Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.19 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram

Ich habe mir schon überlegt, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, ob ich jetzt ausflippen und herumkreischen müsste, als ich mir die Zahlen angesehen habe. Aber dann hatte ich doch keine Lust auf so viel Anstrengung.

Nichtsdestotrotz dürfen wir eine neue Spitzenbeteiligung feiern! Vorbehaltlich dessen, dass ich nicht wieder wen vergessen habe, haben wir ZWEIUNDSECHZIG Etüden von 28 teilnehmenden Blogs, Stand ohne Nachzügler. („Nachzügler“ sind alle Etüden, die nach dem Erscheinen neuer Wörter noch zu einer alten Schreibeinladung dazustoßen. Sie sind willkommen, werden aber von mir hier nicht mehr extra groß gefeiert.) Lasst es sacken und atmet noch mal tief durch. 62! Und ihr seid dabei! Letztes Jahr im Herbst, als wir in den 2-Wochen-Rhythmus eingestiegen sind und ich zum ersten Mal gezählt habe, waren wir 16 Blogs mit 23 Etüden. Wenn Zahlen einen Erfolg messen, dann, Freunde, ist das einer!

Die Gewinnerin des Blumenpotts für die meisten Etüden ist dergl mit 8 Etüden, was mich zwar für die Etüden freut, aber von der Anzahl her nicht so bleiben wird, auch klar. Abgeschlagen liegen dahinter Petra (die Wortspenderin) mit 7, Werner und Alice (hey, Alice startet durch!) mit jeweils 5 Etüden. Sehr fein!
Neu zu begrüßen habe ich Svens kleiner Blog und Die Waldträumerin und Corlys Lesewelt. Herzlich willkommen bei den abc.etüden!

Hier ist die Liste für das Lesen beim Sonntagmorgenkaffee (oder so), und wie immer, checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und falls jemand fehlt oder sonst was falsch ist, dann brüllt!

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier, hier und hier
Miki auf Miki: hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier, hier und hier
Sven auf Svens kleiner Blog: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier, hier und hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier, hier, hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Nicole auf Die Waldträumerin: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch…und Ich: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Alice auf worteausdemwunderland: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Agnes auf Agnes Podczeck: hier

Ebenfalls wie immer vielen Dank an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 08/09 des Schreibjahres 2019 kommen von unser gefühlt uraltgedienten Etüden-Mitstreiterin Sabine und ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Vielleicht gibt es ja auch wieder ein paar neue Anton-Etüden, jetzt, wo er wieder zurückverwandelt wurde? Egal, ich freue mich!
Die neuen Begriffe lauten:

Lesezeichen
altersschwach
hüpfen.

 

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern (und ja, ich meine das so. 300. NICHT MEHR!).
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten Wörter gibt es am 03. März 2019. Euch viel Spaß und gute Ideen!

UPDATE! dergl hat in einem Kommentar ihre alte Idee für einen Adventskalender aufgegriffen. Ich finde sie gut, und es sieht ja auch so aus, als ob wir genug mitschreibende Blogs hätten, was also haltet ihr davon, erst mal ganz ins Unreine gefragt? Hier ist ihr Kommentar.

 

 

Etüden 2019 08+09 | 365tageasatzaday

 

Etüden 2019 08+09 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

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Schröder, übernehmen Sie! | abc.etüden

Heute war wieder einer dieser Tage, wo er ihr nichts recht machen konnte. Dabei war er an den Winterreifen ohne vorwurfsvollen Seitenblick vorbeigegangen (sehr schmutzig, jemand würde sich darum kümmern, aber nicht er) und hatte die wehende, trocknende Wäsche ignoriert (sowieso nicht seine Aufgabe). Doch einfach nur draußen auf der Bank in der Sonne sitzen, seinen Gedanken nachhängen und die frisch erblühten Krokusse bewundern, das durfte er offensichtlich auch nicht.

Er hörte, dass sie am Telefon sprach. Bestimmt mit ihrer komischen Freundin.
„Wenn das jeder hier machen würde! Weißt du, manchmal würde ich am liebsten alles hinschmeißen und mich auch raus in die Sonne setzen und darauf warten, dass wer mit Kaffee und Kuchen vorbeikommt. Aber nein, an mir bleibt wieder mal alles hängen. Hier sieht es aus, das kannst du dir gar nicht vorstellen! Gestern Abend bin ich gestolpert und fast hingeschlagen, weil hier keiner seinen Dreck alleine wegmachen kann, nicht mein wertgeschätzter Ehemann und die Kids schon mal gar nicht. Was glauben die, wer ich bin, die Putzfrau? Ich sag’s dir, ich hab so einen Hals, SO EINEN HALS, glaub mir.“

Weia. Das roch nicht nur nach dicker Luft, das klang nach Krise. Er war insgeheim überzeugt, dass sie ein bisschen eifersüchtig auf ihn war, weil er das Leben so gelassen anging. Schröder, übernehmen Sie! Deeskalierende Maßnahmen waren dringend angezeigt.

