Monster | abc.etüden

Die Idioten zahlen Geld dafür, dass sie mich angaffen und begrölen können, ich, der ich so bin, wie Gott mich geschaffen hat. Mein Körper mag in ihren Augen grotesk sein, aber mein Verstand funktioniert. Ich danke dem Himmel für die dicke Glasscheibe, ich muss sie nicht hören. Wer macht sich hier zum Affen, ich oder die? Schon gut, spart euch die Antwort.

In Ontario ist das legal und natürlich ist es krass und geschmacklos. Regt euch wieder ab. Klar ist es für Geld, denkt ihr, der Schwachsinn macht Spaß? So ein Abend ist so lukrativ, dass ich einigermaßen über die Runden komme und nicht allein auf die Wohltätigkeit des Staates und schlechte Jobs angewiesen bin.*
Was wir draußen, also im Alltag, aushalten müssen, das wollt ihr nicht wissen. Das Netteste, als was ich seit Langem bezeichnet wurde, sagte eine ältere Dame, die mich „Knirps“ nannte und dann peinlich berührt wegsah, als ihr klar wurde, dass ich sie nicht nur gehört, sondern auch verstanden hatte. Freunde, ich bin nur kleinwüchsig, aber nicht blöd! Der gesamte Rest funktioniert größtenteils genauso wie bei euch. Aber mit Sicherheit bin ich fitter als die meisten, das verlangt der Job.

Am liebsten hätte ich vor hundert Jahren gelebt, dann wäre ich „Show Freak“ gewesen, da bin ich mir sicher. Sowieso muss ich ein Schausteller-Gen haben, sonst wäre ich bestimmt nicht in diesem Club gelandet. Das hier ist manchmal ganz schön Hardcore. Ich stelle mir vor, dass ich mir einen Manager gehalten hätte, mit einem Zirkus gereist und eine begehrte Attraktion einer Freak-Show gewesen wäre, so nannte man das damals.
Ja, notiert es euch ruhig, auch Monster haben Träume. Meiner wäre, von freundlichen Menschen umgeben zu sein, denen Unterschiede keine Angst machen.

Jetzt entschuldigt mich bitte. Das Zwergenwerfen fängt demnächst an, ich muss mich umziehen und warmmachen.

 

2018 45+46 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 45/46.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bettina und lauten: Knirps, grotesk, notieren.

Diese Etüde ist wieder mal eine, wo ich fürchte, meinem Protagonisten nicht gerecht zu werden, der einfach beschlossen hat, mit seinen körperlichen Gegebenheiten Geld zu machen, um selbstständig sein zu können, ungewöhnliche Wege geht und dafür in Kauf nimmt, mit einer sehr hässlichen Seite der Gesellschaft konfrontiert zu sein.

Tatsache ist, was uns heute völlig abwegig und menschenrechtsverletzend erscheint, war noch vor hundert Jahren ziemlich selbstverständlich. Show Freaks waren zum Teil berühmt, hatten Fans und verdienten gutes Geld. Das war nicht nur in den USA so (Stichwort PT Barnum, sehr umstritten, soll aber angeblich seine Darsteller gut bezahlt haben, auch wenn es schrecklich klingt, dass er Menschen „ausstellt“). Schaut euch (für Deutschland) mal diese Postkarten an. Auch YT ist hilfreich, die Materie ist komplex und man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll.

Zwergenwerfen (hallo Werner) gibt es heute noch. Hier ist der Link zu Wikipedia, hier ist ein Link zu einem Bericht von einem derartigen Event in Kanada.

Nicht fehlen darf, last but not least, der Link zu Kleinwuchs (Wikipedia) und zu einem (wie ich finde sehr guten) Reportage-Video: Alltag einer Kleinwüchsigen.

*Update: dergl hat in einem Kommentar vorgeschlagen, dass ich die Geschichte nicht in Deutschland verorten solle, um der hiesigen Community, die sich gerade über eine Freakshow aufregt (lest bitte ihren Kommentar), nicht auf die Füße zu treten. Da es mir darum ging, wie Nina das formuliert hat (danke!), „eine verstrickte Figur“ zu entwerfen, „die einen durchaus problematischen Weg gewählt hat“, und ich kein politisch zu verstehendes Statement abgeben wollte, habe ich meinen Text entsprechend verändert.

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Tödliches Schweigen | abc.etüden

Mit dem Begreifen, was das bedeutete, was er fühlte, kam die Scham. So war man nicht. Krank. Pervers. Er gab sich selbst das Versprechen, ES nie auszuleben. Nie. Er hatte schließlich hohe Ansprüche an sich, auch moralische. Und wenn auch alles um ihn herum verderbt war, er würde standhalten.
An manchen Tagen rettete ihn nur Komasaufen. Er sprach niemals darüber, mit wem denn? Zum Glück gab es das Internet, aber war das wirklich Glück? Nein, musste er sich eingestehen. Das war wie Pizza-Werbung für Leute auf Diät.

