Von Spitzohren, zwei Drachen und einem Androiden

Kurz gesagt: Wir schreiben 2019, und vor einer Woche war Maskenzauber an der Alster in Hamburg. Nachdem ich mich jedes Mal aufs Neue dazu wiederhole, verweise ich für Infos jetzt einfach mal auf meinen Ankündigungspost („Maskenzauber für Kurzentschlossene„) und auf die Fotos vom letzten Jahr („Maskenzauber 2018: die Bilder„). Vielleicht mag ja auch der eine oder die andere vergleichen. Es sind nämlich viele Wiederholer dabei, und manche tauschen auch die Kostüme.

Es war wunderbares WARMES Wetter und der Zaubertrank (der neue Räume hat!) war auch wieder dabei. Meine Fotos sind wieder Doppelportraits (oder Viererportaits), außerdem habe ich manchmal zwei Masken kombiniert … oder, oder oder. Der eine Drache lief auf Stelzen, der Baum war nicht dabei, und wo der Mensch ohne Kopf geguckt hat, habe ich auch nicht rausbekommen. Ebenfalls sieht man nicht, dass die eine Elfe fast überwiegend an einer Straßenlaterne herumhing (was man halt so tut, wenn man Flügel hat). Das ist der Nachteil von Portraits, aber irgendwas ist ja immer. (Ja, ich finde diese Kontaktlinsen auch total irritierend.) Frage für Fortgeschrittene: Ist der Hund ein Leonberger?

Wer mehr sehen möchte (zum Beispiel, wie die Masken von Kopf bis Fuß ausgesehen haben), findet hier die Links zur Facebook-Maskenzauber-Gruppe (öffentlich sichtbar) und zur Maskenzauber-Sektion in der fc (fotocommunity).

Es würde mich freuen, wenn euch die Bilder gefallen, ich jedenfalls hatte viel Spaß. Die Fotos kann man allesamt groß klicken, dass es sich lohnt und ich gern eure Highlights wüsste, ist klar, oder?

 

Quelle: ichmeinerselbst, aber sowas von

 

 

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Vom Winter und dem Vorfrühling

 

Keine Wolke stille hält

Keine Wolke stille hält,
Wolken fliehn wie weiße Reiher;
keinen Weg kennt ihre Welt,
und der Wind, der ist ihr Freier.

Wind, der singt von fernen Meilen,
springt und kann die Lust nicht lassen,
einer Landstraß‘ nachzueilen,
Menschen um den Hals zu fassen.

Und das Herz singt auf zum Reigen,
schweigen kann nicht mehr die Brust;
Menschen werden wie die Geigen,
Geigen singen unbewusst.

(Max Dauthendey, Keine Wolke stille hält, aus: Der brennende Kalender, 1905, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 226)

 

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

(Rainer Maria Rilke, Vorfrühling. In: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, etwa 20. Februar 1924), Online-Quelle)

 

Frühling.

Frühling.
Ein erstes Blühen
In zarten Frühen,
Vom Himmelssaum
Ein Stern noch schaut.
Ein Lercheschlag
Im stillen Raum,
Weit vor Tag
Und sonst kein Laut.
O Liebe.

(Georg Heym, Frühling, aus: Frühwerk, in: Georg Heym, Dichtungen und Schriften, Gesamtausgabe, Band 1: Lyrik, Verlag Heinrich Ellermann 1964, Online-Quelle)

 

Krokusse | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst vor drei Tagen

 

Wie sehr ich dieses „Zärtlichkeiten, ungenau“ liebe, bezogen auf Landschaft … Und klar, es ist noch bisschen früh für Lerchen, hier sind es eh mehr die Amseln, aber ist das nicht toll?

Habt eine gute neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.19 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram

Ich habe mir schon überlegt, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, ob ich jetzt ausflippen und herumkreischen müsste, als ich mir die Zahlen angesehen habe. Aber dann hatte ich doch keine Lust auf so viel Anstrengung.

