Vom Glück (und) der Liebe

Erinnerung.

Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.

(Johann Wolfgang von Goethe, Erinnerung, aus: Gedichte (Ausgabe letzter Hand, 1827), Online-Quelle)

15.

Du hattest kein Glück, und ich hatte keins;
wir nahmen einander, nun haben wir eins.
Wo haben wir es denn hergenommen?
Es ist vom Himmel auf uns gekommen.

(Friedrich Rückert, Du hattest kein Glück, in: Vierzeilen, Zweites Hundert, aus: Gesammelte Gedichte, Zweiter Band, 1836, Online-Quelle)

[Das Glück ist dieses]

Das Glück ist dieses: Beieinander ruhen,
schweigsam als wie gebettet in den Abend,
und Horchen ist es auf den Ton,
den meine Seele nächtlich deiner singt.

(Walter Calé, Das Glück ist dieses, aus: Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, 1910, Online-Quelle)

Die Nicht-Gewesenen.

Über ein Glück, das du flüchtig besessen,
Tröstet Erinnern, tröstet Vergessen,
Tröstet die alles heilende Zeit.
Aber die Träume, die nie errung’nen,
Nie vergeß’nen und nie bezwung’nen,
Nimmer verläßt dich ihr sehnendes Leid.

(Isolde Kurz, Die Nicht-Gewesenen, aus: Gedichte, 1888, Online-Quelle)

Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Thür noch Riegel,
Und dringt durch Alles sich;
Sie ist ohn’ Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel,
Und schlägt sie ewiglich.

(Matthias Claudius, Die Liebe, aus: ASMUS omnia sua SECUM portans oder sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen, Sechster Theil, 1797, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Nein, ich bin nicht der Meinung, dass man nur zu zweit glücklich werden kann, aber ich mochte die Zartheit der Gedichte so. Kommt gut und fröhlich in und durch die neue Woche! 🙂

 

Von der Sehnsucht

Ich sehne mich den ganzen Tag

Ich sehne mich den ganzen Tag
Nach einer Stunde Müßiggang,
Nach einem kleinen Winkelchen
Fern allem Lärm und Tagesdrang;

Nach einer Stunde, da mein Herz
Die schönen Worte ungestört
Und Alles, was du mir gesagt,
Süß im Geheimen wieder hört.

(Frieda Port (Info), Ich sehne mich den ganzen Tag, aus: Tagebuchblätter, in: Gedichte, 1888, Online-Quelle)

Erwacht

Warum hast du’s angerufen –
Schlief es doch so fest und still!
Da es nun in mir erwachte,
Weiß ich nicht, was werden will!

Mit den großen Sehnsuchtsaugen
Schaut’s in jeden Tag hinein …
Lieder sing’ ich, müde Lieder,
Doch es schläft nicht wieder ein!

(Anna Ritter, Erwacht, aus: Es grub der Tod ein Kämmerlein, in: Befreiung, 1900, Online-Quelle)

Abendstimmung

Glühendrot der Sonnenball
will ins Meer versinken,
und die Fluren überall
Tau und Frieden trinken;
leise wiegt die Knospe sich
an dem braunen Zweige . . . .
Traumhaft kommt sie über mich,
Sehnsucht tief und wunderlich,
geht der Tag zur Neige.

(Clara Müller-Jahnke, Abendstimmung, aus: Alte Lieder, in: Gedichte, 1910, Online-Quelle)

Meine Sehnsucht …

Meine Sehnsucht ist ein dunkles Boot,
Löst vom Strande sich im Abendrot.

Deine Sehnsucht ist ein weißer Schwan,
Mondenschimmer ruht auf seiner Bahn.

