Über Träume | abc.etüden

Heute war der große Tag, an dem er 13 wurde, und heute würde ES passieren, er war so aufgeregt! Mit seiner Mutter ging Lukas auf den Korb des Heißluftballons zu, wo die anderen Passagiere schon warteten.

Der Mann stellte sein Stativ in einiger Entfernung auf, befestigte mit geübten Handgriffen die schwere Kamera mit dem dicken Tele und fluchte, weil sich ein Bein in den unbefestigten Boden bohrte. Egal, Fotos und ein kleiner Film waren das Mindeste, was er tun konnte, er würde es durchziehen, sein eigener Kindheitstraum war genau das, ein Traum, jetzt ging es um seinen Sohn, der vor Aufregung bestimmt die letzten drei Nächte nicht geschlafen hatte und diesem Sonnenaufgang entgegenfieberte, seit sie ihm gesagt hatten, was er zum Geburtstag bekommen würde. Natürlich hatte Lukas dann alles über Heißluftballons und Wetterbedingungen in sich aufgesaugt; er war in seinem Alter nicht anders gewesen.
Ach, so gern wäre er jetzt mit ihm in diesen Korb geklettert, aber er brauchte gar nicht damit anzufangen, irgendwelchem Stress in seiner gescheiterten Ehe nachzuspüren und die Schuld zu geben, er hatte schlicht und ergreifend schon immer diese verdammte Höhenangst, die so schlimm war, dass ihm sogar auf jeder Leiter schlecht wurde.
Und er hatte es vor Lukas nicht zugeben wollen, hatte aus abergläubischer Angst, ihn mit seinem Makel „anzustecken“, einfach geschwiegen. Später am Tag, wenn alles gut gegangen war, würde er ein Vater-Sohn-Gespräch mit ihm führen, das schuldete er ihm.

Als der Ballon majestätisch über seinen Kopf hinwegschwebte, entdeckte Lukas ihn und fiel vor Winken und Rufen fast aus dem Korb. Er war zum Glück zu weit oben und zu begeistert, als dass er gesehen hätte, dass seinem Vater dicke Tränen über die Wangen rannen.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 visitenkartemyblog 30.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de)

 

Ich hätte da zum Thema Träume und nicht errungene Sehnsüchte noch einen Gedichtlink: Isolde Kurz, „Über ein Glück“.

Und dank des Kommentars von Frau dergl (s. u.) gibt es auch ein Lied zum Tag: Wolfsheim, Kein Zurück

 

Für die abc.etüden, Woche 30.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena (visitenkartemyblog.wordpress.com) und lauten: Stativ, Kindheitstraum, nachspüren.

 

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Opa tut was für die Bildung | abc.etüden

Opa ist voll cool, vor allem, wenn er anfängt, schräg herumzulabern und sagt, dass er doch nur was für meine Bildung tun würde. Opa weiß Wörter, die Papa nicht versteht, und Mama sagt „Dein Vater!“ und rollt mit den Augen. Gestern Abend hat er uns eine halbe Stunde am Stück mit irgendwelchem Müll von früher zugetextet, nur, um mir hinterher zu erklären, dass man das „schwadronieren“ nennen würde – ey, danke, Mann, lass gut sein.

Danach hat er Papa angehauen, wo denn bei uns die Buddelkiste stünde, sein Hals wäre so trocken.
Papa so: „Im Garten, wo sonst?“
Und er: „Nicht im Keller, draußen ist doch warm?“
Papa mag nicht verarscht werden und war echt genervt, und dabei kam raus, dass Opa mit „Buddelkiste“ eine Kiste für Flaschen meint, nämlich für Bierflaschen, weil „Buddel“ vom französischen Wort für „Flasche“ käme und „Buddelschiffe“ ja auch in einer Flasche wären und nicht in einer Sandkiste.

