Tag 27 | 30 Days Book Challenge

 

27 Ein Werk, das vertont worden ist, z. B. als Hörbuch oder Hörspiel

Es ist ein bisschen bitter, schon wieder die Achseln zu zucken und „Ach“ zu sagen, aber Hörbücher (Hörspiele betrachten sich jetzt bitte mal als „mitgemeint“) und ich waren in den letzten Jahren nicht unbedingt Freunde. Der Grund ist einfach: Mir fehlt die Zeit zum Hören. Hören ist nicht mein bevorzugter Sinn.

Nun hört sich das vielleicht nach einem Widerspruch an, wenn man weiß, dass bei mir meistens das Radio läuft (als Soundteppich kurz über der Wispergrenze), aber da höre ich nur ab und an mal hin, bekomme Lieblingslieder mit, Nachrichten, Comedy (*seufz*) und gelegentlich Werbung. Konzentriert ZUHÖREN, und das möchte ich bei Hörbüchern, kann ich nicht, denn in der Regel arbeite/mache ich irgendwas nebenbei, sei es Job oder privat, wofür ich ungeteilte Aufmerksamkeit brauche. Ich habe mir irgendwann versucht anzugewöhnen, nur ein Ding gleichzeitig zu machen (verdammtes Multitasking!), und ZUHÖREN und gleichzeitig arbeiten geht bei mir nicht. Fernsehen und nebenbei lesen kann ich übrigens auch nicht, dann bekomme ich in der Regel von einem nichts mit, dann lasse ich es lieber gleich. Vor dem Einschlafen schaue ich lieber irgendwas im TV, als dass ich hören würde. Beim Spazierengehen oder Autofahren parallel Hörbuch hören würde natürlich funktionieren, aber wenn ich draußen bin, will ich meine Umwelt mitbekommen, ich MUSS mich nicht mit Stöpseln in den Ohren, die ich eh nicht mag, abschotten. Und momentan fahre ich zu selten regelmäßig und längere Strecken Auto, als dass ich Lust auf Hörbücher hätte, um mir die Zeit zu vertreiben. Ich will DA sein, wo ich bin.

Ich habe also kein Hörbuch für euch? Doch. Aber wieder mal nicht den heißen Scheiß aus der Hörbuchschwemme (wobei ich euch sagen könnte, dass es Becky Chambers‘ „langen Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten“ im Original! als Hörbuch gibt, absolut zu empfehlen, wenn man die Stimme der Sprecherin mag), sondern was Literarisches.

Christa Wolf (Wikipedia-Artikel) war eine DDR-Schriftstellerin; bzw. bezeichnet das den Zeitraum ihres Schaffens, der für mich die größte Relevanz hatte. Ich bin zu jener Zeit (im Westen) aufgewachsen, ich hatte Verwandte in der DDR, die wir regelmäßig besuchten, ich begann, mich für Politik zu interessieren und zu diskutieren, ich war im Thema. Als „Kassandra“ – und ich spreche hier von „Kassandra“ – 1983 herauskam, war das die Zeit der erstarkenden Friedensbewegung, der Aufrüstung auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs und des NATO-Doppelbeschlusses. Es war auch die Zeit, wo ich mich (vermutlich) zum ersten Mal mit feministischen Ideen und der damals sogenannten „weiblichen Spiritualität“ auseinandersetzte. Aufgewachsen mit Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“ und vorbelastet durch einige Jahre Altgriechischunterricht war mir das handelnde Personal mehr als vertraut, und Christa Wolfs Interpretation legte sich mühelos wie eine Folie darüber und faszinierte mich zutiefst. Nicht dass mir mein Buch durch zu viel Lesen unter den Händen zerfallen wäre (ich habe es noch, es sieht gut aus), aber ich habe es oft gelesen und sehr geliebt.
Wikipedia schreibt: „Die in selbstverständlichem ‚Wir‘-Gefühl zum trojanischen Hof gehörende Kassandra, die die um sich greifende ‚Vorkriegs‘- und ‚Sicherheits‘-Mentalität als ihr völlig fremd empfindet, muss sich in einer mühsamen Selbstaufklärung zunächst des Sachverhalts bewusst werden, dass ihr eigenes Leben als Königstochter und Priesterin in die herrschaftsbildenden Strukturen am Hof verwoben ist.“ (Quelle: Wikipedia-Artikel) „Vorkriegs- und Sicherheitsmentalität“? Das kommt mir aktuell bekannt vor. Vielleicht sollte ich das Buch erneut lesen.

