Schreibeinladung für die Textwochen 47.48.19 | Wortspende von Red Skies over Paradise

Der November hat mich fest im Griff, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, euch auch? Nun empfinde ich es nicht unbedingt als Bedrohung, wenn es mal ein paar Tage hintereinander freundlich vor sich hin regnet, und auch der Fellträger kommt damit bestens zurecht, wenn er nicht gerade hungrig ist oder friert, aber beides ist noch nicht zu seiner Unzufriedenheit eingetreten. Daher mag ich es ausgesprochen, wenn die Etüden uns die Möglichkeit bescheren, neben all dem Nonsens (er lebe hoch!) auch mal in die Tiefe zu gehen.

Mit dieser Wortspende endet das diesjährige Etüdenjahr, denn ab Sonntag, dem 1. Dezember, läuft hier ein Adventskalender. Credits für die Idee gehen an nach wie vor an dergl, ich war am Anfang gar nicht so überzeugt, dass es klappen würde. Ihr werdet euch vielleicht erinnern, dass ich den Aufruf dafür im Etüdensommerpausenintermezzo hatte (im Hochsommer!): Ja, es hat funktioniert!
Ihr, die ihr mitgeschrieben habt, habt in den letzten Tagen eine Mail mit dem entsprechenden Datum bekommen (mit der Bitte, euch dazu kurz rückzumelden, ich möchte gern das noch fehlende Drittel auffordern, das ebenfalls zu tun). Natürlich gibt es aber noch einen Abschlussbeitrag zu der letzten Etüdenrunde, bevor die Etüden in den Vor-Weihnachts-Countdown wechseln.

Schreiten wir also wie üblich zur Statistik. Eingereicht wurden 50 Etüden von 28 Blogs (Stand ohne Nachzügler). Die Liste führen die Fledermaus, die Puzzleblume und Katharina mit jeweils vier Etüden an. Monika von „Allerlei Gedanken“ hat ihre erste Etüde beigesteuert: Hallo Monika, nochmals herzlich willkommen bei den Etüden! Nach langer Abstinenz auch mal wieder mitgeschrieben haben die Findesatz-Marion ;-),  Sven und „das andere Mädchen“ worüber ich mich ebenfalls sehr gefreut habe.

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das ja.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Die Fledermaus auf onlybatscanhang: hier, hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier, hier, hier und hier
Die Findevogelfrau aus dem Findevogelblog: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Martina auf Und sonst so?: hier und hier
Marion auf Findesatz: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier und hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Petra Schuseil auf Wesentlich werden: hier
Sven auf Svens kleiner Blog: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 47/48 des Schreibjahres 2019 kommen von Bernd mit seinem Blog Red Skies over Paradise. Die neuen Begriffe lauten:

Unbehaustheit
schwermütig
haschen.

 

Und jede*r, der jetzt „oha!“ denkt, hat meinen vollen Beifall.

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 5. Januar 2020, denn der Dezember gehört den Adventüden (siehe oben; eine Wortschöpfung von René). Und ja, das bedeutet, dass es im Dezember auch keine Extraetüden geben wird.
Habt noch ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Bitterer Abschied | abc.etüden

Sie war sich nicht sicher, ob sie mehr wütend oder mehr traurig war. Glaubte die denn, dass Gefühle recycelbar waren wie die Zeitung von gestern?

„Du wirst schon wieder eine Freundin finden.“

Ha! Ja, sicher, aber es war ihr um SIE gegangen und sie hatte wirklich geglaubt, dass die Jahre, in denen sie alles geteilt hatten – Kummer, Freude, Verliebtheiten, Glück, Schmerz –, mehr wert seien als so einen herablassenden Spruch. War alles nur gespielt gewesen? „Best friends forever“, sie hatte es ernst gemeint, sie hatte sich ihr geöffnet wie nicht vielen Menschen vorher. Mehr und mehr war die Freundin zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden. Und nun war sie fort.

Irgendwann war ER in ihr Leben getreten, er, an dessen Seite sie jetzt ausreiste. Vorbei die viel diskutierten Zweifel, ob er endlich der berühmte Richtige wäre. Das Versprechen der Greencard, des Lebens im Land der gar nicht so unbegrenzten Möglichkeiten hatte letztendlich gezogen.
Liebe? Oder Schönrederei?

