Es wird ernst | abc.etüden

Dies ist die Fortsetzung von „Der Besuch“, ihr hattet danach gefragt.

***

Es wird ernst. Der angekündigte Besuch ist da. Es ist nicht die Kupferfarbene, zum Glück, diese hier sieht ganz normal aus. Nicht normal ist: Sie riecht gut! Ich meine, hallo, ich bin eine Katze, ich habe schon so einige Menschen gerochen, und über ziemlich viele möchte ich nicht sprechen. Aber sie hier ist völlig okay.

Also habe ich überlegt, wie ich ihr zeigen kann, dass ich sie gut finde, und Annäherungsversuche gestartet. Alle Menschen kraulen gern Katzen, oder? Ja, sie auch. Aber viel lieber fummelt sie an ihm herum, und das, obwohl er immer noch so stinkt. Klar bekomme nur ich das mit, sie bestimmt nicht!

Aber er, er hat mir einen langen Blick zugeworfen und »Nun übertreib mal nicht« gemurmelt, und das fand ich unhöflich. Also bin ich raus und habe mich auf dem Dach vom Geräteschuppen in die Sonne gelegt.

Als ich Hunger bekam, bin ich wieder rein. Meine Schüssel: leer. Zu trinken: Fehlanzeige. Er: im Bett. Sie: im Bett. Ich habe mich danebengesetzt, zugeguckt und gewartet, was sollte ich tun. Man ist ja diskret und will nicht stören.
Irgendwann hat sie mitbekommen, dass ich da war. Immerhin, sie hat nicht gekreischt, aber sie hat sich beschwert, sie würde sich beobachtet fühlen. Ob er da nicht was machen könne?

Und er? Nein, er ist nicht auf die Idee gekommen, ihr zu erklären, dass ich normalerweise dort am Fußende schlafe. Er hat gelacht, sie geküsst und »Ich fütter ihn mal eben« gesagt. In der Küche hat er mich dann gefragt, ob ich, wenn sie Liebe feiern würden, nicht woanders bleiben könnte. Wenigstens am Anfang, bis sie sich an mich gewöhnt hätte?
Ich hab ihm nicht geantwortet, dass es ja wohl keine Frage sei, wer sich an wen gewöhnen müsse.
Menschen.

Liebe feiern, weia. Ich glaub, den hat’s echt erwischt.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Danke an Annette, die nachgefragt hat, ob es eine Fortsetzung der Kattitüde geben würde. Mir war gerade so albern, da dachte ich, das wäre vielleicht gar keine schlechte Idee … ;-)

In meinem Offline-Leben ist zurzeit eine Menge los, daher bin ich gerade etwas seltener bzw. verspätet online, seht es mir bitte nach. Es ist alles okay, es kann nur ein bisschen dauern, bis von mir was kommt. Habt es fein!

 

 

Der Besuch | abc.etüden

 

Er riecht komisch. Zu viel mit der Grappaflasche gefeiert ist es nicht, und ich glaube auch nicht, dass er krank ist. Aber man kann nicht sagen, dass er sich normal benimmt, denn er putzt unsere Höhle viel gründlicher als sonst. Schön, wenn meine Decke mal von dem Fellbelag befreit wird, dann ist das angemessen, aber noch viel lieber wüsste ich, was los ist.

»Kater, wir bekommen demnächst Besuch«, teilt er mir mit, als ich auf seinem Bauch liege, damit er mich streichelt.

Besuch also! Hier kommt selten wer Fremdes her. Hoffentlich nicht wieder die mit den kupferfarbenen Haaren. Wobei ich das ja nicht glaube. Die Leckerlis, mit denen sie versucht hat, sich bei mir einzuschleimen, waren absolut unangemessen, und das habe ich ihr auch klargemacht, als sie mir plump vertraulich kommen wollte, jawohl! So einfach bin ich nicht zu haben!
Aber Menschen sind da anders. Vor allem, wenn sie schon angefangen haben, so komisch zu riechen.

»Wenn sie kommt, könntest du vielleicht ein bisschen netter sein als beim letzten Mal?«, bittet er prompt und krault mich am Ohr.

Nun, ich fand es etwas übertrieben, dass sie darauf bestand, in die Notaufnahme gefahren zu werden, und herumschrie, sie habe keine Tetanusimpfung und bekäme jetzt bestimmt eine Blutvergiftung.
Ich hatte mich wohl ein bisschen zu doll hinreißen lassen. Passiert mir manchmal. Entschuldigung.
Aber »Berserker« habe ich dann wirklich erst mal nachschlagen müssen, als er mit ihr weg war.

Heute Morgen hat er zwei große Kartons mit Geraffel vollgepackt, das seit Monaten hier schon herumfliegt, und in den Geräteschuppen im Hof geschleppt. »Aufräumen« nannte er das.

»Ich freu mich halt, was willst du?«, hat er sich verteidigt, als er meinen Blick bemerkt hat.

Er riecht jeden Tag komischer. Leute, hier ist echt was im Busch.
Ich geh schon mal die Krallen am Sofa schärfen.

