W2 – Ehrenrettung ;-) | abc.etüden

Ihr erinnert euch: der scheinbar unbeschilderte Wanderweg? Ich musste da ein zweites Mal hin und der Sache auf den Grund gehen. Und, Überraschung: Es war mein Fehler! 😉

Nein, es ist nicht so, dass wir Tomaten auf den Augen gehabt hätten. Die Tücke liegt im Detail. Die Tourbeschreibung behauptet: „Tour ist vollständig beschildert/markiert.“ Aha?! Wer lesen kann, hat Vorteile! Wenn man die häufig auftauchenden und durchaus auch mit verschiedenen Buchstabenkombinationen versehenen (keine davon „W2“-ähnlich) handgepinselten gelben Pfeile als besagte Markierung begreift, dann kommt man anhand dieser Pfeile hervorragend durch den Wald und fühlt sich mitnichten in der Wildnis ausgesetzt. Wir sind also beim ersten Mal schlicht zu früh nach Osten abgebogen, was ich im Nachhinein vermutet hatte. Beim zweiten Mal bin ich die Schleifen des Weges alle fröhlich entlanggetrottet und entdeckte nicht nur (vereinzelt) Schilder, sondern stellte auch fest, dass wir den Weg sogar wiedergefunden und begangen, dem Frieden jedoch nicht getraut hatten und schließlich kurz vor knapp endgültig falsch abgebogen waren, um aus dem Wald zu gelangen. Okay, was solls, alles gut.

Das Einzige, was mich ernsthaft wundert, ist die Routeneinstufung als „familienfreundlich“, die Unbedarfte (wie mich) zu falschen Schlüssen verleiten könnte. Ich habe ein junges Paar am Hang getroffen: Er schleppte ein Kleinstkind, sie schob in ultimativer Körperschräglage den dazugehörigen Buggy über Wurzel und Stein nach oben und wirkte nicht wirklich glücklich. Ein undankbarer Job, freundlich formuliert.
Zudem (weit weniger witzig) hatte ich zuvor dabei geholfen, eine Krankenwagenbesatzung in den Wald zu lotsen*, wo eine Elektrorollstuhlfahrerin (mit Mann) unterwegs gewesen und umgekippt war. WTF? Rollstuhl? Hier? Und ich als Wandereinsteiger halte (teilweise) Wanderstiefel für nicht unangebracht? Hm. Ich nenne das Diskrepanz.

Ein Blick auf die Tourbeschreibung offenbart: „Keine Höhenangaben verfügbar.“ Nun. Endmoränengebiet, ich hatte es bereits erwähnt. Ob die noch Landvermesser brauchen? Ich kenne mich jedenfalls jetzt aus.

 

abc.etüden 2020 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Sachetüde für die abc.etüden, Wochen 41/42.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Werner mit seinem Blog Mit Worten Gedanken horten. Sie lauten: Landvermesser, undankbar, aussetzen.

 

* Die Geschichte ist zu lang für die Etüde, daher hier die Ergänzung/Erklärung: Ich wurde in der Nähe des Heidefriedhofs von einem Mountainbiker aufgehalten, der auf ein Paar getroffen war, von dem die Frau im Elektrorollstuhl saß und mit diesem auf dem Weg aufgrund einer Wurzel umgekippt war. Er sagte, dass sie zwar wieder im Rollstuhl säße und sich in unsere Richtung bewege, jedoch aber schlimme Schmerzen habe und wohl ins Krankenhaus müsse. Er sei dabei, einen Krankenwagen hierher zu lotsen, ob ich helfen würde? Ich war dabei, als er mit der Leitstelle telefonierte und ihnen beschrieb, was er wusste und wohin sie kommen sollten, und er bat mich, zur Straße zurückzugehen und die anrückenden Rettungskräfte zur richtigen Stelle zu schicken.

(Ich kann nicht beurteilen, wie jenes Paar mit dem Elektrorollstuhl auf diesen Weg geraten ist, ich habe nicht mit ihnen gesprochen. Vom Weg abgekommen? Kräfte und Wegbeschaffenheit falsch eingeschätzt? Einfach blauäugig gewesen? Ich weiß es nicht, aber ich habe festgestellt, dass jeder Weg dieser W-Reihe, auf dem ich bisher mehr als ein paar Hundert Meter gegangen bin, sowohl eine sehr einfache wie auch eine anspruchsvolle Bodenbeschaffenheit aufwies, die ich niemandem zumuten würde, der auf fremde Hilfe angewiesen ist.)

