Schreibeinladung für die Textwochen 06*07*08*09**23 | Wortspende von Myriade

Liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, nehmt euch bitte ein bisschen Zeit, ich möchte mit euch etwas besprechen, ich wüsste gern eure Meinung.

Ich stecke in einer Etüdenkrise. Ich denke, ganz kurz gefasst, dass sich die Etüden, die 2017 als kreative Fingerübung begonnen haben, überlebt haben. Spätestens seit Corona und dem Ukrainekrieg finde ich, dass sich die gesellschaftliche, politische und zwischenmenschliche (und klimatische) Großwetterlage immer mehr verdüstert – und wir sitzen hier und schreiben mehr oder weniger alberne Geschichtchen über Drachen etc. Nicht wirklich, oder? Nicht falsch verstehen, ich liebe Drachen, aber um Brecht zu zitieren: »Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!« (aus: An die Nachgeborenen)
Bleibt die Frage, was man/ich denn tun kann/will, und ob es nicht genug Menschen gibt, die die Situation anders nicht aushalten, als dass sie Heile-Welt-Geschichten schreiben, weil sie keine Worte finden für das, was sie wirklich bewegt, und ich nehme mich da nicht aus.
Ich weiß es nicht.

Vor diesem Hintergrund, der mich ziemlich belastet, sackt meine Lust, immer wieder neu einen bunten Etüdenreifen hochzuhalten und zu tun, als ob alles super wäre, teilweise bis ins Bodenlose. Und nein, das ist nicht nur eine Phase, Hase, dafür dauert es schon zu lang an.

Aber, und das ist dann die andere Seite, wenn jede*r tun sollte, was er tun kann, ist es dann (zumindest vorläufig) nicht meins, die Etüdenfahne zu hissen, solange es Schreiber*innen gibt, die schreiben wollen und eine Orientierung mögen, um sich in die Untiefen des Schreibens zu begeben? Schreiben gegen die Vereinzelung, gegen das Schweigen im Kopf? Sollte ich euch (und mich) nicht auffordern, mutiger in eurem Schreiben zu sein, wahrhaftiger, und die berühmte (oft seichte) Komfortzone zu verlassen? Aus völlig egoistischen Gründen natürlich, weil das zu lesen erheblich interessanter ist (zumindest für mich)?

Ich stelle hiermit die Zukunft der Etüden zur Diskussion. Sollen wir sie auslaufen lassen – oder nicht? Ich habe mich entschieden, dass es die Etüden ab sofort erst einmal als Monatsausgabe geben wird – jeden ersten Sonntag im Monat kommen neue Etüdenwörter – und dass ich der Diskussion ein bisschen Zeit geben möchte, sodass auch ihr, die ihr mitschreibt, darüber nachdenken könnt. Ich habe auch nichts dagegen, über eine Erweiterung bzw. Änderung der Modalitäten nachzudenken, ich weiß nur, dass ich so in dieser Form nicht weitermachen möchte.
Und jetzt seid ihr dran. Ich bin zutiefst unentschieden, und ich wüsste gern, wie ihr darüber denkt.


Das normale Etüdengeschäft startet wie immer mit der Statistik. 25 Blogmenschen haben 40 Etüden beigesteuert, das liegt auch diesmal daran, dass die Zahl der Wiederholungstäter geringer als sonst war.
Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n von euch, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat.

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, und versichere wie jedes Mal, dass es keine böse Absicht ist.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Bereit für die aktuelle Etüdenliste? Hier kommt sie!


Petra auf Petra schreibt: hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier und hier
Trina auf Trinas Welt: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier, hier, hier und hier
Carmen aus der Wortwabe: hier
Puzzleblume auf Puzzleblume: hier
Werner auf Werner Kastens: hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier, hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Christian auf Wortverdreher: hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier
Yll auf Schreibenblog: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Doro auf DORO|ART: hier

Nachzügler:
Melina/Pollys auf Innen-Reise-Wege: hier



Die Wortspende für Februar bzw. die Textwochen 06, 07, 08 und 09 des Jahres 2023 stammt freundlicherweise von Myriade und ihrem Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée. Sie lautet:

Schnitt
rot
beherrschen
.

 

Wie immer weise ich darauf hin, dass der obligatorische Etüden-Disclaimer weiterhin gilt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt (höchstwahrscheinlich) nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn euch was auffällt – ihr wisst ja.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 5. März 2023.
Habt weiterhin ein schönes Wochenende und gute Einfälle!

