Vom Kuckuck und dem Frühling

Kuckuck! Kuckuck!

Kuckuck! Kuckuck!
Ruft’s aus dem Wald.
Lasset uns singen
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling
Wird es nun bald

Kuckuck! Kuckuck!
Läßt nicht sein Schrei’n.
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling,
Stelle dich ein!

Kuckuck! Kuckuck!
Trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter
Räumet das Feld!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Kuckuck! Kuckuck!, 1835, Online-Quelle)

Der Kuckuck

Der Wald ist still, der Wald ist stumm,
Es bebt kein Blatt, es nickt kein Zweig,
Ein Vogelruf von ferne schallt,
So voll und rund, so warm und weich.

Das ist der Kuckuck, der da ruft,
So laut, so laut im tiefen Wald,
An meine Schulter drängst du dich,
Und deine Hand sucht bei mir Halt.

Du bist so still, du bist so stumm,
Ich höre deines Herzens Schlag,
Du hältst den Atem an und zählst,
Wie oft der Kuckuck rufen mag.

Ich lächle deiner Kinderangst,
Du meine süße Wonne du,
Es blüht uns noch so mancher Mai,
Der Kuckuck ruft ja immerzu.

(Hermann Löns, Der Kuckuck, aus: Mein goldenes Buch, 1901, Online-Quelle)

Von allen Zweigen perlt der goldne Schaum

Von allen Zweigen perlt der goldne Schaum,
Auf allen Bäumen flammen Blütenbrände,
Unzählbar lacht der Kuckuck durch den Raum.
Frag ich ihn bang nach meines Lebens Ende.
Es blüht und lebt bis an der Erde Saum,
Wird blühn und leben, singt er, ohne Wende,
Als wäre Frühling nicht ein kurzer Traum.
Auch du bist ewig! Spare nicht, verschwende!

(Ricarda Huch, Von allen Zweigen perlt der goldne Schaum, aus: Herbstfeuer. Gedichte, Insel Verlag zu Leipzig 1944, Quelle)

ABSCHIED

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ich’s noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr dem zuzuschauen
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wären’s alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes —, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

(Rainer Maria Rilke, Abschied, aus: Neue Gedichte, 1907, Online-Quelle)

 

Kuckuck
Quelle: Pixabay

 

Wie jede Woche, und wie jede Woche völlig im Ernst: Kommt gut durch die neue Woche, und möge sie für euch leicht sein.

Eben habe ich mit Werner in den Kommentaren darüber gesprochen: Was für Kuckucksrufbräuche kennt ihr? Kennt ihr das, worauf die Gedichte abheben, dass die Anzahl der Kuckucksrufe die verbleibenden Lebensjahre angibt?

Hier kann man etwas darüber lesen: HIER KLICKEN!

 

Von Frühling und Wind

O wie ist es kalt geworden

O wie ist es kalt geworden
und so traurig öd und leer!
Rauhe Winde wehn von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr’

Auf die Berge möcht ich fliegen
möchte sehn ein grünes Tal
möcht in Gras und Blumen Liegen
und mich freun am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang
Möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süßem Sang!

Schöner Frühling, komm doch wieder
Lieber Frühling, komm doch bald
Bring uns Blumen, Laub und Lieder
schmücke wieder Feld und Wald

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, O wie ist es kalt geworden, 1849, Online-Quelle)

Vorfrühling

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte,
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten

Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.

(Hugo von Hofmannsthal, Vorfrühling, Erstdruck in: Blätter für die Kunst (Berlin), 2. Band, Dezember 1892, Online-Quelle)

Ein Frühlingswind

Mit diesem Wind kommt Schicksal; laß, o laß
es kommen, all das Drängende und Blinde,
vor dem wir glühen werden –: alles das.
(Sei still und rühr dich nicht, daß es uns finde.)
O unser Schicksal kommt mit diesem Winde.

Von irgendwo bringt dieser neue Wind,
schwankend vom Tragen namenloser Dinge,
über das Meer her was wir sind.

… Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.
(Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)
Aber mit diesem Wind geht immer wieder
das Schicksal riesig über uns hinaus.

(Rainer Maria Rilke, Ein Frühlingswind, Februar 1907, in: Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Gedichte aus den Jahren 1906 bis 1926, insel tb 98, 1953, S. 15/16. Online-Quelle, zur Interpretation)

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

Ich warte auf den Frühling. Keine Frage, er steht auch hier in den Startlöchern, keine Frage, ich sehe in den Gärten die ganzen Frühlingsblüher und die Meisen (und nicht nur die) singen wie verrückt (und der Fellträger ist genervt). Aber dennoch ist es zu kalt. Ich hoffe, wir verlassen jetzt bald dauerhaft die Nachtfrostzone, ich wäre sehr dankbar dafür.

Ich war überrascht, als ich gesehen habe, wie viel von Hoffmann von Fallersleben vertont worden ist, muss aber auch zugeben, dass ich kein Fan des klassischen deutschen Liedgutes bin. Daher möchte ich euch noch eine andere Version ans Herz legen, und zwar eine von Achim Reichel, den ich gerade für seine Bemühungen um das deutsche Volkslied (nein, nein, ich meine das ernst) sehr schätze …

 

 

Kommt gut und heiter durch die neue Woche!

 

Sommer und Regen

 

Kinderlied

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Bring’ uns Kühle, lösch’ den Staub
Und erquicke Halm und Laub!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Labe meine Blümelein,
Laß sie blüh’n im Sonnenschein!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Nimm dich auch des Bächleins an,
Daß es wieder rauschen kann!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Regen, Regen, Online-Quelle)

 

Regen in der Dämmerung

Der wandernde Wind auf den Wegen
War angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
War mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
Berauschte verwirrend die Stimmen
Der Träume, die blasser und blasser
Im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
Am Wasser der wandernde Wind
Berauschte die sehnenden Leiden,
Die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
Er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
Im Regen, der rieselnd fiel.

(Hugo von Hofmannsthal, Regen in der Dämmerung, Online-Quelle)

 

Vor dem Sommerregen

Auf einmal ist aus allem Grün im Park
man weiß nicht was, ein Etwas fortgenommen;
man fühlt ihn näher an die Fenster kommen
und schweigsam sein. Inständig nur und stark

ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,
man denkt an einen Hieronymus:
so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer
aus dieser einen Stimme, die der Guß

erhören wird. Des Saales Wände sind
mit ihren Bildern von uns fortgetreten,
als dürften sie nicht hören was wir sagen.

Es spiegeln die verblichenen Tapeten
das ungewisse Licht von Nachmittagen,
in denen man sich fürchtete als Kind,

(Rainer Maria Rilke, Vor dem Sommerregen, aus: Neue Gedichte, Erster Teil 1907, Online-Quelle, Interpretation)

 

Quelle: ichmeinerselbst  🙂

 

Ich bin ja bekanntermaßen pluviophil, daher: Dies ist kein Gemecker über Nasses von oben, der Regen, welcher hier in den letzten Tagen schön und sacht immer wieder gefallen ist, war dringend notwendig und überaus ersehnt. (Der Fellträger sieht das allerdings anders.)
Was ich bemängele, ist die damit einhergegangene deutliche Abkühlung: Petrus, wir sind nachts unter 15 °C und tagsüber knapp drüber, könntest du da nicht bitte was drehen?

Kommt gut in die neue Woche!

 

Kinderlied

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Bring‘ uns Kühle, lösch‘ den Staub
Und erquicke Halm und Laub!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Labe meine Blümelein,
Laß sie blüh’n im Sonnenschein!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Nimm dich auch des Bächleins an,
Daß es wieder rauschen kann!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Regen, Regen (Quelle))

 

Es regnet. Es regnet nicht nur, es schüttet. Lang und ergiebig. Da es zum Glück nicht kalt ist, ist es nur überall nass und klamm. Der Fellträger genießt das Rauschen am liebsten trocken und am Rande des Geschehens, und wenn es ihm nachts gar zu bunt wird, weckt er mich. Tja. Ich habs mir so ausgesucht.

Bei uns hat der Regen nicht so dringend gefehlt wie anderswo, meine Frankfurter Freundin, die mich übers Wochenende besucht hat, sagte, so ab Hannover seien die Bäume deutlich sichtbar grüner geworden. Daher möge man mir außerhalb des Nordens verzeihen, wenn ich der Meinung bin, ein paar schöne, warme, trockene Tage wären jetzt auch mal wieder fein.

Kommt gut (und je nach Wunsch nass oder trocken) durch den Tag!

 

Klammern bei Regen auf der Leine – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst