Der zweite Hunderter ;-)

Hamburg hat, wie ich schon gelegentlich erwähnt habe, nur ein paar Abhänge, die den Namen auch wirklich verdienen. Hamburgs höchste Erhebung, der Hasselbrack, liegt aber in den Harburger Bergen, interessanterweise nur ein paar Meter neben der Landesgrenze zu Niedersachsen. Nun ist der Hasselbrack in Hamburg sensationell unbekannt, was nicht nur an seiner sagenhaften Höhe von 116,2 Metern liegt, sondern auch an der Tatsache, dass man von dort aus keinerlei Aussicht hat, er zudem mitten in einem Naturschutzgebiet liegt und zwar auf Karten eingezeichnet ist, aber deswegen kein Wegweiser dorthin verweist (Brutgebiet, bla). Keiner. Null. Ein Ding für Insider. Ferner sind schließlich die Harburger Berge (Wikipedia) auf der anderen Seite der Landesgrenze durchaus höher 😉
Wenn ich zusammenfassen darf: Der Hasselbrack ist eine völlig unauffällige, nicht weiter ausgeschilderte Erhebung in den Harburger Bergen (die, selbstverständlich, auch keine „Berge“ sind).
Für Wanderanfänger wie mich ist aber dies aufgrund der Tatsache, dass sie ein Endmoränengebiet sind und „für norddeutsche Verhältnisse recht zerklüftet“, ein herrliches Gebiet, um über Stock und Stein zu krabbeln und mich müde zu laufen. Dort gibt es nämlich nicht nur eine Handvoll gut beschilderter Wanderwege, sondern auch rauhe Unmengen an Trampelpfaden, steilen Mountainbike-Trails und Reitwegen.

Meine Wahl fiel (zum zweiten Mal) auf einen Teil des Wanderwegs W5 (Wander-Tour Schwarze Berge, klickst du) und zwar auf den nördlicheren. Denn der führt, wie mir beim Blick auf die Karte klar geworden war, ziemlich dicht am Hasselbrack vorbei, und ich hatte auch schon so eine Vermutung, wo ich abbiegen müsste. Außerdem hatte ich mit dem Weg, zumindest dem zweiten Teil, noch ein Hühnchen zu rupfen. Und ich wollte zum Hasselbrack. Einfach just for fun.

Geparkt habe ich am Wildpark Schwarze Berge, der viel Spaß machen kann, wenn man reingeht, besonders mit Kindern (Hängebauchschweine, Ziegen zum Streicheln), und ich mag speziell die Flugshow (Greifvögel). Mein Weg führt aber südlich dran vorbei, und nach relativ kurzer Zeit stand ich entzückt am Moisburger Stein, einem alten Grenzstein. Nun lief ich der Markierung W5 folgend weiter in den Wald hinein, wo der Weg die ganze Zeit sanft anstieg und ich in größeren Abständen anderen Wanderern begegnete, die allesamt grüßten – ich war raus aus der Stadt. Nicht zu überhören waren Geräusche im Wald, die von Mountainbikern stammten, nicht zu übersehen waren Hinterlassenschaften, die von Pferden stammten. Alles bestens. Als ich gefühlt relativ weit „oben“ war, dachte ich, dass ich jetzt eigentlich in der Nähe des Hasselbracks sein müsste, und zückte die Geheimwaffe: mein Handy. Klar hätte ich eine Wanderkarte bevorzugt, wenn ich eine gehabt hätte (was ich ändern werde), aber ich dachte, das Handy tut es auch, und wenn nicht, dann eben nicht. Und, o Wunder, ich hatte Empfang UND recht. Hier irgendwo in der Nähe sollte er sein, der Hasselbrack.

Also bog ich mutig von meinem Weg ab und wagte mich auf den Trail-Dschungel. Das Handy bestätigte mir von Zeit zu Zeit wenigstens, dass ich mich meinem Ziel näherte, denn selbstverständlich kannte es keine Trampelpfade. Irgendwann grüßte ich eine Reiterin und fragte sie, ob der Hasselbrack hinter ihr liege, und sie lächelte und antwortete freundlich: „Ja, immer geradeaus.“ Und tatsächlich, es stimmte. Dauerte nur noch ein paar Minuten …

Um die Infos zum Thema Hasselbrack auf den neuesten Stand zu bringen: Es gibt dort den Stein. Sonst nichts. Keine Bank, kein Gipfelkreuz. In den Waldboden daneben (auf meinem Bild nicht zu sehen) ist eine Kiste aus Blech verbuddelt, in der sich ein MNS und ein Geocache befanden (jedenfalls vermute ich, dass das einer war). KEIN Gipfelbuch, von dem ich schon verschiedentlich gelesen habe, und der Deckel der Kiste ist echt verbeult.

Ich hockte mich für eine kleine Weile auf einen Baumstumpf und genoss den Wald. Dann trottete ich gemächlich wieder zurück zu meinem Wanderweg. Vor mir lag, wie ich wusste, der anstrengendere Teil der Tour.