Dann hatte er den Ruf verspürt. Sein Leben änderte sich. Lange Jahre war er mehr als froh, alle Energien in diese Richtung konzentrieren zu können. Er dankte Gott täglich inbrünstig, dass er ihm half, seine übermenschliche Last zu tragen.
Alle Freunde waren der Meinung, er hätte sein Schäfchen im Trockenen: Das Kirchenamt sei eine fette Pfründe, und solange man nicht versuchte, sich eine mondäne Hütte hinzustellen wie jener Scheinheilige, habe man ein gutes Auskommen, oder nicht? Allerdings gab es da einen Schönheitsfehler … obwohl von angenehmem Äußeren, blieb er ledig. Nun ja, leben und leben lassen war die einhellige Meinung in seiner Gemeinde, schließlich mochte man ihn.

Irgendwann geschah das, wovor er sich immer gefürchtet hatte: Ein bestimmtes Menschenkind trat in sein Leben. Die Versuchung war so massiv, dass ein einziger Blick reichte, ihn in Flammen zu setzen und tagelang zu verstören. Als er spürte, dass sein ehernes NEIN zu wanken begann, war das der Moment, wo er ernsthaft anfing, über Selbstmord nachzudenken.

Die Rettung nahte in Form eines Freundes, der eines alkoholreichen Abends wortlos einen Flyer des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ auf seinem Wohnzimmertisch hinterließ. Der Flyer sprach von Verantwortung, von Therapie, von Schweigepflicht und nannte eine Telefonnummer.
Am nächsten Tag schon nahm er allen verbliebenen Mut zusammen und rief an.

 

2018 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

Von allen Tabus in unserer nur scheinbar tabulosen Zeit ist das, eine Sexualität zu haben, die sich auf Kinder richtet, mit Sicherheit eines der schlimmsten, da es sofort Hass und Aggression auslöst. Ich bin selbst nicht frei davon.
Ich bin allerdings auch ein Verfechter der Ansicht, dass man sich nicht bewusst dafür entscheidet, wen man begehrt. Verantwortung setzt für mich in dem Moment ein, wo man beschließt, diese Veranlagung auszuleben – oder eben nicht, wie in meiner Etüde.

Die Etüde spielt mit dem gängigen Vorurteil, dass viele Priester/Pfarrer mit ihrem Kirchenamt nur pädophile Neigungen verdecken, um sie darunter ungestört auszuleben. Klar, die gibt es. Wir wissen aber auch, dass es überall egoistische, machtbesessene Vollpfosten beiderlei Geschlechts gibt, deren emotionaler Horizont bei ihrem eigenen Unterleib aufhört und denen alle anderen ziemlich egal sind. Diese Leute müssen aufgespürt und gestoppt werden, für unser aller Wohlergehen als Gesellschaft, und man muss sich nicht nur ausreichend(!) um die Opfer kümmern, sondern auch (überall) um die Strukturen, die den Missbrauch vereinfachen und verharmlosen – und darum, mögliche Täter gar nicht erst zu Tätern werden zu lassen.

Wen man nämlich meist nicht sieht, sind die, die verzweifelt darum ringen, kein Täter zu werden, weil sie wissen/fühlen, was Missbrauch bedeutet, und das keinem antun wollen, schon gar nicht einem Kind. Ein quälendes Leben, das häufig in absolutem Schweigen stattfindet. An diese Menschen (und an „Aussteiger“) wendet sich das erwähnte Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ (Link zur Homepage).

 

Für die abc.etüden, Woche 43/44.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bernd und lauten: Pfründe, mondän, lassen.

Diese Etüde zu diesen Worten musste jetzt noch raus, sonst wäre ich geplatzt. Sorry, ich bin heute und morgen wenig online, nehmt es mir bitte nicht übel, wenn meine Kommentare auf sich warten lassen.

 

 

 

Heulen gilt nicht | abc.etüden

Jetzt liefen doch Tränen. Evi starrte auf den Karton hinab, der ihr Erbe enthielt. Es waren zwei Ringbücher mit handgeschriebenen Rezepten, sie wusste es genau, Aktenordner mit Zeitungsausschnitten und diverse Backformen.

Als Kind war sie quasi bei Oma Gerlinde in der Küche groß geworden. Mama arbeitete abends oft lang, vor allem, seit Papa weg war und sie in das Haus zu Oma und Opa Friedrich gezogen waren.

„Du wirst ja wohl auf das Kind aufpassen können, wenn ich Dienst habe!“ Nicht die allerbesten Voraussetzungen für Enkelin und Oma, die sich jedoch bald stillschweigend darüber einig wurden, wie man das erzwungene Beisammensein erfreulich gestalten konnte. Als Oma Gerlinde sich auf dem Dorf gelangweilt hatte, war sie nämlich nicht davongerannt, sondern hatte ein Talent genutzt, um unter Leute zu kommen: Backen. Sehr schnell lud man sie zu Dorffesten oder im Freundes- und Verwandtenkreis nur noch mit ihrem aktuellen Lieblingskuchen ein. Fortan wirbelte Oma Gerlinde durch die Küche und erschuf am Band phantasievolle, wohlschmeckende Kalorienbomben. Und wenn sie das nicht tat, durchforstete sie die Zeitschriften nach interessanten Rezepten. Es dauerte nur kurz, bis Evi es ihr nachtun wollte, und etwas länger, bis sie nicht mehr davon lassen konnte.