Wo waren ihre Ideale geblieben, die hatten sie doch gehabt?
Sie hatte sich wohl geirrt.
Und wenn schon in ihrer Freundin, worin dann noch?

„Wir sehen uns bestimmt bald wieder.“
Wer’s glaubt. Sie nicht.

Unten reihte sich das Flugzeug auf dem Rollfeld ein, und sie war sich ziemlich sicher, dass die Andere nicht am Fenster kleben würde, um die kleine Silhouette auf der Aussichtsterrasse des Flughafens zu entdecken. Ob man sie winken sehen konnte? Sie würde es trotzdem tun.

Einer liebt immer mehr. Eine Erkenntnis, auf die sie gern verzichtet hätte.

Der mächtige Airbus hob ab und verschwand gen Westen in Richtung Sonnenuntergang. Sie starrte in das Himmelsleuchten, bis ihre Augen brannten. Dann drehte sie sich um und machte sich auf den Weg durch das Terminal nach Hause, und es kümmerte sie nicht, dass man die Tränen sah, die über ihre Wangen liefen.

 

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 45/46.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte“ und lauten: Himmelsleuchten, recycelbar, ausreisen.

Nein, bitte, das ist NICHT so autobiografisch, wie es sich vielleicht liest, da fließt ziemlich viel an (eigenen und fremden) Erfahrungen zusammen.

 

Aus der Traum | abc.etüden

Will man noch ausreisen, wenn man die Hoffnung hat, das Haus der Väter heil durch die wechselhaften Zeiten zu bringen, wenn man selbst sich arrangiert hat und der „ausgerissene“ Bruder mit der Familie regelmäßig nach Hause kommt? Ich weiß es nicht. Ich vermute, dass der Traum unter der Realität verschüttging, falls es ihn gab, aber ich bin sicher, dass bei unseren Besuchen vieles nicht gesagt wurde, auch meinetwegen, schließlich war ich noch klein. Schwierigkeiten wurden in Alkoholika ertränkt, wobei man davon ausging, dass ich das nicht mitbekam, was damals ebenfalls stimmte.

„Schau, Christiane, die Berge dahinten, das ist schon im Westen“, hieß es, wenn wir aus dem Wohnzimmerfenster sahen und die Stadt in Richtung Süden überblickten. Da hatten sie früher Freunde und Bekannte gehabt und waren einkaufen gewesen, früher, bevor die Grenze dichtgemacht wurde und sie plötzlich im „Zonenrandgebiet“ lebten. Dass im Westen keinesfalls in dem Ausmaß Milch und Honig floss, wie ihnen das Westfernsehen vorgaukelte, glaubten sie uns das? Irgendwie schon, aber konnten sie es sich vorstellen? Nein – genauso wenig wie wir uns das Leben im „real existierenden Sozialismus“. Brötchen, Milch und Bücher waren zu meiner kindlichen Begeisterung jedenfalls unglaublich billig.

Sind Träume recycelbar? Als die Grenze aufging, waren meine Tanten so begeistert wie alle anderen auch. Sie hielten sich für zu alt, um sich noch die Welt anzusehen, aber sie besuchten uns, immerhin, und sie mochten es. Danach … ja, ach. Sie waren vielleicht tatsächlich zu alt (und zu idealistisch), um mit der grassierenden Wildwest-Mentalität ihrer neuen Mitbürger und den daraus resultierenden Veränderungen im Alltag klarzukommen. Heute denke ich, dass sie sich zu Recht übergebügelt fühlten, und natürlich fragten sie damals nicht um Hilfe (schon gar nicht uns), natürlich nahmen sie Schaden und natürlich waren auch wir, die Westfamilie, irgendwie schuld.

Der goldene Westen, ein Himmelsleuchten?
Eher nicht.

 

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 45/46.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte“ und lauten: Himmelsleuchten, recycelbar, ausreisen.

