Fazit Textwochen 47.48.19, willkommen Adventüden!

Es ist Zeit, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, die reguären Etüden zu verabschieden, und zwar für die restliche verbleibende Zeit dieses Jahres. Denn in einer knappen Stunde geht auf diesem Blog das erste Türchen auf: HURRA, die Adventüden, der erste Etüden-Adventskalender, lächeln in die Runde! Nun, zu den Adventüden habe ich gestern schon mehr geschrieben (hier nachlesen), das muss ich also jetzt alles nicht wiederholen.

Ich komme also, wie es schon Tradition hat, zur Statistik. Als Bernd, von dem die letzten Wörter stammten, mir die „Unbehaustheit“ eingereicht hat, war mir klar, dass das auch ganz leicht unter „Herausforderung“ fallen hätte können, aber nein, erstaunlicherweise nicht. Obwohl: Ich HABE mich schwer damit getan, war in Gedanken immer bei so was völlig abgehoben Philosophischem. Nachdem ich das dann einer Figur unterschieben konnte, war ich gerettet …
Eingereicht wurden 55 Etüden von 31 sagenhaften Blogs (Stand ohne Nachzügler). Was für ein gelungener Abschluss! Die Liste führen die Puzzleblume und fraggle mit jeweils fünf Etüden an. Anna auf „Eulenschwinge“ hat sich an ihrer ersten Etüde versucht, was mich total gefreut hat, und Judith von „Mutiger leben“ hat bei Sabine Wortgeflumsel eine Kommentaretüde hinterlassen, die diese sofort bei mir gepostet hat: danke an euch beide!

Wie immer: Checkt bitte, ob alles mit euren Links okay ist, und meldet Fehler/Fehlendes oder ob sonst was falsch ist – ihr kennt das ja.

Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Die Fledermaus auf onlybatscanhang: hier und hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier, hier und hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier, hier, hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier und hier
Petra Schuseil auf Wesentlich werden: hier
fraggle auf reisswolfblog: hier, hier, hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier und hier
René auf Ein Blog von einem Freund. Von Humor. Und Spass. Aus Berlin. Im Ernst!: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Die Hummel im Hummelweb: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Anna-Lena auf Meine literarische Visitenkarte: hier, hier und hier
Bernd auf Red Skies over Paradise: hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Die Findevogelfrau aus dem Findevogelblog: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Resi Stenz in meinen Kommentaren: hier
Marion auf Findesatz: hier
Anna auf Eulenschwinge: hier
Viola auf viola-et-cetera: hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier
Judith von Mutiger leben in meinen Kommentaren, danke, Sabine: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Das andere Mädchen auf Das andere Mädchen: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Resi Stenz auf Resi Stenz: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Nachzügler: noch eine von

Natalie im Fundevogelnest: hier

Vielen Dank an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben!

Im Dezember ruhen die Etüden zugunsten der Adventüden. Wer aus den Adventüden-Wörtern Etüden nach den üblichen Regeln schreiben möchte, dem sei das nicht verwehrt, der sei aber gebeten, sie erst NACH ABLAUF des Adventskalenders zu veröffentlichen, soll heißen, ab dem 25.12. – denn ihr hättet ja (zumindest die meisten von euch) im Sommer das Etüdensommerpausenintermezzo lesen und mitschreiben können, gelle? Also habt bitte Verständnis.

Die regulären Etüden starten wieder am ersten Sonntag im neuen Jahr, das ist der 5. Januar 2020.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Wen ich vorher nicht mehr lesen sollte: Schöne Weihnachten, kommt gut rüber! Ich werde noch im Dezember die nächsten Wortspender ziehen (lassen) und anschreiben. Ich bedanke mich bei euch allen für ein wirklich ereignisreiches Etüdenjahr und bin sehr gespannt auf das nächste!

 

Adventüden 2019 Start | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Coming up next: Adventskalender! | Adventüden

Ich blogge ja nun schon seit ein paar Jahren, und eigentlich fand ich die Sache mit den Adventskalendern und dem ganzen Bohei drumherum immer spannend und ein bisschen aufwendig und nervig. Aber selber einen veranstalten? Womit? Kurz vor Weihnachten? Wo keiner so richtig Zeit hat?

Das war der Stand bis dieses Jahr, als dergl im Frühling vorschlug, man könnte ja vielleicht IN DER SOMMERPAUSE als Teil des Etüdensommerpausenintermezzos die Schreibaufgabe stellen, zu vorher zusammengesammelten Wörtern Etüden zu schreiben und die NICHT direkt zu veröffentlichen, sondern an mich zu schicken, auf dass ich sie als Adventskalender unter die Leute bringe. Die Konditionen: drei Wörter aus der Liste (einige haben mehr genommen, manche alle) in maximal 300 Wörtern. Das wurde dann begeistert aufgegriffen, was mich ziemlich erstaunte. Hier könnt ihr den Aufruf dazu noch mal lesen, nur dergl schreibt leider nicht mehr mit und hat mich gebeten, auch ihre sämtlichen Kommentare zu löschen, daher laufen alle Links diesbezüglich ins Leere. Ich sags nur.

