Adventüden 2020 24-12 | 365tageasatzaday

24.12. – Der Coup der Crew | Adventüden

 

Ziegenbart, Hinnak und Søren standen im Schnee. Hätten sie bei der Müllabfuhr gearbeitet oder im Krankenhaus, hätten sie vermutlich eine miteinander geraucht. Echte Mitglieder der Crew teilten stattdessen Lebkuchen.

»Meint ihr, der Chef zieht das wirklich durch?« Hinnak war der Jüngste, erst knapp zwanzig Jahre dabei.

»Ich weiß nicht, so habe ich ihn noch nie erlebt.« Ziegenbart, ursprünglich vom Stamm der Kellerwaldwichtel, nun aber schon seit 400 Jahren Mitglied der Crew, legte den Kopf auf die Knie. »Ewig schon betont er, niemand müsse brav für Geschenke sein, Mensch sein, Kind sein – das reiche.«

»Aber er hat recht«, warf der Elch mit sanft dröhnender Glockenstimme ein, »die Gletscher schwinden und mit ihnen unser Hauptquartier am Polarkreis. Lange wird die Magische Schlittenfahrt nicht mehr möglich sein … Und was könnte der Chef sonst tun?«

Ziegenbart seufzte. Rentierkrankheiten nahmen zu, wer wusste das besser als er, der Kutscher des Fliegenden Schlittens. »Dennoch, was den Menschen fehlt, ist die Freude, gerade in diesen Tagen, wenn die Weltengrenzen durchlässig werden und sie sich besinnen, was sie eigentlich sind.«

»Ein bisschen Magie haben wir Wichtel doch selbst …« Hinnak senkte die Stimme. »Meint ihr …«

Sie steckten die Köpfe zusammen.

 

Der Chef zog durch. Keine magische Reise 2020. Keine Geschenke, außer den Unmengen, die die Menschen sich gegenseitig machten, doch wenn sie erschöpft unter ihren Weihnachtsbäumen staubsaugten, fanden sie winzige Geschenkchen ohne Etiketten, die scheinbar nichts enthielten. Wer sie öffnete, roch Erinnerungen, die umhüllten wie wunderbarste Kuscheldecken, fand Halt, fand Klarheit, Mut. Selbst einem als unbelehrbar geltenden Präsidenten fielen solche magischen Streicheleinheiten zu. 2021 begannen die Dinge sich zu ändern, Monat für  Monat ungeheuerlicher. Besser. Heilend.

Niemand ahnte, warum.

Der Weihnachtsmann selbst erfuhr es nie.

Ziegenbart braute aus unverschenktem Gin ein wunderbar berauschendes Zimtgetränk, und die drei feierten ihren Coup.

Der Elch schwankte abends ein wenig.

Autor*in: Natalie     Blog: Fundevogelnest

 

Adventüden 2020 24-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Last but not least möchte ich mich bei euch bedanken. Bei den Schreibenden der Adventüden natürlich zuerst, aber ebenso bei allen, die jeden (oder fast jeden) Tag vorbeigekommen sind, die gelesen, gelikt und vor allem kommentiert und sich eingebracht haben, und die mir damit gezeigt haben, dass ihnen die Etüden etwas bedeuten – und die Arbeit, die ich hineinstecke. Das bedeutet mir mehr, als ihr vielleicht denkt, gerade jetzt.
Mir ist schon klar, dass einige von euch bereits in der Weihnachtspause sind, aber vielleicht lest ihr es ja trotzdem. Danke.

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 23-12 | 365tageasatzaday

23.12. – Das Baby-Mammut auf dem Weihnachtsmarkt | Adventüden

 

Zum besseren Verständnis dieser Geschichte:

Während der Coronazeit im Frühling wurde in Österreich ein Bild verwendet für den Abstand, den man von seinen Mitmenschen halten sollte: der Baby-Elefant, der zwischen zwei Menschen Platz finden sollte. In Kindergärten und Volksschulen wurden Baby-Elefanten gebastelt, sogar die Regierung trat manchmal mit lebensgroßen Karton-Modellen von Baby-Elefanten zwischen den Rednerpulten der einzelnen Minister auf. Millionen von Baby-Elefanten waren unterwegs …

 