Wenn man auf der Karte (siehe Link oben) nachsieht, entdeckt man, dass W5 ein langer Rundweg ist, der teilbar ist. Und ab dem Punkt, wo man abzweigt, wird der Weg, äh, immer trailartiger. War das vorher ein Weg, den man mit Oma und Kinderwagen gut gehen konnte, kommt jetzt mehr und mehr zum Tragen, was die Wegbeschreibung als „überwiegend naturbelassene, teils wurzelige Wege mit anspruchsvollem Relief (festes Schuhwerk erforderlich)“ beschreibt. Und die hinauf und hinab zu überwindenden Abhänge werden immer steiler und die Pfade immer ausgewaschener. Mir ist schon klar, dass sich Kenner von alpinen und voralpinen Wegen vermutlich vor Lachen auf dem Boden rollen, aber ich war SEHR, SEHR dankbar für meine Wanderschuhe (meine Erstbegehung dieses Weges war der Grund, weshalb ich mir anständige Wanderschuhe zugelegt habe, denn solche Wege sind zurzeit meine Messlatte) und ich habe, als ich leichtfüßig über diverse Baumwurzeln stiefelte, schaudernd begriffen, was ich meinen Schutzengeln (Plural!) mit meinen Sandalen beim letzten Mal eigentlich zugemutet habe. Schließlich kann man auch in einer Pfütze ersaufen, wenn man Pech hat. Gute Wahl. Sehr gute Wahl. (Immer noch keine Blase gelaufen. Scheint so, dass ebenfalls meine Billig-Wandersocken nicht die schlechtesten sind – zumindest sind sie für meine bisherigen Wege geeignet. Ich weiß inzwischen immerhin, dass auch Socken ein großes Thema sind.)
Sind das übrigens Schopftintlinge, die Pilze?

Der Pfad rund um den Paul-Roth-Stein (laut Internetangaben 131 Meter über NHN; der so aussieht, als ob der Zahn der Zeit kräftig an ihm nagt und es keinen interessiert, siehe Bild) ist für Mountainbiker gesperrt. Wie ich feststellte, gibt es aber einige, die das nicht stört, denn als ich gerade dieses Baumwurzelteil (siehe Bild) erklomm, standen oben welche mit ihren Rädern und unterhielten sich (und grüßten). Weiß nicht, ob sie dann da runter sind, überholt haben sie mich jedenfalls nicht mehr.
Die Treppen, die sich ebenfalls auf diesem Teil des Weges befinden, sind robuster, als sie aussehen.

W5 führt dann noch über den Kiekeberg, wo sich ein sehr bekanntes Freiluftmuseum befindet, ein Schlenker, den ich mir schon zum zweiten Mal gespart habe, ich bin einfach über Alvesen zum Wildpark zurückgelaufen. Ich war müde genug für den Tag.
Leider musste ich dann auch feststellen, dass sich irgendwann mein Handy und damit meine Schrittzähler verabschiedet hatten. Ich kann also nicht sagen, wie weit ich gelaufen bin, was mich doppelt ärgert, da ich sogar mit der Pause in der Zählung bei dem Schrittzähler, der weniger anzeigt (der andere war komplett im Nirwana), auf über 10 Kilometer gekommen bin – und mir geschätzt eine halbe Stunde bis 45 Minuten fehlen, in denen ich mich bewegt habe. Nun. Sieht so aus, als müsste ich da noch ein drittes Mal längs. Vielleicht tappe ich dann doch noch über den Kiekeberg. Zeit ist ja genug, wenn das Wetter hält.

Sollte (wirklich?) noch jemand rätseln: Der „zweite Hunderter“ ist mein zweiter erklommener Gipfel *hust* 😉

Ebenfalls auf dem Hasselbrack war Maren von „Von Orten und Menschen“, und zwar vor knapp vier Jahren. Ihre sehr vergnügliche Schilderung, wie sie ihn fand (und Maren hat im Gegensatz zu mir Ahnung von dem, was sie tut), könnt ihr HIER lesen.

 

Ja, klar, die Fotos sind alle von mir. Klicken macht groß!

 

 

Von Herbst und Gold

 

Es lacht in dem steigenden jahr dir

Es lacht in dem steigenden jahr dir
Der duft aus dem garten noch leis.
Flicht in dem flatternden haar dir
Eppich und ehrenpreis.

Die wehende saat ist wie gold noch,
Vielleicht nicht so hoch mehr und reich,
Rosen begrüssen dich hold noch,
Ward auch ihr glanz etwas bleich.

Verschweigen wir was uns verwehrt ist,
Geloben wir glücklich zu sein,
Wenn auch nicht mehr uns beschert ist
Als noch ein rundgang zu zwein.

(Stefan George, Es lacht in dem steigenden jahr dir, aus: Das Lied der Seele, 1897, Info (Wikipedia), Online-Quelle)

 

Septembermorgen.

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike, Septembermorgen., aus: Die Gedichte (1838), entstanden 1827, Online-Quelle)

 

Meine Haare fliegen

Meine Haare fliegen,
Bin auf hellen Winden,
Bin auf Flügelfüßen
In die Lüfte gestiegen.

Und mein Haupt steht golden
In den Abendwolken,
Purpurn wanken die Dolden
Meiner Liebesgedanken.

