Ein harter Job | abc.etüden

 

Als sie »Schmutzfink« sagt, ignoriere ich sie. Glatt. Ich meine, ich bin ja schon als vieles bezeichnet worden, aber als … äh, Vogel? Das passt nun bestimmt nicht.
Kurz darauf kommt sie mit dem Handtuch angerannt. »Komm mal her, du Schmutzfuß.« Aha? Ich? Sie meint doch mich? Was denn, was denn? Es ist Herbst, da ist es draußen halt bisschen nasser.
Mach schneller, Frau, Füße abputzen nervt!

Blöd nur, dass sie mich nicht in Ruhe lässt, sondern sich vor mir aufbaut und anklagend in Richtung Tisch zeigt. Oh. Jaha, ich muss wohl zugeben, das sind meine Spuren, das war wirklich ich, ich kann es nicht leugnen. Und Überraschung, da steht der Quarkkuchen, der so fabelhaft riecht …
Nein! Ich wollte mich nicht von dem Kuchen bedienen, ich schwör’s, was denkt die denn?! Überhaupt nicht! Da lagen dicke Krümel daneben, die wollte ich mir mopsen. Nur die! Ich bin ein Fellträger, der sich an Deals hält, ich weiß, dass Kuchen anfressen Ärger bringt! So gut ist er nun auch wieder nicht. Und sie ist so anstrengend, wenn sie eingeschnappt ist.
Moment, wo ist der Quarkkuchen denn hin? Der krümelt doch so extrem, sie kann ihn doch nicht so schnell …

Schweigt stille, Genossen! Es ist mein Job, als Wachkatze hier alles im Auge zu haben!

Bestimmt ist er in der Speisekammer, da ist es kühler. Die Tür ist jedenfalls schon mal zu. Mist. Komme ich da überhaupt rein, bevor ihre doofen Freundinnen hier aufschlagen? Hm.
Ich glaube, ich werde mich mal prophylaktisch auf einen Stuhl legen, eine Runde ausruhen und danach einen auf süßes Kätzchen machen. Die Weiber geben mir bestimmt was ab, wenn ich verhungert genug gucke, die haben eh alle keine Ahnung, wie das hier so läuft.

Bis später, Genossen! Wir sprechen uns!

 

abc.etüden 2020 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Judith mit ihrem Blog Mutiger leben. Sie lauten: Schmutzfink, fabelhaft, mopsen.

Ja, endlich mal wieder eine Kattitüde! 🙂 Wobei ich jedoch zur Ehrenrettung meines Fellträgers erwähnen möchte, dass er keinen Kuchen mag, diese Etüde jedoch auf unsere Kindheitsfamilienkatze zurückgeht, bei der man speziell auf Quarkkuchen achten musste.

 

W2 – Ehrenrettung ;-) | abc.etüden

Ihr erinnert euch: der scheinbar unbeschilderte Wanderweg? Ich musste da ein zweites Mal hin und der Sache auf den Grund gehen. Und, Überraschung: Es war mein Fehler! 😉

Nein, es ist nicht so, dass wir Tomaten auf den Augen gehabt hätten. Die Tücke liegt im Detail. Die Tourbeschreibung behauptet: „Tour ist vollständig beschildert/markiert.“ Aha?! Wer lesen kann, hat Vorteile! Wenn man die häufig auftauchenden und durchaus auch mit verschiedenen Buchstabenkombinationen versehenen (keine davon „W2“-ähnlich) handgepinselten gelben Pfeile als besagte Markierung begreift, dann kommt man anhand dieser Pfeile hervorragend durch den Wald und fühlt sich mitnichten in der Wildnis ausgesetzt. Wir sind also beim ersten Mal schlicht zu früh nach Osten abgebogen, was ich im Nachhinein vermutet hatte. Beim zweiten Mal bin ich die Schleifen des Weges alle fröhlich entlanggetrottet und entdeckte nicht nur (vereinzelt) Schilder, sondern stellte auch fest, dass wir den Weg sogar wiedergefunden und begangen, dem Frieden jedoch nicht getraut hatten und schließlich kurz vor knapp endgültig falsch abgebogen waren, um aus dem Wald zu gelangen. Okay, was solls, alles gut.

Das Einzige, was mich ernsthaft wundert, ist die Routeneinstufung als „familienfreundlich“, die Unbedarfte (wie mich) zu falschen Schlüssen verleiten könnte. Ich habe ein junges Paar am Hang getroffen: Er schleppte ein Kleinstkind, sie schob in ultimativer Körperschräglage den dazugehörigen Buggy über Wurzel und Stein nach oben und wirkte nicht wirklich glücklich. Ein undankbarer Job, freundlich formuliert.
Zudem (weit weniger witzig) hatte ich zuvor dabei geholfen, eine Krankenwagenbesatzung in den Wald zu lotsen*, wo eine Elektrorollstuhlfahrerin (mit Mann) unterwegs gewesen und umgekippt war. WTF? Rollstuhl? Hier? Und ich als Wandereinsteiger halte (teilweise) Wanderstiefel für nicht unangebracht? Hm. Ich nenne das Diskrepanz.