Einmal finden auf der blauen Flut
Sich die beiden. Dann ist alles gut …

(Ernst Goll (Wikipedia), Meine Sehnsucht …, aus: Im bitteren Menschenland: Das gesammelte Werk, 1914, 2012, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Stimmungsding, kein konkreter Anlass. Kommt gut und heil in und durch die neue Woche! 🙂

 

Von Raben, Liebe und Tod

Volkslied. Aus dem Schottischen

Ich schweifte umher so ganz allein
Da hört ich zwei Raben schaurig schrein,
Der eine wohl zu dem andern sprach:
Wo finden wir Atzung diesen Tag?
Ich weiß, dort hinter dem faulen Bruch
Liegt ein Ritter erschlagen, frisch genug,
Keine Seele hat ihn dort liegen sehn,
Nur sein Falke sein Hund und sein Liebchen schön.
Sein Hund der ist nun jagen gangen,
Es will der Falk die Waldvögel fangen,
Das Liebchen hat einen andern erkohren,
Bleibt uns die Mahlzeit doch unverlohren.
Du magst sitzen ihm auf der weißen Brust,
Die süßen blauen Augen pick ich mit Lust,
Eine Locke von seinem goldnen Haar
Flicht das Nest uns aus wenns zerrissen war.
Wohl mancher spricht um ihn traurendes Wort,
Wo er lieget soll keiner wissen den Ort,
Ueber die Knochen wenn nackt und bleich sie sind
Soll ewig hinfahren der kalte Wind.

(Carl August Heinrich Zwicker, Volkslied. Aus dem Schottischen, Original v. Walter Scott, The Twa Corbies (ersch. 1806), aus: Wünschelruthe, 1818, Online-Quelle, Scott: Online-Quelle)

Die beiden Raben

Durch die Luft ein Rabe krächzt,
Hungermüd nach Labung lechzt,
Fragt er einen andern Raben:
Werden wir heut Speise haben?

Und der andre Rabe spricht:
Heut an Speise fehlt es nicht:
Tod im Feld, am Waldessaume,
Liegt ein Ritter unter’m Baume.

Wer, warum man ihn erschlug?
Weiß der Falk nur, den er trug,
Weiß des Ritters schwarzes Roß nur
Und sein junges Weib im Schloß nur.

Flog der Falk zum Walde fern,
Blieb das Roß dem Feind des Herrn?
Und die Frau harrt ihres Lieben,
Aber deß nicht, der geblieben …

(Alexander Puschkin, Die beiden Raben, aus: Alexander Puschkin’s Poetische Werke, aus dem Russischen übersetzt von Friedrich Bodenstedt, Erster Band: Gedichte. 1854. Online-Quelle)

Ein russisches Lied

Der Rabe fliegt zum Raben dort,
Der Rabe krächzt zu dem Raben das Wort:
Rabe, mein Rabe, wo finden wir
Heut unser Mahl? wer sorgte dafür?

Der Rabe dem Raben die Antwort schreit:
Ich weiß ein Mahl für uns bereit;
Unterm Unglücksbaum auf dem freien Feld
Liegt erschlagen ein guter Held.

Durch wen? weßhalb? – Das weiß allein,
Der sah’s mit an, der Falke sein,
Und seine schwarze Stute zumal,
Auch seine Hausfrau, sein junges Gemahl.

Der Falke flog hinaus in den Wald;
Auf die Stute schwang der Feind sich bald;
Die Hausfrau harrt, die in Lust erbebt,
Deß nicht, der starb, nein, deß, der lebt.

(Adalbert von Chamisso, Ein russisches Lied/Die zwei Raben, 1838, in: Der Deutsche Musenalmanach 1839, Online-Quelle, Online-Quelle)

Die zwei Raben.

Ich ging über’s Haidemoor allein,
Da hört ich zwei Raben kreischen und schrein;
Der eine rief dem andern zu:
„Wo machen wir Mittag, ich und Du!“

„Im Walde drüben liegt unbewacht
Ein erschlagener Ritter seit heute Nacht,
Und niemand sah ihn in Waldesgrund,
Als sein Lieb und sein Falke und sein Hund.

Sein Hund auf neuer Fährte geht,
Sein Falk auf frische Beute späht,
Sein Lieb ist mit ihrem Buhlen fort, –
Wir können speisen in Ruhe dort.

Du setzest auf seinen Nacken dich,
Seine blauen Augen, die sind für mich,
Eine goldene Locke aus seinem Haar
Soll wärmen das Nest uns nächstes Jahr.

