Das Geburtstagsgeschenk I | abc.etüden

Erster Schulungstag bei dem neuen Dozenten. Laura lehnte sich unentspannt zurück. Er war bereits mehrfach in der Kantine gesichtet worden und das Gerücht war angeblich bestätigt, er sähe heiß aus. Am Morgen hatte Laura schon feststellen können, dass die Mädels alle in ihren besten oder zweitbesten Outfits angerückt waren, was selbstverständlich keine zugab. Einigermaßen jung sollte er auch noch sein. Die Jagd war also eröffnet – die kommende Woche würde bestimmt kurzweilig werden. Na dann.

Eine halbe Stunde später hätte sie alles dafür gegeben, in einem anderen Kurs zu sitzen. Vor ihr hatte ein hochgewachsener Mann Platz genommen, der routiniert seine Vorstellung abwickelte, kompetent und witzig Fragen beantwortete und immer wieder amüsiert zu ihr herübersah. Oh Erdboden, tu dich auf! Wie peinlich! Aus welcher Gruft war der denn wiederauferstanden, und dann auch noch ausgerechnet hier? Sie brauchte dringend frische Luft.

Alles ging gut bis zum Ende der Stunde. Als sie sich nach dem Pausengong mit ihrer Freundin im Schlepptau an seinem Tisch vorbeischob, sah er auf.
„Ach, Frau Feldmann?“ Das war sie.
„Ja?“
„Haben Sie immer noch diese leicht absonderliche Vorliebe für Tulpenzwiebeln?“

Sie erstarrte, und das sagte ihm wohl alles, was er wissen wollte, denn er begann zu grinsen. Ar…mleuchter! Zum Glück rettete Anna sie.

„Also, wenn das Ihr bester Anmachspruch gewesen sein sollte, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie noch ein bisschen üben müssen, das war erst mal nichts! Kommst du, Laura?“

Sie zog sie weg. Laura ließ es geschehen. Draußen ließen sie sich auf eine Bank fallen. Anna zürnte.

„Was war denn das für ein Blödspruch? Laura, kennt der dich? Sag nicht, dass du mal was mit dem hattest! Du warst die ganze Stunde schon so merkwürdig.“

„Nein!“, protestierte Laura, „der ist doch viel zu alt!“

Oh nein, sie würde nicht damit rausrücken, nicht freiwillig!

 

abc.etüden 2019 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 15/16.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Veronika und ihrem Blog Vro jongliert und lauten: Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen.

Mal wieder was Leichteres. Jaha, das ist ein Cliffhanger. Ihr habt bis morgen Zeit, darüber zu spekulieren, woher die beiden sich kennen und was die Überschrift soll. Ich bin bereit zu wetten, dass keine*r draufkommt. Und falls doch, weiß ich nicht, ob ich es zugeben würde … ;-)

Update: Hier geht es weiter.

 

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Vom Frühling und der Freude

 

Der Frühling

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

(Friedrich Hölderlin, Der Frühling, aus: Sämtliche Werke. 6 Bände, Band 2, Stuttgart 1953, S. 279, Online-Quelle)

 

Will Dir den Frühling zeigen

Will Dir den Frühling zeigen
Der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
Und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu Zweien gehn
Und sich bei den Händen halten –
Dürfen ihn einmal sehn.

(Rainer Maria Rilke, Will dir den Frühling zeigen, aus: Advent, 1898, Online-Quelle)

 

Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein

Ich möchte mir Freuden wie aus roten Steinbrüchen brechen,
Möchte Brücken schlagen tief in die Wolken hinein;
Möchte mit Bergen sprechen wie Glocken in hohen Türmen,
Wie Laubbäume ragen und mit den Frühlingen stürmen
Und wie ein dunkler Strom der Ufer Schattenwelt tragen.
Fiel gern als Abenddunkel in alle Gassen hinein,
Drinnen Burschen die Mädchen suchen und fassen.
Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein
Und von Liebe und Sehnsucht niemals verlassen.

(Max Dauthendey, Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 321)

 

Quelle: Photo by Rodion Kutsaev on Unsplash

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

Alltag | April

Alltag ist zurzeit, dass ich gefühlt durch meinen Tag hetze: Keine Zeit, keine Zeit! Termine, Deadlines, kann grade nicht, können wir das aufschieben, es ist noch so viel zu erledigen, was Priorität hat, ich will mir doch für das, was auch noch zu tun ist, Zeit nehmen können.

Und täglich grüßt das Hamsterrad.

