Wo ist die Liebe geblieben? | abc.etüden

Der Blick seiner Frau, als sie an ihm vorbeirauschte, verhieß ernsthafte Schwierigkeiten, wieder einmal. Nicht dass er den Grund nicht gekannt hätte, sein Hang zum schönen Geschlecht hatte sich seit jeher als Stolperstein auf dem geraden Pfad der Tugend erwiesen, Schlawiner, der er war, was konnte er dafür! Sein Blick verklärte sich, als er an die Paradeiser der Damen dachte, zart umschmeichelt von edlen Dessous. Viel mehr Stunden, als seine Frau je wissen durfte, hatte er schon damit verbracht, fremde Liebesäpfel vom Baum der Erkenntnis zu pflücken, und nicht nur die.

Nachdem er bereits in jungen Jahren beschlossen hatte, dass brüllende Chefs und 35-Stunden-Wochen in seinem Leben zu den zu meidenden Kinkerlitzchen zählen würden, hatte er seine Talente genutzt und sich rechtzeitig in ein gemachtes Nest gesetzt. Das bedeutete allerdings Abhängigkeit, nicht nur von den Launen, sondern auch von dem Portemonnaie seiner Frau. Mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung wies dieser Plan für beide gewisse Makel auf, und die Stimmung zwischen ihnen war in den letzten Wochen unter den Nullpunkt gefallen.

Er seufzte. Alles schien auf den Notfallplan mit den falschen Tabletten hinauszulaufen. Schade, sehr schade, wirklich, wo war nur die Liebe von einst geblieben?

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 pinselfisch 18.17 | 365tageasatzadayvisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 18.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jule Pfeiffer-Spiekermann (pinselfisch) und lauten: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

Irgendwie titelgebend, aber sonst nicht viel mehr: Andreas Bourani mit „Auf anderen Wegen“.

 

 

Tag des Ohrwurms: Auf uns

Ein Hoch auf das, was vor uns liegt | Dass es das Beste für uns gibt
Ein Hoch auf das, was uns vereint | Auf diese Zeit
Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben, | auf den Moment, der immer bleibt.

(aus Andreas Bourani, Auf uns, kompletter Text)

Leicht *hrm* anknüpfend an meine Verschämte Musik von gestern bekenne ich, dass ich Andreas Bourani nicht aus dem Ohr bekomme. Und zwar ausgerechnet Auf uns, was man sich ja nun wirklich rechtschaffen übergehört haben kann. Dazu muss ich ganz schnell sagen, dass mir Fußball ungeheuerlich egal ist. Ich entziehe mich Großereignissen wie der WM nicht, aber weder bin ich Fan noch habe ich Ahnung. Es geht einfach an mir vorbei. Daher habe ich Bourani vermutlich auch eine Million Mal seltener gehört als alle, die alle Berichterstattungen verfolgt haben.

Aber die WM war vor einem Jahr und ich höre Musik oft genug mit dem Bauch und dem Herzen, nicht unbedingt mit dem Kopf. Und für mich ist das kein platter Gute-Laune-Gedudel-Popsong, auch wenn er jetzt nicht irgendwelchen intellektuell hochwertigen Ansprüchen genügt.
Denn auch wenn alles oft genug und ganz schlimm im Argen liegt (und ich bin die Letzte, die das nicht zugeben würde), es gibt diese Kopf-Hoch-Momente, dieses breite Grinsen, dieses befreiende Lachen, dieses Die-Welt-Umarmen-Wollen, dieses Einfach-Leben. Auch wenn es nicht anhält. Auf uns ist jedenfalls ein ziemlich gutes Lied dafür.

In diesem Sinne: genießt den Tag!

 

 

Alles nur in meinem Kopf

Alles nur in meinem Kopf | In meinem Kopf | Ich wär‘ gern länger dort geblieben, | doch die Gedanken kommen und fliegen.
(Andreas Bourani, Nur in meinem Kopf, kompletter Text hier)

 

Oder doch nicht?

Und ist das gut oder ist das schlecht?

Wahr ist, dass eine Grenze sowohl Schutz als auch Gefängnis sein kann. Gibt es eine andere Lösung als die subjektive, als „mach, wie es für dich richtig ist“? Ich finde das schwierig. Auch, zu wissen, was „richtig“ ist.

 

 

(‚Tschuldigung für das Freilassen des Ohrwurms.)