Manch einer wird sprechen: ich hatt’ ihn lieb!
Doch keiner wird wissen, wo er blieb,
Und hingehn über sein bleich Gebein
Wird Wind und Regen und Sonnenschein.“

(Theodor Fontane, Die zwei Raben, aus: Gedichte (1905), Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Da unterhalte ich mich mit Werner bei seiner Etüde über Raben und denke mir, ich könnte ja mal nach Raben-Gedichten schauen. ICH mag Raben nämlich (Krähen auch), sie sind intelligent und gelehrig und, und, und. Die Dichter früher scheinen das allerdings ganz anders gesehen zu haben: Schwarze Vögel brachten Unglück. Daher findet man eigentlich nur Gedichte mit Raben, die mit Tod und Unglück in Verbindung stehen. Schade.

Dann stolperte ich jedoch über eine Handvoll Gedichte, die einander thematisch so ähnlich waren, dass ich mich zu fragen begann, wer denn hier von wem abgeschrieben hatte bzw. woher das Motiv eigentlich kam. Wenn man ein bisschen herumschaut, dann ist es „The Twa Corbies“ von Scott (siehe die Übersetzung von Zwicker). Scott erwähnt in seiner Vorrede aber noch ein anderes, erheblich älteres – „The Three Ravens“ –, das vom Inhalt her fast entgegengesetzt sei (siehe Quelle).

Als Nächster scheint Puschkin das Thema aufgegriffen (und auf die Handlung verkürzt) zu haben; ich habe nichts dazu gefunden, wann er das Gedicht geschrieben hat, ab den 1820ern sind wohl Balladen überliefert und er ist 1837 gestorben – die Jahreszahl bei Bodenstedt ist das Erscheinungsdatum des Bandes. Bodenstedt verehrte Puschkin, wie man unschwer aus der Einleitung herauslesen kann.

Chamisso wiederum hat mehrere Deutsche Musenalmanache herausgegeben (Wikipedia) und scheint Russisch gesprochen zu haben; als er im Manuskript des Deutschen Musenalmanachs eine Ballade von Hoffmann von Fallersleben – „Der erschlagene Ritter“ – entdeckte, die ihm sehr nach Puschkin aussah (beide Versionen ähneln sich sehr), beeilte er sich, dort eine mit „Puschkin“ als Verfasser gekennzeichnete deutsche Version unterzubringen, „um Hoffmann zu necken“ (Beleg). Wer’s glaubt 😉
Chamisso ist wenige Tage später an Lungenkrebs gestorben, ich weiß darüber nicht mehr.

Fontane wiederum hatte ja bekanntermaßen ein Faible für England und Schottland, dem glaube ich sofort, dass er vermutlich sogar auf Scott zurückgegriffen und seine eigene Version davon verfasst hat. Ein Beleg dafür wäre auch, dass er ebenfalls eine Übertragung der oben angesprochenen „Drei Raben“ vorgenommen hat (die in der Gedichtausgabe vor den „Zwei Raben“ steht (wie bei Scott)): hier lesen.

So, habe ich euch genug verwirrt mit meinem Ritt durch die Literaturgeschichte? Dann hoffe ich, dass ihr Spaß hattet, und wünsche euch eine gute neue Woche. 😀
Und wer Edgar Allan Poes „The Raven“ erwartet hat oder Morgensterns „Km 21“ … nun, der muss einfach noch ein bisschen warten …

Update: Okay, okay: Hier kommt „The Raven“, die Version von Alan Parsons Project (Link zu YouTube)

 

Von den Qualen der Wahlen ;-)

Gänsezug.

Die erste Gans im Gänsezug,
Sie schnattert: »Seht, ich führe!«
Die letzte Gans im Gänsezug,
Sie schnattert: »Seht, ich leite!«

Und jede Gans im Gänsezug,
Sie denkt: — Daß ich mich breite
So selbstbewußt, das kommt daher,
Weil ich, ein unumschränkter Herr,
Den Weg mir wähl’ nach eignem Sinn,
All meiner Schritte Schreiter bin
Und meine Freiheit spüre!

(Marie von Ebner-Eschenbach, Gänsezug, aus: 1. Band: Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte, in: Gesammelte Schriften, 1893, Online-Quelle)

Der Esel des Buridan

Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden –
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um –
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!

Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht’s von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er stehn
und fällt vor Hunger um –
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! –

Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge –
Was stehen wir und grübeln nur
und haben’s nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah –
O Buridan, o Buridan,
wär’ doch dein Esel da!

Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt’ es sich verhehlen!
Wir aber stehn und stehn dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!

(Robert Eduard Prutz (Wikipedia), Der Esel des Buridan, aus: Gedichte (Erstdruck). Neue Sammlung, Zürich/ Winterthur (Literarisches Comptoir), 1843, Online-Quelle)
Mehr zu Buridans Esel: hier (deutsch) und hier (engl., wesentlich umfangreicher).

Nach den Wahlen

Es schreit nicht mehr in fetten Schriften
Das Für und Wider von der Wand.
So laßt uns alle Frieden stiften!
Ein jeder reiche seine Hand!

Zur Menschheit wird auf diesem Wege
Die heißentflammte Wählerschar;
Und wieder Nachbar und Kollege
Ist, wer noch gestern Schurke war.

(Ludwig Thoma, Nach den Wahlen, aus: Kirchweih. Simplicissimus-Gedichte, 1912, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Für all die, die es nicht wissen (wollen/können): Deutschland wählt nächsten Sonntag, am 26. September 2021, seinen neuen Bundestag. Dies ist also die Zeit, wo einen gefühlt Hunderte Köpfe von Plakaten anschreien, wenn man das Haus verlässt, und einem erzählen, dass sie doch der beste Freund sind, politisch gesehen …

Corona und die dazugehörigen Diskussionen machen den öffentlichen Ton nicht besser.

Kommt ihr alle dennoch gut und unbeschadet in und durch die Woche! Ich gehöre übrigens zu der stattlichen Zahl der Briefwähler, ihr vielleicht ja auch …

 

Vom Herbstwillkommen

Keine Wolke stille hält

Keine Wolke stille hält,
Wolken fliehn wie weiße Reiher;
keinen Weg kennt ihre Welt,
und der Wind, der ist ihr Freier.

Wind, der singt von fernen Meilen,
springt und kann die Lust nicht lassen,
einer Landstraß‘ nachzueilen,
Menschen um den Hals zu fassen.

Und das Herz singt auf zum Reigen,
schweigen kann nicht mehr die Brust;
Menschen werden wie die Geigen,
Geigen singen unbewusst.

(Max Dauthendey, Keine Wolke stille hält, aus: Der brennende Kalender, 1905, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 226)

SEPTEMBER

September, geliebter, breitest bläuliche Schleier
Über Fluren und Berge leicht,
Und zärtlich darüber streicht
Zuweilen ein Perlenton deiner silbernen Leier.

Was singst du für Lieder? Süß verschwebende Laute,
Dem Ohr kaum vernehmbarer Hauch,
Wie wenn die Rose vom Strauch,
Die sterbende, Blatt für Blatt hernieder taute.

(Ricarda Huch, September, aus: Herbstfeuer. Gedichte, Insel Verlag zu Leipzig 1944, Online-Quelle)

Jetzt reifen schon die roten Berberitzen

Jetzt reifen schon die roten Berberitzen,
alternde Astern atmen schwach im Beet.
Wer jetzt nicht reich ist, da der Sommer geht,
wird immer warten und sich nie besitzen.

Wer jetzt nicht seine Augen schließen kann,
gewiß, daß eine Fülle von Gesichten
in ihm nur wartet, bis die Nacht begann,
um sich in seinem Dunkel aufzurichten: –
der ist vergangen wie ein alter Mann.

Dem kommt nichts mehr, dem stößt kein Tag mehr zu,
und alles lügt ihn an, was ihm geschieht;
auch du, mein Gott. Und wie ein Stein bist du,
welcher ihn täglich in die Tiefe zieht.

(Rainer Maria Rilke, Jetzt reifen schon die roten Berberitzen, aus: Das Stundenbuch/Das Buch von der Pilgerschaft, 1901, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Es ist noch kein Herbst, nein, aber er kommt leise näher, vermutlich habt auch ihr ihn schon gespürt. Rilkes „Berberitzen“ stehen gefühlt immer im Schatten seines „Herbsttag“, deshalb dachte ich, ich ziehe sie mal vor …

Kommt gut in und durch die neue Woche und werdet oder bleibt heiter!

