Einparken kann doch jede/r!

Der Mitmachblog hat diese Woche „Frau am Steuer“ als Thema. Na, da gebe ich doch gern meinen höchstpersönlichen Senf dazu!

 

eingeparkt – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

MitmachBlog

„Frau am Steuer“? So ein Klischee, aber auch so ein Aufreger-Thema, dass es sogar zum Buchtitel gereicht hat. „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ erinnert ihr euch? Hier (ZEIT, 2007) gibt es eine sehr intelligente Entgegnung dazu. Mich reizt das Thema „Einparken“ jedenfalls immer dazu, einen dummen Witz zu erzählen. Dazu später mehr.

Wenn jede/r einparken könnte, dann müsste es diese Piepsdinger, also diese Einparkhilfen oder diese Parklenkassistenten ja nicht geben. Natürlich muss man sie als technische Neuentwicklung höchsten Grades feiern, damit Männer ihre Autos damit schmücken wollen (weil BRAUCHEN tun sie es ja natürlich nicht, höhöhö, „die Frau“ vielleicht, alles klar, oder?). Nach allem, was ich weiß, wollen Frauen eher wissen, ob sie damit klarkommen, Männer interessiert der neueste Hype. Das funktioniert aber nicht nur bei Autos so, Kameras (und Objektive) sind ebenfalls ein überaus gelungenes Beispiel dafür, ich glaube, Handys auch. Aber egal.

Als…

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Frau Reinlich hat ein Problem

„Sagen Sie, Kindchen, Sie gehen doch sicher einkaufen.“
‚Kindchen‘ bin ich. Wäre ich ein Mann, hieße ich ‚mein Lieber‘. Ich bin manchmal nicht sicher, ob sie meinen Namen nicht weiß, oder ob das schon das Alter ist. Vermutlich Bequemlichkeit.
„Sicher, Frau Reinlich.“

Frau Reinlich lauert mir hinter ihrer Wohnungstür auf. Ziemlich regelmäßig. Wenn sie sich allein fühlt, lädt sie mich zu Kaffee, Likörchen und Klatsch über die Männer ein. Nachdem ein Herzanfall Herrn Reinlich über die Wupper schubste, beschloss seine Mathilde nämlich, dass sie sich im Witwenstand auch amüsieren dürfe. Seitdem besucht sie Tanztees in diversen Etablissements und ist beim Abschleppen durchaus erfolgreich. Ich kann das beurteilen, ich wohne nur ein Stockwerk über ihr, so dick sind die Wände nicht.
Wenn ich mal weg bin, gießt sie meine Blumen.

„Eigentlich wollte ich ja frischen Salat, aber den kann man ja nicht mehr essen mit all den Genen drin.“
„Wieso?“
Sie runzelt die Stirn.
„Kindchen! Gene machen krank! Sehen Sie nicht fern?“
Sie meint nicht wirklich Gene. Muss ich etwas sagen? Ich muss. Frau Reinlich glaubt dem Fernsehen.
„Gesunde Ernährung ist wichtig, Frau Reinlich.“
„Da war eine Frau im Fernsehen, die hat eine Wurmkur gemacht. Damit sie sauber ist. Die hat auch gesagt, dass es ganz wichtig ist, dass man sich gut ernährt.“
„Ohne Gene.“ Es rutscht mir so raus.
„Ohne Gene!“ Frau Reinlich strahlt.
„Und warum hat die Frau die Wurmkur gemacht?“
Worauf will sie denn heute hinaus? Ich verdrehe innerlich die Augen. Ich wollte schnell los. Eigentlich.
„Wegen ihrem Hund, Kindchen! Der hat sie angesteckt! Der hatte Würmer!“

Ach, daher weht der Wind. Letztens hatte Frau Reinlich für vierzehn Tage den Hund ihrer Tochter in Pflege. Verfressen, langhaarig, weiß, klein und natürlich zu fett. Der Arme, aber ich halt mich da ja raus. Bei unserem Sonntagskaffee hat sie den Hund von ihrem Teller gefüttert und mit ihm rumgeknutscht. Vermutlich hat er auch in ihrem Bett geschlafen. Mein Fall wäre das nicht.