Nichtsdestotrotz dürfen wir eine neue Spitzenbeteiligung feiern! Vorbehaltlich dessen, dass ich nicht wieder wen vergessen habe, haben wir ZWEIUNDSECHZIG Etüden von 28 teilnehmenden Blogs, Stand ohne Nachzügler. („Nachzügler“ sind alle Etüden, die nach dem Erscheinen neuer Wörter noch zu einer alten Schreibeinladung dazustoßen. Sie sind willkommen, werden aber von mir hier nicht mehr extra groß gefeiert.) Lasst es sacken und atmet noch mal tief durch. 62! Und ihr seid dabei! Letztes Jahr im Herbst, als wir in den 2-Wochen-Rhythmus eingestiegen sind und ich zum ersten Mal gezählt habe, waren wir 16 Blogs mit 23 Etüden. Wenn Zahlen einen Erfolg messen, dann, Freunde, ist das einer!

Die Gewinnerin des Blumenpotts für die meisten Etüden ist dergl mit 8 Etüden, was mich zwar für die Etüden freut, aber von der Anzahl her nicht so bleiben wird, auch klar. Abgeschlagen liegen dahinter Petra (die Wortspenderin) mit 7, Werner und Alice (hey, Alice startet durch!) mit jeweils 5 Etüden. Sehr fein!
Neu zu begrüßen habe ich Svens kleiner Blog und Die Waldträumerin und Corlys Lesewelt. Herzlich willkommen bei den abc.etüden!

Hier ist die Liste für das Lesen beim Sonntagmorgenkaffee (oder so), und wie immer, checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und falls jemand fehlt oder sonst was falsch ist, dann brüllt!

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier, hier und hier
Miki auf Miki: hier, hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier, hier, hier, hier und hier
Sven auf Svens kleiner Blog: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier, hier und hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier, hier, hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier und hier
fraggle auf reisswolfblog: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Nicole auf Die Waldträumerin: hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Stepnwolf auf Weltall. Erde. Mensch…und Ich: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Alice auf worteausdemwunderland: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Agnes auf Agnes Podczeck: hier

Ebenfalls wie immer vielen Dank an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 08/09 des Schreibjahres 2019 kommen von unser gefühlt uraltgedienten Etüden-Mitstreiterin Sabine und ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Vielleicht gibt es ja auch wieder ein paar neue Anton-Etüden, jetzt, wo er wieder zurückverwandelt wurde? Egal, ich freue mich!
Die neuen Begriffe lauten:

Lesezeichen
altersschwach
hüpfen.

 

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern (und ja, ich meine das so. 300. NICHT MEHR!).
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten Wörter gibt es am 03. März 2019. Euch viel Spaß und gute Ideen!

UPDATE! dergl hat in einem Kommentar ihre alte Idee für einen Adventskalender aufgegriffen. Ich finde sie gut, und es sieht ja auch so aus, als ob wir genug mitschreibende Blogs hätten, was also haltet ihr davon, erst mal ganz ins Unreine gefragt? Hier ist ihr Kommentar.

 

 

Etüden 2019 08+09 | 365tageasatzaday

 

Etüden 2019 08+09 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

Schröder, übernehmen Sie! | abc.etüden

Heute war wieder einer dieser Tage, wo er ihr nichts recht machen konnte. Dabei war er an den Winterreifen ohne vorwurfsvollen Seitenblick vorbeigegangen (sehr schmutzig, jemand würde sich darum kümmern, aber nicht er) und hatte die wehende, trocknende Wäsche ignoriert (sowieso nicht seine Aufgabe). Doch einfach nur draußen auf der Bank in der Sonne sitzen, seinen Gedanken nachhängen und die frisch erblühten Krokusse bewundern, das durfte er offensichtlich auch nicht.

Er hörte, dass sie am Telefon sprach. Bestimmt mit ihrer komischen Freundin.
„Wenn das jeder hier machen würde! Weißt du, manchmal würde ich am liebsten alles hinschmeißen und mich auch raus in die Sonne setzen und darauf warten, dass wer mit Kaffee und Kuchen vorbeikommt. Aber nein, an mir bleibt wieder mal alles hängen. Hier sieht es aus, das kannst du dir gar nicht vorstellen! Gestern Abend bin ich gestolpert und fast hingeschlagen, weil hier keiner seinen Dreck alleine wegmachen kann, nicht mein wertgeschätzter Ehemann und die Kids schon mal gar nicht. Was glauben die, wer ich bin, die Putzfrau? Ich sag’s dir, ich hab so einen Hals, SO EINEN HALS, glaub mir.“

Weia. Das roch nicht nur nach dicker Luft, das klang nach Krise. Er war insgeheim überzeugt, dass sie ein bisschen eifersüchtig auf ihn war, weil er das Leben so gelassen anging. Schröder, übernehmen Sie! Deeskalierende Maßnahmen waren dringend angezeigt.

