Zu verschenken | abc.etüden

Sie war ambivalent. Sie liebte den Klang des Wortes, es hörte sich so viel melodischer und geheimnisvoller an als die Wahrheit: Sie war im Zwiespalt, zögerte, sich zu entscheiden. Sollte sie oder sollte sie nicht? War ihr Plan komplett bescheuert oder genial?

Noch einmal gab sie sich Phantasien hin, die süße Befriedigung versprachen – und schob sie weg. Ein neues Leben. Das war es doch, was sie wirklich wollte, ein Leben fernab aller Abhängigkeiten. Klar. Straight. Fit. Verantwortlich. Sensibel. Klimabewusst.

Sie sah sich selbst im Sessel hängen und verachtete ihre Schwäche.

„Mach es einfach“, schrie sie sich innerlich an, „los jetzt, Feigling, trau dich, tu einmal was nur für dich!“

Sie atmete tief durch.

Stand entschlossen auf, griff nach dem bereitstehenden Karton und kippte mit Schwung ihre gesamte Süßigkeitenschublade hinein. Ein energischer Griff – Plätzchenrollen aus dem Schrank und Schokoküsse aus dem Kühlschrank segelten hinterher. War das alles? Ja. Sie wusste es genau.

Den vollen Karton unter den Arm geklemmt, lief sie treppab zur Straße. Sie deponierte ihn an der Haltestelle, achtete darauf, dass das Schild „Zu verschenken“ gut sichtbar war, gönnte ihm einen endgültigen, erinnerungsseligen Blick zum Abschied und stapfte eilig zurück in ihren dritten Stock. Geschafft! Der Inhalt des Kartons fand bestimmt schnell Fans, um diese Uhrzeit waren viele Passanten unterwegs.

Sie warf sich auf die Couch und vermisste die Tröster jetzt schon. Aber sie würde es überleben, die ersten Tage würden schlimm sein und morgen würde sie bestimmt das Glas Nussnougatcreme leer fressen … Na und? Entscheidend war, keins mehr nachzukaufen. Sie war auf dem Weg zu einem weitgehend zuckerfreien Leben. Ihrer Gesundheit zuliebe, und nicht nur der.

Eine Verzweiflungstat? Keineswegs, dachte sie. Ein Befreiungsschlag.

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Wochen 36/37.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben.

Genug Drama in den letzten Tagen. Aber bevor sich jetzt jemand nach meiner geistigen oder sonstigen Gesundheit erkundigt: Danke, alles gut. Ich halte derartige Hauruck-Aktionen in den seltensten Fällen für wirksam. Wer aber dazu neigt, abends den Kühlschrank oder die Plätzchenschublade zu überfallen, dem hilft es möglicherweise, nichts im Haus zu haben …

Ein kritisches Auge auf den eigenen Zuckerkonsum zu haben, ist jedoch auf keinen Fall eine schlechte Idee.

 

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Verantwortung | abc.etüden

Zu behaupten, ihre Gefühlslage sei ambivalent, war nicht nur ein Euphemismus, sondern eine fette Lüge. Sie schwankte zwischen zerreißendem Erschrecken und verschlingendem Zorn. Und Mitleid. Und ausgeprägten Schuldgefühlen.

Ihr Vater, der Auslöser der Misere, lag in seinem Krankenhausbett vor ihr und glich mehr denn je einem Häuflein Elend. Diagnose: ein frisch entdeckter, schwerer Diabetes mellitus, verbunden mit einem diabetischen Fuß. Der Arzt hatte soeben das Schreckgespenst Amputation an die Wand gemalt. Fuß ab oder tot, er könne wählen. Gottlob sei diese Verzweiflungstat noch keine medizinische Notwendigkeit, sondern erst das letzte Mittel, wenn nichts anderes anschlüge und er nicht auf der Stelle alles komplett umstelle. Es sei fünf nach zwölf.

Er hatte den Verlust ihrer Mutter vor Jahren nicht gut verkraftet. Nach ihrem Tod hatte er den Kummer mit Essen bekämpft, war kaum noch aus dem Haus gegangen, hatte stark zugenommen und immer weniger auf sich geachtet. Sie sahen einander nur selten, da sie in einer anderen Stadt ihr eigenes Leben lebte, telefonierten irgendwann bloß noch ein-, zweimal im Monat. Er hatte sich abgekapselt und sie hatte es zugelassen.
Manche schweißt ein Tod zusammen, andere nicht.
Jeder trauert anders, nicht wahr, und sie hatte schließlich ihre Mutter verloren. Und er war erwachsen und konnte auf sich selbst aufpassen.
Nun, anscheinend wohl doch nicht.
Nicht mehr.

Immerhin war er selbstständig zum Arzt gegangen, als die Blase, die er sich gelaufen hatte, über Wochen nicht zugeheilt war.

Und jetzt? Sich dem Jammer hinzugeben war auf jeden Fall nicht hilfreich. Die nächsten Monate würden zeigen, welche Veränderungen anstanden. Sie konnte nicht sagen, dass sie sich darauf freute.

„Ach, Papa!“

Er drückte schwach ihre Hand. Sie nickte aufmunternd.

„Gott sei Dank wissen wir jetzt Bescheid“, sagte sie und fühlte die Verantwortung tonnenschwer auf ihren Schultern lasten. „Wird schon wieder, Papa. Wir bekommen das irgendwie hin.“

 

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Für die abc.etüden, Wochen 36/37.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben.

Diese Etüde ist insofern autobiografisch, als ich mal jemanden kannte, der darunter litt, und bei dem Diabetes exakt so diagnostiziert wurde. Also, Freunde: Wenn ihr bei euch oder bei euren Nächsten schmerzlose (Polyneuropathie) und schlecht oder gar nicht heilende Wunden feststellt, speziell an den Füßen, dann denkt dran, dass der Mensch auch Zucker, sprich Diabetes haben könnte.

Infos Diabetisches Fußsyndrom: Wikipedia, Diabetesinformationsdienst München

 

Froschkönig revisited | abc.etüden

Es war nicht so, dass er leicht in sein neues altes Leben zurückgefunden hätte.
Gar nicht.
Es war so verdammt still im Haus.
Offensichtlich waren die Einzigen, die etwas von ihm gewollt hatten, seine Tochter und einer seiner Auftraggeber gewesen.
Bisschen wenig für ein paar Monate.
Es nagte an ihm.

Er hatte beide noch nicht zurückgerufen. Was hätte er auch sagen sollen, wo er abgeblieben war? Ein harmonischer Urlaub war das jedenfalls nicht gewesen.

Leicht verloren saß er vor dem Computer und suchte den YouTube-Kanal, in dem er die Wetternachrichten gesprochen hatte. Und staunte nicht schlecht: Da saßen zwei ziemlich bedröppelt vor der Kamera, berichteten von einem Studiounfall und dass er, der geliebte Frosch, seitdem spurlos verschwunden sei. Sie hätten in, hinter und unter jedes Möbelstück und jeden Teppich geschaut, beteuerte Vanessa, und jetzt käme nur noch infrage, dass er vielleicht irgendwie durch den Spalt der Terrassentür ins Freie gelangt sei, obwohl sie sich das nicht vorstellen könnten. Man vermisse ihn jedenfalls total.

Huch? Geld konnte jedenfalls nicht der Grund für diese Gefühlsaufwallungen sein, dachte der gerührte Nicht-mehr-Frosch ziemlich nüchtern, denn sie hatten für ihn keins bekommen. Dumm gelaufen. Jetzt, im Nachhinein, hätte er es ihnen fast gewünscht. Denn er musste zugeben, Tobi war möglicherweise nicht der Hellste, aber sie hatten echt Spaß miteinander gehabt.

Tobi war es auch, der einen Appell an die Zuschauer richtete: „Leute, falls euch in den letzten Tagen ein sprechender Frosch zugehüpft ist, oder, Frosch, falls du mich hörst, ich weiß ja, dass du plietsch bist und immer irgendwie auf die Füße fällst – na ja, bis jetzt: Wir wohnen hinter dem Schwimmbad. Das blaue Haus. Erdgeschoss. Komm zurück! Ihr anderen: Wir zahlen Finderlohn!“

Der Nicht-mehr-Frosch stand auf und griff nach seinen Autoschlüsseln. Er würde gleich mal hinfahren. Auf ein Bier oder so. Warum denn nicht.

 

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Für die abc.etüden, Wochen 28/29.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerhard und seinem Blog Kopf und Gestalt und lauten: Füße, harmonisch, wünschen.

Ich konnte es mir nicht verkneifen. Aber jetzt lasse ich ihn in sich gehen, jetzt ist gut … und Sommer sowieso. Wer die Vorläufer noch mal lesen will, weil er*sie nur Bahnhof versteht: hier.

 

Vier Miniaturen | abc.etüden

 

Bis bald, Uroma!

Sie stand in der Tür und sah dem kleinen Mädchen hinterher, das den Weg entlanglief und mit beiden Füßen in eine Pfütze sprang, dass es nur so platschte! Hach, das Leben, die Zuversicht, die Neugierde! Sie wünschte ihr von Herzen, dass alles immer so harmonisch bleiben könnte. Aber das Schicksal würde auch von ihr seinen Tribut fordern. Wie von jedem. Warum auch nicht, es gehörte dazu.

 

Bis bald, Oma!

Sie sah der Frau hinterher, die lachend ihrem kleinen Sonnenschein nacheilte. Ja, so war sie auch gewesen, diese Sicherheit, dass sie auf die Füße fallen würde, was immer auch die Zukunft bereithielte, die hatte sie von ihr. Ob harmonisch oder nicht, das war jetzt nicht so wichtig, alles wollte in vollen Zügen erlebt sein. Ihre Enkelin feierte das Leben, und sie, die Alte, wünschte ihr nichts anderes, als dass sie es auskosten konnte.

 

Bis bald, Mama!

Vom Auto her winkte die ältere Frau zu ihr herüber. Die Tochter war eine, die war schon fast so wie sie. Ihr war klar, dass es nur galt, auf den Füßen zu bleiben, sich nicht aufzugeben, dem, was vor ihr lag, die Stirn zu bieten. Die Waagschalen ihres Lebens waren oft schon in Schieflage geraten. Nun wusste sie sie harmonisch auszubalancieren, und man konnte ihr nur wünschen, dass die Winde des Schicksals sich nie mehr als tückisch erweisen würden, denn sie hatte hart dafür gearbeitet.

 

Bis bald, Schatz!

Er war nicht mehr bei ihr. Als er zum letzten Mal auf die Füße gekommen war, hatte er diese Welt verlassen und sein Schicksal freudig akzeptiert. Sie hatten einige turbulente und viele harmonische Jahre miteinander verbringen dürfen, bis seine Zeit abgelaufen gewesen war. Und sie wünschte sich, dass er sie erwarten möge, wenn sie sich dereinst auf den Weg über die Schwelle machen würde.

 

abc.etüden 2019 28+29 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 28/29.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerhard und seinem Blog Kopf und Gestalt und lauten: Füße, harmonisch, wünschen.

Ich wollte schon lange mal was anderes ausprobieren und Gerhards Wortspende eignet sich optimal dazu. Bin gespannt auf eure Meinung.

 

Froschkönig reloaded | abc.etüden

Mir hat die Geschichte keine Ruhe gelassen. Und da kommen mir die Extraetüden gerade recht, um meinen Nicht-Frosch aus seiner Zwangslage zu befreien.

Wer die anderen Teile nicht kennt:

Teil 1: Verflucht

Teil 2: Trübe Aussichten

 

* * *

 

„Der Frosch erinnert mich an Papa.“
„Wie jetzt?“
„Na, da bei der Wettervorhersage. Hörst du nicht, wie der spricht?“
„Du spinnst, seit wann sprechen Frösche denn? Das ist doch alles nur Fake. Außerdem, wenn das dein Vater wäre, dann hätte er mindestens eine Krone auf. Kennst ihn ja, der würde auf der Froschkönig-Nummer bestehen.“

Schweigen.

„Mama?“
„Mhm?“
„Denkst du noch oft an ihn?“

Eigentlich war sie froh, dass sie ihn los war. Die Scheidung war okay gelaufen, sie hatte ihn sich von der Seele geheult und ein neues Leben aufgebaut. Böse formuliert saß der einzige Gewinn aus dieser Beziehung gerade neben ihr und schaute mit ihr obskure Lokalnachrichten auf YouTube. Aber sagt man das seiner Tochter? Würde das bei irgendwas helfen? Sie glaubte es eher nicht.

„Und du?“
„Ich glaube, dass ihr euch getrennt habt, war unabwendbar. Spätestens, als er die Tussi hatte.“

Oh. Ja. Die.

Fakt war, dass er seit ein paar Monaten verschwunden zu sein schien, jedenfalls waren alle Papa-Tochter-Treffen wegen Nichterscheinens gescheitert. In was der sich wohl wieder reingeritten hatte? Sie seufzte. Nicht mehr ihr Bier.
Dieser Frosch hatte doch was von ihrem Ex-Mann. Der Gedanke an eine Spontanmutation erheiterte sie kurz, dann ließ sie ihn fallen.