Ich achte darauf, dass ich genug schlafe, indem ich nachts unter anderem die Unterbrechungen durch einen gewissen Herrn Fellträger zu reduzieren versuche („Geh halt raus und bleib da!“), was einfacher ist, seit es nicht mehr friert, und problematisch, wenn draußen Schneegriesel fällt wie im Moment. Ich bemühe mich ebenfalls, täglich an die frische Luft zu kommen, soll heißen, weiter als bis zum Briefkasten (Homeoffice kann echt hinderlich sein), aber ich HABE Deadlines (klingt viel schicker als „Termine“), die gehalten werden müssen, und es kann jederzeit irgendwas sein – auch das dürfte jede*r kennen.

Habe ich also ein Problem mit meinem Zeitmanagement? Nein, so überraschend sich das anhört. Meistens nicht. Ich habe ein Problem mit meinem Gefühl dazu. Ich habe nur das Gefühl, dass ich hetzen muss (weil ich nämlich oft so gar keine Lust habe; Druck ist auch Motivation) – und benehme mich entsprechend.

Ich bin ziemlich gut im Organisieren. Ich plane und mache viel auf die letzte Minute (eher Stunde), dann muss das natürlich klappen, dann darf nicht viel schiefgehen – aber ich habe meist eine Sicherheitsreserve an Zeit, damit ich tagsüber einkaufen gehen kann (echt ein Luxus) oder spontan mit der Nachbarin-Freundin bei einem Kaffee einen ausklönen kann. Ich halte meine Termine. Immer. Muss ja. Irgendwie.
Aber wenn ich den ganzen Tag konzentriert in den Rechner gestarrt habe, bin ich fertig mit der Welt und mag höchstens noch bisschen Blogs lesen und ein, zwei Runden Quizduell spielen, aber zu mehr reicht es dann nicht. Etüden schreiben? Andere Posts, so was wie diesen hier? Ha. Dann gehen nicht mal mehr Mails.

Ich bin ein Leser, kein Gucker, schon immer gewesen. Was also bei mir trotzdem fast immer geht, ist lesen. Analog. Und dann auch wieder, je nach Tagesform, etwas, was meinen Geist herausfordert … oder weniger. Da ich nicht über einen Reader oder über ein Tablet lese, besitze ich die Sorte Bücher nicht, die meist ausschließlich als E-Book verkauft werden – Schmonzetten und Schlimmeres oder Splatterthriller. Ich bin froh, dass ich nie zu den Bestsellerlisten-Lesern gehört habe, und was „man“ liest oder gelesen haben „muss“, nehme ich meist mit Verwunderung zur Kenntnis. Andererseits genieße ich es, mir aus den diversen Buchliebhaber-Blogs in meiner Blogroll Leseanregungen zu holen, und dass diese sich oft an den Neuerscheinungen und damit doch auch an dem „Muss“ orientieren, ist mir dann auch wieder egal.

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

Immer noch dankbar bin ich dem Buchhändler in einem kleinen Antiquariat vor über 20 Jahren, der mir, die ich seine Fantasy-Ecke umgrub, ein Buch mit dem Kommentar: „Ich glaube, das könnte dir gefallen“, in die Hand drückte. Er hatte recht und unrecht zugleich: Das Buch entstammte der Feder einer meiner daraufhin erklärten Lieblingsautorinnen, Patricia A. McKillip, aber es war nicht die „Riddle-Master“-Trilogie, sondern eine Buchgemeinschaftsausgabe der „Vergessenen Tiere von Eld“ (zweites Buch von unten im deutschen Bild). Eld hat es nie auf meine Top-Ten-Liste geschafft, „Riddle-Master“ (ich finde, „Rätselmeister“ hört sich blöd an) sehr wohl. Da ihr Verlag häufiger gewechselt hat, was das Bild dokumentiert, und die neueren Bücher von PMK alle nicht mehr übersetzt werden (High Fantasy: ruhig, hintergründig und schön, der Fokus liegt auf der Entwicklung von Personen, nicht auf blutigen Schlachten; nein, keine Elben und keine Zwerge; sehr unzeitgemäß), lese ich sie auf Englisch und habe begonnen, sie zu sammeln. Sie schreibt keine Reihen, daher ist ihr Œuvre (ich habe ernsthaft erwogen, „Output“ zu verwenden) überschaubar, auch wenn es auf Wikipedia (deutsch und englisch) anders aussieht. Inzwischen gibt es auch ein sprachwissenschaftliches Buch über sie: „Patricia A. McKillip and the Art of Fantasy World-Building“. Ich habe noch längst nicht alle ihrer Romane (und wer sich über die Brüche in den Buchrücken mokiert: betrüblich, ja, finde ich auch, ist halt viel secondhand).