 


Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Die Patentante | abc.etüden

Was soll das heißen, du willst dir die Krallen permanent lackieren lassen? Du bist doch kein Mädchen!? Was werden die anderen denn dazu sagen?«

Ja, total unfair, ich weiß, aber es ist erstaunlich, wie leicht er noch zu beeinflussen ist. Hat vermutlich zu viele Serien geschaut, wo es um edel, Zwieback und gut ging. Das Übliche. Er ist noch zu jung für Überlegungen zur Sexualität, jedenfalls hoffe ich das sehr – bitte keine »Divers«-Diskussionen!

Ich auf jeden Fall bin so eine Art Patentante. Das bin ich für fast alle, die hier durchgeschleust werden, die Ärmsten kommen meist aus schlechten Verhältnissen unterschiedlichster Art. Manche bleiben Jahre. Viele sind echte Rüpel und spucken Feuer, wenn sie sich angegriffen fühlen, aber wenn man sie einfach akzeptiert, hat man viel Spaß. Ich habe sogar häkeln gelernt, um jedem seine eigene Kuscheldecke schenken zu können, es ist oft das erste Mal, dass sie was Eigenes besitzen.

Er schaut mich todtraurig an. Das wird mal ein Herzensbrecher, so viel ist sicher, fehlen nur noch die Krokodilstränen.

»Lass mich raten«, sage ich. »Sie sollen blutrot werden, richtig, damit du wirklich gefährlich aussiehst?«

Er nickt zögernd.

»Und hinterher willst du bestimmt deinen Namen ändern lassen? Gorrrch der Schreckliche oder so?«

Er nickt. Deutlich verschämter.

Ach, Kind. Die Sache mit den Rollenbildern ist bei Menschen schon nicht leicht, aber als Drache muss es völlig katastrophal sein.

»Angst machen macht einsam, Süßer«, sage ich, »ich würde mir das noch mal überlegen. Glaub einer alten Frau.«

Er kommt zu mir, legt seinen Kopf auf meinen Schoß (mehr passt da auch nicht rauf), schließt die Augen und fängt prompt an, leise zu schnarchen, wobei ihm kleine Feuerzungen entweichen. Ich schüttele sachte den Kopf, während ich ihn kraule.

Morgen sollte ich mal wieder einen Satz feuerfeste Klamotten bestellen, mein Rock ist schon fast durchgeschmurgelt.

 

abc.etüden 2023 04+05 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Für die abc.etüden, Wochen 04/05.2023: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von mir (Christiane) und meinem Blog Irgendwas ist immer. Sie lautet: Drache, edel, häkeln.
Außerdem greift sie die Etüde von der Fledermaus auf (unbedingt hier klicken), ich konnte speziell dem Bild (unten) nicht widerstehen. Ich glaube, ich brauch gerade was Niedliches. (Ja, der Fellträger kann auch so gucken.)



Quelle: Pexels

 

Schreibeinladung für die Textwochen 04*05*23 | Wortspende von Irgendwas ist immer

Ihr kennt das vermutlich auch, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen: Keine Lust zu gar nichts, und eigentlich könnte einem alles gestohlen bleiben (außer dem*den Fellträger*n natürlich). Daher werdet ihr es mir hoffentlich nicht weiter übelnehmen, dass ich auf die Wortspende von Etüdenerfinder Ludwig dieses Mal eine von mir folgen lasse – ich hatte schlicht keinen Nerv, eine Ziehung abzuhalten und euch anzuschreiben. Schließlich hatte ich noch anderes zu tun (zum Beispiel zu husten), und der Fellträger will auch essen.

Wem jetzt meine Wortspende zu einseitig daherkommt: Es liegt an euch, ob der Drache ein Fabelwesen, ein Spielzeug (oder, sorry, Hobbygerät) oder ein Mensch (oder etwas ganz anderes) ist, der*die sich zum Beispiel die Realität zurechthäkelt … ich verlasse mich da völlig auf euch. Frage an die Fachmenschen: Ist die Blume an dem Geländer in der Illustration wirklich gehäkelt? Die Stichworte behaupten es zumindest.