Ein Blick auf die Tourbeschreibung offenbart: „Keine Höhenangaben verfügbar.“ Nun. Endmoränengebiet, ich hatte es bereits erwähnt. Ob die noch Landvermesser brauchen? Ich kenne mich jedenfalls jetzt aus.

 

abc.etüden 2020 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Sachetüde für die abc.etüden, Wochen 41/42.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Werner mit seinem Blog Mit Worten Gedanken horten. Sie lauten: Landvermesser, undankbar, aussetzen.

 

* Die Geschichte ist zu lang für die Etüde, daher hier die Ergänzung/Erklärung: Ich wurde in der Nähe des Heidefriedhofs von einem Mountainbiker aufgehalten, der auf ein Paar getroffen war, von dem die Frau im Elektrorollstuhl saß und mit diesem auf dem Weg aufgrund einer Wurzel umgekippt war. Er sagte, dass sie zwar wieder im Rollstuhl säße und sich in unsere Richtung bewege, jedoch aber schlimme Schmerzen habe und wohl ins Krankenhaus müsse. Er sei dabei, einen Krankenwagen hierher zu lotsen, ob ich helfen würde? Ich war dabei, als er mit der Leitstelle telefonierte und ihnen beschrieb, was er wusste und wohin sie kommen sollten, und er bat mich, zur Straße zurückzugehen und die anrückenden Rettungskräfte zur richtigen Stelle zu schicken.

(Ich kann nicht beurteilen, wie jenes Paar mit dem Elektrorollstuhl auf diesen Weg geraten ist, ich habe nicht mit ihnen gesprochen. Vom Weg abgekommen? Kräfte und Wegbeschaffenheit falsch eingeschätzt? Einfach blauäugig gewesen? Ich weiß es nicht, aber ich habe festgestellt, dass jeder Weg dieser W-Reihe, auf dem ich bisher mehr als ein paar Hundert Meter gegangen bin, sowohl eine sehr einfache wie auch eine anspruchsvolle Bodenbeschaffenheit aufwies, die ich niemandem zumuten würde, der auf fremde Hilfe angewiesen ist.)

Als die Rettungskräfte dann mit voller Kavallerie anrückten, waren glücklicherweise die Verunfallte plus Mann plus Mountainbiker bereits fast auf festem Boden. Er bedankte sich bei mir, dass ich geblieben sei. Ich sagte: Kein Problem, ist doch selbstverständlich, würde mir was passieren, würde ich auch wollen, dass mir jemand hilft. Er nickte, und wir gingen/radelten unserer Wege, jetzt dann wirklich.

Mir geht das nach. Ich fahre an den Straßenrand, wenn ich die Sirene eines Krankenwagens höre, denn schließlich könnte auch ich es sein, die drinliegt, oder jemand, der*die mir nahesteht. Und dann höre oder lese ich von Fällen, wo bei abgestellten Notarztwagen die Radmuttern gelockert werden etc. Von Notärzten und Sanitätern, die angegriffen werden, wenn sie ihrem Job nachgehen und zu helfen versuchen. Keine Einzelfälle.
Und dann … verstehe ich die Welt nicht mehr.

 

 

 

Pasta mit Pilzen | abc.etüden

Er warf einen Blick in die Pfanne. »Iiiih, nicht schon wieder Pilze! Sind wir jetzt schon so arm, dass es nichts anderes mehr zu essen gibt?«

Dazu hätte es einiges zu erwidern gegeben, aber sie schwieg. Der Kühlschrank knallte zu, und ihr Bruder ließ sich auf seinen Platz am Küchentisch fallen.

»Du weißt doch, dass ich Pilze nicht mag!«

Sie wollte ja mit aller Macht schweigen, aber als sie sah, wie gierig er den Erdbeerjoghurt in sich hineinschlang, hielt sie es nicht mehr aus.

»Und dann isst du Schimmelpilze?«

»Was? Bist du bescheuert?«

»Schau mal auf das Glas. Da steht ›Aroma‹ drauf. Erdbeeraroma. Das erzeugt man mithilfe von Schimmelpilzen. Unter anderem auch, weil da ja kaum Erdbeeren drin sind, nur so ein Matsch.«

»Nee.« Er schob das halb volle Glas angewidert von sich.