 

Von Abgründen

Verwandte

Ihr seid beleidigt, weil ich nicht
Gerührt in Eure Arme stürze
Und das Verzeihungs-Arangement
Mit keiner Reuescene würze.
Ich flehte nicht, Ihr selber seid
Nun plötzlich gnädig mir gewogen;
Doch legt die Gnadenmienen ab,
Schaut, welche Kluft Ihr einst gezogen.
Setzt nur herüber kühnen Sprungs,
Seid einmal menschlich-unbesonnen. …
Brecht Ihr auch das Genick dabei,
Hat Welt und Hölle nur gewonnen.

(Ada Christen, Verwandte, aus: Aus der Asche (Neue Gedichte), 1870, Online-Quelle)

König David

Lächelnd scheidet der Despot,
Denn er weiß, nach seinem Tod
Wechselt Willkür nur die Hände,
Und die Knechtschaft hat kein Ende.

Armes Volk! wie Pferd und Farr’n
Bleibt es angeschirrt am Karr’n,
Und der Nacken wird gebrochen,
Der sich nicht bequemt den Jochen.

Sterbend spricht zu Salomo
König David: »Apropos,
Daß ich Joab dir empfehle,
Einen meiner Generäle.

Dieser tapfre General
Ist seit Jahren mir fatal,
Doch ich wagte den Verhaßten
Niemals ernstlich anzutasten.

Du, mein Sohn, bist fromm und klug,
Gottesfürchtig, stark genug,
Und es wird dir leicht gelingen,
Jenen Joab umzubringen.«

(Heinrich Heine, König David, aus: Romanzero. Gedichte, 1851, Online-Quelle
Farre = junger Stier (mhd.))

Gewohnheit

Als Kain den Abel umgebracht,
Zum Himmel dampft das Blut.
Es ward ein starker Lärm gemacht,
Und Gott geriet in Wut.

Die Engel wurden watschelnass,
So haben sie geflennt.
Und Gott hat Kain im grimmen Hass
Ein Zeichen aufgebrennt.

Dann jagte man den Frevler fort;
Fluch folgte ihm und Hohn.
Man sieht, der erste Brudermord
Erregte Sensation.

Doch man gewöhnt sich jetzt zuletzt
Auch an ein solches Ding;
Worüber man sich erst entsetzt,
Schätzt später man gering.

Man hat hernach im großen Stil
Die Menschen umgebracht.
Ein Tausend um das andre fiel.
Das wird noch heut’ gemacht.

Jedoch von oben hört man nichts,
Und keine Stimme tönt,
Die Stimme, die einst angesichts
Des ersten Mords gedröhnt.

Im Gegenteil, der Priester fleht
Und bittet Gott um Sieg,
Wenn es zum großen Morden geht.
Und heilig heißt der Krieg.

(Ludwig Thoma, Gewohnheit, aus: Peter Schlemihl, 1906, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Wie immer: Kommt gut und heil durch die neue Woche!

Adventüden: 21 (fast 22, fragt nicht) sind bisher eingetroffen. Alle, die eine Adventüde zugesagt haben: Kommt mal so langsam in die Puschen, bitte! 😉

 

Von Löwen und Menschen

Schöpfungslieder

II.

Und der Gott sprach zu dem Teufel:
Ich der Herr kopier’ mich selber,
Nach der Sonne mach’ ich Sterne,
Nach den Ochsen mach’ ich Kälber,
Nach den Löwen mit den Tatzen
Mach’ ich kleine liebe Katzen,
Nach den Menschen mach’ ich Affen;
Aber du kannst gar nichts schaffen.

III.

Ich hab’ mir zu Ruhm und Preiß erschaffen
Die Menschen, Löwen, Ochsen, Sonne;
Doch Sterne, Kälber, Katzen, Affen,
Erschuf ich zu meiner eigenen Wonne.

(Heinrich Heine, Schöpfungslieder, in: Verschiedene, aus: Neue Gedichte, 1844, Online-Quelle)

Welch ein eignes Reich ist doch

Welch ein eignes Reich ist doch
Das der Liebe! seine Wunder
Werden nimmer ausgesagt.
Nicht befremdlich ist es uns,
Wenn gefürchtet starke Löwen
Schüchterne Gazellen jagen;
Die Gazelle deines Auges
Macht jedoch auf Löwen Jagd.