O Wunder, die Etüden trudelten ein, die meisten sogar innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens. Der Witz ist, dass im Sommer die Zahl der Etüdenmitschreibenden signifikant sinkt, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass vermutlich die meisten einen Garten oder Ähnliches haben und jedenfalls keine Lust, so viel vor dem Rechner zu hängen.

Also hat dieser Adventskalender zwei Funktionen: Er soll Lust auf die regulären Etüden machen und er soll all die Schreibenden belohnen, die auch im Sommer bloggen.

Bedingung war von meiner Seite lediglich, dass der*die Beitragende bereits eine veröffentlichte Etüde hatte, und das Konzept ist insofern aufgegangen, als dass ich nur EINE Etüde von einem bekommen habe, der zu den sehr sporadisch Mitschreibenden gehört und EINE Etüde von einer, die in größeren Abständen mitschreibt – beide Etüden sind in meinem persönlichen Ranking weit oben und ich würde mich freuen, mehr und öfter von beiden zu lesen. Ansonsten finden sich hier die „üblichen Verdächtigen“: HERZLICHEN DANK an euch, die Etüden leben von/durch euch und eure Schreiblust.

Nun hätte es natürlich auch sein können, dass ich den ganzen Dezember komplett mit Etüden hätte füllen können. Hätte ich den Aufruf im Herbst gestartet, wo die Beteiligung wieder nach oben schnellt, wäre das vermutlich auch so gewesen. Aber, zweites „o Wunder“, wären alle gekommen, die sich angekündigt hatten, hätte ich für einen regulären Adventskalender nur eine Etüde zu viel gehabt. Nach dem Ausscheiden von dergl zog jedoch einige Wochen später leider auch noch der Etüdenerfinder seine Zusage zurück, sodass ich mit 23 Etüden dastand. Ich hatte zwar für einen derartigen Fall durchaus Zweit-Etüden in petto, aber eigentlich wollte ich, dass jede*r nur mit einer Etüde vertreten ist. Also habe ich nachnominiert und eine Schreiberin um eine Etüde gebeten, die nach der Sommerpause erst eingestiegen ist und in deren Protagonistin ich mich spontan verguckt habe. Ende Gelände.

Für alle, die jetzt immer noch fragen: Nein, ihr könnt nicht mehr mitmachen. Jedenfalls nicht in diesem Jahr. Und jedem, dem jetzt noch mit den Wörtern eine sooooo tolle Etüde einfällt (und ich bin sicher, das wird einigen von euch so gehen): Ich würde sie gerne lesen, aber erst, wenn dieser Adventskalender durch ist. Also zwischen Weihnachten und Neujahr. Weil – ihr hättet ja auch im Sommer mal in eure Reader schauen können, es ist ja nicht das erste Mal, dass es Etüdensommerpausenintermezzos gab.
Oh, nein, eine Liste, wer wann drankommt, gibt es nicht, die Türcheninhaber wissen ihr Datum aber. Mein Gedanke dazu war, dass man das bei einem normalen Adventskalender ja auch nicht weiß, was/wer drin ist. Hättet ihr es gern anders gehabt?

Morgen früh also starten die Adventüden (eine Wortschöpfung von René, die ich gern aufgegriffen habe). Jeden Tag öffnet sich ein Türchen mehr, die Etüden sind für kurz vor 6:00 Uhr in der Pipeline. Reblogs sind ab morgen offen, ihr könnt eure eigene Etüde also gern bei euch rebloggen, und ich/wir freuen uns wie immer herzlich über Kommentare.
Die „regulären“ Etüden verabschieden sich morgen früh in die Weihnachtspause und starten Anfang Januar wieder durch.
Nur entschieden, ob es auf diesem Blogtheme dieses Jahr schneien wird, habe ich noch nicht, aber im Radio habe ich schon zum ersten Mal das Theme von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gehört. Ja, es gibt Alternativen zu „Last Christmas“! Habt eine fröhliche, helle Zeit!

 

Adventüden 2019 Start | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Dunkle Zeiten – der Mann | abc.etüden

Nach der Diagnose war es ums nackte Überleben gegangen. Peter hatte die toxische Krankheit besiegt, mit dieser wunderbaren Frau an seiner Seite, die Tag und Nacht an seinem Bett gesessen und ungezählte Ängste ausgestanden hatte. Es hatte lange gedauert. Jetzt lebte er sich in den Vorruhestand ein.

