Schreibeinladung für die Textwochen 15.16.20 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Saisonstart/-wechsel ist’s bei den Etüden, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen; nicht nur steht Ostern ins Haus (huch? Ist irgendwem österlich?), nein, auch eine neue Runde Etüden startet, die bis Ende Juni gehen wird. Traditionsgemäß (na ja) eröffnet sie mit Worten, die diesmal der Etüdenerfinder beigesteuert hat, diese sind nicht im Geringsten österlich und wie üblich gern etwas ausgefallener.

Das heißt, ich werde in der nächsten Woche wieder die Wortspender auslosen und anschreiben. Dazu folgen jetzt alle die, die seit Januar zu uns gestoßen sind und mindestens zwei Etüden geschrieben haben: Ellen von nellindreams, Elvira vom Quilttraum, Judith von Mutiger leben, Lea von kommunikatz, Olpo von Olpo Olponator, Susanne von books2cats, Ulrike von Blaupause7. (Fehlt wer? Ich hoffe nicht.) In meinen Aufzeichnungen fehlen Ela von 365 Tage in Richtung 60 und Isabel, die Wortverzauberte, das kann aber mein Fehler sein.
Ihr alle, die ich jetzt genannt habe: Möchtet ihr auf die Liste der potenziellen Wortspender? Falls ja, müsst ihr bitte einmal per Kommentar nicken (bitte bis inklusive Mittwoch, 08.04.), denn dann habe ich es nach Datenschutzregeln, dass ich eure Mail-Adressen speichern darf, um euch anzuschreiben, falls ihr gezogen werdet (und NUR dazu). Die neue Saison geht bis Ende Juni, einmal Extraetüden sind drin, ich habe 5 Spenderplätze zu verlosen. Meldet euch bitte zuhauf.
Und ihr anderen: Jede und jeder, der seit Beginn des Jahres mehr als eine Etüde geschrieben hat, ist für die Verlosung drin im Topf, es sei denn, ihr hättet dem widersprochen.

Weitere Überlegung am Rande: Adventüden. Wie im letzten Jahr wäre ich auch wieder geneigt, für den Dezember Adventüden auszurufen. Könntet ihr euch jetzt, mitten in Corona, vorstellen, im Etüdensommerpausenintermezzo (also im Sommer) Adventüden zu schreiben, wo wir nicht wissen, ob wir im Advent Corona hinter uns gelassen haben werden oder mittendrin in irgendeinem Lockdown sitzen? Denkt mal mit, bitte, und sagt, wie ihr euch dabei fühlt.

Okay. Jetzt Statistik? Jetzt Statistik und Liste, wie immer, für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 21 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 27 Etüden eingereicht, und das ist für eine einzelne Woche verdammt viel, wie ich finde – und ich finde das richtig gut! Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Ulrike auf Blaupause7: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier und hier
Lea auf kommunikatz: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Olpo Olponator auf olpo run: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Judith von Mutiger leben: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier

Nachzügler:  Isabel auf Wortverzauberte: hier

Die Wörter für die Textwochen 15/16 des Schreibjahres 2020 stiftete uns der Etüdenerfinder Ludwig Zeidler, der weiterhin nicht mehr bloggt – hallo, Ludwig! Seine Begriffe lauten:

Rumpelkammer
mutvoll
zehren.

 

Jaha, ich überlege auch, was der Unterschied zwischen „mutvoll“ und „mutig“ ist, außer dass ich finde, dass es schöner klingt. Nun denn.

Wir kehren wieder zurück zum öden, blöden Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 19. April 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Corona: Abstand | abc.etüden

 

»Sag mal, kannst du nicht neben mir bleiben, wenn wir spazieren gehen? Ich dachte, wir wollten uns in Ruhe unterhalten. Ständig bist du ein paar Schritte hinter mir oder läufst vorweg!«

»Ja, weißt du, Corona? Du sollst einen Abstand von mindestens eins fünfzig, besser zwei Meter zu deinem lieben Nächsten einhalten. Gut, gilt für uns beide nicht, wenn es einen von uns erwischt, ist der andere eh mit dran.«

»Äh, und?«

»Na, guck dir doch mal die Leute an, die uns entgegenkommen, besonders die Pärchen. Was machen die? Richtig, die gehen nebeneinander. Wie wir. Und wie breit ist wohl der Weg?«

»Keine Ahnung?«

»Streck mal beide Arme aus. Und jetzt stell dir vor, dass das von Fingerspitze zu Fingerspitze ungefähr so viel ist, wie du groß bist. Bei Frauen sogar meistens weniger. Soll heißen, wenn ich einen Arm ausklappe und du einen Arm und sich unsere Fingerspitzen gerade so eben berühren, dann sind unsere Köpfe gerade mal so eins fünfzig auseinander, also der Minimalabstand.
Und wenn wir jetzt nebeneinander gehen und uns käme ein Paar entgegen und ich würde einen Arm ausstrecken und der, der innen geht auch, was würde dann passieren? Exakt, dann würden wir uns gegenseitig mit der Hand in die Fresse hauen, weil der Weg eben nicht breiter ist, sogar, wenn die und wir eng nebeneinander und am Wegrand gingen.
Ist das also genügend Abstand? Nein, DAS ist bescheuert! Deshalb geböte es eigentlich die Höflichkeit, auszuweichen und halt mal kurz hintereinander zu gehen, bis man aneinander vorbei ist. Macht natürlich keiner, weil alle denken, dass der andere ja zuerst kann oder so, und dass man selbst uncool ist, wenn man den ersten Schritt tut.«

»Ey, komm, werd nicht lächerlich.«

»Ach ja? Und da wären dann noch die Jogger, die einem den Weg abschneiden oder ganz nah überholen und keuchen und nicht daran denken, dass jemand anders wirklich nicht ihre verbrauchte Atemluft einatmen möchte. Die glauben doch, sie sind voll fit und haben kein Cooorooonaaa, weil sie noch rennen können. Ich muss dich nicht erinnern, dass du trotzdem Überträger sein kannst, auch wenn du symptomfrei bist, oder?«

