Von Musik und Liebe

[MUSIK bewegt mich]

MUSIK bewegt mich, daß ich dein gedenke,
So will auch Meer und Wolke, Berg und Stern,
Wie anderer Art als du, dir noch so fern,
Daß ich zu dir das Herz voll Andacht lenke.
Kein edles Bild, das nicht mein Auge zwinge
Von dir zu träumen, kein beseelter Reim,
Der nicht zu dir Erinnern führe heim –
Geschwister sind sich alle schönen Dinge.

(Ricarda Huch, Musik bewegt mich, aus: Liebesgedichte, 1907, Online-Quelle)

Nun such ich …

Nun such ich immer den einen Klang
und find ihn doch nimmer mein Lebenlang.

Ich lausche, ob nicht ein Tönen erwacht,
das meine Lieder unsterblich macht –

ob heimlich nicht schon die Schwingen regt
ein Lied, das alle Herzen bewegt,

das fromm und rein in der Seele erblüht
und dennoch Funken und Flammen sprüht –

ein Lied, das den Schmerz zur Ruhe singt
und doch wie ein Schrei der Sehnsucht klingt!

Nun such ich und such ich mein Lebenlang
immer und ewig den einen Klang …

(Leon Vandersee (Helene von Tiedemann), Nun such ich …, in: Adagio consolante, aus: Heimatlied, 1900 (1903?), Online-Quelle)

Das Meer singt

Singe das Leben
Trunken und weit.
Rausche euch allen
Unendlichkeit.

Singe die Liebe
Grausam und groß.
Breit über alles
Mein Namenlos.

Gott tönt aus mir.
Dunkel und Glut.
Alles ist tödlich
Und alles ist gut.

(Francisca Stoecklin, Das Meer singt, aus: Die singende Muschel, 1925. Online-Quelle)


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Ob mit Regen und Sonne oder ohne, kommt gut und warm und heil und sicher durch die erste Herbstwoche!

Und du, falls du das liest – ja, du, liebste Freundin – HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum Geburtstag! 🌻🦋🧡🌻


Von September und Herbst

Das ist nicht Sommer mehr

Das ist nicht Sommer mehr, das ist September … Herbst:
diese großen weichen Wolken am Himmel, diese feinen weißen Spinnwebschleier in der Ferne und hinter den Gärten mit den Sonnenblumen der ringelnde Rauch aufglimmender Krautfeuer …
und diese süße weiche Müdigkeit und diese frohe ruhige Stille überall und trotzdem wieder diese frische, satte, erntefreudige, herbe Kraft …
das ist nicht Sommer … das ist Herbst!

(Cäsar Flaischlen, Das ist nicht Sommer mehr, in: Lieder und Tagebuchblätter, aus: Von Alltag und Sonne, 1897, Online-Quelle)

SEPTEMBER

September, geliebter, breitest bläuliche Schleier
Über Fluren und Berge leicht,
Und zärtlich darüber streicht
Zuweilen ein Perlenton deiner silbernen Leier.

Was singst du für Lieder? Süß verschwebende Laute,
Dem Ohr kaum vernehmbarer Hauch,
Wie wenn die Rose vom Strauch,
Die sterbende, Blatt für Blatt hernieder taute.

(Ricarda Huch, September, aus: Herbstfeuer. Gedichte, Insel Verlag zu Leipzig 1944, Online-Quelle)

SEPTEMBER

Herbstnebel hüllt die Höhen
und geistert um den Wald.
Vereinsamt starren Föhren.
Die Luft geht regenkalt.

Was sind im Wiesendunkel
für fahle Blumen erwacht?
Der Sommer ist versunken.
Es wird Nacht.

(Richard von Schaukal, September, aus: Herbsthöhe, 1933, Online-Quelle)


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Jede Woche der gleiche Wunsch, jede Woche anders aktuell: Kommt gut und heil in und durch die Woche!


