Adventüden | Etüdensommerpausenintermezzo I-2020

Jetzt geht’s loooos! Jetzt geht’s loohoos! Die Etüden machen Sommerpause, bei einigen von euch ist es über 30 °C heiß, bei anderen (wie bei mir) zeigt das Thermometer gerade mal die Hälfte … ist das nicht eine tolle Gelegenheit, eine spätherbstliche/winterliche/weihnachtliche Etüde zu schreiben? Ich spreche natürlich von den Adventüden, dem Etüden-Adventskalender, der letztes Jahr allgemein so gut angekommen ist, dass ich gefragt wurde, ob wir davon eine zweite Ausgabe machen könnten. Klar, können wir.

Wer darf mitmachen? Jede*r, die*der schon mal eine Etüde geschrieben und veröffentlicht hat.

Wie geht das? Ihr sucht euch aus der Liste unten 3 Wörter aus (mehr geht immer) und schreibt damit eine Etüde (Länge: maximal 300 Wörter), die irgendwann zwischen Oktober und Weihnachten spielt. Sie muss weder heiter sein, noch den typischen Weihnachtskitsch (sorry) beinhalten, sie muss nur in die Jahreszeit passen. Und dann veröffentlicht ihr sie NICHT, sondern schickt sie still, heimlich und leise an mich, und zwar bis zum 6. September 2020. Das ist der Tag, an dem die neue Etüdenrunde startet.
Bei den meisten von euch kommentiere ich regelmäßig, daher habt ihr meine Mailadresse, wer sie nicht hat, schickt mir die Etüde über mein Kontaktformular (hier klicken). Ich lese dann noch mal drüber und nehme in Absprache mit euch evtl. Typos raus und veröffentliche sie irgendwann im Advent – ihr bekommt rechtzeitig Bescheid. Ihr könnt eure Etüde dann natürlich rebloggen, damit wir die maximale Reichweite bekommen, eure Follower und meine. Wer sehen will, wie der Spaß letztes Jahr aussah, der klicke bitte hier, ich hatte eine Kategorie dafür eingerichtet.

Online stellen möchte ich die Etüden ab dem 1. Advent, der dieses Jahr auf den 29. November fällt, bis einschließlich Heiligabend. Sollte es mehr Einsendungen als freie Tage geben, werde ich zwei Etüden pro Tag veröffentlichen, zuerst an den Adventssonntagen. Sollten ich weniger Einsendungen bekommen, als es Tage gibt, werde ich rechtzeitig laut und deutlich schreien und mich mit euch beraten.

Wenn ihr unbedingt und gern mitschreiben wollt, dann lasst mir bitte einen Kommentar da, ich möchte einfach wissen, mit wem ich rechnen kann.
Wenn ihr unbedingt und gern mitschreiben wollt, aber bis Ende August nicht könnt, weil das Leben halt so ist wie es ist: Bitte, sagt Bescheid. Wenn ihr mir verbindlich einen Abgabetermin zusagen könnt, ist das alles kein Ding. Ich will nur nicht September, Oktober und November ständig noch irgendwelchen Nachzüglern hinterherrennen und betteln müssen, ich muss das Ganze ja auch noch blogfein machen.

Dies sind die Wörter, die gezogen wurden, und eine Wortspende vom Etüdenerfinder ist auch mit dabei – und Frau Flumsel hat ganz groß abgeräumt ;-)

 

Etikett
Gin
Käsekuchen
Kuscheldecke
Lebkuchen
Lichtermeer
Märchenbuch
Minnesang
Nebelschwaden
Schlittenfahrt
Semmelknödel
Streicheleinheiten
Wichtel
Wunschpunsch
Zugvogel

 

Hab ich noch was vergessen? Gibt es Kritik, gibt es Anmerkungen, gibt es Fragen? Ansonsten, wie immer: Viel Spaß und gute Ideen! Ich freue mich auf eure Etüden.

 

Etüdensommerpausenintermezzo goes Adventskalender 2020 – Wörter | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

 

Die Schreibblockade | abc.etüden

 

Schreibblockaden sind tückisch, und wenn die Ideen ausbleiben, ist man irgendwann verzweifelt. Nur so war es zu erklären, dass sie denken konnte, das Ding, das wie ein abgenutztes Reagenzglas aussah, habe sie gerade unmissverständlich angefunkelt! Sie griff danach, irritiert von ihrem plötzlich übermächtigen Wunsch, auch noch diesen Ramsch zu besitzen. Nur zur Inspiration, wie sie sich streng ermahnte.