Sie brach auf zu Mimis Geburtstagsparty, und er neckte sie wegen ihres farbenfrohen „Hasch mich, ich bin der Frühling“-Fähnchens im November. Wollte er mit? Bloß nicht. Er fühlte sich nicht besonders, und auf Mimis Mann konnte er verzichten. Martin war und blieb ein Vollhonk. Über seine ehelichen Qualitäten würde er sich kein Urteil erlauben, wohl aber über die fachliche Eignung seines ehemaligen Dozenten-Kollegen. Er hatte dessen Tiraden zur intellektuellen Unbehaustheit des modernen Mannes nicht vermisst.
Seine Marker waren konstant niedrig, aber sie machte sich immer noch Sorgen um ihn, obwohl sie es nie zugab. Er wollte sie nicht beunruhigen. Trotzdem würde er seine Aversion gegen Martin und seinen schlechten Whisky nicht überwinden. Sollte sie ruhig den Abend mit den Freunden ohne ihn genießen, ihn erwartete das neueste Segelflieger-Magazin.
Er beobachtete sie, wie sie leichtfüßig zum Auto schritt, sich umdrehte, ihn bemerkte und wieder zurückkam.

„Komm schon, du schwermütiger Grantler. Lesen kannst du auch morgen. Wenn Mimis Mann dich volllabert, dann rette ich dich. Wäre doch gelacht, wenn du keinen findest, mit dem du dich sonst unterhalten kannst.“

Er schwieg.

„Ist was?“, fragte sie.

Keine Frau glaubt einem, wenn man „Nein, Schatz, alles gut“ sagt. Also entschied er sich für die Wahrheit.

„Ich fühl mich nicht.“

„Soll ich hierbleiben? Willst du den Arzt anrufen?“

Verdammt, er hatte es doch gewusst.

„Ich glaube, ich bekomme die Grippe.“

Sie lächelte schief.

„Echt jetzt? Männergrippe oder was Ernstes?“

„Geh du nur und lass mich hier einsam sterben.“

„Hab dich lieb.“

„Ich dich auch.“

Dann war sie weg.

 

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 47/48.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bernd und seinem Blog Red Skies over Paradise und lauten: Unbehaustheit, schwermütig, haschen.

So sehr wie mich der Entwurf von Herrn autopict in den Kommentaren zu meiner letzten Etüde (hier lesen) inspiriert hat, so wenig habe ich in 300 Wörtern alles unterbekommen können. Vor allem nicht, als mir einfiel, dass und warum sie sich auch so verhalten könnte, wie sie es tut. Findet ihr das logisch so?

 

Dunkle Zeiten – die Frau | abc.etüden

Er sah von seinem Magazin auf und betrachtete die farbenfrohe Erscheinung vor ihm mit einer Mischung aus Bewunderung und Besorgnis.

„Muss ich mir Gedanken machen, ob du heute Nacht nach Hause kommst, Schatz?“
„Warum?“
„Na ja, ein bisschen ‚Hasch mich, ich bin der Frühling‘, dein Outfit, nicht? Du siehst schon aus, als ob du noch was vorhättest.“
„Ist doch Mimis Geburtstag. Ich hatte mein intellektuelles Schwarz plötzlich so satt.“
„Wenn du das sagst.“
„Du weißt, du kannst gern mitkommen. Mimis Mann freut sich bestimmt!“
„Ganz sicher, dann hätte er jemanden, den er mit Whisky abfüllen und mit seinen philosophischen Thesen zu Unbehaustheit und innerer Leere langweilen kann!“

Sie lächelte. So unrecht hatte er nicht.

„Du könntest widersprechen.“
„Darauf wartet der doch bloß. Auf ein Opfer!“
„Es ist sein Job, wofür ist er Dozent.“
„Schon richtig, aber ich gebe nicht seine Bühne.“
„Schade.“

Ein Kuss, dann verließ sie das Haus. Heute Abend würden sie Mimis 59. Geburtstag feiern. Schon klar, es war spät im Jahr und gefühlt nie richtig hell, aber manchmal verhielt sich ihr Lieblingsmann, als sei er schon jenseits der 80. Bisschen Frühling in seinem Kopf würde auch ihm guttun. Vitamin-D-Pillen. Sonne. Urlaub im Süden.
Sie stockte und drehte sich um. Er stand hinter der Gardine am Fenster und sah ihr nach. Sie winkte, dann ging sie zurück zu ihm.

„Komm schon, du schwermütiger Grantler. Lesen kannst du auch morgen. Wenn Mimis Mann dich volllabert, dann rette ich dich. Wäre doch gelacht, wenn du keinen findest, mit dem du dich sonst unterhalten kannst. Ohne dich macht es nur halb so viel Spaß.“

Schön, der letzte Satz war nicht mehr ganz wahr. Wahr war allerdings, dass sie nicht nachlassen würde, in ihn zu investieren. Bis dass der Tod … und so.