Und dann diese Stimme, die mich in ihren Bann zieht/zog, seit ich eine Aufnahme von „Kein Ort. Nirgends“ von ihr selbst gelesen gehört hatte. Christa Wolf mag keine großartige Sprecherin sein, aber sie ist, wie jede*r Autor*in, durchdrungen von ihrem Buch. Als ich also per Zufall darauf stieß, dass eine ungekürzte Lesung von „Kassandra“ existiert, musste ich die haben (Hörprobe (3 Minuten) beim Verlag). Herausgekommen ist das Hörbuch 2012, da lebte Christa Wolf allerdings schon nicht mehr, ich gehe davon aus, dass diese Ausgabe auf einer Aufnahme von 1992 basiert, die der SR gemacht hat. Ich kann euch außerdem einen 5-minütigen YT-Schnipsel einer Kassandra-Lesung aus dem Jahr 2010 anbieten (HIER KLICKEN), ich halte beides für einen guten Einstieg.

 

Tag 27 | 30 Days Book Challenge | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Mein Dank verfolgt unverdrossen Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt.

 

Off topic: Adventüden (hier klicken): 6 bereits erhalten, 17 weitere Zusagen. Sehr schön! Weiter so!

 

 

Kennt ihr das?

Du hast es bemerkt. Es ist der kalte Blick. Der kalte Blick des Schreibenden auf seine Objekte. Und dass in dem Augenblick, in dem du soviel Abstand von deinem Schmerz hast, dass du darüber schreiben kannst, dieses Schreiben nicht mehr ganz authentisch ist. Also wenn du schreiben solltest, kannst du nicht schreiben, und wenn du schreiben kannst, solltest du nicht schreiben.

(Christa Wolf, Stadt der Engel, 2010, S. 286)

Kennt ihr das auch? Ich habe momentan das Gefühl, dass alles, was ich schreibe, absoluter Mist ist und ich mir selbst schreibend nicht mehr nahekomme. Alles ist irgendwie … gerade nicht das, was ich sagen will.

Ich glaube, ich muss ein bisschen schweigen, bis die Stille um mich herum keine Mauer mehr ist und ich wieder was erzählen möchte.

Tränendes Herz – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, nein, nicht mein Garten

 

Kassandra

… da musste ich mich fragen, aus was für dauerhaftem Stoff die Stricke sind, die uns ans Leben binden.

(Christa Wolf, Kassandra)

 

Mein Einstiegsbuch bei Christa Wolf. Damals. Ich (Westdeutschland), mythenbelesen, frauen- und friedensbewegt und jung, war begeistert. Ich habe ihren Entwurf schon damals als Utopie verstanden und diskutiert …

Das ist inzwischen lange her, aber nachdem ich in der letzten Zeit öfter über sie und meine Erinnerungen gestolpert bin, möchte ich mich doch nochmal dran machen und schauen, ob ich es immer noch mag.

Was sie hier liest, ist der Anfang von „Kassandra“, und immerhin, sie ist es selbst.

 

 

Samstag, 13. September 2014

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

(Franz Kafka)

 

Auf Facebook kursiert gerade ein Spiel, bei dem man 10 Bücher auflisten soll, die einen besonders beeinflusst oder beeindruckt haben. Oder so. Wobei ich die Anforderung ja schon mal hoch gegriffen finde. Ich bin in mich gegangen, habe mich an die Bücher meiner Kindheit und Jugend erinnert und war erstmal irritiert, dass spontan so viele Romane auftauchten. Dann habe ich beschlossen, mich auf Fiktion zu beschränken und meine Auswahl zu kommentieren.

Wer mitmachen möchte: bitteschön, herzlich willkommen, ich freue mich auf eure Kommentare und/oder Beiträge!