»Iiiiiih! Schnaufende Jogger fand ich schon immer eklig.«

»Danke. Ich würde dich auch erheblich lieber deswegen anzicken, dass deine heiß geliebten Forsythien außer der Farbe bienentechnisch keinerlei Nährwert haben, oder dir erzählen, dass meinen Nachbarn neulich die Magnolien erfroren sind. Aber leider bin ich überwiegend damit beschäftigt, den Idioten auszuweichen, die die gleiche bescheuerte Idee hatten wie wir: jetzt am See spazieren zu gehen. Damit wir nämlich auch nächstes Jahr noch bei einem Glas Wein diesen oder jenen Sonnenuntergang bewundern können.«

»Es gibt auch rücksichtsvolle Mitmenschen. Ist die einzige Lösung demnach, zu unmöglichen Zeiten spazieren zu gehen? Am Wochenende soll es übrigens warm werden.«

»Also, ich weiß, wo ICH dann garantiert nicht bin.«

»Apropos Wein. Wir könnten im Garten grillen. Nur du und ich.«

»Deal. Ich hab so Mund-Nasen-Masken aus Stoff genäht, falls du welche willst, zum Einkaufen oder so, sag Bescheid.«

»Ich vermisse unsere Unbeschwertheit.«

»Ich auch.«

 

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 14.2020: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Die Worte stammten dieses Mal von Corly und Elke H. Speidel, ich habe verwendet: Sonnenuntergang, warm, lächerlich, Forsythien, erfrieren.

Ich drehe täglich (nach Möglichkeit) eine Runde um den hiesigen Teich und finde es ganz wundervoll, Fauna und Flora zu beobachten und einfach nur Frühling zu atmen. Diese Ecke ist bekannt und beliebt, im Sommer werden auf den Wiesen Partys geschmissen, es wird gegrillt, Ball gespielt und laut Musik gehört, fast immer sind neben den normalen Spaziergängern Jogger, Gassigeher und Kinderwagenschieber*innen auf der Strecke. Und Familien, oft große. Je schöner das Wetter, desto exzessiver.
Klar, Corona hat das alles sehr deutlich reduziert, dennoch ist Rücksicht vonnöten, vor allem in so einer Zeit wie jetzt. Ja, ich erlebe immer wieder, dass mit einem freundlichen Nicken und Lächeln sehr vieles geht (AUCH BEI JOGGERN) – aber ich erlebe auch das krasse Gegenteil, dass die Mitmenschen einfach Luft sind. Früher hat es mich meist nicht sonderlich gestört, da fand ich es zum Teil halt einfach rüpelhaft, aber momentan bin ich bisschen empfindlicher.

Mich hat tatsächlich beschäftigt, wie viel denn dieser eine Meter fünfzig ist, den wir Abstand halten sollen, und da bin ich auf das Maß gekommen, das jede*r mitschleppt – die Armlänge. Gewusst habe ich nicht, dass die Armspannweite, also die ausgebreiteten Arme von Mittelfingerspitze zu Mittelfingerspitze ca. der eigenen Körpergröße entsprechen, mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass man das Verhältnis von Armspannweite zu Körpergröße den „Affenindex“ nennt (ein Begriff ursprünglich aus der Kletterszene, Wikipedia-Artikel hier lesen), und dass wohl nur sehr große Männer häufiger einen positiven Affenindex haben. Konkrete Zahlen zu „Standardproportionen des Durchschnittsmenschen“ habe ich in einem Rennrad-Forum gefunden (hier nachlesen, bisschen scrollen).

Etüden bilden, ich hab es schon immer gewusst.

 

Das leere Nest – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 4

 

Nun waren sie weg. Wirklich weg. Endgültig weg.

Sie kniff die Augen zusammen und lehnte sich nach vorn, in der Hoffnung, noch einmal das vollgeladene grüne Auto zu sehen, von dem sie wusste, dass es eilig den Hügel hinunterfuhr und den Ort bald hinter sich gelassen haben würde. Das ist der Lauf der Welt, ermahnte sie sich, reg dich doch nicht so auf, du hast doch gewusst, dass es eines Tages vorbei sein wird. Anstatt dass du dich freust, dass deine Tochter so einen guten Mann gefunden hat und in eine glänzende Zukunft aufbricht, nein, was machst du? Stehst am Fenster und jammerst vergangenen Zeiten hinterher. Schäm dich. Geh und kümmere dich um deine Aufgaben.

Sie trat zurück und verschränkte die Arme, blickte aber weiter nach draußen. Der Vormittag versprach sonnig zu bleiben, die Kinder würden eine gute Fahrt haben und bestimmt heil in der Stadt ankommen. Mütter sorgen sich schließlich immer. Und hatte Cilly nicht versprochen, sich sofort zu melden?

Es war egal. Wie sie es auch drehte und wendete: Nun war auch ihr zweites Kind endgültig ausgezogen. Das Nest war leer. Nie wieder würde sie für Robert und seine Freunde blechweise seinen heiß geliebten Pflaumenkuchen backen und Sahne schlagen, bis ihr der Arm wehtat, nie wieder würde Cilly ihre Freundinnen zu Pyjamapartys einladen und sie ihnen spätnachts Kannen voller heißer Schokolade bringen. Ach, das Gelächter, das durchs Haus geschallt war! Ach, die Feste, die sie hier gefeiert hatten! Sie waren so eine glückliche Familie gewesen. Vorbei.

Jetzt war sie wohl das Pflichtprogramm für den Besuch am Wochenende, für Cilly noch eher als für Robert. Aber so waren Jungs. Konnte sie ihm sagen, dass sie gern mehr Anteil an seinem Leben hätte? Schließlich ging er in seinem Arztstudium auf, so ein verantwortungsvoller Beruf, sie war so stolz auf seine Wahl. Nein, sie wollte nicht, dass er an ihren Schürzenzipfeln hängen blieb. Er sollte in die Welt hinausziehen, unabhängig und erfolgreich sein und irgendwann ein nettes Mädchen heiraten. Sie würde dem mit ihrer Gefühlsduselei nicht im Wege stehen, so wie sie auch Cilly und ihrem Thomas nicht im Wege gestanden hatte, obwohl sie ihre Tochter insgeheim für viel zu jung für einen Mann und eine eigene Familie hielt.