Vor dem Weihnachtsmarkt, den ich besuchen wollte, kam mir ein vierbeiniges Wuschelwesen mit Rüssel entgegen.
»Hallo, Süßer«, sagte ich, »bist du die Winter-Version von einem Baby-Elefanten?«
»Pffff, ich bin keine Version, ich bin ein Mammut«, trompetete der Kleine. »Und ich hab viel mehr Frisur als ein Efelant!«

Kurz gesagt: Das Baby-Mammut, das aus einiger Entfernung aussah wie eine wandelnde Kuscheldecke, wurde der Erfolg des Tages. Jemand hatte größere Mengen Flitter über das wuschelige Riesenbaby geschüttet, der in seiner winterfesten Behaarung hängen blieb, leuchtete und glitzerte, und jemand anderer hatte ihn mit ein paar neckischen Mascherln in verschiedenen Farben verziert. Blitzschnell hatte der Kleine seinen Rüssel in einen Punschtopf versenkt, was seinen Schritt in der Folge etwas schwankend machte. An einem Stand, wo verschiedene Musikinstrumente angeboten wurden, probierte er mehrere Trommeln aus. Sein punschbedingtes leichtes Schwanken tat der musikalischen Darbietung keinen Abbruch.

Fast alle Besucher des Marktes hatten sich nun um das kleine Mammut geschart, hüpften und tanzten, jonglierten mit Lebkuchen und schmückten sich mit Weihnachtskugelohrringen. Es wurde ein großes spontanes Fest, das lange in Erinnerung blieb.
Plötzlich sah man am anderen Ende des Weihnachtsmarktes ein riesiges Wesen wie aus urzeitlichen Nebelschwaden auftauchen. Vier Beine wie Baumstämme, ein gewaltiger Rüssel zwischen nicht minder gewaltigen, gebogenen Stoßzähnen, eine wild-verwuschelte Ganzkörper-Rastafrisur. Die Bäume bogen sich durch den Luftzug. Das war wohl der Mammut-Papa, der seinen abenteuerlustigen, rundherum glücklichen Sprössling abholen kam.

Die Weihnachtsmarktbesucher, von denen viele auch schon sehr punschschwankend waren, winkten dem Mammut-Papa fröhlich zu. »Kommen Sie doch bald wieder«, riefen sie, »und bringen Sie Ihren süßen Kleinen mit!«
»Die Mama ist natürlich auch willkommen«, rief noch jemand etwas zögernd.
Das Papa-Mammut trompetete freundlich in gewaltiger Lautstärke, manche glaubten »Fröhliche Weihnachten« zu verstehen, und nahm den Junior beim Rüssel. So traten sie den Heimweg an und unterwegs erzählte das Baby-Mammut seine Weihnachtsmarktabenteuer.

Autor*in: Myriade     Blog: la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

 

Adventüden 2020 23-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 22-12 | 365tageasatzaday

22.12. – Das Weihnachtsgeschenk | Adventüden

 

Es war dunkel. Tiefste Nacht. In den Häusern reihum blickten blinde Fenster auf die Straße, rollten sich kleine Kinder in ihre Kuscheldecken, umarmten ihre Teddybären und drückten Puppen eng an sich. Nur hinten, dort, wo die Gasse einen leichten Knick nach rechts machte, blitzte ein kleines Licht auf, als eine Tür sachte geöffnet und rasch wieder zugezogen wurde.

Eine schwer bepackte Gestalt huschte die Straße dorfauswärts. Dick eingehüllt in warme Kleidung verschwamm sie zu einem unförmigen Schemen. Niemand achtete in dieser Nacht vor Heiligabend darauf. Alle schliefen sie ihren Schlaf. Erschöpft die einen, sorgenvoll die anderen. Hoffend auf leichtere Zeiten die einen, fiebrig aufgeregt die anderen. Vergessend die einen, von einem schöneren Leben träumend die anderen.

Nebelschwaden zogen sich am Boden dahin bis zum kleinen Bach, der hurtig den Hang herunterhüpfte und vor sich hinmurmelte: »Schneller! Schneller!« So lauschte der Mann, der den Weg hinaus aus dem Ort und bergan davoneilte. Es war der alte Konrad, verschroben und nicht ganz hell im Kopf. Aus tiefstem Herzen friedfertig. Auch, wenn man nie so genau wusste, was in ihm vorging. Die Leute schüttelten meistens nur den Kopf über ihren Dorftrottel. Doch heute war er leise und heimlich davongeschlichen. Keiner nahm Notiz von ihm.

Am nächsten Morgen blickten die Dorfbewohner wie immer prüfend zum Berg, welches Wetter er bringen würde. Schnee vielleicht? Oder Regen? Eis? Lediglich die Kinder eilten hoffnungsvoll in die Wohnzimmer. Ob das Christkind vielleicht schon ein bisschen früher käme?

Da sahen sie am Nordhang des Berges den riesigen Stern glitzern. Ein wahres Lichtermeer aus Fackeln war es, das auf der oberen Alm leuchtete. Die Kinder jubelten begeistert. Nur die Erwachsenen schwiegen betroffen. Denn den alten Konrad fanden sie wenig später abseits im Schnee sitzend. Erfroren. Mit der letzten Fackel noch in der klammen Hand. Und einem Lächeln im runzligen Gesicht.

Autor*in: Veronika     Blog: vro jongliert

 

Adventüden 2020 22-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 21-12 | 365tageasatzaday

21.12. – Weihnachten mit Familie | Adventüden

 

Sanna hatte es sich mit Kuscheldecke auf dem Sofa ihrer Mutter bequem gemacht und knabberte Lebkuchen. Sie war schon seit gestern bei Heide und würde bis nach den Feiertagen bleiben. Sannas Freund rieb sich wie jedes Jahr zwischen den Patchworksträngen seiner Familie auf.

Sie hatten weder Wichtel-Geschenke noch ein großes Weihnachtsmenü mit Braten, Semmelknödeln und Zimt-Käsekuchen vorbereitet. Es gab etwas Leichtes, das auch ihre vegane Schwester Luisa essen würde. Ihr Vater würde auch ohne fettes Fleisch einen Grund finden, sich nach dem Essen einen Gin oder etwas ähnlich Widerliches zu genehmigen.

Sanna verdrehte die Augen beim Gedanken an den bevorstehenden Heiligabend. Wenigstens war Luisa nicht mehr mit diesem nervigen Typen zusammen, der jede Diskussion mit seinen Themen dominierte. Das Tischgespräch war dadurch oft zu einer unangenehmen Schlittenfahrt mutiert. Dieses Jahr würden sie wieder als vierköpfige Kernfamilie Weihnachten feiern, auch wenn ihnen das eigentlich allen herzlich egal war. Sie taten es nur für Heide, die sich nie damit abgefunden hatte, dass es diese Kernfamilie schon lange nicht mehr gab. Die Eltern hatten sich vor über zehn Jahren getrennt, Sanna und ihre Schwester waren nie wirklich Familienmenschen gewesen. Luisa war wie ein Zugvogel und wechselte viel zu häufig ihre Partner, als dass sie diese jemals in ihre Familie hätte integrieren, geschweige denn die Familie mit Enkeln bereichern können. Auch Sanna hatte das nie vorgehabt.

Sie würden ohne Weihnachtsbaum und Lichtermeer um den Tisch sitzen, sich unterhalten, essen, trinken, der Vater würde das Etikett jeder Weinflasche studieren, als suchte er darauf das Geheimrezept für den Wunschpunsch, Heide würde gelegentlich Nebelschwaden negativer Stimmung versprühen, Luisa würde aus ihrem Blog zitieren wie aus einem Märchenbuch und regelmäßig unterm Tisch verschwinden, um ihrer Hündin Streicheleinheiten zu verpassen. Solange sie sich auf die Töle fixierte und nicht wieder auf den Minnesang irgendeines Idioten hereinfiel, war sie okay.

Autor*in: Lea     Blog: Kommunikatz
Diese Etüde hatte einen Vorläufer, in dem es schon Infos zu den Personen gab: hier klicken!