Als die Rettungskräfte dann mit voller Kavallerie anrückten, waren glücklicherweise die Verunfallte plus Mann plus Mountainbiker bereits fast auf festem Boden. Er bedankte sich bei mir, dass ich geblieben sei. Ich sagte: Kein Problem, ist doch selbstverständlich, würde mir was passieren, würde ich auch wollen, dass mir jemand hilft. Er nickte, und wir gingen/radelten unserer Wege, jetzt dann wirklich.

Mir geht das nach. Ich fahre an den Straßenrand, wenn ich die Sirene eines Krankenwagens höre, denn schließlich könnte auch ich es sein, die drinliegt, oder jemand, der*die mir nahesteht. Und dann höre oder lese ich von Fällen, wo bei abgestellten Notarztwagen die Radmuttern gelockert werden etc. Von Notärzten und Sanitätern, die angegriffen werden, wenn sie ihrem Job nachgehen und zu helfen versuchen. Keine Einzelfälle.
Und dann … verstehe ich die Welt nicht mehr.

 

 

 

Lost in the woods ;-)

Rund um den Wildpark Schwarze Berge verläuft der Wanderweg W2, laut Homepage beschrieben als: „Die kurze und waldreiche Tour mit zwei längeren aber mäßigen Steigungen ist besonders für Familien geeignet, die als Ergänzung zu einem Besuch im Wildpark Schwarze Berge oder im Freilichtmuseum am Kiekeberg eine kleine Wanderung unternehmen möchten.“ Länge: sechs Kilometer, „überwiegend gut begehbare naturbelassene und befestigte Wege“, „Tour ist vollständig beschildert/markiert“. Zumindest Letzteres wage ich zu bezweifeln.

Ich hatte eine Freundin zu Besuch, wir wollten uns nicht abstrampeln. Sechs Kilometer klang nett. Wir ließen also das Auto am Wildpark und liefen fröhlich in den Wald. Fehlten nur noch das rote Käppchen und der Korb. Und die Großmutter. Anfangs war alles gut ausgeschildert, abgesehen davon, dass ich das allererste Teilstück eh kannte. Dann bogen wir rechts ab und liefen in Richtung Heidefriedhof. Sehr nett. Mehr als kinderwagentauglich. Komplizierter wurde es erst, als wir die Pampa betraten, die unmittelbar nach dem Friedhof begann. Plötzlich waren wir (vermutlich) auf einem Nordic-Walking-Trail, und W2 ging irgendwann davon ab, ja, hurra, mit Schild. Von wegen, befestigt. Von wegen, bequem zu zweit nebeneinander gehen und quatschen. Jetzt wurde „mäßig“ steigend bergauf gewandert! Hintereinander! Als wir oben waren, zweigte ein Weg nach rechts ab und unser Trampelpfad führte geradeaus weiter. Bergab.
Da die inzwischen angeschaffte Wanderkarte von einem scharfen Knick nach rechts sprach und geradeaus auch nicht näher beschildert war, bogen wir ab. Weiter bergauf. Vermutlich war das der Fehler, denn binnen kürzester Zeit standen wir in zwar sehr hübschem Wald, SEHR, SEHR HÜBSCH, und waren auch auf irgendwelchen unbefestigten (pardon, naturbelassenen), aber ausgetretenen Wegen unterwegs (ich hatte neulich erwähnt, dass die Harburger Berge von Wander-, Rad-, Nordic-Walking- und Reitwegen durchzogen sind?), aber W2 hieß keiner davon, wie uns ein gelegentliches Schild feststellen ließ.

Was also tun? Das Ganze war keineswegs ein Anlass zu größerer Sorge; die Sonne schien, und sowohl laut Karte als auch meiner Orientierung lag der Wildpark südlich von uns. Würden wir also strikt nach Süden (hallo, Sonne!) gehen, würden wir irgendwann mit der Nase am Zaun des Parks enden. Easy? Easy.

Blöd nur, dass meine Freundin wirklich schon mal „lost in the woods“ gewesen war, und zwar im Harz, mit Gepäck auf dem Rücken und von mitwandernden Idioten verlassen. Eine Erfahrung, die eher Albtraumcharakter gehabt hatte, und von der sie immer noch zehrte: SIE sah die Tatsache, dass ich nicht genau wusste, wo unser Weg verlief und wie wir aus diesem wunderschönen Wald wieder hinauskommen würden, lange nicht so entspannt wie ich, die ich überzeugt war, dass wir schon bald irgendwo ankommen würden, vermutlich nur nicht genau da, wo wir eigentlich geplant hatten.
Nachdem auch mir dann endlich klar geworden war, dass sie glücklicher sein würde, wenn sie sich orientieren könnte, bemühte ich mich darum, den Waldrand zu finden.