Vom Lebensgefühl im August

AUGUST

Im Garten vor dem Pfarrhaus blühn
Veil, Sonnenblum und Rosmarin.
Vincula Petri geht alsdann
den Weizen mit der Sense an.
Die Traube kocht, es gilbt der Mais,
die Störche sammeln sich zur Reis‘,
und bleibn sie noch nach Barthelmä,
ein Winter kommt, der tut nicht weh.
Brachüber grast das Weidevieh,
und auf den Tennen schlagen sie
den Flegeltakt durchs ganze Land.
So geht das Ackerjahr zu Rand.

(Josef Weinheber, August, aus: O Mensch, gib acht!, 1937, Online-Quelle)

August

Inserat

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Wo möglich insoweit sich zu beschränken,
Daß sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

(Theodor Storm, August, aus: Gedichte (Ausgabe 1885), Online-Quelle)

SCHWEBENDE ZUKUNFT

Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewußt
An, was wir als Kinder übersahn.

Da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.

Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.

Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehn
Dort die fetten, goldigen Rosetten,
Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.

Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.

Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.

(Joachim Ringelnatz, Schwebende Zukunft, aus: Gedichte dreier Jahre, 1932, Online-Quelle)

Septembertag

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit …

(Christian Morgenstern, Septembertag, aus: Und aber ründet sich ein Kranz, 1902, Online-Quelle)


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Adventüden: 20 bisher. Noch bis Ende nächster Woche. DANKE an die einen – und an die anderen: Hallo! Time is nearly over! NUR NOCH BIS ENDE NÄCHSTER WOCHE!

Kommt gut und heil in und durch die neue Woche!


Vom Reisen und der Zeit

REISELIED

Wasser stürzt, uns zu verschlingen,
Rollt der Fels, uns zu erschlagen,
Kommen schon auf starken Schwingen
Vögel her, uns fortzutragen.

Aber unten liegt ein Land,
Früchte spiegelnd ohne Ende
In den alterslosen Seen.

Marmorstirn und Brunnenrand
Steigt aus blumigem Gelände,
Und die leichten Winde weh’n.

(Hugo von Hofmannsthal, Reiselied, aus: Gedichte, 1922, Erstdruck in Wiener Rundschau 1898, Online-Quelle)

Über den Bergen

Über den Bergen, weit zu wandern,
sagen die Leute, wohnt das Glück.
Ach und ich ging im Schwarme der andern,
kam mit verweinten Augen zurück.
Über den Bergen, weit, weit drüben,
sagen die Leute, wohnt das Glück …

(Carl Hermann Busse, Über den Bergen, aus: Gedichte, 1892, 4. erw. Auflage 1899, Online-Quelle)

ABEND

Einsam hinterm letzten Haus
geht die rote Sonne schlafen,
und in ernste Schlußoktaven
klingt des Tages Jubel aus.

Lose Lichter haschen spät
noch sich auf den Dächerkanten,
wenn die Nacht schon Diamanten
in die blauen Fernen sät.

(Rainer Maria Rilke, Abend, aus: Larenopfer, Erstdruck 1895, Online-Quelle)

Danke für den Fund des sehr frühen Rilke an Joachim Schlichting!

Morgen- und Abendopfer

Ein Tag, der sagt dem andern,
Mein Leben sei ein Wandern,
Zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
Mein Herz an dich gewöhne,
Mein Heim ist nicht in dieser Zeit.

(Gerhard Tersteegen, Morgen- und Abendopfer (9. und letzte Strophe), Kirchenmusiker, aus: Geistliches Blumengärtlein, 1729, Online-Quelle)


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Wo auch immer ihr seid, im Urlaub oder zu Hause, ob ihr unter der Hitze leidet oder nicht: Kommt gut und heil in und durch die neue Woche!


Zum Thema Adventüden: 9 sind bisher bei mir eingetroffen und meine wächst auch schon kräftig. Wäre schön, wenn ihr langsam auch … Ich finde es echt entspannend, in der Hitze über Winter und Frost nachzudenken … 😉


Von Nacht und Träumen

Über deine Augenlider

Über deine Augenlider
zärtlich sacht
strich mit weichem Flaumgefieder
der Wundervogel der Nacht.