Den Kaffeepott in der einen Hand, das Handy in der anderen kam sie zu ihm und ließ sich neben ihn fallen. Sie schloss die Augen und hielt das Gesicht in die wärmende Vorfrühlingssonne. Amseln und Meisen machten Radau, sonst war alles friedlich. Auch sie.

„Na?“, sagte sie irgendwann vorsichtig in seine Richtung.
Geht doch, dachte er.

Langsam stand er auf, setzte sich auf ihren Schoß, rollte sich zusammen, blinzelte noch einmal in die Sonne und begann zu schnurren.

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Petra Schuseil und lauten: Winterreifen, eifersüchtig, stolpern.

Ja nee, ist klar, oder? Fellträger neigen dazu, sich selbst als den Nabel des Geschehens zu begreifen, was jede*r Dosenöffner*in weiß. Außerdem haben sie meist eine eigene Meinung zu allem. Manchmal schweigen sie allerdings auch. Mehr oder weniger.

Ulli hat ihre letzte Etüde in den Kommentaren spaßeshalber als „Plattitüde“ bezeichnet. Ich werde etwaige Fellträger-Etüden ab jetzt (daran angelehnt) „Kattitüden“ nennen, danke schön! Und: Hatte nicht neulich schon mal wer „… übernehmen Sie“ im Titel, oder bilde ich mir das nur ein?

 

Der Hausdrache | abc.etüden

Sie war die, die eingeladen wurde, weil man Paare immer zusammen einlud. Weil sich das so gehört.
Ihn hingegen wollten alle. Er sah gut aus, war gebildet und redegewandt. Konnte eine Pointe so fein einfärben, dass eine leichte Zweideutigkeit mitschwang, die gewisse Damen höchst interessant fanden. Geistvolles, unverbindliches Geplänkel war sein Metier. Er glänzte gern und gut.

Lief da mehr? Man munkelte davon, aber man wusste es nicht. Jedenfalls hatte er diese Gattin. Warum er die mal geheiratet hatte, er hätte doch bestimmt jemanden finden können, der passender gewesen wäre. Sie wird wohl Geld gehabt haben oder vielleicht auch andere Qualitäten, na, wir waren alle ja mal jung.

Sie wusste Bescheid. Sah sich im Zerrspiegel der Damenrunden zu einem eifersüchtigen Monster mutieren, das besessen über seine Pfründe wachte und dem armen Mann jeden ach so unschuldigen Spaß vergällte.

Oh ja. Tat sie.
Wenn die wüssten.

Mit Küssen auf dem Stadtfest hatte es angefangen, hinter dem Feuerwehrschuppen mit den Winterreifen. Sie war unerfahren und voller Ideale, hatte naiv an Liebe geglaubt, hatte sich begehrt gefühlt und war an seiner Hand in eine höchst erwünschte Ehe gestolpert.

Das böse Erwachen kam bald. Sie war zwar eine glanzvolle Trophäe, aber er verlor schnell die Lust an ihr. Auch weil sie darauf bestand, dass er sein Leben änderte. Wollten sie nicht das Gleiche?
Er entzog sich, machte sein Ding und überließ ihr den Rest. Ihre Existenz war schließlich bequem und schützte vor allen anderen Ansprüchen, die man vielleicht an ihn hätte stellen können, vor allem emotionaler Natur.

Scheidung? Da war die Familie, und wohin hätte sie gekonnt? Man hatte sie nicht für ein selbstständiges Leben erzogen. Der ewige Prinz hatte sie in der Rolle des Hausdrachens etabliert und sie hatte es zugelassen.
Sie hasste ihn. Ließ es ihn spüren.
Sie hasste sich.
Leben?
Verarscht.

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Petra Schuseil und lauten: Winterreifen, eifersüchtig, stolpern.

Ich bin gerade definitiv nicht heiter, tut mir leid. ;-)

 

Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.19 | Wortspende von Petra Schuseil

DAS hätte ich nicht für möglich gehalten! Ich war der Meinung, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dass sich die große 5 bei der Etüdenanzahl wirklich lange halten würde. Aber, was soll ich sagen …

… ihr habt geschrieben wie die Wahnsinnigen! Was die Statistik anbelangt und vorbehaltlich dessen, dass ich nicht wieder wen vergessen habe, haben wir EINUNDFÜNFZIG Etüden von 26 teilnehmenden Blogs, Stand ohne Nachzügler. („Nachzügler“ sind alle Etüden, die nach dem Erscheinen neuer Wörter noch zu einer alten Schreibeinladung dazustoßen. Sie sind willkommen, werden aber von mir hier nicht mehr extra groß gefeiert.) Damit sind die Wörter des Etüdenerfinders nicht getoppt, aber zumindest eingestellt, können wir uns auf „eingestellt“ einigen? Unglaublich. Wie gesagt, ich hätte es nicht gedacht.
Auch in diesen letzten zwei Wochen dominiert m.mama das Etüdengeschehen mit 7 Etüden, gefolgt von dergl mit 6 und Werner Kastens mit 5 Etüden. Funkelnagelneu bei uns ist der Blog „Make a choice Alice“ mit einem sehr gemeinen Kurzkrimi.

Hier ist die Liste für das Lesen beim Sonntagmorgenkaffee (die WP-Statistik informiert mich, dass mein/e beliebteste/r Zugriffszeit und -tag sonntags um 9 Uhr wäre, ich habe da so eine Idee, woher das wohl kommt …):

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Miki auf Miki: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier, hier und hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier, hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier, hier und hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Berta auf Zuhause im Drei-Kronen-Land Schweden: hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier, hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Alexandra auf Blätterflug Gedankenschnuppen: hier
Alice auf worteausdemwunderland: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier

Wie immer, checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und falls jemand fehlt oder sonst was falsch ist, dann brüllt!
Ebenfalls wie immer vielen Dank an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 06/07 des Schreibjahres 2019 kommen aus der Schweiz, und zwar von Petra Schuseil und ihrem Blog Wesentlich werden. Ich freue mich!
Die neuen Begriffe lauten:

Winterreifen
eifersüchtig
stolpern.

 

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten Wörter gibt es am 17. Februar 2019. Euch viel Spaß und gute Ideen und beste Gesundheit!

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzaday

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

Für das Leben | abc.etüden

 

Liebster,
meine weise Freundin hat mir geraten, dass ich dir einen Brief schreiben soll. Einen, in dem ich Dank sage.

Ich danke dir also für all das, was in unserer Liebe besonders war: für das Wir, die überschäumende Verrücktheit, die geistigen Höhenflüge, die unendliche Anziehung und das seidige Leuchten. Dafür, dass du in mir das gesehen hast, was noch keiner außer mir gesehen hat, dass du mich für das geliebt hast, wofür mich noch keiner geliebt hat, auch ich nicht, und dass du scheinbar keine Grenzen akzeptiert hast. Dafür, dass ich dich erkennen durfte. Mit dir zusammen hatte ich das Gefühl, dass alles möglich ist. Wir waren trotz allem auf Augenhöhe, zumindest eine Zeit lang.

Ja, wir haben das Ding an die Wand gefahren. Mich hat das fast zerrissen. Es ist sehr großzügig von dir, dafür die Verantwortung zu übernehmen, und sehr bequem für mich. Wahr ist, dass wir Unterschiedliches gewollt und gekonnt haben. Dass wir fehlerbehaftete Individuen sind, die sich durch ihre eigenen Dschungel schlugen und dabei auch beim anderen Wunden hinterließen. Ich trage noch daran, aber es war nie böse Absicht, denke ich, sondern eher, wie sagt man, Kollateralschaden.

Unsere Wege haben sich getrennt, du hast einen anderen Weg eingeschlagen als ich. Mich hätte deiner zerstört, ich weiß es so sicher, wie ich nur etwas weiß.
Dir nur Gutes für dein neues Leben. Sei glücklich. Pass auf dich auf.

***

Sie stöhnte. Wann hatte sie zuletzt so viel mit der Hand geschrieben? Na, egal. Das Blatt in die Salatschüssel aus Porzellan gelegt ging sie nach draußen auf die Terrasse und hielt ein Streichholz daran. Sie hatte Tränen in den Augen, als der Brief aufflammte und zu Asche verbrannte.
Mit einer Handbewegung wischte sie die Salatschüssel vom Tisch, die auf dem Steinboden in fünf Scherben zerbrach.
Sie nickte beifällig.
Vorbei.

 

Etüden 2019 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 04/5.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Myriade und lauten: Salatschüssel, seidig, übernehmen.