Es veränderte sich so vieles, wenn man Kinder bekam. Vor allem hatte man als Frau nie mehr Zeit für sich allein, das war die wichtigste Lektion gewesen, die sie gelernt hatte. Männer verließen das Haus und verdienten das Geld. Die Frauen regelten den Rest. Das konnte man konservativ nennen, aber sie hatte nie Geldsorgen gekannt, hatte es genossen und gern ihren Part zum gesellschaftlichen Aufstieg der Familie beigetragen, mit Empfängen und allem. Am Anfang hatte sie Nathan bei der Buchhaltung und den Geschäftsbriefen unterstützt, aber später, als die Kinder da waren und er größere Mandanten an Land gezogen hatte, waren zu dem Büro im Ort ein Partner und eine Sekretärin, Miranda, gekommen, und sie hatte gelegentlich abends repräsentiert. Sie hatte darauf geachtet, ihre schlanke Figur zu behalten, obwohl sie großartig kochte, wie Nathan bestätigte. Männern war eine attraktive Partnerin wichtig.
Manchmal im Bett fragte sie sich, ob es sein konnte, dass sie ein fremdes Parfüm an Nathan roch, aber dann schalt sie sich bösartig. Bestimmt täuschte sie sich. Sie waren ein gutes Team, Nathan und sie, er würde ihr gemeinsames Leben doch nicht für eine Affäre aufs Spiel setzen. Oder?

Das gnadenlose Sonnenlicht blendete sie und sie runzelte die Stirn. Das gab Falten, erinnerte sie sich, und daran, dass Falten hässlich machten, wenn man nicht mehr die Jüngste war. Energischen Schrittes ging sie in die Küche, räumte das Kaffeegeschirr zusammen, befüllte die Spülmaschine und nahm sich einen zweiten Kaffee mit in den Erker, von wo sie jedes Auto sehen konnte, das sich dem Haus näherte. Irrational, der Wunsch, das grüne Auto möge zurückkehren. Oder Nathans Limousine.

Ihre Hände zitterten leicht, als sie sie um die dampfende Tasse legte und den Geruch tief einsog.
Sie fühlte sich allein und verloren. Die Kinder waren aus dem Haus, Enkel noch nicht in Sicht, ihr Mann den ganzen Tag in seinem Büro, wo er Gott weiß was tat. Was war jetzt ihre Aufgabe? Wer war sie überhaupt? Was blieb ihr außer dem Warten auf das Alter? Was sollte sie tun? Mit Nathan reden? Konnte er verstehen, was in ihr vorging?
Sie verwarf den Gedanken. Sie verstand sich ja nicht mal selbst.
Sie zweifelte plötzlich an ihrem gesamten Leben.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 4 | | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir, unter Verwendung eines Werks von Edward Hopper

 

Ich muss zugeben, dass ich so ungefähr alle Klischees gestreift oder mitgenommen habe, die mir einfielen. Zu meiner Verteidigung möchte ich anführen, dass diese Geschichte ganz sicher nicht im Hier und Jetzt spielt, sondern weit eher zu der Entstehungszeit des Bildes (1950), zu der ich allerdings auch nicht sehr viel sagen kann, weil es mich da noch nicht gab, möglicherweise nicht mal als Idee ;-)

Was ich interessant fand, war, dass sich in meinem Kopf sofort die Sprache änderte, nachdem ich beschlossen hatte, dass diese Szene nicht in diesem Jahrtausend stattfindet. Die Frau übernahm, und ich war erstaunt, wie sie sich ausdrückte und was sie alles nicht als selbstverständlich ansah. Sie stellt sich selbst völlig zurück, lebt für die Familie und steht eines Tages (natürlich viel zu früh, es ist immer zu früh) vor den Veränderungen. Die Kinder sind aus dem Haus, sie wird eines Tages eine Rolle als Oma spielen, aber offenbar hat sie sich keinen Freundinnenkreis geschaffen (warum?), der sie jetzt auffängt. Ob die Ehe so gut ist, kann man nur mutmaßen, sie kann sich ebenso eine fette Naht vormachen und nicht sehen wollen, dass ihr Mann etwas mit Sekretärin Miranda (allein der Name! Der war plötzlich da) hat … Immerhin scheint der Mann erfolgreich zu sein und sie scheint ihren Traum wirklich gelebt zu haben – oder das, was sie leben wollte. Bis der Traum plötzlich verpufft und sie aus der Rolle fällt und es nicht fassen kann.

Dieser Text entstand nach einer Schreibanregung von Jutta Reichelt (Tag 4 – Schreiben zu Bildern). Vielen Dank, Jutta, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 14.20 | Extraetüden

Der Frühling ist da und mit ihm die ersten Extraetüden dieses Jahres, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen. Heute ist der fünfte Sonntag im Monat März, was Extraetüden bedeutet, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats April mit den regulären Wörtern weitergeht.

Ich hoffe es geht euch allen gut und eure Laune fährt nicht zu sehr Berg und Tal. Meine tut es, ich komme so mittelprächtig klar. Allerdings gehe ich gerade wirklich ausgedehnt spazieren, ich kann das, ohne zu vielen Menschen zu begegnen, und wenn, dann nicke ich und lächele freundlich, solange mich keine Jogger schneiden. Die Gassigeher kennen mich inzwischen und grüßen zurück.

Also, Statistik und Liste first, wie immer, für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 31 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 51 Etüden eingereicht.
Die Liste führen Alice und die Herren Werner und Gerhard mit jeweils 4 Etüden an, 4 Etüden hat ebenfalls Olpo Olponator beigesteuert, den*die*das ich herzlich bei den Etüden willkommen heiße und dessen*deren Blog sich über Namen und Geschlecht des*der Inhabers/Inhaberin ausschweigt. Abhilfe zu Letzterem wäre willkommen – korrekte Pronomen sind für mich eine Sache der Höflichkeit. Wir haben ferner noch eine Neue, Anja, mit ihrem Blog Annuschkas Northern Star. Herzlich willkommen auch dir noch mal! :-)

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier und hier
Anja auf Annuschkas Northern Star: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier und hier
Lea auf kommunikatz: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Susanne auf books2cats: hier und hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Martina auf Und sonst so?: hier und hier
Olpo Olponator auf olpo run: hier, hier, hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Anne auf Wortperlen: hier
Andrea im Hummelweb: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Isabel auf Wortverzauberte: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Wie immer: Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an Elke, die Wortspenderin, die bei euch mitgelesen und -kommentiert hat, ich weiß das zu schätzen, auch wenn ich euch hier nicht explizit nenne.

Wie das mit den Extraetüden geht? Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Die Wörter im Monat März spendeten Corly und Elke H. Speidel. Sie lauteten:

Sonnenuntergang, warm, fliegen
Forsythien, lächerlich, erfrieren.

 

Dieses Mal gilt die Abwandlung des öden, blöden Etüden-Disclaimers: Die Headline für die Etüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es schon am nächsten Sonntag, den 5. April 2020. Euch viel Schreiblust trotz der schwierigen Zeiten! Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt/werdet gesund!

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 14.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Der Frühling schmollt | abc.etüden

Er war kurz davor, das persönlich zu nehmen. Da hatte er sich solche Mühe gegeben, ihnen etwas zu bieten! Für wen hatte er denn seinen altersschwachen Vorgänger verfrüht aus dem Rennen gedrängelt und das ganze Land mit frischem Grün überzogen? Und? Wo blieben sie? Undankbares Volk!
Er vermisste ihre blassen Gesichter: Die Spaziergänger, die Sonnenanbeter, die In-die-Luft-Gucker-und-Freuer, die Balkonsitzer, die ewigen Griller, die Eisesser, die Jogger, die Gassigeher, die Omas und Mütter mit kleinen Kindern, die Mittags-essen-Geher – Temperaturen fast egal, Hauptsache draußen? Kommt raus, ihr Gesundheitsapostel, tankt euer Vitamin D!

Er liebte sie alle, und er wusste, sie liebten ihn auch. Eigentlich.

Hatte er sich doch nicht genug ins Zeug gelegt, war das Gelb der Forsythien oder des Löwenzahns diesmal nicht strahlend genug? Selbst Osterglocken hatte er schon reichlich gestreut und sogar hier und da Magnolien versucht – und dafür war es eigentlich wirklich noch zu früh.

Als alles nicht zu helfen schien, hatte er tiefer in die Trickkiste gegriffen: Frost. Etwas erfrieren zu lassen, brachte die Leute immer zuverlässig nach draußen zum Jammern, vor allem die, die sonst wie bescheuert in ihren Gärten werkelten und allen möglichen Trends nachliefen, als ob sie sonst nichts Wichtigeres zu tun hätten.

Nichts. Also nicht komplett nichts, aber alles in allem lächerlich wenig.

Er schnaubte beleidigt, als er sich die leeren Parks besah. Schön, es hatte auch seine Vorteile, wenn man nicht so herumpowern musste, aber das sah bisher nach einem überaus merkwürdigen Jahr aus und er wusste noch nicht, ob er die Entwicklung begrüßen würde.

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel mit ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour und lauten: Forsythien, lächerlich, erfrieren.

Hat vielleicht mal wer Mitleid mit dem armen Frühling?

 

Die neuen Nachbarn – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 2

 

„Und beinahe wären sie nicht gefahren“, sagte Frances. „Ich habe ja zuerst gedacht, sie würde ihn umbringen, so hat sie geschrien. Oder er sie.“

Rosi schwieg. Schweigen hatte sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn man wollte, dass die Frances weitererzählte. Was sie auch meist tat. Frances war die klassische Frau am Küchenfenster, das immer zur rechten Zeit einen Spalt offen stand – rein zufällig natürlich. Wer wissen wollte, was sich in der Siedlung tat, ging bei ihr vorbei, rief ihr ein freundliches „Wie geht’s“ zu und wartete. Selbstverständlich waren die neuen Nachbarn ein besonders beliebtes Thema, vor allem, da diese ihre Terrassentür schlossen, wenn sie die Frances bemerkten. Man musste die Frances nur spitz „Na ja, Südländer eben“ sagen gehört haben, um zu wissen, woher der Wind wehte. Wobei die Barbara neulich gewusst hatte, die Neuen wären aus Norddeutschland gebürtig. Vorgestellt hatten sie sich jedenfalls nicht, bei keinem aus der Siedlung, was sicher darauf schließen ließ, dass sie kein Benehmen hatten.

„Und der Knall! Fast ist mir das Herz stehen geblieben, so laut war der. Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen deswegen und immer gedacht, gleich kommt bestimmt die Polizei!“
„Wie, was, Knall? Polizei?“, stammelte Rosi und ärgerte sich, dass sie nicht besser aufgepasst hatte.
„Aber heute ganz früh, da habe ich sie dann gesehen“, beschloss Frances ungerührt ihre Erzählung. „Ihn und sie. Haben Koffer ins Auto getragen und sind ganz klammheimlich weg.“
Rosi nickte bestätigend und wagte eine letzte Gegenfrage. „Ja, aber wieso wären die beinahe nicht gefahren?“
„Ach, du hörst mir nicht zu! Bis später, Rosi, ich muss zu meinem Kuchen, der muss aus dem Ofen. Du kommst doch nachher zum Kaffee zur Barbara?“

Rosi starrte auf das geschlossene Küchenfenster. Sie würde zu Hause erst mal Anna anrufen. Vielleicht wusste die, was los war. Frances wurde langsam alt.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 2 | | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Heute geht es bei Jutta Reichelt und ihren Schreibanregungen um „Erste Sätze“ (hier klicken zum Nachlesen). Sowieso ein unerschöpfliches Thema.

Gemocht habe ich alle drei Vorschläge, die Jutta gemacht hat, und ich fand keinen einfach. Schließlich habe ich mich für den ersten Vorschlag entschieden, obwohl ich im Nachhinein denke, dass ich damit eigentlich in meiner Komfortzone geblieben bin (und es sind 300 Wörter, woher das wohl kommt? ;-)). Es hätte eine wilde Geschichte von Mord und Totschlag werden können, aber ich hatte null Lust, die aufzuschreiben – und schon gar nicht, wo ich annehme, dass morgen (morgen? Jutta, das könntest du in deinen Posts vermerken, wie lange wir Zeit haben) die nächste Schreibanregung ins Haus steht. Ich bin kein schneller Schreiber, ich mag mir Zeit nehmen und auf meinen Sachen herumbrüten. Dies ist für meine Verhältnisse schon fast ein Schnellschuss.