 

Adventüden 2020 21-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 20-12 | 365tageasatzaday

20.12. – Unverhofft kommt oft | Adventüden

 

»Was soll das heißen, du hast einen Wegwerf-Kater?«, fragt sie ihre Freundin ungläubig, als sie im Wohnzimmer bei Kaffee und adventlichen Lebkuchen beisammensitzen.
»Oh, seine Besitzerin wollte ihn einschläfern lassen, weil er sich eine Pfote gebrochen hat. Stell dir das vor! EINSCHLÄFERN! Sie meinte, sie holt sich dann lieber einen neuen. Klein, stark, schwarz und noch kein Jahr alt. Wir haben ihn ihr weggenommen und verarztet.«
»Und was macht die mit ihren Kindern, wenn die krank sind? Ins Heim geben?«
»Ich hoffe, sie hat keine.« Miri, Herz und Kopf einer Tierarztpraxis, seufzt. »Viele Leute drehen dieses Jahr am Rad, aber derart krasse Fälle sind zum Glück selten. Ich suche jetzt eine Pflegestelle, sonst muss er ins Tierheim. Hättest du nicht Lust?«

Sie überlegt. Platz genug wäre. Nüchtern betrachtet wird sie zu Weihnachten allein sein. Zur Tochterfamilie gehören nämlich nicht nur zwei wilde Enkeljungs im Kindergartenalter, sondern auch ein ungeplantes Corona-Kind, vor wenigen Tagen auf die Welt gekommen. Zum Glück alles okay.
»Viele Frauen nehmen vom Käsekuchen zu, ich hatte andere Gründe. Na ja, was soll man auch sonst machen, wenn man den ganzen Tag zusammen ist. Außer essen«, hatte ihre Tochter gesagt und gezwinkert, als sie das Enkelmädchen angekündigt hatte. Sie hat darauf lieber nichts geantwortet.
Vorsorglich haben sie Weihnachten mit Oma auf einen kurzen Weihnachtskaffee mit Geschenkeaustausch reduziert, sie ist nicht mehr die Jüngste und sowieso Risikogruppe und so.

Nun. Sie betrachtet nachdenklich ihre bunte Kuscheldecke. Logisch, die Tochterfamilie ist nicht aus der Welt, aber ihr ist bewusst, dass jemand fehlt, der ihre Einsamkeit teilt und ihre Streicheleinheiten zu würdigen weiß. Ob sie sich die Verantwortung aufladen soll?

»Ach, bring ihn her«, hört sie sich sagen. »Erst mal über Weihnachten, und im neuen Jahr sehen wir weiter.«
Aus dem Augenwinkel sieht sie Miri lächeln, als habe sie es gewusst.

Autor*in: Christiane     Blog: Irgendwas ist immer

 

Adventüden 2020 20-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Eins noch: Die Geschichte mit dem Kater ist wahr. Seine Besitzerin brachte ihn in eine Tierarztpraxis zum Einschläfern, weil er sich die Pfote gebrochen hatte. Man nahm ihn ihr weg, das ist auch wahr, und entweder die Tierärztin selbst oder eine Helferin regte sich (bei Twitter) tierisch (zu Recht) darüber auf. Das war irgendwann 2019.
Dass er bei mir gelandet ist, stimmt natürlich nicht, da hätte ein gewisser Herr Fellträger einen gewissen Unmut geäußert – genauso, wie der Rest der Geschichte frei erfunden ist.

 

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 19-12 | 365tageasatzaday

19.12. – Nur ein Traum? | Adventüden

 

»Man nennt es Cabrio, Marie. Weil es oben kein Dach hat.«

Sie saßen in der Oberweißbacher Bergbahn und fuhren gemächlich nach oben. Es war Mitte Dezember und knackig kalt. Marie fröstelte es, obwohl ihre Lieblingskuscheldecke, die ihre Mama natürlich eingepackt hatte, genügend Wärme bot. Marie ließ die Blicke schweifen. Sie sah vor und hinter sich ein Lichtermeer aus Farben. Die Bergstation erstrahlte in hellem Glanz. Sie vernahm weihnachtliche Gesänge, die durch die vereinzelten Nebelschwaden nur leise erklangen. Und staunte Bauklötze über den riesigen hölzernen Weihnachtsmann, der an der Bergstation die Gäste begrüßte.
Ihre Mama lächelte sie glücklich an, als Marie in freudiger Erwartung ausstieg.