 

Der Knall erschütterte sein Universum. Er wunderte sich. Sollte er nicht Matsch oder gegrillt sein? Er war sich ziemlich sicher, dass eben die schwere Baulampe in seinem Wetterfroschglas gecrasht war, weil Tobi, der Hirni, oder seine minderbemittelte Schwester wieder mal über ein Kabel in ihrem kleinen Heimstudio gestolpert waren. Großes Ding, Wetternachrichten mit einem sprechenden Frosch! Natürlich hatte ihnen keiner abgenommen, dass die Froschstimme echt war, aber man hatte es als Sommerloch-Gag witzig genug gefunden. Bis in die Lokalnachrichten auf YouTube hatte er es geschafft. Wahnsinn.
Er schlug die Augen auf und sah erst mal alles unscharf. Als sich sein Gesichtsfeld verengte, erkannte er, dass er auf einem Fußboden lag. In SEINER Küche. Interessant. Er hob eine Hand. Menschlich! Konnte alles nur ein trüber Traum gewesen sein?
Viel später gelang ihm die Koordination seiner Gliedmaßen und er tappte unsicher durchs Haus. Wo war Mimi? Weg, stellte er fest, ebenso wie alle ihre Sachen. Na, kein Verlust. Der Kühlschrank war auch leer. Er vertilgte eine Dose Ravioli aus der eisernen Reserve. Hauptsache was im Magen.

Auf seinem Schreibtisch erwartete ihn ein Brief mit Froschbildern und einer Nachricht.
„Also, tut mir leid, die Verwandlung war keine Absicht. Falls du das hier jemals liest, hoffe ich für dich, dass das Schicksal dir eine Chance gegeben hat und du nicht mehr der hässliche Frosch bist (siehe Fotos), den ich am Teich ausgesetzt habe. Ansonsten ist zwischen uns alles gesagt. Ich bin froh, wenn ich dich nie wiedersehen muss, und ich bin nicht die Einzige damit, wie ich inzwischen erfahren habe. Und das, mein Lieber, sollte dir zu denken geben. Ein schönes Leben noch. Mimi“

Schönes Leben noch?

Er ließ den Brief sinken.
War er wirklich so ein Arschloch?
Er hätte genauso gut tot sein können.

Das Haus war totenstill und er fühlte sich sterbensallein.

 

Extraetüden 27.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 27.2019: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Die Worte stammten dieses Mal von Werner Kastens und Viola, ich habe verwendet: unabwendbar, verengen, Froschkönig, trüb, helfen.

Die Auflösung: Mimi ist das ja so passiert, dass sie ihn verwandelt hat, also konnte sie ihn auch nicht zurückverwandeln. Außerdem hätte sie nicht gewollt. Das Mädel und ihr Bruder, die ihn finden, die hatten kein wirkliches Interesse. Und seiner Ex-Frau ist er ziemlich egal, die hätte VIELLEICHT Mitleid. Möglicherweise würde bei seiner Tochter was gehen, aber die hat er wiederum nicht auf dem Schirm. Er hat eigentlich niemanden auf dem Schirm außer sich selbst.

Ich habe mir also überlegt, dass sich „vertierte“ Menschen dann zurückwandeln (und dabei an den Ort des ursprünglichen Geschehens zurückkehren), wenn sie in ihrer Tiergestalt unfreiwillig sterben, wie es hier der Fall ist, denn eigentlich hätte er den Kurzschluss nicht überleben dürfen.

Trübe Aussichten | abc.etüden

Sie hielt sich nicht wirklich für den großen Tierkommunikator, aber dieser Frosch hatte gerade eben eindeutig „Küss mich“ gequakt. Verstohlen sah sie sich am Badeteich um. Keiner in ihrer Nähe. Nur der hässliche, große Frosch.

„Küss mich!“, quakte er erneut.

Sie war jetzt auch nicht so der Märchenfan, aber da hatte es doch etwas mit einem Frosch gegeben, da war sie sich sicher. In ihrem Kopf blitzten Bilder auf. Froschkönig. Genau. Verzauberter Prinz. Sie, die Auserwählte. Hochzeit. Reichtum. Ewiges Glück.

Und das alles, weil sie ihm half, seine ursprüngliche Gestalt wiederzuerlangen? Das konnte sie ja wohl bringen. Sie streckte die Hand aus, der Frosch sprang hinein, sie hob ihn zum Mund und küsste ungeschickt das Froschmaul. Iiiih.

Es geschah – nichts.

„Noch mal!“

Wieder nichts.

„Ey, ist das hier ‚Versteckte Kamera‘ oder was?“

Sie hätte schwören können, dass er genervt geseufzt hatte. „Süße, wenn ich erst mal meine wirkliche Gestalt wiederhabe, dann überschütte ich dich mit Rosen und Diamanten und bade dich in Champagner. Was du willst! Ich verspreche es! Ich bin ziemlich einflussreich! Komm schon, gib dir ein bisschen mehr Mühe. Kann doch nicht so schwer sein!“

Sie starrte ihn an. Okay. Aller guten Dinge waren schließlich drei.

Der Frosch blieb ein Frosch.

„Ich glaube, du bist echt zu blöd zum Küssen“, knurrte er. Es gab scheinbar keinen einfachen Weg aus der Misere. Die Kleine war nämlich nicht die Erste gewesen, mit der die Küsserei fehlgeschlagen war. Seine Ex-Geliebte konnte was erleben, das Miststück.