Also habe ich mich für die Beobachterin entschieden, eine neugierige ältere Nachbarin. Übrigens habe ich keine Ahnung, wirklich keine, was im Nachbarhaus passiert ist, nur dass alle noch leben.

Ich habe schon was von Alice Munro gelesen, aber an eine Frances erinnere ich mich nicht …

 

Lotte muckt auf – Schreiben bei Jutta Reichelt, Tag 1

Sie ächzte und ließ sich auf den Stuhl fallen. Er knackte unter ihrem Gewicht, aber darauf kam es inzwischen auch nicht mehr an, sie war halt schwer bepackt, was das anging, und nicht nur damit, ja, und? Die durften sich alle gern um ihren eigenen Mist kümmern.
Der Pausenraum war jedenfalls an Trostlosigkeit kaum zu überbieten, vermutlich aus Gründen – wo käme man denn hin, wenn die Verkäuferinnen sich in ihrer Pause auch noch wohlfühlten? Das Einzige, was sie bedauerte, war die Tatsache, dass es hier kein Fenster gab, das sie aufreißen konnte, um verbotenerweise eine zu schmöken. War die Haltung von Säugetieren ohne Fenster nicht verboten? Egal, sie würde es nicht mehr ändern, die paar Jahre bekam sie auch noch rum. Sie nahm geistesabwesend einen Schluck von dem Automatenkaffee, während ihre Augen schon über die Schlagzeilen der Tageszeitung wanderten.

In dieser Filiale war sie die Dienstälteste, ein treues, altes Arbeitspferd, das kaum aufbegehrte und meistens das tat, was man ihm sagte. Die Lehrlinge, die sie ausgebildet hatte, hatten sie auf der Karriereleiter alle überholt. Klar, mehr Geld, mehr Verantwortung, längere Arbeitszeiten. Nicht mit ihr. Sie war die Schindmähre, hatte sie neulich gedacht, nur dass sie nicht abgemagert war. Sie kam pünktlich, sie ging pünktlich, sie war die, die wusste, wie es lief.
Insgeheim verabscheute sie ihre Arbeit.

Sie hätte sich auch weiterhin mit allem arrangiert, wenn da nicht Charlie gewesen wäre. Charlie war fünfzehn und ein Problem. Na ja, eigentlich nicht. Charlie war so, wie sie in dem Alter auch gewesen war. Lebenslustig. Handwerklich begabt. Klug. Voller Ideen. Konnte anpacken. „Aus der wird mal was“, hatte es damals geheißen; und heute sagte sie dasselbe über ihre Nichte. „Nennt sie bloß nicht nach mir“, hatte sie die Schwester und ihren Mann gebeten, als diese mit dem Mädchen schwanger gewesen war, „wer will denn schon Lieselotte heißen?“ So war aus dem Mädchen wenigstens eine Charlotte geworden, und beide Lottes hatten sich allein deswegen immer ein bisschen verbunden gefühlt. Abgesehen davon, dass Charlotte eindeutig besser klang.

Bedauerlicherweise hatte ihre Schwester einen autoritären Idioten geheiratet, der jede Berufstätigkeit seiner Frau unterbunden hatte, indem er sie Kinder in die Welt setzen ließ, und der die Meinung vertrat, die naturgemäßen Aufgaben einer Frau seien Heirat und Kindererziehung. Konsequenterweise interessierten ihn seine Söhne, drei an der Zahl, mehr als seine Tochter. Gut, er verdiente nicht schlecht, er war ein leitender Verwaltungsheini, und sie, Lotte, war die arme, gefallene Verwandtschaft. Aus der wird mal was? Ha. Sie war einmal mit knapp zwanzig auf einen Typen wie ihn hereingefallen, hatte sich in zwei Jahren zwei Kinder andrehen lassen und war dann nach zehn Jahren prompt für seine Sekretärin verlassen worden.
Seitdem schuftete sie in dieser Klitsche hier. Lebensmitteleinzelhandel. Sicherer Arbeitsplatz, das Geld war pünktlich auf dem Konto. Sie kamen über die Runden, und jetzt, wo die Kinder längst nicht mehr bei ihr lebten, blieb sogar was für sie übrig.

Jetzt allerdings musste Charlie von der Schule aus ein Praktikum machen, und ihr Vater wollte sie zu ihr schicken. ZU IHR! In den EIN-ZEL-HAN-DEL! Nö, oder?!? Charlie sollte ihre Chance haben, ein verschenktes Leben war genug!
Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass der Kaffeepappbecher ins Wanken geriet, als sie sich an die Sprüche ihres Schwagers erinnerte, von denen Charlie berichtet hatte: Die aufmüpfige Kleine solle lernen, sich unterzuordnen! Aufmucken sei nicht angesagt!
Ein Frauenbild aus dem vorletzten Jahrhundert! Höchstens. Auch die Lehrer hatten sich die Haare gerauft und mit Engelszungen auf ihn eingeredet. Vergebens.

Sie hatte sich Charlie geschnappt, die kreuzunglücklich gewesen war. „Tante Lotte, nichts gegen dich, aber …“
„Der Lebensmitteleinzelhandel ist ehrenwert, aber mein Job ist scheiße“, hatte sie sie sofort unterbrochen, „und nur weil ich ihn mache, heißt das noch lange nicht, dass du dich auch dafür entscheiden musst, Charlie. Du kannst mit deiner Lebenszeit was Besseres anfangen. Gibt es denn was, was dich wirklich interessiert?“
Zögern.
„Spuck’s schon aus. Großes Indianerehrenwort, oder wie auch immer das heutzutage heißt, dass ich damit nicht zu deinen Eltern renne. Oder nee, halt: Ich schwör! Okay?“
Charlie nahm es ihr offenbar ab, denn sie grinste.
„Okay, okay. Ich könnte ein Praktikum bei einem Bootsbauer machen, wenn Papa sich nicht so anstellen würde. Ich hab schon mit denen gesprochen und alles, ich kenn die vom Segeln, aber ohne Unterschrift meiner Erziehungsberechtigten geht da nichts. Null.“
Machte Sinn. Ihre Nichte war ein begeisterter Shipspotter, hatte im Verein mit ihren Brüdern segeln gelernt und schwamm wie eine Nixe. Ein Wunder eigentlich bei dem Vater. Wohingegen das einzige Schiffsdeck, auf dem sie, Lotte, je gestanden hatte, eine Schiffschaukel gewesen war. Allerdings eine riesengroße.
„Und Mama? Was sagt die?“
„Dass Papa sich wie ein Tyrann aufführt.“
„Würde sie dich unterstützen?“