Ja, da ist ziemlich viel Autobiografisches drin. Aber meine (Südthüringer) Tanten sind lange tot und das Haus steht in der Form auch nicht mehr …

 

Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.19 | Wortspende von „Meine literarische Visitenkarte“

Und schwups ist es November, und wie so viele Jahre sitze ich hier und denke: Moment mal, es war doch eben noch kurz vor dem Etüdensommerpausenintermezzo, wo ist denn der Sommer hin? Andererseits liebe ich November, den Unaufgeregten, meinen Gedanken nachhängen, mehr oder weniger dick vermummt durch den blattloser werdenden Wald/Park laufen und die Stille genießen … Ja, ich bin ein bekennender Melancholiker, jedenfalls in den Augen all jener, die die Vorstellung allein schon ins klimaschädliche Flugzeug in die Sonne treibt …

Wem der November jedenfalls auch gut bekommt, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, sind die Etüden. Nachdem im Sommerhalbjahr die Beteiligung ziemlich nachgelassen hatte (ein dicker Dank an die Unentwegten!), sind wir jetzt mal locker über die 50 gehüpft – seid versichert, dass ich mir verwundert die Augen gerieben und dreimal durchgezählt habe! Natürlich sei an dieser Stelle aber besonders auf Veronika verwiesen, die ihr Thema so spannend fand, dass sie es uns in neun (äh, WHAT?) verschiedenen (und immer interessanten) Varianten präsentiert hat, womit sie selbstverständlich auch die Liste anführt. Danach folgen Katharina, Werner und die Fledermaus mit jeweils vier Etüden. Insgesamt haben 27 Blogs 57 Etüden eingereicht (Stand ohne Nachzügler). DANKE! Neu dabei ist die Puzzleblume mit ihrem Puzzle❀„-Blog – nochmals herzlich willkommen!

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das ja.

Ich war gestern ab ca. 7 Uhr morgens fast komplett offline, sorry; ich habe euch zwar verlinkt und die Pings freigeschaltet, komme aber erst heute später zum Lesen bei euch rum (wenn ich wieder wach bin).

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Die Fledermaus auf onlybatscanhang: hier, hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier und hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Petra Schuseil auf Wesentlich werden: hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Die Findevogelfrau aus dem Findevogelblog: hier
Veronika auf vro jongliert: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier und hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier, hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Gerhard von Kopf und Gestalt in meinen Kommentaren: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Jaelle Katz auf Jaellekatz: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 45/46 des Schreibjahres 2019 kommen endlich mal wieder von Anna-Lena mit ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte„. Die neuen Begriffe lauten:

Himmelsleuchten
recycelbar
ausreisen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 17. November 2019, und danach sind wir für dieses Jahr dann auch schon durch, denn der Dezember gehört den Adventsetüden. Dazu an dieser Stelle später mehr. Habt noch ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

 

 

Vogelflug II | abc.etüden

Was ihr Mann zu einem Kurs „Divination – Antike und Neuzeit“ sagen würde, wusste sie, ohne ihn gefragt zu haben.
„Was willst du denn damit? Wahrsagerin werden?“

Nun, das war die Frage. Abgesehen davon, dass sie sich nicht sicher war, ob sie sich in esoterische Kreise begeben wollte (das Plakat hatte im Schaufenster einer sogenannten spirituellen Buchhandlung gehangen), war ihr beim Nachdenken darüber klar geworden, dass sie eigentlich nur eine einzige Zukunft interessierte: ihre.

Schön, sie hatte ein Faible für Geschichte und hätte beinahe mal Religionswissenschaften studiert. Der Gedanke an Zukunftsdeutung aus Vogelflug, Astrologie und Kartenlegen übte durchaus einen gewissen Reiz auf sie aus. Sie war jedoch ehrlich genug, sich selbst einzugestehen, dass die Zukunft an sich nicht das Problem war.
Die Frage war schlicht: Was sollte sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen? Die Kinder waren aus dem Haus, die Ehe mit ihrem Mann hatte das Funkeln verloren und war einem wärmenden, geschätzten Feuerchen gewichen. Liebe, ja, klar, aber irgendwo waren sie älter geworden und lebten manchmal ganz schön nebeneinander her und nicht miteinander. Sie war zu bequem und zu ängstlich, das für eine ungewisse Zukunft aufzugeben (auch das eine unbehagliche Einsicht), außerdem hatten sie beide hart dafür gearbeitet, genau diesen Status quo zu erreichen.
Aber in ihr war dieses … Loch. Es muss im Leben doch mehr als alles geben, schrie es beharrlich. Was fehlte? Sie wusste es nicht.

Draußen schwang sich ihr Mann auf sein Motorrad. Es würde eine der letzten Ausfahrten vor dem Winter werden. Hoffentlich war er vorsichtig, die Straßen waren oft laubbedeckt und rutschig, und er hatte erst letztes Jahr wieder mit dem Biken begonnen. Nicht auszudenken, wenn etwas passierte …
Motorradfahren. Ein Traum, eine alte Liebe.

Was war überhaupt aus ihren ureigensten Träumen geworden, überlegte sie. Hatte sie niemals welche gehabt?

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulli und ihrem „Café Weltenall“ und lauten: Vogelflug, ängstlich, schwingen.

Ich habe es dieses Mal Veronika nachgemacht: irgendwie dasselbe Thema, nur ein anderer Aspekt, eine andere Geschichte. Vielen Dank! Euch, so ihr habt, einen guten Feiertag!

 

Vogelflug | abc. etüden

Sie war so wütend und fühlte sich innerlich so zerrissen, sie hätte schreien und mit Gegenständen werfen können.

„Warum bist du so sauer?“

„Ach, kümmer dich doch um deinen eigenen Kram“, brummte sie in sich hinein, aber sprach es nicht laut aus. Es war eh egal, als Nächstes würde man ihr Wechseljahresbeschwerden unterstellen. Was sollte sonst schon mit ihr sein?

Der Herbst brach mit Macht herein, es wurde jeden Tag dunkler und kälter und sie fühlte sich wie ein Tier, das nicht zu den anderen in den Stall wollte. Es muss doch mehr als alles geben! Irgendwas war total falsch.

Draußen hörte sie die ziehenden Gänse, sie stürzte auf die Terrasse und starrte in den Himmel, dem fliegenden V hinterher. Früher, ja, früher, da hatte man den Vogelflug genutzt, um die Zukunft vorauszusagen. Eingeweideschau übrigens auch, iiih, sie erinnerte sich, davon in der Schule im Lateinunterricht gehört zu haben. Aber würde sie denn wirklich die Zukunft erfahren wollen, so richtig im Ernst, oder war sie dazu nicht doch zu ängstlich? Sie, bei der die Tarotkarten streikten und die Silvesterbleigießerei nur irgendwelche obskuren Knubbel hervorbrachte? Zurzeit jedenfalls zweifelte sie an allem und jedem, und sie war sich nicht sicher, wie tief das Grollen ihre Grundfesten erschüttern würde, wenn sie es weiter zuließe.

Wer dachte, dass sie heute eifrig den Putzwedel schwingen würde, dem würde sie jedenfalls mit dem Besen eins überbraten. Ha. So!

Soll doch. Sollen die anderen.

„Hau bloß ab, du“, raunzte sie die Katze an, die vor ihr um die Ecke bog. Die jedoch, ignorant wie stets, hielt auf sie zu und rieb sich an ihrem Bein. Reflexartig hob sie sie hoch, fuhr zärtlich über das kurze, harte Fell und lächelte bei dem zufriedenen Schnurren des kleinen Tieres.

Sie fühlte sich wie der Gordische Knoten vor dem großen Schlag.

 

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulli und ihrem „Café Weltenall“ und lauten: Vogelflug, ängstlich, schwingen.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.19 | Wortspende von Café Weltenall

Wenn ich die neue Etüdensaison plane, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dann lege ich auch die Reihenfolge fest, wann welche*r Wortspender*in drankommt, und meistens geschieht das aufgrund der gespendeten Wörter, dass ich in diesem Moment denke, dass die besonders gut in die Zeit passen. Jetzt ist es jedoch zum zweiten Mal nacheinander, dass ich denke, dass die Auswahl der Wortspender als Kommentar zu der Triggerdebatte gelesen werden könnten. Lasst mich euch versichern: Nein, dem ist nicht so.