(Georg Friedrich Daumer, Welch ein eignes Reich ist doch, aus: Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte, 1846, Online-Quelle)

Der Handschuh.

Erzählung.

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Aufthut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder,
Da öfnet sich behend
Ein zweites Thor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu
Grimmig schnurrend,
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöfnete Haus
Zwey Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit muthiger Kampfbegier
Auf das Tigerthier,
Das pakt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wirds still,
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leu’n
Mitten hinein.

Und zu Ritter Delorges spottender Weis’
Wendet sich Fräulein Kunigund:
»Herr Ritter ist eure Lieb so heiß
Wie ihr mirs schwört zu jeder Stund,
Ey so hebt mir den Handschuh auf.«

Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehens die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück,
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und der Ritter sich tief verbeugend, spricht:
Den Dank, Dame, begehr ich nicht,
Und verläßt sie zur selben Stunde.

(Friedrich Schiller, Der Handschuh, in: Musen-Almanach für das Jahr 1798, 1797, Wikipedia, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Und? Was haltet ihr ab und an von einer Ballade, vor allem von so einem Klassiker? Mir sind sie meist zu lang, um sie zu posten, aber viele mag ich sehr …

Wie immer: Kommt gut und sanft in und durch die neue Woche!

Eingetroffene Adventüden (inklusive meiner eigenen): 15. Großartig, herzlichen Dank! Ihr anderen: Noch vier Wochen Zeit 🙂

 

Vom Lesen und dem Buch

Schrifften.

Man schilt die schwartze Kunst: Ich halte viel von jhr;
Dann durch die schwartze Schrifft kümmt Kunst auff weiß Papier/
Und vom Papier ins Haupt/ und so fort für und für.

(Friedrich von Logau, Schrifften, aus: Salomons von Golaw deutscher Sinn-Getichte drei Tausend, Desz andren Tausend achtes Hundert, 49., entstanden 1650, Online-Quelle, Online-Quelle)

Das Bilderbuch

Von der Poesie sucht Kunde
Mancher im gelehrten Buch,
Nur des Lebens schöne Runde
Lehret dich den Zauberspruch;
Doch in stillgeweihter Stunde
Will das Buch erschlossen sein,
Und so blick ich heut hinein,
Wie ein Kind im Frühlingswetter
Fröhlich Bilderbücher blättert,
Und es schweift der Sonnenschein
Auf den buntgemalten Lettern,
Und gelinde weht der Wind
Durch die Blumen, durch das Herz
Alte Freuden, alten Schmerz –
Weinen möcht ich, wie ein Kind!

(Joseph von Eichendorff, Das Bilderbuch, Erstdruck 1837, aus: Gedichte (Ausgabe 1841) / 2. Sängerleben, Online-Quelle)

Der Leser

Wer kennt ihn, diesen, welcher sein Gesicht
wegsenkte aus dem Sein zu einem zweiten,
das nur das schnelle Wenden voller Seiten
manchmal gewaltsam unterbricht?

Selbst seine Mutter wäre nicht gewiß,
ob er es ist, der da mit seinem Schatten
Getränktes liest. Und wir, die Stunden hatten,
was wissen wir, wieviel ihm hinschwand, bis

er mühsam aufsah: alles auf sich hebend,
was unten in dem Buche sich verhielt,
mit Augen, welche, statt zu nehmen, gebend
anstießen an die fertig-volle Welt:
wie stille Kinder, die allein gespielt,
auf einmal das Vorhandene erfahren;
doch seine Züge, die geordnet waren,
blieben für immer umgestellt.

(Rainer Maria Rilke, Der Leser, aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, 1918, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt alle gut und heil in und durch die neue Woche! 😀

Update Adventüden 2021: Höchst erfreuliche 11 Etüden haben mich bisher erreicht! Bitte gerne weiter so!

 

Von Sommer und Liebe

Sommer

Am Abend schweigt die Klage
Des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
Der rote Mohn.

Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.

Nimmer regt sich das Laub
Der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
Rauscht dein Kleid.

Stille leuchtet die Kerze
Im dunklen Zimmer;
Eine silberne Hand
Löschte sie aus;

Windstille, sternlose Nacht.