Zu zweit hatten sie einen Plan entwickelt. Wäre doch gelacht, wenn Charlies Mutter nicht den Praktikumsvertrag bei dem Bootsbauer unterschreiben würde. Zur Not würde der gestrenge Herr Vater eben einen zweiten Vertrag für den Einzelhandel präsentiert bekommen. Und wohnen, wohnen würde Charlie für ihr Praktikum bei ihr. Wenn sie schon angeblich in der gleichen Firma arbeiteten, wäre das doch nur praktisch, oder? Platz hatte sie genug, und junges Leben in der Bude wäre eine willkommene Abwechslung. Dass sich Charlies Vater für das Praktikum seiner ältesten Tochter großartig interessieren würde, schlossen sie aus. Und wenn die ganze Chose aufflog und es zum Familienkrach kam, dann wusste sie immer noch genug über die Leichen im Familienkeller, um ihn herunterzukühlen. Freunde waren sie sowieso keine.
Befriedigt lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück.

Der Lautsprecher knisterte. „Frau Neumann, bitte eine weitere Kasse besetzen. Frau Neumann bitte.“ Scheiße. Klang wie Nadine höchstpersönlich. Sie stand auf, drückte den leeren Kaffeebecher zusammen, schleuderte ihn in Richtung Mülleimer und schlurfte hinaus.

***

Wem die Corona-Decke auf den Kopf fällt und wer sich für das Schreiben interessiert, für den ist dies hier vielleicht etwas: Die Schriftstellerin Jutta Reichelt öffnet ihre virtuelle Schreibwerkstatt und lädt alle Schreibbegeisterten und solche, die es werden wollen, zum Mitmachen auf ihren Blog ein. Sie schreibt: „Ich werde deswegen hier in der nächsten Woche zunächst einmal ganz unterschiedliche Arten von Schreibanregungen sowohl für eher fiktive Texte als auch für eher autobiographische Texte vorstellen, die sich gut eignen, um anzufangen.“ (Quelle) Die erste Schreibanregung erfolgte sogleich und ging auf den von ihr entwickelten Geschichten-Generator zurück: Ein Text ist zu schreiben, der „LOTTE (schwer bepackt), NÖ und SCHIFFSDECK“ enthält. Mehr dazu findet ihr bei ihr.

Einige von euch, die hier bei mir lesen, habe ich bei Juttas Geschichten-Generator kennengelernt (hier meine Geschichten) – das war, bevor es die Etüden gab. Den anderen möchte ich erklären, dass Jutta quasi schuld ist, dass ich mich ans (fiktive) Schreiben herangetraut habe, und mein Dank rennt ihr nach wie vor mit heraushängender Zunge hinterher. (Doch, Jutta, „Schiffsdeck“ hattest du schon. Ende 2016, der letzte Aufruf, ich finde meine damalige Geschichte dazu immer noch ziemlich herzzerreißend und das Gemüt bewegend.)
Also ist es für mich quasi Ehrensache, zumindest wieder miteinzusteigen. Ich bin sehr gespannt auf nächste Woche, ob ich mit den neuen Schreibanregungen was anfangen kann. Und natürlich hat meine Geschichte eine Eigendynamik entwickelt, was die Rolle der vorgegebenen Begriffe anging … und ich habe prompt vergessen, wie „kurz“ geht.

 

Schreiben bei Jutta Reichelt 1 | | 365tageasatzadayQuelle: Jutta Reichelt

 

Corona: Lourdes – abc.etüden

Lourdes hat geschlossen!“
Klar, sagte man ihr, da sind immer so viele Menschen, zum Teil signifikant krank, es gibt Vorschriften, ist doch nur gut, bla, bla, bla. Sie nickte. Natürlich war das so, und vermutlich war es lächerlich, dass es sie überhaupt berührte, schließlich hielt sie religiösen Massentourismus für fragwürdig, und Lourdes mit seinem frommen Overkill stand ganz oben auf ihrer Liste.
Aber: LOURDES hatte geschlossen. Lourdes, wohin seit gut 160 Jahren immer mehr Leute gepilgert waren, um Hilfe zu erflehen, und das scheinbar wohl auch in den Weltkriegen immer offen gewesen war. Lourdes war dicht. Lourdes kam kurz nach dem Petersdom. Sie hätte vermutet, dass eher die Hölle erfror, also einfror, als dass das passierte.

Die untersagten Gottesdienste hatten sie schon merkwürdig berührt. Als Konstante in ihrem Leben vermittelten sie ein Gefühl von Beständigkeit: was, wenn nicht die Kirche, war immer da? Und sei es nur in Form des Abend- und sonstigen Läutens, bzw. dessen Fehlen zu Zeiten von „nach Rom fliegenden Glocken“ vor Ostern. Auf den kirchlichen Beistand war sie nicht angewiesen, ihre Spiritualität ging andere Wege. Aber sie stellte fest, dass sie dieser Tage für herzliche Worte empfänglich war, zum Beispiel für die Rundmail der Gemeinde, selbst wenn es nicht mehr als das vielfach gehörte „Rückt virtuell zusammen, nehmt Rücksicht, seid vernünftig und beachtet die Regeln, wir sehen uns bald wieder“ war.

Und jetzt? Ja, leben, einen Tag nach dem anderen, weiterlächeln, irgendwie würde es weitergehen. Der Forsythienstrauch im Garten war fast abgeblüht, aber aus anderen Gärten leuchtete es vielfarbig. Hämmern drang die Straße herauf, dort arbeiteten Handwerker auf dem Dach. Radiobeats, Gefluche, Gelächter. Normalität, selten so willkommen. Im Sonnenschein erschien alles frühlingshaft verzaubert.
Sie beschloss, draußen eine kleine Runde zu machen – mit Maximalabstand zu allen, die es ihr gleichtun würden. Solange sie noch durfte.
Befremdliches Gefühl.