»Doch. Ich kann nichts dafür, dass du in Bio lieber schläfst oder auf dem Handy daddelst. Und dass du nichts dazu beitragen willst, um Mama die Sache leichter zu machen, finde ich echt traurig. Glaubst du echt, ich habe Lust, nach der Schule noch über die Felder zu laufen?«

Die Wahrheit war, dass er überhaupt nicht nachgedacht hatte. Seit Papa ausgezogen war, war alles anders, und er trug schwer daran. Unbestritten war aber seine Schwester die Intelligenzbestie der Familie, die ganz sicher ein Einser-Abi machen würde. Wenn sie also sagte, dass im Joghurt Schimmelpilze waren …

»Auf dem Camembert, das sind aber auch Schimmelpilze!«

»Ja, Edelschimmel. Ich hab nicht gesagt, dass das gefährlich ist.«

»Ach, du bist doof.« Er ging zur Tür.

»Bist du zum Abendessen da? Es gibt Pasta mit Pilzen und Speck.«

»Klar. Bin in meinem Zimmer.«

Die Tür wurde lautstark ins Schloss gezogen. Sie sah ihm nach und schüttelte den Kopf. Dann griff sie nach seinem Joghurtglas und löffelte genüsslich den Rest aus.

 

abc.etüden 2020 39+40 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 39/40.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal vom Blog kommunikatz, danke dir, Lea! Sie lauten: Pilze, traurig, schlafen.

He, ich darf auch mal spät sein! Immerhin, nachdem ich schon dachte, mir würde gar nichts mehr einfallen …

 

 

Engelchen greift ein | abc.etüden

 

Er hasste sie mit Inbrunst, und das wollte etwas heißen, denn eigentlich war seine Welt behütet und Hass ein zu großes Wort für ihn. Er fand, dass ihr Geruch zwischen Tod und Chemie schwankte, was ihm zusätzlich Kopfweh verursachte. Da aber SIE so begeistert von ihr war, wurde ihm klar, dass er SIE vor dieser Bedrohung beschützen musste.

Ohne Rücksicht auf Verluste.

Und es musste sein, solange SIE noch keinen Verdacht geschöpft hatte und er sich noch frei bewegen konnte. Er schlief drei Tage lang schlecht und geisterte durch das Haus, aber dann hatte er die zündende Idee und wusste, was seine Aufgabe war.

Frühmorgens schnappte er sie sich, zog sie hinter sich her nach draußen über den Rasen und in das Gebüsch. Was er dort mit ihr tat, sah keiner; und als SIE erwachte, war längst wieder alles wie vorher. Scheinbar.

»Engelchen«, rief SIE nach ihm wie üblich, »Engelchen, mein Schatz, wo bist du?«, und er beeilte sich, war glücklich, zu IHR zu kommen; aber als SIE gewahrte, dass sie verschwunden war, war der schöne Frieden schnell vorbei. Es wurde auch nicht besser, als SIE sie nirgends entdecken konnte. Natürlich stellte er sich dumm, als er nach ihrem Verbleib gefragt wurde, lediglich als SIE den Verdacht äußerte, dass er sich vielleicht nicht besonders engelhaft verhalten hätte, musste er niesen, schämte sich und ging betreten weg.

Sie tauchte nicht mehr auf, und er dachte schon, SIE hätte sie vergessen.

Bis zu jenem Tag, an dem SIE die Brombeerhecke im Garten aberntete, stolperte und in das Kaninchenloch trat, in dem Engelchen, der Rauhaardackel des Hauses, die teure blonde Echtlanghaarperücke seines Frauchens vergraben hatte.

 

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 37/38.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal aus der Feder des Etüdenerfinders Ludwig Zeidler, danke dir, Ludwig! Sie lauten: Idee, engelhaft, vergraben.

Ich bekomme momentan nichts Tiefgründiges hin, aber immerhin so was.
Diese Idee hier ist entstanden nach dem Beobachten eines Dackels, der so ziemlich alles über die Wiese zerrte, was nicht niet- und nagelfest war und von den dazugehörigen Kindern nicht gerettet werden konnte … 😉
Nein, Katzen tun so was nicht. Die lassen tun.

 

Ist da jemand | abc.etüden

 

»Na, Schnecke, alles okay?«

Seine Stimme reißt sie aus ihren trüben Gedanken. »Klar!«, beteuert sie mit Nachdruck, versteckt sich hinter ihrem engelhaftesten Lächeln und starrt ihn an. Ein fast unfehlbares Mittel, in Ruhe gelassen zu werden, wenn sie es einigermaßen durchhält.

Klappt bei diesem hier nicht. Er kennt sie zu lange.

»Schon gut, gib dir keine Mühe«, brummt er und lässt sich neben sie auf die Parkbank fallen. »Hätte ja sein können.«

Sie schweigt und schaut stur geradeaus. Normalerweise hätte sie jetzt auf dem Handy was gecheckt, aber nicht mal das will sie heute. Sie merkt, dass er sie ab und zu von der Seite ansieht. Er macht sich Sorgen.

»Hör mal, das ist ja nicht auszuhalten, so gesprächig bist du«, sagt er irgendwann. »Ich hab ’ne Idee: Komm mit, wir vergraben uns vor dem Fernseher, ziehen uns irgendwelchen Mist rein und saufen uns einen an. Ich schmeiß ’ne Runde Pizza.«

»Ich will Eis«, sagt sie.