Aus gegebenem Anlass: Einige von euch werden die Diskussionen um Texte (und die Texte selbst), die mittels ChatGPT3 geschrieben wurden, gelesen und kommentiert haben. Ich halte eine Auseinandersetzung mit KIs und ihren Möglichkeiten für wichtig, dennoch möchte ich euch bitten, ab heute (Stand: 22.01.2023) keine KI-Texte mehr zu den Etüden beiszusteuern und zu verlinken: Ich werde sie nicht in der Liste aufführen und entsprechende Links dazu löschen. Etüden sollen „handmade/kopfmade“ sein und bleiben 😉 (Siehe auch das berühmte Kleingedruckte.)
Link zu KIs im Alltag beim ZDF: hier klicken – meinen Dank an Jürgen Küster, der den Link bei Gerda in den Kommentaren beigesteuert hat.

Los geht es wie immer mit der Statistik. 26 Blogmenschen haben 39 Etüden beigesteuert, das liegt vor allem daran, dass die Zahl der Wiederholungstäter viel geringer als sonst war, der „Etüdenstamm“ hat zuverlässig mitgeschrieben. Sehr herzlichen Dank!

Vielen Dank wie immer an alle, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Und auch immer wieder meinen Extradank an jede*n von euch, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat. 😀👍

Wie immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, und versichere wie jedes Mal, dass es keine böse Absicht ist. 😀

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Bereit für die neue Etüdenliste? Hier kommt sie!


Rina auf Geschichtszauberei: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzleblume: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Olpo auf olpo run: hier, hier, hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier
Petra auf Petra schreibt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Kristijan auf Schreibenblog: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Bettina auf Wortgerinnsel: hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Doro auf DORO|ART: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier


Die Wortspende für die Textwochen 04/05 des Jahres 2023 stammt wie bereits erwähnt von mir (Christiane) und meinem Blog Irgendwas ist immer. Sie lautet:

Drache
edel
häkeln.


Wie immer weise ich darauf hin, dass der obligatorische Etüden-Disclaimer weiterhin gilt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt (höchstwahrscheinlich) nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn euch was auffällt – ihr wisst ja.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 5. Februar 2023. Habt weiterhin ein schönes Wochenende und gute Einfälle!

 

abc.etüden 2023 04+05 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2023 04+05 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2023 04+05 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Miniatur. Gedankenfetzen. Ein Versuch | abc.etüden

 

Na denn –

renn!

Immer schneller, immer höher, immer weiter!

Zögere nicht! Denk nicht! Leb deine Träume! Dich erwartet noch so viel Wunderbares! Wir füttern Körper, Geist und Seele nur mit erlesener Qualität. Versprochen. Unterschreib hier.

Renn weiter!

 

Ich will alles! Ich will Spaß, ich geb Gas!

Hurra! Was ist der Schnee schön weiß! Was ist der Wald schön grün! Was sind die Blumen schön bunt!

 

Drah di net um …

Siehst du nicht, dass alles zerschellt? Hast du keine Angst?

Nutze deine Freiheit! Bleib nicht stehen!

Renn weiter!

Flieh ins Café am Ende der Welt …

– hinter den Nebeln –

bevor die Klimakatastrophe kommt

oder die nächste Pandemie

oder der Krieg

oder die Inflation

… du hast es dir verdient! Mit deinem Leben!

Renn weiter!

 

Ver-ant-wor-tung? So-li-da-ri-tät? Mit wem denn und wofür? Wir sind gute Bürger, wir gehen zur Wahl und dann lassen wir die Politiker ihren Job machen.

Atlas wirft die Welt ab …

Muss ich das verstehen?

Und die blaue Kugel rollt, haha, sehr witzig. Faites vos jeux, aber gerne doch. Hundert auf Rot!

… und überrollt auch die Fluchtsieger …? Wie bitte?

Rien ne va plus.

Gleich kommt, dass ich eine Maske tragen muss, wetten?

Wie … nein?

 

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Miniatur für die abc.etüden, Wochen 02/03.2023: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder, der nicht mehr bloggt. Sie lautet: Fluchtsieger, füttern, wunderbar.

Mein Kopf ist gerade etwas unsortiert und wehrt sich gegen nette Geschichtlein. Ich kenne das, das bedeutet, dass nichts Gescheites nachkommt, wenn ich es nicht wenigstens zum Teil rausschreibe, also habe ich es mal versucht, in der Hoffnung, dass wer von euch etwas damit anfangen kann, auch wenn die Form für mich eher unüblich ist.