»Willkommen in der Werkstatt des Weihnachtsmanns.« Der Wichtel hüpfte aufgeregt um Marie herum. Sie schaute ihn fragend an. »Hier entstehen die Geschenke, die alle Kinder auf der Welt pünktlich zum Heiligabend unter ihrem Weihnachtsbaum liegen haben.«
Marie drehte sich einmal im Kreis und wurde der schier endlos erscheinenden Regale voller liebevoll eingepackter Weihnachtsgeschenke gewahr. Ihre Augen leuchteten.
»Natürlich ist auch deins dabei.« Der Wichtel schmunzelte geheimnisvoll. »Aber du musst noch warten. Der Weihnachtsmann bereitet gerade alles für die große Schlittenfahrt vor.«
Marie stand die Ungeduld ins Gesicht geschrieben.
»Komm! Setz dich ans wärmende Feuer und nimm dir einen Lebkuchen.« Der Wichtel schob Marie einen Teller hin. »Und hier ist unser Wunschpunsch.«
»Wunschpunsch?« Marie hatte davon noch nie etwas gehört.
»Nimm nur einen Schluck und du hast einen ganz besonderen Wunsch frei.«
Ohne zu zögern, sagte sie: »Ich will, dass Mama wieder gesund wird!« Eine Träne floss ihre Wange hinunter.

»Marie?« Papa hatte sie sanft geweckt. Er sah erleichtert aus. »Mama ist wach und will dich sehen.«
Marie sprang sofort auf, rannte aus dem Wartesaal der Krankenstation und enterte das Krankenzimmer. Sie legte sich zu Mama ins Bett und flüsterte ihr ins Ohr: »Der Wichtel hatte recht!«

Autor*in: Stepnwolf     Blog: Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

 

Adventüden 2020 19-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 18-12 | 365tageasatzaday

18.12. – C+M+B – 2020 | Adventüden

 

Melchior war außer sich. »Caspar mit seiner dusseligen Kifferei gefährdet unser ganzes Projekt!«
Balthasar ergänzte: »Das war nicht der leuchtende Stern. Das war so ein Experiment von den Ungläubigen mit den von Feuer getriebenen Ballons. Wie die Geschichte damals mit dem brennenden Hollerbusch: Nichts als heiße Luft also!«
»Caspar! Wir ziehen weiter und suchen nach dem guten Stern, der uns zum Messias führen wird«, übernahm Melchior wieder die Führung.

Nach Wochen entbehrungsreicher Reise kamen sie an den Dschebel Musa und machten sich an den beschwerlichen Aufstieg durch die Nebelschwaden zur Elija-Mulde.
»Vielleicht werden wir ja hier über den weiteren Weg erleuchtet!«, meinte Balthasar. »Außerdem wird uns eine Rast guttun, bis sich auch das letzte Kamel für die Weiterreise vollgesoffen hat!«

Tage später.
»Du, Melchior, nachdem wir jetzt sozusagen entschleunigt haben, möchte ich noch einmal den Sinn unserer Reise zur Diskussion stellen.«
»Nun, Caspar, sprich weiter!«, ermunterte ihn Melchior. »Was bedrückt dich?«
»Ist das denn alles wahr, was wir glauben?«, fragte Caspar nach einigem Zögern.
Plötzlich mischte sich Balthasar ein: »Du immer mit deinen albernen Grundsatzdiskussionen! Sind wir denn Glücksritter, die das rosa Lama im Morgenland finden wollen? Wir suchen nach dem Erlöser, kapier das endlich!«
Caspar ließ nicht locker: »Finden wir denn nicht Sinn genug im Klang der Schalmei, im Tanz der Gedanken und den Wirbelstürmen unserer Fantasie und im Minnesang? Welche Haltestangen sucht ihr denn noch, um unser Leben ohne schlechtes Gewissen voll Freude zu genießen?« Er blies genussvoll den Rauch seiner Shisha in die klare Abendluft und zerbröselte dabei gedankenverloren einen Lebkuchen.
Melchior war nachdenklich geworden. »Schau, Caspar, es geht nicht um die Frage angstfreien Genießens. Es geht vielmehr um Verzicht, um Nachhaltigkeit und Seelenhygiene!«
»Also, was machen wir?«, fragte Balthasar nach einer langen Pause.
»Wir halten weiter Ausschau!«, antwortete Melchior, »und warten auf das Wunder der Geburt!«

Autor*in: Werner     Blog: Mit Worten Gedanken horten
Der ersten Teil der Wanderung von C+M+B gibt es hier: hier klicken!

