Das gescheiterte Handarbeitskränzchen | abc.etüden

Phu schmiss die Nadeln hin und verkniff sich den Wunsch, darauf herumzutrampeln. Nichts mit der gemütlichen, kuscheligen Nummer mit Tee und Plätzchen! Warum nur musste er (bei aller Achtsamkeit) immer wieder und wieder alle Fäden verwurschteln, oder, zugegeben, beim Ausatmen ankokeln?
Dabei hatte er die Schlagzeile doch schon vor sich gesehen: „Drachen für ein friedliches soziales Miteinander!“ Selbst „Integration gelungen! Drache strickt Sofadecke!“ konnte er vergessen, Stricken würde er nie so beherrschen wie die alten Damen, die ihn freundlich in ihr Handarbeitskränzchen aufgenommen hatten.

Phu rülpste resigniert, wobei ihm ein rosa-grünes Wölkchen entwich, das sogar für seine Begriffe ziemlich stank. Wie er sein Scheitern dem Komitee für Intermenschdrachangelegenheiten beibringen sollte, war ihm schleierhaft. Bestimmt würde man ihn dort wieder zur Waldarbeit abkommandieren, ein anstrengender Job, der leider die Krallen furchtbar ruinierte und ihm nach spätestens zwei Tagen Flügelschmerzen bescherte.
Er war als Botschafter für interkulturelle Angelegenheiten wohl doch noch nicht an der richtigen Stelle.

 

2017_38.17_1_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 38.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herbert und lauten: Achtsamkeit, verwurschteln, rosa-grün.

 

Merken

Merken

Merken

Advertisements

Schnurr um dein Leben | abc.etüden

Beim Öffnen der Wohnungstür unverhofft auf die ältliche Madame von der Hausverwaltung zu treffen war erheblich unangenehmer, als wöchentlich im Beichtstuhl erfundene Sünden zu gestehen.

„Frau Neumann, es heißt, Sie hielten eine Katze, Sie wissen …“

Zuerst war ihr erster Impuls, alles abzustreiten, aber das Kätzchen machte ihre Bestrebungen zunichte, indem es sich zwischen ihrem Bein und dem Türrahmen hindurchdrängte und sich vor ihr auf die Fußmatte setzte. Marie nahm es sofort auf den Arm, wo es kräftig nieste und prompt durchdringend zu schnurren begann.

„Sie lag fast verhungert unten in einer unserer Mülltonnen!“

Mehr sagte sie nicht, mehr war auch nicht nötig, die Anklage gegen die Welt reichte aus. Fasziniert beobachtete Marie die Verwandlung im Gesicht der plötzlich sehr mütterlich wirkenden Verwalterin von Haus und Hof, die vorsichtig einen Zeigefinger ausstreckte, um das schwarz glänzende Geschöpfchen hinter den Ohren zu kraulen, was mit noch lauterem Schnurren und behaglich zusammengekniffenen Augen quittiert wurde. „Was für eine Knutschkugel“, seufzte sie schließlich, „nein, die Kleine konnten Sie unmöglich sich selbst überlassen, die ist ja höchstens acht Wochen alt!“

Sie gab sich einen Ruck und gewann einen Teil ihrer gewohnten Strenge zurück: „Okay, sehen Sie zu, dass sie ruhig bleibt und keiner der Nachbarn sich beschwert. Was mich angeht, ich war offiziell nie hier, ich werde so lange wie möglich tun, als wüsste ich von nichts.“

 

2017_37.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von lz. und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

 

Merken

Merken

Merken

Randfluse … Einar Knieśgard | abc.etüden von lz.

Soeben erreichte mich eine Etüde vom Etüdenerfinder lz. himself. Danke, Ludwig! 😀

Einar Knieśgard

 