„Warum machen Sie sich Sorgen, Frau Reinlich? Der Hund von Marlene hatte doch bestimmt keine Würmer.“
„Glauben Sie?“

Keine Ahnung, aber ich nicke. Aber irgendwas stimmt wirklich nicht, denn seitdem hat sie nicht nur die Gardinen gewaschen, den Teppichboden shampooniert und die Sofapolster zur Reinigung gegeben, seither läuft die Waschmaschine Tag und Nacht.

„Ist denn etwas nicht in Ordnung, Frau Reinlich?“
Sie will nicht mit der Sprache heraus.
„Wissen Sie, Kindchen“, gesteht sie schließlich, „ich hab da so ein komisches Jucken am Körper, das geht nicht weg.“
Flöhe etwa? Lieber Himmel. Hoffentlich war sie mit dem Vieh nicht in meiner Wohnung.
„Oh“, sage ich, „aber, Frau Reinlich, Sie haben in der letzten Zeit so viel saubergemacht, da hält sich doch bestimmt nichts.“
Es überzeugt sie nicht. Sie schüttelt den Kopf.
„Wo genau juckt es denn, Frau Reinlich?“

Sie guckt mich Hilfe suchend an und wird rot. Die Sekunden dehnen sich. Langsam wird mir klar, dass ich da wohl eine indiskrete Frage gestellt habe.

„Na ja, da unten eben, Sie wissen schon“, sagt sie plötzlich verschämt. Zur Generation Porno gehört Frau Reinlich nicht, noch nie, man muss auch für kleine Geschenke dankbar sein.
Hm. Ich überlege. Es gibt Dinge, die ich im Detail ganz bestimmt nicht wissen möchte, aber in mir keimt ein Verdacht. Als mein Verflossener, der Idiot, sich zum Teufel scherte, war das eines der spezielleren Geschenke, die er mir hinterließ. Genauer gesagt, war das sogar der Anlass.

„Frau Reinlich“, platze ich heraus, „entschuldigen Sie die Frage, aber hatten Sie zufällig in der letzten Zeit Herrenbesuch?“
Sie nickt überrascht.
„Und danach fing das erst mit dem Juckreiz an? So eher … unten?“ Wie fragt man eine Frau danach, die ungefähr das Alter der eigenen Mutter hat und sich schlimmer aufführt, Himmelherrgott?
Sehr dankbares, verschämtes Nicken. Ich schweige. Sie schweigt auch und schaut an mir vorbei ins Treppenhaus.
„Kindchen“, sagt sie dann mit schwacher Stimme, „ich wage ja gar nicht, Sie darum zu bitten, aber könnten Sie mir nicht dagegen etwas mitbringen? Ich lade Sie auch zum Essen ein.“

Tür zu, weg ist sie. Frau Reinlich hat mich reingelegt.
Ich soll also wirklich in der Apotheke ein Mittel gegen das, was der Idiot damals als ‚Sackratten‘ bezeichnet hat, kaufen und das süffisante Grinsen des Apothekers und seiner Mannschaft auf mich nehmen? Das glaubt mir doch keiner, dass das nicht für mich ist! Nicht mit mir. Soll sie doch ihren Herrenbesuch schicken!
Aber halt, mir fällt da was ein. Wenn dem so ist, weiß ich, was zu tun ist. Die Viecher sind doch sozusagen standorttreu. Sie bekommt ein paar Einmalrasierer aus dem Supermarkt von mir. Mit Gelstreifen. Und ganz großzügig eine Tube Rasiercreme.

Wenn sie ernsthaft Stress macht, muss ich eben meine Blumen verschenken.

 

medicine-1279553_640Quelle: Pixabay

 

Disclaimer: Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen! Lernt Filzläuse erkennen (und das Wort aussprechen, ohne zusammenzubrechen) und geht in die Apotheke und holt euch was dagegen. Keinen Perubalsam. Und scheißt auf den Apotheker und was er denken könnte, die hören noch viel Schlimmeres.

Diese Geschichte entstand mal vor ziemlich vielen Jahren und hat es geschafft, nicht weggeschmissen zu werden, oh Wunder, sondern überarbeitet das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Irgendwie fand ich, sie würde ziemlich perfekt zum Wochenthema des Mitmachblogs („Worüber man nicht spricht“) passen, wo ich sie eben reingestellt habe, aber natürlich darf sie auch hier in meiner Sammlung nicht fehlen …