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel mit ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour und lauten: Forsythien, lächerlich, erfrieren.

Ich bin nicht sicher, ob man das nachvollziehen kann …

 

Schreibeinladung für die Textwochen 12.13.20 | Wortspende von Elke H. Speidel

Da haben wir ja wohl einen ungeladenen Gast bei den Etüden, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, und obwohl sie auf den schönen Namen Corona hört, stört sie unser aller Leben doch ziemlich. Und jetzt? Ich kann jede und jeden verstehen, der sagt, ich kann mir vor lauter Corona-Sorgen nicht auch noch belanglose Etüden ausdenken – und ich kann ebenfalls jede und jeden verstehen, der sagt: Jetzt erst recht, ich lasse mich doch von der Angst vor so einem bescheuerten Virus nicht unterkriegen, auch wenn alle um mich herum gerade scheinbar verrückt spielen.
Mir geht es selbst so, dass ich zwischen diesen beiden Extremen hin- und herpendele. Das öffentliche Leben, so wie ich es kenne, fährt gerade massiv herunter, auch wenn ich selbst recht wenig betroffen und (noch(?)) gesund bin. Ich kann nicht behaupten, dass mich das nicht beeinflusst, und ich vermute, dass es euch nicht anders geht.

Was also machen wir mit den Etüden, ihr Lieben? Alles weiter wie bisher? Wir haben die kommenden zwei Wochen die Wörter von Elke, danach kommt eine Extraetüden-Woche, und spätestens dann brauche ich neue Wörter. Ich frage euch (und natürlich hauptsächlich euch Schreibende): Business as usual – ich ziehe ein paar Wortspender*innen, schreibe sie an und hoffe, dass sie ein paar Wörter spenden, die sich dann irgendwie in die Etüden einpassen lassen und unserem Gemütszustand entsprechen? Oder Etüden aussetzen aus Mangel an Interesse? Was sonst? Ich nehme eure Vorschläge gern entgegen.

Tatsache ist jedoch auch, dass wir, wenn man die reinen Zahlen betrachtet, dieses Mal die höchste Anzahl beteiligter Blogs bei gleich vielen Etüden seit Beginn des Jahres haben …
Und damit möchte ich jetzt zur Statistik kommen. Hier sind Statistik und Liste für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 33 teilnehmenden Blogmenschen insgesamt 54 Etüden eingereicht.
Die Liste in den Zeiten von Corona führen die Herren fraggle und Werner Kastens mit jeweils 4 Etüden an, gefolgt von Myriade, Puzzleblume und Gerhard mit jeweils 3 Etüden. Wir haben ferner eine Neue, Ellen von nellindreams, nochmals herzlich willkommen bei den Etüden, liebe Ellen!

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ich möchte keine*n vergessen.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Ulrike auf Blaupause7: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier und hier
Donka auf onlybatscanhang: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Lea auf kommunikatz: hier und hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier und hier
Carmen aus der Wortwabe: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Ela auf 365 Tage in Richtung 60: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Susanne auf books2cats: hier
Ellen auf nellindreams: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Isabel auf Wortverzauberte: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Andrea im Hummelweb: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
René auf „Wer lesen kann, liest hier. Über Berlin“ – Der BerlinAutor: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Wie immer: Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2020 kommen von Elke H. Speidel und ihrem Blog Transworte auf Litera-Tour. Ihre Begriffe lauten:

Forsythien
lächerlich
erfrieren.

 

Weiterhin gilt der öde, blöde Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Am 29. März 2020 legen wir eine Woche Extraetüden ein, die nächsten regulären Wörter gibt es am 5. April 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt/werdet gesund!

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Übel gelaunte Irgendwie-Etüde | abc.etüden

Stimmungsmäßige Gemengelage: trüb.
Weltpolitik? Bitte nicht.
Griechenland? Die Bilder brechen mir schier das Herz. Meine Mutter ist 1948 aus Ostpreußen geflüchtet, irgendwas dockt da über die Generation hinweg an, wenn ich zerstörte Städte und flüchtende Menschengruppen sehe.
Corona? Ach, geh mir weg. Drei Viertel der Deutschen sähen laut Umfrage die Lage „gelassen“, so die Medien, heute Morgen gehört. Okay, ein Viertel nicht, das ist die Kleinigkeit von gut 20 Millionen. 20 Millionen Menschen, die auf jeden Mist fliegen, den die Presse sich ausdenkt, die Desinfektionsmittel, Mundschutze, Klopapier und Nudeln hamstern, als ob sie ansonsten den kommenden Sonnenuntergang nicht mehr erlebten, geschweige denn den nächsten Tag, und die Umwelt mit ihrer Gier und Panik vergiften. Hallo? Geht’s noch?
Natürlich, wer gesundheitlich bereits angegriffen ist, der muss sich vorsehen, gar keine Frage. Aber der Rest? Beim Einkaufen vermeide ich den Blick auf die Schlagzeilen der Revolverblätter, danke, mir ist schon schlecht. Katzenfutter scheint wenigstens noch nicht gehortet zu werden.
Ich warte irgendwie drauf, dass die Verschwörungstheoretiker sich als Whistleblower herausstellen, so absurd finde ich das Theater.

Und immer wieder Griechenland und dieses Gefühl der Hilflosigkeit angesichts des Elends und der Verrenkungen der hohen Politik. Ich weiß, dass ich in Europa warm und trocken sitze und im Vergleich nichts, aber auch gar nichts auszustehen habe, und mir ist auch bewusst, dass andere dafür die Zeche zahlen und ich ganz simpel Glück hatte, hier geboren zu werden. Hilft mir das? Nein.
Gerda schreibt heute an Ulli: „… das Gefühl der Hilflosigkeit wird gemildert, wenn man EINEM Menschen beisteht.“ Ja, stimmt, das passt zu meiner eigenen Erfahrung. Und „Trust Love“ – gestern gesprayt gefunden. Wenn überhaupt was stimmt, dann das. Schwierig ist es trotzdem. Gerade jetzt.

Ein Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen. Ansteckungsfrei.

Kommt gut durch die nächste Zeit und bleibt gesund!

 

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 10/11.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Corly mit ihrem Blog Corlys Lesewelt und lauten: Sonnenuntergang, warm, fliegen.