„Atlas wirft die Welt ab“ ist übrigens der Titel eines Buches, das ich nicht gelesen habe (und nicht lesen werde, aber dafür hat Alexander es gewohnt kundig in epischer Breite besprochen: hier klicken), aber ich mochte das Bild von dem blauen Ball, sei er, was er sei …

Myriade: Erfüllt meine Zeile dein Kriterium für die Teilnahme (Rahmen) an der Impulswerkstatt, auch wenn sie weder am Anfang noch am Schluss steht? Dann füge ich dir noch den Link ein …

Frage: Nutzt schon jemand die neue Jetpack-App (statt des Readers) auf dem Handy und kann darüber berichten? Mir wird sie derzeit öfter angeboten, aber ich hab mich noch nicht getraut …

 

Schreibeinladung für die Textwochen 02*03*23 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Willkommen zurück, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, und auch bei den Etüden willkommen im neuen Jahr 2023! Aufgrund von Krankheit (mein Freundinnen-Besuch über Silvester hatte leider eine Virusgrippe (kein Corona) im Gepäck; danke, es geht mir schon erheblich besser) habe ich es vielleicht bisher noch nicht jeder*jedem, der*die wollte, um die Ohren gehauen: Möge es ein gutes neues Jahr auch für dich werden, möge es sich uns allen gewogen zeigen – es herrscht kein Mangel an Umständen, die sich bessern könnten 😉


Wie im letzten Jahr möchte ich jedenfalls mit einem kurzen Fazit zu den Adventüden 2022 beginnen, dazu gehört vor allem die Statistik. Die Top-5-Etüden mit den meisten Aufrufen waren:

04.12.  Advent   (169)

01.12.  Deine Zeit   (165)

30.11.  Alle Jahre wieder   (162)

21.12.  Gute Nachbarschaft   (161)

27.11.  Alle Jahre wieder (159)


Screenshot Statistik Adventüden2022 Plätze 01–10 | 365tageasatzaday

Quelle: Blogstatistik, Aufrufe für 2022, 06.01.2023

Herzlichen Glückwunsch, Sabine, Doro, Christian, Nina und Puzzleblume! Die Plätze 6 bis 10 könnt ihr dem Screenshot entnehmen; besonders freut mich, dass es der Beitrag des Schreibenblogs tatsächlich in die Top 10 geschafft hat. 😀


Kurz und schmerzlos kommen wir also schon zur ersten Wortspende. Wie es bereits Tradition hat, habe ich den Etüdenerfinder um eine Wortspende gebeten, eine Bitte, der er völlig unüberraschenderweise nachgekommen ist 😉

Die Wörter für die Textwochen 02/03 des Jahres 2023 stiftete Ludwig Zeidler. Sie lauten:

Fluchtsieger
füttern
wunderbar.

 

Zum ersten Mal in diesem Jahr weise ich darauf hin, dass der obligatorische Etüden-Disclaimer weiterhin gilt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt (höchstwahrscheinlich) nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn euch was auffällt – ihr wisst ja.

Die nächsten regulären Wörter für dieses Jahr gibt es am 22. Januar 2023. Habt weiterhin ein schönes Wochenende und gute Einfälle!

 

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Weihnachtspause

Ich hatte gerade ein Dejá-vù: Ich könnte meinen letztjährigen Post (wenn auch aktualisiert) fast eins zu eins wiederholen, so wenig hat sich grundlegend geändert. Das hat mich überrascht … 😉

Ihr Lieben, alle Türchen der Adventüden haben sich geöffnet, alle Etüden haben Freude, Entzücken und Entsetzen ausgelöst, haben zu Gelächter und Nachdenken, Trauer, Trost und Staunen eingeladen und ihren krönenden Abschluss gefunden ❤ – so unterschiedlich, so schön.

Und weil vielleicht viele in der Adventszeit nicht dazu gekommen sind, gibt es jetzt hier noch mal die komplette Liste zum Nachlesen. Viel Freude!


27.11.  Alle Jahre wieder
28.11.  Aufruhr im Lehrerzimmer
29.11.  Eine Liebeserklärung der anderen Art
30.11.  Alle Jahre wieder
01.12.  Deine Zeit
02.12.  Schöne Bescherung
03.12.  Nicht alltäglich
04.12.  Advent
05.12.  Wieder ein Weihnachtsdilemma gelöst
06.12.  Der Einbrecher
07.12.  Ein besonderer Adventskalender
08.12.  Das letzte Mal
09.12.  Wieder daheim
10.12.  Der Umweg
11.12.  Eine Liebeserklärung
12.12.  Eine Adventsgeschichte
13.12.  Das Ross
14.12.  C+M+B IV
15.12.  Weihnachten ist nie wie im Bilderbuch
16.12.  Zeitenwende
17.12.  Das Adventsessen
18.12.  Hoppala
19.12.  Ein Weihnachtswunder?
20.12.  Ein unverhofftes Geschenk
21.12.  Gute Nachbarschaft
22.12.  Dritter Besuch
23.12.  Erinnerungen sind wie Sterne
24.12.  Fräulein Honigohrs Weihnachtswanderung