Okay, sie hatte später andere Wege eingeschlagen. Ob „Das große Backen“, „Tortenschlacht“, „Deutschland sucht den Superkuchen“ oder wie auch immer, mit dem Wissen, dass ihre Oma ihr die Daumen drückte, hatte sie sich in die richtig mondänen, aufgemotzten Shows getraut. Alles war ein großer Spaß gewesen. Bis der Anruf gekommen war.

Der Karton wurde schwer in ihren Armen. Waren dies Fußstapfen, in die es zu treten galt, eine Pfründe, die zu sichern war? Auf jeden Fall war dies ihre Vergangenheit, ein Schatz. Erinnerungen. Liebe.

Sie wischte sich entschieden die Tränen ab. Heulen galt nicht. Der Tag verlangte nach Apfeltorte mit Tiramisu. Weinen konnte sie später.

 

2018 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Woche 43/44.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bernd und lauten: Pfründe, mondän, lassen.

 

Dummes Fleisch | abc.etüden

In der Szene nannte man sie die „skrupellose Lady“. Anfangs hatte sie noch versucht richtigzustellen, dass sie „skrupulös“ war, nicht „skrupellos“, aber die meisten kapierten den Unterschied nicht. Okay, dann eben mit Grusel, umso besser fürs Geschäft.

Bei ihr musste alles stimmen. Sie hatte es gern exakt und nach ihrem Willen. Und den setzte sie durch, damit die Ergebnisse dem nahekamen, was sie sich vorstellte. Sie hatte eine gewisse Handschrift und schließlich auch einen Ruf zu verteidigen, nicht wahr? Selbst ihr Vater, der es besser hätte wissen können, hatte nicht verstanden, dass bestimmte Dinge in einer bestimmten Reihenfolge geschehen mussten, um befriedigend zu sein. War es nicht überwältigend, wenn man seine Berufung entdeckte? Das, was den ureigenen inneren Instinkten entsprach? Manchmal beschrieb sie sie als eine Verbindung von Akkuratesse und künstlerischer Ader.

Sie sah konzentriert und leicht abschätzig auf den Körper hinunter, der verkrampft vor ihr lag und tatsächlich ein wenig zuckte. Ein Kunstwerk war im Entstehen. Schade, dass anscheinend nur sie das so sah, sonst hätten sie den Genuss vielleicht sogar teilen können, den der Akt und das Blut – nie viel! – gelegentlich bei ihr auslösten. Hatte sich das Jüngelchen vorhin ernsthaft über „schneidende Schmerzen“ beklagt?! Weichei.

Ein Spruch fiel ihr ein: „In jedem Mann steckt hin und wieder auch was Gutes. Zum Beispiel ein Küchenmesser.“ Was glaubte der hier denn eigentlich, wo er war? Unterzog sich freiwillig – freiwillig! – einem Männlichkeitsritual und jammerte? Tja, durchgefallen, mein Lieber, eindeutig durchgefallen. Nur dummes Fleisch, einer mehr.

Lächelnd kniff sie die Augen zusammen. Zog mit ruhiger Hand eine allerletzte Linie nach und ließ die Tattoomaschine sinken. Fertig.

 

2018 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 41/42.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerda Kazakou und lauten: Genuss, skrupulös, schneiden.

Den Spruch habe ich wirklich vor ein paar Tagen im Radio gehört (als Werbung für die Show im Hamburger Quatsch Comedy Club). Und natürlich sind alle Tätowierer*innen, die kennenzulernen ich jemals die Ehre hatte, charakterlich über jeden Zweifel erhaben, aber … ich habe noch nie festgestellt, dass alle Menschen den Ehrgeiz haben, als Engel in die Geschichte einzugehen. Ihr versteht.

 

Ruhestörung | abc.etüden

„… ich nehm den Schmerz von dir, ich nehm den Schmerz von dir“, zerschnitt lauter männlicher Gesang die nächtliche Stille.
Sie fuhr hoch.
5:25 Uhr.
Himmelherrgott! Halt die Klappe, Adel Tawil! Wo ging das Scheißding bloß aus?
Ihre Hand ertastete auf der Oberseite des Brüllwürfels einen großen Button, den sie probehalber drückte. Ah! Erfolg! Paradiesische Stille. Sie ließ sich in die Kissen zurücksinken.