Seine grossen grünen Schwingen
sind von Träumen schwer.
Horch: er will singen
von Palmenwäldern und seltnen süssen Dingen
weit weit kommt er her …

(Richard von Schaukal, Über deine Augenlider, aus: Ausgewählte Gedichte, 1904, Nachweis, Online-Quelle)

Sternenlied

Es rauschen die Bäume,
Es golden die Sterne
Am nachtblauen Himmel.
Wir warten auf Träume.

Jetzt wagen wir leise
Die kleinen Gebete.
Gott mög uns behüten
Zur nächtlichen Reise.

Es golden die Sterne
Im einsamen Weiher.
Ein Mondvogel irrt noch
In nachtblauer Ferne.

(Francisca Stoecklin, Sternenlied, aus: Gedichte, 1920/21, Nachweis, Online-Quelle)

Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff, Mondnacht, Erstdruck 1837, aus: Gedichte (Ausgabe 1841), Online-Quelle)


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Kommt alle gut und heil und fröhlich in und durch die neue Woche!


Von Mond und Nacht

Schöne Mondfrau

Schöne Mondfrau, gehst du schlafen
Lächelnd und so munter,
Leise mit den Silberschafen
In die Nacht hinunter?

O und du im hellen Kleide,
Liebe Schehrazade,
Spielst du, daß die Nacht nicht leide
Deine Serenade?

Wandermüde, wundertrunken
Komm in meine Ruhe.
Blaue, weiche Sternenfunken
Küssen deine Schuhe.

Sieh, die Nacht ist so lebendig,
Voller Duft und Gnade.
In den Bäumen eigenhändig
Spielt sie sich die Serenade.

(Hugo Ball, Schöne Mondfrau, aus: Gedichte, entstanden 1917, Online-Quelle)

Der Mond ist wie eine feurige Ros’

Der Mond geht groß aus dem Abend
Steht über dem Schloß und dem Gartentor
Und läßt sanft glühend die Erde los.
Der Mond ist wie eine feurige Ros’,
Die meine Liebste im Garten verlor.

Mein Schatten an den steinernen Wänden
Geht hinter mir wie ein dienender Mohr.
Ich werde den Mohren hinsenden,
Er hebe die Rose vorsichtig auf
Und bringe sie ihr in den dunklen Händen.

(Max Dauthendey, Der Mond ist wie eine feurige Ros’, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 312)

An den Mond

Längst, du freundliches Nachtgestirn,
Ist dein Geheimnis verweht.
Erkenntnisstolz blickt der Knabe schon
Zu dir empor,
Denn verfallen bist du, wie alles jetzt,
Der Wissenschaft,
Die deine Höhen und Tiefen mißt –
Und wer weiß, ob du nicht endlich doch noch
Erstiegen wirst auf der Münchhausenleiter
Der Hypothesen.

Dennoch, du alter, treuer Begleiter der Erde,
Webt und wirkt dein alter Zauber fort,
Wenn du, Aug’ und Herz erfreuend, emportauchst
Mit dem sanftschimmernden Menschenantlitz
Und seligen Frieden gießest
Über tagmüde Gefilde.
Noch immer, wachgeküßt von deinem Strahl,
Seufzt Liebe zu dir hinan –
Und immer noch, ach! besingen dich Dichter.

(Ferdinand von Saar, An den Mond, aus: Gedichte. Zweite, durchges. und verm. Aufl. XII, 1888, Online-Quelle)


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Wie immer: Kommt gut und heil und heiter in und durch die neue Woche!

Hättet ihr gerne noch ein paar „klassischere“ Mondgedichte? 😉


Von Nacht und Nachtigallen

Nachts

Ich wandre durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal
Erwacht die Nachtigall,
Dann wieder alles grau und stille.

O wunderbarer Nachtgesang:
Von fern im Land der Ströme Gang,
Leis Schauern in den dunklen Bäumen –
Wirrst die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Träumen.

(Joseph von Eichendorff, Nachts, in: Wanderlieder, aus: Gedichte (1841), Online-Quelle)

Schöne Junitage

Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuß,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muß –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flußüberwärts singt eine Nachtigall.

(Detlev von Liliencron, Schöne Junitage, aus: Neue Gedichte, 1895, Online-Quelle)

Tief in den Himmel verklingt

Tief in den Himmel verklingt
Traurig der letzte Stern,
Noch eine Nachtigall singt
Fern, – fern.
Geh schlafen, mein Herz, es ist Zeit.
Kühl weht die Ewigkeit.

Matt im Schoß liegt die Hand,
Einst so tapfer am Schwert.
War, wofür du entbrannt,
Kampfes wert?
Geh schlafen, mein Herz, es ist Zeit.
Kühl weht die Ewigkeit.

(Ricarda Huch, Tief in den Himmel verklingt, aus: Herbstfeuer, 1944, Online-Quelle)

Wo aber fliegen die Abendvögel hin?

Die Tauben schlummern im Hause:
Wo aber fliegen die Abendvögel hin?
Der Wasserfall dämpft sein Gebrause:
Wo aber rinnen die Bäche hin?
Friedlich wurzelt der Rauch auf den Dächern:
Wo aber strömt das Nachtgewölk hin?
Lichter stehen in tausend Gemächern:
Wo aber sinken die Sterne hin?
Immer indem wir liegen und schlafen
Lösen sich Schiffe dunkel vom Hafen.

(Albin Zollinger, Wo aber fliegen die Abendvögel hin?, aus: Gedichte, 1933. Beleg, Online-Quelle)


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Kommt alle gut und heil in und durch die neue Woche!


Vom Sinn, eher unpfingstlich

Leben heißt Sehnsucht verehren

Über den leeren mächtigen Bäumen
Hängen die schmächtigen Sterne,
Umdrängen den Mond im Kreise.
Sehnsüchte leben auch in den prächtigen Himmelsräumen,
Und auch Gestirne kommen aus ihrem Geleise.
Keine Sonne, kein Stern kann sich der Sehnsucht erwehren,
Alle Leben leiden und lachen auf gleiche Weise.
Leben heißt Sehnsucht verehren;
Niemals der Tod, die Geliebte allein kann dir Ruhe bescheren.

(Max Dauthendey, Leben heißt Sehnsucht verehren, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 235)

Der Spruch

In einem alten Buche stieß ich auf ein Wort,
Das traf mich wie ein Schlag und brennt durch meine Tage fort:
Und wenn ich mich an trübe Lust vergebe,
Schein, Lug und Spiel zu mir anstatt des Wesens hebe,
Wenn ich gefällig mich mit raschem Sinn belüge,
Als wäre Dunkles klar, als wenn nicht Leben tausend wild verschlossne Tore trüge,
Und Worte wiederspreche, deren Weite nie ich ausgefühlt,
Und Dinge fasse, deren Sein mich niemals aufgewühlt,
Wenn mich willkommner Traum mit Sammethänden streicht,
Und Tag und Wirklichkeit von mir entweicht,
Der Welt entfremdet, fremd dem tiefsten Ich,
Dann steht das Wort mir auf: Mensch, werde wesentlich!

(Ernst Stadler, Der Spruch, aus: Der Aufbruch, 1914, Online-Quelle)

Zufall und Wesen

Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

(Angelus Silesius (Johannes Scheffler), Zufall und Wesen, aus: Der Cherubinische Wandersmann, Buch II, Vers 30, 1657, Online-Quelle)

ZEITLICHKEIT

IN allem Wissen Dunkelheit,
in allem Haben Angst und Neid,
in aller Macht Verworfenheit,
in aller Liebe Widerstreit,
in allem Hoffen Bangigkeit,
in aller Lust Vergänglichkeit,
in jeder Neige Bitterkeit:
dies, Mensch, ist deine Zeitlichkeit.

(Richard von Schaukal, Zeitlichkeit, aus: Herbsthöhe, 1933, Nachweis, Online-Quelle)


Tränen | 365tageasatzaday

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Bin an dem Bild nicht vorbeigekommen, auch wenn es vielleicht nicht wirklich leicht passt. Das ist übrigens eine Brunnenfigur in Hall in Tirol, der sogenannte „Hundebrunnen“ 😉

Habt alle einen heiteren und frohen Feiertag und kommt gut in und durch die neue Woche!