Sie schüttelte den Kopf über ihre Gedanken.
Verdammter November.

 

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 47/48.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bernd und seinem Blog Red Skies over Paradise und lauten: Unbehaustheit, schwermütig, haschen.

Ich hatte keine Lust auf Katastrophen und Abgründe. Manchmal ist der Alltag schon genug, auch wenn scheinbar gar nichts ist.

Update: Hier gibt es die Geschichte aus seiner Sicht, inzwischen etwas ausgereifter.

 

Bitterer Abschied | abc.etüden

Sie war sich nicht sicher, ob sie mehr wütend oder mehr traurig war. Glaubte die denn, dass Gefühle recycelbar waren wie die Zeitung von gestern?

„Du wirst schon wieder eine Freundin finden.“

Ha! Ja, sicher, aber es war ihr um SIE gegangen und sie hatte wirklich geglaubt, dass die Jahre, in denen sie alles geteilt hatten – Kummer, Freude, Verliebtheiten, Glück, Schmerz –, mehr wert seien als so einen herablassenden Spruch. War alles nur gespielt gewesen? „Best friends forever“, sie hatte es ernst gemeint, sie hatte sich ihr geöffnet wie nicht vielen Menschen vorher. Mehr und mehr war die Freundin zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden. Und nun war sie fort.

Irgendwann war ER in ihr Leben getreten, er, an dessen Seite sie jetzt ausreiste. Vorbei die viel diskutierten Zweifel, ob er endlich der berühmte Richtige wäre. Das Versprechen der Greencard, des Lebens im Land der gar nicht so unbegrenzten Möglichkeiten hatte letztendlich gezogen.
Liebe? Oder Schönrederei?

Wo waren ihre Ideale geblieben, die hatten sie doch gehabt?
Sie hatte sich wohl geirrt.
Und wenn schon in ihrer Freundin, worin dann noch?

„Wir sehen uns bestimmt bald wieder.“
Wer’s glaubt. Sie nicht.

Unten reihte sich das Flugzeug auf dem Rollfeld ein, und sie war sich ziemlich sicher, dass die Andere nicht am Fenster kleben würde, um die kleine Silhouette auf der Aussichtsterrasse des Flughafens zu entdecken. Ob man sie winken sehen konnte? Sie würde es trotzdem tun.

Einer liebt immer mehr. Eine Erkenntnis, auf die sie gern verzichtet hätte.

Der mächtige Airbus hob ab und verschwand gen Westen in Richtung Sonnenuntergang. Sie starrte in das Himmelsleuchten, bis ihre Augen brannten. Dann drehte sie sich um und machte sich auf den Weg durch das Terminal nach Hause, und es kümmerte sie nicht, dass man die Tränen sah, die über ihre Wangen liefen.

 

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 45/46.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte“ und lauten: Himmelsleuchten, recycelbar, ausreisen.

Nein, bitte, das ist NICHT so autobiografisch, wie es sich vielleicht liest, da fließt ziemlich viel an (eigenen und fremden) Erfahrungen zusammen.

 

Aus der Traum | abc.etüden

Will man noch ausreisen, wenn man die Hoffnung hat, das Haus der Väter heil durch die wechselhaften Zeiten zu bringen, wenn man selbst sich arrangiert hat und der „ausgerissene“ Bruder mit der Familie regelmäßig nach Hause kommt? Ich weiß es nicht. Ich vermute, dass der Traum unter der Realität verschüttging, falls es ihn gab, aber ich bin sicher, dass bei unseren Besuchen vieles nicht gesagt wurde, auch meinetwegen, schließlich war ich noch klein. Schwierigkeiten wurden in Alkoholika ertränkt, wobei man davon ausging, dass ich das nicht mitbekam, was damals ebenfalls stimmte.

„Schau, Christiane, die Berge dahinten, das ist schon im Westen“, hieß es, wenn wir aus dem Wohnzimmerfenster sahen und die Stadt in Richtung Süden überblickten. Da hatten sie früher Freunde und Bekannte gehabt und waren einkaufen gewesen, früher, bevor die Grenze dichtgemacht wurde und sie plötzlich im „Zonenrandgebiet“ lebten. Dass im Westen keinesfalls in dem Ausmaß Milch und Honig floss, wie ihnen das Westfernsehen vorgaukelte, glaubten sie uns das? Irgendwie schon, aber konnten sie es sich vorstellen? Nein – genauso wenig wie wir uns das Leben im „real existierenden Sozialismus“. Brötchen, Milch und Bücher waren zu meiner kindlichen Begeisterung jedenfalls unglaublich billig.