Einar Knieśgard hatte schlecht geschlafen und noch schlechter geträumt.
Nass und verstört nahm er die Bilder zum Anlass, sein Leben zu ändern.
Er hätte guter Dinge sein können, sein gerade erschienener fulminanter, wie er aber fand, langweiligster Roman „Mein Krampf“ war mehr als ein voller Erfolg, doch Knieśgard steuerte nicht nur auf eine Krise zu, er befand sich schon in ihr.
Es ging um das Leben, und mehr noch.
Er erkannte seine eigene Langweiligkeit, seine blassfarbene Existenz, seine ins Leben geworfene Müdigkeit, alles was sie von ihm erwarteten hatte er bis heute wie eine Unruh einer Schweizer Uhr erfüllt, damit sollte nun Schluß sein.
Er wollte weder enden wie Gregor Samsa, noch wie sein alter Freund Hillmann Bramstedt, der mit dem BMW 600 sich und diese Knutschkugel im Swellvral-Fjord versenkte.
Er riss die Füße aus dem Bett, und mit der Energie einer kanadischen Kettensäge kreiselte er mit seiner ganzen Wucht in die bevorstehende Verwandlung.
Abseits von weiterem Schreiben, abseits der Erfüllung von Zielen, die er so nicht mehr wollte.
Er legte das kleine Notizbuch, mit seinen Beichtstuhl-Füllergedanken auf den sauberen Holztisch, schultierte den Ortliebrucksack, und verließ diesen Raum, dieses Haus, diesen Ort, diese Knieśgard Langweiligkeit.
Er ging, in der Spur seines Herzens einen neuen Weg.

***
©lz | ludwigzeidler

 

2017_37.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von lz. und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Liebe. Oder so | abc.etüden

Verdammt, verdammt, verdammt. Es veränderte ihr ganzes Leben auf einen Schlag, sie hatte es immer geahnt. Jetzt wusste sie hundertprozentig, dass die Knutschkugel ihren Namen zu Recht trug, und auch, dass Liebe ihre eigenen Wege fand, sich zu offenbaren.
Ihre Mutter wäre vermutlich dafür noch im Beichtstuhl auf die Knie gefallen.
Sie nicht mehr – Schuld, pah!

Sie betrachtete sich lange im Spiegel und befand begeistert, dass eine Verwandlung, nein, Transformation, Transformation war noch besser, eingesetzt hatte. Sie war plötzlich eine andere. Erwachsenere Augen schauten zurück, das unbeschwerte, verträumte Mädchen, das sie gestern noch gewesen war, hatte an Tiefe gewonnen.

Ihr Handy klingelte und sie fühlte sich wie in Feuer getaucht, als sie DEN NAMEN auf dem Display las. Fast atemlos ging sie sofort dran und quietschte: „Hallo, Melissa, wann wollen wir uns treffen?“

 

2017_37.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von lz. und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

Ach, und was Melissa angeht, außer dass das wohl zurzeit wirklich ein nicht unbeliebter Vorname ist:

 

 

Ich bin mit ihren Live-Versionen nicht so ganz glücklich, gefühlt schläft sie mir dabei immer ein, daher zur Abwechslung mal so.

 

Merken

Merken

„Wie viel?“ | abc.etüden

„Wie viel?“

Sie sagte es ihm.

Bei manchen war die Frequenz, in der sie zu ihr kamen, ganz schön hoch. Immer am liebsten zu ihr, sie wusste auch warum, schließlich achtete sie pingelig auf Sauberkeit. Egal, sie konnte sie alle nicht ausstehen, selbst wenn sie gut zahlten. Besonders die nicht, die immer so taten, als ob ihr Heiligenschein davon Flecken bekäme, und die dann ausnehmend erleichtert aussahen, wenn sie wieder hinaustraten.

„Wie viel?“

Sie sagte es ihm.

Stand von dem niedrigen Hocker auf, griff nach dem Eimer mit den Desinfektionsmitteln und den Lappen und der Bürste, verfluchte ihren schmerzenden Rücken und schlurfte ihm hinterher.
Zeit für die nächste Klorunde.

 

2017_36.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Keine Fragen mehr, oder?  😉
Ich wollte mal was wirklich Knappes. Ich übe noch.

Für die abc.etüden, Woche 36.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Heiligenschein, Frequenz, erleichtert.