Den Kaffeepott in der einen Hand, das Handy in der anderen kam sie zu ihm und ließ sich neben ihn fallen. Sie schloss die Augen und hielt das Gesicht in die wärmende Vorfrühlingssonne. Amseln und Meisen machten Radau, sonst war alles friedlich. Auch sie.

„Na?“, sagte sie irgendwann vorsichtig in seine Richtung.
Geht doch, dachte er.

Langsam stand er auf, setzte sich auf ihren Schoß, rollte sich zusammen, blinzelte noch einmal in die Sonne und begann zu schnurren.

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Petra Schuseil und lauten: Winterreifen, eifersüchtig, stolpern.

Ja nee, ist klar, oder? Fellträger neigen dazu, sich selbst als den Nabel des Geschehens zu begreifen, was jede*r Dosenöffner*in weiß. Außerdem haben sie meist eine eigene Meinung zu allem. Manchmal schweigen sie allerdings auch. Mehr oder weniger.

Ulli hat ihre letzte Etüde in den Kommentaren spaßeshalber als „Plattitüde“ bezeichnet. Ich werde etwaige Fellträger-Etüden ab jetzt (daran angelehnt) „Kattitüden“ nennen, danke schön! Und: Hatte nicht neulich schon mal wer „… übernehmen Sie“ im Titel, oder bilde ich mir das nur ein?

 

Maskenzauber für Kurzentschlossene

Wer bei mir schon ein bisschen liest, der weiß, dass ich alle Jahre wieder in schöner Regelmäßigkeit Werbung für den Maskenzauber an der Alster mache. Den Traum vom Karneval in Venedig, einzigartig und wunderschön. Die Kostüme sind alles von venezianisch über historisch bis Fantasy oder einfach schlicht. Die Gewandeten sind zwischen sehr jung und alt, viele sind jedes Jahr dabei – die Fotografen übrigens auch ;-)
Es ist, mit einem Wort, ein Ereignis. Jedes Jahr aufs Neue. Kommendes Wochenende.

 

Die Termine für dieses Jahr sind:

Samstag, 16. Februar 2019
Flanierende Masken an den Colonnaden 11:00 bis 12:30 Uhr
Flanierende Masken an den Alsterarkaden 12:30 bis 14:00 Uhr
Höhepunkt Alsterarkaden ca. 13:30 Uhr

Sonntag, 17. Februar 2019
Flanierende Masken an den Alsterarkaden 15:00 bis 16:30 Uhr
Höhepunkt Alsterarkaden ca. 16:00 Uhr
Flanierende Masken an den Colonnaden 16:30 bis 17:30 Uhr
Gemeinsames Abschlußdefilée 17:30 Uhr

Startpunkt Colonnaden Mitte beim Bocksbeutel

 

Besagter Maskenzauber ist umsonst und draußen, bei jedem (!) Wetter (er war auch schon mal an einem Wochenende, als die Alster zugefroren und freigegeben war), und besteht aus einem Defilee zwischen den Colonnaden über den Jungfernstieg an der Alster entlang und durch die Alsterarkaden hindurch zum Rathausmarkt. Auf dem Rathausmarkt findet alle Jahre wieder der gleiche Tanz statt, dies ist der Höhepunkt der Veranstaltung.

Ich hatte mir überlegt, ob ich dieses Jahr dazu was auf den Blog stellen wollte oder nicht. Endgültig entschieden hat das ein Newsletter des ebenfalls von mir schon häufiger erwähnten Zaubertranks (hier und hier; yes! alive and kicking!), in dem Hans-Georg der Welt mitteilt, dass er doch dabei ist, was bisher in den Sternen stand. Es steht immer noch nicht auf der Zaubertrank-Homepage, ich hoffe also, dass ich, wenn ich Samstagmittag auf dem Rathausmarkt bin, dort die wohlbekannte mittelalterliche Bude des Zaubertranks sehe – denn Maskenzauber ohne Zaubertrank, das geht eigentlich gar nicht.