 

Adventüden 2020 18-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

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Adventüden 2020 17-12 | 365tageasatzaday

17.12. – Johnny Scrooge | Adventüden

 

Er strich über das verstaubte Etikett. Es war ein uralter Gin, den er da im Keller seines Großvaters gefunden hatte. Er hatte lange zwischen all den alten Sachen gesessen. Sortiert, gelesen, geschoben, weggeworfen und entsorgt. Und dann stand sie da: verstaubt, vergessen, wie auch sein Großvater lange vergessen war. Die Familie hatte sich nicht um den alten schrulligen Mann gekümmert, und als er starb, wollte niemand sein Erbe antreten – so war er, John, der gute Aussichten zu haben schien, ebenso schrullig zu werden – unverheiratet, wie er mit seinen 47 Jahren immer noch war –, übrig geblieben. Obwohl er ihn nicht gekannt hatte, hatte er sich bereit erklärt, zumindest das Haus, das das einzig Erbbare überhaupt war, das der Alte hinterlassen hatte, zu räumen und es für den Verkauf herzurichten.

Er wischte mit einem Zipfel seiner Kuscheldecke noch einmal über das schmutzige Etikett:
»Bombay S…hir. Re..l.tion«, mehr war nicht mehr zu erkennen. John kannte sich überhaupt nicht aus mit solchen Dingen. Er trank höchstens mal ein Bier. Gin war nicht sein Metier.

Er warf die Decke zur Seite, deren Zipfel jetzt dunkelgrau schmutzig war, und ging hinüber in die Küche – der einzige Raum, in dem man wenigstens H+ auf dem Handy hatte. WLAN hatte der Alte wahrscheinlich gar nicht gekannt. Er schaute auf die Nebelschwaden, die vor den schmutzigen Fenstern über kniehohen Schneewehen waberten, und dann auf seinen Empfang: 4G! Nebel schien gute Leitfähigkeiten zu haben. Er gab die Bruchstücke des Etiketts und das Wort »Gin« in die Suchmaschine ein. Es dauerte eine Weile, bis er fand, was er suchte, und dann verschlug es ihm die Sprache: Bombay Sapphire Revelation – die Flasche bis 200.000 Dollar wert.

In diesem Moment hörte er die Glocke des Kirchturms Mitternacht schlagen. Heiligabend hatte begonnen und er kam sich vor wie Ebenezer Scrooge im Glück.

Autor*in: Kain Schreiber     Blog: Gedankenflut

 

Adventüden 2020 17-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 16-12 | 365tageasatzaday

16.12. – Der Wa(h)re(n)wert zu Weihnachten | Adventüden

 

P. und E. sitzen gemeinsam auf dem gemeinsamen Sofa der gemeinsamen Wohnung und schauen gemeinsam überrascht in die gemeinsame Luft. Soeben hat das Radio »Last Christmas« von Wham! geträllert, und somit ist es eigentlich auch ohne Kalender klar: Es ist bald wieder Weihnachten. Diese Erkenntnis muss sie ziemlich zeitgleich durchzogen haben, denn fast unisono schießen sie in den Raum: »Ach nee, ey, isses nu schon wieder so weit, wa?«

Dann übernimmt E. die Initiative und fügt an: »Dit heißt dann also für dir die Kuscheldecke, für mir den Wunschpunsch mit Gin mit ohne Alkohol, aber schön mit Lebkuchenjeschmack, und für uns beide bessa keen Käsekuchen wejen die Figur. Juut so weit. Aber wat machen wir denn Weihnachten dieset Jahr? Iss ja schon November, da sollten wa uns langsam ma Jedanken machen!«

„Na wie wär’s denn, wenn wir dieset Jahr ma wat kulturell Wertvollet machen? Im Friedrichstadtpalast zeijen se bis zum 3. Advent dit Hochlicht des Jahres, da läuft nämlich ›Stefanie, die Stadtbratwurst‹ als Xmas-Sonderufführung. Wie wär denn dit?‹