Ihr Lieben, ich bin heute Nachmittag/Abend und morgen so gut wie nicht online, wundert euch also bitte nicht, wenn meine Kommentare vorerst ausbleiben, ich hole sie nach … :-)
Aber ich wollte den Text veröffentlichen, damit er mir nicht mehr auf der Seele liegt.

 

Trust love | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, Anklicken macht groß

 

Alle Fotos von dieser Woche.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.20 | Wortspende von Corlys Lesewelt

Das waren zwei ereignisreiche Wochen liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, während die einen fleißig Karneval gefeiert haben, rüsten sich die anderen, als ob ein Weltuntergang ins Haus stünde. Ach ja, Schnee und Wind gab es auch noch. Hier jedenfalls passiert(e) weder das eine, noch das andere, allerdings hatten wir bisschen mehr Wind. (Und gut, gegen bedachte Vorsicht ist nichts einzuwenden. Desinfektionsmittel ist in den Läden hier auch aus.)

Stattdessen fange ich mal mit dem Etüdengedöns an. Hier sind Statistik und Liste für alle, die vielleicht die eine oder andere Etüde verpasst haben und noch mal nachlesen wollen. Es wurden von 28 teilnehmenden Blogs insgesamt 43 Etüden eingereicht. Vielen Dank dafür, dass ihr den Etüden die Treue haltet!
Die Liste führen dieses Mal die wie immer hochgeschätzten Herren fraggle und Werner Kastens mit 5 und 4 Etüden an. Wir haben ferner eine Neue, Ulrike von Blaupause7, willkommen nochmals bei den Etüden, liebe Ulrike!

Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist. Haben die, die ihre Spaß-Etüdchen in die Kommentare geschrieben haben, den Wunsch, die zu euch zu verlinken und in die Liste aufnehmen zu lassen? Bitte um Meldung – ich hoffe nicht, dass ich was übersehen habe.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Elvira vom Quilt-Traum: hier und hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier und hier
Andrea im Hummelweb: hier
René auf „Wer lesen kann, liest hier. Über Berlin“ – Der BerlinAutor: hier
Jaelle Katz auf Jaellekatz: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier, hier und hier
Lea auf kommunikatz: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Judith von Mutiger leben: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Ines auf LEINWANDARTISTIN: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Yvonne von umgeBUCHt: hier
Susanne auf books2cats: hier
Petra Schuseil auf Wesentlich werden: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Ulrike auf Blaupause7: hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch … und Ich.: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier

Wie immer: Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an René für die Wortspende und die Begleitung!

Die Wörter für die Textwochen 10/11 des Schreibjahres 2020 kommen von Corly und ihrem Blog „Corlys Lesewelt„. Ihre Begriffe lauten:

Sonnenuntergang
warm
fliegen.

 

Das sollten doch Wörter sein, die so wunderbar allgemein sind, dass man damit sowohl die geheimsten Träume als auch die düstersten Dystopien realisieren können sollte, oder? Ich bin sehr gespannt.

Ihr hingegen erinnert euch bitte auch weiterhin an den öden, blöden Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 15. März 2020. Habt weiterhin ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2020 10+11 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

 

Die Reise | abc.etüden

 

»Scha-hatz? Sag mal …«

»Mal.«

Er schweigt. Sie setzt wieder an.

»Du-huu?«

Oha. Wenn sie so herumeiert, dann ist was im Busch.

»Ja?«

»Meine Kegelschwestern wollen eine Woche verreisen. Ohne unsere Männer. Nach Mallorca.«

Ach herrje.

»Hör mal, Aschermittwoch ist vorbei und erster April ist noch nicht, oder? Das ist kein verspäteter Karnevalsschabernack, den ich nicht mehr auf der Rechnung hatte?«

Sie schüttelt den Kopf. Au weia. Acht Frauen auf Malle. Das ist schlimmer als Rosenmontag in Köln. Dabei hat er doch immer gedacht, dass sie auf so Gruppenkram eigentlich nicht steht.

»Okay, dann müssen wir eigentlich nur zwei Fragen klären: Bekommst du hier zu wenig Alkohol? Brauchst du oder braucht irgendeine von deinen Damen einen Vorwand, um sich scheiden zu lassen?«

Sie lacht ein bisschen.

»Weder – noch, was mich angeht. Oder?«

Er nickt. Für ihn ist alles gut. Aber vielleicht nicht falsch, wenn er mal fragt.

»Willst du mit, oder denkst du, dass du mitmusst? Da steckt doch bestimmt wieder Lotte dahinter, oder?«

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Aha. Er hat es doch gewusst.

»Ich war noch nie auf Malle.« Pause. »Partyinsel, alle ständig breit, ich weiß doch auch, was man so hört. Aber es soll echt schön dort sein. Hinterland, Spezialitäten, Kultur, Märkte …«

Er unterbricht sie.

»Ruth, Schatz, und du glaubst, dass du mit deinen Kegelschwestern davon was zu sehen bekommst? Wenn die sich vor Mittag überhaupt aus ihren Lotterbetten erheben! Höchstens, wenn die Schönheiten am Strand herumlaufen und Cocktails verteilen!«

»Paul!«

Er fasst einen Entschluss.

»Schatz, wenn es dir so wichtig ist, dann lass uns beide Urlaub auf Mallorca machen. Dieses Jahr. Vielleicht zehn Tage im Herbst? Aber du auf so einer Sauf- und Bumsreise? Bitte nicht.«

Plötzlich beschleicht ihn irgendwie das unangenehme Gefühl, ausgetrickst worden zu sein.

»Deal«, sagt sie schlicht und strahlt.

 

abc.etüden 2020 08+09 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 08/09.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von René mit seinem neuen Zweitblog BerlinAutor und lauten: Schabernack, breit, erheben.

Heute bin ich mal spät dran, aber okay, darf auch mal sein. Ich konnte Paul, meinen Muffel, seine Frau Ruth und Lotte, den Stein so vieler Anstöße, nicht so einfach ziehen lassen.
Herzlichen Dank an Sven, der die Idee hatte, dass die Kegelschwestern eine Gruppenreise nach Malle planen könnten – auch wenn ich etwas anderes daraus gemacht habe …