Von Wald

Meer und Wald

Draußen das bewegte Meer,
Ruheloses Tosen, Schäumen,
Hier im Walde ringsumher
Tiefer Frieden unter Bäumen.

Liebst Du Kampf und Streiteslust,
Mußt Du an dem Strand verweilen,
Gram und Sorgen in der Brust
Werden in dem Wald verheilen.

(Otto Bauer, Meer und Wald, aus: Gedichte, 1895, Rezension, Online-Quelle)

Stets sind Gespräche im Wald

Stets sind Gespräche im Wald:
Bald winkt dir ein Blatt,
Das dir etwas zu deuten hat.
Bald sitzt ein Käfer an deinem Ärmel und blinkt.
Sein Flügelein blitzt wie ein Liebesgedanke,
Der augenblicklich wieder versinkt.
Die Mücke singend ums Ohr dir schwebt,
Wie Sehnsucht, die vom Blute lebt
Und dir von deinen Poren trinkt.
Wo der Wald sich lichtet,
Steht ungeschlachten Scheitholz geschichtet,
Weht Rindengeruch, der von Bränden dichtet.
Bleibt in den Kleidern dir lang’ noch hocken,
Als will es dich in ein Feuer locken.

(Max Dauthendey, Stets sind Gespräche im Wald, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 303)

Tiere im Wald

Wald, wie betreuend
verhüllst du die Tiere
in deinem unendlichen
Rauschen und Schweigen.
Fern den Menschen
sind sie am schönsten.
Geheim im Blau.
Selten, daß dir ein Reh
am Waldrand scheulos begegnet.
Den runden Tierblick
in deine Menschenaugen taucht.
– Und ward es dir nicht
wie ein geisterhaftes Berühren,
Wink aus dem Zwischenreich,
deine Sehnsucht schmerzend –?

Tiere und Bäume
sind sinnvoll verschwistert,
teilen des Waldes Geheimnis.

(Francisca Stoecklin, Tiere im Wald, aus: Die singende Muschel, 1925, Online-Quelle)


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So, alle wieder aus dem Himmelfahrts-Kurzurlaub zurück an den Computern? Dann auf und durch die neue Woche … möge sie für euch alle heiter und produktiv (im richtigen Sinne) werden!


Von Träumen

Nachts in der träumenden Stille

Nachts in der träumenden Stille
Kommen Gedanken gegangen,
Nachts in der träumenden Stille
Atmet, zittert ein Bangen,
Nachts in der träumenden Stille,
Ratlose quälende Fragen.
Weit über alles Sagen
Kommen Gedanken gegangen,
Atmet, zittert ein Bangen
Nachts in der träumenden Stille.

(Gustav Falke, Nachts in der träumenden Stille, aus: Tanz und Andacht. Gedichte, 1893, Online-Quelle)

Die Nicht-Gewesenen.

Über ein Glück, das du flüchtig besessen,
Tröstet Erinnern, tröstet Vergessen,
Tröstet die alles heilende Zeit.
Aber die Träume, die nie errung’nen,
Nie vergeß’nen und nie bezwung’nen,
Nimmer verläßt dich ihr sehnendes Leid.

(Isolde Kurz, Die Nicht-Gewesenen., aus: Gedichte, 1888, Online-Quelle)

Aus tausend Quellen quillt die Nacht

Aus tausend Quellen quillt die Nacht
Und übernimmt den Himmel unsrer Träume.
Da ist ein Licht noch – dort noch Bäume,
Dann nichts mehr. Sintflut. Nur noch Nacht.

Aus Ozeanen ohne Licht erheben sich Gedanken,
Wie Meerestiere schwimmen unsre Träume
Mit schweren Flossen durch die Finsternis der Räume
Und kreisen um die Hoffnungsschiffe, die versanken.

(Guido Zernatto, Aus tausend Quellen quillt die Nacht, entstanden 1942 in New York, aus: Die Sonnenuhr, Gesamtausgabe 1961, Online-Quelle)


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Lieblingsgedichte, allesamt. Aus Gründen. 😉🧡👍

Kommt alle gut in und durch die neue Woche, mit und ohne Vatertagsfeierei! 😉


Von Gesang und Leben

Das Leben ein Gesang

Daß mein Leben ein Gesang,
Sag’ ich’s nur! geworden;
Jeder Sturm und jeder Drang
Dient ihm zu Akkorden.