Mich hat meine Etüde von letzter Woche („Die Doku“) nicht losgelassen, ich musste unbedingt nach einem Abschluss, einer Wendung suchen, der/die für mich passte. Beim Schreiben habe ich dann wieder mal festgestellt, dass ich so gar nicht der Typ für Bösartigkeit und schmutzige Wäsche bin. Nicht mal in den Etüden. (Manchmal finde ich das schade, aber wirklich nur sehr selten.)
Ich bin auch in der Realität so, ich empfinde das künstliche Hineinsteigern in tatsächliche oder gefühlte Kränkungen als Zeitverschwendung und Energie für die falschen Kanäle – nicht zu verwechseln mit einer sachlichen Bestandsaufnahme.
Also musste es anders gehen. Tatsächlich fühlt sich mein schreibendes Ich/die Protagonistin jetzt besser.

Ja, das ist unbedingt die Salatschüssel aus der letzten Etüde. Nein, nicht die aus dem Bild, die ist zu hübsch.

Bin gespannt, was ihr sagt.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 04.05.19 | Wortspende von Myriade

Bettina, deine Wörter sind entthront! Liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, ich vermelde hiermit leicht fassungslos und höchst gebauchklatscht eine neue Rekordbeteiligung. Ich kann nicht verhehlen, dass es mich ebenfalls sehr freut, dass ausgerechnet die Begriffe des hochgeschätzten Etüdenerfinders viele von euch so sehr animiert haben, dass die Etüden nur so hereingeflossen sind … ICH FINDE DAS GROSSARTIG! Ludwig, an dieser Stelle auch von mir noch mal vielen Dank.

Also, die Statistik. Haltet euch fest, wir haben 26 teilnehmende Blogs und 50 (FÜNFZIG) Etüden! (Ja, heute früh waren es noch weniger, ich habe bei der Liste gepennt. Verdammt. Entschuldigung.)
Das ist sehr viel! Vielen Dank an euch!
Natürlich haben nicht alle Blogs zwei Etüden abgeliefert, so einfach ging das hier noch nie. M.mama und Werner Kastens führen wieder mit jeweils unglaublichen 6 (sechs!) Etüden. Drei neue Blogs sind dabei: Die Kellerbande, worteausdemwunderland und Katha kritzelt. Wieder mal vorbeigeschaut nach längerer Etüden-Abstinenz haben Carmen und der Stepnwolf.

Okay, die Liste. Wie immer, checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und falls jemand fehlt oder sonst was falsch ist, dann brüllt!

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier und hier
Miki auf Miki: hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Carmen aus der Wortwabe: hier, hier und hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier, hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Anja auf Die Kellerbande: hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch…und Ich: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Alice auf worteausdemwunderland: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier
Agnes auf Agnes Podczeck: hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Vielen Dank auch an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 04/05 des Schreibjahres 2019 kommen aus Wien, und zwar von Myriade und ihrem Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée. Bin mal sehr gespannt, wie sie sich schlagen.
Die neuen Begriffe lauten:

Salatschüssel
seidig
übernehmen.

 

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten (regulären) Wörter gibt es am 03. Februar 2019. Meine Güte, die Zeit vergeht schnell. Euch viel Spaß und gute Ideen!

 

Etüden 2019 04+05 | 365tageasatzaday

 

Etüden 2019 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, hier und hier, Bearbeitung von mir

 

Ich weiß gar nicht, was ihr habt | abc.etüden

Für ihn zählten materielle Werte, makellos, funkelnd und teuer. Die Frau, die Kinder, alles selbstverständlich perfekt, und falls nicht, dann besaßen sie immer noch am meisten, das reichte, damit alle anderen die Klappe hielten. Gut war nie gut genug, das Bessere ist der Feind des Guten, nicht? Highspeedleben am Limit. Die Zufriedenheit endete, wenn die Nachbarn, die sogenannten Freunde oder jemand aus der Verwandtschaft sich etwas leisten konnten, was ihn überstrahlte.

Abfallglück, das war das, was abfiel, das, was man geschenkt bekam. Zweitrangig, wie Gefühlsduseleien, Katzenvideos oder Regenbögen. Keine Zeit. Damit gab er sich nicht ab.

Oh ja, er arbeitete besessen, mit seinen eigenen Händen, war clever und nicht gerade unschuldig, riskierte so einiges. Und ebenso besessen warf er das Geld zum Fenster des neu erbauten Hauses hinaus. Mal eben mit der Familie in Urlaub, der Welt zeigen, dass man es konnte. Safari in Südafrika, Kreuzfahrt in der Südsee. Firmenpartys mit und ohne Drogen. Keine Weiber, dafür war er nicht der Typ. Aber einige ältere Kollegen hatten schon ihren Führerschein eingebüßt, die Gelage an Freitagabenden waren legendär – und er war keiner, der das Taxi nach Hause zahlte.

Anfangs hatte sie Angst gehabt, dass ihr Verfallsdatum bald überschritten sei und er sie entsorgen würde. Man hörte ja so viel. Aber nachdem er und sein Steuerberater immer wieder Papiere mitbrachten und zu ihr „Hier, unterschreib!“ sagten, begriff sie, dass sie doch wohl ein geschätzter Aktivposten in seinem Leben war und bleiben würde. Seine Firmen, erklärte man ihr, liefen auf ihren Namen. Nicht dass es sie interessiert hätte, sie vertraute ihm blind, außerdem war es bequemer.

Pfandflaschen zurückbringen, Essen aufwärmen? Wir haben das nicht nötig. Für den Preis seines Autos kauften andere Familien Wohnungen. Empathie, soziale Verantwortung? Nicht in diesem Haus. Armut, Ungerechtigkeit, soziale Kälte? Echt, ich weiß nicht, was ihr habt.

 

2019 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 02/3.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Abfallglück, Verfallsdatum, unschuldig.

Ich bin solchen Leuten schon begegnet, aber sie sind mir so fremd …

 

Schock | abc.etüden

Verdammt! Sie hätte schreien mögen und verhinderte nur mit Mühe, dass sie komplett ausrastete. So unschuldig und dumm konnte man doch gar nicht sein!
Ihr Gefühl von Vertrauen in die Menschheit hatte jedenfalls heute sein Verfallsdatum überschritten: Sie war bestohlen worden. Ein Tramper, den sie ein Stück mitgenommen hatte, hatte es geschafft, ihr unbemerkt aus der auf den Rücksitz hingeschleuderten Handtasche die Brieftasche zu zocken. Irrtum ausgeschlossen. Sie hatte es ein paar Raststätten später bemerkt.

Geld.
Karten.
Papiere.

Irgendwie ihre Existenz. Weg.

Sie beschimpfte sich für ihre Naivität und konnte die Tränen nicht unterdrücken. Man hatte sie wirklich und wahrhaftig beklaut! Sie, die Freundliche, sie, die nie jemandem etwas tat. Ihre Welt brach zusammen.
Die Menschen waren doch schlecht!

Zu Hause angekommen fuhr sie zur Polizei und erstattete Anzeige gegen unbekannt. Danach war der Abend für sie gelaufen. Daran, alles sperren zu lassen, dachte sie nicht.

Trotz ihres desolaten Zustandes schlief sie irgendwann ein. Sie albträumte natürlich fürchterlich und schreckte immer wieder hoch. Bis sie in einen merkwürdigen Traum rutschte …

Ein schwarzer Hund auf einem Rastplatz, der emsig am Rand unter Büschen und Bänken herumschnoberte. Herrchen fand, dass sein Hund sich beeilen solle. „Komm, nun lass das doch, das ist doch nur Abfall, was hast du denn da schon wieder? Zeig mal her, oh, das ist ja eine Brieftasche! Da ist ja was drin! Guter Junge! Komm mit, das müssen wir melden, die geben wir am besten ab.“

Ein Anruf von der Raststätte am nächsten Mittag. Ein Hundehalter habe ihre Brieftasche gefunden und abgegeben. Mühsam erinnerte sie sich an ihren Traum.
Abfallglück!
Die Menschen waren doch gut!

Am Nachmittag hielt sie ihre Brieftasche wieder in der Hand. Alles war da. Fast. Später erfuhr sie von drei erfolglosen Zugriffsversuchen auf ihr Konto.
Nur Bargeld und Dieb blieben verschwunden.

 

2019 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 02/03.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig Zeidler und lauten: Abfallglück, Verfallsdatum, unschuldig.

Ja, diese Etüde hat einen autobiografischen Kern, und witzigerweise, wie ich finde, ist es das, was am unwahrscheinlichsten erscheint. Viel wichtiger ist aber, dass es passierte, bevor wir alle mit Handys herumliefen, und ich mochte das nicht modernisieren.
Sollte also jemand denken: „Warum hat sie denn nicht …?“, liegt es vermutlich daran.

 

Schreibeinladung für die Textwochen 02.03.19 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Neues Jahr, neues (Etüden-) Glück, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen! Ich hoffe, ihr seid sanft reingerutscht und habt eure guten Vorsätze noch nicht aufgegeben? Ach, ihr hattet gar keine? Dann geht es euch wie mir.

Danke möchte ich gern all jenen, die für die nächsten Wochen Wörter gespendet haben. Ihr solltet alle eine entsprechende Mail mit euren Wochen im Mailfach gehabt haben.
Zuallererst danke ich jedoch dem Etüdenerfinder, der die Begriffe für die nächsten beiden Textwochen gespendet hat. Ja, der darf von der Regel Substantiv-Adjektiv-Verb abweichen. Keine Regel ohne Ausnahme.
Und last but not least danke ich all jenen, die zwischen den Jahren Zeit gefunden haben, eine oder sogar mehrere Etüden zu schreiben. Ich hätte mit weniger Beteiligung gerechnet, wenn ich ehrlich bin. Vielen Dank dafür!

Die Statistik: Wie gesagt, wir sind zwischen den Jahren, und einige Blogs machen einfach Winterferien. Dafür haben sich sensationell viele Blogs beteiligt, nämlich 18, die zusammen 23 Etüden abgeliefert haben, Spitzenreiter auch dieses Mal m.mama mit 3 Etüden! Und wir haben noch einen Neuzugang: Begrüßt mit mir Miki!
Schön ist auch, dass ein paar Leute Geschichten weiter- oder fertiggesponnen haben. An dieser Stelle möchte ich die geneigte Leserschaft darüber informieren, dass unser aller Anton (also eigentlich der Anton von Sabine Flumsel) jetzt wieder eine nicht-untote Katze ist. Wobei die Geschichte noch einige Anknüpfungspunkte offen lässt …

Okay, die Liste. Irgendwas falsch? Hab ich wen/was vergessen? Bitte Bescheid sagen! Sorry, bin gerade zwischen hier und sonstwo und vielleicht nicht ganz up to date.

Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Miki auf Miki: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Alexandra auf Blätterflug Gedankenschnuppen: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier
dergl auf Die Tinterkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier

Vielen Dank auch an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die neuen Wörter für die Textwochen 02/03 des Schreibjahres 2019 spendete, wie oben schon erwähnt, unser Etüdenerfinder Ludwig Zeidler, der mir ebenfalls die Illustrationen überlassen hat. Nein, es wird nicht regelmäßig mehr als zwei Motive geben, ich wollte bloß keins wegwerfen.
Die Begriffe lauten:

Abfallglück
Verfallsdatum
unschuldig.

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten (regulären) Wörter gibt es am 20. Januar 2019. Euch viel Spaß und einen guten Etüdenstart ins neue Jahr!

2019 02+03 | 365tageasatzaday

2019 02+03 | 365tageasatzaday

2019 02+03 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, hier, hier und hier, Bearbeitung von mir

Lumis Geheimnis | abc.etüden

Auch ich möchte die Gelegenheit der Extraetüden nutzen, eine Geschichte weiterzuerzählen, auch, weil doch viele danach gefragt hatten. Ob ich noch mal darauf zurückkomme, weiß ich nicht, einerseits sprengen die Geschehnisse den Etüdenrahmen, andererseits ist oder wäre da noch so viel Luft … Egal, hier ist erst mal Teil 5 meiner Lumi-Geschichten. Bisschen dick aufgetragen? Na und.

Teil 1: Lumi

Teil 2: Im Blockhaus

Teil 3: Eröffnung

Teil 4: Wahrheit

 

***

Spannende Erkenntnisse zog Lumi aus ihren Gesprächen mit Keijo: Ihre Mütter waren beide bei der Geburt gestorben. Sie hatte einen Vater, der ein Elf war. Der lebte! Keijo wiederum hatte eine Mutter gehabt, die elfisch (und tot) war, weil das Geschlecht der Kinder immer gegengeschlechtlich zum elfischen Elternteil war.
Also waren sie keine Geschwister.
„Stimmt“, bestätigte Keijo. „Du bist meine Cousine. Und übrigens, ich bin mehr als ein paar Jahre älter als du. Ich sehe bloß jünger aus.“
Lumi ließ ihm das durchgehen, denn sie beschäftigte etwas anderes. „Kennst du meinen Vater?“
„Ja.“
„Will er nicht wissen, wie es mir geht?“
„Was glaubst du, warum ich hier bin?“

 

Irgendwann musste es auch dem Dümmsten auffallen, dass Lumi immer öfter Sätze mit „Keijo hat gesagt“ begann. Hanna war nicht dumm. Lumi wollte etwas von ihr.
„Lumi“, fragte sie unter vier Augen, „wer ist Keijo? Gibt es etwas, was ich wissen sollte? Wird das ein Gespräch, dass du mit mir zum Frauenarzt gehen willst?“
Lumi schüttelte den Kopf und wurde ein bisschen rot.
„Er sieht aus wie ich“, stieß sie hervor. „Wir reden darüber, wer ich bin.“
Oh! Würde Lumis Geheimnis jetzt gelüftet werden? Dann besser hier als draußen.
„Ihr trefft euch in der Hütte? Bei dem nasskalten Winterwetter? Bring ihn mit, wenn er will, es ist okay.“
„Wenn er will“, hatte Lumi zugestimmt.

Den Garten verzierte der bunt geschmückte Winterbaum. Ach herrje, dachte Hanna, als Keijo an ihm vorbeiging, der sieht ja aus wie … Sie stockte.
Die Zeit der Wahrheit war also wirklich gekommen. Nach all den Jahren.

„Es ist gut, dass wir uns trennen, obwohl ich weiß, dass ich dem nachtrauern werde, was hätte sein können. Wir werden aus der Ferne über dich und die Deinen wachen. Und später vielleicht, irgendwann, werden wir mit einer Bitte an dich herantreten, die etwas mit einem Kind zu tun haben wird …“

Sie saßen auf der Küchenbank und hielten ihre Teebecher umklammert.
„Ich schulde dir eine Geschichte, Lumi“, sagte Hanna. „Euch beiden.“

An einem stürmischen Winterabend war Lumi vor ihrer Tür aufgetaucht. Stumm, frierend, durcheinander. Aber nicht allein. Hanna hatte das Herz geblutet, als sie die Angst in den Augen des Mädchens gesehen hatte, und sofort den Arm um sie gelegt, was diese wunderbarerweise zuließ.
„Was ist passiert?“
„Autounfall. Die Frau, die sie für ihre Mutter hielten, tot. Im Krankenhaus haben sie ihr Blut untersucht und festgestellt, dass diese Zusammensetzung völlig unbekannt ist. Das Übliche. Daraufhin haben sie angefangen, sie auf den Kopf zu stellen, und sie dortbehalten. Ein einziger Horrortrip. Wir haben sie quasi entführt. Jetzt braucht sie eine neue Familie.“
Kann sie hierbleiben, fragten die Augen des Mannes, dessen Liebe sie nie vergessen würde. Sie überlegte nicht lange und nickte. Wo drei Kinder waren, war auch Platz für ein viertes. Er entspannte sich und wurde etwas weniger transparent. Hanna wusste, dass das nicht nur der Aufregung geschuldet war. Sein Volk war so.

So hatte es begonnen.

„Wie hieß er?“, fragte Keijo.
„Jonne.“
Ein klargrüner Blick. „Jonne ist mein Onkel.“

 

Extraetüden 01.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 01.2019: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Ich habe dieses Mal folgende Wörter verwendet: nachtrauern, nasskalt, Winterbaum, transparent, bluten.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 01.19 | Extraetüden

Zweimal werden wir noch wach, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, heißa, dann ist … längst nicht mehr Weihnachten, dann befinden wir schon im Jahr 2019. Ist es eine Altersfrage, das Gefühl, dass irgendwann die Zeit zu rennen anfängt, mit „Dinner for one“ in Dauerschleife, bisschen wie das täglich grüßende Murmeltier? Na, egal.

Ich fange mal mit der Statistik an. Obwohl Weihnachten war und einige ihre Blogs dichtgemacht hatten, sind in den letzten beiden Wochen von 19 Blogs 38 Etüden veröffentlicht worden, das ist tatsächlich MEHR als vor 14 Tagen und ich finde euren Einsatz richtig großartig. Darunter befinden sich – hört, hört – gleich vier(!!!) Neuzugänge, von denen ich hoffe, dass sie bei uns auf den Geschmack kommen werden: Das andere Mädchen, Mein Leben ist bunt sowie Resi Stenz und Hummelweb, die beiden letzteren gleich mit zwei Etüden! Quantitativ gesehen hält m.mama souverän die Poleposition mit sechs, Frau Flumsel und Werner Kastens folgen mit jeweils vier Etüden. Sehr lobenswert, bitte gerne weiter so!

Hier kommt die Liste. Irgendwas falsch? Hab ich wen/was vergessen? Bitte Bescheid sagen!

dergl auf Die Tinterkleckse sehen aus wie Vögel: hier, hier und hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier, hier, hier, hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier und hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Frau Flumsel auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier, hier und hier
Werner Kastens hat in den Kommentaren mehrere PDFs eingeliefert: hier, hier, hier und hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier und hier
Bettina auf Wortgerinnsel: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier und hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

 

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, und auch an die, die kommentiert haben!