(Max Dauthendey, Meine Haare fliegen, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 97)

 

Rondel

Verflossen ist das Gold der Tage,
Des Abends braun und blaue Farben:
Des Hirten sanfte Flöten starben
Des Abends blau und braune Farben
Verflossen ist das Gold der Tage.

(Georg Trakl, Rondel, aus: Gedichte (Ausgabe 1913), Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut in und durch die neue Woche! (Kalendarischer) Herbstanfang ist dieses Jahr am Dienstag, 22. Spetember, um 15:31 Uhr MESZ. Genießt die Tage und bleibt heiter!

 

Alsterrunde ;-)

Die Hamburger Binnen- bzw. Außenalster wird gern als Hamburgs „gute Stube“ bezeichnet. Tatsächlich teilt sich die Hamburger Bevölkerung in „Alster“- und „Elbe“-Hamburger, ich weiß nicht, ob es dafür „objektive“ Kriterien gibt oder ob das eine Herzensentscheidung ist … wo war ich?

Die Alster (Wikipedia: Binnenalster, Außenalster) ist nicht nur das gleichnamige Flüsschen, sondern vor allem der große Stausee im Herzen Hamburgs. Als solcher ist die Außenalster mit einer Fläche von 164 Hektar ein beliebtes Revier für Segler, Ruderer, Tretbootfahrer und Stand-up-Paddler (das Segelrevier soll gar nicht so einfach sein aufgrund der Windverhältnisse, die wiederum aus der höchst unterschiedlichen Bebauung herrühren (von historisch-prunkvollen Villen bis zum Szeneviertel ist alles dabei)), die Alsterschifffahrt und last but not least die Alsterschwäne. Ebenso führt eine bekannte und beliebte Joggerrunde (7,4 km) um die Außenalster.

Um letztere geht es mir. Ich jogge zwar nicht, aber nicht nur am Wochenende bewegt sich ein Pulk Menschen auf dieser Route um die Alster: Radfahrer, Jogger, Flanierer (auf der „schönen“, der westlichen Seite), Familien, Grüppchen von Freunden, Gassigeher – alle. Angst vor Corona darf man nicht haben … und ich war letzten Sonntag bei schönstem Wetter mittendrin.

Ich wollte etwa 10 Kilometer Strecke machen, also habe ich so geparkt, dass ich zuerst um die Binnenalster, dann um die Außenalster gehen konnte. Außerdem bin ich entgegen dem Uhrzeigersinn gelaufen, was den Vorteil hatte, dass das letzte Stück, wenn ich eh müder sein würde, sich auf der schönen Seite, dem Alstervorland, erstrecken würde, wo es Kaffee und Eis überall zu kaufen gibt, auch to go.

Was soll ich sagen: Es war toll, die Segler hatten Spaß, die Alster war voll. Mir war nicht klar, dass Segel so laut sind, bis ich sie im Wind knattern gehört habe! Und natürlich bin ich alle Naselang stehen geblieben, um ein Bild zu schießen. Ich überlasse es denen, die Ahnung davon haben (ich hoffe auf den wertgeschätzten Herrn Olpo), zu kommentieren, was  da auf dem Wasser los war – ich habe immerhin auch zwei Katamarane dabei 😉
Ich habe mich mehr um die Hamburger Silhouette bemüht. Denn vom Norden der Außenalster aus sieht man vier von fünf der sogenannten Hamburger Hauptkirchen (Wikipedia), und noch so einiges mehr. Die Hauptkirchen wiederum sind aufs Engste mit der Hamburger Geschichte verbunden, und ich behaupte einfach mal, dass es für Hamburg-Fans dazugehört, sich wenigstens irgendwie am Horizont orientieren zu können.

Stellt euch also vor, ihr seid fast schon im Nordosten eurer Alsterrunde und befindet euch auf einer Straße mit dem sprechenden Namen „Schöne Aussicht“ ca. Höhe Feenteich. Dann seht ihr, wenn ihr Richtung Süden schaut, etwa Folgendes (Bild bitte groß klicken, ich hab mal durchnummeriert).

 

Hamburg, Außenalster, Stadtsilhouette | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, Ende August 2020

 

  1. Mariendom (kath.), St. Georg
  2. Hl. Dreieinigkeits-Kirche, St. Georg
  3. Hauptkirche St. Jacobi, Innenstadt, Arp-Schnitger-Orgel
  4. Hauptkirche St. Katharinen, Nähe Speicherstadt, die mit dem Goldring aus Störtebeker-Gold am Turm
  5. Hauptkirche St. Petri, Altstadt, bronzener Türzieher in Form eines Löwenkopfs von 1342
  6. Ruine St. Nikolai, ehem. Hauptkirche, Mahnmal 2. Weltkrieg
  7. Rathaus, Altstadt (nicht irritieren lassen, weil auch grün)
  8. Elbphilharmonie, HafenCity (unverwechselbar, ich sags ja nur)
  9. Hauptkirche St. Michaelis, Neustadt, Michel, DIE Kirche Hamburgs
  10. Alsterfontäne

Es fehlt die fünfte (aktuelle) Hauptkirche, St. Nikolai in Harvestehude, die 1962 das Mahnmal in dieser Funktion ablöste. Ihr seht den schmalen grünen Turm auf den Bildern bei der Krugkoppelbrücke, sie ist bei diesem Standpunkt schräg rechts hinter mir.