»Ach nee, hör uff. Allet Kommerzquatsch. Und dann noch dieset Xmas, wat solln dat? Könn wa nich deutsch reden? Oder glaubt die Werbung, dat dit juut ankommt und jeder so quatschen will? Oder quatschen wir nu alle so, weil die Werbung dit so macht? Bin ick dagegen. Ick schreib bis dahin mein Berlin-Märchenbuch zu Ende, und dit schenk ick dir dann. Jeht ja wohl nicht immer um den Warenwert, oda wie?«

»Ick find, dit is fair«, meint P. und fügt an, dass sich E. ja sowieso stets über die kleinen Dinge freut. Daher bekommt er dieses Jahr auch was Kleines. Aus dem Prämienprogramm von Payback für 599 Punkte. Hat sie extra für ihn gesammelt.

Da sag noch einer was von wegen Kommerzquatsch zu Weihnachten …

Autor*in: René     Blog: Berlin. Autor. BerlinAutor.

 

Adventüden 2020 16-12 | 365tageasatzaday
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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

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Adventüden 2020 15-12 | 365tageasatzaday

15.12. – Hartzig-holprige Kata-Strophen zum Lichterfest | Adventüden

 

Bitte meine Anmerkung zu Kommentaren (unten) beachten!

 

Weg mit dem Etikett!
Bei Geschenken ist’s nicht nett
Den Preis zu verraten.
Außer beim Gänsebraten.
(»Was kostet heuer die Gans?«,
Fragt Sabine den Franz.
»Hat sie Platz in unserm Budget?
Ach, Franzl, sagst immer nur nee?!«)

Das Rüschenblüschen und die bunte Kuscheldecke,
Märchenbuch, Vorschulranzen und der kecke
Wichtel mit Bart und dem Ruprechtbesen
War’n billig zu haben beim netten Chinesen …
Müssen’s ja nicht wissen, die Beschenkten,
Wären dann vielleicht gar die Gekränkten,
Dass es das Lebkuchenherz und die Flasche mit Gin
Im Angebot gab, tut mir leid, mehr war nicht drin.
Hartz halt – nicht das Gebirge mit funkelndem Schnee
Und Schlittenfahrt, nee-nee, ist schon lange ade.
Bleibt das Lichtermeer in der Stadt, das ist auch nett
Für Leute wie uns, kostet ja nix, macht vieles wett.

Klein-Susi ist froh, denn der Ranzen ist schick
Den lässt sie den Abend nicht mehr aus dem Blick
Der Franzl ist lustig und ein bisschen beschickert
Vom Gin, klare Sache, schön heiß das reinsickert,
Im Rüschenblüschen Sabinchen, nimmt ihren Franz
Und auf geht’s zum schwankenden Lichtermeertanz.

Autor*in: Gerda     Blog: Gerda Kazakou

 

Copyright Gerda Kazakou für die Adventüden 2020, vielen Dank!

 

Adventüden 2020 15-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Ich bin ein großer Fan von „agree to disagree“ – jedem seine Meinung; und ich finde, diese Adventüde bietet durchaus Stoff für, äh, Meinungsvielfalt. Aber ich bin nicht daran interessiert, speziell im Rahmen der Adventüden Diskussionen über Sinn und Unsinn von Maßnahmen und Gesetzen der Bundesregierung zu führen, besonders nicht vor dem Hintergrund eines Gesprächsklimas, das gerade in den letzten Wochen dazu neigt, dem jeweils Andersdenkenden den Verstand abzusprechen und verbal aufeinander einzudreschen. Ich denke, ihr wisst alle, was ich meine, und nein, ich erkläre das nicht 😉
Nicht, dass ich erwarte, dass es notwendig ist, schließlich haben wir auch letztes Jahr die Trigger-Debatte geschaukelt, aber sollte ich bemerken, dass die Diskussion gewisse Grenzen überschreitet, möchte ich vorsorglich ankündigen, dass ich mir vorbehalte, Kommentare entsprechend zu moderieren.
Ich gehe davon aus, dass Gerda ihre Adventüde ebenfalls online stellt, und überlasse es ihr, ob sie bei sich für eventuell weitergehende Diskussionen offen ist.