Das ging dann erfreulicherweise auch ganz gut. Wir krabbelten eine nicht sonderlich familientaugliche Böschung nach oben (auf einem Trampelpfad) und sahen am Horizont Hausdächer auftauchen. Die Hausdächer gehörten zu einem Dorf (Ehestorf), wir stießen auf eine Straße, die wir schon mit dem Auto entlanggekommen waren, und tappten (nun wieder) entspannt in Richtung Wildpark, vorbei an „Land-Art“, sieben Kreisen aus Stein, und einem abgeernteten Sonnenblumenfeld. Ästhetik des Verfalls.

Fazit: Keine Ahnung, wo genau im Wald wir rumgelaufen sind, W2 war es jedenfalls nur zum Teil. Aber sechs Kilometer waren es laut Schrittzählern dennoch, eher sogar knapp sieben (10.405 Schritte). Ich werde da noch mal hinmüssen, aber dann vielleicht doch lieber allein.
Ob besagte Freundin das Mini-Abenteuer gut überstanden hat? Sie spricht jedenfalls noch mit mir 😉 – und sollten wir sonnige und trockene Oktoberwochenenden bekommen, wollen wir vielleicht zusammen bisschen in der Lüneburger Heide herumrennen. Aber noch ist nichts fix.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Anklicken macht wie üblich groß

 

Sollte der Titel dieses Beitrags jemanden an etwas erinnern … jaaaaaa, mich auch.
Let me bring you songs from the wood … 😉

 

 

Und hier hatte ich ein Interview mit Ian Anderson verlinkt.

 

Der zweite Hunderter ;-)

Hamburg hat, wie ich schon gelegentlich erwähnt habe, nur ein paar Abhänge, die den Namen auch wirklich verdienen. Hamburgs höchste Erhebung, der Hasselbrack, liegt aber in den Harburger Bergen, interessanterweise nur ein paar Meter neben der Landesgrenze zu Niedersachsen. Nun ist der Hasselbrack in Hamburg sensationell unbekannt, was nicht nur an seiner sagenhaften Höhe von 116,2 Metern liegt, sondern auch an der Tatsache, dass man von dort aus keinerlei Aussicht hat, er zudem mitten in einem Naturschutzgebiet liegt und zwar auf Karten eingezeichnet ist, aber deswegen kein Wegweiser dorthin verweist (Brutgebiet, bla). Keiner. Null. Ein Ding für Insider. Ferner sind schließlich die Harburger Berge (Wikipedia) auf der anderen Seite der Landesgrenze durchaus höher 😉
Wenn ich zusammenfassen darf: Der Hasselbrack ist eine völlig unauffällige, nicht weiter ausgeschilderte Erhebung in den Harburger Bergen (die, selbstverständlich, auch keine „Berge“ sind).
Für Wanderanfänger wie mich ist aber dies aufgrund der Tatsache, dass sie ein Endmoränengebiet sind und „für norddeutsche Verhältnisse recht zerklüftet“, ein herrliches Gebiet, um über Stock und Stein zu krabbeln und mich müde zu laufen. Dort gibt es nämlich nicht nur eine Handvoll gut beschilderter Wanderwege, sondern auch rauhe Unmengen an Trampelpfaden, steilen Mountainbike-Trails und Reitwegen.

Meine Wahl fiel (zum zweiten Mal) auf einen Teil des Wanderwegs W5 (Wander-Tour Schwarze Berge, klickst du) und zwar auf den nördlicheren. Denn der führt, wie mir beim Blick auf die Karte klar geworden war, ziemlich dicht am Hasselbrack vorbei, und ich hatte auch schon so eine Vermutung, wo ich abbiegen müsste. Außerdem hatte ich mit dem Weg, zumindest dem zweiten Teil, noch ein Hühnchen zu rupfen. Und ich wollte zum Hasselbrack. Einfach just for fun.

Geparkt habe ich am Wildpark Schwarze Berge, der viel Spaß machen kann, wenn man reingeht, besonders mit Kindern (Hängebauchschweine, Ziegen zum Streicheln), und ich mag speziell die Flugshow (Greifvögel). Mein Weg führt aber südlich dran vorbei, und nach relativ kurzer Zeit stand ich entzückt am Moisburger Stein, einem alten Grenzstein. Nun lief ich der Markierung W5 folgend weiter in den Wald hinein, wo der Weg die ganze Zeit sanft anstieg und ich in größeren Abständen anderen Wanderern begegnete, die allesamt grüßten – ich war raus aus der Stadt. Nicht zu überhören waren Geräusche im Wald, die von Mountainbikern stammten, nicht zu übersehen waren Hinterlassenschaften, die von Pferden stammten. Alles bestens. Als ich gefühlt relativ weit „oben“ war, dachte ich, dass ich jetzt eigentlich in der Nähe des Hasselbracks sein müsste, und zückte die Geheimwaffe: mein Handy. Klar hätte ich eine Wanderkarte bevorzugt, wenn ich eine gehabt hätte (was ich ändern werde), aber ich dachte, das Handy tut es auch, und wenn nicht, dann eben nicht. Und, o Wunder, ich hatte Empfang UND recht. Hier irgendwo in der Nähe sollte er sein, der Hasselbrack.

Also bog ich mutig von meinem Weg ab und wagte mich auf den Trail-Dschungel. Das Handy bestätigte mir von Zeit zu Zeit wenigstens, dass ich mich meinem Ziel näherte, denn selbstverständlich kannte es keine Trampelpfade. Irgendwann grüßte ich eine Reiterin und fragte sie, ob der Hasselbrack hinter ihr liege, und sie lächelte und antwortete freundlich: „Ja, immer geradeaus.“ Und tatsächlich, es stimmte. Dauerte nur noch ein paar Minuten …

Um die Infos zum Thema Hasselbrack auf den neuesten Stand zu bringen: Es gibt dort den Stein. Sonst nichts. Keine Bank, kein Gipfelkreuz. In den Waldboden daneben (auf meinem Bild nicht zu sehen) ist eine Kiste aus Blech verbuddelt, in der sich ein MNS und ein Geocache befanden (jedenfalls vermute ich, dass das einer war). KEIN Gipfelbuch, von dem ich schon verschiedentlich gelesen habe, und der Deckel der Kiste ist echt verbeult.

Ich hockte mich für eine kleine Weile auf einen Baumstumpf und genoss den Wald. Dann trottete ich gemächlich wieder zurück zu meinem Wanderweg. Vor mir lag, wie ich wusste, der anstrengendere Teil der Tour.

Wenn man auf der Karte (siehe Link oben) nachsieht, entdeckt man, dass W5 ein langer Rundweg ist, der teilbar ist. Und ab dem Punkt, wo man abzweigt, wird der Weg, äh, immer trailartiger. War das vorher ein Weg, den man mit Oma und Kinderwagen gut gehen konnte, kommt jetzt mehr und mehr zum Tragen, was die Wegbeschreibung als „überwiegend naturbelassene, teils wurzelige Wege mit anspruchsvollem Relief (festes Schuhwerk erforderlich)“ beschreibt. Und die hinauf und hinab zu überwindenden Abhänge werden immer steiler und die Pfade immer ausgewaschener. Mir ist schon klar, dass sich Kenner von alpinen und voralpinen Wegen vermutlich vor Lachen auf dem Boden rollen, aber ich war SEHR, SEHR dankbar für meine Wanderschuhe (meine Erstbegehung dieses Weges war der Grund, weshalb ich mir anständige Wanderschuhe zugelegt habe, denn solche Wege sind zurzeit meine Messlatte) und ich habe, als ich leichtfüßig über diverse Baumwurzeln stiefelte, schaudernd begriffen, was ich meinen Schutzengeln (Plural!) mit meinen Sandalen beim letzten Mal eigentlich zugemutet habe. Schließlich kann man auch in einer Pfütze ersaufen, wenn man Pech hat. Gute Wahl. Sehr gute Wahl. (Immer noch keine Blase gelaufen. Scheint so, dass ebenfalls meine Billig-Wandersocken nicht die schlechtesten sind – zumindest sind sie für meine bisherigen Wege geeignet. Ich weiß inzwischen immerhin, dass auch Socken ein großes Thema sind.)
Sind das übrigens Schopftintlinge, die Pilze?

Der Pfad rund um den Paul-Roth-Stein (laut Internetangaben 131 Meter über NHN; der so aussieht, als ob der Zahn der Zeit kräftig an ihm nagt und es keinen interessiert, siehe Bild) ist für Mountainbiker gesperrt. Wie ich feststellte, gibt es aber einige, die das nicht stört, denn als ich gerade dieses Baumwurzelteil (siehe Bild) erklomm, standen oben welche mit ihren Rädern und unterhielten sich (und grüßten). Weiß nicht, ob sie dann da runter sind, überholt haben sie mich jedenfalls nicht mehr.
Die Treppen, die sich ebenfalls auf diesem Teil des Weges befinden, sind robuster, als sie aussehen.