 

abc.etüden 2020 24+25 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 24/25.2020: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Susanne von books2cats und lauten: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Eigentlich war es schon lange mal wieder Zeit für eine Kattitüde, oder? Tatsache ist, dass mein Fellträger sich tatsächlich während seiner drolligen 10 Minuten in einen Taschenrambo verwandeln kann – dann fließt auch tatsächlich (mein) Blut und er ist völlig weggetreten und im Rausch. Ich habe ein paar sehr beeindruckende Spuren davon an den Unterarmen.
Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass ein*e unschuldige*r Besucher*in darunter zu leiden hatte, und schon gar nicht wegen irgendwelcher Leckerlis … ;-)

Update: Es gibt eine Fortsetzung: Es wird ernst ;-)

 

19 – Sieben Geister | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Sieben Geister (Katharina, Katha kritzelt)

 

Schneeflocken landen in Kinderlachen, tummeln sich um allgemeines Wohlbefinden. Die Bäuche sind voll, die Beine schwer. Je länger man läuft, desto freier fühlt man sich. Der Hund fährt mit seiner Nase Bahnen in den frisch gefallenen Schnee. Irgendjemand muss den Weg ja ebnen.

Zwölf, zwanzig, fünfzig, hundert, unendlich viel. Alles ist teuer. Das Geld klingelt laut und raschelt überall. Nur leise hört man den Magen einiger Geldbörsen grummeln. Auch dieses Jahr hat der Weihnachtsmann unterwegs Geschenke verloren.

Tick tock. Tick tock. Gleich kommt die Weihnachtsgala im Fernsehen. Die sieht sie jedes Jahr. Früher mit ihrem Mann. Sie schiebt das Fertiggericht mit Gans in die Mikrowelle. Es duftet chemisch und nach Rotkohl. Ein Ping erfüllt die leere Wohnung.

Das kleine Einhorn strahlt rosa, blau und gelb, als es genau im schummrigen Weihnachtsbaumlicht inspiziert wird. Sein Schweif glitzert und schwingt fröhlich hin und her. Eine kleine Dame drückt es an sich und quiekt vor Freude. Sie wird ihn überall hin mitnehmen. Auch in ihre erste eigene Wohnung.

Engumschlungen, liebend, zärtlich. Er streichelt ihre Wange. Sie küsst sanft seine Schulter. Sie liegen vor dem Kamin, eingerollt in das Bärenfell von seinem Großvater. Die Kerzen im Baum und das Feuer im Kamin leuchten nur halb so stark wie ihre Augen.

Leise rascheln seine grünen Nadeln. Seine Äste beben, geht man an ihm vorbei. Es riecht nach Wald, süßlich, herb. Leben. Sterben. Er ist entwurzelt und seine Tage sind gezählt. Draußen könnte er mit seinen Brüdern für eine grünere Welt sorgen, hier drinnen saugt nur jemand.

Sie reicht ihm die Vanillekipferl, er gibt ihr die Teekanne. Die Kindeskinder toben im Hintergrund. Die Kinder ermahnen, halb scherzend, halb erziehend. Sie verbrennt sich am heißen Tee, er krümelt seine Hose voll. Beide lächeln.

 

Adventüden 2019 19 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

05 – Weihnachtszauber zur rechten Zeit – in Hongkong | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Weihnachtszauber zur rechten Zeit – in Hongkong (Petra Schuseil, Wesentlich werden)

 

Sie lebt schon viele Jahre in Hongkong. Hier beginnt der adventliche Weihnachtszauber erst Ende November. Darüber ist sie jedes Mal aufs Neue froh. Erst kurz vor dem 1. Advent werden Schaufenster und Läden geschmückt. Große Tannen werden auf Plätzen aufgestellt. In den ultramodernen Einkaufsmalls und riesigen Eingangsbereichen der Bürotürme stehen Kunstwerke aus filigranem Plastik oder Holz, die an Tannenbäume erinnern. Alle wunderschön dekoriert und sehr außergewöhnlich.

Die Tage sind nun seit Oktober trockener und sonniger geworden. Jetzt im Herbst liebt sie es zu wandern und draußen zu sein. Mit ihren Freunden trifft sie sich gern zum Essen auf der Terrasse. Sie wird die alte Teekanne aus dem Schrank holen und ihre selbst gebackenen Plätzchen offerieren. Für Stefan ohne Nüsse wegen seiner Nussallergie. Sie hat jedes Mal aufs Neue Angst, es könnten sich doch Wal- oder Haselnüsse in die Plätzchen verirren. Bloß nicht dran denken!

Manchmal schaut sie mit ihren Freundinnen Fotos aus früheren Zeiten an. Auf dem einen lächelt sie in die Kamera mit ihrer roten Pudelmütze auf dem Kopf. Schneeflocken zaubern ein Muster auf ihren dunklen Anorak. Sie liebt den milden Winter in der Megametropole. Ohne Glatteis! Ohne Kälte!

Ihr ist bewusst, dass sie ein privilegiertes Leben führt. Sie ist dankbar dafür. Die Armut winkt auch hier an jeder Straßenecke. Man muss nur die hektischen Einkaufsstraßen verlassen und in eine kleine Seitenstraße abbiegen. Schon befindet man sich in einer anderen Welt, mitten im chinesischen Viertel mit seinen verstaubten Tee- und Kräuterläden. Alte und Gebückte ziehen schwere Holzkarren. Der alte Schirmmacher repariert seit Jahr und Tag zerfetzte Schirme, die Wind und Regen mürbe machen. Er wird das chinesische Neujahr feiern. Das wird sein ganz persönliches Weihnachten sein, wenn seine Kinder ihn besuchen kommen.

 

Adventüden 2019 05 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Hongkong also. Da war doch was in den Nachrichten, sogar ziemlich viel, und jetzt ist es gerade wieder ruhiger, nicht? Per glücklichem Zufall bin ich über einen aktuellen Bericht eines Journalisten über seinen Hongkong-Aufenthalt gestolpert, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Ich war sehr davon angetan.

 

Hong Kong: von Hello Kitty bis Hallo Kotti

Vielleicht hat Petra auch noch neuere Infos, die sie teilen kann und mag.