Wer noch ein bisschen in Bildern schwelgen will, findet Impressionen aus den letzten drei Jahren hier, hier und hier.

Die Wettervorhersage verspricht trockenes bis sonniges Wetter zwischen 8 °C und 11 °C für das Wochenende. Ich habe bisher vor, an beiden Tagen dort zu sein, und falls ihr Lust bekommen habt und vorbeischauen wollt, lasst es mich gern wissen, ich würde mich freuen.

 

Maskenzauber 2018 Teaser | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Vom Regen und …

 

Regenwetter

Meinen Mantel umgeschlagen
Schweif’ ich einsam durch die Straßen.
Nebelgraues Regenwetter –
Grau der Himmel – grau die Gassen.

Nebelgraues Regenwetter –
Doch an Blumenfenstern lauschen
Lächelnd rosig schöne Mädchen,
Möchten nicht mit mir dort tauschen.

Und sie lächeln, und sie sprechen:
„Jener hat wohl einen Sparren,
Der im Regen dort umherläuft –
Seht den langen blassen Narren!“ –

Ei was kümmert mich der Regen!
Der ist minder mir beschwerlich,
Als das Blitzen eurer Augen –
Dieses wird mir sehr gefährlich.

Denn von eurer Augen Gluthen
Brennt mein Herz, das ohne Schutz ist,
Während gegen Regenfluthen
Mir mein Regenmantel nutz ist.

(Heinrich Seidel, Regenwetter, aus: Blätter im Wind, Online-Quelle)

 

Regen

Der Regen rinnt schon tausend Jahr,
Die Häuser sind voll Wasserspinnen,
Seekrebse nisten mir im Haar
Und Austern auf des Domes Zinnen.

Der Pfaff hier wurde eine Qualle,
Seepferdchen meine Nachbarin.
Der blonde Seestern streckt mir alle
Fünfhundert Fühler zärtlich hin.

Es ist so dunkel, kalt und feucht.
Das Wasser hat uns schon begraben.
Gib deinen warmen Mund – mich deucht,
Nichts bleibt uns als uns lieb zu haben.

(Klabund, Regen, aus: Die Harfenjule, Berlin 1927, Online-Quelle)

 

Himmelsmärchen

Nun sind wir wieder unter uns Göttern,
Sagte der Mond, als der Abend dunkelte,
Und winkte zum Reigen den Planeten,
Seinen Vettern.
Das Goldblut funkelte
Durch demantene Schleier,
Wie sie langsam sich drehten
In festlich melodischem Schritt.
Dann reichten sie die Leier
Der Erde, Scheherezade,
Und alle lauschten
Ihrer glorreich wilden Ballade.
Die Nacht summte träumerisch mit.
Die Tränen rauschten.

(Ricarda Huch, Himmelsmärchen, aus: Herbstfeuer, 1944, Online-Quelle)
(Schaut mal, Gerda, Bruni, ihr anderen, ich hab „Herbstfeuer“ (und mehr) von ihr online gefunden: hier.)

 

Sonnenuntergang | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

Der Hausdrache | abc.etüden

Sie war die, die eingeladen wurde, weil man Paare immer zusammen einlud. Weil sich das so gehört.
Ihn hingegen wollten alle. Er sah gut aus, war gebildet und redegewandt. Konnte eine Pointe so fein einfärben, dass eine leichte Zweideutigkeit mitschwang, die gewisse Damen höchst interessant fanden. Geistvolles, unverbindliches Geplänkel war sein Metier. Er glänzte gern und gut.

Lief da mehr? Man munkelte davon, aber man wusste es nicht. Jedenfalls hatte er diese Gattin. Warum er die mal geheiratet hatte, er hätte doch bestimmt jemanden finden können, der passender gewesen wäre. Sie wird wohl Geld gehabt haben oder vielleicht auch andere Qualitäten, na, wir waren alle ja mal jung.