Fakt ist, dass er bei uns ein, zwei kalte Bierchen zischen wollte, bevor er los ist in irgendeinen Club, das Tanzbein schwingen, wie er das nennt. Ich glaub ja, der hatte schon vorgeglüht, als er bei uns aufgeschlagen ist. Voll fit, und das in dem Alter, ich find den richtig krass.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 cafeweltenall 29.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Die Muse hat mich gefragt, liebe Ulli, als du beim letzten Mal verlauten ließest, dass ja wenigstens ich wüsste, was eine Buddelkiste sei, ob ich mir da so sicher wäre. Ich kenne Buddelkiste zwar nicht als „Kiste mit Flaschen drin“, aber die Herleitung ist korrekt. Warum aus der „Kiste zum Buddeln“ die Buddelkiste geworden ist und nicht aus der Kiste mit Flaschen wüsste ich gern …

Für die abc.etüden, Woche 29.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ulli (cafeweltenall.wordpress.com) und lauten: Buddelkiste, schwadronieren, Tanzbein.

Aus irgendwelchen Gründen hab ich dazu Peter Fox („Haus am See„) im Ohr, kann aber auch der Sommer sein …

 

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Wo der Buschfunk versagt | abc.etüden

Fünfundzwanzigjährige Abifeier ist so eine Sache: Die einen kommen, um zu schauen, ob der Zahn der Zeit nur an ihnen selbst so gnadenlos genagt hat, die anderen kommen, um endlos über die ach so guten Zeiten zu schwadronieren.
Thomas und Katrin hatten die gleiche piefige Kindheit auf dem Dorf verlebt, sie hatten einander schon in der Buddelkiste mit Sand beschmissen und später widerstrebend in der kleinstädtischen Tanzschule das Tanzbein geschwungen. Nach dem Abi waren beide erleichtert in unterschiedliche Ecken der Republik geflohen und hatten einander seitdem höchstens aus der Ferne gesehen, die Einfamilienhäuser ihrer Eltern lagen in derselben Straße, man kannte sich.

Aber jetzt verklönten sie begeistert den Abend miteinander, erinnerten sich an Peinlichkeiten und Heldentaten und daran, dass er für sie Mathe- und sie für ihn immer Latein-Hausaufgaben gemacht hatte. Und wären sie noch jünger gewesen und wäre in all den Jahren nicht so viel Wasser die Elbe heruntergeflossen und hätten sie nicht sowieso bestimmt alle ihr eigenes Leben, dann hätte sich Thomas Hals über Kopf in sie verknallt. Wobei „hätte“ falsch war, um ehrlich zu sein – er war seit geraumer Zeit Single und sie blockte alle Fragen zu ihrem Privatleben ab, was ihn hoffnungsvoll stimmte.

Schließlich wurde es spät und er bereitete sich gerade darauf vor, ihr tief in die Augen zu sehen und einen Wechsel der Lokalität vorzuschlagen, als ihr Handy ging und sie den Anruf annahm.
„Schade, Thomas, war ein schöner Abend, ich hab gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist“, sagte sie, als sie aufstand und zahlte, „aber das war meine Frau, die mag ich nicht warten lassen.“
Die rosa Wölkchen verpufften, er sah leicht dämlich drein und stammelte etwas davon, dass es ihn auch gefreut habe.
„Wenn du den Kopf nicht so anspannst, fällt das Brett leichter ab“, sagte sie grinsend und gab ihm einen schnellen Kuss auf die Wange, „du wusstest es nicht, und das bei unseren Müttern: Unglaublich, dass der Buschfunk versagt hat, was?“

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 cafeweltenall 29.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Für die abc.etüden, Woche 29.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ulli (cafeweltenall.wordpress.com) und lauten: Buddelkiste, schwadronieren, Tanzbein.

 

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Die Welt retten* | abc.etüden

Meine Geschichte kann man eigentlich keinem erzählen, die denken alle, dass ich was genommen hätte. Also, ich kapier ja normalerweise ja noch nicht mal Big Bang Theory. Das Ding ist aber seit ungefähr zwei Wochen: Ich fasse technischen Kram an, und wenn er ’ne Macke hat, weiß ich, was damit los ist. Einfach so, per Handauflegen quasi, kam buchstäblich über Nacht, fragt mich nicht.

Die erste, die sich drüber echauffiert hat, als ich es abends erzählt habe, war meine liebe Schwester, die brachte so Sprüche von wegen Angabe und ob ich jetzt größenwahnsinnig wäre und die Welt kontrollieren wollte. Ich meine, hey, seht es mal so, die ist ja bloß neidisch, bisher war sie immer die Weltretterin und Amateurhexe der Familie, so mit Räucherstäbchen, Tee und Meditationsmusik, inklusive tätowierter Mondsichel auf dem Rücken, in der eine fette Katze sitzt, ja, die Sorte, genau, kennt ihr vielleicht. Die kann das nicht gut ab, dass ihr kleiner Vollpfosten-Bruder ihr auf einmal die Schau stiehlt.

Aber dann hatte ich unserem Vater gesagt, als er uns zur Schule gefahren hat, dass das Auto zu wenig Bremsflüssigkeit hätte, und er hat es in der Werkstatt am gleichen Tag gecheckt und die Info war korrekt! Jetzt machen plötzlich alle einen riesigen Zirkus um mich, schwafeln was von Zäsur in meinem Leben und dass ich mir mit dieser Begabung wegen Geld in Zukunft ja wohl keine Sorgen machen müsste.
Leute, lasst doch mal stecken … hoffentlich geht das bald wieder weg, ich sag’s euch, es nervt echt.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 autopict 28.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

*Für den Ohrwurm bitte hier klicken.

Für die abc.etüden, Woche 28.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herrn autopict (autopict.wordpress.com) und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

 

 

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Frau Luna stiftet eine Ehe | abc.etüden

Nur nicht auf die Fugen treten! Seit seiner Kindheit lief Thomas meist mit gesenktem Kopf einher. Schließlich musste er seine Schritte kontrollieren, denn auf Pflaster- oder Gehwegfugen zu treten, brachte Unglück, oder? Oder nein, natürlich nicht, haha, er war doch nicht bescheuert, obwohl, vielleicht war da ja doch was dran … ach, man konnte sich einfach nicht sicher sein.

„Ey, du Idiot, pass doch auf!“ Thomas war es gewohnt, von Passanten, Radfahrern oder Skateboardern angerempelt zu werden, so auch an diesem Tag, den er später als „die Zäsur“ bezeichnete. Dieses Mal sah er nämlich auf, dem Rempler auf seinem Skateboard hinterher – und erstarrte: Am Frühabendhimmel hing eine riesig große, rötlich angehauchte, fast liegende Mondsichel.

Sie war so ungewöhnlich und so schön, dass Thomas zum ersten Mal auf seinem Heimweg stehen blieb, um den Mond zu bestaunen, und damit Aufsehen erregte. „Toll, nicht?“, sagte eine Frau neben ihm ehrfürchtig, und als Thomas sich irgendwann von dem Anblick losriss und weiterging, musste sie auch in seine Richtung. Und Thomas dachte nicht mehr an Pflasterfugen – fast ein noch größeres Wunder –, sondern schaute Maja an – denn so hieß sie –, und als sie sich trennten, waren sie schon für den nächsten Tag verabredet.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 autopict 28.17 | 365tageasatzadayVisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Für die abc.etüden, Woche 28.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herrn autopict (autopict.wordpress.com) und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

 

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Rausch | abc.etüden

Er hatte schon immer diese Sekunde geliebt, wenn die Achterbahn ihren höchsten Punkt erreicht hatte und quälend langsam vornüberkippte. Das Gefühl war einzigartig, erschreckte einen schier zu Tode und machte einen süchtig, wenn man aus dem richtigen Stoff dafür war. Aber ihm war das auf die Dauer nicht genug. Er wollte mehr, er brauchte den ultimativen Kick des Abgrunds.

