Vom Licht

 

Augen und Fenster haben noch nicht Licht genug

Blau und weiß und weiß und blau
Stehen die Wolken zerteilt zur Schau,
Liegt die Erde blank, frei wie ein grüner Teller
Und überreicht die Sonne als goldenes Ei.
Über mein Fenster streicht der Vögel Flug
Und fährt am silbergetriebenen Gewölk vorbei.
Augen und Fenster haben noch nicht Licht genug
Und erwarten der Liebsten wolkenfreies Gesicht
Und ihre Wünsche, die sie wie ein Gedicht ins Blaue spricht.

(Max Dauthendey, Augen und Fenster haben noch nicht Licht genug, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 243)

 

Auf die Reise

Um Mitternacht, auf pfadlos weitem Meer,
Wann alle Lichter längst im Schiff erloschen,
Wann auch am Himmel nirgends glänzt ein Stern,
Dann glüht ein Lämpchen noch auf dem Verdeck,
Ein Docht, vor Windesungestüm verwahrt,
Und hält dem Steuermann die Nadel hell,
Die ihm untrüglich seine Richtung weist.
Ja! wenn wir’s hüten, führt durch jedes Dunkel
Ein Licht uns, stille brennend in der Brust.

(Ludwig Uhland, Auf die Reise, aus: Sinngedichte, 1861, Online-Quelle)

 

Der Wächter der Lampe

Wachsein ist alles. Es kommt die Nacht
und keiner wird keinen erkennen.
Haltet wacht
und laßt die Lampen brennen.
Alles Werden ist wankend und ungewiß,
aber alles Ziel ist Reife.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
auf daß sie es einst begreife.

(Manfred Kyber, Der Wächter der Lampe, aus: Genius Astri, 1918, Online-Quelle)

 

Sonnenuntergang | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

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Von Spätsommer und Korn

 

Die Luft ist voll Kommen und Gehen

Die blühenden blauen Kornraden,
Sie fielen mit den Ähren;
Das Korn liegt still in Schwaden
Im Sonnenschein, im schweren.

Kaum ein paar kurze Wochen
Sind die Felder glühend zu sehen;
Gleich muß die Sense dann pochen,
Und Stoppeln bleiben kalt stehen.

Wenn Augenblicke erwarmen,
Fühlt ihren Atem kaum wehen,
Da entsinken sie schon unsern Armen –
Die Luft ist voll Kommen und Gehen.

(Max Dauthendey, Die Luft ist voll Kommen und Gehen, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 311)

 

Das Kornfeld

Vom Sommerhauch berührt schwankt leis das Korn,
Wie Beter, gottergeben, stehn die Ähren.
Ich hör’ von ferne Dengelhammerschlag,
Das gold’ne Wogen wird nicht lange währen.
Hier hat der Tod in jedem Halm gehaust,
Sie selber, die des Lebens Keime bergen,
Die Körner, sind im Sonnenbrand erstarrt
Und gleichen goldumwundnen kleinen Särgen.
Tot bist du, Korn, doch welch ein tröstlich Bild!
Wer möcht’ sich nicht wie du zur Ruhe legen:
Als eine wohlgereifte Garbe, schwer
Von Lebensbrot und von der Arbeit Segen.

(Jakob Bosshart, Das Kornfeld, in: Jährliche Rundschau des Deutschschweizerischen Sprachvereins, Bd. 19/1923, Online-Quelle, S. 33)

 

Sommer

Mein Herz steht bis zum Hals in gelbem Erntelicht wie unter Sommerhimmeln schnittbereites Land.
Bald läutet durch die Ebenen Sichelsang: mein Blut lauscht tief mit Glück gesättigt in den Mittagsbrand.
Kornkammern meines Lebens, lang verödet, alle eure Tore sollen nun wie Schleusenflügel offen stehn.
Über euern Grund wird wie Meer die goldne Flut der Garben gehn.

(Ernst Stadler, Sommer, 1913, Online-Quelle)

 

Die letzte Kornblume

Sie ging, den Weg zu kürzen, übers Feld.
Es war gemäht. Die Ähren eingefahren.
Die braunen Stoppeln stachen in die Luft,
Als hätte sich der Erdgott schlecht rasiert.
Sie ging und ging. Und plötzlich traf sie
Auf die letzte blaue Blume dieses Sommers.
Sie sah die Blume an. Die Blume sie. Und beide dachten
Sofern die Menschen denken können, dachte die Blume …)
Dachten ganz das gleiche:
Du bist die letzte Blüte dieses Sommers,
Du blühst, von lauter totem Gras umgeben.
Dich hat der Sensenmann verschont,
Damit ein letzter lauer Blütenduft
Über die abgestorbene Erde wehe –
Sie bückte sich. Und brach die blaue Blume.
Sie rupfte alle Blütenblätter einzeln:
Er liebt mich – liebt mich nicht – er liebt mich … nicht. –
Die blauen Blütenfetzen flatterten
Wie Himmelsfetzen über braune Stoppeln.
Ihr Auge glänzte feucht – vom Abendtau,
Der kühl und silbern auf die Felder fiel
Wie aus des Mondes Silberhorn geschüttet.

(Klabund, Die letzte Kornblume, aus: Die Harfenjule, Berlin 1927, Online-Quelle)

 

Kornblume vor Gerstenfeld | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Bei uns sind die Felder längst gemäht, zu wenig Regen vermutlich, wenn auch nicht so extrem wie im letzten Jahr. Wie war es bei euch, ähnlich?

Kommt gut in und durch die neue Woche!

 

Das Schöne vom Tag

Die Walnüsse sind reif. Zumindest, wenn man den Eichhörnchen glaubt, die meinen Baum bevölkern und die Nüsse klauen. Es sind mindestens zwei, ein schwarzes und ein rotes. Können auch mehrere rote sein. Ich bin gespannt, ob sie mir eine wenigstens übriglassen.

Dazu muss man wissen, dass es eh nicht viele gibt. Der Baum ist Anfang 2018 radikal gekappt worden – er ist krank, es war viel totes Holz drin, er hatte die Jahre zuvor immer weniger getragen, ich hatte schon Sorge gehabt, Klimawandel, Stürme etc. Mit viel Herumbetteln hat man wenigstens den Stumpf stehen lassen: ca. 4 Meter hoch, eine Gabel, ein paar dicke Enden. Für den Fellträger, der darauf herumklettert. prima. Letztes Jahr im Winter sah es ziemlich schaurig aus, ich erinnere mich ausnehmend ungern.

Der Baum ist tot, es lebe der Baum! Man hatte es ihm offensichtlich nicht gesagt, wie er sich zu verhalten hatte, tot und so. Der Baum trieb im Frühling an mehreren Stellen kleine Zweige und versah sie mit Blättern. Dieses Jahr gab es nicht nur mehr Zweige, die Zweige hatten auch Blätter und Blüten. Und, wie es sich herausstellte, der Baum setzte Nüsse an!

Nun sind die Eichhörner wieder im Start, die nicht nur die Haselnüsse klauen, sondern natürlich auch auf die Walnüsse scharf sind. Wie gesagt, ich bin gespannt, ob ich eine abbekomme. Höchstens, wenn der Zweig zu dünn ist. Aber kann ein Zweig für ein hungriges Eichhörnchen zu dünn sein, das sich (siehe Fotos) kopfüber herunterhängen lässt, um sich eine Nuss zu angeln, sie von der grünen Schale zu befreien und dann damit abzuhauen?

Und, ihr seht es: Auf dem vorletzten Foto ist EICHHÖRNCHENSPUCKE (Schale in freiem Fall, echte Bewegungsunschärfe)! YES! Ich gebe zu, das war Glück.

 

Quelle: Ichmeinerselbst hinter der nicht besonders sauberen Glasscheibe

 

Von Krieg und Sinn

 

Krieg und Friede

Die Welt hat Krieg geführt weit über zwantzig Jahr.
Numehr soll Friede seyn, soll werden, wie es war.
Sie hat gekriegt um das, O lachens-werthe That!
Daß sie, eh sie gekriegt, zuvor besessen hat.

(Friedrich von Logau, Krieg und Friede, 1640/41, aus: Sämmtliche Sinngedichte, Online-Quelle)

 

Kriegslied

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht Schuld daran zu seyn!

Was sollt’ ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen,
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb todt
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnoth?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch’ und ihre Nöthen
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich’ herab?

Was hülf’ mir Kron’ und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht Schuld daran zu seyn.

(Matthias Claudius, Kriegslied, 1774, aus: ASMUS omnia sua SECUM portans, oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen, Vierter Theil, Wikipedia-Eintrag, Online-Quelle)

 

Totentanz 1916

So sterben wir, so sterben wir,
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben läßt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends schon zu unterst im Grabe drin.

Die Schlacht ist unser Freudenhaus.
Von Blut ist unsere Sonne.
Tod ist unser Zeichen und Losungswort.
Kind und Weib verlassen wir –
Was gehen sie uns an?
Wenn man sich auf uns nur
Verlassen kann.

So morden wir, so morden wir.
Wir morden alle Tage
Unsre Kameraden im Totentanz.
Bruder reck dich auf vor mir,
Bruder, deine Brust!
Bruder, der du fallen und sterben mußt.

Wir murren nicht, wir knurren nicht.
Wir schweigen alle Tage,
Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht.
Hart ist unsere Lagerstatt
Trocken unser Brot.
Blutig und besudelt der liebe Gott.

(Hugo Ball, Totentanz 1916, in: Der Revoluzzer. Sozialistische Zeitung für Bildung und Unterhaltung, Zürich, 2. Jg., 1916, Online-Quelle)

 

Damit könnte man eigentlich schon aufhören. Nun jährte sich gestern aber der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal.

Also kommt hier noch ein Zufallsfund, ein kleines Stückchen Wolfgang Borchert.

 

Brief aus Russland

Man wird tierisch.
Das macht die eisenhaltige
Luft. Aber das faltige
Herz fühlt manchmal doch lyrisch.
Ein Stahlhelm im Morgensonnenschimmer.
Ein Buchfink singt und der Helm rostet.
Was wohl zu Hause ein Zimmer
mit Bett und warm Wasser kostet?
Wenn man nicht so müde wär!

Aber die Beine sind schwer.
Hast du noch ein Stück Brot?
Morgen nehmen wir den Wald.
Aber das Leben ist hier so tot.
Selbst die Sterne sind fremd und kalt.
Und die Häuser sind
so zufällig gebaut.
Nur manchmal siehst du ein Kind,
das hat wunderbare Haut.

(Wolfgang Borchert, Brief aus Russland, 1943, Wikipedia-Artikel zu Borchert, Online-Quelle)

 

Soldatenfriedhof, Kriegsgräber | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt gut in und durch die neue Woche!

Gestern vor 80 Jahren begann nicht nur der Zweite Weltkrieg, es begann „per rückdatiertem Erlass auch die systematische Tötung von Menschen mit Behinderungen durch das nationalsozialistische Regime“ (Quelle, danke. dergl). Mir haben sich bei dem Foto am Anfang, über dem Text, bei dem Leverkusener Inklusionsbotschafter Andreas Hollstein die Nackenhaare gesträubt.

 

One, two, three, four, five …

Sollte jetzt irgendwer zu singen anfangen … NEIN. Auch wenn das 1999 der Sommerhit war und sämtliche Gehörgänge verstopfte, wenn man Radio hörte. Nein, der Anlass ist viel schlichter: Mein Blog wird heute fünf. Fünf Jahre. Die Zeit vergeht dann irgendwann ziemlich schnell, gerade wenn man gefühlt „nur“ von einem Projekt lebt. Oder eigentlich zwei, denn ohne die Gedichte könnte ich ebensowenig wie ohne die Etüden.

Kaum schreibe ich das, stocke ich. Könnte ich nicht? Doch, könnte ich. Manchmal hängt mir der Blog ziemlich zum Hals raus, da würde ich mich am liebsten für ein paar Wochen blogfern vergraben und/oder überlege mir, wie lange ich mich an regelmäßige Projekte binden möchte, vor allem, weil alles andere daneben fast zum Erliegen kommt, was ich sonst so gemacht habe, siehe mein zweites/drittes Jahr, also jedenfalls, bevor Ludwig die Etüden einfielen. Andererseits: Ich liebe die Etüden, und ich liebe es auch, mich um sie zu kümmern. Wenn man sich so was schon ans Bein bindet, dann sollte man der Typ sein, der eine gewisse Schönheit und Harmonie in regelmäßigen Abläufen sehen kann, sich dem unterwerfen kann und mag und gern relativ im Hintergrund bleibt, also als Person. Deshalb sind die Etüden so, wie sie sind, denn das bin ich. Leider und/oder zum Glück.

Bisher habe ich in jedem Rückblick ein bisschen Statistik betrieben, die kommt auch jetzt. Meine Follower-Zahl steht kurz vor 700, und das, obwohl ich meinen Blog in kein anderes „soziales“ Medium verlinke, dies hier wird mein 1009. Beitrag, letztes Jahr waren es noch 858, und die Zahl der Kommentare steht aktuell (vor diesem Eintrag) bei 34.851. Speicherplatz ist auch noch mehr als ausreichend da (ich habe von Anfang an meine Bilder immer recht klein gehalten, ich bin bei 7 %, aber ich habe ja auch keinen Fotoblog), also kann es ja weitergehen.

Ich habe im Sommer viel Spaß bei dem Etüdensommerpausenintermezzo gehabt, nämlich dabei, mir die Einträge mit den meisten Aufrufen anzusehen. Und dabei habe ich mich an eine Bloggerin erinnert, die eine Zeit lang zumindest Freude daran hatte, der Welt mitzuteilen, mit welchen (zum Teil richtig schwachsinnigen) „Top-Suchen“ die Welt auf ihrem Blog landete. Bei mir sind es … Gedichte. Und zwar ist der am häufigsten gesuchte und aufgerufene Beitrag (nach der Startseite und vor meinem „Über mich“(!)) ein Text aus dem Jahr 2015 über Hilde Domin: Ich setzte den Fuss in die Luft. Ein knappes Drittel Aufrufe davon hat Guten Morgen du Schöne, ein Text über die DDR-Autorin Maxie Wander, ungefähr ein Sechstel Barbara Allen, Text und knappe Erklärung zu der gleichnamigen Fontane-Ballade. Ich dachte immer, ich hätte einen Etüden-Blog, aber wenn ich mir das so ansehe, werden Gedichte kontinuierlich(!) echt stark nachgefragt. Ich bin überrascht und erfreut.

Ich habe meinen Blog zu einem Teil meines Lebens gemacht, und dazu gehört, dass ich andere Blogger treffen darf, wie es auch dieses Jahr wieder der Fall war und hoffentlich weiterhin sein wird. Es ist mir wichtig. Wirklich. Ich freue mich auf beides: Blogger*innen, mit denen ich schon Zeit verbringen durfte, wiederzutreffen, andere, bei denen ich lange und gern lese, kennenzulernen. Wenn man einander so lange liest, hat man (also ich) eine Vorstellung von dem oder der anderen, und ich bin überaus daran interessiert und dankbar für die Gelegenheit, meine Bilder im Kopf an der Realität überprüfen zu dürfen.
Daher mal kurz in die Runde gefragt: Buchmesse Frankfurt, anyone? Lasst es mich gern wissen.

Die Etüden starten am Sonntag wieder regulär mit einer Wortspende des Etüdenerfinders, die Wortspender für die neue Runde sind angeschrieben (ich erwarte noch Reaktionen, könnt ihr bitte mal in eure Mailaccounts schauen, die ihr für Kommentare verwendet?), die Adventskalenderetüden trudeln langsam ein, aber es dürften gerne noch ein paar mehr werden. Hallo Nachzügler: JETZT!!!

Macht es gut, ihr Lieben, wir lesen uns. Ich gehe jetzt Kaffee mit einer anderen Bloggerin trinken. Ja, an der Elbe. Mit dem gelben Ostfriesennerz als Erkennungsmerkmal. Bis später!

 

Auf dem Weg zur Badestelle Leuchtturm Westerheversand | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, mein erklärtes Lieblingsfoto dieser Tage

 

Von Sommer und Glück

 

Kleines Glück

Sie geht in aller Frühe,
Noch eh die Dämmrung schwand,
Den Weg zur Tagesmühe
Im ärmlichen Gewand.
Die dunklen Nebel feuchten
Noch in der Straße dicht,
Sonst sähe man beleuchten
Ein Lächeln ihr Gesicht.
Die Götter mögen wissen,
Warum sie heimlich lacht –
Es weiß es nur das Kissen,
Was ihr geträumt heut Nacht.

(Hermann von Lingg, Kleines Glück, aus: Ausgewählte Gedichte, 1905, Online-Quelle)

 

Glück kommt wie Licht, wie Sonnenstrahlen,
Wie Windeswehn, wie Wolkenflug:
Hier einmal, dort zu hundertmalen
Und nie im Leben noch genug.

Wer kann es haschen, wer kann es finden?
Und wer bewahrt es, wenn er’s hat? –
Es schwebt ein Atem in den Winden,
Und schwimmt im Strom ein grünes Blatt.

(Feodor von Wehl, Online-Quelle)

 

(Venedig)

An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll’s
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik –
trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus …

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
–- Hörte jemand ihr zu? …

(Friedrich Nietzsche, An der Brücke stand, aus: Ecce homo, Warum ich so klug bin, Kap. 7, Online-Quelle)

 

Hand hält Gänseblümchen | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt gut in und durch die neue Woche!

 

Tattoo: zweieinhalb Jahre danach

Heute vor zweieinhalb Jahren und einem Monat (Jan. 2017) habe ich mich tätowieren lassen. Mein erstes und bislang einziges Tattoo, einer von den „Signature“-Löwen von Melina Wendlandt (Vaders.dye, Hamburg, Website, seit ich sie verfolge, furchtbar gehypt). Kennzeichen: Ornamente; Punkte und unterschiedlich dicke, zum Teil sehr feine Linien. (Wer damals noch nicht mitgelesen hat: Hier ist die Berichterstattung.)

Wie ist es mir also ergangen mit meinem Tattoo? Mit einem Wort: gut. Es ist völlig problemlos abgeheilt, ich habe mich an sämtliche Anweisungen gehalten, was zu tun (cremen, cremen, cremen) oder zu lassen war (Sonneneinstrahlung, Bäder, Sport, Kämpfe mit rauflustigen Fellträgern) – und langsam ist es zu einem Teil von mir geworden. Am Anfang hat es sich angefühlt wie ein großartiges Abziehbild, falls ihr die Dinger noch kennt. Danach wurde es normal … und ich fing an, mit anderen darüber zu diskutieren, ob die Linien so dünn bleiben würden bzw. inwieweit sie dicker werden würden. Nein, schon klar, sie bleiben nicht SO dünn. Das war mir klar, mehr nicht.

Ich bin ein völlig alltäglicher Couchpotato. Schön, ich sitze nicht vorwiegend fernsehend auf der Couch (Dudendefinition), sondern tippend am Computer, aber mehr Sport speziell für die Arme treibe ich nicht, ich bin auch nicht der Typ, der sich in Körperlotion ertränkt – und meine Haut ist keine 25 mehr, sondern eher das Doppelte. Ich habe einen Fellträger, der es liebt, sich mit mir zu prügeln, wenn er seine drolligen zehn Minuten hat, und dann bekomme ich den Arm manchmal nicht schnell genug weg von seinen Krallen oder Zähnen, was WEHtut und zum Teil sichtbare Spuren hinterlässt. (Kleines Aas.) Abgenommen, und zwar einiges, habe ich in dem Jahr danach auch, was mit Sicherheit auf die Haut geht, vielleicht jedoch nicht primär am Arm. Normal also, oder? Leben halt. Also denke ich, was das angeht, bin ich ziemlicher Durchschnitt. Wobei so was wie mit den Linien last but not least auch individuell vom Typ abhängig ist, Stichwort Bindehaut und so.

Was findet man an Bildern im Internet? Meistens Fotos von frisch gestochenen Tattoos, erkennbar an der Rötung und einer leichten Schwellung um die frisch gestochenen Partien. Ein Tattoo wird ca. nach 6–12 Wochen als „geheilt“/“healed“ betrachtet; wer also unter diesem Stichwort sucht, findet meist Fotos mit Tattoos dieses Alters. Älter? Wenige, und davon überdurchschnittlich viele Katastrophen. Man kann es nicht oft genug predigen, dass ein Gang zum Tätowierer gut überlegt sein sollte, weil man das Ergebnis lebenslang mit sich herumschleppt, und dass man sich Arbeiten des-/derjenigen VORHER ansehen sollte. Die feinen Linien bei meinem Löwen hätten richtig schief gehen können, auch jetzt über die Jahre. (Wobei die Existenz von Fotofiltern selbst schon für das Handy die Glaubwürdigkeit von Fotos bei z. B. Instagram oder Facebook nicht wirklich steigert.)
Und was machen die Leute? Fallen bei einem Zug durch die Gemeinde oder im Urlaub besoffen im Tattoostudio ein, gern in Rudeln, und wundern sich danach. Tätowierer ist keine geschützte Bezeichnung. Jede*r Idiot kann sich im Netz eine Tätowiermaschine und Zubehör kaufen, ein paar YT-Videos gucken, sich einen Gewerbeschein zulegen und sich Tätowierer*in schimpfen. Und das Schlimme ist: Manche tun das auch.

Wo war ich? Ach so, das Foto. Als neulich Myriade in Hamburg war, habe ich sie gebeten, mein Tattoo zu fotografieren. Vergessen hatte ich, dass ich für das Vergleichsfoto damals stand – wenn man sich die Fotos ansieht, sieht der Löwe auf dem neuen etwas gestauchter aus, das kommt daher. Außerdem hätte ich mich besser um ähnliche Lichtverhältnisse bemüht, es ist draußen bei Sonne im Halbschatten entstanden, das erste indoor. Das Bild leidet daher leider unter schlechten Kontrasten, gerade an den Stellen, die mir wichtig sind: Ist da noch Weiß in den Augen? (Nicht auf dem Foto, aber ja: ganz schwach.) Berühren sich die Linien in dem Kopfschmuck des Löwen? (Hmmmmm. Auf dem Foto gibt es Stellen, wo man dran zweifeln könnte. Auf jeden Fall sind die Linien erheblich näher aneinandergerückt. ABER sie sind immer noch sehr erkennbar unterschiedlich dick.) Anyway, mea culpa, ich hätte vorher bisschen mehr darüber nachdenken können – über das Foto. So weit, dass die Linien mit der Zeit viel dicker werden könnten/würden und ich irgendwann „Matsch“ auf meinem Arm haben könnte, habe ich damals nicht gedacht, und das ist ganz allein meine Verantwortung.

Ganz wichtig: Ich will hiermit keinen in die Pfanne hauen, dies ist eher ein Service-Beitrag. Ich möchte die Veränderung meines Tattoos dokumentieren, weil ich solche Bilder nicht gefunden habe, als ich danach gesucht habe. Ich liebe diesen Löwen von Herzen und alles, wofür er steht.
Wie geht es euch mit euren Tattoos, über die Jahre gesehen? Hat schon mal wer ein Tattoo entfernen lassen oder gecovert – nicht, dass ich das vorhätte?

(Ob ich mit einem zweiten Tattoo liebäugele? Nicht mehr und nicht weniger als vor zweieinhalb Jahren, aber ich schließe es nicht aus und finde das Tattoo-Thema nach wie vor faszinierend.)

 

Tattoo: frisch vs. 2,5 Jahre | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, zumindest ist es mein Arm
UNBEDINGT groß klicken!

 

Update Adventskalender für die Etüden (danke, dergl): 15 Geschichten hüte ich bisher, inklusive meiner. Für drei weitere habe ich Zusagen, dazu gehört auch der Etüdenerfinder. Bisher schwächeln die Herren generell *tadelnden Blick in die Runde werf* (außer WERNER natürlich!), könntet ihr mal sagen, ob ich noch mit einer Einreichung rechnen kann? Wenn ihr mehr Zeit braucht, ist das okay, aber ich bräuchte eine verbindliche Ansage.

Wer von den Etüdenschreiber*innen bisher in der Sommerpause war und den Aufruf nicht mitbekommen hat: HIER NACHLESEN. Ihr habt regulär noch eine Woche.

 

Vom Sommer und Regen

 

Ich bin der Regen

Ich bin der Regen, und ich geh’
barfuß einher von Land zu Land.
In meinen Haaren spielt der Wind
mit seiner schlanken, braunen Hand.

Mein dünnes Kleid aus Spinngeweb’
ist grauer als das graue Weh.
Ich bin allein. Nur hie und da
spiel’ ich mit einem kranken Reh.

Ich halte Schnüre in der Hand,
und es sind auf ihnen aufgereiht
alle die Tränen, welche je
ein blasser Mädchenmund geweint.

Sie alle habe ich geraubt
bei schlanken Mädchen, spät bei Nacht,
wenn mit der Sehnsucht Hand in Hand
sie bang auf langem Weg gewacht.

Ich bin der Regen, und ich geh’
barfuß einher von Land zu Land.
In meinen Haaren spielt der Wind
mit seiner schlanken, braunen Hand.

8.3.1941

Selma Meerbaum-Eisinger, Ich bin der Regen, Online-Quelle, mehr über Selma

 

Regen

Die Sonne hat nur kurz das nasse Tal umschlungen,
Die Pappeln rauschen wieder, neckisch spielt der Wind.
Des Baches Schwermut hat gar lang allein geklungen,
Der Wind ist pfiffiger als ein vergnügtes Kind.

Die Wolken wollen kommen. Alles wurde rauher,
Die blassen Pappeln rascheln wie bei einem Guß.
Die nassen Weiden faßt ein kalter Schauer,
Gewaltig saust die Luft, beinahe wie ein Fluß.

Nun soll der Regen kommen! Und es gieße wieder!
Der Sturm ist kraftbegabtes Lautgebraus,
Der Regen bringt die Rhythmen heller Silberlieder,
Die Pappeln wissen das und schlottern schon voraus.

Dem nassen Tal entwallen kalte Atlashüllen,
Und auch die Nebelhauche tauchen raschelnd auf.
Der Wind beginnt die Flur mit Wispern zu erfüllen,
Die Pappeln biegen sich, das Grau nimmt seinen Lauf.

(Theodor Däubler, Regen, aus „Das Sternenkind“, 1916, Online-Quelle)

 

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

(Otto Julius Bierbaum, Des Narren Regenlied, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

 

Der Regen scheint besessen

Ich hör’ den Regen dreschen
Und übers Pflaster fegen.
Der Regen scheint besessen
Und will die Welt auffressen.

Ich muß mich näher legen
Ins Bett zu meiner Frauen.
Wird sich ihr Äuglein regen,
Kann ich ins Blaue schauen.

(Max Dauthendey, Der Regen scheint besessen, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 314)

 

Regentropfen auf einem Zweig  | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt (wie immer) gut in die neue Woche!

 

In Sachen Zwangseinweisung

„Ich habe in solch einem hohen Amt noch nie einen so arroganten selbstbezogenen Menschen erlebt. Er tut alles, um im Gespräch zu sein und um Beifall zu erhalten.“ (Matthias Vernaldi über unseren Bundesgesundheitsminister, mehr lesen hier)

Um was es geht: „Der Bundesgesundheitsminister will eine Reform bei der Versorgung beatmeter Menschen. […] Sein Gesetzentwurf sieht vor, dass die Intensivpflege mit Beatmung in den eigenen vier Wänden nur noch dann möglich sein soll, wenn keine klinische Versorgung möglich oder zumutbar ist.“ (Quelle: AbilityWatch, unbedingt lesen)

Das bedeutet: Wer beatmet werden muss, soll ins Heim – und darf nicht mehr zu Hause in seinem normalen sozialen Umfeld leben. Für immer. Auch, wenn das gegen (zurzeit noch) geltendes Recht verstößt.

Ich halte meinen Text hier absichtlich kurz, bildet euch bitte selbst eure Meinung.

Wichtig ist der Text von Ability Watch: hier

Wichtig ist, dass es morgen eine Demo vor dem Bundesgesundheitsministerium gibt, das morgen Tag der offenen Tür hat: Sonntag, den 18.08.2019 um 10:30h. Treffpunkt ist Friedrichstraße 108, Berlin, Bundesministerium für Gesundheit. Hier ist die Veranstaltung auf Facebook, auch ohne Account lesbar, hier ist der Aufruf auf Twitter.

Wer nicht in, um oder bei Berlin wohnt, kann die Petition dazu auf change.org unterzeichnen. Es sind schon über 36.000 Unterzeichner.

Wer Reaktionen und Erklärungen haben will, was das Gesetz für Betroffene bedeutet, der findet entsprechende Links zentral bei der dergl gesammelt: Gegen das Luftabdrücken auf ihrem Blog, der ich auch den Hinweis auf diese Misere verdanke.

Macht was draus. Heute geht es die meisten von uns nichts an, aber jedem von uns kann etwas passieren, das ihn von anderen abhängig macht … und dann bin ich persönlich froh, wenn einer für mich aufsteht …

 

Demoaufruf von AbilityWatch zur Demonstration am 18.08.2019 in Berlin. Grafik (c) AbilityWatch

Demoaufruf von AbilityWatch zur Demonstration am 18.08.2019 in Berlin. Grafik (c) AbilityWatch

 

Von Sommer und Reisen

 

REISELIED

Wasser stürzt, uns zu verschlingen,
Rollt der Fels, uns zu erschlagen,
Kommen schon auf starken Schwingen
Vögel her, uns fortzutragen.

Aber unten liegt ein Land,
Früchte spiegelnd ohne Ende
In den alterslosen Seen.

Marmorstirn und Brunnenrand
Steigt aus blumigem Gelände,
Und die leichten Winde wehn.

(Hugo von Hofmannsthal, Reiselied, aus: Gedichte, 1922, Online-Quelle)

 

XLIV.

Himmel grau und wochentäglich!
Auch die Stadt ist noch dieselbe!
Und noch immer blöd und kläglich
Spiegelt sie sich in der Elbe.

Lange Nasen, noch langweilig
Werden sie wie sonst geschneutzet,
Und das duckt sich noch scheinheilig,
Oder bläht sich, stolz gespreitzet.

Schöner Süden! wie verehr’ ich
Deinen Himmel, deine Götter,
Seit ich diesen Menschenkehricht
Wiederseh, und dieses Wetter!

(Heinrich Heine, Himmel grau und wochentäglich!, aus: Neue Gedichte, 1844, Online-Quelle)

 

Glück auf die Reise!

Sie machen die Luft dir dumpf und schwer,
Die kreischenden Zwerge?
Lach ihnen Abschied! Fahr über das Meer!
Steig über die Berge!

Doch, ehe du gehst, nimm einen am Ohr
Und schüttel ihn leise.
Verloren ist, wer den Humor verlor.
Glück auf die Reise!

(Otto Julius Bierbaum, Glück auf die Reise!, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

 

 

Fotos: ichmeinerselbst, Klicken macht groß!

 

Alle Fotos vom 1. August an der Nordsee im Beisein von Frau Myriade, mit und ohne Kappl

Das erste Foto entstand am Eidersperrwerk, der dicke braune Punkt am Strand ist ein Seehund und ja, die Windräder vermehren sich richtig heftig. Von Vollerwiek aus sieht man sowohl das Eidersperrwerk als auch den Strand von Sankt Peter-Ording (SPO); der Leuchtturm Westerhever(sand) hat im Hintergrund die Pfahlbauten von SPO und auf der anderen Seite die Fahrrinne, die den Husumer Hafen mit der Nordsee verbindet; vom Strand von SPO (Ording) kann man den Leuchtturm ganz gut in der Ferne sehen.

Kommt gut in die neue Woche!

 

Vom Sommer und Sonnenuntergang

 

Daß du mich liebst, das wußt’ ich

IV.

Daß du mich liebst, das wußt’ ich,
Ich hatt’ es längst entdeckt;
Doch als du mir’s gestanden
Hat es mich tief erschreckt.

Ich stieg wohl auf die Berge
Und jubelte und sang;
Ich ging an’s Meer und weinte
Bey’m Sonnenuntergang.

Mein Herz ist wie die Sonne
So flammend anzusehn,
Und in ein Meer von Liebe
Versinkt es groß und schön.

(Heinrich Heine, Daß du mich liebst, das wußt’ ich, aus: Neue Gedichte 1844, Online-Quelle)

 

Sonnenuntergang

Jede Seele muss gesunden,
wenn sie reine Schönheit trinkt.
Sag’, hast du das nie empfunden
abends, wenn die Sonne sinkt?

Kannst du etwas Schöneres denken
als des Sonnentags Verglüh’n,
wenn sich Rosenschleier senken
segnend auf der Menschheit Müh’n?

Sahst du nie auf seiner Reise
das verlorene Wolkenboot?
Jeden Abend schwimmt es leise
durch das letzte Sonnenrot.

Sieh’, das Boot trägt unsre Tränen,
jeden unerfüllten Traum,
jedes Leid und jedes Sehnen
durch der Schönheit lichten Raum.

Durch des Abends heil’ge Gluten
fährt es hin am Firmament,
bis es in den Sonnenfluten
still mit seiner Last verbrennt.

(Carl Wolff, Sonnenuntergang, aus: Auf stillen Wegen, 1920, Online-Quelle)

 

Sonnenuntergang

Am Untersaum
des Wolkenvorhangs
hängt der Sonne
purpurne Kugel.
Langsam zieht ihn
die goldene Last
zur Erde nieder,
bis die bunten Falten
das rotaufzuckende Grau
des Meeres berühren.

Ausgerollt ist
der gewaltige Vorhang.
Der tiefblaue Grund,
unten mit leuchtenden Farben
breit gedeckt,
bricht darüber
in mächtiger Fläche hervor,
karg mit verrötenden
Wolkenguirlanden durchrankt
und mit silbernen Sternchen
glitzernd durchsät.
Aus schimmernden Punkten
schau ich das Bild
einer ruhenden Sphinx
kunstvoll gestickt.

Eine Ankerkugel,
liegt die Sonne im Meer.
Das eintauchende Tuch,
schwer von der Nässe,
dehnt sich hinein in die Flut.
Die Farben blassen,
mählig verwaschen.
Und bald strahlt
vom Himmel zur Erde
nur noch
der tiefe, satte Ton
blauschwarzer Seide.

(Christian Morgenstern, Sonnenuntergang, aus: In Phanta’s Schloss, 1895, Online-Quelle)

 

Sonnenuntergang am Strand von Sankt Peter-Ording | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst am Strand von Sankt Peter-Ording; Teil einer Serie; Klicken macht groß und lohnt sich!

 

Ich muss gestehen, dass ich eigentlich auf einen spektakulären, vielfarbigen Himmel gehofft hatte. Aber dann stand ich da am Strand und sah zu, wie ein roter Ball mit gefühlt großer Geschwindigkeit im Meer versank und war ernstlich gerührt.

Ich würde übrigens wirklich gern verstehen, warum es so aussieht, als ob die Sonne sich ins Meer ergießt, und ja, natürlich hätten die Bilder entrauscht werden müssen. Ich hatte keine Lust auf Hochglanz.

Kommt gut in und durch die neue Woche!

 

Das Schöne vom Tag

Seid ihr schon mal von einer Tasse angeschrien worden?
„Kauf mich, ich bin deine neue Lieblingstasse, du hast mich gesucht, jawohl, mich?“
So geschehen am Samstag auf dem Keramikmarkt in Oldenburg, wo es wirklich SEHR VIELE Tassen gab. In allen Formen, Beschaffenheiten und Größen.

Ich habe es ihr nicht leicht gemacht. Dreimal bin ich an dem Stand herumgeschlichen, bevor ich mich ergeben habe. Es brauchte eine gewisse Zeit der Annäherung.

Ich finde sie echt schräg und ziemlich geil. Ich mag, dass sie so zerknautscht aussieht und nicht glatt und eben ist. (Ihr, die ihr euch auskennt: Ist das gerade modern, das Zerknautschte?) Sie hat Charakter. Sie hat nicht das, was ich eine gefällige Becherform nennen würde, und ich bin überzeugt, dass alle Unperfektheiten als gewollt und damit als künstlerischer Ausdruck anzusehen sind.

Nun denn. Willkommen in meinem Haushalt, Tasse.

 

Tasse Paul Karl | 365tageasatzaday

Keramikermeister/Designer: Paul Karl, www.paul-karl.de
Bilder und Bearbeitung: ichmeinerselbst

 

Wer das als Werbung ansieht, dem ist nicht zu helfen, ich nenne so was Information, ich hab mich in die Tasse verguckt.