Ich danke euch allen, die ihr Teil der Adventüden wart, aktiv oder passiv, als Schreiber*innen, Kommentator*innen, Leser*innen und Liker*innen. Schön, dass ihr da wart, für euch, für uns alle passiert das hier, ich kann es nur immer wieder wiederholen, deswegen halte ich die Etüden am Leben. Und danke an euch, dass ihr die Arbeit seht, die dahintersteckt.
Frische Begriffe für die Etüden gibt es erst wieder am 8. Januar 2023, ich nehme mir die erste Woche des neuen Jahres noch etüdenfrei.


Mein Blog schlurft jetzt langsam in den Feiertagsmodus und ich mit ihm: Ich schließe ihn nicht, auch zwischen den Jahren nicht, denn natürlich werde auch ich weiter durch die Blogs bummeln, aber ich lasse ihn liegen, bis ich Lust habe, mich darum zu kümmern … ich habe ein großes Bedürfnis nach Wärme und Couch und lieben Menschen, dem schnarchenden Fellträger, meinem Weihnachtsbuch und, und, und.

Kommt gut und gesund an Körper und Seele und entschleunigt durch diese Tage, mögen sie bei euch stressarm und heiter ausfallen, und passt auf euch und eure Liebsten (Menschen und Tiere) gut auf.


Adventüden 2022 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Die Musik auf der Seite hinter dem Link unten spricht vermutlich nicht jede*n an, aber ich bekomme Gänsehaut beim Hören und finde sie irgendwie heilsam, und das ist bei mir echt selten.

Lichtgebet · Elbcanto & Helge Burggrabe · Text aus der Sufi-Tradition

 

24.12. – Fräulein Honigohrs Weihnachtswanderung | Adventüden

Stopp! Pause!« Herr Brummeck stemmt die Hände in die Hüften und schnauft.

Fräulein Honigohr wippt ungeduldig auf den Zehenspitzen. Es ist nicht mehr weit und die Zeit drängt. Die Bäume ragen kahl empor, der Weg hat schon vor längerer Zeit beschlossen, anderswo entlangzuführen. Die Nacht ist klar, aber leider nicht eiskalt, da kann auch der schönste Sternenglanz nichts ändern.

»Müssen wir das wirklich jedes Jahr machen?« Herr Brummeck sieht leidend aus.

»Natürlich.« Fräulein Honigohr ist mitleidlos. Er muss ja nicht mitkommen. Aber er will es so. »Weiter!«

Herr Brummeck stöhnt, aber er läuft ihr hinterher. Das Unterholz ist dicht und hat noch nie Laubsägen oder Äxte gesehen, aber Fräulein Honigohr weiß, wo sie lang muss. Und da ist sie schon, die Lichtung. Der Schnee leuchtet fahlweiß unter dem Nachthimmel, und Fräulein Honigohr lacht laut auf. »Er ist noch da! Siehst du? Der Einzige weit und breit!«

Herr Brummeck schnauft.

»Komm!« Fräulein Honigohr schubst ihn in den Schnee und wirft sich dann selbst hinein. Akribisch malen sie acht Schnee-Engel auf die Lichtung, für mehr ist kein Platz. Der Schnee ist schwer und nass und quietscht leise. Als sie fertig sind, stellen sie sich nebeneinander auf. »Jetzt«, flüstert Fräulein Honigohr und schnipst mit den Fingern. Langsam erheben sich die Schnee-Engel aus ihren Abdrücken. Sie sind ein wenig zerknautscht, genau wie der Schnee. »Ihr wisst, was ihr zu tun habt?«, fragt Fräulein Honigohr, und sie nicken. »Dann wünsche ich gutes Gelingen. Ihr habt zwölf Stunden, wie immer.« Sie fliegen auf, ihre Flügel ein leises Rauschen wie Lametta im Wind.

»So schön …« Fräulein Honigohr lehnt sich an Herrn Brummeck. Er legt einen Arm um sie. »Der alte Mann kann ja nicht alles allein machen.«

»Stimmt.«

Sie sehen den Schnee-Engeln hinterher, bis das Rauschen verklungen ist. Dann machen sie sich an den Abstieg.