 

Tangram Quadrat | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Wenn ich mein Gehirn aus dem Hamsterrad befreien will und gleichzeitig nachdenken möchte, lege ich Tangrams. Händisch. Ebenfalls analog also. Ich weiß nicht, warum es funktioniert, aber es funktioniert. Das ist allerdings noch mal eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Liebe Ulli, vielen Dank, dass ich auch dieses Mal wieder meine Alltagsschilderung verspätet bei dir einreichen durfte!

 

Quelle: Ulli Gau

 

Vom Frühling und Bäumen

 

An eine Linde

Schöne Linde!
Deine Rinde
Nehm den Wunsch von meiner Hand:
Kröne mit den sanften Schatten
Diese saatbegrasten Matten,
Stehe sicher vor dem Brand!
Reißt die graue Zeit hier nieder
Deine Brüder;
Soll der Lenz diese Äst
Jedes Jahr belauben wieder
Und dich hegen wurzelfest.

(Johann Klaj / Georg Philipp Harsdörffer / Sigmund von Birken, An eine Linde, aus: Pegnesisches Schäfergedicht, Erstdruck: Pegnesisches Schäfergedicht, Nürnberg (Wolfgang Endter) 1644, Online-Quelle)

 

Die Gäste der Buche

Mietegäste vier im Haus
Hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
Nagt am Hungertuche.

Stolz auf seinen roten Rock
Und gesparten Samen
Sitzt ein Protz im ersten Stock;
Eichhorn ist sein Namen.

Weiter oben hat der Specht
Seine Werkstatt liegen,
Hackt und zimmert kunstgerecht,
Daß die Späne fliegen.

Auf dem Wipfel im Geäst
Pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest.
Miete zahlt nicht einer.

(Rudolf Baumbach, Die Gäste der Buche, aus: Thüringer Lieder, 1906, Online-Quelle, Online-Quelle)

 

Bis zum Abend bleibt die Sonne jetzt am Haus

Bis zum Abend bleibt die Sonne jetzt am Haus,
Es geht ihr das Frühlingsfeuer lang nicht aus.
Sie schreibt goldene Schrift an jedes Gemäuer,
Und jeder Grashalm auf der jungen Trift ist ihr teuer.
Sie hält die Aprilwolken, die schweren, umschlungen;
Und ist sie fern wie ein Lied, und zögernd im Leeren verklungen,
Und kommt der Abend grau an mein Zimmer heran,
Als ob jedes Glück meine Schwelle mied,
Dann zündet mir die Liebste die Helle ihres Herzens an.

(Max Dauthendey, Bis zum Abend bleibt die Sonne jetzt am Haus, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 234)

 

Kirschblüten | 365tageasatzadayQuelle: Bild von Free-Photos auf Pixabay

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 15.16.19 | Wortspende von Vro jongliert

Weiter gehts im Takt, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wir nähern uns doch tatsächlich schon Ostern mit Riesenschritten. Das bedeutet unter anderem auch, dass die erste Etüden-Saison so gut wie abgelaufen ist und ich wieder neue Wortspender suche!

TEIL 1: Wenn es also euer dringlichster Wunsch ist, für die Etüden die Wörter/Begriffe zu spenden, um die es sich jeweils zwei Wochen lang dreht, und wenn ihr seit Beginn des neuen Jahres mindestens mit zwei Etüden auf den Listen gestanden habt, dann seid ihr schon mal ganz weit vorne.

Seit dem Inkrafttreten der DSGVO habe ich mir die Mühe zu machen, mir von euch die Erlaubnis geben zu lassen, dass ich euch für die Etüden anschreiben darf, falls ihr gezogen werdet. Ich nutze dazu die Mail-Adresse, mit der ihr kommentiert; wie jede*r von euch weiß, sieht man die in der Kommentarverwaltung. Näheres steht auch noch mal im Kleingedruckten unter Punkt 8.

Stimmberechtigt für die nächste Runde sind / genickt haben bereits: Agnes, Anna-Lena, Bernd, Bettina, dergl, Sabine (wortgeflumselkritzelkram), Frau Vro, Gerda, m.mama, Myriade, Natalie, Nina, Petra Schuseil, René, Rina.P, Ulli, Viola, Werner Kastens. Ihr müsst nur was sagen, wenn ihr nicht gezogen werden wollt.