Sind Träume recycelbar? Als die Grenze aufging, waren meine Tanten so begeistert wie alle anderen auch. Sie hielten sich für zu alt, um sich noch die Welt anzusehen, aber sie besuchten uns, immerhin, und sie mochten es. Danach … ja, ach. Sie waren vielleicht tatsächlich zu alt (und zu idealistisch), um mit der grassierenden Wildwest-Mentalität ihrer neuen Mitbürger und den daraus resultierenden Veränderungen im Alltag klarzukommen. Heute denke ich, dass sie sich zu Recht übergebügelt fühlten, und natürlich fragten sie damals nicht um Hilfe (schon gar nicht uns), natürlich nahmen sie Schaden und natürlich waren auch wir, die Westfamilie, irgendwie schuld.

Der goldene Westen, ein Himmelsleuchten?
Eher nicht.

 

abc.etüden 2019 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 45/46.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und ihrem Blog „Meine literarische Visitenkarte“ und lauten: Himmelsleuchten, recycelbar, ausreisen.

Ja, da ist ziemlich viel Autobiografisches drin. Aber meine (Südthüringer) Tanten sind lange tot und das Haus steht in der Form auch nicht mehr …

 

Vogelflug II | abc.etüden

Was ihr Mann zu einem Kurs „Divination – Antike und Neuzeit“ sagen würde, wusste sie, ohne ihn gefragt zu haben.
„Was willst du denn damit? Wahrsagerin werden?“

Nun, das war die Frage. Abgesehen davon, dass sie sich nicht sicher war, ob sie sich in esoterische Kreise begeben wollte (das Plakat hatte im Schaufenster einer sogenannten spirituellen Buchhandlung gehangen), war ihr beim Nachdenken darüber klar geworden, dass sie eigentlich nur eine einzige Zukunft interessierte: ihre.

Schön, sie hatte ein Faible für Geschichte und hätte beinahe mal Religionswissenschaften studiert. Der Gedanke an Zukunftsdeutung aus Vogelflug, Astrologie und Kartenlegen übte durchaus einen gewissen Reiz auf sie aus. Sie war jedoch ehrlich genug, sich selbst einzugestehen, dass die Zukunft an sich nicht das Problem war.
Die Frage war schlicht: Was sollte sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen? Die Kinder waren aus dem Haus, die Ehe mit ihrem Mann hatte das Funkeln verloren und war einem wärmenden, geschätzten Feuerchen gewichen. Liebe, ja, klar, aber irgendwo waren sie älter geworden und lebten manchmal ganz schön nebeneinander her und nicht miteinander. Sie war zu bequem und zu ängstlich, das für eine ungewisse Zukunft aufzugeben (auch das eine unbehagliche Einsicht), außerdem hatten sie beide hart dafür gearbeitet, genau diesen Status quo zu erreichen.
Aber in ihr war dieses … Loch. Es muss im Leben doch mehr als alles geben, schrie es beharrlich. Was fehlte? Sie wusste es nicht.

Draußen schwang sich ihr Mann auf sein Motorrad. Es würde eine der letzten Ausfahrten vor dem Winter werden. Hoffentlich war er vorsichtig, die Straßen waren oft laubbedeckt und rutschig, und er hatte erst letztes Jahr wieder mit dem Biken begonnen. Nicht auszudenken, wenn etwas passierte …
Motorradfahren. Ein Traum, eine alte Liebe.

Was war überhaupt aus ihren ureigensten Träumen geworden, überlegte sie. Hatte sie niemals welche gehabt?

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulli und ihrem „Café Weltenall“ und lauten: Vogelflug, ängstlich, schwingen.

Ich habe es dieses Mal Veronika nachgemacht: irgendwie dasselbe Thema, nur ein anderer Aspekt, eine andere Geschichte. Vielen Dank! Euch, so ihr habt, einen guten Feiertag!

 

Vogelflug | abc. etüden

Sie war so wütend und fühlte sich innerlich so zerrissen, sie hätte schreien und mit Gegenständen werfen können.

„Warum bist du so sauer?“

„Ach, kümmer dich doch um deinen eigenen Kram“, brummte sie in sich hinein, aber sprach es nicht laut aus. Es war eh egal, als Nächstes würde man ihr Wechseljahresbeschwerden unterstellen. Was sollte sonst schon mit ihr sein?

Der Herbst brach mit Macht herein, es wurde jeden Tag dunkler und kälter und sie fühlte sich wie ein Tier, das nicht zu den anderen in den Stall wollte. Es muss doch mehr als alles geben! Irgendwas war total falsch.