Dieses ist eines der wenigen Male, dass ich es nicht geschafft habe mitzuschreiben. Mein schlechtes Gewissen ist gewaltig, es liegt nicht an den Wörtern, auf keinen Fall – aber ich hatte zu wenig Zeit und war im Kopf mit anderem beschäftigt, zum Beispiel mit einer gewissen Halloween-Geschichte und den Vorbereitungen auf die Buchmesse. Tatsächlich ist auch dies ein vorgeplanter Beitrag; da ich, wie viele von euch schon festgestellt haben dürften, jedes Mal fast dasselbe schreibe, ist das nicht wirklich schwer.

Okay, wie immer geht es los mit der Statistik. Wir haben 35 Etüden von 24 teilnehmenden Blogs (Stand ohne Nachzügler), die Liste führt Myriade mit vier Etüden an, danach kommt Werner mit drei Etüden, womit ich gleich zum nächsten Punkt übergehe und zwei neue Mitschreibende begrüße: Die Fledermaus auf OnlyBatsCanHang und die Findevogelfrau (sag mir gern, wie ich dich nennen darf) vom Findevogelblog. Ich amüsiere mich gerade ein bisschen, dass hier jetzt zwei Blogs vertreten sind, die sehr ähnlich heißen …

Ich bin zurzeit noch auf der Buchmesse, und daher fast komplett offline. Ich bitte ggf. um Entschuldigung; ich habe euch zwar verlinkt bzw. trage es nach, komme aber erst später zum Lesen bei euch rum (wenn ich wieder wach bin. Oder so).

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das Procedere ja meist inzwischen zu Genüge.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Corly in Corlys Lesewelt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier, hier und hier
Die Fledermaus auf onlybatscanhang: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Die Findevogelfrau aus dem Findevogelblog: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier und hier
Martina auf Und sonst so?: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 43/44 des Schreibjahres 2019 kommen seit langer Zeit mal wieder von Ulli Gau aus ihrem Café Weltenall. Die neuen Begriffe lauten:

Vogelflug
ängstlich
schwingen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 03. November 2019. Habt noch ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Schreibeinladung für die Textwochen 41.42.19 | Wortspende von reisswolfblog

Die Anzahl der Extraetüden ist ja häufig etwas dünner gesät, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dafür fallen dann diejenigen, die reinkommen, etwas mehr ins Auge … Spontan verliebt habe ich mich in der vergangenen Woche jedenfalls in die Protagonistin der Etüde von Tanja von Stachelbeermond, die sich damit den Etüden neu angeschlossen hat: Hurra, herzlich willkommen und lang lebe Fräulein Honigohr! Aber auch die anderen Etüden sind wie immer nicht von schlechten Eltern, daher lest gerne rein! Ich bin dieses Mal nicht vertreten: Meine sämtlichen kreativen Gedanken befinden sich bei den Halloween-Geschichten; ich schreibe meine Wassermaler-Geschichten fort …

Die Statistik ist dagegen für Extraetüden erfreulich: 15 Etüden von 13 teilnehmenden Blogs (Stand ohne Nachzügler), jeweils zwei Etüden haben dieses Mal Alice und Corly beigesteuert. Vielen (Extra-)Dank!
Ich war gestern fast komplett offline und bitte um Entschuldigung; ich habe euch zwar verlinkt, komme aber erst heute später zum Lesen bei euch rum (wenn ich wieder wach bin).

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das Procedere ja meist inzwischen zu Genüge.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Tanja auf Stachelbeermond: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Martina auf Und sonst so?: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Werner auf Werner Kastens: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier

Nachzügler: Natalie im Fundevogelnest: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 41/42 des Schreibjahres 2019 kommen zum ersten Mal von fraggle und seinem Blog reisswolfblog. Die neuen Begriffe lauten:

Gewächshaus
jodhaltig
fälschen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 20. Oktober 2019. Uns allen viel Schreiblust, und habt noch ein schönes Wochenende!

 

abc.etüden 2019 41+42 | 365tageasatzaday

 

abc.etüden 2019 41+42 | 365tageasatzaday

 

Schreibeinladung für die Textwoche 40.19 | Extraetüden

Der Herbst ist da und mit ihm die vierten Extraetüden dieses Jahres, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen. Heute ist der fünfte Sonntag im Monat September, was Extraetüden bedeutet, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats Oktober mit den regulären Wörtern weitergeht.

Ja, viel ist passiert in den letzten zwei Wochen hier auf dem Blog. Seid versichert, dass ich nur so tue, als ob alles okay ist, in mir gärt unsere Diskussion (hier und hier) nach wie vor. Erfreut bin ich aber dennoch, dass so viele Etüden in der zweiten Woche eingetrudelt sind, das sieht für mich so aus, als ob ihr den Etüden die Treue halten wolltet/würdet – ich habe zeitweise daran gezweifelt, ob ihr nicht mit den Füßen abstimmen würdet. (Und an mir.)

So, nun denn. Ich wende mich wie immer zuerst der Statistik zu und reibe mir verwundert die Augen: Es sind zwar knapp weniger Blogs, dafür aber sogar mehr Etüden (und drei neue Schreibende!): 39 Etüden, 22 teilnehmende Blogs/Schreiber*innen (Stand ohne Nachzügler), letztes Mal waren es 36 Etüden von 23 Blogs. Ich bin wirklich gerührt und begrüße die Neuen auch hier noch mal ganz herzlich, ich hoffe, ihr habt Spaß und bleibt uns und dem Projekt lange gewogen.
Die Liste führt dieses Mal Werner mit fünf Etüden an, ihm folgen Alice, Myriade, Veronika und Resi Stenz mit jeweils drei.

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das Procedere ja meist inzwischen zu Genüge.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Triggerwarnungen (z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Jacqueline auf Jacquelines Lebenstagebuch: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier, hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier und hier
Veronika auf vro jongliert: hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Gisela Benseler in meinen Kommentaren: hier
Martina auf Und sonst so?: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Die Hoffende auf ICH & MEHR: hier

Neu in der Runde der Schreibenden sind „Und sonst so?“ vom Blog Und sonst so?, deren Namen ich nicht weiß, Sofie vom Blog Sofies viele Welten, die ihr vielleicht aus der Diskussion kennt, und Gisela Benseler, die (soweit ich weiß) keinen eigenen Blog hat und in den Kommentaren zu meiner Überraschung testweise mit einer Etüde auftauchte.

Wie das mit den Extraetüden geht? Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Dies waren die September-Wörter, gespendet von Ludwig Zeidler und Alice:

Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben,
Roman, variabel, entlassen.

 

Natürlich darf der öde, blöde Etüden-Disclaimer nicht fehlen: Die Headline für die Extraetüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 6. Oktober 2019. Uns allen viel Schreiblust, und habt noch ein schönes Wochenende!

 

Extraetüden 27.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 27.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Bargespräche, die zweite | abc.etüden

Ein anderer Abend. Bar, Tanzabend, laute Musik.

„Komm her, Puppe“, lallte er ihr ziemlich betrunken ins Ohr, „weißt du eigentlich, wie bezaubernd du aussiehst, mein Täubchen? Tanz mit mir. Nur einmal, ja?“

Im schummrigen Licht der Tanzfläche bewegten sich dicht an dicht gedrängte Pärchen. Sie erduldete seine Wurstfinger, schob mehrmals energisch eine zudringliche Hand fort und war alles in allem erleichtert, als das Stück endete.

„Belästigt dich der Kerl etwa, Schätzchen?“ Die Barfrau. Kühl. Souverän.

Der Kerl nahm die Einmischung übel und brüllte prompt los.

„Was glaubst du eigentlich? Das ist doch meine Sache, wie ich mit der Dame hier spreche! Mach uns lieber noch ein paar Whiskys, aber flott, sonst bist du schneller entlassen, als du dich entschuldigen kannst!“

Er zog etwas metallisch Glänzendes aus der Tasche und knallte es auf die Bar. Eine Pistole!
In was für einem schlechten Roman bin ich hier denn gelandet, dachte sie schockiert, und erwartete unwillkürlich, dass irgendjemand loskreischen würde.
Die Barfrau seufzte. Nahm ein Handtuch, legte es kopfschüttelnd über die Waffe und verstaute sie außer Sichtweite. Seine Augen wurden glasig, als er seinen Whisky auf ex kippte. Dann sackte sein Kopf schwer auf den Tresen.