Morgen würde er springen und alles aufs Spiel setzen. In einem Wingsuit dahingleiten wie ein Vogel, für wenige Sekunden wild und frei im Rausch des Lebens.
Er legte den Kopf in den Nacken und sah an den Glasfassaden der Straßenschlucht entlang. In der Mitte blieb sein Blick hängen und wurde in die Höhe gezogen: DER TURM.
Sein Schicksal, morgen.

Morgen Abend um diese Zeit war er entweder betrunken oder tot.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 wortbehagen 27.17 | 365tageasatzadayvisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Was ich über Basejumping und Wingsuit-Fliegen weiß ist wenig mehr als der Eintrag in der Wikipedia: Es wird als der gefährlichste Extremsport der Welt bezeichnet, die Todesrate ist echt hoch. Ich bin aus diesem Stoff nicht gemacht, ich hätte mein Leben gern einigermaßen kontrolliert, danke, meine Abenteuer finden woanders statt. Nur manchmal erwischt mich eine Sehnsucht nach dem Leben jenseits der Grenzen …  😉

Für die abc.etüden, Woche 27.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni (wortbehagen.de) und lauten: Achterbahn, Straßenschlucht, einzigartig.

 

 

Fallwind | abc.etüden

Vor einer Minute war noch alles okay gewesen: der Himmel blau, ihr Glück einzigartig, ihr Gang schwebend leicht. Bis sie sich umdrehte. Der Schreck ließ ihren Schritt stocken und traf sie wie ein Fallwind einen Schmetterling in einer engen Straßenschlucht: keine Überlebenschance.

Vor dem Eiscafé stand ER mit einer Frau zusammen, die all das war, was sie immer gern gewesen wäre, nämlich groß gewachsen und schlank, und die ihre blonden Locken herrlich lässig über die Schultern warf; und sie strahlten um die Wette, lachten und amüsierten sich prächtig! Allein dafür hasste sie sie spontan inbrünstig und kam sich einmal mehr klein und unscheinbar vor.

Sie fühlte sich wie gelähmt, am liebsten wäre sie unsichtbar in die Kanalisation gesickert. Der Tag war ruiniert, ach, es war nicht nur der Tag, es war doch ihr ganzes Leben! Verdammt sei diese Achterbahn der Gefühle, warum traf es immer wieder ausgerechnet sie?

Er sah sich um, entdeckte sie und streckte einladend den Arm nach ihr aus: „Schatz, wie schön, dass du auch hier bist! Komm zu uns, du kennst meine große Schwester noch nicht, oder?“

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 wortbehagen 27.17 | 365tageasatzadayvisuals: lz. (ludwigzeidler.de | odradet.de)

 

Ja, schon okay. Sag mir keiner, dass sie ein ernsthaftes Problem hat, was ihr Selbstbewusstsein angeht. Erzählt mir lieber, dass ihr so was nie kanntet …

Für die abc.etüden, Woche 27.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni (wortbehagen.de) und lauten: Achterbahn, Straßenschlucht, einzigartig.

 

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Regenetüde | abc.etüden

Der Regen hatte sich seinen großen Auftritt nicht entgehen lassen, es strömte seit Stunden nur so herab. Schön, wenn es denn sein musste, aber warum hatte der Sturm das alte Vogelnest dann nicht an seinem Platz gelassen, vorhin war es ihm fast auf den Kopf gefallen. Selbst der Baum tropfte, ganz zu schweigen von den Lachen auf dem Gehweg, die er sorgfältig umgangen hatte, weil er Nasswerden hasste.

Warum machte sie nicht auf?
War er zu leise gewesen, war der Wind vielleicht zu laut?
Schlimmer: Musste er sich Sorgen machen?

Da!

Sie öffnete die Haustür und seufzte beim Anblick des triefenden Geschöpfes. Sinnlos, sich schlafend zu stellen, selbst zu nachtschlafender Zeit, wenn der Fellträger auf dem Dach krakeelte und Abgetrocknet-Werden*, Ansprache und Futter einforderte.

Eine Viertelstunde später kuschelten sie sich beide ins Bett; sein zufriedenes Schnurren beim Putzen vermischte sich mit ihrem ruhigen Atem und dem gleichförmigen Rauschen, das von draußen hereindrang.

 

* Es gibt ja Leute, die der Meinung sind, ich verzöge meine Katze. Denen sei lediglich Folgendes erwidert: Möchtet ihr eine tropfnasse Katze oder eine erheblich trockenere Katze im Bett? Denkt doch mal praktisch. Denn dass er ins Bett darf (schließlich ist er kein Hund und es liegt extra für ihn eine Decke darauf), steht eindeutig nicht (mehr) zur Diskussion. Zu Hause gewähre ich ihm das Recht, dort zu sein, wo ich bin. Mit wenigen Ausnahmen.  😉

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 karin 26.17 | 365tageasatzadayVisuals as usual: ludwigzeidler

 

Aus aktuellem Anlass: Seit heute Nacht rauscht hier der Regen, mal stärker, mal schwächer. Ich finde es gemütlich (wir haben zum Glück kein Landunter wie die Berliner), der Fellträger inzwischen auch wieder.

Für die abc.etüden, Woche 26.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Karin und lauten: Vogelnest, sinnlos, Auftritt.

 

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Frau Zaunpfeifer strikes back! | abc.etüden

Konstanze Zaunpfeifer war dazu übergegangen, alle Smartphones in ihren Unterrichtsstunden einzusammeln und vor sich auf das Lehrerpult zu legen, so sehr gingen ihr die ständigen Pings und Vibrationsalarme in allen Ecken auf die Nerven. Sämtliche diesbezüglichen Verbote hatten sich in dieser Schule als sinnlos erwiesen, aber dass sie gelegentlich eigenmächtig WhatsApp-Nachrichten ihrer Schüler beantwortete, hatte ihr einen gewissen Ruf verschafft und dem einen oder der anderen mit Sicherheit zu einem peinlichen Auftritt bei den Empfängern verholfen. Oh, Hormone, oh, Pubertät, sie würde es ihnen schon zeigen!

Während ihr Kurs einen Text durcharbeitete, hatte sie wieder mal rein akustisch das Nachsehen. Nun, heute war sie in Stimmung, Abhilfe zu schaffen: Sie drehte ihre Haare zu einem Vogelnest zusammen und steckte sie energisch mit einem Stift auf dem Hinterkopf fest, dann griff sie sich das lebhafteste Handy, ignorierte den schockierten Blick eines Mädchens aus der letzten Bank, las kurz und tippte dann munter drauflos.

👋 @TimTheTiger, der der Lara aus der 10b gerade eine WhatsApp-Nachricht nach der anderen schickt. Als Deutschlehrerin finde ich’s natürlich 👍, dass du so gern ✏️. Trotzdem kann Lara dir im Moment kein Foto von ihren 🔔🔔 schicken, da ihr 📱 vor mir auf dem Tisch liegt.
Aber sei nicht 😢. Je länger dein 🌽 wartet, desto größer wird am Ende das 🎆!

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 karin 26.17 | 365tageasatzadayVisuals as usual: ludwigzeidler

 

Ja, sagt mir ruhig, dass ich keine Ahnung habe, wie es in Klassen heutzutage abgeht, dass Frau Zaunpfeifer alt aussieht, wenn sie eine PIN zum Entsperren des fraglichen Smartphones braucht, und dass das ein Bruch sämtlicher – äh – Rechte auf Privatsphäre oder so ist. Schon klar.

