Winter oder so

Weg am Winterstrand

Das Meer hat die Spuren des Sommers gelöscht
bald wird auch die Sonne vereisen
in der Januarnebelwand …

(Hier stand bis eben das Gedicht einer Lyrikerin, deren Name von aphorismen.de mit „Betty Paoli“ angegeben wird (Quelle), obwohl es sprachlich eigentlich zu modern für eine Frau anmutet, die 1894 starb. Das stimmt dann auch prompt nicht (danke für die Hilfe, Bernd), es stammt aus der Feder von Annemarie Schnitt (Quelle, auf der Seite nach „Winterstrand“ suchen, die Versionen differieren).
Da Frau Schnitt noch lebt und da sich auf ihrer Webseite kein Hinweis findet, ob sie das Zitieren erlaubt, und weil ich ihre Erlaubnis gern vorher eingeholt hätte, nicht nachträglich, habe ich es also gelöscht. Dies nur für diejenigen Leser, die sich wundern, wenn sie die Kommentare lesen.
Stattdessen habe ich ein bisschen Ringelnatz eingefügt, es möge gefallen  😉 )

 

Lebhafte Winterstraße

Es gehen Menschen vor mir hin
Und gehen mir vorbei, und keiner
Davon ist so, wie ich es bin.
Es blickt ein jedes so nach seiner
Gegebenen Art in seine Welt.

Wer hat die Menschen so entstellt??

Ich sehe sie getrieben treiben.
Warum sie wohl nie stehenbleiben,
Zu sehen, was nach ihnen sieht?
Warum der Mensch vorm Menschen flieht?

Und eine weiße Weite Schnee
Verdreckt sich unter ihren Füßen.
So viele Menschen. Mir ist weh:
Keinen von ihnen darf ich grüßen.

(Joachim Ringelnatz, Quelle)

 

Winter, du rauher Mann,
Winter, ich lieb’ dich nicht!
Zitternd vor deinem Frost
Strebe ich auf zum Licht.

Fritz Lemmermayer, Quelle

 

winter nordfriesland | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Kommt gut und warm  😉 in die neue Woche!

 

Advertisements

Maskenzauber: Kommt wer mit?

Der Hamburger kennt keinen Karneval. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass der Hamburger an sich jedes Jahr überrascht ist, wenn das Fernsehprogramm wieder „So lacht der Westen/Süden/Osten“ etc. enthält. Dafür hat Hamburg jedoch etwas anderes: den Maskenzauber an der Alster. Den Traum vom Karneval in Venedig, einzigartig und wunderschön.
Seit 2002 regelmäßig veranstaltet, fotografiere ich diesen Straßenkarneval seit 2005, wenn ich terminlich irgendwie kann. Die Kostüme sind alles von venezianisch über historisch bis Fantasy oder einfach schlicht. Die Gewandeten sind zwischen sehr jung und alt, viele sind jedes Jahr dabei – die Fotografen übrigens auch  😉
Es ist, mit einem Wort, ein Ereignis. Jedes Jahr aufs Neue.

Nachdem ich euch im letzten Jahr und im vorletzten Jahr Bilder davon gezeigt habe, kamen viele Reaktionen wie: Oh, das möchte ich auch mal erleben, ich wusste nicht, wann das ist! Könnt ihr: in zwei Wochen!  Hamburger sowieso (umsonst und draußen), der Rest sollte sich spätestens jetzt schnell entscheiden.

Hier sind die Termine (ich bin auf der offiziellen Mailliste für die Fotografen, die Infos sollten also aktuell sein):

Samstag, 27. Januar 2018
Flanierende Masken: Colonnaden 11:00 bis 12:30 Uhr, Alsterarkaden 12:30 bis 14:00 Uhr

Sonntag, 28. Januar 2018
Flanierende Masken: Alsterarkaden 14:30 bis 16:00 Uhr, Colonnaden 16:00 bis 17:00 Uhr
Gemeinsames Abschlußdefilée für alle maskierten Hamburger 17:00 Uhr
Startpunkt Colonnaden Mitte beim Bocksbeutel.“

Besagter Maskenzauber ist umsonst und draußen, bei jedem (!) Wetter (er war auch schon mal an einem Wochenende, als die Alster zugefroren und freigegeben war), und besteht aus einem Defilee zwischen den Colonnaden über den Jungfernstieg an der Alster entlang und durch die Alsterarkaden hindurch zum Rathausmarkt. Auf dem Rathausmarkt findet alle Jahre wieder der gleiche Tanz statt, dies ist der Höhepunkt der Veranstaltung.

Ebenfalls auf dem Rathausmarkt befindet sich dann am Wasser die leicht mittelalterlich angehauchte Bude des „Zaubertranks“, wo dessen Inhaber allerlei selbst gemachte, historische und wohlschmeckende Getränke ausschenkt. Ich bin dort regelmäßig zu finden, süffele bevorzugt irgendwas mit Ingwer und wärme an dem Tonbecher die klammen Knipsfinger auf. Besagte Bude würde sich wunderbar als Treffpunkt eignen … 😉

Lust bekommen? Lasst es mich gern wissen, falls ihr vorbeischauen wollt, ich würde mich freuen.

 

Maskenzauber Hamburg 2017 (65) | 365tageasatzaday

Maskenzauber Hamburg 2017 (65), Quelle: Ichmeinerselbst

 

 

Zum Januar

 

Weißer Winterhimmel,
Weiße Häuser unter weißen Schneelasten,
Über den schneeweißen Platz
Hasten grau die Menschen –
Die Menschen grau!

(Max Dauthendey, Weißer Winterhimmel, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 117)

 

Jetzt muß sich im Himmel die Schneemühle drehn,
Muß Eis und Gedanken zur Erde wehn;
Jetzt müssen sich Erde, Luft, Wasser vermummen,
Nur das Feuer allein wird niemals verstummen,
Das Feuer, das Tage und Nächte durch schwält
Und mit glühender Geste von der Liebe erzählt.

(Max Dauthendey, Jetzt muss sich …, aus: Der brennende Kalender, Januar, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 223)

 

Lieb’ kennt keine Jahreszeit

Sommer, der so fröhlich war,
Er entläßt der Vögel Schar,
Tausend Stare weiter ziehn,
Tausend Lieder jetzt entfliehn.

Auf der Wiese, die verblüht,
Noch der Himmel einsam glüht,
Wie die Sehnsucht, die nie stirbt
Und um neue Lieder wirbt.

Sitzt das Herz am rechten Fleck,
Fällt’s nicht wie ein Herbstblatt weg,
Wechselt auch der Baum sein Kleid, –
Lieb’ kennt keine Jahreszeit.

(Max Dauthendey, Lieb’ kennt keine Jahreszeit, aus: Singsangbuch. Liebeslieder, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 154)

 

Januar | 365tageasatzadayQuelle: Ichmeinerselbst

 

Kommt gut in die neue Woche!

Nicht etwa, dass wir Schnee hätten, aber es friert. Bei mir langt das erst mal schon für Winterfeeling …  😉

(Bitte schön, Frau Käthe. Extra für Sie aus meinem heimischen Vorrat.)

 

Zum neuen Jahr

 

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

(Wilhelm Busch, Zu Neujahr, aus: Gedichte, Schein und Sein, in: Sämtliche Werke, herausgegeben v. Otto Nöldeke, Band 6, München 1943, S. 388. Quelle)

 

Zum neuen Jahr

Ich war wieder zu meinem kleinen Hause zurückgegangen und stand oben auf seinem Dach und wollte in dem allem ein gutes Ende sehen und einen guten Anfang in mir finden.
Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr, das uns gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung; und wollen sehen, daß wirs nehmen lernen, ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat, an die, die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.
… Guten Neujahrsmorgen …

(Rainer Maria Rilke, aus einem Brief an seine Frau Clara, Capri, datiert auf den 1. Januar 1907, Quelle)

 

Das Leben

Von den Alten zu den Jungen
Muß das Leben wandern.
Was du gestern noch bezwungen,
bezwingen morgen schon die andern.
Das Lied, das du gestern gepfiffen im Weitertraben,
Will schon morgen der andern Lippen haben.
Und dir entschwundene Augenblicke kannst du sehen,
Wie sie im Blut der Jungen auferstehen.
Darüber, seit ich’s erfahre, muß ich die Hände falten,
Muß leiden, daß ich mich wandle, und laß es walten.
Das Leben — ach, einst da kam es umhalsend gesprungen,
Jetzt grüßt es noch im Vorüberschweben und geht zu den Jungen.

(Max Dauthendey, Das Leben, aus: Weltspuk, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 407)

 

Schneemännchen | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay

 

Nicht etwa, dass es in Hamburg schneien würde, aber ich bin an dem kleinen Kerl einfach nicht vorbeigekommen …  😉  Und wie passend ist das, das neue Jahr mit einem Stückchen Rilke begrüßen zu können, wo ich ihn ebenfalls aus einem Brief an seine Frau auch schon zu Weihnachten hatte …

Ihr Lieben, ein gutes neues Jahr 2018 wünsche ich euch, möge es möglichst viel von dem mit sich bringen, was ihr euch wünscht, und mögen es fruchtbringende Wünsche sein, die nicht nur eure Geldbeutel, sondern auch eure Herzen, Seelen und Geister weit werden lassen!
Danke, dass ihr es hier interessant genug findet, immer wieder bei mir vorbeizuschauen, dass ihr likt und euren Senf dazugebt und dadurch mit mir meine/n Blog/s am Leben erhaltet, das bedeutet mir viel.
Also, auf ein Neues, wir lesen uns!

 

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr

Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr,
da hörst Du alle Herzen gehn und schlagen
wie Uhren, welche Abendstunden sagen:
Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr,
da werden alle Kinderaugen groß,
als ob die Dinge wüchsen die sie schauen,
und mütterlicher werden alle Frauen
und alle Kinderaugen werden groß.
Da mußt du draußen gehn im weiten Land
willst du die Weihnacht sehn, die unversehrte
als ob dein Sinn der Städte nie begehrte,
so mußt du draußen gehn im weiten Land.
Dort dämmern große Himmel über dir
die auf entfernten weißen Wäldern ruhen,
die Wege wachsen unter deinen Schuhen
und große Himmel dämmern über dir.
Und in den großen Himmeln steht ein Stern
ganz aufgeblüht zu selten großer Helle,
die Fernen nähern sich wie eine Welle
und in den großen Himmeln steht ein Stern.
Für Clara Rilke. Weihnachten 1901

 

(Rainer Maria Rilke, Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr, 1901, Quelle)

Ich denke, es passt dazu zu erzählen, dass Rilke Mitte Dezember 1901 zum ersten Mal Vater (einer Tochter, Ruth) geworden war. Wenn es also in Rilkes Vorstellung ein „ideales Weihnachten“ (wir würden das heute vermutlich kitschig nennen) gab, dann war es vermutlich dieses. (Okay, er war erst Mitte 20. Was ich auch immer vergesse: Er ist nur 51 geworden, das ist nicht viel – wie man denkt, wenn man selbst älter ist.)
Wie man hier nachlesen kann, hat er es ziemlich inszeniert …

Friedliche und fröhliche, stille, entspannte, harmonische Tage wünsche ich euch. He – nicht gleich abwehren, ja, auch dir, falls du dich angesprochen fühlst. Eine Idealvorstellung zu haben, in der man sich wiederfindet, ist wichtig. Also: von Herzen.

 

Winternacht | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich habe hier schon von Schwesterhochfünf geschwärmt. Nun, das folgende Stück ist auch auf der „Adventslieder“-CD.

 

 

Von Advent bis Weihnachten

 

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke, Advent, aus: Erste Gedichte, 1913, Quelle)

 

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

(Joseph von Eichendorff, Weihnachten, aus: Joseph Freiherrn von Eichendorff‘s sämmtliche Werke. 1. Band, 1864, Quelle)

 

Weihnachtsbaum | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Dies sind zwei Gedichte, die ich seit meiner Kindheit kenne und schätze. Wann, wenn nicht jetzt, wäre die beste Zeit dafür, sie auf den Blog zu stellen? (Ach, Anna-Lena, das sieht jetzt ja vielleicht so aus, als ob – nein, ich hatte dieses Gedicht schon Mitte letzter Woche für heute vorgeplant, nichts für ungut, ja?)

Kommt gut in und durch die letzte Vorweihnachtswoche, und wenn ihr irgendwie könnt, genießt die Tage, bevor sie schon wieder vorbei sind!

 

Weihnachts-/Neujahrsetüden: Wörter gesucht!

Ihr Lieben, ich hoffe, euch gefällt das System der Wörter zum Aussuchen für die Adventsetüden? Fein! Dann muss ich euch nicht weiter erklären, was mir über Weihnachten und Silvester vorschwebt?! Es geht nämlich noch weiter!

Bitte spendet mir Wörter, die für euch mit Weihnachten und Silvester/Neujahr/Jahreswechsel zu tun haben, und bitte, tut es fix, denn ich schließe die Annahme dieses Mal schon in zwei Tagen, am Dienstagabend, 19.12., um 20:00 Uhr CET.

Die Schreibeinladung für die Weihnachts-/Neujahrsetüden erscheint Heiligabend, der ja blöderweise (für die Etüden) auf einen Sonntag fällt, also am 24.12.2017. Der „normale“ Etüdenbetrieb geht weiter am 7. Januar 2018.

Ich leg schon mal vor:

Gans, Großeltern, Vorsätze

Bin schon sehr gespannt auf eure Vorschläge!

 

Jahreswechsel | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Einen schönen 3. Advent wünsche ich euch!

 

Vom Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk –
Du selber bist.

(Joachim Ringelnatz, Quelle)

 

vogel | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt gut in die neue Woche!

Und weil ich am Wochenende auch noch Adventsmusik live hatte und auch von daher in ein bisschen weich gespülter Stimmung bin, ein neu entdecktes Highlight:

Schwesterhochfünf: Maria durch ein Dornwald ging

 

 

 

 

 

 

Strandgut – Neuerscheinung

Wer noch Weihnachtsgeschenke sucht (vielleicht ja auch für sich), dem sei dieses Büchlein meiner wertgeschätzten Blog-Freundin Anna-Lena ans Herz gelegt. Sie hat mir verraten, dass auch Etüden drin wären …
Schaut doch mal rein!

Anna-Lenas Lesestübchen

Über dieses Buch

„Strandgut“ ist eine Sammlung von kleinen Geschichten und Gedichten.

Tagtäglich treffen wir auf Begebenheiten, Begegnungen oder bekommen Eindrücke, die haften bleiben, uns beschäftigen und uns gar nicht mehr loslassen wollen.

Manchmal verfestigen sie sich zu einem Bild im Sinne einer konkreten Vorstellung oder entwickeln sich von ganz alleine weiter, werden zu Gedanken, die sich formieren und oftmals entstehen daraus kurze oder längere Texte. So ist auch dieses Buch entstanden, mit der Absicht, der Leserin und dem Leser ein geistiges Luftholen vom Alltag zu ermöglichen.

Gaby Bessen
Paperback
136 Seiten
ISBN-13: 978-3-7460-1681-8
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 09.11.2017
9,90 €

Bestellungen sind direkt über den Verlag möglich oder auch bei mir, gern mit Widmung.

Als  e-book ist es nun auch erhältlich.

Ursprünglichen Post anzeigen

Zum Winter

Gestern hats geschneiet

Gestern hats geschneiet,
Heute hats geregnet;
Oder hats geregnet
Gestern, heut geschneiet?

Gestern hats geschneiet
Nachts, und Tags geregnet;
Heute hats geregnet
Nachts, und Tags geschneiet.

Wird es morgen schneien,
Oder wird es regnen?
Oder wird es regnen
Morgen auch und schneien?

Wird es morgen schneien
Nachts, und Tages regnen?
Oder wird es regnen
Nachts und Tages schneien?

Ob es regnend schneie,
Oder schneiend regne;
Dass es Gott gesegne,
Und es uns gedeihe!

(Friedrich Rückert, Gestern hats geschneiet, aus: Friedrich Rückerts Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Schweinfurter Edition. Liedertagebuch, Bd.1, 1846-1847.  S. 140 f.)

 

Winterschlaf

Indem man sich nunmehr zum Winter wendet,
Hat es der Dichter schwer,
Der Sommer ist geendet,
Und eine Blume wächst nicht mehr.

Was soll man da besingen?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muß schon in die eigene Seele dringen
– Jedoch, da haperts meist.

Man sitzt besorgt auf seinen Hintern,
Man sinnt und sitzt sich seine Hose durch,
– Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern
Wie Frosch und Lurch.

(Klabund (Albert Henschke), aus: Die Harfenjule, Berlin 1927, S. 25, Quelle)

 

boote im winter | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt gut in und durch die neue Woche!