(Georg Trakl, Sommer, aus: Sebastian im Traum, 1915, Online-Quelle)

Gefunden

Laue Sommernacht; am Himmel
Stand kein Stern; im weiten Walde
Suchten wir uns tief im Dunkel,
Und wir fanden uns.

Fanden uns im weiten Walde
In der Nacht, der sternenlosen,
Hielten staunend uns im Arme
In der dunklen Nacht.

War nicht unser ganzes Leben
So ein Tappen, so ein Suchen?
Da: In seine Finsternisse,
Liebe, fiel Dein Licht.

(Otto Julius Bierbaum, Gefunden, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

Rosen

Ach, gestern hat er mir Rosen gebracht,
Sie haben geduftet die ganze Nacht,
Für ihn geworben, der meiner denkt –
Da hab’ ich den Traum der Nacht ihm geschenkt.

Und heute geh’ ich und lächle stumm,
Trag’ seine Rosen mit mir herum
Und warte und lausche, und geht die Thür,
So zittert mein Herz: ach, käm er zu mir!

Und küsse die Rosen, die er gebracht,
Und gehe und suche den Traum der Nacht …

(Thekla Lingen, Rosen, aus: Am Scheidewege, 1898, Online-Quelle)

 

Quelle: Unsplash

 

Kommt gut und sanft durch die neue Woche! 😉

Update Adventüden: höchst erfreuliche 9, Stand gestern Abend. Vielen Dank! Weiter so! 😀

 

Von der Welt und dem Schmerz

Einst kniete ein Mensch vor dir nieder

Einst kniete ein Mensch vor dir nieder.
Aus seinen Augen flogen schwarze klagende Vögel,
Umzogen dich flehend mit ihren Liedern.
Du gingst vorüber.

(Max Dauthendey, Einst kniete ein Mensch vor dir nieder, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 118)

XXIV.

Ich unglücksel’ger Atlas! eine Welt,
Die ganze Welt der Schmerzen muß ich tragen,
Ich trage Unerträgliches, und brechen
Will mir das Herz im Leibe.

Du stolzes Herz! du hast es ja gewollt,
Du wolltest glücklich seyn, unendlich glücklich
Oder unendlich elend, stolzes Herz,
Und jetzo bist du elend.

(Heinrich Heine, Ich unglücksel’ger Atlas, aus: Die Heimkehr, in: Das Buch der Lieder, 1827, Online-Quelle)

Weltflucht

Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht ists schon zu spät zurück.
O, ich sterbe unter euch!
Da ihr mich erstickt mit euch.
Fäden möchte ich um mich ziehen
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Zu entfliehn
Meinwärts.

(Else Lasker-Schüler, Weltflucht, aus: Gesammelte Gedichte, 1917, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Wie immer, kommt gut und heil durch die neue Woche! 😉

Nein, das ist nichts Akutes, obwohl ich vermute, dass viele von euch das ebenfalls kennen …

Ich hatte letzte Woche den Heine bei Bernd (hier klicken) entdeckt, der mich sehr angesprungen hat, und fand dann einen Tag später bei Sandra von Siebenthal in ihrem sehr lesenswerten #abcdeslesens einen Text über Else Lasker-Schüler (hier klicken), und in meinem Kopf stellte sich prompt eine Verbindung her. Else Lasker-Schüler ist sowieso sehr speziell, ich dachte, vielleicht mögt ihr sie ja …

 

Vom Wald und Bäumen

Meer und Wald

Draußen das bewegte Meer,
Ruheloses Tosen, Schäumen,
Hier im Walde ringsumher
Tiefer Frieden unter Bäumen.

Liebst Du Kampf und Streiteslust,
Mußt Du an dem Strand verweilen,
Gram und Sorgen in der Brust
Werden in dem Wald verheilen.

(Otto Bauer, Meer und Wald, aus: Sommerfrische, Online-Quelle)

Nur eine Stunde im grünen Wald

Nur eine Stunde von Menschen fern,
Nur eine einzige Stunde!
Statt der tönenden Worte des Waldes Schweigen,
Statt des wirbelnden Tanzes der Elfen Reigen,
Statt der leuchtenden Kerzen den Abendstern,
Nur eine Stunde von Menschen fern!

Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Auf dem schwellenden Rasen umhaucht von Düften,
Gekühlt von den reinen balsamischen Lüften,
Wo von ferne leise das Echo schallt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Wo die Halme und Blumen sich flüsternd neigen,
Wo die Vögel sich wiegen auf schwankenden Zweigen,
Wo die Quelle rauscht aus dem Felsenspalt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

(Auguste Kurs, Nur eine Stunde im grünen Wald, aus: Epheublätter, 1854, Online-Quelle)

Blühende Bäume

Was singt in mir zu dieser Stund
Und öffnet singend mir den Mund,
Wo alle Äste schweigen
Und sich zur Erde neigen?

Was drängt aus Herzensgrunde
Wie Hörnerschall zutag
Zu dieser stillen Stunde,
Wo alles träumen mag
Und träumend schweigen mag?

An Ästen, die sich neigen,
Und braun und dunkel schweigen,
Springt auf die weiße Blütenpracht
Und lacht und leuchtet durch die Nacht
Und bricht der Bäume Schweigen,
Daß sie sich rauschend neigen
Und rauschend ihre Blütenpracht
Dem dunklen Grase zeigen!

So dringt zu dieser stillen Stund
Aus dunklem, tiefem Erdengrund
Ein Leuchten und ein Leben
Und öffnet singend mir den Mund
Und macht die Bäum erbeben,
Daß sie in lichter Blütenpracht
Sich rauschend wiegen in der Nacht!

(Hugo von Hofmannsthal, Blühende Bäume, aus: Die Gedichte 1891–1898, Online-Quelle)

Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz

Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz,
an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen;
du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen,
du Wald, aus dem wir nie hinausgegangen,
du Lied, das wir mit jedem Schweigen sangen,
du dunkles Netz,
darin sich flüchtend die Gefühle fangen.

Du hast dich so unendlich groß begonnen
an jenem Tage, da du uns begannst, –
und wir sind so gereift in deinen Sonnen,
so breit geworden und so tief gepflanzt,
daß du in Menschen, Engeln und Madonnen
dich ruhend jetzt vollenden kannst.

Laß deine Hand am Hang der Himmel ruhn
und dulde stumm, was wir dir dunkel tun.

(Rainer Maria Rilke, Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz, aus: Das Buch vom mönchischen Leben, in: Das Stundenbuch, 1899, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Wie immer: Kommt gut und leicht in und durch die neue Sommerwoche! 😀

 

Vom Sommergefühl

Feldeinsamkeit

Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn‘ Unterlass,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Die schönen weißen Wolken ziehn dahin
Durch’s tiefe Blau, wie schöne stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.

(Hermann Allmers, Feldeinsamkeit, aus: Dichtungen, 1860, Online-Quelle;
„Am 1. September 1852 entstanden die Verse, die durch Johannes Brahms‘ Vertonung als Inbegriff des deutschen Kunstliedes zu Weltruhm gelangten. Vermutlich nach 1879 komponiert wurde das Lied 1881 in Strassburg uraufgeführt. Die Urschrift schenkte Brahms dem Dichter zu dessen 75. Geburtstag im Februar 1896.“ (Quelle: Hermann-Allmers-Gesellschaft e.V.)

Mittag

Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur;
Es ist so still, daß ich sie höre
Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies’ und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch, es klingt, als ström’ ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.

(Theodor Fontane, Mittag, aus: Gedichte, 1905, Online-Quelle)

Des Sommers Ruhe

Der Duft der Gräser zieht zur Stadt hinein,
und alles Leben sättigt Sonnenschein.

Selig und träg, in wohligem Ermatten
lieg ich zurückgelehnt in luftigem Schatten.

Still lächelnd, wie ein dummvergnügtes Kind,
blinzl ich zum Fenster, wo der warme Wind

mit rotgestreiften Jalousieen spielt,
wo dann und wann das Licht ins Zimmer schielt.

O tiefes Glück, befreit von Wunsch und Denken,
sich ganz in heitres Spielen zu versenken,

ob alles Werdens Angst zu triumphieren –
sich in des Sommers Ruhe zu verlieren.

(Otto Erich Hartleben, Des Sommers Ruhe, entstanden: 1890, aus: Meine Verse 1883–1904, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut und fröhlich in und durch die neue Woche!