Hatte ich schon erwähnt, dass das Gute an dieser Spazierstrecke ist, dass man in recht kurzen Abständen einkehren könnte, und zwar egal wo? Drüben im Alstervorland, wo alles ein bisschen nobler und teurer ist (und/oder gern so tut), wo man bummelt, um zu sehen und gesehen zu werden (Stichwort: Cliff), gab es dann auch „Parkmusik“ zum Eis, eine Band habe ich abgelichtet, ich fand sie richtig gut.

Ich auf jeden Fall war froh, als ich wieder am Auto war, denn die Menge an Leuten fing irgendwann doch an zu nerven. 14.288 Schritte verzeichneten meine Schrittzähler, der eine behauptete, es seien 9,3 Kilometer, der andere wollte 9,7 getrackt haben. Ich nehme die Mitte, mir war es recht. Keine neuen Erkenntnisse bezüglich Ausrüstung, nur dass mein Handy bessere Bilder macht als die kleine Kamera. Welche Überraschung, wenn ich das Alter vergleiche.

Ob ich das öfter mache? Ja, auf jeden Fall könnte das eine nette Strecke für alle möglichen Zwecke sein, wenn ich mal nicht allein durch die Pampa trotten will. Je weiter der Herbst voranschreitet, desto mehr, vermute ich.

 

 

 

Von Spätsommer und Garten

 

Der Mond ist wie eine feurige Ros’

Der Mond geht groß aus dem Abend
Steht über dem Schloß und dem Gartentor
Und läßt sanft glühend die Erde los.
Der Mond ist wie eine feurige Ros’,
Die meine Liebste im Garten verlor.

Mein Schatten an den steinernen Wänden
Geht hinter mir wie ein dienender Mohr.
Ich werde den Mohren hinsenden,
Er hebe die Rose vorsichtig auf
Und bringe sie ihr in den dunklen Händen.

(Max Dauthendey, Der Mond ist wie eine feurige Ros’, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 312)

 

Mein Garten

Schön ist mein Garten mit den goldnen Bäumen,
Den Blättern, die mit Silbersäuseln zittern,
Dem Diamantentau, den Wappengittern,
Dem Klang des Gong, bei dem die Löwen träumen,
Die ehernen, und den Topasmäandern
Und der Volière, wo die Reiher blinken,
Die niemals aus dem Silberbrunnen trinken …
So schön, ich sehn mich kaum nach jenem andern,
Dem andern Garten, wo ich früher war.
Ich weiß nicht wo … Ich rieche nur den Tau,
Den Tau, der früh an meinen Haaren hing,
Den Duft der Erde weiß ich, feucht und lau,
Wenn ich die weichen Beeren suchen ging …
In jenem Garten, wo ich früher war …

(Hugo von Hofmannsthal, Mein Garten, aus: Die Gedichte 1891–1898, Online-Quelle)

 

Archaïscher Torso Apollos

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.

(Rainer Maria Rilke, Archaïscher Torso Apollos, aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, 1918, Online-Quelle, Hintergrund)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut in und durch die neue Woche!

Update: Karin empfiehlt, sich den Rilke anzuhören, gelesen von Konstantin Wecker. Dem schließe ich mich gern an. Danke, Karin!

 

 

 

 

Vortreten zum Deichtreten ;-)

Wer in Hamburg und Umgebung mal richtig viele Apfelbäume sehen möchte, der fährt über die Elbe und nach Südwesten raus und befindet sich im Alten Land (Wikipedia). Das ist nicht nur der Titel eines höchst empfehlenswerten Romans, sondern auch das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas – zu 90 Prozent Äpfel, heißt es, ich habe aber auch schon gehört, dass in den letzten Jahren die Kirschen auf dem Vormarsch seien, da es wärmer wird. Logischerweise kann man da nicht nur mit dem Auto oder dem Rad unterwegs sein, sondern auch zu Fuß. Und bis auf die Deiche, von denen es so einige gibt, nicht nur den Elbdeich, ist dort wirklich alles platt.

Als ich also letzten Sonntag unternehmungslustig war, nicht so weit weg fahren und gerne einen Rundkurs gehen wollte, dachte ich mir, dass Deichtreten eine feine Sache wäre. Außerdem sind gerade die Äpfel reif, es gibt auch (noch) Kirschen und Zwetsch(g)en und andere leckere Dinge frisch von den jeweiligen Höfen. Denn das ist das andere, wofür das Alte Land bekannt ist: Alle paar Hundert Meter ein Verkaufsstand „vom Erzeuger“, natürlich besonders auf/an der Hauptstraße direkt hinter dem Elbdeich.

Losgelaufen bin ich an der Elbe in Jork, Kreuzung Hinterbrack/Wellenstraße, und zwar die Wellenstraße entlang Richtung Königreich. Schmale Straße durch die Obstplantagen, negativ war nur, dass ich direkt auf der Straße gegangen bin, die NATÜRLICH von Autos befahren war, auch wenn es nicht viele waren. In Königreich, ein Ort, den ich für seinen Namen liebe, und ich bin bestimmt nicht die Einzige, bin ich dann links auf eine Straße namens Leeswig abgebogen. Auf deren anderer Seite konnte man auf dem Estedeich entlanglaufen: wunderbar, mit mehr oder weniger schönen Ausblicken auf die Este.

Blöderweise fing es dann an, kurz und kräftig an zu schütten. Ich hatte meinen Ostfriesennerz im Rucksack, hurra, bloß der Rucksack selbst erwies sich als ÜBERHAUPT NICHT wasserfest – ich habe ein Päckchen Taschentücher (halb weggeschmissen), das das bezeugen kann. Nun. Ich habe bei seinem Erwerb daran sicher nicht gedacht, und die kleine Kamera ruhte trocken in meiner Jackentasche. Immerhin gab es einen dicken Baum zum Unterstellen, wo ich abwarten konnte, bis die Welt etwas weniger trübsinnig aussah. Meine Laune heiterte sich dann mit dem Wetter wieder etwas auf und ich erreichte Cranz (übrigens mit warmen und trockenen Füßen), wo der Estedeich zum offiziellen Straßennamen wurde.

Kurz darauf ging es aber nach rechts schon wieder weg („Zum alten Estesperrwerk“), und ich befand mich hinter der Sietas-Werft. Hochinteressante Einblicke! Da war ich vorher noch nicht mal mit dem Auto gewesen, und ich liebe es, kleine Straßen mit der Karre entlangzubummeln. Direkt an den Gebäuden längs („Neuer Fährweg“) kam ich an der Hauptstraße an der Elbe raus, wo sich inzwischen Auto an Auto reihte. Was mich aber nicht weiter juckte, ich überquerte die Straße und war am Este-Sperrwerk, nämlich da, wo sie in die Elbe mündet, und zwar gegenüber von Blankenese. Blankenese liegt in den Elbabhang gekuschelt, um es mal so zu sagen, für Flachländer ist das eine anständige Steigung. Gleichzeitig ist die Aussicht auf Blankenese bei Sonne aber so schön, dass man am Este-Sperrwerk einen Parkplatz angelegt und eine Imbissbude angesiedelt hat, die eigentlich meistens ganz gut frequentiert ist. Als ich dort war, hatte die Elbe gerade Ebbe, was wiederum ebenfalls ziemlich faszinierende Einblicke bietet. Bisher entgangen war mir auch, wie viele Flugzeuge auf dem AIRBUS-Gelände man von dort aus sehen kann.

Wenn man sich meinen Rundweg wie ein Rechteck vorstellt, war ich jetzt am Startpunkt der letzten langen Geraden angelangt. Bis zu meinem Auto lag nur noch Elbdeich vor mir. Auf den letzten paar Hundert Metern nahm ich mir dann noch eine frisch geräucherte Forelle (so UNGLAUBLICH lecker!) und ein Kilo Zwetschgen mit und machte ein paar Fotos von einem bedrohlich aufziehenden Gewitter, das aber dankenswerterweise auf der anderen Elbseite blieb – jedenfalls, bis ich weg war.

Die Schrittzähler stoppten bei knapp 17.000 Schritten, etwas weiter als meine erste Tour durch die Heide (ca. 11 km). Gute Entfernung, aber ich fand den Weg insgesamt anstrengender als erwartet und den Untergrund nervig. Nur der Fisch zum Schluss, der riss das Ganze dann wieder raus. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich darauf spekuliert …

 

Quelle: ichmeinerselbst, anklicken macht groß!

 

Von Spätsommer und Vergänglichkeit

 

Nächtliche Stunde

Nächtliche Stunde, die mir vergeht,
da ich’s ersinne, bedenke und wende,
und diese Nacht geht schon zu Ende.
Draußen ein Vogel sagt: es ist Tag.

Nächtliche Stunde, die mir vergeht,
da ich’s ersinne, bedenke und wende,
und dieser Winter geht schon zu Ende.
Draußen ein Vogel sagt: es ist Frühling.

Nächtliche Stunde, die mir vergeht,
da ich’s ersinne, bedenke und wende,
und dieses Leben geht schon zu Ende.
Draußen ein Vogel sagt: es ist Tod.

(Karl Kraus, Nächtliche Stunde, aus: Worte in Versen VII., 1923, Online-Quelle)

 

Terzinen über Vergänglichkeit I

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:
Wie kann das sein, daß diese nahen Tage
Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?

Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:
Daß alles gleitet und vorüberrinnt.

Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
Herüberglitt aus einem kleinen Kind
Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.

Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war
Und meine Ahnen, die im Totenhemd,
Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,

So eins mit mir als wie mein eignes Haar.

(Hugo von Hofmannsthal, Terzinen über Vergänglichkeit I, aus: Gedichte, entstanden 1894, Online-Quelle)

 

ÜBER EINE WEILE — —

Nur eine Weile muß vergehn;
Dann ist auch dieses überstanden.
Dann wird mit hell euch zugewandten
Augen das Neue vor euch stehn.

Und eh ihr fragt, wie ihr dem Neuen
Euch fügen wollt, zwingt Gegenwart
Zum Danken oder zum Bereuen.
Leicht schmilzt ein Leid. Die Schuld ist hart.

(Joachim Ringelnatz, Über eine Weile, aus: Gedichte dreier Jahre, 1932, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut und sanft in und durch die neue Woche; und möge sie für euch sonnig sein!

 

Heidegipfel ;-)

Eine eher beiläufige Bemerkung von Tanja Stachelbeermond trieb mich vorgestern vor die Tür. Sie hatte in einem Kommentar erwähnt, dass sie zum Wilseder Berg (Wikipedia) gewandert sei, und dass es sonnig und schööön gewesen sei. Meine (fast) tägliche Runde um den Teich hier ist zwischen 4 und 5 Kilometer lang und ich kenne inzwischen jeden dicken Stein persönlich, also bin ich gerade dabei, mir für die Wochenenden etwas Längeres auszugucken. So ca. 10 Kilometer sind mir dabei ganz recht. Und blüht jetzt nicht gerade die Heide? Also los.

„Un-de-loh?“, fragte eine Freundin ungläubig, als ich ihr davon erzählte. „Na, du hattest aber Mut.“ Ja, hatte ich. Wenn ihr jemals einen kleinen, auch in Corona-Zeiten komplett touristisch überlaufenen Heideort sehen wollt, fahrt sonntags nach Undeloh. Autoschlangen im Schritttempo (wegen der Pferdekutschen, auch wegen der Menge), Verkaufsstände mit Heidschnuckenfellen, Heidehonig und Heidekartoffeln und -gedöns entlang der Straße. Ich hatte Riesenglück, mittags auf dem völlig überfüllten Wanderparkplatz gegenüber des Heide-Erlebniszentrums an einem Rand noch ein Plätzchen für mein Auto zu bekommen, und beinahe wäre ich angesichts der Menschenmassen, die zu Fuß, zu Rad oder per Pferdekutsche unterwegs waren, wieder umgekehrt. Natürlich alle in meine Richtung: Wilsede. Wobei die Pferdekutschen (alle mit Maske, also die Fahrgäste) schon prächtig anzusehen waren, vor allem in der Menge. Ich weiß leider die Fahrpreise nicht.

Es erwies sich dann doch als gute Idee, mit der Masse losgeschwommen zu sein, denn je weiter ich kam, desto spärlicher war die Anzahl meiner Mitgänger. Die Aussicht auf immer noch blühende Heide (die Heideblüte ist fast vorbei) rechts und links war ausgesprochen begeisternd, die Sonne schien und meine Laune hob sich mit jedem Schritt, den ich vorwärts stapfte.

Der Wilseder Berg (die höchste Erhebung der Lüneburger Heide) ist ein recht weitläufiges Plateau, und dieses Plateau war, Überraschung, voll 😉. Voll mit Leuten, die dort herumsaßen, die Aussicht genossen und picknickten. Man soll bis Hamburg sehen können an klaren Tagen, angeblich sieht man den Fernsehturm. ICH habe ihn nicht gesehen, aber ich habe ein paar hohe Windräder gesehen, die „unsere“ sein könnten. 43 Kilometer wären das, sagt die Haube auf dem Gipfelstein (siehe Fotos). Ich hätte mein Tele gebraucht, andererseits bin ich ganz happy, dass ich es nicht mitgeschleppt habe.

Nach einer Pause machte ich mich an den Abstieg. Natürlich sind norddeutsche Berge keine „Berge“, sondern Hügel im Flachland, schon klar, weiß ja auch jede*r, aber wenn man einen Berg erklommen hat, darf man auch wieder absteigen 😉. Ziemlich bald tauchte ich in einen schattigen Waldrand ein und war und bin immer noch völlig bezaubert von der Schönheit und der Magie der Landschaft. Nach einem Stückchen auf der „Alten Salzstraße“ kam schließlich der Parkplatz und damit mein Auto wieder in Sicht. Einerseits war ich dankbar für den dort auf mich wartenden Liter Wasser, andererseits aber auch bisschen traurig, dass es schon vorbei war.

Nein, ich habe kein Heidschnuckenfell oder -bratwurst gekauft, keinen Heidehonig, -kartoffeln oder -sträußchen mitgenommen, nicht mal zu Kaffee und Kuchen eingekehrt bin ich, obwohl ich die Straße dann doch einmal abgegangen bin. Es war mir zu voll. Aber es war ein angenehmer Weg, den ich gern noch mal auf mich nehmen werde, bevorzugt an einem anderen Wochentag. Meine beiden Schrittzähler auf meinem Handy stritten sich, ob 16.338 Schritte nun 10,63 km oder 11,12 km seien – es ist mir letzlich egal. Heute merke ich meine Muskeln in den Beinen, das kommt aber auch daher, dass meine Wanderstiefel noch neu sind und ich wenig an knöchelhohe Schuhe gewohnt bin. Eingelaufen dürften sie jetzt allerdings so langsam sein.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Handy-Pics

 

Vom Vergehen des Sommers

 

Des Sommers singende Häuser vergehen

Herbstwinde wehen durch das Gelände,
Die Hände der Bäume werden so schwach.
Wir sehen den gleitenden Blättern nach,
Des Sommers singende Häuser vergehen,
Wir schauen durch fallende Wände.

Auf leeren Wegen die Winde klagen,
Viel fortgetragen haben die Wege.
Und wo ich auch meine Wange hinlege,
Ich pflege nirgends der Ruhe mehr,
Wie der Baum ohne Blatt ist mein Tag lustleer.

(Max Dauthendey, Des Sommers singende Häuser vergehen, aus: Singsangbuch. Liebeslieder, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 162)

 

Wie mein Aug’ am Sommer hängt

Alle Hecken stehn zerzaust
Und der Wind am Wege haust.
Tag und Nacht die Regentropfen
Auf die kahlen Steine klopfen;
Augen meine nimmersatten
Nie genug vom Sommer hatten.
Wie mein Aug’ am Sommer hängt,
So mein Mund zur Liebsten drängt.

(Max Dauthendey, Wie mein Aug’ am Sommer hängt, aus: Singsangbuch. Liebeslieder, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 163)

 

Tage, wie Blätter still

Oft halten sich Tage wie Blätter still,
Der Himmel regnen nur regnen will.
Als wären die Häuser ganz menschenleer,
Es gehen die Menschen wie Schemen umher,
Und einem Verliebten trauern die Ohren,
Er horcht auf ein Lied hinterm Regen verloren.

(Max Dauthendey, Tage, wie Blätter still, aus: Singsangbuch. Liebeslieder, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 156)

 

Quelle: Pixabay

 

Ich frage mich, wann ich Landschaft oder Wetter als „herbstlich“ empfinde. Es hat auf jeden Fall etwas mit dem Geruch, dem Stand der Sonne und der Kühle des Morgens zu tun.

Kommt gut in und durch die neue Woche, mit Regen oder Sonne!

 

Happy birthday, Blog!

Eigentlich sollte das hier nur ein „Große Torte statt vieler Worte“-Gruß werden. Aber mensch hat ja nur einmal im Jahr Bloggeburtstag, und dieser mein Blog hat ihn heute! Heute vor sechs Jahren habe ich zum ersten Mal was ins Bloguniversum gesetzt (mit dem Willen, darauf auch eine Reaktion zu erhalten). Der Rest ist inzwischen Geschichte, und das freut mich sehr.

Nun befinde ich mich gerade in der Sommerruhe und bin zum meinem eigenen Ärgernis bemerkenswert unkreativ. Ich hänge tatsächlich immer noch an zwei Ideen für das Etüdensommerpausenintermezzo fest, und die Adventüde ist auch noch nicht geschrieben – vielen Dank für eure bisher! Ich warte darauf, dass ein innerer Knoten platzt, und bis dahin stehe ich mir gefühlt selbst im Weg.

Nichtsdestotrotz möchte ich meine Statistik updaten, wenn ich mehr nicht auf die Reihe bekomme: Dies wird Eintrag Nummer 1.192, vor diesem Eintrag gab es hier 44.919 Kommentare (deutlich weniger als die Hälfte sind von mir, aber das dürfte bei den vielen Pings kein Wunder sein), meine Followerzahl bewegt sich inklusive E-Mail-Follower auf 850 zu. Neu ist, dass ich im abgelaufenen Blogjahr tatsächlich mal den einen oder anderen Follower gelöscht habe, meist irgendwelche Verkaufsblogs von ganz weit weg (woher haben die meine Adresse?).
Ach und ja, Frage: Gibt es noch jemanden unter euch, der ebenfalls massiv gespammt wird? Ja, auch bei mir fängt Akismet fast alles ab (die Zahlen sind seit Mai schwindelerregend in die Höhe geschnellt), aber ich habe/hatte dennoch öfter/regelmäßig morgens so >50–100 Spamkommentare (immer derselbe Eintrag) zu sichten und zu löschen. Das ist momentan jedoch recht ruhig, ich frage mich, ob es an der Jahreszeit liegt, daran, dass ich so wenig aktiv bin – oder dass Akismet besser wird 😉

Ansonsten möchte auf meinen Eintrag zum Fünfjährigen verweisen, den ich aus aktuellem Anlass gelesen und erneut für gut befunden habe: Sehr viel hat sich nicht geändert (aber keine Buchmesse dieses Jahr). Ich bin nach wie vor sehr froh darüber, dass ich doch einige von euch, die hier schreiben, persönlich kennenlernen durfte, und trotz Corona oder so: Ich würde und werde es immer wieder tun, wenn es sich ergibt, Risiken und Nebenwirkungen eingeschlossen. Leben eben.

Zu den Adventüden und meinem „normalen“ Bloggeschäft, sprich, den Etüden, kommt demnächst noch mal was. Bis dahin nehmt euch ein virtuelles Stück Kuchen (kalorienfrei) und macht ein Kerzchen an, wenn ihr mögt! 😀

 

6. Bloggeburtstag | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Von Sommer und Veränderung

 

REISELIED

Wasser stürzt, uns zu verschlingen,
Rollt der Fels, uns zu erschlagen,
Kommen schon auf starken Schwingen
Vögel her, uns fortzutragen.