Da hatte man schon mal das Privileg, dass einem die liebste Freundin das eigene Schlafzimmer abtrat, und dann hatte diese vergessen, den Wecker abzustellen. Am Wochenende! Gerade wollte sie sich wieder in die Kissen kuscheln und sich noch einige Stunden dem Genuss eines jetzt hoffentlich ungestört bleibenden Schlafs hingeben, als sie sich erinnerte, dass die Problemlösung „Snooze“ wohl maximal zehn Minuten vorhielt.
Mürrisch knipste sie das Licht an. Den Stecker herauszuziehen war leider keine Option, nur kannte sie sich mit Radioweckern im Allgemeinen und diesem im Besonderen nicht wirklich aus. Also untersuchte sie das antiquierte Teil skrupulös nach einem Schalter, der den Wecker deaktivieren würde. Bis sie ihn gefunden hatte, war sie endgültig wach. Großartig.

Jetzt schon die Freundin im anderen Zimmer zu wecken kam nicht infrage. Blogpflege auch nicht, dies war allein ihre Zeit. Offline. Entschlossen streckte sie sich wieder aus, zog die Decke hoch und forderte ihren Körper auf, sich zu entspannen.

Es gelang, ihre Gedanken beruhigten sich. Nicht mal die am Tag vorher müde gelaufenen Füße taten weh. Sie fühlte sich geborgen und sogar ziemlich fröhlich in ihrem fremden und doch von vorherigen Besuchen so vertrauten Schlafnest. Der Morgen wehte erste Straßengeräusche durch das gekippte Fenster herein.
Als es ihr endlich auffiel, lächelte sie. „Ich nehm den Schmerz von dir.“ Das war mal ein Versprechen, an das sie sich gern erinnern würde. Erneut glitt sie in das Reich ihrer Träume zurück.

298 Wörter

 

2018 41+42 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 41/42.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Gerda Kazakou und lauten: Genuss, skrupulös, schneiden.

Das angesprochene Lied, das da aus dem Radiowecker quoll, ist übrigens „Vom selben Stern“ von Ich + Ich (Link zu YouTube), und ja, das ist wirklich so passiert.

 

Traumschiff | abc.etüden

Früher hatte sie sich gern vorgestellt, wie es wäre, beim Käpt’ns Dinner am Arm von Sascha Hehn oder auch Siegfried Rauch den Speisesaal zu betreten. Top gekleidet und gestylt, mit High Heels, auf denen sie natürlich nicht wie ein Storch im Salat stelzen würde, liebreizend und witzig, eine Freude für alle, die sich mit ihr unterhalten wollten, selbstverständlich viele an der Zahl …

Sie seufzte kurz auf.
„Ist Ihnen nicht gut?“, erklang sofort eine besorgte Stimme neben ihr. „Wollen wir aufbrechen?“
„Nein, nein“, wehrte sie ab und ruckelte ein bisschen auf der Bank herum, „alles in Ordnung.“

Ihr Rücken tat weh. Ihre Füße taten weh. Wenn sie ehrlich war, sah sie erheblich weniger, als sie zugab, und den leicht rutschigen Weg hierher hatte ihre Begleiterin, wie hieß sie gleich, Gabriele, Karin, Olga, eben „gemeingefährlich“ genannt. Gefährlich, pah – aber sie war wirklich nicht mehr die Jüngste.

Heute roch der Fluss anders und die Geräusche klangen nicht so wie sonst, sondern dumpfer, irgendwie wattiger. Wie sie ihre Bank liebte, an der die großen Schiffe vorbeifuhren und manchmal tuteten. Nur deshalb kam sie jeden Tag hierher, saß ein wenig da und hing ihren Träumen nach. Träume, die sie nie jemandem erzählt hatte, weil man das nicht tat.
Ihre einzige Kreuzfahrt fiel ihr ein, damals, mit dem angehimmelten Mann, der sie beeindrucken wollte. Das war ihm leider gelungen. Der Luxus hatte sie geblendet und sie auch vergessen lassen, dass auf Versprechen Taten folgen mussten.

„Gehen wir“, sagte sie abrupt und stand auf, „ich mag den Nebel heute nicht.“

Gabriele deckte ihre Schutzbefohlene mit einer Decke zu, weil die sich vor dem Abendessen noch ein wenig hinlegen wollte. Was hatte sie bloß mit „Nebel“ gemeint? Den ganzen Tag war es klar und sonnig gewesen. Sie hörte die alte Frau tief durchatmen. Dann war es still.

300 Wörter

 

2018 39+40 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 39/40.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und lauten: Kreuzfahrt, gemeingefährlich, stelzen.

 

Gewissensentscheidung | abc.etüden

„Das kann nicht euer Ernst sein, da ertrinken jeden Tag unschuldige Menschen – und ihr wollt auf eine Kreuzfahrt? Im verdammten Mittelmeer? Echt jetzt? Ohne mich! Sagt, dass das nicht wahr ist!“

Zwecklos, zu erklären, dass das Mittelmeer größer war als nur jene Strecke, die als Fluchtroute unrühmliche Bekanntheit erlangt hatte. Mittelmeer stand neuerdings für sinnloses Leid ohne Grenzen.