»Kriegst du. Wir gehen beim Laden vorbei.« Er seufzt. »Liebeskummer? Familienpackung?«

Sie will nicken, unterdrückt es und zuckt stattdessen mit den Schultern. »Auch. Ach, alles.«

»Dann los.« Er steht auf, hält ihr die Hand hin und zieht sie hoch. Sie lässt es geschehen. »Kenne ich ihn? Einer aus der Clique? Wenn ich jemandem die Fresse polieren oder in Grund und Boden stampfen soll, sagst du Bescheid, okay?«

Sie kann nicht anders, sie muss lächeln. »Mach ich. Ist mit der Tussi von neulich was gelaufen?«

Er schüttelt den Kopf.

»Hätte ich dir da schon sagen können.«

»Halt die Klappe.«

»Weibliche Intuition.« Außerdem wäre ihr einzigartiger großer Bruder für DIE viel zu gut gewesen. Bestimmt.

Er legt seinen Arm um ihre Schultern, sie hängt den Daumen in eine seiner Gürtelschlaufen und schaut zu ihm auf. Er grinst sie an. Gemeinsam trotten sie davon.

 

abc.etüden 2020 37+38 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 37/38.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal aus der Feder des Etüdenerfinders Ludwig Zeidler, danke dir, Ludwig! Sie lauten: Idee, engelhaft, vergraben.

 

Song zur Etüde: Adel Tawil – Ist da jemand

 

 

Zum Songtext bei songtexte.com

 

 

Die Schreibblockade | abc.etüden

 

Schreibblockaden sind tückisch, und wenn die Ideen ausbleiben, ist man irgendwann verzweifelt. Nur so war es zu erklären, dass sie denken konnte, das Ding, das wie ein abgenutztes Reagenzglas aussah, habe sie gerade unmissverständlich angefunkelt! Sie griff danach, irritiert von ihrem plötzlich übermächtigen Wunsch, auch noch diesen Ramsch zu besitzen. Nur zur Inspiration, wie sie sich streng ermahnte.

„Was ist das?“
„Ist kaputt, Stopfen fehlt“, antwortete der Flohmarktverkäufer mürrisch, riss sich aber zusammen, weil sie ihm schon einen Schreibratgeber, einen überteuerten Bildband und eine Porzellanschale abgekauft hatte. „Nehmen Sie geschenkt. Warten Sie, ich habe irgendwo Originalverpackung.“

Gegen Abend untersuchte sie das quadratische hölzerne Kästchen mit Fächerunterteilung, am Rand eine Aussparung für das Reagenzglas. In jedem Fach lag ein Beutelchen: Muschelstückchen? Nudeln? Steinchen? Holz? Buchstaben? Sie vergaß ihren Verdruss.

Vorsichtig befüllte sie das Glas mit kleinsten Portionen der geheimnisvollen Ingredienzien und hielt es prüfend gegen die Abendsonne. Nichts. Hm. Neben ihr auf der Couch entdeckte sie ein weißes Katzenschnurrhaar. Einer spontanen Eingebung folgend warf sie es hinein und schüttelte das Glas erneut, um den Inhalt zu vermischen. Oh! Es funkelte sofort so grell, dass sie zunächst an eine Täuschung dachte.

„Stopfen fehlt“, erinnerte sie sich an die Worte des Verkäufers. Entschlossen presste sie den Daumen auf das offene Ende und kippte das Glas in die Horizontale, bis Was-auch-immer-plus-Katzenschnurrhaar ins Rutschen geriet und ihre Haut berührte. Beinahe hätte sie es fallen gelassen, denn es bildete sich transparenter Rauch, in dem sie zwei Figuren sofort erkannte. Sich selbst. Und ihre Katze.

Ihr ungläubiger Blick streifte den Deckel des Kästchens: „Das magische Reagenzglas. Geschichten aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ DAS hatte ganz sicher eben doch noch nicht da gestanden?! Gebannt beobachtete sie, wie sich aus dem Rauch eine Szenerie herausschälte und die Protagonisten zu agieren begannen.
Am liebsten hätte sie sofort zum Stift gegriffen.

 

abc.etüden 2020 26+27 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 26/27.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal aus der Feder des Herrn Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten: Reagenzglas, übermächtig, vergessen.

Meine Zeiteinteilung und damit auch meine Online-Präsenz werden demnächst wohl wieder „normaler“. Bin noch nicht sicher, ob ich darüber mehr weine oder mehr lache … 😉

 

Es wird ernst | abc.etüden

Dies ist die Fortsetzung von „Der Besuch“, ihr hattet danach gefragt.

***

Es wird ernst. Der angekündigte Besuch ist da. Es ist nicht die Kupferfarbene, zum Glück, diese hier sieht ganz normal aus. Nicht normal ist: Sie riecht gut! Ich meine, hallo, ich bin eine Katze, ich habe schon so einige Menschen gerochen, und über ziemlich viele möchte ich nicht sprechen. Aber sie hier ist völlig okay.

Also habe ich überlegt, wie ich ihr zeigen kann, dass ich sie gut finde, und Annäherungsversuche gestartet. Alle Menschen kraulen gern Katzen, oder? Ja, sie auch. Aber viel lieber fummelt sie an ihm herum, und das, obwohl er immer noch so stinkt. Klar bekomme nur ich das mit, sie bestimmt nicht!

Aber er, er hat mir einen langen Blick zugeworfen und »Nun übertreib mal nicht« gemurmelt, und das fand ich unhöflich. Also bin ich raus und habe mich auf dem Dach vom Geräteschuppen in die Sonne gelegt.

Als ich Hunger bekam, bin ich wieder rein. Meine Schüssel: leer. Zu trinken: Fehlanzeige. Er: im Bett. Sie: im Bett. Ich habe mich danebengesetzt, zugeguckt und gewartet, was sollte ich tun. Man ist ja diskret und will nicht stören.
Irgendwann hat sie mitbekommen, dass ich da war. Immerhin, sie hat nicht gekreischt, aber sie hat sich beschwert, sie würde sich beobachtet fühlen. Ob er da nicht was machen könne?

Und er? Nein, er ist nicht auf die Idee gekommen, ihr zu erklären, dass ich normalerweise dort am Fußende schlafe. Er hat gelacht, sie geküsst und »Ich fütter ihn mal eben« gesagt. In der Küche hat er mich dann gefragt, ob ich, wenn sie Liebe feiern würden, nicht woanders bleiben könnte. Wenigstens am Anfang, bis sie sich an mich gewöhnt hätte?
Ich hab ihm nicht geantwortet, dass es ja wohl keine Frage sei, wer sich an wen gewöhnen müsse.
Menschen.

Liebe feiern, weia. Ich glaub, den hat’s echt erwischt.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Danke an Annette, die nachgefragt hat, ob es eine Fortsetzung der Kattitüde geben würde. Mir war gerade so albern, da dachte ich, das wäre vielleicht gar keine schlechte Idee … 😉

In meinem Offline-Leben ist zurzeit eine Menge los, daher bin ich gerade etwas seltener bzw. verspätet online, seht es mir bitte nach. Es ist alles okay, es kann nur ein bisschen dauern, bis von mir was kommt. Habt es fein!

 

 

Der Besuch | abc.etüden

 

Er riecht komisch. Zu viel mit der Grappaflasche gefeiert ist es nicht, und ich glaube auch nicht, dass er krank ist. Aber man kann nicht sagen, dass er sich normal benimmt, denn er putzt unsere Höhle viel gründlicher als sonst. Schön, wenn meine Decke mal von dem Fellbelag befreit wird, dann ist das angemessen, aber noch viel lieber wüsste ich, was los ist.

»Kater, wir bekommen demnächst Besuch«, teilt er mir mit, als ich auf seinem Bauch liege, damit er mich streichelt.

Besuch also! Hier kommt selten wer Fremdes her. Hoffentlich nicht wieder die mit den kupferfarbenen Haaren. Wobei ich das ja nicht glaube. Die Leckerlis, mit denen sie versucht hat, sich bei mir einzuschleimen, waren absolut unangemessen, und das habe ich ihr auch klargemacht, als sie mir plump vertraulich kommen wollte, jawohl! So einfach bin ich nicht zu haben!
Aber Menschen sind da anders. Vor allem, wenn sie schon angefangen haben, so komisch zu riechen.

»Wenn sie kommt, könntest du vielleicht ein bisschen netter sein als beim letzten Mal?«, bittet er prompt und krault mich am Ohr.

Nun, ich fand es etwas übertrieben, dass sie darauf bestand, in die Notaufnahme gefahren zu werden, und herumschrie, sie habe keine Tetanusimpfung und bekäme jetzt bestimmt eine Blutvergiftung.
Ich hatte mich wohl ein bisschen zu doll hinreißen lassen. Passiert mir manchmal. Entschuldigung.
Aber »Berserker« habe ich dann wirklich erst mal nachschlagen müssen, als er mit ihr weg war.

Heute Morgen hat er zwei große Kartons mit Geraffel vollgepackt, das seit Monaten hier schon herumfliegt, und in den Geräteschuppen im Hof geschleppt. »Aufräumen« nannte er das.

»Ich freu mich halt, was willst du?«, hat er sich verteidigt, als er meinen Blick bemerkt hat.

Er riecht jeden Tag komischer. Leute, hier ist echt was im Busch.
Ich geh schon mal die Krallen am Sofa schärfen.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Eigentlich war es schon lange mal wieder Zeit für eine Kattitüde, oder? Tatsache ist, dass mein Fellträger sich tatsächlich während seiner drolligen 10 Minuten in einen Taschenrambo verwandeln kann – dann fließt auch tatsächlich (mein) Blut und er ist völlig weggetreten und im Rausch. Ich habe ein paar sehr beeindruckende Spuren davon an den Unterarmen.
Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass ein*e unschuldige*r Besucher*in darunter zu leiden hatte, und schon gar nicht wegen irgendwelcher Leckerlis … 😉

Update: Es gibt eine Fortsetzung: Es wird ernst 😉

 

Max hat | abc.etüden

 

»Er will einen Katamaran zum Geburtstag. Wörtlich.«

Sie sahen einander in die Augen, hielten Händchen und brauchten nichts weiter von der Welt. Fast. Wäre da nicht Finn gewesen, der in einer Woche 11 werden würde.

»Kann er nicht erst mal mit einem Segelboot anfangen?« Der Mann grinste. »Aber er hat Geschmack, dein Sohn, das muss man ihm lassen.«

»Ich fürchte, es ist wieder etwas, was Max hat.« Sie seufzte. Max war Finns Idol und bester Freund, er war ein Jahr älter und trat manchmal ein bisschen großspurig auf, was sie auf die beginnende Pubertät und seinen Vater schob. Schlimm war daran nur, dass besagter Vater Orthopäde mit eigener Praxis war und finanziell in einer anderen Liga spielte als sie. Seit Sebastians Tod gleich gar.

»Segelt Max’ Familie denn?«, unterbrach der neue Mann ihres Herzens ihre Gedanken. Auch er kannte Finns ewiges »Max hat« inzwischen zur Genüge. Sie hob die Schultern. »Ich hätte da vielleicht eine Idee …«

***

»Ihr seid so blöd! Das habe ich mir NICHT gewünscht! Auf gar keinen Fall!«

Eben hatten sie ihm sein Geschenk präsentiert. KKKK: Katamaran-Kurs für Koole Kids. Auf der Müritz, dort, wohin sie am Rande des Müritz-Nationalparks in den Sommerferien in ein Ferienhaus fahren würden. Ideal, um sich besser kennenzulernen. Ideal, weil sie sich ziemlich sicher war, dass sie Patrick auch in Zukunft in ihrem Leben haben wollte, und er den Kurs über irgendwelche Segelkumpels organisiert hatte, die dort den Zeitplan unter sich hatten. In dem jetzt auch Finns Name stand. Ideal, weil Finn ihnen dann nicht den ganzen Tag auf der Pelle hängen würde. Man musste Feste schließlich feiern, wie sie fielen.

Und jetzt das.

»Äh, was denn dann?«, fragte sie vorsichtig.

»Du hast ja mich ja nicht mal richtig gefragt!« Er rannte in sein Zimmer, kam zurück und knallte ihnen einen Prospekt auf den Tisch. Ein Konstruktionsbaukasten. Für ein Solarboot.

Patrick fasste sich schneller als sie.

»Ja, aber das ist doch für Kinder ab acht Jahren, und du bist jetzt elf! Und wenn ihr draußen damit spielen wollt, muss das Wetter verdammt gut sein, oder? Hat Max so eins?«

»Mhm.«

»Und?«

»Na ja, die Solarzelle ist schon bisschen schwach«, gab Finn zu. »Aber wir wollten mehrere koppeln und dann Rennen fahren.«

»Rennen.«

Achselzucken.

»Also, wenn du auf Geschwindigkeit stehst, dann würde ich segeln lernen. Du weißt ja schon, dass Katamarane schnell sind. Selbst im Wind zu hängen, macht viel mehr Spaß als mit so einem drögen Solarboot und ist echt spannend. Und wenn du gut bist, kannst du Regatten fahren, da geht es richtig ab, da kann man Pokale gewinnen und alles. Musst dich nur trauen und es ausprobieren.«

Zögerliches, verlegenes Nicken.
Klingeln.
Bestimmt Max.

»Bin zum Abendessen wieder da!«

Finn lief los. Sie hörten ihn im Treppenhaus.

»Stell dir vor, was ich zum Geburtstag bekommen habe! Einen echten Katamaran-Kurs in den Sommerferien! Mit Regatta und so!«
»Echt? Voll krass! Das würden meine Eltern mir nie erlauben!«

Hinter der Tür sahen sie einander an und lächelten. Es würde schon gut gehen.

 

Extraetüden 23.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 23.2020: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Die Worte stammten dieses Mal von Olpo Olponator und Gerhard, ich habe verwendet: Katamaran, großspurig, Zeitplan, schlimm, fallen.

Jaha, es gibt Katamaran-Einsteigerkurse für Kids. Auch an der Müritz, die zurzeit total angesagt ist. Und man muss keinen Jüngsten-Schein dafür haben, Schwimmen zu können ist allerdings mit Sicherheit zu empfehlen.