Autor*in: Tanja                    Blog: Stachelbeermond


Adventüden 2022 24-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

23.12. – Erinnerungen sind wie Sterne | Adventüden

Agatha schlägt die Augen auf. Ihr Kopf dröhnt, das rechte Bein fühlt sich betonschwer an, im linken Handrücken steckt eine Nadel. Agatha dreht den Kopf. Stöhnt vor Schmerz. Legt ihn zurück. Sie lässt die Augen wandern. Über ihr ein Haltegriff. Neben dem Bett ein Infusionsständer mit einer durchsichtigen Flasche. Tropf, tropf, tropf. Die Wände sind weiß. Ein kleiner Tisch und zwei Stühle stehen an der Wand, darüber hängt ein Kunstdruck. Van Goghs Sonnenblumen. Das Licht brennt. Draußen dunkelt es. Agatha hört ihren Atem, vom Flur schnelle Schritte. Und Klingeln. Immer wieder.

»Wie bin ich hier gelandet?«, fragt sie.

»Du bist von der Leiter gefallen, Gänseblümchen. Beim Aufhängen der Sternenlichterkette.«

Agatha erschrickt. »Gänseblümchen« hat sie nur ihr Papa genannt. Niemand sonst durfte das. Aber Papa ist schon lange tot. Agatha versucht, sich hochzuziehen.

»Bleib liegen, Gänseblümchen, hab keine Angst. Alles ist gut. Du bist bald gesund.«

Agatha lauscht. Schließt die Augen. Bilder tauchen auf. Ein Kaleidoskop bunter Erinnerungsfetzen. Sie sieht sich und ihren Vater beim Aufhängen der Sternenlichterkette. Seit sie in der 1. Klasse war, hat er diese mit ihr am 23. Dezember aufgehängt. Nur mit ihr. Nie mit jemandem anderen. Es war seine Vater-Tochter-Zeit. Nicht einmal in 68 Jahren hat er das ausfallen lassen. So wenig. So wertvoll. Eine Liebeserklärung an sie.

Agatha lässt die Erinnerungen kommen. Sie spürt seine Hand auf ihrem Rücken. Hört sein: »Ich halte die Leiter, einen Sturz wollen wir nicht.« Sie erinnert sich an jeden einzelnen Vorweihnachtsabend. Sieht sie sich an. Lässt sie vorbeiziehen.

Agatha spürt das Lächeln, das sich auf ihrem Gesicht breitmacht. Ihr wird ganz leicht. »Papa«, flüstert sie.

»Ich bin bei dir, Gänseblümchen. Immer.«

Agatha lauscht. Macht das Licht aus. Ihr Blick wandert zum Fenster. Sternenglanz fällt ins Zimmer.

»Danke, Papa, deine Lichterkette ist besonders in diesem Jahr.«


Autor*in: Judith                    Blog: Mutigerleben.de


Adventüden 2022 23-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

22.12. – Dritter Besuch | Adventüden

Nachts wandert sie jetzt zwischen den Welten.

Lukas macht das Sorgen, er befürchtet einen Sturz oder dass der Eintopf auf dem Herd verkohlen könnte, dabei isst sie kaum noch etwas. Dann und wann ein Plätzchen genügt.

Kreuzkümmelduft steigt aus der Gebäckdose und sie weiß, heute kommt er zum dritten Mal. Ein Weihnachtswichtel ist er, Ziegenbart sein Name, kein liebenswerter Tunichtgut aus der Art der Geschichten, die sie Lukas und Joyce beim Öffnen der Adventskalender vorgelesen hatte. Ziegenbart kommt aus einer Welt, in der Zartheit und Mut das sind, was gilt.

Bei der ersten Begegnung war sie zehn gewesen, der Duft geheimnisvoll, mit Kreuzkümmel hatte damals in diesen Breiten niemand gekocht. Unendlich verlassen hatte sie sich gefühlt, weiß längst nicht mehr wieso, als er vor ihr gestanden und freundlich um die Batterien ihrer Taschenlampe gebeten hatte, für den Weihnachtsmann. Sie legte sie in seine schmale Hand und alle Verlassenheit verflog. In ihr wuchs Zuversicht und jahrelang verneigten sich manche vor ihrem Mut.

Als aller Mut und jede Zuversicht verloren waren, kehrte er zurück, Dezemberdilemma hatte sie jene Adventszeit genannt, in der sie entscheiden sollte, Joyce in eine Einrichtung zu geben, was doch nichts anderes war als ein Heim.