Sie wusste Bescheid. Sah sich im Zerrspiegel der Damenrunden zu einem eifersüchtigen Monster mutieren, das besessen über seine Pfründe wachte und dem armen Mann jeden ach so unschuldigen Spaß vergällte.

Oh ja. Tat sie.
Wenn die wüssten.

Mit Küssen auf dem Stadtfest hatte es angefangen, hinter dem Feuerwehrschuppen mit den Winterreifen. Sie war unerfahren und voller Ideale, hatte naiv an Liebe geglaubt, hatte sich begehrt gefühlt und war an seiner Hand in eine höchst erwünschte Ehe gestolpert.

Das böse Erwachen kam bald. Sie war zwar eine glanzvolle Trophäe, aber er verlor schnell die Lust an ihr. Auch weil sie darauf bestand, dass er sein Leben änderte. Wollten sie nicht das Gleiche?
Er entzog sich, machte sein Ding und überließ ihr den Rest. Ihre Existenz war schließlich bequem und schützte vor allen anderen Ansprüchen, die man vielleicht an ihn hätte stellen können, vor allem emotionaler Natur.

Scheidung? Da war die Familie, und wohin hätte sie gekonnt? Man hatte sie nicht für ein selbstständiges Leben erzogen. Der ewige Prinz hatte sie in der Rolle des Hausdrachens etabliert und sie hatte es zugelassen.
Sie hasste ihn. Ließ es ihn spüren.
Sie hasste sich.
Leben?
Verarscht.

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Für die abc.etüden, Wochen 06/07.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Petra Schuseil und lauten: Winterreifen, eifersüchtig, stolpern.

Ich bin gerade definitiv nicht heiter, tut mir leid. ;-)

 

Alltag | Februar

Lieber Himmel, wo ist die Zeit hin? Vergangenes Wochenende bat Ulli wieder darum, ihr (und euch) ein Stück von meinem Alltag zu zeigen. Und ich? Ich habe – nichts. Oder zu viel.

Zu.viel.zu.tun.  Viel.zu.viel.zu.tun.

Es bleibt alles liegen, denn ich kämpfe einen großen Berg Arbeit nieder. Für den ich, nebenbei bemerkt, sehr dankbar bin, denn die letzten drei Monate waren eher mau, die Einkünfte daher auch, und nein, ich habe nicht vor, öffentlich in mehr Details zu gehen.

Aber gerade fehlt es an Zeit für alles. Blog, Wäsche, Haushalt, Einkaufen, Freizeit … und wenn dann so was wie gestern/am Wochenende passiert, dass mein Internet crasht, dann fliegt mir mein enger Zeitplan um die Ohren und ich sitze jammernd hier rum: Ich hole es nach, ich hole es nach. Weil, wenn man schon ein Schreibprojekt hat, dann sollte man sich auch kümmern. Mein Anspruch an mich. Leute, ich kann grad nicht, ich komme in den nächsten Tagen rum. Irgendwann.

Nicht zu kurz kommt die Zeit für den Fellgenossen, der fordert jeden Abend seine halbe Stunde Spielen mit der Fellangel ein, wenn nötig, mit Zähnen und Klauen. Leider kann ich ihn nicht dabei nicht fotografieren, es sind Bilder für die Götter.

Also habe ich nur ein Foto mit Aussicht für euch. Ziemlich grau und ziemlich unspektakulär wie mein Alltag zurzeit. Normalerweise kommt ein ganzer Trupp, aber hier war es nur eine Blaumeise, die nachsah, ob das Eis an der Vogeltränke wieder weg war. Ich liebe meine tierischen Besucher, gefiedert und nicht gefiedert. Und der Fellträger hat dann Katzenkino.

 

Blaumeise | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Störungsmeldung.

Ich bin ohne Internet und Telefon (Festnetz).

(UPDATE! NEIN, NICHT MEHR! Ein Hoch auf o2, es hat nur 30 Stunden gedauert!)

Da ich IMMER meine Beiträge über den PC verfasse, fühle ich mich mit der Handy-App gerade reichlich fremd, was optische Gestaltung etc. angeht.

Liebe Etüdenmenschen, liebe Mitblogger*innen! Ich komme bei euch vorbei, sobald ich kann, ich hoffe, es wird nur eine Frage von Stunden und nicht von Tagen sein. Ich bin völlig genervt — auch, weil ich meine Internet-Kapazitäten für den Job brauche, da muss der Blog zurückstehen. Ach, es ist zum … Röcheln.

 

Bumerang

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.

(Joachim Ringelnatz, Bumerang, aus: Turngedichte, 1923, Online-Quelle)

 

Mondsichel | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kommt NATÜRLICH gut in die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.19 | Wortspende von Petra Schuseil

DAS hätte ich nicht für möglich gehalten! Ich war der Meinung, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, dass sich die große 5 bei der Etüdenanzahl wirklich lange halten würde. Aber, was soll ich sagen …

… ihr habt geschrieben wie die Wahnsinnigen! Was die Statistik anbelangt und vorbehaltlich dessen, dass ich nicht wieder wen vergessen habe, haben wir EINUNDFÜNFZIG Etüden von 26 teilnehmenden Blogs, Stand ohne Nachzügler. („Nachzügler“ sind alle Etüden, die nach dem Erscheinen neuer Wörter noch zu einer alten Schreibeinladung dazustoßen. Sie sind willkommen, werden aber von mir hier nicht mehr extra groß gefeiert.) Damit sind die Wörter des Etüdenerfinders nicht getoppt, aber zumindest eingestellt, können wir uns auf „eingestellt“ einigen? Unglaublich. Wie gesagt, ich hätte es nicht gedacht.
Auch in diesen letzten zwei Wochen dominiert m.mama das Etüdengeschehen mit 7 Etüden, gefolgt von dergl mit 6 und Werner Kastens mit 5 Etüden. Funkelnagelneu bei uns ist der Blog „Make a choice Alice“ mit einem sehr gemeinen Kurzkrimi.

Hier ist die Liste für das Lesen beim Sonntagmorgenkaffee (die WP-Statistik informiert mich, dass mein/e beliebteste/r Zugriffszeit und -tag sonntags um 9 Uhr wäre, ich habe da so eine Idee, woher das wohl kommt …):

dergl auf Die Tintenkleckse sehen aus wie Vögel: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Miki auf Miki: hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
LadyAngeli auf Mein Leben ist bunt: hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier, hier, hier und hier
Rina auf Geschichtszauberei: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier, hier und hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier, hier und hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
m.mama auf Mein Name sei MAMA: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Berta auf Zuhause im Drei-Kronen-Land Schweden: hier
Werner Kastens auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier, hier, hier und hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier
Alexandra auf Blätterflug Gedankenschnuppen: hier
Alice auf worteausdemwunderland: hier
Petra auf Wesentlich werden: hier und hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Frau Vro auf vro jongliert: hier
Gerda auf GERDA KAZAKOU: hier
René auf From a friend of Friends or How Überweiss changed my life: hier

Wie immer, checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und falls jemand fehlt oder sonst was falsch ist, dann brüllt!
Ebenfalls wie immer vielen Dank an alle, die gelesen, gelikt und kommentiert haben!

Die Wörter für die Textwochen 06/07 des Schreibjahres 2019 kommen aus der Schweiz, und zwar von Petra Schuseil und ihrem Blog Wesentlich werden. Ich freue mich!
Die neuen Begriffe lauten:

Winterreifen
eifersüchtig
stolpern.

 

Der Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt nicht auf die nächste Liste, das wäre doch schade, oder?
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright.
Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen.

Die nächsten Wörter gibt es am 17. Februar 2019. Euch viel Spaß und gute Ideen und beste Gesundheit!

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzaday

 

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

Für das Leben | abc.etüden

 

Liebster,
meine weise Freundin hat mir geraten, dass ich dir einen Brief schreiben soll. Einen, in dem ich Dank sage.