„Was ist das?“
„Ist kaputt, Stopfen fehlt“, antwortete der Flohmarktverkäufer mürrisch, riss sich aber zusammen, weil sie ihm schon einen Schreibratgeber, einen überteuerten Bildband und eine Porzellanschale abgekauft hatte. „Nehmen Sie geschenkt. Warten Sie, ich habe irgendwo Originalverpackung.“

Gegen Abend untersuchte sie das quadratische hölzerne Kästchen mit Fächerunterteilung, am Rand eine Aussparung für das Reagenzglas. In jedem Fach lag ein Beutelchen: Muschelstückchen? Nudeln? Steinchen? Holz? Buchstaben? Sie vergaß ihren Verdruss.

Vorsichtig befüllte sie das Glas mit kleinsten Portionen der geheimnisvollen Ingredienzien und hielt es prüfend gegen die Abendsonne. Nichts. Hm. Neben ihr auf der Couch entdeckte sie ein weißes Katzenschnurrhaar. Einer spontanen Eingebung folgend warf sie es hinein und schüttelte das Glas erneut, um den Inhalt zu vermischen. Oh! Es funkelte sofort so grell, dass sie zunächst an eine Täuschung dachte.

„Stopfen fehlt“, erinnerte sie sich an die Worte des Verkäufers. Entschlossen presste sie den Daumen auf das offene Ende und kippte das Glas in die Horizontale, bis Was-auch-immer-plus-Katzenschnurrhaar ins Rutschen geriet und ihre Haut berührte. Beinahe hätte sie es fallen gelassen, denn es bildete sich transparenter Rauch, in dem sie zwei Figuren sofort erkannte. Sich selbst. Und ihre Katze.

Ihr ungläubiger Blick streifte den Deckel des Kästchens: „Das magische Reagenzglas. Geschichten aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ DAS hatte ganz sicher eben doch noch nicht da gestanden?! Gebannt beobachtete sie, wie sich aus dem Rauch eine Szenerie herausschälte und die Protagonisten zu agieren begannen.
Am liebsten hätte sie sofort zum Stift gegriffen.

 

abc.etüden 2020 26+27 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 26/27.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal aus der Feder des Herrn Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten: Reagenzglas, übermächtig, vergessen.

Meine Zeiteinteilung und damit auch meine Online-Präsenz werden demnächst wohl wieder „normaler“. Bin noch nicht sicher, ob ich darüber mehr weine oder mehr lache … ;-)

 

Es wird ernst | abc.etüden

Dies ist die Fortsetzung von „Der Besuch“, ihr hattet danach gefragt.

***

Es wird ernst. Der angekündigte Besuch ist da. Es ist nicht die Kupferfarbene, zum Glück, diese hier sieht ganz normal aus. Nicht normal ist: Sie riecht gut! Ich meine, hallo, ich bin eine Katze, ich habe schon so einige Menschen gerochen, und über ziemlich viele möchte ich nicht sprechen. Aber sie hier ist völlig okay.

Also habe ich überlegt, wie ich ihr zeigen kann, dass ich sie gut finde, und Annäherungsversuche gestartet. Alle Menschen kraulen gern Katzen, oder? Ja, sie auch. Aber viel lieber fummelt sie an ihm herum, und das, obwohl er immer noch so stinkt. Klar bekomme nur ich das mit, sie bestimmt nicht!

Aber er, er hat mir einen langen Blick zugeworfen und »Nun übertreib mal nicht« gemurmelt, und das fand ich unhöflich. Also bin ich raus und habe mich auf dem Dach vom Geräteschuppen in die Sonne gelegt.

Als ich Hunger bekam, bin ich wieder rein. Meine Schüssel: leer. Zu trinken: Fehlanzeige. Er: im Bett. Sie: im Bett. Ich habe mich danebengesetzt, zugeguckt und gewartet, was sollte ich tun. Man ist ja diskret und will nicht stören.
Irgendwann hat sie mitbekommen, dass ich da war. Immerhin, sie hat nicht gekreischt, aber sie hat sich beschwert, sie würde sich beobachtet fühlen. Ob er da nicht was machen könne?

Und er? Nein, er ist nicht auf die Idee gekommen, ihr zu erklären, dass ich normalerweise dort am Fußende schlafe. Er hat gelacht, sie geküsst und »Ich fütter ihn mal eben« gesagt. In der Küche hat er mich dann gefragt, ob ich, wenn sie Liebe feiern würden, nicht woanders bleiben könnte. Wenigstens am Anfang, bis sie sich an mich gewöhnt hätte?
Ich hab ihm nicht geantwortet, dass es ja wohl keine Frage sei, wer sich an wen gewöhnen müsse.
Menschen.