Um Wörter spenden zu dürfen müssen in den Kommentaren bitte noch nicken: Alexandra (Blätterflug Gedankenschnuppen), Alice (Make a choice Alice), Alice (Worte aus dem Wunderland), Corly, Das andere Mädchen, Die Hummel, fraggle (der schon einmal bei dieser Frage ausdrucksvoll geschwiegen hat), Gerhard (Kopf und Gestalt), Katha (Katha kritzelt), LadyAngeli (Mein Leben ist bunt), Miki, Nicole (Die Waldträumerin), Resi Stenz, Sophie (Immer diese Gedankenmacherei), Stepnwolf, Sven (Svens kleiner Blog).

Nur wer genickt hat, kommt in den Lostopf! Ich möchte am 14. April um 12:00 Uhr ziehen, dann schließen die diesbezüglichen Kommentare also.

Ihr wisst es selbst am besten: Wenn ihr seit Anfang des Jahres zwei oder mehr Etüden geschrieben habt und auf keiner dieser Listen auftaucht, dann meldet euch bitte dringend!

Die nächste Runde geht bis Mitte Juli, danach gibt es wieder das Etüdensommerpausenintermezzo. Das sind fünf Termine, die ich zu vergeben habe (KW 19–29). Bin jetzt schon gespannt, wer das Rennen macht.

 

TEIL 2: Kommen wir zum Etüdengeschäft und zur Statistik. Ich danke jeder und jedem Einzelnen von euch, die/der Zeit und Lust und Inspiration hatte, in dieser doch gefühlt sehr kurzen Woche eine oder mehrere Extraetüde(n) zu schreiben. Es wurden 19 Etüden von 16 teilnehmenden Blogs (echt viel, finde ich), und ich freue mich sehr, dass sich doch einige dazu hinreißen ließen, die 500 Wörter auszunutzen – ich jedenfalls hatte Spaß. Die Liste führt Gerhard mit drei Etüden an, gefolgt von dergl mit zwei.

Hier ist die Liste, checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, sagt Bescheid, falls jemand fehlt oder sonst was falsch ist – ihr kennt das alles.

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier
Gerhard von Kopf und Gestalt: hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Miki auf Miki: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Agnes auf Agnes Podczeck: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier

Nachzügler:
Natalie im Fundevogelnest: hier

Zu spät entdeckt:
Alice auf worteausdemwunderland: hier

Ebenfalls wie immer vielen Dank an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

 

Die Wörter für die Textwochen 15/16 des Schreibjahres 2019 kommen von Veronika und ihrem Blog Vrojongliert. Ihre (großartigen!) Begriffe lauten:

Tulpenzwiebel
kurzweilig
auferstehen.

 

Der öde blöde Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern (und ja, ich meine das so. 300. NICHT MEHR!).
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 21. April 2019, jawohl, Ostersonntag. Euch viel Schreiblust, Spaß und gute Ideen!

 

abc.etüden 2019 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

abc.etüden 2019 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Frühlingsgefühle | abc.etüden

Der Frühling kam, wie er immer kam: mit Macht, mit Möwengekreisch, mit frischem Wind und Bäumen, die sich wie über Nacht in ein weiches Grün kleideten. Und mit ihm kamen die Osterferien und die Touristen. Ersteres war Max Hansen ziemlich schnuppe, letztere nicht, schließlich kauften sie seine Bilder. Von irgendwas musste man ja abbeißen.

Als er am Morgen aus dem Fenster sah, seufzte er. Nieselregen mit der Option auf mehr, nach den Wolken zu schließen. Ausgerechnet heute, wo er zum ersten Mal Susanne wieder treffen würde! Flanieren auf der Strandpromenade konnte er damit wohl knicken, sie zu sich einzuladen hatte er sich nicht getraut. Das könnte missverstanden werden, und dann wäre der ganze Tag verdorben.

Als sie in seinem Lieblingscafé einfielen, weil es draußen wie erwartet vor sich hin pladderte, fremdelten beide zuerst. Sie widmete sich genüsslich ihrem Schokoladenkuchen und leckte sich hin und wieder die Finger ab. Er sah ihr gebannt dabei zu.
Wie viel Sinnlichkeit sie ausstrahlte! Wie lange hatte er nicht mehr so an sie gedacht?
Sie bemerkte seine Blicke und lächelte heiter. Das brach das Eis. Sein nervöser Magen beruhigte sich.

„Ach, Sanne, ich war so ein Esel damals“, platzte es aus ihm heraus, während sie entspannt über Gott und die Welt plauderten. „Was würde ich darum geben, wenn ich wiedergutmachen könnte, was passiert ist.“
„Kannst du nicht“, antwortete sie. „Was vorbei ist, ist vorbei. Ich bin auch nicht stolz auf mich. Wir haben unsere Ehe damals gründlich an die Wand gefahren.“
„Es tut mir so leid. Glaubst du mir wenigstens das, trotz all meiner Fehler?“
Sie lehnte sich zurück und musterte ihn aufmerksam.
„Weißt du eigentlich, Max Hansen, dass du immer mein Traummann warst? Seit wir uns kennengelernt haben, was übrigens morgen vor fünfundzwanzig Jahren war?“
Ihre Augen strahlten. Sein Herz machte einen kleinen unverhofften Sprung.
„Du hast mir auch gefehlt. Ehrlich gesagt habe ich jede Frau mit dir verglichen. Und mich irgendwann damit abgefunden, dass du weg warst, dass Marie tot und mein Leben kaputt war.“
„Und seitdem sitzt du rum und hast keine Freude mehr.“ Das war eine Feststellung, keine Frage.
„Außer beim Malen.“
Sie nickte. „Zum Glück für dich. Kannst du dir überhaupt noch vorstellen, aus deinem Schneckenhaus auch wieder rauszuwollen?“
Er wusste nicht, ob er den Satz so verstehen durfte, wie er möglicherweise gemeint war, entschied sich jedoch für die Wahrheit. „Ich weiß nicht, ob das noch geht“, gab er zu. „Ich wollte seitdem nie, weißt du? Also nie so wirklich.“
„Aber damit fängt es an. Mit der Sehnsucht. Der Angst davor, dass man sich irrt und am Ende wieder bloß Scherben stehen. Und irgendwann der Entscheidung, das Risiko einzugehen.“

Er zögerte zu lange. Sie erhob sich abrupt.
„Max, ich will heute noch in die Therme. Sehen wir uns morgen wieder? Gleiche Zeit, gleicher Ort?“
Er nickte verdattert und dann rauschte sie auch schon davon. Obwohl er ihr hinterherstarrte, drehte sie sich nicht um.
Es dauerte, bis Max auffiel, dass er bis über beide Ohren grinste.
Frühlingsgefühle. Eindeutig.

 

Extraetüden 14.19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 14.2019: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Ich habe alle Wörter verwendet, weil es mir gerade passte: Nieselregen, weich, irren, Café, verdorben, beißen.

Mir ist gerade so. Und ja, das ist mein Wassermaler, der seine Ex-Frau über Weihnachten doch nicht wieder getroffen hatte, ich weiß allerdings nicht, wieso. Immerhin haben sie ein paarmal telefoniert. Wer die vorhergehenden Teile noch nicht kennt: hier, hier und hier.

 

 

Vom Frühling und April

 

Das Ei

Es fiel einmal ein Kuckucksei
Vom Baum herab und ging entzwei.
Im Ei da war ein Krokodil;
Am ersten Tag war’s im April.

(Joachim Ringelnatz, Das Ei, aus: Kleine Wesen, 1910, Online-Quelle)

 

April

Was kümmerts dich in deinen Wolken droben,
Du launischer April,
Ob wir dich tadeln, oder loben?
Ein großer Herr thut meistens, was er will.
Auch halten wir geduldig still,
Und leiden, was wir leiden müssen.
Gieb uns zuweilen nur ein wenig Sonnenschein,
Damit wir dessen uns erfreun:
Dann magst du wiederum mit Schnee und Regengüssen,
Mit Sturm und Blitz und Hagel dir
Bey Tag und Nacht die Zeit vertreiben!
In unsrer kleinen Wirthschaft hier
Soll dennoch gutes Wetter bleiben.

(Johann Georg Jacobi, April, aus: Sämmtliche Werke, Band 4, Zürich 1819, Online-Quelle)

 

April

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

(Theodor Storm, April, aus: Gedichte III, 1885, Online-Quelle)

 

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, Quelle)

 

Tulpenknospe im April | 365tageasatzadayQuelle: Bild von U. Leone auf Pixabay

 

Ich bin überhaupt kein In-den-April-Schicker, aber ich kam an dem Ringelnätzchen nicht vorbei. 🙂

Kommt gut in die neue Woche!

 

 

Schreibeinladung für die Textwoche 14.19 | Extraetüden

Extraetüden! Extraetüden! Nur für kurze Zeit! Extraetüden! Zum zweiten Mal, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, rufe ich euch zu den Extraetüden auf! Denn heute Nacht wurde nicht nur die Zeit umgestellt – ja, hallo! Alle wach? –, heute ist der fünfte Sonntag im Monat März. Und das bedeutet, richtig, Extraetüden, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats April ganz normal wieder weitergeht.

Die Statistik lehrt, dass in den letzten beiden Wochen 47 Etüden von 29 teilnehmenden Blogs (Stand ohne Nachzügler) gemeldet wurden. Alice, Werner Kastens und der wertgeschätzte fraggle führen mit jeweils 4 Etüden die Hitliste an. Nicht ganz neu, aber wieder hinzugekommen ist Sandra Matteotti mit ihren Denkzeiten – und ich freue mich sehr, dass Elke H. Speidel wieder die Tastatur geschwungen hat, regelmäßige Leser wissen, warum das ein Anlass zur Freude ist.

Nun also die Liste für das vergnügliche Lesen beim (verdammte Zeitumstellung, na gut, nächstes Jahr zum letzten Mal) Sonntagmorgenvormittagskaffee (oder so). Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und falls euch auffällt, dass jemand fehlt oder sonst was falsch ist, dann brüllt!

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier und hier
Gerhard von Kopf und Gestalt in den Kommentaren: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Sandra Matteotti auf Denkzeiten: hier
Miki auf Miki: hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier und hier
Bettina auf Wortgerinnsel: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Sophie auf Immer diese Gedankenmacherei: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier und hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Sven auf Svens kleiner Blog: hier

Nachzügler:
Nicole auf Die Waldträumerin: hier

 

Ebenfalls wie immer vielen Dank an die Wortspenderin und alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben – und natürlich an euch, die ihr mitschreibt!

Noch mal zur Erinnerung, wie das mit den Extraetüden geht: Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Der Rest ist so wie immer.

Dies waren die März-Wörter, gespendet von Natalie und Rina.P:

Nieselregen, weich, irren
Café,
verdorben, beißen.

 

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline für die Extraetüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern (jaha, ist das nicht toll? 200 Wörter mehr!).
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 7. April 2019. Bin sehr gespannt, was ihr draus macht!

 

Extraetüden 14.19 | 365tageasatzaday

 

Extraetüden 14.19 | 365tageasatzadayQuelle: hier und hier, Bearbeitung von mir

 

 

Das Geständnis | abc.etüden

Es war seine Firma. Er durfte überall hinein. Auch in ihr Büro. Auch wenn die Tür geschlossen war. Auch wenn normale Menschen den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Konnte doch nicht so schwer sein, oder?

Er trat ein und setzte sich auf die Kante des Schreibtischs.

„Hör mal“, begann er in ernstem Ton, „ich glaube, ich muss dich was fragen. Lisa vom Empfang sagt, du stiefelst seit Anfang der Woche morgens mit einem Gesicht an ihr vorbei, als hätte dich wer gebissen. Du kommst nicht zum Kaffeetrinken in den Aufenthaltsraum. Du willst nicht mal mehr, dass man dir zur Frühstückspause was vom Café mitbringt. Ich würde sagen, irgendwas ist faul im Staate Dänemark. Und damit es nicht bald verdorben ist und stinkt und wir es alle ausbaden müssen, dachte ich, ich erkundige mich mal.“

Er sah sie auffordernd an.

Wow! Großartig! Wie er seine Bildung herauskehrte! Sie überlegte, ob sie was Geistreiches erwidern konnte, und schwieg. Vielleicht hatte sie es wirklich übertrieben?

Sie sah zur Wand. Er folgte ihrem Blick. Ein großes, handgeschriebenes Plakat.
NICHT VOR 12, VERDAMMT!
Klar, verstand er nicht, er war ein Mann.
Sie seufzte. „Ich bin seit Anfang der Woche auf Diät, weißt du? Intervall-Fasten. Ich esse nichts vor zwölf. Auch keinen Kaffee mit Milch. Ich hab einfach eine Scheißlaune. Wird bald besser. Hoffentlich.“

„Ah.“ Sie sah ihn den Rückzug antreten. Frauensachen!

Über ihre inneren Kämpfe vor der Auslage beim Bäcker schwieg sie besser. Sie hatte so Lust auf Süßes! Intervall- UND Zuckerfasten standen auf ihrer Fahne, um genau zu sein. Das volle Pfund, jawohl. Und so gesund.

„Gehst du nachher mit uns essen oder darf ich das jetzt nicht mehr fragen?“ Er erhob sich.

„Doch.“ Sie nickte gnädig. „Wenn ihr nach zwölf losgeht, komme ich mit.“

Der Kampf ging weiter. Noch gab sie nicht auf.

 

abc.etüden 2019 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Rina.P und ihrem Blog Geschichtszauberei und lauten: Café, verdorben, beißen.

Eine Fasten-Etüde, irgendwie. Zuckerfasten scheint mir speziell zu dieser Jahreszeit sehr en vogue zu sein, was nur noch durch den neuen Trend zum Intervallfasten getoppt wird. Ich frage mich, ob das hilft, oder ob man dennoch nachts den Kühlschrank leerfrisst. Aber vielleicht ist das auch nicht die gleiche Klientel.

 

 

 

Von Frühling und nicht nur Amseln

 

Nächtliche Stunde

Nächtliche Stunde, die mir vergeht,
da ich’s ersinne, bedenke und wende,
und diese Nacht geht schon zu Ende.
Draußen ein Vogel sagt: es ist Tag.

Nächtliche Stunde, die mir vergeht,
da ich’s ersinne, bedenke und wende,
und dieser Winter geht schon zu Ende.
Draußen ein Vogel sagt: es ist Frühling.

Nächtliche Stunde, die mir vergeht,
da ich’s ersinne, bedenke und wende,
und dieses Leben geht schon zu Ende.
Draußen ein Vogel sagt: es ist Tod.

(Karl Kraus, Nächtliche Stunde, in: Worten in Versen VII, Online-Quelle)

 

Die Amseln haben Sonne getrunken

Die Amseln haben Sonne getrunken,
aus allen Gärten strahlen die Lieder,
in allen Herzen nisten die Amseln,
und alle Herzen werden zu Gärten
und blühen wieder.

Nun wachsen der Erde die großen Flügel
und allen Träumen neues Gefieder;
alle Menschen werden wie Vögel
und bauen Nester im Blauen.

Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
in allen Seelen badet die Sonne,
alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
liebend zusammen.

(Max Dauthendey, Die Amseln haben Sonne getrunken, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 122)

 

Liebesgedicht

Ich sah dich den Amseln zärtlich Futter streuen –
Ich sah dich deinen alten Vater sanft betreuen –
Ich sah dich in einem Buche heilige Stellen anstreichen,
Ich sah dich in Gesellschaft unadeliger Menschen erbleichen.
Ich sah dich deine idealen Füße ungeniert nackt zeigen,
Ich sah dich wie eine Fürstin dich edel-stolz verneigen.
Ich sah dich mit deinem geliebten Papagei wie mit einem Freunde sprechen,
Ich sah dich mit einem Manne wegen eines geringen Taktfehlers für ewig brechen – – –.
Ich sah dich an Himbeerduft dich berauschen,
Ich sah dich der Stille eines Sommerabends lauschen.
Ich sah dich an dem Alltag wachsen, lernen,
Ich sah dich traurig steh’n vor trüben Gaslaternen.
Ich sah dich dein Leben spinnen wie die Spinne ihr mysteriöses Gewebe – – –
Ich schlich mich abseits, um dich nicht zu stören.
Ich werde dich aber lieben, solang ich lebe!

(Peter Altenberg, Liebesgedicht, in: Märchen des Lebens, 1924, Online-Quelle)

 

Kompost | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Der Dauthendey rangiert auf der Liste meiner Lieblingsgedichte echt weit oben, wie ich festgestellt habe. Daher musste der sein – und er musste jetzt sein.

Zugegeben, auf dem Bild sind keine Amseln, ich habe mich dagegen entschieden. Stattdessen, weil ich es Myriade gegenüber bei ihr erwähnte, meine geliebte „Kompost“-Komposition (in einer neuen Aufbereitung), Stichwort „ewiger Kreislauf“. Ja, das war alles mal gleichzeitig auf EINEM Komposthaufen, an dem ich vorbeikam. Der Besitzer war ob meiner Aufmerksamkeit reichlich irritiert, obwohl er mich hätte kennen können.  ;-)
Das Zitat soll von Xenophanes sein.

Kommt dennoch alle gut und heil und sicher in die neue (Frühlings-) Woche!

 

Das Gedicht | abc.etüden

Es war einer jener Tage, an denen es überall hakte, aber es war der Welttag der Poesie*. In ihrer Mittagspause setzte sie sich im Großstadtrauschen nach draußen in die Sonne und schlug das mitgebrachte Gedichtbuch auf. Man konnte es ja versuchen.