 

Vatertag und die Folgen | abc.etüden

 

EINE  NACHRICHT  AUF  DEM  KÜCHENTISCH

Hallo Schatz,

wie geht es dir, ist es sehr schlimm? Kopfwehtabletten hab ich dir im Bad hingelegt, falls du welche brauchst, und die Sauerei mit dem Katzenfutter in der Küche ist auch beseitigt. Dass sich Schüsseln aber auch so gemein in den Weg stellen! Da kann man ja nur stolpern und fallen! Ich hoffe, du hast dir nicht wehgetan.
Du solltest wissen, dass Moppels Frau angerufen und gedroht hat, dass sie, wenn du den Film von Moppel mit der Unterhose auf dem Kopf wie angekündigt bei YouTube hochladen würdest, rechtliche Schritte gegen uns einleitet – stell dir vor, die hat das wirklich so gesagt, unglaublich, was? Gefragt, wessen Unterhose Moppel da auf dem Kopf hat, hat sie dagegen nicht. Ohne Worte.

Außerdem hat dir x-mal eine Melli gewhatsappt. Beim ungefähr zwanzigsten Mal habe ich nachgesehen, weil mich das Gebimmel nervte, und habe sie informiert, dass ich nicht glaube, dass du heute nüchtern genug sein wirst, um dich zu melden. Hat sie aber nicht weiter gestört, also habe ich bei deinem Handy den Ton abgestellt. Weil Moppels Frau sich so aufgeregt hatte, habe ich mir die Bilder angesehen, die du gestern auf eurer Tour gemacht hast. Falls diese Melli also die wenig bekleidete Tussi mit der Pusteblume hinter dem Ohr ist, die mit Moppel knutscht, kannst du sie beruhigen: Ich sage es Moppels Frau nicht.

Ich bin erst gegen Abend zurück, ich gehe heute wie jede Woche mit deiner Mutter einkaufen. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte warten können, bis du wach bist, aber du weißt, sie und ihr Zeitplan dulden keine Abweichungen. Eins noch: Keine Ahnung, wofür ihr den Käsehobel alles benutzt habt, ich glaube, ich will es besser auch gar nicht wissen, aber der ist endgültig hin.

Bis später, Kuss
Julia

 

abc.etüden 2020 21+22 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 21/22.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerhard und lauten: Zeitplan, schlimm, fallen.

Ein paar von euch werden den Vorläufer dieser Etüde schon kennen. Ich habe das Original 2017 geschrieben, vermutlich ebenfalls zu Vatertag. Natürlich war das damals noch eine 10-Satz-Etüde, daher war es jetzt relativ leicht, sie umzubauen, die neuen Wörter zu integrieren und die Gegebenheiten upzudaten. Die ursprünglichen Wörter sind (fast) noch drin. Ich erinnere mich noch gut, wie viele Schwierigkeiten mir ursprünglich der verdammte Käsehobel gemacht hat 🙂

Mein Recycling hat zwei Gründe: 1. Ich bin sehr in Zeitnot, das schließt ein, dass ich bis ca. Mitte nächster Woche eher wenig online sein werde – und ja, es sind erfreuliche Gründe, ich bekomme (unter anderem) morgen Besuch von einer Freundin. 2. Oh, Corona! Ich bin kein Fan von Sauftouren, aber ich hatte einen nostalgischen Anfall – ich vermute, dass dieses Jahr deutlich weniger derartige Züge mit dem Bollerwagen durch die Gemeinden stattfinden werden.
Ich freue mich über eure Beobachtungen und Kommentare auch diesbezüglich.

Update: Hier ist was zum deutschen Vatertag, der in D immer auf Christi Himmelfahrt fällt: (Link zur Wikipedia)

Der Wagen im ersten Bild (Link zur n-tv-Webseite) ist ein sogenannter Bollerwagen (Leiterwagen) und wird auf „Vatertagstouren“ meist dazu genutzt, die Getränke zu transportieren.

 

Happy End mit Hindernissen | abc.etüden

CN: In dieser Etüde gerät jemand auf See in heftig schlechtes Wetter und bekommt einen Panikanfall. Keine detaillierte Schilderung, Happy End.

 

Firmenparty.

»Uuuuund, wie habt ihr euch kennengelernt? Ihr seid doch auch noch nicht so lange zusammen, oder?«

»Fang du an«, sagt sie. Beide grinsen.

»Also, zuerst war das alles gar nicht so einfach. Ich war neu hier, kam zwar aus der Mutterfirma, hatte mir das aber alles viel einfacher vorgestellt. Und dann lief ich auch noch Julia über den Weg und verknallte mich sofort. Natürlich habe ich erst mal die blödesten großspurigen Sprüche gebracht. Sie hat es mir auch prompt mächtig übel genommen und ständig herumgezickt.