Liebe feiern, weia. Ich glaub, den hat’s echt erwischt.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Danke an Annette, die nachgefragt hat, ob es eine Fortsetzung der Kattitüde geben würde. Mir war gerade so albern, da dachte ich, das wäre vielleicht gar keine schlechte Idee … ;-)

In meinem Offline-Leben ist zurzeit eine Menge los, daher bin ich gerade etwas seltener bzw. verspätet online, seht es mir bitte nach. Es ist alles okay, es kann nur ein bisschen dauern, bis von mir was kommt. Habt es fein!

 

 

Der Besuch | abc.etüden

 

Er riecht komisch. Zu viel mit der Grappaflasche gefeiert ist es nicht, und ich glaube auch nicht, dass er krank ist. Aber man kann nicht sagen, dass er sich normal benimmt, denn er putzt unsere Höhle viel gründlicher als sonst. Schön, wenn meine Decke mal von dem Fellbelag befreit wird, dann ist das angemessen, aber noch viel lieber wüsste ich, was los ist.

»Kater, wir bekommen demnächst Besuch«, teilt er mir mit, als ich auf seinem Bauch liege, damit er mich streichelt.

Besuch also! Hier kommt selten wer Fremdes her. Hoffentlich nicht wieder die mit den kupferfarbenen Haaren. Wobei ich das ja nicht glaube. Die Leckerlis, mit denen sie versucht hat, sich bei mir einzuschleimen, waren absolut unangemessen, und das habe ich ihr auch klargemacht, als sie mir plump vertraulich kommen wollte, jawohl! So einfach bin ich nicht zu haben!
Aber Menschen sind da anders. Vor allem, wenn sie schon angefangen haben, so komisch zu riechen.

»Wenn sie kommt, könntest du vielleicht ein bisschen netter sein als beim letzten Mal?«, bittet er prompt und krault mich am Ohr.

Nun, ich fand es etwas übertrieben, dass sie darauf bestand, in die Notaufnahme gefahren zu werden, und herumschrie, sie habe keine Tetanusimpfung und bekäme jetzt bestimmt eine Blutvergiftung.
Ich hatte mich wohl ein bisschen zu doll hinreißen lassen. Passiert mir manchmal. Entschuldigung.
Aber »Berserker« habe ich dann wirklich erst mal nachschlagen müssen, als er mit ihr weg war.

Heute Morgen hat er zwei große Kartons mit Geraffel vollgepackt, das seit Monaten hier schon herumfliegt, und in den Geräteschuppen im Hof geschleppt. »Aufräumen« nannte er das.

»Ich freu mich halt, was willst du?«, hat er sich verteidigt, als er meinen Blick bemerkt hat.

Er riecht jeden Tag komischer. Leute, hier ist echt was im Busch.
Ich geh schon mal die Krallen am Sofa schärfen.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Eigentlich war es schon lange mal wieder Zeit für eine Kattitüde, oder? Tatsache ist, dass mein Fellträger sich tatsächlich während seiner drolligen 10 Minuten in einen Taschenrambo verwandeln kann – dann fließt auch tatsächlich (mein) Blut und er ist völlig weggetreten und im Rausch. Ich habe ein paar sehr beeindruckende Spuren davon an den Unterarmen.
Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass ein*e unschuldige*r Besucher*in darunter zu leiden hatte, und schon gar nicht wegen irgendwelcher Leckerlis … ;-)

Update: Es gibt eine Fortsetzung: Es wird ernst ;-)

 

Max hat | abc.etüden

 

»Er will einen Katamaran zum Geburtstag. Wörtlich.«

Sie sahen einander in die Augen, hielten Händchen und brauchten nichts weiter von der Welt. Fast. Wäre da nicht Finn gewesen, der in einer Woche 11 werden würde.

»Kann er nicht erst mal mit einem Segelboot anfangen?« Der Mann grinste. »Aber er hat Geschmack, dein Sohn, das muss man ihm lassen.«

»Ich fürchte, es ist wieder etwas, was Max hat.« Sie seufzte. Max war Finns Idol und bester Freund, er war ein Jahr älter und trat manchmal ein bisschen großspurig auf, was sie auf die beginnende Pubertät und seinen Vater schob. Schlimm war daran nur, dass besagter Vater Orthopäde mit eigener Praxis war und finanziell in einer anderen Liga spielte als sie. Seit Sebastians Tod gleich gar.