W5 führt dann noch über den Kiekeberg, wo sich ein sehr bekanntes Freiluftmuseum befindet, ein Schlenker, den ich mir schon zum zweiten Mal gespart habe, ich bin einfach über Alvesen zum Wildpark zurückgelaufen. Ich war müde genug für den Tag.
Leider musste ich dann auch feststellen, dass sich irgendwann mein Handy und damit meine Schrittzähler verabschiedet hatten. Ich kann also nicht sagen, wie weit ich gelaufen bin, was mich doppelt ärgert, da ich sogar mit der Pause in der Zählung bei dem Schrittzähler, der weniger anzeigt (der andere war komplett im Nirwana), auf über 10 Kilometer gekommen bin – und mir geschätzt eine halbe Stunde bis 45 Minuten fehlen, in denen ich mich bewegt habe. Nun. Sieht so aus, als müsste ich da noch ein drittes Mal längs. Vielleicht tappe ich dann doch noch über den Kiekeberg. Zeit ist ja genug, wenn das Wetter hält.

Sollte (wirklich?) noch jemand rätseln: Der „zweite Hunderter“ ist mein zweiter erklommener Gipfel *hust* 😉

Ebenfalls auf dem Hasselbrack war Maren von „Von Orten und Menschen“, und zwar vor knapp vier Jahren. Ihre sehr vergnügliche Schilderung, wie sie ihn fand (und Maren hat im Gegensatz zu mir Ahnung von dem, was sie tut), könnt ihr HIER lesen.

 

Ja, klar, die Fotos sind alle von mir. Klicken macht groß!

 

 

Alsterrunde ;-)

Die Hamburger Binnen- bzw. Außenalster wird gern als Hamburgs „gute Stube“ bezeichnet. Tatsächlich teilt sich die Hamburger Bevölkerung in „Alster“- und „Elbe“-Hamburger, ich weiß nicht, ob es dafür „objektive“ Kriterien gibt oder ob das eine Herzensentscheidung ist … wo war ich?

Die Alster (Wikipedia: Binnenalster, Außenalster) ist nicht nur das gleichnamige Flüsschen, sondern vor allem der große Stausee im Herzen Hamburgs. Als solcher ist die Außenalster mit einer Fläche von 164 Hektar ein beliebtes Revier für Segler, Ruderer, Tretbootfahrer und Stand-up-Paddler (das Segelrevier soll gar nicht so einfach sein aufgrund der Windverhältnisse, die wiederum aus der höchst unterschiedlichen Bebauung herrühren (von historisch-prunkvollen Villen bis zum Szeneviertel ist alles dabei)), die Alsterschifffahrt und last but not least die Alsterschwäne. Ebenso führt eine bekannte und beliebte Joggerrunde (7,4 km) um die Außenalster.

Um letztere geht es mir. Ich jogge zwar nicht, aber nicht nur am Wochenende bewegt sich ein Pulk Menschen auf dieser Route um die Alster: Radfahrer, Jogger, Flanierer (auf der „schönen“, der westlichen Seite), Familien, Grüppchen von Freunden, Gassigeher – alle. Angst vor Corona darf man nicht haben … und ich war letzten Sonntag bei schönstem Wetter mittendrin.

Ich wollte etwa 10 Kilometer Strecke machen, also habe ich so geparkt, dass ich zuerst um die Binnenalster, dann um die Außenalster gehen konnte. Außerdem bin ich entgegen dem Uhrzeigersinn gelaufen, was den Vorteil hatte, dass das letzte Stück, wenn ich eh müder sein würde, sich auf der schönen Seite, dem Alstervorland, erstrecken würde, wo es Kaffee und Eis überall zu kaufen gibt, auch to go.

Was soll ich sagen: Es war toll, die Segler hatten Spaß, die Alster war voll. Mir war nicht klar, dass Segel so laut sind, bis ich sie im Wind knattern gehört habe! Und natürlich bin ich alle Naselang stehen geblieben, um ein Bild zu schießen. Ich überlasse es denen, die Ahnung davon haben (ich hoffe auf den wertgeschätzten Herrn Olpo), zu kommentieren, was  da auf dem Wasser los war – ich habe immerhin auch zwei Katamarane dabei 😉
Ich habe mich mehr um die Hamburger Silhouette bemüht. Denn vom Norden der Außenalster aus sieht man vier von fünf der sogenannten Hamburger Hauptkirchen (Wikipedia), und noch so einiges mehr. Die Hauptkirchen wiederum sind aufs Engste mit der Hamburger Geschichte verbunden, und ich behaupte einfach mal, dass es für Hamburg-Fans dazugehört, sich wenigstens irgendwie am Horizont orientieren zu können.

Stellt euch also vor, ihr seid fast schon im Nordosten eurer Alsterrunde und befindet euch auf einer Straße mit dem sprechenden Namen „Schöne Aussicht“ ca. Höhe Feenteich. Dann seht ihr, wenn ihr Richtung Süden schaut, etwa Folgendes (Bild bitte groß klicken, ich hab mal durchnummeriert).

 

Hamburg, Außenalster, Stadtsilhouette | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, Ende August 2020

 

  1. Mariendom (kath.), St. Georg
  2. Hl. Dreieinigkeits-Kirche, St. Georg
  3. Hauptkirche St. Jacobi, Innenstadt, Arp-Schnitger-Orgel
  4. Hauptkirche St. Katharinen, Nähe Speicherstadt, die mit dem Goldring aus Störtebeker-Gold am Turm
  5. Hauptkirche St. Petri, Altstadt, bronzener Türzieher in Form eines Löwenkopfs von 1342
  6. Ruine St. Nikolai, ehem. Hauptkirche, Mahnmal 2. Weltkrieg
  7. Rathaus, Altstadt (nicht irritieren lassen, weil auch grün)
  8. Elbphilharmonie, HafenCity (unverwechselbar, ich sags ja nur)
  9. Hauptkirche St. Michaelis, Neustadt, Michel, DIE Kirche Hamburgs
  10. Alsterfontäne

Es fehlt die fünfte (aktuelle) Hauptkirche, St. Nikolai in Harvestehude, die 1962 das Mahnmal in dieser Funktion ablöste. Ihr seht den schmalen grünen Turm auf den Bildern bei der Krugkoppelbrücke, sie ist bei diesem Standpunkt schräg rechts hinter mir.

Hatte ich schon erwähnt, dass das Gute an dieser Spazierstrecke ist, dass man in recht kurzen Abständen einkehren könnte, und zwar egal wo? Drüben im Alstervorland, wo alles ein bisschen nobler und teurer ist (und/oder gern so tut), wo man bummelt, um zu sehen und gesehen zu werden (Stichwort: Cliff), gab es dann auch „Parkmusik“ zum Eis, eine Band habe ich abgelichtet, ich fand sie richtig gut.

Ich auf jeden Fall war froh, als ich wieder am Auto war, denn die Menge an Leuten fing irgendwann doch an zu nerven. 14.288 Schritte verzeichneten meine Schrittzähler, der eine behauptete, es seien 9,3 Kilometer, der andere wollte 9,7 getrackt haben. Ich nehme die Mitte, mir war es recht. Keine neuen Erkenntnisse bezüglich Ausrüstung, nur dass mein Handy bessere Bilder macht als die kleine Kamera. Welche Überraschung, wenn ich das Alter vergleiche.

Ob ich das öfter mache? Ja, auf jeden Fall könnte das eine nette Strecke für alle möglichen Zwecke sein, wenn ich mal nicht allein durch die Pampa trotten will. Je weiter der Herbst voranschreitet, desto mehr, vermute ich.

 

 

 

Vortreten zum Deichtreten ;-)

Wer in Hamburg und Umgebung mal richtig viele Apfelbäume sehen möchte, der fährt über die Elbe und nach Südwesten raus und befindet sich im Alten Land (Wikipedia). Das ist nicht nur der Titel eines höchst empfehlenswerten Romans, sondern auch das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas – zu 90 Prozent Äpfel, heißt es, ich habe aber auch schon gehört, dass in den letzten Jahren die Kirschen auf dem Vormarsch seien, da es wärmer wird. Logischerweise kann man da nicht nur mit dem Auto oder dem Rad unterwegs sein, sondern auch zu Fuß. Und bis auf die Deiche, von denen es so einige gibt, nicht nur den Elbdeich, ist dort wirklich alles platt.

Als ich also letzten Sonntag unternehmungslustig war, nicht so weit weg fahren und gerne einen Rundkurs gehen wollte, dachte ich mir, dass Deichtreten eine feine Sache wäre. Außerdem sind gerade die Äpfel reif, es gibt auch (noch) Kirschen und Zwetsch(g)en und andere leckere Dinge frisch von den jeweiligen Höfen. Denn das ist das andere, wofür das Alte Land bekannt ist: Alle paar Hundert Meter ein Verkaufsstand „vom Erzeuger“, natürlich besonders auf/an der Hauptstraße direkt hinter dem Elbdeich.

Losgelaufen bin ich an der Elbe in Jork, Kreuzung Hinterbrack/Wellenstraße, und zwar die Wellenstraße entlang Richtung Königreich. Schmale Straße durch die Obstplantagen, negativ war nur, dass ich direkt auf der Straße gegangen bin, die NATÜRLICH von Autos befahren war, auch wenn es nicht viele waren. In Königreich, ein Ort, den ich für seinen Namen liebe, und ich bin bestimmt nicht die Einzige, bin ich dann links auf eine Straße namens Leeswig abgebogen. Auf deren anderer Seite konnte man auf dem Estedeich entlanglaufen: wunderbar, mit mehr oder weniger schönen Ausblicken auf die Este.

Blöderweise fing es dann an, kurz und kräftig an zu schütten. Ich hatte meinen Ostfriesennerz im Rucksack, hurra, bloß der Rucksack selbst erwies sich als ÜBERHAUPT NICHT wasserfest – ich habe ein Päckchen Taschentücher (halb weggeschmissen), das das bezeugen kann. Nun. Ich habe bei seinem Erwerb daran sicher nicht gedacht, und die kleine Kamera ruhte trocken in meiner Jackentasche. Immerhin gab es einen dicken Baum zum Unterstellen, wo ich abwarten konnte, bis die Welt etwas weniger trübsinnig aussah. Meine Laune heiterte sich dann mit dem Wetter wieder etwas auf und ich erreichte Cranz (übrigens mit warmen und trockenen Füßen), wo der Estedeich zum offiziellen Straßennamen wurde.

Kurz darauf ging es aber nach rechts schon wieder weg („Zum alten Estesperrwerk“), und ich befand mich hinter der Sietas-Werft. Hochinteressante Einblicke! Da war ich vorher noch nicht mal mit dem Auto gewesen, und ich liebe es, kleine Straßen mit der Karre entlangzubummeln. Direkt an den Gebäuden längs („Neuer Fährweg“) kam ich an der Hauptstraße an der Elbe raus, wo sich inzwischen Auto an Auto reihte. Was mich aber nicht weiter juckte, ich überquerte die Straße und war am Este-Sperrwerk, nämlich da, wo sie in die Elbe mündet, und zwar gegenüber von Blankenese. Blankenese liegt in den Elbabhang gekuschelt, um es mal so zu sagen, für Flachländer ist das eine anständige Steigung. Gleichzeitig ist die Aussicht auf Blankenese bei Sonne aber so schön, dass man am Este-Sperrwerk einen Parkplatz angelegt und eine Imbissbude angesiedelt hat, die eigentlich meistens ganz gut frequentiert ist. Als ich dort war, hatte die Elbe gerade Ebbe, was wiederum ebenfalls ziemlich faszinierende Einblicke bietet. Bisher entgangen war mir auch, wie viele Flugzeuge auf dem AIRBUS-Gelände man von dort aus sehen kann.

Wenn man sich meinen Rundweg wie ein Rechteck vorstellt, war ich jetzt am Startpunkt der letzten langen Geraden angelangt. Bis zu meinem Auto lag nur noch Elbdeich vor mir. Auf den letzten paar Hundert Metern nahm ich mir dann noch eine frisch geräucherte Forelle (so UNGLAUBLICH lecker!) und ein Kilo Zwetschgen mit und machte ein paar Fotos von einem bedrohlich aufziehenden Gewitter, das aber dankenswerterweise auf der anderen Elbseite blieb – jedenfalls, bis ich weg war.

Die Schrittzähler stoppten bei knapp 17.000 Schritten, etwas weiter als meine erste Tour durch die Heide (ca. 11 km). Gute Entfernung, aber ich fand den Weg insgesamt anstrengender als erwartet und den Untergrund nervig. Nur der Fisch zum Schluss, der riss das Ganze dann wieder raus. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich darauf spekuliert …

 

Quelle: ichmeinerselbst, anklicken macht groß!

 

Heidegipfel ;-)

Eine eher beiläufige Bemerkung von Tanja Stachelbeermond trieb mich vorgestern vor die Tür. Sie hatte in einem Kommentar erwähnt, dass sie zum Wilseder Berg (Wikipedia) gewandert sei, und dass es sonnig und schööön gewesen sei. Meine (fast) tägliche Runde um den Teich hier ist zwischen 4 und 5 Kilometer lang und ich kenne inzwischen jeden dicken Stein persönlich, also bin ich gerade dabei, mir für die Wochenenden etwas Längeres auszugucken. So ca. 10 Kilometer sind mir dabei ganz recht. Und blüht jetzt nicht gerade die Heide? Also los.

„Un-de-loh?“, fragte eine Freundin ungläubig, als ich ihr davon erzählte. „Na, du hattest aber Mut.“ Ja, hatte ich. Wenn ihr jemals einen kleinen, auch in Corona-Zeiten komplett touristisch überlaufenen Heideort sehen wollt, fahrt sonntags nach Undeloh. Autoschlangen im Schritttempo (wegen der Pferdekutschen, auch wegen der Menge), Verkaufsstände mit Heidschnuckenfellen, Heidehonig und Heidekartoffeln und -gedöns entlang der Straße. Ich hatte Riesenglück, mittags auf dem völlig überfüllten Wanderparkplatz gegenüber des Heide-Erlebniszentrums an einem Rand noch ein Plätzchen für mein Auto zu bekommen, und beinahe wäre ich angesichts der Menschenmassen, die zu Fuß, zu Rad oder per Pferdekutsche unterwegs waren, wieder umgekehrt. Natürlich alle in meine Richtung: Wilsede. Wobei die Pferdekutschen (alle mit Maske, also die Fahrgäste) schon prächtig anzusehen waren, vor allem in der Menge. Ich weiß leider die Fahrpreise nicht.

Es erwies sich dann doch als gute Idee, mit der Masse losgeschwommen zu sein, denn je weiter ich kam, desto spärlicher war die Anzahl meiner Mitgänger. Die Aussicht auf immer noch blühende Heide (die Heideblüte ist fast vorbei) rechts und links war ausgesprochen begeisternd, die Sonne schien und meine Laune hob sich mit jedem Schritt, den ich vorwärts stapfte.

Der Wilseder Berg (die höchste Erhebung der Lüneburger Heide) ist ein recht weitläufiges Plateau, und dieses Plateau war, Überraschung, voll 😉. Voll mit Leuten, die dort herumsaßen, die Aussicht genossen und picknickten. Man soll bis Hamburg sehen können an klaren Tagen, angeblich sieht man den Fernsehturm. ICH habe ihn nicht gesehen, aber ich habe ein paar hohe Windräder gesehen, die „unsere“ sein könnten. 43 Kilometer wären das, sagt die Haube auf dem Gipfelstein (siehe Fotos). Ich hätte mein Tele gebraucht, andererseits bin ich ganz happy, dass ich es nicht mitgeschleppt habe.

Nach einer Pause machte ich mich an den Abstieg. Natürlich sind norddeutsche Berge keine „Berge“, sondern Hügel im Flachland, schon klar, weiß ja auch jede*r, aber wenn man einen Berg erklommen hat, darf man auch wieder absteigen 😉. Ziemlich bald tauchte ich in einen schattigen Waldrand ein und war und bin immer noch völlig bezaubert von der Schönheit und der Magie der Landschaft. Nach einem Stückchen auf der „Alten Salzstraße“ kam schließlich der Parkplatz und damit mein Auto wieder in Sicht. Einerseits war ich dankbar für den dort auf mich wartenden Liter Wasser, andererseits aber auch bisschen traurig, dass es schon vorbei war.

Nein, ich habe kein Heidschnuckenfell oder -bratwurst gekauft, keinen Heidehonig, -kartoffeln oder -sträußchen mitgenommen, nicht mal zu Kaffee und Kuchen eingekehrt bin ich, obwohl ich die Straße dann doch einmal abgegangen bin. Es war mir zu voll. Aber es war ein angenehmer Weg, den ich gern noch mal auf mich nehmen werde, bevorzugt an einem anderen Wochentag. Meine beiden Schrittzähler auf meinem Handy stritten sich, ob 16.338 Schritte nun 10,63 km oder 11,12 km seien – es ist mir letzlich egal. Heute merke ich meine Muskeln in den Beinen, das kommt aber auch daher, dass meine Wanderstiefel noch neu sind und ich wenig an knöchelhohe Schuhe gewohnt bin. Eingelaufen dürften sie jetzt allerdings so langsam sein.

 

Quelle: ichmeinerselbst, Handy-Pics