das Meer gesehen haben“ bei mir ein, und ich nicke zustimmend (ja, gilt auch für mich, die Nordsee ist mein Meer, einer meiner Sehnsuchtsorte, es ist immer ein Feiertag, wenn ich dort bin, auch bei 10 °C und Wind und Regen) … und in meinem Kopf singen Malediva los: Fast schon das Meer sehen.

Wenn man allein ist ist es ganz oft schwer den Lauf der Welt zu drehn
Dann braucht es einen der dir sagt: lass uns noch ein bisschen gehn
Denn von hier und hier von genau da wo wir stehn
Kann man fast schon das Meer sehn.

(Malediva, Fast schon das Meer sehen)

 

 

Ich wünsche euch einen beschwingten Tag, ob mit Meer oder ohne. Und falls ihr mögt, freue ich mich über eure Lieblings-Meer-Lieder.

 

Aufruf: Berühmte letzte Worte

In geliebten Büchern hat (vermutlich) jede/r seine Lieblingssätze, vielleicht sogar herausnotiert in eine schöne Kladde zur gefälligen Verwendung irgendwo, irgendwann. Da ich eine von denen bin, die Bücher buchstäblich bis zum Zerfallen wieder- und wiederlesen können (und ich habe nicht den Ehrgeiz, eine bestimmtes Lesepensum in meinem Leben zu schaffen, daher gönne ich mir Vorlieben, auch kitschige), kann ich manche Sätze mitsprechen. Das äußert sich dann so, dass ich sie ergänzen könnte. Oder gegebenfalls sogar aufsagen. Habe mir sagen lassen, dass „Passagen seitenweise zitieren“ früher ein Gesellschaftsspiel gewesen sein soll. Glückliche Zeit. Heute scheint mir das mit Filmen üblicher zu sein.

Ich bin jemand, der sich viel eher letzte Sätze merkt als erste, wie ich im Laufe der Zeit festgestellt habe.

Einer davon ist dieser:

Wenn es zwei absolvierten Universitätsmitgliedern gefiel, sich im New College Lane, unmittelbar unter den Fenstern des Rektors – und auch noch im Talar! – innig und leidenschaftlich zu umarmen, war er dagegen machtlos. Er rückte geziert sein weißes Beffchen zurecht und setzte unbeachtet seinen Weg fort; und keine Hand zupfte an seinem samtenen Ärmel.

Das ist der Schluss von Aufruhr in Oxford von Dorothy Sayers, und dass ich dieses Buch sehr mag, habe ich hier bereits vor Längerem kundgetan. Worüber ich erst vor relativ kurzer Zeit zu meiner großen Freude gestolpert bin, ist die Webseite eines amerikanischen Autors namens Bill Peschel. „Welcome to one fan’s attempt to understand the references — literary, historical and otherwise — in the Lord Peter Wimsey mystery stories by Dorothy L. Sayers.“
Den meisten, die die Bücher gelesen haben, wird aufgefallen sein, dass Sayers bzw. Wimsey ständig zitieren. Manche Zitatquellen sind relativ leicht herauszufinden, andere nicht. Vor allem, wenn man mit den Originalen nicht so vertraut ist (wie ich), ist diese Webseite eine Schatzkiste.

Wie ist es bei euch? Schenkt mir die letzten Sätze/den letzten Satz eines Lieblingsbuchs! Und schreibt (vielleicht) dazu, warum ihr das Buch so mögt!

Spot on Oxford – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay | Pixabay

 

Habt ein entspanntes Wochenende!

 

Update: Man ließ mich wissen, es sei doch schade, dass die wunderschönen Sätze in den Kommentaren verschwänden. Stimmt. Hier sind sie (lest den Kontext in den Kommentaren):

„Am Ende ist es immer das Fälligste, was uns zufällt.“ (Max Frisch, Tagebücher 1946-1949, gespendet von Siegbert Scheuermann).

„An deinen Augen sah ich, du hattest mich begriffen. Einen Helden kann ich nicht lieben. Deine Verwandlung in ein Standbild will ich nicht miterleben.“ (Christa Wolf, Kassandra, gespendet von rohva).

„Und wehrt dem Wind und wächst entgegen | Der einen Nacht der Herrlichkeit.“ (Rilke, Advent, gespendet von piksyn).

„Und von diesem Augenblick an wissen wir nichts mehr.“ (Paul Auster, Schlagschatten)
„Und wohin immer er verschwunden sein mag, ich wünsche ihm Glück.“ (Paul Auster, Stadt aus Glas)
„Ich kam bei der letzten Seite an, als der Zug gerade abfuhr.“ (Paul Auster, Hinter verschlossenen Türen. Alle drei gespendet von koriandermadame.)

„Gut gesagt! Recht gut!“ sagte Candide, „allein, wir müssen unseren Garten bearbeiten.“ (Voltaire, Candide oder der Optimismus, beigesteuert von ©lz, dem ich sowieso Dank als Ideenpate schulde, da ich sein „Letzter-Satz-Thema“ aufgreife.

„Uns an einen Traum zu erinnern, ist fast so schwierig, wie mit der Hand einen Vogel zu fangen. Aber manchmal kommt der Vogel ganz von alleine und setzt sich auf unsere Schulter.“ (Jostein Gaarder, Hallo, ist da jemand?, gespendet von Bruni).

„Und wir müssen alles daransetzen, im Lauf unseres Lebens diese schöpferische Eigenschaft der sinnlichen Wahrnehmung zu erhalten: sehen, hören, beobachten, zuhören, berühren, streicheln, spüren, riechen, schmecken, Lust haben auf alles, auf die anderen, auf das Leben.“ (Francoise Héritier, Das ist das Leben!, gespendet von Marion).

„Die Feuerwehr wäre lange unterwegs“, entgegnete wortkarg der Arzt. „Er“ [der Rauch] „kommt aus Amerika. Der Wind bläst ihn herüber.“ (John Brunner, Schafe blicken auf, Roman (Original: The sheep look up), gespendet von Bernd).

„Oui. – Il faut cultiver son jardin.“ (Voltaire, Candide)
„Und dahinter lag ein neues Feld. Mit schönen geraden Linien und viel Platz für ein neues Spiel.“ Andreas Izquierdo, Das Glücksbüro)
„Es heißt: Wer lange genug wartet, kann König werden.“ (Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil, alle drei gestiftet von Ingrid).

„Im Frieden bereite dich auf den Krieg vor, im Krieg bereite dich auf den Frieden vor.
Die Kunst des Krieges ist für den Staat von entscheidender Bedeutung. Sie ist eine Angelegenheit von Leben und Tod, eine Straße, die zur Sicherheit oder in den Untergang führt. Deshalb darf sie unter keinen Umständen vernachlässigt werden.“ (Sun Tsu, Die Kunst des Krieges, beigesteuert von ickemich).

„Und ich füge meine eigene Liebe der Geschichte der Menschen hinzu, die schöne Dinge geliebt und auf sie geachtet und sie aus dem Feuer gezogen und sie gesucht haben, als sie verloren waren, und die sich bemüht haben, sie zu erhalten und zu bewahren, während sie sie buchstäblich von Hand zu Hand weiterreichten, strahlend singend aus den Trümmern der Zeit zur nächsten Generation von Liebenden und zur nächsten.“ (Donna Tartt, Der Distelfink, gespendet von Karin).

 

Lieder zum Donnerstag

Da bitte ich ganz harmlos darum, mir Lieder mit den Wochentagen im Titel zu nennen, und was passiert? Etwas, womit ich nie gerechnet hätte, schaut gestern in die Kommentare: Herr Ärmel öffnet seinen Fundus, genannt sein „Musikalarchiv“, und überschwemmt mich mit einer Liste (und heute früh nochmal mit einem Nachschlag zum Frühstück). Zusammen mit der Aufzählung von Bernd von Red Skies over Paradise könnte ich meinen Bauchladen eigentlich nun schließen und die nächste Zeit Musik hören, speziell sonntags. 🙂 Schönen Dank, das ist viel viel mehr, als ich jemals erwartet hatte.

Also möchte ich euch aufrufen, mir (aus dieser Liste oder neu, gern deutsch und nein, keine Schlager, hallo Birgit, ich ziehe die Grenze bei Howie) eure Lieblingslieder mit einem Wochentag im Titel zu nennen.

Meine Lieder zum Donnerstag wusste ich allerdings schon, bevor Herr Ärmel und Bernd damit rüberkamen.

Es sind David Bowie, der Unvergleichliche, mit Thursday’s Child (ein Titel der sich, wie er erzählt, auf eine Autobiographie von Eartha Kitt bezieht)

 

und Jim Croce mit Thursday, von dem ich früher Lieder wie Time in a bottle bis zum Abwinken gehört und mitgesungen habe. Hier ist ein Link zu seinem Greatest-Hits-Album. Und obwohl er schon 1973 im Alter von 30 Jahren bei einem Flugzeugabsturz starb, unterhält seine Familie eine Webseite für ihn: jimcroce.com

 

 

Lieder zum Mittwoch

Ich suche Songs/Lieder mit den Wochentagen im Titel (eigentlich), kennt ihr welche? Heute: Mittwoch. Wenn ich die Idee vor zwei Tagen schon gehabt hätte, hätte ich mit Montag angefangen, aber der nächste Montag kommt bestimmt. Natürlich hab ich schon mal angefangen rauszusuchen, aber unter der Woche sind die erheblich dünner gesät als am Wochenende.

Hier sind zwei Mittwochs-Lieder über das Verlassen: Simon & Garfunkel mit Wednesday Morning 3 AM (hier ist der Original-Songtext)

 

und die Beatles mit She’s leaving home

 

das mit den unsterblichen Zeilen beginnt

Wednesday morning at five o’clock | As the day begins | Silently closing her bedroom door | Leaving the note that she hoped would say more (Quelle)
(Mittwoch morgens um 5 Uhr früh | als der Tag beginnt | schließt sie leise ihre Schlafzimmertür | hinterlässt den Brief, von dem sie hofft, dass er mehr aussagt (meine Übersetzung))

Würde mich freuen, wenn ihr was beizusteuern hättet. Die anderen Wochentage kommen auch noch 🙂

 

Aufruf: Verschämte Musik

Schiebt es auf die Hitze. Oder auch nicht. Es ist nicht zu leugnen, dass sich der Titel dieses Beitrags an Birgits „Verschämten Lektüren“ aufhängt (und ich habe selbst nicht geglaubt, WIE VIELE ich davon kannte). Aber nachdem ich gestern bei Kall „Sunny“ (von Boney M) wiederentdeckte, mich an meine Begeisterung dafür erinnerte (ich glaube, dass die zugehörige Platte eine der ersten war, die ich besaß), dachte ich: Hm, andere haben doch bestimmt auch musikalische Leichen im Keller? Also Stücke, die ihr damals auswendig (oder so) konntet, aber die heute beim besten Willen eigentlich nur noch ein schamhaftes Erröten bei euch auslösen?

Zur Verteidigung möchte ich anführen, dass bei meiner Freundin und bei uns in der Küche halt immer ein „Hausfrauen- und Schlagersender“ im Radio lief, ich „Geschmack“ mit „Essen“ verband und Fernsehen, zumindest was Musik betraf, noch keine Rolle in meinem Leben spielte.

Und ihr so? 😉 Ich bin sehr gespannt …

 

 

 

 

Aufruf: Städtehymnen

Da verlinkt Bernd auf Grönemeyers „Luxus“ und ich bekomme sein „Bochum“ nicht mehr aus dem Ohr. Ich war noch nie dort, aber das Lied ist eigentlich der Inbegriff einer modernen Städtehymne für mich. Spontan fällt mir auch „Dickes B“ von Seeed als Berliner Lied ein.

Und dann habe ich mich gefragt: was kenne ich eigentlich von Hamburg an Städtehymnen? Okay, Hans Albers und Udo Lindenberg besingen die Reeperbahn, schon klar, kennt jeder, muss ich hier nicht. Jan Delay muss man kennen, Fettes Brot.

Klassiker sind so Sachen wie An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüddelband (neu mit Jan Fedder und Ina Müller), aber eigentlich bin ich bei den Fußball-Hymnen hängengeblieben:

Hans Albers besingt „Das Herz von St. Pauli“ und Lotto King Karl „Hamburg meine Perle“.

Hamburger(innen), was denkt ihr, was in diese Aufzählung noch rein muss? Auswärtige, was für Städtehymnen kennt ihr und habt ihr so?

 

 

 

Fotoaufruf: Landschaften der Seele

Jede Landschaft hat ihre eigene, besondere Seele, wie ein Mensch, dem du gegenüber lebst.

(Christian Morgenstern, Quelle)

Ich lebe, wie immer wieder mit wachsender Begeisterung breitgetreten, in Hamburg. Und ich kann nicht anders: ich gerate bei dieser platten Landschaft hier oben in Verzückung, selbst wenn ich es anderswo auch schön finde.

Daher wollte ich euch um Bilder eurer Landschaften bitten. Muss ja nicht so ein Streifenbild sein wie das meinige, dessen Bilder alle aus Nordfriesland stammen. Haltet einfach ein Handy aus dem Fenster … oder so. Und/oder schreibt mir, warum ihr das so schön findet, dort wo ihr lebt, falls ihr Worte dafür habt.

Ich freue mich.

Und selbstverständlich könnt ihr es auch so machen wie der hochgeschätzte Herr Ickemich mit eigenem Post (mit plattem ostfriesischem Land) und die zauberhafte Frau Cuervo von den TwoNovelists mit zwei Sonnen-und-Landschaftsfotos, die beide zu mir gelinkt haben: HIER. Und HIER. Und danke!

Neu verlinkt (19.06.2015) hat mich Ingrid mit Bildern aus der Eifel. Sehr sehr sehenswert! Danke!

Neu (19.06.2015) Bilder aus dem Garten von Anna-Lena. Wunderschön! Danke!

 

Fischkoppland – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst,  aber sowas von