»Segelt Max’ Familie denn?«, unterbrach der neue Mann ihres Herzens ihre Gedanken. Auch er kannte Finns ewiges »Max hat« inzwischen zur Genüge. Sie hob die Schultern. »Ich hätte da vielleicht eine Idee …«

***

»Ihr seid so blöd! Das habe ich mir NICHT gewünscht! Auf gar keinen Fall!«

Eben hatten sie ihm sein Geschenk präsentiert. KKKK: Katamaran-Kurs für Koole Kids. Auf der Müritz, dort, wohin sie am Rande des Müritz-Nationalparks in den Sommerferien in ein Ferienhaus fahren würden. Ideal, um sich besser kennenzulernen. Ideal, weil sie sich ziemlich sicher war, dass sie Patrick auch in Zukunft in ihrem Leben haben wollte, und er den Kurs über irgendwelche Segelkumpels organisiert hatte, die dort den Zeitplan unter sich hatten. In dem jetzt auch Finns Name stand. Ideal, weil Finn ihnen dann nicht den ganzen Tag auf der Pelle hängen würde. Man musste Feste schließlich feiern, wie sie fielen.

Und jetzt das.

»Äh, was denn dann?«, fragte sie vorsichtig.

»Du hast ja mich ja nicht mal richtig gefragt!« Er rannte in sein Zimmer, kam zurück und knallte ihnen einen Prospekt auf den Tisch. Ein Konstruktionsbaukasten. Für ein Solarboot.

Patrick fasste sich schneller als sie.

»Ja, aber das ist doch für Kinder ab acht Jahren, und du bist jetzt elf! Und wenn ihr draußen damit spielen wollt, muss das Wetter verdammt gut sein, oder? Hat Max so eins?«

»Mhm.«

»Und?«

»Na ja, die Solarzelle ist schon bisschen schwach«, gab Finn zu. »Aber wir wollten mehrere koppeln und dann Rennen fahren.«

»Rennen.«

Achselzucken.

»Also, wenn du auf Geschwindigkeit stehst, dann würde ich segeln lernen. Du weißt ja schon, dass Katamarane schnell sind. Selbst im Wind zu hängen, macht viel mehr Spaß als mit so einem drögen Solarboot und ist echt spannend. Und wenn du gut bist, kannst du Regatten fahren, da geht es richtig ab, da kann man Pokale gewinnen und alles. Musst dich nur trauen und es ausprobieren.«

Zögerliches, verlegenes Nicken.
Klingeln.
Bestimmt Max.

»Bin zum Abendessen wieder da!«

Finn lief los. Sie hörten ihn im Treppenhaus.

»Stell dir vor, was ich zum Geburtstag bekommen habe! Einen echten Katamaran-Kurs in den Sommerferien! Mit Regatta und so!«
»Echt? Voll krass! Das würden meine Eltern mir nie erlauben!«

Hinter der Tür sahen sie einander an und lächelten. Es würde schon gut gehen.

 

Extraetüden 23.20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Ausgabe Extraetüden, Woche 23.2020: 5 Begriffe (aus 6), maximal 500 Wörter. Die Worte stammten dieses Mal von Olpo Olponator und Gerhard, ich habe verwendet: Katamaran, großspurig, Zeitplan, schlimm, fallen.

Jaha, es gibt Katamaran-Einsteigerkurse für Kids. Auch an der Müritz, die zurzeit total angesagt ist. Und man muss keinen Jüngsten-Schein dafür haben, Schwimmen zu können ist allerdings mit Sicherheit zu empfehlen.

 

Vatertag und die Folgen | abc.etüden

 

EINE  NACHRICHT  AUF  DEM  KÜCHENTISCH

Hallo Schatz,

wie geht es dir, ist es sehr schlimm? Kopfwehtabletten hab ich dir im Bad hingelegt, falls du welche brauchst, und die Sauerei mit dem Katzenfutter in der Küche ist auch beseitigt. Dass sich Schüsseln aber auch so gemein in den Weg stellen! Da kann man ja nur stolpern und fallen! Ich hoffe, du hast dir nicht wehgetan.
Du solltest wissen, dass Moppels Frau angerufen und gedroht hat, dass sie, wenn du den Film von Moppel mit der Unterhose auf dem Kopf wie angekündigt bei YouTube hochladen würdest, rechtliche Schritte gegen uns einleitet – stell dir vor, die hat das wirklich so gesagt, unglaublich, was? Gefragt, wessen Unterhose Moppel da auf dem Kopf hat, hat sie dagegen nicht. Ohne Worte.

Außerdem hat dir x-mal eine Melli gewhatsappt. Beim ungefähr zwanzigsten Mal habe ich nachgesehen, weil mich das Gebimmel nervte, und habe sie informiert, dass ich nicht glaube, dass du heute nüchtern genug sein wirst, um dich zu melden. Hat sie aber nicht weiter gestört, also habe ich bei deinem Handy den Ton abgestellt. Weil Moppels Frau sich so aufgeregt hatte, habe ich mir die Bilder angesehen, die du gestern auf eurer Tour gemacht hast. Falls diese Melli also die wenig bekleidete Tussi mit der Pusteblume hinter dem Ohr ist, die mit Moppel knutscht, kannst du sie beruhigen: Ich sage es Moppels Frau nicht.