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 14-12 | 365tageasatzaday

14.12. – Weihnachten zu Hause | Adventüden

 

Weihnachten stand vor der Tür. Für mich war das die schönste Zeit des Jahres. Ich liebte es, wenn am 23. 12. der Tannenbaum aufgestellt wurde und das Lichtermeer sich in der Umgebung ausbreitete. Die Geschenke wurden unter dem Tannenbaum verteilt und die Vorfreude stieg.

Unterm Weihnachtsbaum las ich immer gerne in meinem Märchenbuch. Ich liebte diese magischen Geschichten. Auch wenn sie oft traurig waren. Aber zu Weihnachten gehörten sie für mich einfach dazu. Oft saß ich auch zusammen mit meinen Eltern vorm Weihnachtsbaum und meine Mutter las uns daraus vor. Mein Vater hörte genauso gebannt zu wie ich.

Am 2. Weihnachtstag lud mich mein Vater jedes Jahr auf eine Schlittenfahrt ein. Zumindest, wenn Schnee lag. Ich liebte diese Zeit alleine mit ihm. Wir fuhren manchmal nebeneinander her und manchmal auch zusammen. Es machte so viel Spaß.

Und so vergingen meine Weihnachtstage. Zeit mit meinen Eltern im Winter in den Bergen. Ich war zwar kein Kind mehr, aber Spaß konnte man nie genug haben. Gerade zu Weihnachten. Das wünsche ich jedem.

Autor*in: Corly     Blog: Corlys Lesewelt

 

Adventüden 2020 14-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Adventüden 2020 13-12 | 365tageasatzaday

13.12. – Ein Anfang? | Adventüden

 

Sie schaut hinaus ins Lichtermeer der Stadt, die die letzten Tage unter Nebelschwaden verschwunden war.
»So, wie mein Leben.« Sie sagt es laut, denn niemand kann sie hören. Ja, ihr Leben ist verschwunden. Sicher, sie ist da. Sie lebt. Vorausgesetzt: Funktionieren zählt auch.

Von draußen dringt Kinderlachen herein. Sie hört Hufgetrappel, bevor sie die Kutsche mit dem Nikolaus sieht. Ach ja, es ist Advent. Früher hätte sie einen Adventskranz mit roten Kerzen gehabt und für die beiden Mädchen je einen Adventskalender. Sie hätten Spitzbuben gebacken, Lebkuchen und Linzer Torte. Sie hätten Weihnachtsgeschenke gebastelt und gelesen. Früher, da war der Advent voller Vorfreude und Geheimniskrämerei. Sonntags gab es Punsch. »Wunschpunsch« nannten das die Mädchen, weil sie sich Geschichten von Wichteln und Feen wünschen durften.

Sie verliert sich im Früher, bis Lärm von draußen in ihre Blase dringt und sie herausreißt. Es klingelt an der Haustüre. Sie denkt »Ich mache nicht auf«, aber da klingelt es wieder. Sie öffnet. Eine junge Frau steht draußen. An jeder Hand hält sie ein stummes Kind.

»Bitte«, sagt die junge Frau, »können Sie die Kinder zu sich nehmen? Ihre Mama hatte einen Unfall, ich muss sofort ins Krankenhaus.«
»Ich? Aber …«, stottert sie.
Die junge Frau nickt, drückt den Kindern einen Kuss auf die Stirn, verspricht »Ich melde mich« und verschwindet.
Sie seufzt. »Kommt herein«, bittet sie und bringt die Kinder in die Küche. »Wollt ihr einen Kakao?« Beide nicken.
»Bin gleich zurück«, sagt sie zu den Kindern. Sie geht in den Flur. Schließt eine Tür auf und betritt das Mädchenzimmer, zum ersten Mal seit neun Jahren. Mit zwei Schlafanzügen, Kuscheltieren, zwei Spielen und dem Heft, in dem sie ihre Wichtelgeschichten aufgeschrieben hat, kommt sie zurück.

Sie setzt sich und zündet den verstaubten Kerzenrest an, der auf der Fensterbank steht.
Es ist Advent.

Autor*in: Judith     Blog: Mutiger leben

 

Adventüden 2020 13-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

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Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.