Die Unerbittlichkeit, eine Entscheidung zu treffen, die nur falsch sein konnte, drohte ihr Herz in Stücke zu reißen.

Ziegenbart bat wieder um irgendwelche Batterien. Sanft strich er über ihre Wange, sie weinte und wusste, es würde weitergehen, zerzaust, aber im Herzen unversehrt.

Jedem wärmenden Gericht, das sie kochte, hat sie Kreuzkümmel beigefügt seitdem.

Und nun, Jahrzehnte später, steht er wieder duftend da, will keine Batterie, sondern streckt ihr wortlos seine schmale, seltsam spröde Hand entgegen wie eine Liebeserklärung.

Lächelnd wechselt sie die Welt, wendet sich nur noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass der Herd ausgeschaltet ist.

Für Lukas. Für Joyce.


Autor*in: Natalie                    Blog: Fundevogelnest


Adventüden 2022 22-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

21.12. – Gute Nachbarschaft | Adventüden

Der ist ein Tunichtgut«, sagte die Mutter. Sie rührte hingebungsvoll im großen Topf auf dem Herd.

»Leg einfach den Deckel drauf und lass den Eintopf durchziehen«, sagte die Tochter.

»Papperlapapp. Ich habe schon gekocht, als du noch in Abrahams Wurstkessel geschwommen bist.«

Bilder stürmten auf die Tochter ein. Abraham, ein stämmiger Mann mit wildweißem Haupthaar und langem Bart, hatte die Ärmel hochgekrempelt. Er führte mit beiden Händen einen mächtigen Kochlöffel durch den Kessel. Es roch nach Kreuzkümmel und Schweiß. Abraham ließ den Löffel los, fischte aus seiner Hosentasche ein zusammengeknülltes Taschentuch und wischte sich die Stirn. Die Tochter hätte sich ihre Herkunft romantischer gewünscht. Mehr Sternenglanz und weniger Wurstwasser.

»Da ist der Tunichtgut«, sagte die Mutter. Die Recyclingtonne im Hof klappte zu.

»Immerhin trennt er den Müll«, sagte die Tochter. »Das ist doch lobenswert.«

»Wer’s glaubt.«

Zu Hause könnte die Tochter jetzt Musik hören, Rotwein trinken und ein Buch lesen. Leider hatte sie vor dem Dezemberdilemma kapituliert.

»Wenn du schon hier bist, mach dich nützlich«, sagte die Mutter. »Den Weihnachtsputz schaffe ich nicht mehr mit meinem Herzen.«

Die Wohnung war sauber, Herz hin oder her. Der Plastikweihnachtsbaum nadelte nicht, von den elektrischen Kerzen tropfte kein Wachs, Leitungswasser hinterließ keine Rotweinflecken.

Es klirrte und schepperte. Der Tunichtgut warf nun Weinflaschen in den Glascontainer.

»Typisch«, sagte die Mutter. »Immer vom Feinsten, ich seh die Etiketten. Sucht und Verschwendung. Ich brauche keinen Alkohol zum Fröhlichsein.«

Die Tochter fragte sich, ob es auf der Welt etwas gab, von dem die Mutter fröhlich würde. Nichts, von dem sie wusste. Vielleicht ein verwunschenes Kraut hinter den sieben Bergen. Doch sie war nicht die Heldin, die es finden würde.

Sie selbst war da nicht so anspruchsvoll. Sobald die Mutter schlief, würde sie eine Gebäckdose füllen und nebenan beim Tunichtgut läuten. Vielleicht würden die Feiertage dann gemütlich ausklingen.


Autor*in: Nina Bodenlosz                    Blog: Das Bodenlosz-Archiv


Adventüden 2022 21-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

20.12. – Ein unverhofftes Geschenk | Adventüden

Früher war mehr Lametta«, sagte Opa Hoppenstedt, und Karin schaltete ihren Fernseher aus. Nicht mal das Weihnachtsprogramm konnte sie dieses Jahr in Stimmung bringen. Sie hatte alles versucht, vom Keksebacken über Weihnachtsputz bis hin zu schnulzigen Weihnachtsliedern. Dieses Jahr Weihnachten war alles scheiße. Letzten Monat hatte ihre Freundin sie verlassen, dann hatte ihr Arbeitgeber ihr statt Schokolade eine Kündigung zum Nikolaus geschenkt und jetzt war auch noch der Corona-Test positiv.