Ich bin erst gegen Abend zurück, ich gehe heute wie jede Woche mit deiner Mutter einkaufen. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte warten können, bis du wach bist, aber du weißt, sie und ihr Zeitplan dulden keine Abweichungen. Eins noch: Keine Ahnung, wofür ihr den Käsehobel alles benutzt habt, ich glaube, ich will es besser auch gar nicht wissen, aber der ist endgültig hin.

Bis später, Kuss
Julia

 

abc.etüden 2020 21+22 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 21/22.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerhard und lauten: Zeitplan, schlimm, fallen.

Ein paar von euch werden den Vorläufer dieser Etüde schon kennen. Ich habe das Original 2017 geschrieben, vermutlich ebenfalls zu Vatertag. Natürlich war das damals noch eine 10-Satz-Etüde, daher war es jetzt relativ leicht, sie umzubauen, die neuen Wörter zu integrieren und die Gegebenheiten upzudaten. Die ursprünglichen Wörter sind (fast) noch drin. Ich erinnere mich noch gut, wie viele Schwierigkeiten mir ursprünglich der verdammte Käsehobel gemacht hat :-)

Mein Recycling hat zwei Gründe: 1. Ich bin sehr in Zeitnot, das schließt ein, dass ich bis ca. Mitte nächster Woche eher wenig online sein werde – und ja, es sind erfreuliche Gründe, ich bekomme (unter anderem) morgen Besuch von einer Freundin. 2. Oh, Corona! Ich bin kein Fan von Sauftouren, aber ich hatte einen nostalgischen Anfall – ich vermute, dass dieses Jahr deutlich weniger derartige Züge mit dem Bollerwagen durch die Gemeinden stattfinden werden.
Ich freue mich über eure Beobachtungen und Kommentare auch diesbezüglich.

Update: Hier ist was zum deutschen Vatertag, der in D immer auf Christi Himmelfahrt fällt: (Link zur Wikipedia)

Der Wagen im ersten Bild (Link zur n-tv-Webseite) ist ein sogenannter Bollerwagen (Leiterwagen) und wird auf „Vatertagstouren“ meist dazu genutzt, die Getränke zu transportieren.

 

Happy End mit Hindernissen | abc.etüden

CN: In dieser Etüde gerät jemand auf See in heftig schlechtes Wetter und bekommt einen Panikanfall. Keine detaillierte Schilderung, Happy End.

 

Firmenparty.

»Uuuuund, wie habt ihr euch kennengelernt? Ihr seid doch auch noch nicht so lange zusammen, oder?«

»Fang du an«, sagt sie. Beide grinsen.

»Also, zuerst war das alles gar nicht so einfach. Ich war neu hier, kam zwar aus der Mutterfirma, hatte mir das aber alles viel einfacher vorgestellt. Und dann lief ich auch noch Julia über den Weg und verknallte mich sofort. Natürlich habe ich erst mal die blödesten großspurigen Sprüche gebracht. Sie hat es mir auch prompt mächtig übel genommen und ständig herumgezickt.

Irgendwann lud sie mich zu einem Törn ein. Ihrem Gesicht nach hatte sie Hintergedanken, aber ich dachte, okay, irgendeine Seemannstaufe, was soll’s, ich geb mir bestimmt keine Blöße und lehn ab. Aber nein, es war viel hinterlistiger geplant! Das war kein Segelboot, sondern ein Katamaran, und wir fuhren zu viert ziemlich weit raus. Chilliger Tag. Bis die Wetterfront aufzog.«

»Wir hatten gedacht, mal sehen, ob wir ihn so weit kriegen, dass Superman hinterher was totschweigen muss«, übernahm Julia die Erzählung. »Womit keiner gerechnet hatte, war, dass er einen 1-a-Panikanfall bekam, so mit Kreislaufzusammenbruch und Schnappatmung, als wir Fahrt aufnahmen und die Wellen richtig hochschlugen. Ganz ungemütliche Hausnummer. Uns blieb nichts anderes übrig, als ihn am Mast zu sichern, liegend, damit ihm der Baum nicht den Kopf abreißt, und zu sehen, dass wir allesamt heil heimkommen.«

»Als wir im Hafen waren, wusste ich, dass bei mir Flooding funktioniert. Ich kanns nicht erklären. Ich war völlig durch, zerschlagen und klatschnass, aber fühlte mich herausgefordert. Also hab ich mich zwei Tage später für einen Anfänger-Segelkurs angemeldet. Da, wo auch Julia unterrichtet, was ich aber vorher wirklich nicht wusste. Auf jeden Fall hatte ich damit ihren Respekt. Sie rumzukriegen war dann fast einfach.«

»Und dein Bruder?«

»Lukas? Zuckt die Achseln und sagt: ›Weiber!‹ Kennst ihn ja.«

»Na dann.«

 

abc.etüden 2020 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Olpo Olponator und lauten: Katamaran, großspurig, totschweigen.