Ich danke dir also für all das, was in unserer Liebe besonders war: für das Wir, die überschäumende Verrücktheit, die geistigen Höhenflüge, die unendliche Anziehung und das seidige Leuchten. Dafür, dass du in mir das gesehen hast, was noch keiner außer mir gesehen hat, dass du mich für das geliebt hast, wofür mich noch keiner geliebt hat, auch ich nicht, und dass du scheinbar keine Grenzen akzeptiert hast. Dafür, dass ich dich erkennen durfte. Mit dir zusammen hatte ich das Gefühl, dass alles möglich ist. Wir waren trotz allem auf Augenhöhe, zumindest eine Zeit lang.

Ja, wir haben das Ding an die Wand gefahren. Mich hat das fast zerrissen. Es ist sehr großzügig von dir, dafür die Verantwortung zu übernehmen, und sehr bequem für mich. Wahr ist, dass wir Unterschiedliches gewollt und gekonnt haben. Dass wir fehlerbehaftete Individuen sind, die sich durch ihre eigenen Dschungel schlugen und dabei auch beim anderen Wunden hinterließen. Ich trage noch daran, aber es war nie böse Absicht, denke ich, sondern eher, wie sagt man, Kollateralschaden.

Unsere Wege haben sich getrennt, du hast einen anderen Weg eingeschlagen als ich. Mich hätte deiner zerstört, ich weiß es so sicher, wie ich nur etwas weiß.
Dir nur Gutes für dein neues Leben. Sei glücklich. Pass auf dich auf.

***

Sie stöhnte. Wann hatte sie zuletzt so viel mit der Hand geschrieben? Na, egal. Das Blatt in die Salatschüssel aus Porzellan gelegt ging sie nach draußen auf die Terrasse und hielt ein Streichholz daran. Sie hatte Tränen in den Augen, als der Brief aufflammte und zu Asche verbrannte.
Mit einer Handbewegung wischte sie die Salatschüssel vom Tisch, die auf dem Steinboden in fünf Scherben zerbrach.
Sie nickte beifällig.
Vorbei.

 

Etüden 2019 04+05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 04/5.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Myriade und lauten: Salatschüssel, seidig, übernehmen.

Mich hat meine Etüde von letzter Woche („Die Doku“) nicht losgelassen, ich musste unbedingt nach einem Abschluss, einer Wendung suchen, der/die für mich passte. Beim Schreiben habe ich dann wieder mal festgestellt, dass ich so gar nicht der Typ für Bösartigkeit und schmutzige Wäsche bin. Nicht mal in den Etüden. (Manchmal finde ich das schade, aber wirklich nur sehr selten.)
Ich bin auch in der Realität so, ich empfinde das künstliche Hineinsteigern in tatsächliche oder gefühlte Kränkungen als Zeitverschwendung und Energie für die falschen Kanäle – nicht zu verwechseln mit einer sachlichen Bestandsaufnahme.
Also musste es anders gehen. Tatsächlich fühlt sich mein schreibendes Ich/die Protagonistin jetzt besser.

Ja, das ist unbedingt die Salatschüssel aus der letzten Etüde. Nein, nicht die aus dem Bild, die ist zu hübsch.

Bin gespannt, was ihr sagt.

 

Vom Winter und dem Kummer

 

Das Dunkel geht nicht aus den Dingen heraus

Ein früher Abend schleicht im Haus herum,
Er löscht die Farbe deiner Wangen aus
Und hängt dir seine Blässe um.

Maibäume stehen im Regen gebückt,
Die Berge dampfend voll Wolken wehen,
Deine Brust ist dumpf wie der Abend bedrückt.

Das Dunkel geht nicht aus den Dingen heraus,
Dein Gesicht allein leuchtet weiß hinaus
Und sieht starr wie die Maske des Kummers aus.

(Max Dauthendey, Das Dunkel geht nicht aus den Dingen heraus, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 263)

 

Nicht alle Schmerzen sind heilbar

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

(Ricarda Huch, Nicht alle Schmerzen sind heilbar, aus: Herbstfeuer. Gedichte, Insel Verlag zu Leipzig 1944, Quelle)

 

Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

(Rainer Maria Rilke, Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden, 1899, in: Das Buch vom mönchischen Leben, aus: Das Stundenbuch, Online-Quelle)

 

Steinlöwe | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ja, ich weiß, dass es noch nicht Mai ist. Kommt dennoch gut in die neue Woche!