Draußen hörte sie die ziehenden Gänse, sie stürzte auf die Terrasse und starrte in den Himmel, dem fliegenden V hinterher. Früher, ja, früher, da hatte man den Vogelflug genutzt, um die Zukunft vorauszusagen. Eingeweideschau übrigens auch, iiih, sie erinnerte sich, davon in der Schule im Lateinunterricht gehört zu haben. Aber würde sie denn wirklich die Zukunft erfahren wollen, so richtig im Ernst, oder war sie dazu nicht doch zu ängstlich? Sie, bei der die Tarotkarten streikten und die Silvesterbleigießerei nur irgendwelche obskuren Knubbel hervorbrachte? Zurzeit jedenfalls zweifelte sie an allem und jedem, und sie war sich nicht sicher, wie tief das Grollen ihre Grundfesten erschüttern würde, wenn sie es weiter zuließe.

Wer dachte, dass sie heute eifrig den Putzwedel schwingen würde, dem würde sie jedenfalls mit dem Besen eins überbraten. Ha. So!

Soll doch. Sollen die anderen.

„Hau bloß ab, du“, raunzte sie die Katze an, die vor ihr um die Ecke bog. Die jedoch, ignorant wie stets, hielt auf sie zu und rieb sich an ihrem Bein. Reflexartig hob sie sie hoch, fuhr zärtlich über das kurze, harte Fell und lächelte bei dem zufriedenen Schnurren des kleinen Tieres.

Sie fühlte sich wie der Gordische Knoten vor dem großen Schlag.

 

 

abc.etüden 2019 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 43/44.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ulli und ihrem „Café Weltenall“ und lauten: Vogelflug, ängstlich, schwingen.

 

Bargespräche, die zweite | abc.etüden

Ein anderer Abend. Bar, Tanzabend, laute Musik.

„Komm her, Puppe“, lallte er ihr ziemlich betrunken ins Ohr, „weißt du eigentlich, wie bezaubernd du aussiehst, mein Täubchen? Tanz mit mir. Nur einmal, ja?“

Im schummrigen Licht der Tanzfläche bewegten sich dicht an dicht gedrängte Pärchen. Sie erduldete seine Wurstfinger, schob mehrmals energisch eine zudringliche Hand fort und war alles in allem erleichtert, als das Stück endete.

„Belästigt dich der Kerl etwa, Schätzchen?“ Die Barfrau. Kühl. Souverän.

Der Kerl nahm die Einmischung übel und brüllte prompt los.

„Was glaubst du eigentlich? Das ist doch meine Sache, wie ich mit der Dame hier spreche! Mach uns lieber noch ein paar Whiskys, aber flott, sonst bist du schneller entlassen, als du dich entschuldigen kannst!“

Er zog etwas metallisch Glänzendes aus der Tasche und knallte es auf die Bar. Eine Pistole!
In was für einem schlechten Roman bin ich hier denn gelandet, dachte sie schockiert, und erwartete unwillkürlich, dass irgendjemand loskreischen würde.
Die Barfrau seufzte. Nahm ein Handtuch, legte es kopfschüttelnd über die Waffe und verstaute sie außer Sichtweite. Seine Augen wurden glasig, als er seinen Whisky auf ex kippte. Dann sackte sein Kopf schwer auf den Tresen.

„Geh jetzt besser, Schätzchen.“ Die Barfrau drängte. „Hast du alles?“

„Ich muss noch mal …“ Sie wies mit dem Kopf nach hinten, griff nach ihrer Handtasche, rutschte von dem Barhocker und verschwand. In der Toilette leerte sie mit einem schnellen Griff sein Portemonnaie und ließ es vor der „Herren“-Tür unauffällig zu Boden gleiten – und erstarrte.
Im Türrahmen stand die Barfrau.

„Ich wäre glücklich, wenn deine Art des Geldverdienens variabler wäre“, sagte die. „Der Typ kann mir echt Ärger machen. Aber du weißt, dass ich mich immer freue, wenn du vorbeischaust, Liebes.“

Ein Küsschen auf die Wange. Dann trat sie nach draußen und winkte sich ein Taxi heran.

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 38/39.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice und ihrem Blog „Make a choice Alice“ und lauten: Roman, variabel, entlassen.

Das ist doch … jawohl, die gleiche Pointe. Weil man das sonst nicht macht. Und irgendwie doch anders. Das musste so.

Und wer mein vorläufiges Fazit zu dem Triggerwarnungsgedöns verpasst hat, kann das hier nachlesen.

 

Bargespräche | abc.etüden

Schlecht aussehen tat er nicht und er wusste es zweifellos, aber hatte der Typ, der auf Teufel komm raus auf sie einredete und ihr dabei viel zu nahe rückte, eben wirklich gesagt, er sei „moralisch variabel“??? Schade.

Erstens, warf ihr innerer Korrektor gelangweilt ein, heißt das „moralisch flexibel“. Um ganz penibel zu sein, ging es in dem Zitat ursprünglich um „moralische Flexibilität“. Zweitens: Was will er damit ausdrücken? Dass er verheiratet ist und eine Geliebte sucht? Oder eine schnelle Nummer nebenbei?

