Von der Heide

Auf der Heide

Wo der Saum der Hügelketten
Fern den müden Himmel hält,
dort zerfließt in violetten
Farbentönen schon die Welt.

Bäume heben scharf umrissen
sich hervor am Bergesrand,
rings im fahlen, ungewissen
Lichte träumt das Heideland.
Träumt und drüber weiter fächelt
leicht ein lauer Abendwind,
aber, ach, den Nachtgruß lächelt
ihm kein duftig Blumenkind.

Halb verdorrte Sträucher ragen
aus dem Boden kahl und leer,
und er wiegt mit leisem Klagen
dürre Disteln hin und her.

(Rainer Maria Rilke, Auf der Heide, entstanden Prag, April 1894 (Quelle), Online-Quelle)

Heidenacht

Wenn trüb das verlöschende letzte Rot
Herschimmert über die Heide,
Wenn sie liegt so still, so schwarz und tot,
So weit du nur schauest, die Heide,
Wenn der Mond steigt auf und mit bleichem Schein
Erhellt den granitnen Hünenstein,
Und der Nachtwind seufzet und flüstert darein
Auf der Heide, der stillen Heide —
Das ist die Zeit, dann mußt du gehn
Ganz einsam über die Heide,
Mußt achten still auf des Nachtwind’s Wehn
Und des Mondes Licht auf der Heide:
Was nie du vernahmst durch Menschenmund,
Uraltes Geheimnis, es wird dir kund,
Es durchschauert dich tief in der Seele Grund

(Hermann Ludwig Allmers, Heidenacht, 1860, Vertonungen, Online-Quelle)

Verirrte Welle

Bräunliche Haide im Sonnenduft,
Wandervögel in blauer Luft,
Und eine Welle, die weit vom Fluß
Sich in das träumende Land verirrt
Und nun im Sande verrinnen muß. –
Während der Zug vorüber schwirrt,
Prägt sich das seltsame Bildchen mir ein,
Um mich dann später heimlich zu fragen:
„Was bist du Andres, als solch eine Welle,
Die von des Ufers sicherer Schwelle
Ruhlose Sehnsucht ins Weite getragen?“

(Anna Ritter, Verirrte Welle, aus: Befreiung, 1900, Online-Quelle)


Quelle: Pixabay

Der Sommer geht gefühlt so langsam in den Endspurt. Kommt gut, sanft und heil in und durch die neue Woche!


Update Adventüden: Stolze 16 sind bisher bei mir eingetroffen, inklusive meiner, hurra! (Deine auch, Judith, hast du meine Antwort gefunden?) Wäre schön, wenn ihr so langsam …