Ihr fiel etwas ein. „Du kannst nicht hierbleiben“, sagte sie und schüttelte eifrig Melonenstücke aus ihrer Vorratsdose, „ich nehme dich mit zu meinem Bruder. Der hat ein großes Terrarium und liebt Tiere.“

Er sah sich bereits auf seinem Leiterchen im Weckglas sitzen und das Wetter vorhersagen. Im Fernsehen. Wer hatte schon einen sprechenden Frosch?

Trübe Aussichten.

 

abc.etüden 2019 25+26 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 25/26.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Viola und ihrem Blog viola-et-cetera und lauten: Froschkönig, trüb, helfen.

Wenn eine*r der beiden gewusst hätte, dass man laut Märchen den Frosch an eine Wand pfeffern muss, dann hätte es nur einen großen, matschigen Fleck und eine traumatisierte Frau gegeben. Wirklich. Glaubt mir.
Warum er jetzt plötzlich sprechen kann? Tja, gute Führung? Vielleicht lässt der Fluch nach? ICH weiß es nicht.

Ach so, dies ist die lose Fortsetzung dieser Etüde, die erklärt, wie der Frosch zum Frosch wurde …

Kommt gut durch die Hitze!

 

Verflucht | abc.etüden

 

Der Streit erreichte seinen Höhepunkt.

„Von wegen, bist du noch zu retten?“, kreischte sie. „Du bist es doch, dem hier nicht mehr zu helfen ist! Ich verfluche dich! Du sollst im Außen die Gestalt annehmen, die dein Inneres widerspiegelt!“
Sie verspürte einen leisen Druck auf den Ohren, dann machte es vernehmlich „Plopp!“. Vor ihr auf der Anrichte saß ein fetter Frosch.

Oh.
Verdammt.

Sie stülpte geistesgegenwärtig eine Vorratsdose über ihn, bevor er sie anspringen konnte. Man wusste ja nie. Durch das klare Plastik sah sie jedoch, dass er einfach nur vor sich hin glotzte.

Logisch. Schock.

Sie fasste einen Plan. Die Handykamera im Anschlag hob sie die Dose an.
„Kannst du sprechen?“, fragte sie.
„Quak!“

Offensichtlich nicht. Wahrscheinlich ging das nur bei Froschkönigen. „Königstochter, jüngste“, und so. War sie eh keine.

„Hör mal“, erklärte sie, „lass mich ein paar nette Fotos von dir machen, danach bringe ich dich an den Teich im Park. Zu deinen Artgenossen. Das dürfte deinem jetzigen Zustand angemessener sein als das Haus.“

Obwohl er ja eigentlich einer Kröte viel ähnlicher sah als einem Frosch.

Nachdem sie seine neue Gestalt von allen Seiten dokumentiert hatte, schubste sie ihn in die Vorratsdose, legte den Deckel drauf und ging nach draußen.

Der Teich war trüb. Frösche quakten. Sie öffnete die Dose und wartete, bis er sein Übergangsdomizil verlassen hatte. Wie lange hielt wohl so ein Fluch? Hoffentlich waren mit der Verwandlung auch die tierischen Instinkte aktiviert worden.

Sie fand sich kaum nachtragend.

„Und jetzt“, verkündete sie, „wird dein dummes Flittchen sein Leben wieder in die eigenen Hände nehmen. Deiner Frau werde ich die Bilder schicken. Falls sie fragt. Aber darauf solltest du besser nicht vertrauen.“

Bis zum Abend würde im Haus keine Spur mehr von ihr zu finden sein. Um alles andere konnte sie sich später kümmern.

 

abc.etüden 2019 25+26 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 25/26.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Viola und ihrem Blog viola-et-cetera und lauten: Froschkönig, trüb, helfen.

Ich finde, in den meisten Geschichten kommt der Aspekt zu kurz, wie/warum der Frosch in diese doch eher missliche Lage gerät …

Falls ihr euch wundert: Ich hatte diesen Beitrag eben kurz drin, bis Sabine Wortgeflumsel mir sagte, dass er nicht bei ihr im Reader sei (danke!). Nachdem er in meinem auch nicht auftauchte, habe ich beschlossen, ihn rauszunehmen und eine Stunde später noch mal zu veröffentlichen, in der Hoffnung, dass sich der Reader bis dahin eingekriegt hat. Wie ist es bei euch, seht ihr ihn? Ich habe ihn jetzt.

 

Die Dunkeltiere | abc.etüden

Sie war eine Getriebene. Es war durchaus nicht so, dass sie sie verfolgten. Das hatten sie nicht nötig. Sie hatten lediglich eine unsichtbare Mauer um sie errichtet, die es unabwendbar machte, ihnen ins Messer zu laufen, wann immer sie ihre Gedanken schweifen ließ. Hinter irgendeiner Ecke lauerten sie ihr auf und erschütterten sie mit ihren grell geschminkten Gesichtern: das Herzrasen, die Bitterkeit, die Vorwürfe, die Tränen, der Tod. Abweichung von der vorgegebenen Bahn? Unmöglich.

Über ihr jagten Vögel dahin, schossen elegant und wagemutig durch den Himmel, schienen nicht an die Gesetze der Physik gebunden. Schliefen sie jemals?

Sie hatte sich an die Gefangenschaft gewöhnt. Daran, dass es unten bei ihr immer ein wenig zu grau war. Man musste sich in Acht nehmen. Sonne? Die war woanders. War sowieso zu hell. Sie hatte es doch nett. Oder nicht?

Über ihr tanzten die Vögel im Licht. Ihre Rufe sprachen von Sommer. Von Freiheit. Von Sehnsucht.

Ihr Leben hatte sie zu dem werden lassen, was und wer sie war – und die Dunkeltiere gehörten dazu. Hatte sie nicht mehr in ihrer Schatzkiste gehabt? Hatte sie ihnen die Macht eingeräumt, ihr Leben so zu verengen? Wann? Warum?

Licht fiel auf ihr Gesicht, wärmte ihr Herz, erzählte von Mut. Immer öfter starrte sie nach oben. Wünschte sich unter die tollkühnen Flieger, die nie zu landen schienen. Das Leben aus einer anderen Perspektive sehen. Unbekümmert sein. Ruhe finden.

Sich mit Anlauf vom 10-Meter-Turm im blinden, lachenden Vertrauen in eine unbekannte Tiefe zu stürzen: nicht ihr Ding. Was sie fesselte, stützte sie gleichermaßen. Sie hatte Verantwortung für ihre Dunkeltiere und nicht vor, alle Fehler noch einmal zu machen.

Sollte es dauern. Es war ihr Weg.

Sackgassen sind nach oben offen.

„Sriih“, „sriih“, „sriiiih“ schrien die Mauersegler einander zu. Sie würde kämpfen. Und fliegen. Wohin auch immer. Irgendwann.

 

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 23/24.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten und lauten: Abweichung, unabwendbar, verengen.

Wer sie hören und sich erinnern mag: Mauersegler auf deutsche-vogelstimmen.de

 

Jagd | abc.etüden

Der Abend dämmerte, er war unterwegs. Wie so oft checkte er die Lage, reagierte auf die kleinsten Anzeichen. Irgendjemand hier, der ihm zusagen würde?

O ja! Er starrte sie unverhohlen an. Sie hatte alles, aber auch wirklich alles, was er mochte. Man hätte sagen können, dass ihm das Wasser im Munde zusammenlief, aber solche Begrifflichkeiten waren ihm fremd. Der unausweichliche Kampf versprach spannend zu werden. Hätte er in diesem Moment gedacht, hätte er zugeben müssen, dass er eine gewisse Gegenwehr genoss, aber auch das war ihm egal. Er beruhigte seinen aufgeregten Herzschlag und konzentrierte sich. Heute endlich mal wieder keine Abweichung vom Plan. Das Ziel so nahe vor Augen, war der Ausgang unabwendbar.
Unauffällig postierte er sich so, dass sich ihre Möglichkeiten, seinen Nachstellungen zu entgehen, auf zwei Wege verengten. Beide führten an ihm vorbei. Er war eindeutig am Zug.

Plötzlich ein Geräusch! Über ihm hatte ihn eine Elster entdeckt und begann zu keckern, eines dieser verdammten nervtötenden Viecher, die hielten das gefühlte Ewigkeiten durch!

Die Maus reagierte sofort, warf sich herum und erreichte das winzige Loch im Zaun, bevor eine bekrallte Pfote ihren Schwanz zu fassen bekommen konnte.
Der Durchschlupf war ihm doch glatt entgangen.
Der dicke Kater starrte ihr böse hinterher.

Die Elster hörte nicht auf zu lärmen, bis sie ihn abziehen sah. Keine Beute hier, auch nicht für sie. Schließlich flog sie davon.

 

abc.etüden 2019 23+24 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 23/24.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten und lauten: Abweichung, unabwendbar, verengen.

Mir war heute nicht nach was Ernstem, aber in meinem Hinterkopf sammelt sich was und gärt …

Dem Fellträger entwischen manchmal wirklich Mäuse. Katzen sehen offensichtlich sich bewegende Ziele viel besser als unbewegte und verlieren dann das Interesse, wenn sich das gewünschte Objekt totstellt. Wenn die Maus also die Übersicht behält, wo die Katze ist, scheint sie durchaus Chancen zu haben, jedenfalls bei meinem hier.

Oh, und Elstern fressen auch Fleisch und räubern Nester aus. So schön und klug, wie sie sind, es sind keine fliegenden Engel. Der Fellträger hasst sie aus den oben erwähnten Gründen, sie nerven ihn tierisch.

Wer hören möchte: hier klicken. Ich finde die Seite echt praktisch.

 

 

Der richtige Zeitpunkt | abc.etüden

Du lieber Himmel! Als sie ihre Freundin in der belebten Fußgängerzone herankommen sah, erschrak sie zutiefst. Schön, sie war ein Stück älter. Schön, sie lebte allein mit ihren Katzen. Schön, sie sahen sich nicht allzu häufig, sie wohnten knapp zwei Autostunden voneinander entfernt. Aber das, was da auf sie zukam, lächelte und winkte, war jemand, um die sie sonst auf der Straße einen unauffälligen Bogen gemacht hätte. Andere auch, wie sie mit einem schnellen Blick feststellte. Schlecht sitzende Kleidung, schmutzige, zerschlissene Schuhe, eine große Sonnenbrille.
Es war bedeckt.

Wo war die Grenze und wie benannte man die Seiten? Es waren Zustände, die gleitend ineinander übergingen, klar, und dass etwas möglicherweise nicht stimmte, war ihr bereits bei früheren Begegnungen aufgefallen. Fehlendes Geld war auf jeden Fall ein Faktor. Aber dies hier, das war kein Räuberzivil mehr.
Alkohol? Nein, glaubte sie nicht. Eine chronische Depression vielleicht, die die Scheißegal-Grenze verschoben hatte? War der Freundin klar, wie sie aussah, wie sie auf andere wirkte? Bestimmt nicht. Oder?

Würde es die Freundschaft torpedieren, wenn sie die Freundin fragte, was mit ihr los sei? Durfte sie ihr sagen, dass sie erschrocken sei, sie so zu sehen? Würde es ihren Stolz verletzen, würde sie sich damit übergriffig verhalten? Konnte sie irgendeine Hilfe anbieten? Wollte sie Verantwortung übernehmen, falls sie mit ihrer Fragerei einen Damm brach? Wenigstens Letzteres musste sie verneinen, wenn sie ehrlich war, sie trug eigene Lasten.

Der Malkasten ihrer Freundschaft enthielt jedenfalls spätestens jetzt ein paar trübe Farben. Sie beschloss, dass sie dennoch zuerst einiges mit sich zu klären hatte, bevor sie den Mund aufmachen würde.

Sie winkte zurück und fiel der Freundin wenig später um den Hals, die sie mit klarer Stimme fröhlich begrüßte. „Komm“, erwiderte sie und hängte sich bei ihr ein, „lass uns irgendwo Kaffee trinken gehen, ich lade dich ein.“

 

abc.etüden 2019 21+22 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 21/22.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal vom Team dergl und dergls Blog Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel und lauten: Malkasten, gleitend, torpedieren.

Dies ist keine besonders autobiografische Etüde, allerdings wurde sie durch eine Begegnung inspiriert, die ich in den letzten Tagen hatte und die sich dann in meinem Kopf verselbstständigt hat. Ich bin auf eure Gedanken dazu sehr gespannt, allerdings muss ich schon wieder Abbitte leisten, dass ich vielleicht erst wieder spät reagiere, heute Nachmittag/Abend und morgen sieht es vermutlich eher schlecht damit aus.
Hach, die Zeit, ihr kennt das.

 

Der Umschwung | abc.etüden

Es hatte die ganze Nacht geregnet. Sie hatte das Geräusch geliebt, das Prasseln auf dem Dach, das Wehen des Windes, den klatschnassen Fellträger abzutrocknen, ein Ritual, das er inzwischen geduldig über sich ergehen ließ, bevor er sich bei ihr schlafen legen durfte. Der Vormittag danach war trüb und verhangen gewesen, sie hatte das Gesicht ungeduldig dorthin gedreht, wo sie die Sonne wusste und nach ihr gerufen. Immerhin war es trocken. Die Wettervorhersage hatte versprochen, dass es gegen Abend besser sein würde. Mehr brauchte sie nicht. Sie würde warten.