„Willst du vielleicht die ganze Zeit beten, dass euch keine Boote mit Geflüchteten vor den Bug kommen, höchstens nachts, damit ihr weiter schön alles ignorieren könnt, was euch nicht in den Kram passt, und nicht sehen müsst, wie ein Haufen Neger absäuft? Weil das Schiff nämlich vermutlich gar nicht stoppen und helfen darf, weil es sonst in Teufels Küche kommt, gibt ja Beispiele genug? Und damit meine ich nicht, dass die euch die Restaurants leerfressen könnten! Aktion Seebrücke, unterlassene Hilfeleistung, nur um ein paar Stichworte zu nennen? Mama, ich hätte ein bisschen mehr politisches Bewusstsein von dir erwartet. Oder wenigstens Konsequenz.“

Ruhig bleiben. Wenn sich die Tochter politisch unkorrekt ausdrückte, wollte sie provozieren. Kannte man inzwischen.

„Aber nee, lieber all-inclusive jeden Tag am Pool liegen, auf dem Deck Tennis spielen und abends angeschickert aus einer der Bars in die Kabine stelzen. Und immer schön das Image und die Cellulite pflegen. Wir haben’s ja. Nötig! Ich nenne das gemeingefährliche Dummheit.
Mama, ich bitte dich, wenn du dich schon nicht engagieren willst, dann unterstütz diese Ignoranz nicht auch noch.“

Ein vernichtender Blick vor dem theatralischen Abgang.

„DENKT DOCH MAL NACH! Ein einziges Mal!“

Es hatte sich längst schon abgezeichnet, dass das rebellische Kind bald eigene Wege gehen würde. Sie hatten ein letztes Mal gemeinsam verreisen wollen und hätten ihr gern etwas Besonderes geboten. Ganz so dicke hatten sie es nicht, finanziell gesehen, und sie liebten das Meer im Süden. Alle drei. Eigentlich.

Sie verzichteten.

300 Wörter

 

2018 39+40 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ichmeinerselbst

 

Für die abc.etüden, Woche 39/40.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Anna-Lena und lauten: Kreuzfahrt, gemeingefährlich, stelzen.

Das ist die Sache mit dem ersten Gedanken. Ich habe ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen: Wie kann man dort jetzt Urlaub machen, wo andere sterben? Und was sagt das über uns (als Gesellschaft/jeden Einzelnen) aus, diese Tatsache zu ignorieren? So einseitig wie diese Sicht auch sein mag, diese Etüde musste geschrieben werden. Ich habe keine Antworten.

 

Begegnung | (abc.etüden)

Ich wollte IHN in persona sehen oder besser hören. Nein, nein, das ist nicht das Ende – oder der Anfang – einer Lovestory, das ist der Grund, warum ich aufbrach, um dem kanadischen Schriftsteller Michael Ondaatje bei der Vorstellung seines neuen Buches „Kriegslicht“ zu begegnen. Klar kenne ich ihn aus Fernsehen und Internet, lange schon. Alles nicht damit zu vergleichen, dieses Timbre live zu hören.

Die Veranstaltung erwies sich als eine Mischung aus Interview (viel) und Lesung (wenig). Ondaatje beherrschte die Szene auf sehr zurückhaltende, souveräne Art. Für meinen Geschmack hätte er länger lesen dürfen, ich werde nicht müde, ihm zuzuhören, er weiß, was er da tut. Auch das Interview mochte ich: Gute Interviews sind eine Kunst, aber hierbei war kein Fremdschämen nötig, beide hatten größtenteils ihren Spaß, denke ich. Ondaatje performte nicht für die vollen Ränge, er konzentrierte sich auf seinen Gesprächspartner (gleichzeitig Moderator, Interviewer und Dolmetscher) und spielte mit. Und immer diese wachen Augen und dieses verschmitzte Lächeln in dem zauseligen Charakterkopf. Natürlich verflog die angesetzte Zeit im Nu.

Last but not least die ersehnte Signieraktion. Der Mann ist schnell, seine Unterschrift wenig mehr als eine schwungvolle Linie. Irgendwann stand ich am Kopf der Schlange, er sah freundlich zu mir und dem frisch erstandenen Buch auf und murmelte mir ein „For you?“ zu, ich bestätigte das erstaunt, er kritzelte, wir lächelten einander an, ich bedankte mich und zog glücklich mit meinem veredelten Buch von dannen.

Seitdem lese und schwelge ich und bin verzückt, wieder mal. Ach, dieses lyrisch anmutende Verschwenden von überbordenden, die Sinne berührenden Bildern, ein sorgfältig hingetupfter Flickenteppich, den man auf jeder Seite immer wieder neu entrollen kann. Dieses Innehalten, Sich-Wundern, Beglückt-schön-Finden. In jeder Szene freue ich mich schon neugierig und verzaubert auf die nächste; Pageturner im anderen Sinne, fürwahr eine hohe Kunst. Wie ich seine Bücher liebe.

300 Wörter

Die Veranstaltung fand am 11. September im Rolf-Liebermann-Studio des NDR in Hamburg statt. Ondaatje hat am 12. September Geburtstag, er wurde 75. Hier mehr Infos zum Abend und zum Nachhören. Da gibt es auch ein paar anständige Bilder, auf dem Bild vom Publikum bin ich übrigens auch drauf, wie ich festgestellt habe. Ach, war schön.