 

Merken

Sockelheilige | abc.etüden

„Ich setzte den Freunden einen Heiligenschein auf …“, sie nickte bestätigend zu den Zeilen, das kam ihr sehr bekannt vor. Immer waren die anderen besser, wichtiger, richtiger gewesen, sie hatte sich völlig selbstverständlich zurückgenommen, machte man doch so, nicht? Ihre Rolle war die der Unentbehrlichen im Hintergrund: Taschenträgerin, Steigbügelhalterin, geduldige Ratgeberin im Namen der Freundschaft.
Die auf dem Sockel ließen sich das nur zu gern gefallen.
Sie gab freiwillig, also sah sie es als ihr gutes Recht an, dass sie auch fragte, wenn sie etwas brauchte. Dass daraufhin die Frequenz der Hilferufe stark zurückging, öffnete ihr die Augen: Die sogenannten Freunde verschwanden, ihre Heiligenscheine nahmen sie gleich mit, mit ihnen ging das Gefühl, etwas Besonderes und wertgeschätzt zu sein.

„Ich lernte spät, doch ich lernte es gut, nämlich, dass ein gewöhnlicher Hut es (meistens wenigstens) ebenso tut.“ Bis sie darüber erleichtert war, verstrich einige Zeit. Aber sie wollte ein neues Leben, alles anders, Beziehungen auf Augenhöhe, wusste, sie müsste dafür auch ihre eigenen Überzeugungen auf den Prüfstand stellen und vieles verändern, konnte sie das? …
Es gab kein Zurück.

 

2017_36.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Würdet ihr sagen, dass diese Frau ausgenutzt wurde, auch wenn sie all das, was sie für andere getan hat, freiwillig getan hat (und dafür ja mit „Freundschaft“ bezahlt wurde, bzw. dem, was sie darunter verstand)? Das ist nämlich, unter anderen, die Frage, die sie sich rückblickend stellt, da man sie das immer wieder fragt, warum sie das mit sich hat machen lassen.

Oder ist die Frage so vielleicht falsch gestellt?

Die verwendeten Zeilen sind meinem Gedächtnis entsprungen (daher übernehme ich keine Garantie für den genauen Wortlaut bzw. die Interpunktion) und stammen aus einem Gedicht von Mascha Kaléko, „Heiligenscheinheilige“. Die Werke von Mascha Kaléko sind bei dtv erhältlich.

Für die abc.etüden, Woche 36.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Heiligenschein, Frequenz, erleichtert.

 

Männergespräch | abc.etüden

Kaum war der Ballon butterweich und am vereinbarten Punkt gelandet, als Lukas auf seinen Vater losstürmte, der auch die Landung gefilmt und fotografiert hatte. Der umarmte ihn und gratulierte ihm und nahm ihn beiseite, um Stativ und Kameras ins Auto zu bringen, „bevor Mama kommt“, die sich tatsächlich noch mit einem Bekannten unterhielt und es gar nicht eilig hatte.

Er kam sofort zur Sache: „Ich wollte dir versuchen zu erklären, warum ich eben nicht mitgeflogen bin – ich hab Höhenangst. Als ich so alt war wie du, konnte ich wenigstens noch auf Bäume klettern, aber inzwischen wird mir richtig schlecht und schwindelig, wenn ich auch nur auf eine Leiter steige.“

Er verstummte abrupt und Lukas dachte nach, da ihm plötzlich klar wurde, warum sein Vater letztes Jahr auch nicht mit ihm Achterbahn gefahren war: „Warum hast du es mir nicht früher gesagt“, fragte er schließlich, „das ist doch wichtig?“

„Als deine Oma Kind war, ist sie auf der Flucht im Krieg beim Schwimmen fast ertrunken. Sie ist seitdem nie wieder einfach so im tiefen Wasser gewesen und fand das voll peinlich, weil sie es nicht geschafft hat; aber ich habe erst richtig schwimmen gelernt, als ich von zu Hause ausgezogen bin und nicht mehr das Gefühl haben musste, dass sie sich dann noch mehr für ihre Angst schämt, weil Schwimmen für mich nämlich so leicht und so toll war.
Verstehst du, dann habe ich gedacht, du sollst mal nicht so wie ich fremden Ängsten nachspüren müssen, nämlich meinen vor Höhe, du sollst das Ballonfahren einfach unbeeinflusst genießen können, denn du redest davon, seit du die Dinger am Himmel entdeckt hast; ich wollte dir diesen Kindheitstraum auf keinen Fall kaputtmachen und hab bis jetzt einfach die Klappe gehalten.“