Karin fühlte sich wie ein Versager und biss abwechselnd in ein Stück Schokolade und schnäuzte sich in ein Taschentuch. »Toller Heiligabend«, brummelte sie und beschloss, ins Bett zu gehen. Warum sollte sie wach bleiben? Es war niemand hier, mit dem sie Geschenke tauschen konnte oder der mit ihr Kartoffelsalat mit Würstchen aß. Alleine war Weihnachten einfach doof.

Morgens wurde sie von einem Poltern geweckt. Verängstigt schnappte sie sich einen Metallbügel und pirschte sich Richtung Flur. Weder im Flur noch im Bad sah sie etwas, also näherte sie sich vorsichtig dem Wohnzimmer. Zu ihrer Erleichterung stellte sie fest, dass auch dort niemand war. Müde ließ sie sich auf die Couch plumpsen. Erst mit dem zweiten Blick fiel ihr auf, dass sich ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum befand. Waren ihre Eltern heimlich in die Wohnung geschlichen?

Sie suchte nach einer Karte, fand aber keine, also öffnete sie das Päckchen. Der Karton war leer bis auf einen kleinen Umschlag, auf dem stand: »Für ein neues Leben – Umschlag öffnen.«
Karin wollte lachen, aber irgendetwas sagte ihr, dass dies kein Witz war. Sie verharrte einige Minuten auf den Umschlag starrend, dann, einer Eingebung folgend, riss sie den Briefumschlag durch und schmiss ihn in den Papiermüll. Eigentlich war ihr Leben ganz okay. Sie brauchte nur einen neuen Job und eigentlich kam sie auch ganz gut alleine klar.


Autor*in: Katharina                    Blog: Katha kritzelt


Adventüden 2022 20-12 | 365tageasatzaday

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

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19.12. – Ein Weihnachtswunder? | Adventüden

CN: Diese Adventüde geht anders aus, als es zuerst scheint. Versprochen 😉

 

Der Weihnachtsputz würde dieses Jahr ausfallen. So viel stand jedenfalls fest. Sie sah gedankenverloren dem Schneetreiben vor dem Fenster zu. Nach dem Sturz war nämlich alles anders. Und das musste irgendwie wieder gerade gebogen werden. Sie schmunzelte kurz ob der Analogie dieser Worte und widmete sich dann erneut geflissentlich den nunmehr nur noch kleineren Näharbeiten. Von der groben Arbeit zuvor zeugte noch immer die blutige Laubsäge, die an der Wand lehnte. »Fürs Säubern ist später noch Zeit«, murmelte sie leise vor sich hin, um dann mit den letzten Nadelstichen das Werk zu vollenden. Sie beäugte noch einmal den leblosen Körper, der vor ihr auf der Werkbank lag. »Dies ist meine Liebeserklärung an dich!«, intonierte sie selbstbewusst.

Ihr Blick ging zur alten, tickenden Holzstanduhr, die hier unten im Kellerabteil die gefliesten Wände verzierte. Sie drehte sich auf dem Absatz um, stieg die Stufen zur Küche hinauf, ging zum Gasherd und öffnete den Deckel des heiß dampfenden Kochtopfs. Die Klöße, die sie zuvor sorgsam und liebevoll aus Hefe zu gleich großen Kügelchen geformt hatte, köchelten vor sich hin. Es roch intensiv. »Ich habe nie verstanden, warum du unbedingt Kreuzkümmel mit an diesen Eintopf haben wolltest«, sprach sie in den blubbernden Topf hinein. »Aber es ist dein Lieblingsgericht und du wirst sicher hungrig sein, wenn du aufwachst.« Sie drehte den Temperaturregler ein wenig hinunter und ging langsam zurück in den kalten Keller.

Sie überprüfte ein letztes Mal die Kabelverbindungen, die den Körper mit der Starkstromanlage verbanden und lachte dabei laut auf, weil ihr bewusst wurde, dass die Aktion den Nachbarn ringsum gleich die beleuchtete Weihnachtsdeko komplett abfackeln würde, und nickte zufrieden. Alles schien perfekt vorbereitet. Vielleicht geschieht doch ein Weihnachtswunder und es wird alles wie früher, dachte sie hoffnungsvoll und drückte den Knopf. Die Reanimation konnte beginnen.


Autor*in: Stepnwolf                    Blog: Weltall. Erde. Mensch…und Ich.


Adventüden 2022 19-12 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

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Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2022, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.