Mehr Infos zu Ondaatje gibt es auch auf seiner Seite seines deutschen Verlags, dem Hanser-Verlag.

Nebenbei, fast hätte ich es vergessen, ist dies auch noch ein Beitrag für die abc.etüden, Woche 37/38.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die zu verbauenden Worte stammen dieses Mal von mir und lauten: Kunst, müde, verschwenden.

 

Ondaatje "Kriegslicht" Signatur | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Schöpfung | abc.etüden

Die Muse ist keine sanfte Geliebte. Jedenfalls ihre nicht, sie springt sie nächtens an und bezwingt sie, verbeißt sich in sie, bis sie gequält zum Stift greift, wie von Sinnen Sätze aufs Papier schleudert, die Idee verfolgt und vorantreibt und sich dem Rausch mit seiner inneren Logik hingibt. Im Licht des Morgens starrt sie dann auf das Ergebnis: Manchmal erkennt sie es, manchmal nicht. Nur der Einfluss der Wilden macht daraus Kunst, ihren Kuss versucht sie zu locken, bis sie in den durchwachten Stunden über sich hinauswächst und später nicht mehr so recht weiß, woher das stammt, was da steht.
Kurzfristig verschmolzen. Mit wem? War ich das? Keine Antwort.

Hinterher ist sie erschöpft, wieder allein, zutiefst müde. Aber sie ist gut, diese Mattigkeit, sie fühlt sich richtig an. Sie hat das Ihre großzügig verschwendet und ist selbst zum Gefäß geworden. Hat aufs Neue Himmel und Erde erschaffen und ihnen ihre Namen gegeben. Und dann ruht sie.

 

2018_37+38_1_250 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Woche 37/38.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von mir und lauten: Kunst, müde, verschwenden.

Na, die ist mal kurz, alles, was recht ist. Ich habe zur Sicherheit nachgezählt, ob ich über 10 Sätze hinaus bin – geübt ist geübt – ja, bin ich. Ach, diese Freude, Zweiwortsätze schreiben zu dürfen. Aber irgendwie … sehr interessantes Ergebnis des Experiments, das da oben.

 

Aller guten Dinge sind vier!

Letzte Woche hatte mein Blog Geburtstag (und ich war gerade anderweitig schwer beschäftigt). Das ist zwar, wie ich jedes Jahr aufs Neue sage, DIE Gelegenheit, meinen Blog und mich mit Glitzer zu beschmeißen, zu verkünden, wie glücklich und zufrieden ich mit allem bin und knietief im Sternenstaub zu waten, in der Regel klappt es bloß nicht so ganz. Ich bin misstrauisch gegenüber Zuckerwatte, vor allem, wenn ich sie selbst produziere.

Tatsache ist, dass ich im letzten Blogjahr gefühlt eigentlich nichts anderes gemacht habe, als das Etüdenprojekt zu hätscheln betreuen (danke, Ludwig, immer noch, immer wieder), selbst Etüden zu schreiben und montags die Woche mit ein paar Gedichten einzuläuten. Da mein eigener Stresspegel ziemlich hoch war und ist, reicht mir das völlig an Aufwand, aber ganz glücklich bin ich doch nicht damit. Hm.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich etwas Besonderes auf meinem Blog zum Bloggeburtstag veranstalte. Und dann fiel mir Folgendes ein: Es gibt irgendeinen Award, der unter anderem dazu auffordert, seine „besten“ Bei-/Einträge aufzulisten. Kann ich nicht. Will ich nicht. Was soll das sein, meine „besten“ Einträge, wer bewertet das? Ich habe Schwierigkeiten mit dem Wort.
Was ich aber kann, ist, euch meine LIEBSTEN Geschichten zu präsentieren und euch lesen zu schicken. Also, holt euch einen Kaffee/Tee/Kakao/WasAuchImmer, bevor wir starten, es wird länger.

***

Wenn ich durchsehe, worüber ich so schreibe, dann sehe ich, dass ich einen Hang zu Geschichten habe, die zwar nicht immer positiv/versöhnlich ausgehen, aber doch meist die Kurve zum Hoffnungsvollen bekommen. Definiert man so einen Optimisten? It ain’t over till it’s over? (Bin ich einfach nur naiv?) Eigentlich ist es mir egal, ich glaube nicht, dass ich mich noch ändern werde, ich will es nicht.
Dann gibt es die Geschichten, wo ich an der Grenze zum Mystischen/Magischen/Fantasy kratze oder sie überschreite, und das, ihr Lieben, sind mir eigentlich die liebsten.