„Geh jetzt besser, Schätzchen.“ Die Barfrau drängte. „Hast du alles?“

„Ich muss noch mal …“ Sie wies mit dem Kopf nach hinten, griff nach ihrer Handtasche, rutschte von dem Barhocker und verschwand. In der Toilette leerte sie mit einem schnellen Griff sein Portemonnaie und ließ es vor der „Herren“-Tür unauffällig zu Boden gleiten – und erstarrte.
Im Türrahmen stand die Barfrau.

„Ich wäre glücklich, wenn deine Art des Geldverdienens variabler wäre“, sagte die. „Der Typ kann mir echt Ärger machen. Aber du weißt, dass ich mich immer freue, wenn du vorbeischaust, Liebes.“

Ein Küsschen auf die Wange. Dann trat sie nach draußen und winkte sich ein Taxi heran.

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 38/39.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice und ihrem Blog „Make a choice Alice“ und lauten: Roman, variabel, entlassen.

Das ist doch … jawohl, die gleiche Pointe. Weil man das sonst nicht macht. Und irgendwie doch anders. Das musste so.

Und wer mein vorläufiges Fazit zu dem Triggerwarnungsgedöns verpasst hat, kann das hier nachlesen.

 

Bargespräche | abc.etüden

Schlecht aussehen tat er nicht und er wusste es zweifellos, aber hatte der Typ, der auf Teufel komm raus auf sie einredete und ihr dabei viel zu nahe rückte, eben wirklich gesagt, er sei „moralisch variabel“??? Schade.

Erstens, warf ihr innerer Korrektor gelangweilt ein, heißt das „moralisch flexibel“. Um ganz penibel zu sein, ging es in dem Zitat ursprünglich um „moralische Flexibilität“. Zweitens: Was will er damit ausdrücken? Dass er verheiratet ist und eine Geliebte sucht? Oder eine schnelle Nummer nebenbei?

Sie war erheitert. Vermutlich meinte er genau das. Nach einem Profikiller sah er jedenfalls nicht aus, nicht mal nach einem verhinderten Spion.
Er interpretierte ihr Lächeln falsch. „Schöne Frau, darf ich dir etwas zu trinken bestellen?“
Sie tippte gegen ihr Glas. „Noch einen Bellini, bitte.“
Natürlich wollte er mit ihr anstoßen. „Und du trinkst?“, erkundigte sie sich.
„Sex on the Beach!“

Ja, war klar.

Ihr Augenrollen bekam er schon nicht mehr mit, schließlich versank sein umflorter Blick in ihrem Dekolleté. Das bestätigte ihren Eindruck, dass dieser Möchtegern-Casanova niemals an einen wegen mangelnder Trinkfestigkeit entlassenen Nachwuchs-Bond herankommen würde. Bond hätte immerhin Stil  bewiesen. Sex on the Beach!
Aber war sie seine Hüterin? Also bitte.

„Hör mal“, beschwerte er sich irgendwann, „du quatschst aber auch nicht gerade Romane, was?“

Dazu wiederum hätte sie viel entgegnen können, unter anderem, dass es sie zwar anödete, aber ihrer Erfahrung nach viele Männer ungeheuer gern redeten und mit ihren Erfolgen und angeblichen Vorzügen prahlten wie Hähne auf dem Misthaufen. Männer wie er. Was ihr den Job erleichterte.

Zeitverschwendung.

Also sah sie ihn ernst an, erwiderte: „Nein, selten“, griff nach ihrer Handtasche, rutschte von dem Barhocker und verschwand. In der Toilette leerte sie mit einem schnellen Griff sein Portemonnaie, ließ es vor der „Herren“-Tür unauffällig zu Boden gleiten und winkte sich draußen ein Taxi heran.

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 38/39.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice und ihrem Blog „Make a choice Alice“ und lauten: Roman, variabel, entlassen.

Das Zitat mit der moralischen Flexibilität habe ich aus „Grosse Pointe Blank“, wo der Protagonist tatsächlich Profikiller ist. Es lautet: „Ich bin damals zur Army gegangen und im Einstufungstest wies mein Profil eine moralische Flexibilität auf.“ (Quelle) Mehr zum Film auf Wikipedia. Ich hab ihn nie gesehen, glaube ich, aber jemand, den ich kannte, war von besagter moralischer Flexibilität bis zur Unangemessenheit angetan. Möglicherweise war es aber auch nur seine Art von Humor.