Die gewünschte Ablenkung wollte sich nicht einstellen. Ständig kreisten ihre Gedanken um den Alltag. Ein Missverständnis mit einer Freundin. Ein geliebter Hund, der vom Krebstod bedroht war, zum Glück nicht ihrer. Ärztliche Untersuchungsergebnisse, die einen Freund erschreckten. Wikipedia protestierte mit eintägiger Abschaltung gegen drohende Uploadfilter und Abgeordnete bestätigten in Pressekonferenzen, „dass Presseverlage mit schlechter Wahlberichterstattung gedroht haben, wenn Abgeordnete gegen die #Urheberrechtsreform stimmen“.** Da musste man nicht mal mehr überlegen, wer von dem Uploadfilter profitieren würde. Sie erwog, am Wochenende demonstrieren zu gehen.

Der bestellte Café au Lait und ihr Franzbrötchen kamen und dufteten herrlich. Gedankenverloren biss sie ein kleines Stück ab. Israels politisch rechte Justizministerin machte in ihrem neuesten Wahlkampfwerbespot Werbung für ein Parfum namens „Faschismus“.*** Nun, was wusste sie über Israel, außer dass die Gesellschaft kontrastreich war und ziemlich anders zu ticken schien? Nicht viel, gab sie zu, aber allüberall schienen die Rechten auf dem Vormarsch zu sein mit ihrer Speerspitze der dumpfen Pöbler, die erst schrien, später schlugen oder schossen. Manchmal auch umgekehrt. Amokläufe per Helmkamera live ins Internet zu übertragen: Wahrscheinlich nur eine konsequente Weiterentwicklung, aber sie schauderte dennoch. In was für einer Welt würde sie ihre Tage beschließen, wenn das so weiterging? Würde es überhaupt noch eine geben?

Ihr Blick fiel auf ein wahllos aufgeschlagenes Gedicht.

„Das Gedicht ist nicht der Ort, wo das Sterben begütigt
wo der Hunger gestillt, wo die Hoffnung verklärt wird.“****

Es endete mit: „Das Gedicht ist nicht der Ort, wo der Engel geschont wird.“****

Na, großartig. Sie klappte das Buch zu. Jetzt war ihr die Laune endgültig verdorben.

 

abc.etüden 2019 12+13 | 365tageasatzadayQuelle: Photo by DREW GILLIAM on Unsplash, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 12/13.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Rina.P und ihrem Blog Geschichtszauberei und lauten: Café, verdorben, beißen.

 

Die Links dazu.

* https://de.wikipedia.org/wiki/Welttag_der_Poesie

** https://twitter.com/Senficon/status/1108674187529515011

*** https://derstandard.at/2000099816497/Ein-Hauch-von-Faschismus-umweht-Israels-Justizministerin

**** http://culturmag.de/litmag/litmag-weltlyrik-christoph-meckel/87898

Das zitierte Gedicht stammt von Christoph Meckel und heißt „Rede vom Gedicht“. Man darf es selbstverständlich nicht gänzlich zitieren (Urheberrecht), daher habe ich eine Online-Quelle verlinkt, von der ich hoffe, dass sie es darf, mir geht es eh nur um die zitierten Zeilen. Es ist in dem 1974(!!!) erschienenen Gedichtband „Wen es angeht“ zu finden (Christoph Meckel: Wen es angeht. Gedichte. Mit Graphiken des Autors. Düsseldorf: Eremiten-Presse 1974, S. 15).

Oh, und wer wissen will, ob morgen in seiner Nähe eine Demo stattfindet, kann das hier nachschauen, nämlich auf der Seite von savetheinternet.info: HIER KLICKEN.

 

In Sachen Markus Igel

Erinnert ihr euch, dass ich euch im Januar auf den Fall von Markus Igel aufmerksam gemacht habe? („Teilen Sie das bitte!“, hier nachlesen.) Okay, eigentlich war ich einem Aufruf von dergl gefolgt. Dieses Mal ist es kein Aufruf, sondern eine schlichte, höchst erfreuliche Meldung, die sie veröffentlicht hat und die ich gern weitertragen möchte.

Das Bundesverfassungsgericht hat Markus Igel ZUM ZWEITEN MAL recht gegeben. dergl schreibt dazu:

Markus Igels Weg ist noch nicht zu Ende, aber es ist jetzt das zweite Mal, dass das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, dass der Umgang der Behörden mit ihm einen Verstoß gegen ein Grundrecht darstellt, das ist ein wichtiger Baustein dazu, dass neu verhandelt werden muss.

Hier könnt ihr ihren Beitrag lesen.

Auf diese Meldung der kobinet-Nachrichten bezieht sie sich: Bundesverfassungsgericht gibt Markus Igel erneut Recht.

 

Justitia | 365tageasatzadayQuelle: Bild von pixel2013 auf Pixabay