Aber unten liegt ein Land,
Früchte spiegelnd ohne Ende
In den alterslosen Seen.

Marmorstirn und Brunnenrand
Steigt aus blumigem Gelände,
Und die leichten Winde wehn.

(Hugo von Hofmannsthal, Reiselied, aus: Gedichte, 1922, Online-Quelle)

 

Ein weißer Vogel

Über das schwarze Torfmoor,
Über das gelbe Ried
Einsam und verloren
Eine weiße Weihe zieht.

Ein lichtes Liebesgedenken
In meiner Seele lebt,
Über die schwarze Wüste
Ein weißer Vogel schwebt.

(Hermann Löns, Ein weißer Vogel, aus: Mein goldenes Buch, 1901, Online-Quelle)

 

Seelen

Du weisst, wir bleiben einsam: du und ich,
Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,
Mit freien Kronen, die der Seewind streift;
So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.
Und zwischen beiden webt ein feines Licht
Und Silberduft, der in den Zweigen spielt,
Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin.

(Paul Wertheimer, Seelen, aus: Neue Gedichte, 1904, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Kommt gut in und durch die neue Woche, egal, ob ihr noch Urlaub habt oder nicht … 😉

Update ADVENTÜDEN: Bisher sind erfreuliche 13 Texte da und 13 weitere sind versprochen. Danke an alle, deren Texte ich bereits habe!
Ihr habt noch knapp zwei Wochen. Ich sags nur.

 

Das Schöne vom Tag

Die Eleganz des Schwanenhalses 🙂

 

Die Eleganz des Schwanenhalses | 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst, Klick macht groß

 

Das ist der nicht sonderlich misstrauische Teil des von mir immer wieder fotografierten Schwanenpaars an meinem Lieblingsteich. Allerdings habe ich selten die Chance für Portraitaufnahmen. Höcker wachsen mit dem Alter, daher gehe ich davon aus, dass das hier Mama ist, die schon eine alte Schwanendame sein soll und sich ziemlich selten über Menschen aufregt. (Papa, deutlich jünger, ist da anders …)
Der Regen, der zur gleichen Zeit niederprasselte, hat nur die Fotografin gestört, die trotz Blätterdach um ihre Kamera fürchtete.

Übrigens gibt es auf meiner „Regensucherin“ gerade fünf Tage mit Regengedichten von Max Dauthendey.

 

Vom Sommer und Gewitter

 

Vor dem Gewitter

Schwül drückte die Luft und der Tag versank,
Und die Lande lagen in Träumen,
Wie pochende Reue flüsterte bang
Der Thauwind in den Bäumen.

Kein Licht am Himmel, der Vollmond schlief
In dunklen Wolkengezelten,
Ein Vogel schwirrte, und geisterhaft rief
Sein Schrei durch die ängstlichen Welten.

Sonst hörtest du nichts; nur hier und da
Schwergehend ein Atemholen –
Wie Frauenhaarduft, betäubend und nah –
Von Rosen und Nachtviolen.

Zwei Fledermäuse flatterten grau,
Und hinter den thauwindgescheuchten,
Fliehenden Wolken, schweflig und blau,
Glühte ein Wetterleuchten.

(Carl Busse, Vor dem Gewitter, aus: Sommerlieder, Gedichte, 2. veränderte Auflage (vermutlich) 1894/1895, Online-Quelle)

 

Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen

Ein lechzend Gewitter durch den Nachmittag strich
Und krepierend hinter die Berge hinschlich.
Als lagen Drachen im Liebeskampf,
Umbrüllten sich Wolken mit dumpfem Gestampf.
Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen,
Sitzt grell der Tod in ihrem Lachen.
Jetzt atmet das Gras wieder hell und klar;
Kühl steht die Welt an alter Stell’
Und weiß kaum noch, daß sie voll Durstgefühl war.

(Max Dauthendey, Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

Nach dem Gewitter

Grell entfuhr der Blitz den umwölkten Höhen,
Und der Donner Wut übertönte, lange
Dumpf verhallend noch, den in schwarzen Strömen
Rauschenden Regen.

Nun ist alles stumm. – Nur wenn hin und wieder
Über Blum’ und Blatt ein geheimer Schauer
Huscht, fällt erdenwärts, wie in Träumen leise
Tropfen auf Tropfen. –

Unheil traf dein Herz, und am heitern Tage
Trat das Unglück wild in dein junges Leben.
Schlag traf schnell auf Schlag, und des Lebens Traum ist
Eilig zerstoben.

Ode ruht dein Herz. – Durch den müden Leib nur
Hin und wieder fliegt ein erinnernd Beben,
Und vom Auge rinnt, dem geschlossnen, leise
Tropfen auf Tropfen.

(Otto Ernst, Nach dem Gewitter, 1907, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Wie immer: Kommt gut in und durch die neue Woche!

Update ADVENTÜDEN: Bisher sind erfreuliche 12 Texte da und 13 weitere sind versprochen. Danke an alle, deren Texte ich bereits habe!
Trotzdem wäre es toll, wenn bald noch ein paar mehr bei mir eintrudeln würden, Hitze hin oder her.