Aber dies, wertgeschätzte Leser/innen und Mitschreiber/innen, ist ja auch Fiktion besonderer Art. Ich stehe nämlich nicht nur gefühlt ständig mit einem Bein im Internet, ich hänge ebenso oft mit einem Ohr am Radio. Werbung empfinde ich normalerweise eher als Belästigung, eine der rühmlichen Ausnahmen ist jedoch seit vielen Jahren schon eine Kampagne, die deutschlandweit Werbung für Radiowerbung macht („Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf.“), und deren wechselnde Spots vermutlich jede/r von euch schon mal mitbekommen hat, so ihr (deutsches) Radio hört. Ich habe da absolut meine Lieblinge, ihr auch?

Es ist also wirklich durchaus möglich, dass ihr euch an die WhatsApp von Frau Zaunpfeifer aus dem Radio erinnert, denn sie ist ein Funkspot und ich habe sie übernommen. Falls nicht: Für das sensorische Multierlebnis UNBEDINGT nachhören.  🙂
UPDATE: Ich habe eben die Info erhalten, dass „in absehbarer Zeit“ der Spot „aus rechtlichen Gründen“ nicht mehr auf dem YouTube-Kanal der Radiozentrale sein würde. Also hört ihn jetzt und nicht erst nächste Woche!

 

 

Wer lieber lesen als hören möchte, findet HIER die Abschriften der ausgelaufenen Funkspots. Sucht über den Browser nach „Emoji“ (und/oder findet vielleicht unterwegs alte Bekannte). Und falls jemand ein Emoji für „Tisch“ kennt, das ein Firefox/Windows darstellen kann, möge er/sie es bitte in den Kommentaren posten. Im Original kommt ein Tisch-Emoji vor, ich habe keins gefunden.

Die schriftliche Wiedergabe des Funkspots in den Etüden erfolgt mit freundlicher Genehmigung der RADIOZENTRALE, Berlin. Vielen Dank dafür!

Für die abc.etüden, Woche 26.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Karin und lauten: Vogelnest, sinnlos, Auftritt.

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 26.17 | Wortspende von Karin

Dass „Badesalz“ so vielen mörderischen abc.etüden den Weg bereiten würde, hätte sogar ich nicht gedacht, und ich sollte es inzwischen ja nun wirklich besser wissen. Meiner Freundin und Wortspenderin Elke ging es wohl ähnlich. Sie schreibt:

An alle phantastischen Mitwirkenden!
Danke für eine zauberhafte Woche – mit herzhaften Lachern über so viel Phantasie und tolle Stories. Interessant, wie viel kriminelle Energie das Wort Badesalz hervorlockt!
Da Christiane mir angeboten hat, dass ich mich auf diese Weise sozusagen auf einen Rutsch bei euch allen bedanken kann, möchte ich das hiermit sehr gern in Anspruch nehmen.
Vielen Dank nochmals und Grüße an euch alle, ich lese ganz bestimmt weiter mit
Elke

Aus einer Woche, in der ich die Wörter schon als ziemlich speziell empfand, gleiten wir nun in eine Textwoche (KW 26.17) hinüber, in der die Wörter gefühlt breiter einsetzbar sind. Sie stammen dieses Mal von Karin und lauten Vogelnest, sinnlos, Auftritt. Nun denn, liebe Mitstreiter … äh, -schreiber und -schreiberinnen, worauf wartet ihr noch?  😉

Vogelnest
sinnlos
Auftritt

Regelkurzfassung: Maximal 10 Sätze, in denen diese drei Wörter vorkommen, klar? Einen Ping (also verlinken) und einen Kommentar hierhin, weil dies hier die zentrale Sammelstelle (das kann man in Hamburg gerade nicht so nennen, das ist jetzt eindeutig pro-Gipfel belegt) der koordinierende Beitrag ist für alle, die diese Woche lesen/mitschreiben wollen, auch klar?
Gut. Ab dafür.

Das obligatorische Kleingedruckte in Langform:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de), dem eigentlichen Erfinder der Etüden, jede Woche freue ich mich neu darüber, dass er sich weiterhin die Mühe macht. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 karin 26.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 karin 26.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 karin 26.17 | 365tageasatzaday

 

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