In diese Kategorie gehört eine frühe Geschichte, in der ein Mensch einem Zwerg aus der Klemme hilft und dafür einen Wunsch frei hat: Klappspatens Verwandlung. In einer anderen sitzt Tine im Treppenhaus und weiß weder so genau, wie sie dort hingekommen ist, noch woher ihre Verletzungen rühren: Tragischer Unfall am Weiher. Kurz und knackig waren dagegen meine beide Etüden von einer Meerjungfrau, die in einem Aquarium festsitzt: Alles Fake! (1) und Sirenengesänge (2). Was habe ich beim Zusammenfabulieren Spaß gehabt! Ganz frisch ist die Irgendwie-schon-auch-Liebesgeschichte vom gar nicht wilden Wassermann und der schönen Lilofee, die sich schon beim Schreiben in mein Herz geschlichen hat: Dylan und Lilo. Fast ein Wassermärchen.

Da wir gerade bei „Herz“ sind, möchte ich wieder ins rein Irdische wechseln und stellvertretend nur eine laaaaange Geschichte aufführen, die mir letztes Jahr den Sommer versüßt hat: Der Wassermaler (I) und Der Wassermaler (II).

Nun wird’s kurz: Katastrophenalarm, ein Brief eines Mädchens aus dem Urlaub an die BFF; Rausch handelt vom ultimativen Kick; Sternenwanderer, eine Geschichte, bei der es mich überläuft, warum auch immer; Wie viel? – eine Etüde, in der es nicht um das geht, worum es scheint.

Zum Schluss die Etüden-Trilogie von einem, den ich nicht kennen möchte: Nach Hause (1), Stay tuned (2) und THE END (3).

Wie, kein Fellträger? Na ja, in den meisten Geschichten, in denen er auftaucht, beruht der Witz darin, dass er sich erst im letzten Satz sozusagen zu erkennen gibt. Führe ich die also hier auf? Nein. Aber ich hoffe immer noch, dass sich die Gelegenheit ergibt, die Geschehnisse um eine gewisse rotäugige Zombiekatze (hallo Anton, hallo Frau Flumsel) noch mal aufzugreifen. Hat den eigentlich einer mal wieder gesehen?

***

Bliebe noch zu sagen, dass in diesem letzten Blogjahr meine Followerzahl bis auf um die 600 angestiegen ist, je nachdem, ob man die Mail-Follower mitzählt: Ich tue es, WordPress manchmal ja, manchmal nicht. Wie auch immer, ihr, die ihr dies lest und KEINE Etüden schreibt und/oder bisher nicht kommentiert habt: Herzlich willkommen auf meinem Blog, ich hoffe, ihr mögt es hier!
Ferner ist dies hier der 858. Beitrag, vor einem Jahr zum Bloggeburtstag war es der 674., und ich habe die unglaubliche Zahl von 26.800 Kommentaren überschritten (letztes Jahr über 18.500), und ja, ich weiß, ich habe bestimmt die Hälfte selbst geschrieben. Na und?! Ja, ich würde sagen, wenn ich mir die Zahlen so ansehe, muss ich einräumen, ich habe wohl einen lebendigen Blog.

Das hätte ich mir vor vier Jahren echt nicht träumen lassen, dass dieser Entschluss mein Leben so bereichern würde. Mein Dank und mein Gruß geht daher an alle von euch, die zum Teil schon seit mehreren Jahren meine „Online-Familie“ bilden (bitte, ich sehe das mit seinen Möglichkeiten und Grenzen durchaus auch kritisch, dennoch bedeutet es mir viel), und ganz besonders an die, die ich (quer durchs Land) inzwischen persönlich kennenlernen durfte. Ich danke euch. Gerne mehr davon! Wir sehen, hören und lesen uns!

 

Pusteblume | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Etüdengedanken

Als ich im Frühjahr 2017 die Etüden von ihrem Erfinder übernahm, waren sie ein ambitioniertes Schreibprojekt mit klaren Regeln: 3 Wörter, unterzubringen in (maximal) 10 Sätzen. Nicht mehr, nicht weniger, Textart egal. Ich fühlte mich geehrt, die Auserwählte zu sein, ich bin es noch, die Etüden-Idee ist prima, und dass Ludwig sie immer noch mit seinen Illustrationen begleitet, macht sie besonders.

Auf meinem Blog wuchsen die Etüden vielleicht weniger in eine (literarische) Höhe als in die Breite, sie zogen jedenfalls mehr und andere Leute an als zu der Zeit, als Ludwig sie aus dem Boden gestampft hat, und klar, die Bandbreite der Texte veränderte sich. Ich war ja bei Ludwig auch von Anfang an dabei, ich fand es großartig, das zu sehen und zu begleiten.

Ich habe die Etüden dabei nie als „literarisches“ Projekt gesehen, hätte ich das, hätte ich vermutlich vor dem immanenten Anspruch kapituliert und sie gar nicht angefasst. Mich reizen elitäre Clubs mit ihren Zwanghaftigkeiten nicht. Ich probiere rum. Für mich sind die Etüden ein heiß geliebtes Blogkind, und die Texte, die ich dafür schreibe, sind so gut, wie ich sie im Moment gerade hinbekomme. Nicht-Beliebigkeit, das ist mein Anspruch. An mich! Wer teilnehmen will, wer es ernst meint, wer Sprache liebt und sie gern einsetzt, der soll hier bei den Etüden eine Art Zuhause finden, und herzlich willkommen! Ja, das unterscheidet die Etüden, und ja, ich finde, dass es sie verbindlicher macht, und ja, ja, ja, ich bin sehr glücklich über die, die regelmäßig dabei sind.