Sie war erheitert. Vermutlich meinte er genau das. Nach einem Profikiller sah er jedenfalls nicht aus, nicht mal nach einem verhinderten Spion.
Er interpretierte ihr Lächeln falsch. „Schöne Frau, darf ich dir etwas zu trinken bestellen?“
Sie tippte gegen ihr Glas. „Noch einen Bellini, bitte.“
Natürlich wollte er mit ihr anstoßen. „Und du trinkst?“, erkundigte sie sich.
„Sex on the Beach!“

Ja, war klar.

Ihr Augenrollen bekam er schon nicht mehr mit, schließlich versank sein umflorter Blick in ihrem Dekolleté. Das bestätigte ihren Eindruck, dass dieser Möchtegern-Casanova niemals an einen wegen mangelnder Trinkfestigkeit entlassenen Nachwuchs-Bond herankommen würde. Bond hätte immerhin Stil  bewiesen. Sex on the Beach!
Aber war sie seine Hüterin? Also bitte.

„Hör mal“, beschwerte er sich irgendwann, „du quatschst aber auch nicht gerade Romane, was?“

Dazu wiederum hätte sie viel entgegnen können, unter anderem, dass es sie zwar anödete, aber ihrer Erfahrung nach viele Männer ungeheuer gern redeten und mit ihren Erfolgen und angeblichen Vorzügen prahlten wie Hähne auf dem Misthaufen. Männer wie er. Was ihr den Job erleichterte.

Zeitverschwendung.

Also sah sie ihn ernst an, erwiderte: „Nein, selten“, griff nach ihrer Handtasche, rutschte von dem Barhocker und verschwand. In der Toilette leerte sie mit einem schnellen Griff sein Portemonnaie, ließ es vor der „Herren“-Tür unauffällig zu Boden gleiten und winkte sich draußen ein Taxi heran.

 

abc.etüden 2019 38+39 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 38/39.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Alice und ihrem Blog „Make a choice Alice“ und lauten: Roman, variabel, entlassen.

Das Zitat mit der moralischen Flexibilität habe ich aus „Grosse Pointe Blank“, wo der Protagonist tatsächlich Profikiller ist. Es lautet: „Ich bin damals zur Army gegangen und im Einstufungstest wies mein Profil eine moralische Flexibilität auf.“ (Quelle) Mehr zum Film auf Wikipedia. Ich hab ihn nie gesehen, glaube ich, aber jemand, den ich kannte, war von besagter moralischer Flexibilität bis zur Unangemessenheit angetan. Möglicherweise war es aber auch nur seine Art von Humor.

Und wer mein vorläufiges Fazit zu dem Triggerwarnungsgedöns lesen möchte, der kann das hier tun.

 

Triggerwarnungen: Fazit, erst mal

Eine heftige Woche liegt hinter uns, liebe Etüdenmenschen. Ich danke jedem und jeder, der*die sich eingebracht und sich mit uns zusammen die Köpfe heiß diskutiert hat, auch und gerade denjenigen, die offen eine abweichende Ansicht geäußert haben – ich nehme das als ein Kompliment für die Diskussionskultur auf diesem Blog.

Ich hatte vorgeschlagen, dass ihr eure Beiträge mit einer Warnung versehen sollt, wenn was drin ist, was nach der bekannten Liste (hier im Original nachlesen) triggern könnte. Dazu hatte ich eine Abstimmung erstellt, die jetzt geschlossen ist (hier ansehen). Das Ergebnis lautet: 12 Stimmen für Triggerwarnungen, 8 dagegen. Als wir vor einem Jahr darüber abgestimmt haben, von 10 Sätzen auf 300 Wörter umzustellen, hatte Bernd empfohlen, dass zu wichtigen Änderungen eine Dreiviertelmehrheit notwendig sei, mindestens jedoch zwei Drittel. Dem bin ich damals gefolgt und folge ich auch heute und muss demnach feststellen: Nicht mal die Zweidrittelmehrheit wurde erreicht.

Mein Fazit nach Diskussion und Abstimmung ist also: Mein Vorschlag ist gescheitert. Punkt.

Nun wurden, wenn ihr die Diskussion mitverfolgt habt, was erfreulich viele getan haben, einige Kompromissvorschläge eingebracht. Dazu gehört die Verwendung von Schlagwörtern, dass also, wenn besagte triggernde Themen in euren Etüden auftauchen, diese von euch in den Schlagwörtern gelistet werden. Einige haben bekundet, wenn sie die schweren Brocken rausholen, einen Satz ihrer Wahl zur Warnung drüberschreiben zu wollen.

Mein Fazit ist also, dass ich ab sofort in die zweiwöchentliche Schreibeinladung folgenden Satz aufnehmen werde (und zwar über der zusammenfassenden Liste), ebenso in das „Kleingedruckte“: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Triggerwarnungen (z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt. Wäre das für euch okay, gerade für die, die Triggerwarnungen ablehnen? Falls nein, bitte ich um konkrete Gegenvorschläge.