Das war eine bittere, lange Geschichte in superkurzer Form heruntergehaspelt, und auch wenn er sich diese Sätze vorher zurechtgelegt hatte, war er sehr stolz auf sich und sehr erleichtert.
Sein Sohn schien die weitere Diskussion darüber allerdings glücklicherweise auf einen anderen Tag vertagen zu wollen, also legte er den Arm um ihn und sie gingen einträchtig Lukas’ Mutter entgegen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de)

 

Ja, das ist die Fortsetzung von „Über Träume“, hier klicken, wer den ersten Teil nicht gelesen hat. Ich dachte, ich versuch es mal, aber so langsam hab ich die Nase voll von den Bandwurmsätzen. Himmel, so was könnte man viermal so lang und immer noch nicht ausreichend erzählen.

Für die abc.etüden, Woche 30.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena (visitenkartemyblog.wordpress.com) und lauten: Stativ, Kindheitstraum, nachspüren.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Über Träume | abc.etüden

Heute war der große Tag, an dem er 13 wurde, und heute würde ES passieren, er war so aufgeregt! Mit seiner Mutter ging Lukas auf den Korb des Heißluftballons zu, wo die anderen Passagiere schon warteten.

Der Mann stellte sein Stativ in einiger Entfernung auf, befestigte mit geübten Handgriffen die schwere Kamera mit dem dicken Tele und fluchte, weil sich ein Bein in den unbefestigten Boden bohrte. Egal, Fotos und ein kleiner Film waren das Mindeste, was er tun konnte, er würde es durchziehen, sein eigener Kindheitstraum war genau das, ein Traum, jetzt ging es um seinen Sohn, der vor Aufregung bestimmt die letzten drei Nächte nicht geschlafen hatte und diesem Sonnenaufgang entgegenfieberte, seit sie ihm gesagt hatten, was er zum Geburtstag bekommen würde. Natürlich hatte Lukas dann alles über Heißluftballons und Wetterbedingungen in sich aufgesaugt; er war in seinem Alter nicht anders gewesen.
Ach, so gern wäre er jetzt mit ihm in diesen Korb geklettert, aber er brauchte gar nicht damit anzufangen, irgendwelchem Stress in seiner gescheiterten Ehe nachzuspüren und die Schuld zu geben, er hatte schlicht und ergreifend schon immer diese verdammte Höhenangst, die so schlimm war, dass ihm sogar auf jeder Leiter schlecht wurde.
Und er hatte es vor Lukas nicht zugeben wollen, hatte aus abergläubischer Angst, ihn mit seinem Makel „anzustecken“, einfach geschwiegen. Später am Tag, wenn alles gut gegangen war, würde er ein Vater-Sohn-Gespräch mit ihm führen, das schuldete er ihm.

Als der Ballon majestätisch über seinen Kopf hinwegschwebte, entdeckte Lukas ihn und fiel vor Winken und Rufen fast aus dem Korb. Er war zum Glück zu weit oben und zu begeistert, als dass er gesehen hätte, dass seinem Vater dicke Tränen über die Wangen rannen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de)

 

Ich hätte da zum Thema Träume und nicht errungene Sehnsüchte noch einen Gedichtlink: Isolde Kurz, „Über ein Glück“.

Und dank des Kommentars von Frau dergl (s. u.) gibt es auch ein Lied zum Tag: Wolfsheim, Kein Zurück

 

Für die abc.etüden, Woche 30.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena (visitenkartemyblog.wordpress.com) und lauten: Stativ, Kindheitstraum, nachspüren.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Opa tut was für die Bildung | abc.etüden

Opa ist voll cool, vor allem, wenn er anfängt, schräg herumzulabern und sagt, dass er doch nur was für meine Bildung tun würde. Opa weiß Wörter, die Papa nicht versteht, und Mama sagt „Dein Vater!“ und rollt mit den Augen. Gestern Abend hat er uns eine halbe Stunde am Stück mit irgendwelchem Müll von früher zugetextet, nur, um mir hinterher zu erklären, dass man das „schwadronieren“ nennen würde – ey, danke, Mann, lass gut sein.

Danach hat er Papa angehauen, wo denn bei uns die Buddelkiste stünde, sein Hals wäre so trocken.
Papa so: „Im Garten, wo sonst?“
Und er: „Nicht im Keller, draußen ist doch warm?“
Papa mag nicht verarscht werden und war echt genervt, und dabei kam raus, dass Opa mit „Buddelkiste“ eine Kiste für Flaschen meint, nämlich für Bierflaschen, weil „Buddel“ vom französischen Wort für „Flasche“ käme und „Buddelschiffe“ ja auch in einer Flasche wären und nicht in einer Sandkiste.

Fakt ist, dass er bei uns ein, zwei kalte Bierchen zischen wollte, bevor er los ist in irgendeinen Club, das Tanzbein schwingen, wie er das nennt. Ich glaub ja, der hatte schon vorgeglüht, als er bei uns aufgeschlagen ist. Voll fit, und das in dem Alter, ich find den richtig krass.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 cafeweltenall 29.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Die Muse hat mich gefragt, liebe Ulli, als du beim letzten Mal verlauten ließest, dass ja wenigstens ich wüsste, was eine Buddelkiste sei, ob ich mir da so sicher wäre. Ich kenne Buddelkiste zwar nicht als „Kiste mit Flaschen drin“, aber die Herleitung ist korrekt. Warum aus der „Kiste zum Buddeln“ die Buddelkiste geworden ist und nicht aus der Kiste mit Flaschen wüsste ich gern …

Für die abc.etüden, Woche 29.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ulli (cafeweltenall.wordpress.com) und lauten: Buddelkiste, schwadronieren, Tanzbein.

Aus irgendwelchen Gründen hab ich dazu Peter Fox („Haus am See„) im Ohr, kann aber auch der Sommer sein …

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Wo der Buschfunk versagt | abc.etüden

Fünfundzwanzigjährige Abifeier ist so eine Sache: Die einen kommen, um zu schauen, ob der Zahn der Zeit nur an ihnen selbst so gnadenlos genagt hat, die anderen kommen, um endlos über die ach so guten Zeiten zu schwadronieren.
Thomas und Katrin hatten die gleiche piefige Kindheit auf dem Dorf verlebt, sie hatten einander schon in der Buddelkiste mit Sand beschmissen und später widerstrebend in der kleinstädtischen Tanzschule das Tanzbein geschwungen. Nach dem Abi waren beide erleichtert in unterschiedliche Ecken der Republik geflohen und hatten einander seitdem höchstens aus der Ferne gesehen, die Einfamilienhäuser ihrer Eltern lagen in derselben Straße, man kannte sich.

Aber jetzt verklönten sie begeistert den Abend miteinander, erinnerten sich an Peinlichkeiten und Heldentaten und daran, dass er für sie Mathe- und sie für ihn immer Latein-Hausaufgaben gemacht hatte. Und wären sie noch jünger gewesen und wäre in all den Jahren nicht so viel Wasser die Elbe heruntergeflossen und hätten sie nicht sowieso bestimmt alle ihr eigenes Leben, dann hätte sich Thomas Hals über Kopf in sie verknallt. Wobei „hätte“ falsch war, um ehrlich zu sein – er war seit geraumer Zeit Single und sie blockte alle Fragen zu ihrem Privatleben ab, was ihn hoffnungsvoll stimmte.

Schließlich wurde es spät und er bereitete sich gerade darauf vor, ihr tief in die Augen zu sehen und einen Wechsel der Lokalität vorzuschlagen, als ihr Handy ging und sie den Anruf annahm.
„Schade, Thomas, war ein schöner Abend, ich hab gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist“, sagte sie, als sie aufstand und zahlte, „aber das war meine Frau, die mag ich nicht warten lassen.“
Die rosa Wölkchen verpufften, er sah leicht dämlich drein und stammelte etwas davon, dass es ihn auch gefreut habe.
„Wenn du den Kopf nicht so anspannst, fällt das Brett leichter ab“, sagte sie grinsend und gab ihm einen schnellen Kuss auf die Wange, „du wusstest es nicht, und das bei unseren Müttern: Unglaublich, dass der Buschfunk versagt hat, was?“

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 cafeweltenall 29.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Für die abc.etüden, Woche 29.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ulli (cafeweltenall.wordpress.com) und lauten: Buddelkiste, schwadronieren, Tanzbein.

 

Merken