Irgendwann lud sie mich zu einem Törn ein. Ihrem Gesicht nach hatte sie Hintergedanken, aber ich dachte, okay, irgendeine Seemannstaufe, was soll’s, ich geb mir bestimmt keine Blöße und lehn ab. Aber nein, es war viel hinterlistiger geplant! Das war kein Segelboot, sondern ein Katamaran, und wir fuhren zu viert ziemlich weit raus. Chilliger Tag. Bis die Wetterfront aufzog.«

»Wir hatten gedacht, mal sehen, ob wir ihn so weit kriegen, dass Superman hinterher was totschweigen muss«, übernahm Julia die Erzählung. »Womit keiner gerechnet hatte, war, dass er einen 1-a-Panikanfall bekam, so mit Kreislaufzusammenbruch und Schnappatmung, als wir Fahrt aufnahmen und die Wellen richtig hochschlugen. Ganz ungemütliche Hausnummer. Uns blieb nichts anderes übrig, als ihn am Mast zu sichern, liegend, damit ihm der Baum nicht den Kopf abreißt, und zu sehen, dass wir allesamt heil heimkommen.«

»Als wir im Hafen waren, wusste ich, dass bei mir Flooding funktioniert. Ich kanns nicht erklären. Ich war völlig durch, zerschlagen und klatschnass, aber fühlte mich herausgefordert. Also hab ich mich zwei Tage später für einen Anfänger-Segelkurs angemeldet. Da, wo auch Julia unterrichtet, was ich aber vorher wirklich nicht wusste. Auf jeden Fall hatte ich damit ihren Respekt. Sie rumzukriegen war dann fast einfach.«

»Und dein Bruder?«

»Lukas? Zuckt die Achseln und sagt: ›Weiber!‹ Kennst ihn ja.«

»Na dann.«

 

abc.etüden 2020 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Olpo Olponator und lauten: Katamaran, großspurig, totschweigen.

Dies ist die Fortsetzung zu Revanche. Eigentlich hatte ich ja geplant, den Tag auf dem Wasser direkt zu schildern, aber trotz des freundlichen Hilfeangebots des Wortspenders (dem ich zumindest entnommen habe, wo der „sicherste“ Platz auf einem so kleinen Katamaran ist), sah ich keine Möglichkeit, das alles, speziell den Heimweg, in 300 Wörtern so hinzubekommen, dass es 1. sachlich korrekt und 2. zufriedenstellend gewesen wäre. Was ihr hier lest, ist also Plan B. Was bin ich froh, dass ich aus Lukas noch problemlos Julias Bruder machen konnte …

Revanche | abc.etüden

 

»Na, wie ist er so, der neue Kollege?«

»Ein arroganter Affenarsch, wenn du schon fragst.«

»Huch? Was ist passiert?«

»Ich war in der Küche und musste an die Vorratsdosen mit dem Kaffee, die wieder mal jemand ganz oben hinten auf dem Schrank gestapelt hat, krabbele also über Stuhl, Tisch und Schrank hoch, kennst das ja. In dem Moment kommt er rein, beglotzt mich und erklärt großspurig, dass er mir selbstverständlich geholfen hätte, wenn Frauen nicht immer alles allein machen müssten, ich möge ihm doch den Kaffee mal anreichen. Glaubt der im Ernst, dass ich nicht gefragt hätte, wenn auch nur der Hauch von einem der Herren der Schöpfung zu sehen gewesen wäre? Ich meine, der ist bestimmt eins neunzig, für den ist das nichts, da mal eben hochzulangen. Und seitdem grinst er fett, wenn er mich irgendwo sieht.«

»Du gefällst ihm offenbar.«

»Ja, danke. Lukas ist mit ihm und den Kollegen, nur Männer natürlich, neulich nachts um die Häuser gezogen, auch über das Volksfest, wo die ganzen Fahrgeschäfte sind. Und da soll er den Spruch gebracht haben, er könne die ganze Schaukelei nicht ab, nix Schnelles, keine plötzlichen Richtungsänderungen, solche Sachen. So breit waren die angeblich nicht. Jetzt hat Lukas ihn für am Wochenende zum Segeln eingeladen. Er hat angenommen. Kommst du auch? Wäre viel netter mit dir.«

»Lukas. Dem du die Ohren vollgeheult hattest.«

»Logisch.«

»Liebes, ihr habt kein Boot, ihr habt einen Katamaran.«

»Stimmt auffällig.«

»Da traut der sich doch nie rauf.«

»Wenn wir beiden Mädchen dastehen und harmlos lächeln? Du groß und blond, ich klein und schwarz? Die Blöße gibt der sich nicht und kneift.«

»Und was machen wir, falls das Wetter plötzlich umschlägt? Ist immerhin vorausgesagt, du weißt.«

»Tja. Dann wird möglicherweise was passieren, was der feine Herr lieber totgeschwiegen hätte.«

»Du bist echt gemein.«

»Japp.«

 

abc.etüden 2020 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Olpo Olponator und lauten: Katamaran, großspurig, totschweigen.

Ja, ich war ein bisschen ungnädig, ja, doch. Und meine Protagonistin fühlt sich doof angemacht. 😉