Es gibt ein Zitat des Inhalts, dass Zurückkommen nicht das Gleiche sei wie niemals weggegangen zu sein. Ich weiß weder den Urheber noch den genauen Wortlaut, stimme dem aber zu. Von daher danke ich euch für eure Meinungen, die ich absolut respektieren kann, auch wenn sie (teilweise) nicht meine sind und/oder ich für mich eure Argumente anders gewichte als ihr. Dieser Austausch war eine gute Erfahrung für mich.

Also trenne ich diesen Teil, geschrieben von Christiane, der offiziellen, relativ sachlichen Etüden-Organisatorin, von der privaten (und durchaus emotionaleren) Meinung von Christiane, der Schreibenden, deren Blog zu denen gehört, die (wenn nötig) Triggerwarnungen (hier „Inhaltshinweise“ genannt) setzen werden. Für Christiane, die Etüden-Organisatorin, ist das Thema durch, wenn ihr obigem Satz zustimmt.
Zu meiner Privatmeinung schreibe ich demnächst noch was; Sofie hat mir die in ihrem Kommentar erwähnten echt hübschen (wie ich finde) Triggerbuttons geschickt, ich mag die Idee sehr.
Ich muss bloß nebenbei auch noch das Futter für den Fellträger verdienen.

Oh, und noch eine letzte Anmerkung: Liebe Alice, nicht im Traum hätte ich dran gedacht, dass diese Diskussion so vielen das Schreiben derart verleiden würde. Betrachte dich bitte für die nächste Runde der Wortspender als bereits gezogen, ich finde, ich hab da was gutzumachen.

 

Aufeinander zeigende Pfeile, Wandermarkierung | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Zu verschenken | abc.etüden

Sie war ambivalent. Sie liebte den Klang des Wortes, es hörte sich so viel melodischer und geheimnisvoller an als die Wahrheit: Sie war im Zwiespalt, zögerte, sich zu entscheiden. Sollte sie oder sollte sie nicht? War ihr Plan komplett bescheuert oder genial?

Noch einmal gab sie sich Phantasien hin, die süße Befriedigung versprachen – und schob sie weg. Ein neues Leben. Das war es doch, was sie wirklich wollte, ein Leben fernab aller Abhängigkeiten. Klar. Straight. Fit. Verantwortlich. Sensibel. Klimabewusst.

Sie sah sich selbst im Sessel hängen und verachtete ihre Schwäche.

„Mach es einfach“, schrie sie sich innerlich an, „los jetzt, Feigling, trau dich, tu einmal was nur für dich!“

Sie atmete tief durch.

Stand entschlossen auf, griff nach dem bereitstehenden Karton und kippte mit Schwung ihre gesamte Süßigkeitenschublade hinein. Ein energischer Griff – Plätzchenrollen aus dem Schrank und Schokoküsse aus dem Kühlschrank segelten hinterher. War das alles? Ja. Sie wusste es genau.

Den vollen Karton unter den Arm geklemmt, lief sie treppab zur Straße. Sie deponierte ihn an der Haltestelle, achtete darauf, dass das Schild „Zu verschenken“ gut sichtbar war, gönnte ihm einen endgültigen, erinnerungsseligen Blick zum Abschied und stapfte eilig zurück in ihren dritten Stock. Geschafft! Der Inhalt des Kartons fand bestimmt schnell Fans, um diese Uhrzeit waren viele Passanten unterwegs.

Sie warf sich auf die Couch und vermisste die Tröster jetzt schon. Aber sie würde es überleben, die ersten Tage würden schlimm sein und morgen würde sie bestimmt das Glas Nussnougatcreme leer fressen … Na und? Entscheidend war, keins mehr nachzukaufen. Sie war auf dem Weg zu einem weitgehend zuckerfreien Leben. Ihrer Gesundheit zuliebe, und nicht nur der.

Eine Verzweiflungstat? Keineswegs, dachte sie. Ein Befreiungsschlag.

 

abc.etüden 2019 36+37 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Wochen 36/37.2019: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig, dem Etüdenerfinder, und lauten: Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben.

Genug Drama in den letzten Tagen. Aber bevor sich jetzt jemand nach meiner geistigen oder sonstigen Gesundheit erkundigt: Danke, alles gut. Ich halte derartige Hauruck-Aktionen in den seltensten Fällen für wirksam. Wer aber dazu neigt, abends den Kühlschrank oder die Plätzchenschublade zu überfallen, dem hilft es möglicherweise, nichts im Haus zu haben …

Ein kritisches Auge auf den eigenen Zuckerkonsum zu haben, ist jedoch auf keinen Fall eine schlechte Idee.