Urwald im Taschenformat und ein Leuchttürmchen ;-)

Nächster Teil aus der »Heute mal keine Steigungen«-Reihe. Das Naturschutzgebiet Heuckenlock, unser erster Anlaufpunkt, ist »einer der letzten Tideauenwälder Europas. Es liegt im Süden der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg nahe der Bunthäuser Spitze außerhalb der Hochwasserschutzanlagen und wird daher ungefähr hundertmal pro Jahr durch Spring- oder Sturmfluten überspült.« (Wikipedia) Daher lohnt es sich unbedingt, den aktuellen Wasserstand im Blick zu haben (Pegel: Bunthaus, Elbe, hier), denn bei (Sturm-) Flut ist der Weg unpassierbar und bei normalem Hochwasser eventuell matschig. Immerhin übersteigt der tägliche Tidenhub 3,50 Meter! Trotzdem würde ich zu der Begehung kurz vor oder nach Hochwasser raten, ansonsten ist der große Priel, der von der Brücke überspannt wird, optisch eine recht traurige Angelegenheit.

Im Netz finden sich zu diesem überaus beeindruckenden Stück Land viele Infos und tolle Bilder, neben der Gesellschaft für ökologische Planung zum Beispiel bei Gerhard Brodowski und bei draussenlust.de, auch Maren von Von Orten und Menschen war schon dort.
Wir parkten am Moorwerder Hauptdeich kurz hinter der gleichnamigen Bushaltestelle, erklommen den Deich und waren auch schon fast drin.

Neben all den Vorschusslorbeeren möchte ich ein paar Dinge klarstellen, um eventuell falsche Erwartungen zu berichtigen:

  • Es gibt nur einen offiziellen Pfad Weg (danke, Olpo) durch das Heuckenlock, alles andere ist (zu Recht; Vogelschutz) gesperrt.
  • Der Pfad Weg ist von einem Ende zum anderen geschätzt ca. 500 Meter lang, vielleicht bisschen mehr, aber gefühlt echt kurz. Man kann außenherum zurück, vor und auf dem Deich.
  • Der Pfad Weg ist fast überall schmal (eine Person).
  • Es ist nicht empfehlenswert, vom Pfad Weg abzuweichen, erstens, weil der Boden unzuverlässig (tief, nass) ist, zweitens, weil alles total verwachsen ist (siehe: Urwald), drittens DARF MAN ES NICHT aus Naturschutzgründen.
  • Man darf auch nicht an die Elbe.
  • Es gibt keine Bänke, Picknick im Naturschutzgebiet fällt flach.
  • Hunde sind an der berühmten kurzen Leine zu führen, und ehrlich: Fahrräder bleiben besser komplett draußen (auch nicht geschoben, fahren kann und darf man eh nicht).
  • Ich liebe die Flatterulmen, alleine dafür komme und käme ich jederzeit wieder, aber fotografisch gesehen bin ich andernorts glücklicher.

Das vorausgeschickt: Warum sollte man sich trotzdem dafür unbedingt Zeit nehmen? Weil es großartig ist. Urwaldig. Verwunschen. Ganz anders als normal aufgeräumter, deutscher Wald. 😉

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Wenn man aus dem Heuckenlock wieder heraustritt und auf den Deich krabbelt und sich nach rechts wendet, hat man das nächste Ziel schon fast vor Augen: die Bunthäuser Spitze (Wikipedia). Das ist die südöstlichste Spitze (Elbkilometer 609) der Elbinsel Wilhelmsburg, vor der sich die Elbe für ca. 17 Kilometer in Norder- und Süderelbe aufteilt (Ende: Köhlbrand, Elbkilometer 626). Bevor man dort ankommt, trifft man aber noch auf das Elbe-Tideauenzentrum (Info), wo man auch nur am Wochenende im Garten sitzen und Kuchen essen kann (was wir taten), und muss den Wohnmobilstellplatz passieren. Dann läuft man auf einem gut befestigten Weg durch eine wunderbare Allee auf die Bunthäuser Spitze und ihre Attraktion, das Leuchtfeuer Bunthaus, zu. Besagtes Leuchtfeuer ist ein knapp sieben Meter hohes Leuchttürmchen aus Holz, das 1914 erbaut wurde und die Schifffahrt darauf aufmerksam machte, dass sich an dieser Stelle die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt. Das Leuchtfeuer wurde 1977 außer Dienst gestellt. Die Treppe, die nach oben auf die umlaufende Galerie führt, ist steil, aber stabil, das Türmchen selbst ist mit Graffiti übersät, aber gut in Schuss. Zumindest am Wochenende ist es ein ziemlich beliebtes Ausflugsziel. Man kann unten darum herumgehen (und dort auch sitzen), aber auch hier gilt: Keine Chance, direkt an die Elbe zu kommen, dort ist alles nass.

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Dies ist vielleicht jetzt nicht die Mega-Sehenswürdigkeit, aber es ist einer der Orte, von denen noch nicht jeder Hamburger gehört hat, geschweige denn, dass man sie kennt – und erst recht nicht jeder Tourist. Ich finde das Leuchttürmchen ausgesprochen entzückend und in Verbindung mit dem Heuckenlock einen großartigen Sonntagnachmittagsausflug.

Dort auf der Bunthäuser Spitze angelangt konsultierte ich meine Schrittzähler. Ich bin nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, es waren knapp über 5.000 Schritte, die wir bisher spaziert waren – und wir hatten beide noch Bewegungsdrang, obwohl das vorgesehene »Programm« eigentlich erschöpft war. Also regte ich an, an der Norderelbe auf dem Deich Richtung Stadt zu laufen, und dabei noch ein bisschen den Gemüseanbau auf Moorwerder zu bewundern, bis wir ungefähr auf der Höhe des Autos waren, das hinter dem Deich an der Süderelbe parkte, und dann für einen guten Kilometer eine Straße quer über Land zu nehmen. Asphalt, ja, aber was solls.

 

Quelle: ichmeinerselbst; Anklicken macht groß!

 

Fazit: Meine beiden Schrittzähler einigten sich auf 13.026 Schritte, das sind im Mittel 8,6 Kilometer. Gebummelt bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Wind, der die Sonne mehr als erträglich machte. Klarer Fall von Sonntagsspaziergang. Anschließend waren wir beide hungrig und fielen spontan bei unserem Lieblingsvietnamesen in Wilhelmsburg ein. Draußen sitzen, essen, trinken, »normal« fühlen. Ein Genuss. Jederzeit gerne wieder.