 

Wir befinden uns gerade in einem Monat mit fünf Sonntagen. Am ersten und am dritten Sonntag gibt es jeweils eine Schreibeinladung, das ist jetzt festgelegt, aber was ist am fünften? Da tanzen wir ein bisschen aus der Reihe: Extraetüden!

Wie das geht? Ganz einfach. Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Der Rest ist so wie immer.

Hier sind also die Dezember-Wörter, ursprünglich gespendet von Elke H. Speidel und dergl:

Winterbaum, nasskalt, nachtrauern
Regenbogen,
transparent, bluten.

 

Der Extraetüden-Disclaimer: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern, Textart egal.

Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten (regulären) Wörter gibt es am 06. Januar 2019, ja, das ist nächste Woche. Euch viel Spaß beim Schreiben und rutscht gut rüber!

 

Extraetüden 01.19 | 365tageasatzaday

 

Extraetüden 01.19 | 365tageasatzadayQuelle: hier und hier, Bearbeitung von mir

 

An die Wand gefahren | abc.etüden

Ihre Eltern bestimmten den ihr zugedachten Platz. Selbstverständlich. Sie wollten schließlich nur ihr Bestes. Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, dann kam sie und nach ihr ihre Kinder. So war es richtig, so wurde es gemacht, so musste es sein, was zögerte sie?

Sie hatte nicht rebelliert, wohin hätte sie gehen sollen? Sie hatte geheiratet, Kinder bekommen, ein an Freuden armes Leben voller Pflichterfüllung durchgezogen. Als die auferlegten Fesseln so stark einschnitten, dass sie krank wurde und innerlich zu bluten begann, hatte ihr Mann sie entsorgt. Die Kur, wo sie am Ende landete, kam ihr vor wie ein Gnadenhof. Mit der üblichen Frage: Musste sie bald zum Abdecker oder hatte sie noch ein paar Jahre?

„Man kann den Menschen wohl nicht in den Kopf sehen“, hatte ihre Schwiegermutter spitz festgestellt und sie dabei misstrauisch beäugt.
„DU schon mal gar nicht“, dachte ihre Schwiegertochter, die tatsächlich etwas verbarg, ihr ganzes Leben lang schon. Sie hatte sich deswegen oft Vorwürfe gemacht, sich schuldig gefühlt – und die Gedanken schließlich beiseitegeschoben.

Ihr Leben: an die Wand gefahren, ach ja, wirklich? Nun ermutigten die Psychologen sie, mit sich selbst ins Reine zu kommen und sich nicht zu verurteilen. So zog sie bedächtig Gefühl nach Gefühl von der inneren Abraumhalde in das Licht der Erkenntnis, bis sie transparent wurden, begriff, verzieh und erlaubte sich langsam, das Undenkbare zuzulassen.

Da war eine Frau in der Töpfergruppe, die sie heimlich mit Blicken verschlang. Die alles war, was sie so gern gewesen wäre. Da war ein Begehren, das sie nachts unruhig schlafen ließ.
Es war egal, ob jene Frau jemals auch nur ihren Namen erfuhr, erkannte sie irgendwann. Denn die einzig wichtige Frage lautete: Würde sie dazu stehen oder nicht?

Sie entschied sich. Ihr ganzes Leben lang war sie unter falscher Flagge gesegelt. Aber jetzt wehte über ihr gelassen der Regenbogen.

 

2018 51+52 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 51/52.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von dergl und lauten: Regenbogen, transparent, bluten.

Ich hatte gedacht, speziell der Regenbogen würde den Etüden viele Geschichten aus der queeren Ecke bescheren, und bin ganz erstaunt, dass dem fast nicht so war. Dies ist wieder mal keine Geschichte, die mir selbst passiert ist, aber ich kenne eine Frau, die ihre Lebenspartnerin so kennengelernt hat, wobei ich natürlich die Umstände in der Etüde an meine Wünsche angepasst habe …

 

 

Dazu passt vielleicht das folgende Video, das mir sehr ans Herz gegangen ist. Es heißt „All that we share“ („Alles, was wir teilen“ / „Alles, was uns verbindet“) und ist ursprünglich ein Spot des dänischen Fernsehens (TV2 Denmark). Es geisterte unter der Überschrift „Muss uns erst ein TV-Sender erklären, wie Gesellschaft funktioniert?“ über Weihnachten durch WhatsApp. Ich habe eine Version gesucht, die deutsche Untertitel dazugebastelt hat, da ich nicht weiß, wie gut euer Englisch ist. Die ursprüngliche Version findet sich hier.