Als sie schon fast zu zweifeln begann, geschah es. Wind kam auf, der die Wolken auseinanderblies, ein gleitender Übergang zwischen ziemlich ungemütlich und ziemlich nett. Es schien, als hätte der himmlische Strippenzieher seinen Malkasten ausgepackt und gut gelaunt überall ein wenig klare Farben hingetupft. Himmelblaus und Wasserblaus. Baumgrüns in allen Schattierungen. Weiß (nicht nur) von den Kastanienkerzen, Ginstergelb, erstes Mohnrot. Letzter Fliedergeruch, der in der Luft lag und bestimmt bald wieder von Grillfleisch überlagert werden würde. Und, oh, sie hielt inne, staunte und freute sich besonders: Sieben kleine Schwäne in ihrem Lieblingsteich, das Ritual alle Jahre im Mai, Schwäne gucken und zählen. Das Schwanenpaar hatte es wieder geschafft. Wenn das kein gutes Vorzeichen war, egal, wofür.

O nein, das Wetter würde ihre Laune nicht torpedieren, versprach sie sich. Wozu gab es windfeste Jacken. Sie sah einem langen Wochenende mit netten Menschen entgegen – voller Pläne. Sie würde es genießen.

 

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Für die abc.etüden, Wochen 21/22.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal vom Team dergl und dergls Blog Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel und lauten: Malkasten, gleitend, torpedieren.

Ihr Lieben, dies ist sozusagen eine Ich-bin-dann-mal-unterwegs-Etüde, denn ich habe zurzeit eine geliebte Freundin zu Besuch und bin daher aus allerlei nachvollziehbaren Gründen eigentlich nicht online. Das beeinflusst sowohl meine (verspäteten) Reaktionen auf eure Etüden als auch meine Möglichkeiten, bei euch zu lesen und meinen Senf dazuzugeben, was ein bisschen schade ist, weil mich speziell die Miksang-Debatte bei Myriade und Gerda auch sehr interessiert. Ich hole es nach. Nächste Woche. Bis dahin werde ich aber wenig online sein und bitte um Nachsicht, ich habe überwiegend anderes (Erfreuliches) im Kopf.

 

 

 

Cat-Lady | abc.etüden

Ich geh schon nicht weg, Katzenkind, sagt sie, als sie aufsteht und aufstöhnt. Die Hüfte. Der Rücken. Man wird nicht jünger. Sie hört, dass er schnurrt, streicht ihm über den Kopf, was das Schnurren verstärkt. Die Katzenaugen schließen sich.

Du hast es gut, denkt sie, als sie in die Küche schlurft und ihre eigene Unbeweglichkeit beklagt. Manchmal beneidet sie ihn, wenn sie ihn abends sieht, wie er auf dem Zaun balanciert und dann mit einem großen Satz in der Dunkelheit verschwindet, unterwegs auf seinen eigenen magischen Katzenwegen. Wobei die offensichtlich auch ziemlich angsteinflößend sein können – wer ist vorhin an ihr vorbeigeschossen, als sie die Tür geöffnet hat, als würde er verfolgt? Und wer ist eben eindeutig Schutz suchend auf ihren Schoß geklettert, damit sie die blutigen Risse in den Ohrmuscheln inspizieren konnte? Nachdem man sich den Bauch vollgeschlagen hat, natürlich, first things first. Nein, nicht tief, nur Kratzer, scheinbar nichts weiter passiert, aber glücklich, glücklich sah dieses zusammengekauerte Wesen heute früh nicht aus. Das wird ein Tag, an dem sie ihren Katzenkönig behüten muss, sie kennt das schon.

Sie gießt sich Kaffee ein und geht mit der Tasse zurück in ihr Wohnzimmer. Auf der Couch liegt ihre Strickjacke, die er in den letzten Tagen zu seinem Lieblingsplatz erklärt hat. Vermutlich, weil sie nach ihr riecht, sie mag es sich nicht anders erklären. Sie lässt sie für ihn dort liegen, sie kann sie später waschen. Er hat sich darauf zusammengekringelt und erwartet offensichtlich, dass sie sich wieder zu ihm setzt und die Zeitung liest. Sie kennen einander zu lange, als dass sie es nicht wüsste.

Schlaf ruhig, sagt sie. Ich bin ja da. Er reagiert nicht.

Sie betrachtet ihn versonnen und seufzt. Wie ging der Spruch? Das letzte Kind hat Fell? Sie nickt.

Kurios? Ihr doch egal.

 

abc.etüden 2019 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Katharina und ihrem Blog Katha kritzelt und lauten: Katzenauge, kurios, balancieren.

Neulich erklärte Myriade, dass sie vorhabe, im Alter eine Frau mit vielen Hüten zu werden, woraufhin ich entgegnete, ich strebte eine Karriere als Cat-Lady an. Nun denn. Hier ist ein Vorgeschmack.

Der Fellträger besteht darauf, dass alles fiktiv ist und er nur zu dekorativen Zwecken auf meinem Schoß sitzt. Ich lass das mal so stehen.