Was mir nicht gesungen ist,
Ist mir nicht gelebet;
Was noch nicht bezwungen ist,
Sei noch angestrebet!

Von der Welt, die mich umringt,
Wüßt’ ich unbezwingbar
Wen’ges nur; die Seele klingt,
Und die Welt ist singbar.

(Friedrich Rückert, Das Leben ein Gesang, in: Zweites Bruchstück. Selbstschau, aus: Pantheon, 1843. Online-Quelle)

Ein kleines Lied

Ein kleines Lied! Wie geht’s nur an,
Daß man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.

(Marie von Ebner-Eschenbach, Ein kleines Lied, aus: Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach Band 1, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte, S. 185, 1893. Online-Quelle)

Das Meer singt

Singe das Leben
Trunken und weit.
Rausche euch allen
Unendlichkeit.

Singe die Liebe
Grausam und groß.
Breit über alles
Mein Namenlos.

Gott tönt aus mir.
Dunkel und Glut.
Alles ist tödlich
Und alles ist gut.

(Francisca Stoecklin, Das Meer singt, aus: Die singende Muschel, 1925. Online-Quelle)


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Neue Woche, neue Sorgen, neues Glück. Kommt gut und fröhlich in und durch die neue Woche!

Und ja, das letzte Gedicht gehört zu meinen Lieblingsgedichten, falls es jemandem auffällt, dass das nicht zum ersten Mal hier vorkommt.


Von Unbehaustheiten

Die Zimmer meines Lebens

Jedesmal,
Wenn ich in ein neues Zimmer ziehe,
Spür ich eine Schwäche meiner Kniee.
Kalt und kahl
Starrt der Raum. Ich steh in seiner Mitten
Mit dem Koffer, gar nicht wohlgelitten.

Jedesmal,
Wenn ich solch ein Zimmer muß verlassen,
Kann ich mich vor Abschiedsfurcht nicht fassen.
Geister ohne Zahl
Meiner Stunden, Traum und waches Treiben,
Winken matt. Ich gehe. Doch sie bleiben.

(Franz Werfel, Die Zimmer meines Lebens, aus: Gedichte (1938), in: Gedichte aus dreißig Jahren, 1939, Online-Quelle)

III.

Durch die dicht verhängten Fenster
Dringt das dumpfe Wagenrollen,
Und verscheucht die Nachtgespenster,
Die im Traum mir nahen wollen.

Aber rauschend durch mein Zimmer
Wogt ein Meer von wirren Tönen,
Und aus all’ dem Schmerzgewimmer
Hör’ ich meine Seele stöhnen!

Hör’ ich meine Seele weinen –
Nicht um dieses Leibes Sterben –
Doch es bangt ihr vor dem kleinen,
Müden, einsamen Verderben.

(Ada Christen, Durch die dicht verhängten Fenster, aus: Aus der Asche (Letzte Lieder), 1870, Online-Quelle)

Einsamkeit

Einsamkeit, ernsthafte Frau,
Tratest einst still in mein Zimmer,
Ach, und ich wollte dich nimmer,
Grüßte dich finster und rauh.

Nicktest nur milde dazu,
Ließest dich doch nicht verjagen,
Mußte dich eben ertragen,
Sangest mich heimlich zur Ruh.

Sieh, und nun weiß ich genau:
Wolltest du heut von mir scheiden,
Würde ich tief drunter leiden,
Einsamkeit, ernsthafte Frau.

(Anna Ritter, Einsamkeit, aus: Gedichte (Vermischte Gedichte), 1898, Nachweis, Online-Quelle)


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Mein Wunsch ändert sich nicht, Woche um Woche: Kommt gut und heil und sicher in und durch die neue Woche!

Frage am Rande: Bekommt ihr zurzeit auch ungewöhlich viel Spam, meist für irgendwelche Pillen?