 

  1. Annemarie Selinko: Désirée
    Der erste historische Roman meines damals noch recht kurzen Lebens. Nein, ich habe mich nie in die Rolle von Napoleon Bonapartes erster Verlobter, Désirée, der späteren schwedischen Königin, hineinversetzt. Mir ist auch klar, dass das ein Roman ist, kein Tatsachenbericht, auch wenn die Figur historisch ist. Aber ich erinnere mich, dass dieses Buch in unserem heimischen Bücherschrank stand, und dass ich es viele, viele Male begeistert gelesen habe.
  2. Hermann Hesse: Narziss und Goldmund
    Ja, ich bin auch aus der Generation (oder kurz danach), wo man Hesse gelesen haben musste. Ich also auch. Allerdings muss ich sagen, dass ich mit dem ach so beliebten „Steppenwolf“ nie wirklich warm geworden bin, „Narziss und Goldmund“, „Siddhartha“ und das „Glasperlenspiel“ aber oft und gern gelesen und darüber gegrübelt habe.
  3. Thomas Mann: Die Buddenbrooks
    Es gibt Bücher, die werden einem von anderen nahegebracht. Ohne meine damalige beste Freundin hätte ich dieses Buch nie so schätzen gelernt. Heute bekenne ich, dass die Buddenbrooks mir (als Jugendliche auf dem Dorf) eine andere Welt eröffnet haben. Dass ich mich in Hamburg zu Hause fühlen kann, verdanke ich auch diesem großartigen Buch.
  4. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
    Mit diesem Werk wurde ich (mit 14) Fantasy-Fan. Ich habe erst später begriffen, dass ich mit Tolkien die Messlatte ziemlich hoch gelegt habe, aber bedauern kann ich das nicht. Ich erinnere mich: ich habe diese Bücher Tag und Nacht wie ein Verdurstender gelesen (Ferien!), dann war ich durch, schlief mich aus – und fing wieder von vorne an.
    Keine weiteren Fragen. Eben.
  5. Christa Wolf: Kassandra
    Zu den heißgeliebten Büchern meiner Jugend gehörten auch die „schönsten Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab. Ich war ein großer Fan griechischer Sagen. Kassandra passte, Kassandra war aber auch der Anfang meiner frauenbewegten Phase, was ebenfalls zum Geist der Zeit gehörte. Ich mag Christa Wolfs Art, Dinge zu beschreiben, auch heute noch, aber nach der Wende hat sie für mich an Relevanz verloren.
  6. Dorothy Sayers: Aufruhr in Oxford
    Eine Zeitlang habe ich die Sayers-Krimis verschlungen. Letzten Endes ist dies eine Liebesgeschichte und ein Buch über Selbstbestimmung; ich habe alle Lord-Peter-Wimsey-Krimis auch immer wegen der Unzahl an Zitaten geliebt. Dorothy Sayers ist mir sehr kostbar.
  7. Marion Zimmer Bradley: Die Nebel von Avalon
    Danach war meine Welt nicht mehr wie vorher. Heute sehe ich meine Begeisterung viel distanzierter, aber damals war es mein erstes „Hexenbuch“, und ja, es hat mir Wege geöffnet, die mein Leben zu dem gemacht haben, was es heute ist.
    An dieser Stelle muss ich mich auch als „Darkover“-Fan outen, auch eine wichtige Reihe, die ich zeitweise fast komplett in meinem Regal hatte.
  8. Fannie Flagg: Grüne Tomaten
    Ich kann das Buch vom Film schlecht trennen. Ich liebe beide. Warum gerade das? Keine Ahnung, ehrlich. Hat auf jeden Fall viel mit Humor zu tun. Kennt ihr übrigens „Schultze gets the Blues„?
  9. Paulo Coelho: Der Alchimist
    Und dann stolpert man über Bücher, wo man beim Lesen nickt und immer nur „ja, ja, ja“ sagt. Und so tief. Und in einer so schönen Sprache. Nein, ich habe nicht alles von ihm gelesen, manches tangiert mich nicht, aber er ist mehr als empfehlenswert.
  10. Patricia McKillip: Die „Riddle-Master“-Trilogie
    Neben Tolkien, der für sich allein steht, und vielleicht noch Terry Pratchett, dessen klugen Humor ich ebenfalls sehr schätze (Oma Wetterwachs!), ist Patricia McKillip so was wie ein Alltime-Favorit. Die „Riddle-Master“-Trilogie war ihr Erstlingswerk und ich liebe sie dafür heiß und innig, aber ich liebe auch fast alle ihrer späteren Bücher. Ich liebe ihre Beschreibung von Magie, die lebensbejahende Schönheit und Sanftheit ihrer Sprache – ich kehre so gern in ihre Welten zurück.

 

Ein Buch muss die Axt sein – 365tageasatzaday