Dies ist die Fortsetzung zu Revanche. Eigentlich hatte ich ja geplant, den Tag auf dem Wasser direkt zu schildern, aber trotz des freundlichen Hilfeangebots des Wortspenders (dem ich zumindest entnommen habe, wo der „sicherste“ Platz auf einem so kleinen Katamaran ist), sah ich keine Möglichkeit, das alles, speziell den Heimweg, in 300 Wörtern so hinzubekommen, dass es 1. sachlich korrekt und 2. zufriedenstellend gewesen wäre. Was ihr hier lest, ist also Plan B. Was bin ich froh, dass ich aus Lukas noch problemlos Julias Bruder machen konnte …

Revanche | abc.etüden

 

»Na, wie ist er so, der neue Kollege?«

»Ein arroganter Affenarsch, wenn du schon fragst.«

»Huch? Was ist passiert?«

»Ich war in der Küche und musste an die Vorratsdosen mit dem Kaffee, die wieder mal jemand ganz oben hinten auf dem Schrank gestapelt hat, krabbele also über Stuhl, Tisch und Schrank hoch, kennst das ja. In dem Moment kommt er rein, beglotzt mich und erklärt großspurig, dass er mir selbstverständlich geholfen hätte, wenn Frauen nicht immer alles allein machen müssten, ich möge ihm doch den Kaffee mal anreichen. Glaubt der im Ernst, dass ich nicht gefragt hätte, wenn auch nur der Hauch von einem der Herren der Schöpfung zu sehen gewesen wäre? Ich meine, der ist bestimmt eins neunzig, für den ist das nichts, da mal eben hochzulangen. Und seitdem grinst er fett, wenn er mich irgendwo sieht.«

»Du gefällst ihm offenbar.«

»Ja, danke. Lukas ist mit ihm und den Kollegen, nur Männer natürlich, neulich nachts um die Häuser gezogen, auch über das Volksfest, wo die ganzen Fahrgeschäfte sind. Und da soll er den Spruch gebracht haben, er könne die ganze Schaukelei nicht ab, nix Schnelles, keine plötzlichen Richtungsänderungen, solche Sachen. So breit waren die angeblich nicht. Jetzt hat Lukas ihn für am Wochenende zum Segeln eingeladen. Er hat angenommen. Kommst du auch? Wäre viel netter mit dir.«

»Lukas. Dem du die Ohren vollgeheult hattest.«

»Logisch.«

»Liebes, ihr habt kein Boot, ihr habt einen Katamaran.«

»Stimmt auffällig.«

»Da traut der sich doch nie rauf.«

»Wenn wir beiden Mädchen dastehen und harmlos lächeln? Du groß und blond, ich klein und schwarz? Die Blöße gibt der sich nicht und kneift.«

»Und was machen wir, falls das Wetter plötzlich umschlägt? Ist immerhin vorausgesagt, du weißt.«

»Tja. Dann wird möglicherweise was passieren, was der feine Herr lieber totgeschwiegen hätte.«

»Du bist echt gemein.«

»Japp.«

 

abc.etüden 2020 19+20 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

 

Für die abc.etüden, Wochen 19/20.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Olpo Olponator und lauten: Katamaran, großspurig, totschweigen.

Ja, ich war ein bisschen ungnädig, ja, doch. Und meine Protagonistin fühlt sich doof angemacht. ;-)

 

 

Walpurgisnacht | abc.etüden

An Tagen wie heute konnten ihr alle gestohlen bleiben, da war ihr Gemüt nicht gläsern und heiter, sondern bemüht kontrolliert. Walpurgnisnacht. Leben, Liebe, Zweisamkeit. Sonst ein Anlass für Party, in diesem Corona-Jahr ging nicht mal das.

Außerdem gab es da jemanden. Endlich. Jemand, der ihre Sehnsucht erkannt hatte, der machte, dass ihr Herz flatterte, wenn sie an ihn dachte. Und was konnte sie tun? Nichts. Sie fühlte sich zum Nichtstun verdammt. Das Lied von den Königskindern fiel ihr ein. Sie schnaubte verächtlich.
Hoffen und Harren hält manchen zum Narren.
Sehnsucht.

Draußen ging ein warmer Frühlingstag in einen ebenso angenehmen Abend über. Ihr Fenster stand weit offen, sie hörte die Vogelgesänge ebenso wie das Geschrei ihrer Nachbarn, die später bestimmt wieder grillen würden. Die letzten Sonnenstrahlen trafen auf ihren kuscheligen Hochflor-Teppich, der eigentlich mehr ein Teppichläufer war, und sie gab dem irrationalen Bedürfnis nach, sich darauf zu werfen, mit der Hand darüber zu streichen und „Verdammt, ich will zu ihm“ zu flüstern.

„Findest du dich nicht ein bisschen arg theatralisch?“, fragte eine Stimme, von der sie sofort sicher war, dass nur sie sie hören konnte, denn schließlich sprachen Katzen nicht, oder? Außerdem hatte sie keine Katze.
„Immerhin warst du so intelligent, dir den Teppich auszusuchen und keinen Besen, mit dem hätte ich dich nur zum Hexentanzplatz bringen können. Ein Teppich ist echt variabler.“
Sie starrte die neben ihr sitzende Katze, die keine Katze sein konnte, an.
„Hier liegt ein Kissen, da und dort sind Haltegriffe, und weil ich nett bin, gibt es auch noch eine Wärmedecke. Sollte dir schlecht werden, sag rechtzeitig Bescheid, der Teppich ist eigentlich nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, aber wir müssen uns beeilen. Okay?“
Sie nickte verwirrt.

Wie ein Pfeil schoss der Teppich aus dem Fenster, verharrte kurz, um sich zu orientieren, und verschwand in Richtung Süden.

 

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzadayQuelle: Rhea Lofranco auf Unsplash, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 17/18.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Myriade und lauten: Teppich, gläsern, flattern.

Jaha, es könnte sein, dass Fräulein Honigohr und Rüdiger hier in Gedanken Pate standen, jaha, irgendwie ein bisschen …

Kommt gut in und durch dieses lange Wochenende!

 

Die Gierigen sterben nicht aus | abc.etüden

»Liebster« – sie setzte sorgfältig den letzten männlichen Vornamen von einer langen Liste ein und strich ihn aus –, »jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich denke, dass ich dich etwas fragen kann. Wir kennen uns doch jetzt schon so gut, dass unsere Gefühle wie gläsern füreinander sind, oder? Du weißt, dass dir mein ganzes Herz gehört und dass ich nur das Beste für uns will.
Liebster, da wir einander WIRKLICH lieben, und ich schwöre dir, ich habe das so noch nie erlebt, trotz der widrigen Umstände und allem, sollte es doch keine Rolle spielen, wenn du mir 10 Tausender in Euro vorstreckst. Oder gehen vielleicht sogar 20? Ich geb sie dir auch ganz schnell zurück und kann dir hundert Prozent Zinsen obendrauf zahlen, versprochen! Weißt du, ich hab da ein todsicheres Geschäft an der Hand, eine Investition in ein Börsenpapier, das GARANTIERT innerhalb der nächsten acht Wochen 250 Prozent Gewinn abwirft. Keine Kleinigkeit, die man unter den Teppich kehren sollte. Aber man muss schnell sein und jetzt investieren, und ich allein hab nicht so viel. Warum sollen wir kleinen Leute nicht auch mal von einem großen Geschäft profitieren können?
In zwei Monaten darf man bestimmt wieder reisen und dann bringe ich dir deine Rendite in bar vorbei, damit wir uns endlich persönlich kennenlernen können und ich mich erkenntlich zeigen kann. Sag, liebst du mich genug, um mir so weit zu vertrauen?
Ich warte sehnsüchtig.
Ewig dein!
Deine Julia«

Routiniert und sorgfältig kontrollierte sie Mailadresse und Anrede ein letztes Mal und drückte auf den »Senden«-Button.
Fertig für heute.
Der letzte Zug war gemacht, nun galt es zu warten, egal, wie sehr die Nerven flatterten. Wie sie das Spiel liebte, immer wieder aufs Neue!

Die Gierigen starben nicht aus.

 

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 17/18.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Myriade und lauten: Teppich, gläsern, flattern.

Die Idee zu dieser Etüde entsprang einem tatsächlich existierenden Mailwechsel, herzlichen Dank an den Spender ;-)

Diese Betrugsmasche ist nicht gerade eben neu und kommt in allen Varianten vor. Ausführliche Schilderungen finden sich im Netz, zum Beispiel auf Wikipedia (hier lesen), bei der Polizei (hier lesen) und in den Medien (hier ein Bericht vom Tagesspiegel und mimikama.at).

 

Die Erwachende (Miniatur II/II) | abc.etüden

 

Wo sind die Erinnerungen, von denen ich zehren kann? Blass sind sie alle und fade. Mein Herz, ach, es ist eine Rumpelkammer, ich ließ die Türen verrammeln, Licht, Luft und Freude ausschließen, redete mir ein, es sei zu meinem Schutz.
So wurde es wahr.

Aber alles hat seine Zeit und was war, muss nicht bleiben! Ich bin nicht ganz allein! Frühlingswind, herbei, steh mir bei! Mutvoll reißen wir die Fenster auf, die sich der Veränderung entgegenstemmen. Sonne, ich rufe dich zu Hilfe, leuchte uns und schenk uns deine Wärme. Regen, rausch hernieder, wir lenken dich herein und schwemmen alles hinaus, was den Fluss des Lebens behindert.
Ich wasche, ich putze, ich sortiere aus und räume um.
Ich weine. Ich lasse los.
Zeit vergeht.
Frieden zieht ein.
Im Baum vor dem Fenster singen Vögel.

Als es klopft, steht die Hoffnung im Türrahmen und überreicht mir ein Sträußchen Wiesenblumen, weiß, gelb, blau, lila, selbst gepflückt im frischen Grün. Eine dreifarbige Katze steht neben ihr, die wie selbstverständlich eintritt, sich auf den bequemen Sessel legt und einschläft, als sei sie nie fort gewesen.

Die Hoffnung lächelt und wirft einen Blick umher. „Willkommen zurück“, sagt sie sanft, umarmt mich kurz und ist so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen ist.

Die Katze betrachtet mich zufrieden und schnurrt.

 

abc.etüden 2020 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 15/16.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig Zeidler und lauten: Rumpelkammer mutvoll, zehren.

Diese Etüde greift meine Miniatur von gestern auf: Die Verzweifelte (hier lesen). Wo aber gestern die Bewegung von außen nach innen gerichtet war, ist sie es heute von innen nach außen. Nein, sie setzt nicht exakt am gleichen Punkt an, ich bin nicht mal sicher, ob es noch die gleiche Protagonistin ist, die spricht …

 

Die Verzweifelte (Miniatur I/II) | abc.etüden

CN: Dies ist ein für mich unüblicher Versuch, eine Fingerübung (= Etüde). Lasst euch bitte versichern, dass das „Ich“ fiktiv ist und ich akut nicht in diesem Zustand bin, und seid gewarnt, falls ihr gerade auf Verzweiflung, Hilflosigkeit oder Traurigkeit empfindlich reagiert.
Morgen gibt es einen zweiten Teil.

 

Nein, nein, nein, ich halte es nicht mehr aus, keinen Tag länger! Ich kann diesen Scherbenhaufen nicht mehr ertragen! Die Verzweiflung zehrt an meinen Kräften, ich will nicht mehr, ich will weg, will hier raus, will fliehen … doch wohin nur, wohin? Warum hilft mir niemand? Ach, es gibt keinen Ort, der mich aufnehmen wird, mein Zuhause ist zerronnen, ich bin heimatlos.

Glücklich heißen sie mich, die glatten Gesichter ohne Gefühl, ich habe doch alles, behaupten sie, ich solle nur mutvoll zugreifen, das Schicksal würde sich schon beugen. Vielleicht bei ihnen, es gibt solche Menschen, die nicht zaudern, mir sind sie fremd.

Nichts davon trifft auf mich zu, jetzt, wo das Wesentliche fehlt. Zerbrochen ist das Leben, das ich mir errichtete, versäumt habe ich die Entscheidungen, die es zu treffen galt, weil ich die Wahrheit nicht erkannte. Nirgendwo war Rettung, und die Gefahr kommt immer näher …

Ich ziehe mich zurück und bleibe für mich, allein und aller guten Geister ledig, selbst die Katze ist hinausgegangen. Draußen ist es sternklar, drinnen ist es finster. „Sie sitzt schon wieder ohne Kerze in ihrer Rumpelkammer“, flüstern sie und stoßen sich bedeutungsvoll an, und ich schweige dazu, sie wissen es nicht anders.
Fensterlose Wände, an denen sich mein Atem bricht.
Hier tut mir nichts weh, hier ist es sicher. Ich verriegele die Türen meines Herzens und schließe die Augen, will nichts mehr wollen, lasst mich in Ruhe, lass es einfach vorübergehen …

 

 

abc.etüden 2020 15+16 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 15/16.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Ludwig Zeidler und lauten: Rumpelkammer mutvoll, zehren.

OFF TOPIC: ACHTUNG, Etüdenschreiber*innen. Die Pings von WordPress kommen wieder mal nicht oder nur teilweise durch (Judith, deiner ist da), ich brauche von euch bei der Schreibeinladung einen Kommentar mit dem Link zu eurer Etüde! Danke!