Nachdem ich neulich einen Text las, der sich kritisch mit den Etüden und meiner Rolle auseinandersetzte, begann ich, an allem zu zweifeln und ernsthaft darüber nachzudenken, ob ich die Etüden auf- oder abgeben will.  Nein, will ich nicht.
Ich habe den Etüden keine Blog-Heimat gegeben, damit ich den Aufkleber auf der Stirn herumzeigen kann, ich sei „Schriftstellerin“ oder „literarisch tätig“, echt nicht. Ich schreibe, weil ich schreiben will, und die Etüden (oder die Intermezzos oder sonstige Schreibaufrufe, egal ob hier oder woanders) sind die Form, in die mein Schreiben gerade fließt, wobei ich die Herausforderung total spannend finde, die darin liegt, die vorgegebenen Wörter sinnvoll zu verbauen. Und es macht mir Spaß, meine Ergebnisse zu teilen, die Texte von anderen zu lesen und Meinungen dazu auszutauschen.
Tatsache ist aber, dass der Hype um Die-deren-Name-nicht-genannt-werden-soll (also die DSGVO) vielen das Bloggen verleidet hat. Tatsache ist auch, dass dieser sonnige Sommer die Leute nicht gerade vor die Computer zerrt. Ich gehe davon aus, dass ab September, spätestens Oktober auch hier wieder mehr Schwung in der Bude ist.

So weit, so schön. Last but not least habe ich jedoch in meinem Leben außerhalb meines Blogs seit geraumer Zeit mehr um die Ohren, als ich gut abkann. Dies für alle, die sich wundern, warum ich manchmal nach 5 Minuten und manchmal erst nach 15 Stunden lese und/oder kommentiere. Liegt nicht an euch, ich bin dann einfach nicht online.

 

Vor diesem ganzen Hintergrund jetzt also ein paar Fragen an euch:

  1. Ja, mir ist klar, dass es für so was eine schlechte Zeit ist, weil Sommerpause, aber wie sieht es mit eurer Etüdenbegeisterung aus, so ganz generell?
  2. Wäre das für euch okay, wenn es die Etüden nur noch zweimal pro Monat gäbe, oder fändet ihr das als Intervall zu lang?
  3. Wir hatten es vor der Sommerpause mal in den Kommentaren andiskutiert: Was hieltet ihr davon, wenn die Regel nicht mehr „3 Wörter, (unterzubringen in maximal) 10 Sätzen“, sondern „3 Worte, (unterzubringen in maximal) 300 Wörtern“ hieße? Ich habe nämlich in dem Intermezzo wieder mal bemerkt, wie sehr ich es genieße, sehr kurze Sätze zu formulieren, das wäre eine Änderung, die ich gern ausprobieren würde. Und sollen es 300 Wörter sein? Weniger? Für mich wären 300 Wörter üppig, ich habe mal gezählt.
  4. Was ich auf jeden Fall ändern werde, ist die Auswahl der Wortspender. Bisher habe ich relativ willkürlich die fleißigen Schreiber um Spenden angeschrieben, plus den Etüdenerfinder, plus mich selbst. Mir ist erst in diesem Jahr aufgefallen, dass man das reichlich untransparent finden kann, beste Absichten hin oder her. Und wenn ich dafür eure Namen auf Zettel schreiben und blind ziehen (lassen) muss, ist mir das auch recht. Dazu kommt also auf jeden Fall noch was.

 

Langer Text, schon klar. Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

 

Füße ... | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Junge Liebe | abc.etüden

„Ich weiß echt nicht, wo er bleibt, er wollte doch schon lange hier sein!“
„Auch wenn du es wahrscheinlich nicht hören willst, der lacht doch bloß über dich, dass du ihn so anbetest. Wenn der dir erzählen würde, dass sein pompöser Amischlitten mit Biodiesel fährt, dann würdest du ihm das doch auch noch abnehmen!“
„Gar nicht wahr, außerdem mag ich so alte Autos, das ist so voll oldschool, das ist richtig … ach, vergiss es.“
„Was habt ihr denn vor?“
„Bloß sonnenbaden und später vielleicht mit seinen Kumpels am Strand grillen.“

Wer’s glaubt. Ach, wie schnell die Zeit vergeht und die Kinder groß werden und unbedingt ihre eigenen Erfahrungen machen wollen.
Der Lauf der Zeit … sie gab auf und kehrte das letzte bisschen Autorität heraus.
„Aber um Mitternacht bist du daheim, klar?“

 

2018_30_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: Ludwig Zeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 30.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Yvonne von umgeBUCHt und lauten: Biodiesel, pompös, sonnenbaden.