Und wer mein vorläufiges Fazit zu dem Triggerwarnungsgedöns lesen möchte, der kann das hier tun.

 

Triggerwarnungen: Fazit, erst mal

Eine heftige Woche liegt hinter uns, liebe Etüdenmenschen. Ich danke jedem und jeder, der*die sich eingebracht und sich mit uns zusammen die Köpfe heiß diskutiert hat, auch und gerade denjenigen, die offen eine abweichende Ansicht geäußert haben – ich nehme das als ein Kompliment für die Diskussionskultur auf diesem Blog.

Ich hatte vorgeschlagen, dass ihr eure Beiträge mit einer Warnung versehen sollt, wenn was drin ist, was nach der bekannten Liste (hier im Original nachlesen) triggern könnte. Dazu hatte ich eine Abstimmung erstellt, die jetzt geschlossen ist (hier ansehen). Das Ergebnis lautet: 12 Stimmen für Triggerwarnungen, 8 dagegen. Als wir vor einem Jahr darüber abgestimmt haben, von 10 Sätzen auf 300 Wörter umzustellen, hatte Bernd empfohlen, dass zu wichtigen Änderungen eine Dreiviertelmehrheit notwendig sei, mindestens jedoch zwei Drittel. Dem bin ich damals gefolgt und folge ich auch heute und muss demnach feststellen: Nicht mal die Zweidrittelmehrheit wurde erreicht.

Mein Fazit nach Diskussion und Abstimmung ist also: Mein Vorschlag ist gescheitert. Punkt.

Nun wurden, wenn ihr die Diskussion mitverfolgt habt, was erfreulich viele getan haben, einige Kompromissvorschläge eingebracht. Dazu gehört die Verwendung von Schlagwörtern, dass also, wenn besagte triggernde Themen in euren Etüden auftauchen, diese von euch in den Schlagwörtern gelistet werden. Einige haben bekundet, wenn sie die schweren Brocken rausholen, einen Satz ihrer Wahl zur Warnung drüberschreiben zu wollen.

Mein Fazit ist also, dass ich ab sofort in die zweiwöchentliche Schreibeinladung folgenden Satz aufnehmen werde (und zwar über der zusammenfassenden Liste), ebenso in das „Kleingedruckte“: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Triggerwarnungen (z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt. Wäre das für euch okay, gerade für die, die Triggerwarnungen ablehnen? Falls nein, bitte ich um konkrete Gegenvorschläge.

Es gibt ein Zitat des Inhalts, dass Zurückkommen nicht das Gleiche sei wie niemals weggegangen zu sein. Ich weiß weder den Urheber noch den genauen Wortlaut, stimme dem aber zu. Von daher danke ich euch für eure Meinungen, die ich absolut respektieren kann, auch wenn sie (teilweise) nicht meine sind und/oder ich für mich eure Argumente anders gewichte als ihr. Dieser Austausch war eine gute Erfahrung für mich.

Also trenne ich diesen Teil, geschrieben von Christiane, der offiziellen, relativ sachlichen Etüden-Organisatorin, von der privaten (und durchaus emotionaleren) Meinung von Christiane, der Schreibenden, deren Blog zu denen gehört, die (wenn nötig) Triggerwarnungen (hier „Inhaltshinweise“ genannt) setzen werden. Für Christiane, die Etüden-Organisatorin, ist das Thema durch, wenn ihr obigem Satz zustimmt.
Zu meiner Privatmeinung schreibe ich demnächst noch was; Sofie hat mir die in ihrem Kommentar erwähnten echt hübschen (wie ich finde) Triggerbuttons geschickt, ich mag die Idee sehr.
Ich muss bloß nebenbei auch noch das Futter für den Fellträger verdienen.

Oh, und noch eine letzte Anmerkung: Liebe Alice, nicht im Traum hätte ich dran gedacht, dass diese Diskussion so vielen das Schreiben derart verleiden würde. Betrachte dich bitte für die nächste Runde der Wortspender als bereits gezogen, ich finde, ich hab da was gutzumachen.

 

Aufeinander zeigende Pfeile, Wandermarkierung | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst