Adventüden 2021 28-11 | 365tageasatzaday

28.11. – Mirakel | Adventüden

In der Bürotür stand eine Frau im Jackett, die Haare kinnlang geschnitten.

»Melitta Krampus«, sagte sie. »Ich arbeite seit gestern in der Buchhaltung. Sagen Sie Melitta.«
»Gerne. Ich heiße Klara.«

Aus der Ferne hörte man Johlen. Wahrscheinlich spielten sie Scharaden. Klara schauderte. Melitta verzog schmerzvoll das Gesicht.

»Du magst auch keine Weihnachtsfeiern?«
»Ich verabscheue sie.«
»Dabei hat Weihnachten so schöne Seiten«, sagte Melitta.
»Sicher.« Klara mied seit Jahren alles, was an Weihnachten erinnerte.

Melitta stellte eine bauchige Aktentasche auf den Schreibtisch. Sie öffnete den Schnappverschluss und holte eine emaillierte Dose heraus.

»Kekse?«

Klara probierte aus Höflichkeit. Es waren ja keine Plätzchen. Kekse konnte man das ganze Jahr essen. Das Gebäck schmolz auf ihrer Zunge. Sie konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.

»Marzipan?«, fragte Melitta und hielt ihr eine knisternde Zellophantüte mit Marzipankartoffeln unter die Nase.
»Kartoffelsalat?« Eine große Schüssel landete auf dem Schreibtisch.
»Bratapfel?« Der dampfende Apfel duftete. Dicke Vanillesoße floss an seinen Seiten hinunter auf das Tellerchen mit Goldrand.
»Punsch habe ich leider nicht, aber Eistee.« Melitta hob eine funkelnde, geschliffene Glaskaraffe nebst zwei passenden Gläsern aus der Aktentasche und goss ein. »Prost«, sagte sie.

Der Eistee war kühl und fruchtig. Klara schloss die Augen und spürte dem Geschmack nach.

»Hallo?«, sagte eine Frauenstimme.

Melitta stand wieder in der Tür.

»Ich bin Thea Klaus«, sagte sie.

Klara starrte.

»Die neue Kollegin aus der Buchhaltung.«
»Oh«, sagte Klara.
»Kleine Privatfeier?«, fragte Melittas Doppelgängerin.

Oder hatte es Melitta nie gegeben? Der Tisch war nach wie vor reich gedeckt.

»Da will ich nicht stören«, sagte Frau Klaus und ging.
»Guten Tag, ich bin …«, rief Klara halbherzig. Die Doppelgängerin hielt sie sicher für verrückt.

Sie schaufelte sich einen großen Löffel Kartoffelsalat in den Mund und kippte Eistee hinterher. Vielleicht bildete sie sich das alles ja nur ein, aber es schmeckte wunderbar.


Autor*in: Nina Bodenlosz           Blog: Das Bodenlosz-Archiv

 

Adventüden 2021 28-11 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Aktentasche, Bratapfel, Doppelgänger, Eistee, Geborgenheit, Glitzer, Kartoffelsalat, Kekse, Kopfzerbrechen, Marzipan, Partitur, Schneeregen, Sehnsucht, Sturmwolkenblau, Weihnachtsschmuck

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2021, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

Die Entscheidung | abc.etüden

Ich glaube, jede*r von euch, die*der selbst schreibt, kennt das: Manche Figuren entwickeln ein Eigenleben und möchten ihre Sicht der Dinge erzählen. Wie praktisch, dass gerade Extraetüden anstanden. Also waren nach zwei Kattitüden jetzt auch ein paar der beteiligten Menschen dran. Ich glaube allerdings, jetzt bin ich/sind wir durch.

Die empfohlene Lesereihenfolge:

  1. On the Road again?
  2. Sommerquartier
  3. Die Nachricht

Und dann diese hier. Man möge mir bitte verzeihen, dass ich die Zeit ein bisschen vorgedreht habe. Ich versichere, dass ich den endlich gerade eingetroffenen Sommer (oder so) noch lääääääääääääääängst nicht überhabe.


 

Anfang September.

»Hallo? Jemand zu Hause?«

Er sah von seinem Buch auf. »Schau mal, Leo, wir bekommen Besuch«, sagte er, als er sie erkannte, aber den Kater interessierte das nicht. »Kommen Sie rein«, bat er, »trinken Sie einen Kaffee mit mir?«

Sie nickte. »Gern.« Sie trat in die Schrebergartenbaracke und sah sich neugierig um. Ganz offensichtlich wohnte hier jemand, der organisiert war und Erfahrung damit hatte, mit wenig auszukommen. Sie sah dem alten Mann zu, wie er mit geschmeidigen Bewegungen den Kaffee zubereitete.

»Musterung beendet?«, erkundigte er sich, und sie lächelte ihn an. »Gut sehen Sie übrigens aus. Ich vermute, Sie hatten einen schönen Sommer? Was macht der Zwerg?«

»Sein Vater passt auf ihn auf«, berichtete sie stolz. Zweifel über ihr Glück schwangen in ihrer Stimme mit.

»Klingt nach einer Geschichte«, befand er und reichte ihr einen Becher. »Milch? Zucker?«

»Schwarz, danke.« Sie überlegte. »Ich habe zwar immer Kinder gewollt«, begann sie, »aber eigentlich nur in einer festen Beziehung, und so weit waren wir noch lange nicht. Wenn aber der Typ abtaucht und sich nicht mehr meldet, und man plötzlich feststellt, dass man schwanger ist, ungewollt, dann fragt man sich schon, wieso ausgerechnet einem selbst so was widerfährt.«

Sie pustete gedankenversunken auf ihren dampfenden Kaffee.

»Um es kurz zu machen: Er ist wiederaufgetaucht und hat sich erklärt, und wir sind zusammengezogen. Er lebt in einem alternativen Wohnprojekt am Stadtrand, da gibt es die Möglichkeit, dass ich mit dem Kind auch einziehe.«

»Mutig. Glückwunsch!«

»Ja, toll, nicht? Einziger Haken: Leo kann nicht mit. Sebastian mag keine Katzen.«

»Tja, danke fürs rechtzeitige Bescheidgeben. Wir hängen inzwischen ziemlich aneinander.«

Leo sprang prompt auf seinen Schoß und ignorierte seine ehemalige Dosenöffnerin komplett. Er kraulte ihn am Ohr.
Sie sah ein bisschen traurig drein.

»Darf ich fragen, wo Sie wohnen?«

»In den Plattenbauten. Sechster Stock. Geht schlimmer, aber kein Ort für einen Freigänger.«

»Was ich eigentlich sagen wollte: Ich suche einen Nachmieter.«

Sein Blick streifte ihr Gesicht. »Trinken Sie, sonst wird er lau«, fing er an und verstummte. »Wissen Sie«, meinte er schließlich, »ich bin irgendwann aus diesem Hamsterrad, diesem Korsett der ordentlichen Leute rausgeflogen. Ich bin ein bisschen wild. Sie haben es gesehen und es sich bestimmt gedacht: Ich besitze nicht viel. Dass mich jemand nimmt, wo ich nur vom Minimum lebe, ist unwahrscheinlich.«

»Ich könnte fragen. Ich habe eine kleine Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss, nach hinten geht ein Garten raus. Wir sind im Haus fünf Parteien, und die sind alle eher ruhig. Die Hausverwaltung wäre übrigens heilfroh, wenn sie jemanden für den Garten hätten.«

»Hm.«

»Es gab mal die Idee für einen Blühstreifen, aber keiner wollte sich darum kümmern, weil alle noch arbeiten.«

Sie sah seine Augen aufleuchten.

»Wo wäre das überhaupt?«

»Das Viertel neben der Kirche.«

»Lebt der alte Bernd in dem Haus auf der Ecke noch? Wir haben früher miteinander Schach gespielt.«

»Tut er.«

Er lehnte sich in seinem Gartenstuhl zurück und streichelte den im Schlaf schnurrenden Leo. »Okay, fragen Sie. Ich habe immer schon geglaubt, dass rote Kater Glück bringen.«

 

Extraetüden 22.21 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden (Extraetüden), Woche 22.2021: 5 Begriffe, maximal 500 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Nina (Das Bodenlosz-Archiv) und Bernd (Red Skies over Paradise). Die möglichen Wörter lauten: Korsett, rechtsdrehend, dampfen, Baracke, lau, widerfahren. Diesmal habe ich (gern) auf rechtsdrehend verzichtet 😉

 

Die Nachricht | abc.etüden

Er hätte alles erwartet. Alles, aber nicht das. Er zog an seiner Kippe, um seine zitternden Hände zu beschäftigen, starrte noch einmal zum Parkplatz, wohin die blonde Frau verschwunden war, und griff erneut nach seinem Handy.
Es war ein lauer Frühsommerabend, aber er hätte auch im Sturzregen an der Kneipenbaracke lehnen können, aus der die Musik dröhnte, es wäre ihm nicht aufgefallen. Seine Welt war kurzfristig auf das Display geschrumpft, auf dem das Foto eines blauäugigen Babys zu sehen war.

Dein Sohn, Sebastian. Er heißt Jan. Melde dich, wenn du reden willst. Julia.

»Alter, was ist los?«

Das war Niklas, sein bester Freund. Wortlos hielt er ihm das Handy entgegen.

»Nicht dein Ernst.« Stocken. Schweigen. »Julia? Diese hübsche Blonde, mit der du so vor einem Jahr kurz was laufen hattest?«

Er nickte.

»Erzähl.«

»Ich weiß doch auch nichts. Ich war mit den anderen hinten, weil wir was dampfen wollten, als sie reinkam. Also bin ich hin und hab sie gefragt, ob sie mit mir was trinken würde, um bei der Gelegenheit zu erklären, warum ich mich bei ihr nicht mehr gemeldet hatte, und ihr von der ganzen Scheiße zu erzählen, die mir da passiert ist, Umzug und alles. Wir waren ja auch immer nur bei mir gewesen, ich weiß nicht mal genau, wo sie wohnt!
Eigentlich hab ich erwartet, dass sie mich voll fertigmachen würde, aber sie hat nur wissen wollen, warum ich sie nicht angerufen hätte. Da hab ich ihr dann noch schnell die Story mit der neuen Nummer gebeichtet und warum ich eine brauchte. Und sie, sie hat mich ganz komisch angelächelt und höflich gefragt, ob sie jetzt vielleicht meine Nummer haben dürfte. Wir haben die Nummern ausgetauscht, sie hat ›Danke‹ gesagt, sich umgedreht und mich stehen lassen. Und plötzlich krieg ich das Foto.«

»Ich mein, sorry, ich will nichts Falsches sagen, aber Vaterschaftstest und so? Nicht, dass du hinterher für irgendwas der Dumme bist.«

»Die ist nicht der Typ zum Rumvögeln, da ist die viel zu gut für. Glaub nicht, dass die schon mit vielen im Bett war.«

»Ach. Und wie man verhütet, dass wusste sie nicht?«

»Sie hat gesagt, dass sie die Pille nimmt«, verteidigte er sich, wohl wissend, dass er auf verlorenem Posten stand. »Lass mich. Ich muss nachdenken.«

»Seh schon, du hattest sie unterdessen nicht vergessen.«

»Hatte ich nicht.«

»Soll ich dir was mitbringen? Ich geb einen aus.«

Er nickte, in Gedanken immer noch ganz woanders. Ihm war leicht schwindlig zumute, als ob seine Welt durch jene Nachricht abrupt stillgestanden hätte und wieder durchgestartet wäre – und ob links- oder rechtsdrehend war ihm dabei ganz egal. Er war Vater!

Niklas kam zurück und balancierte zwei Schwenker mit einer dunklen Flüssigkeit, von denen er ihm einen in die Hand drückte.

»Trink, Alter, auf den Schock«, sagte er. »Da gibt es doch diesen Uralt-Spruch: Wenn einem so viel Gutes widerfährt …« Er prostete ihm zu. »Ist es das?«

»Gut? Weiß nicht.« Er kippte den Weinbrand auf ex und hustete. »Doch«, keuchte er. »Glaub schon.«

 

Extraetüden 22.21 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden (Extraetüden), Woche 22.2021: 5 Begriffe, maximal 500 Wörter. Die Wortspende stammt dieses Mal von Nina (Das Bodenlosz-Archiv) und Bernd (Red Skies over Paradise). Die möglichen Wörter lauten: Korsett, rechtsdrehend, dampfen, Baracke, lau, widerfahren. Ich habe nur das Korsett nicht untergebracht.

Seit meiner letzten Kattitüde gehen mir die Protagonisten nicht mehr aus dem Kopf, und plötzlich entsprang der Vater des Zwergs, der letzten Endes dafür verantwortlich ist, dass Leo ausgerückt ist, meinem Kopf und wollte erklären, dass er sehr wohl einen Grund hatte, spurlos zu verschwinden, und kein kompletter Vollpfosten ist. Nun ja. Bitte schön.

 

Schreibeinladung für die Textwoche 22.21 | Extraetüden

Angeblich schlittern wir in der kommenden Woche ja endlich in den Frühsommer, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, weitaus sicherer ist jedoch, dass ich euch vorher zu den zweiten Extraetüden dieses Jahres aufrufen möchte. Heute ist nämlich der fünfte Sonntag im Monat Mai, und das bedeutet Extraetüden, bis es am nächsten (ersten) Sonntag des Monats Juni mit den regulären Wörtern weitergeht.

Gestern entschwebten hier jedenfalls schon so einigen Gärten dicke Grillrauchschwaden, alternativ brummten die Rasenmäher und die Radios dudelten, und diverse Menschen verschönerten (oder so) ihre Gärten, seien sie klein oder groß: Es gibt immer etwas zu tun, dem Glücklichen schlägt keine Stunde! Der Fellträger brachte eine höchst lebendige Maus mit durch die offene Außentür und wunderte sich, dass weder die Maus noch ich geduldig abwarten wollten, während er sein Futterschüsselchen inspizierte. Menschen (und Mäuse) sind da manchmal komisch. (Ja, die Maus hat überlebt, ich habe sie höchstpersönlich rausgetragen. Fragt nicht.)

Fertig für die Statistik? Ich habe 68 Etüden von 32 Blogs gezählt – ihr Lieben, es scheint gerade wieder mal öfter Probleme mit nicht durchkommenden Pings zu geben, mögt ihr bitte, wenn ihr Etüden einreicht, ein Auge drauf werfen, dass die Links/Pings zu euren Etüden auch tatsächlich in den Kommentaren der Schreibeinladung auftauchen? Danke.
Wenn irgendwas schiefgegangen ist, sagt Bescheid, ich trage nach! 😀

Ferner hat zum ersten Mal Barbara (kulturbowle.com) eine Etüde beigesteuert, was bedeutet, dass ich sie (erneut) im erlauchten Kreis der Etüdenverrückten begrüßen kann: Wie schön, dass du dich getraut hast, bitte gerne mehr von dir, und ja, auch gerne weiterhin in den Kommentaren, gar kein Thema.

Die Liste führt mit weitem Abstand diesmal Kain Schreiber an: 10 Etüden, davon gehören 9 zu einer Fortsetzungsgeschichte, die zwar nicht heiter, aber dennoch richtig gut ist: Lesen! Auf den Plätzen folgen die üblichen Verdächtigen: Gerhard mit 7 und Christian mit 6 Etüden, daraufhin kommen Jane und Ellen mit jeweils 4 Etüden.

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Vielen Dank an jede*n, die*der mit durch die teilnehmenden Blogs gegangen ist und kommentiert/diskutiert/gelikt hat.

Kaffee und Keks parat? Hier kommt die Liste.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Barbara von der Kulturbowle in meinen Kommentaren: hier
Bernd von Red Skies over Paradise: hier, hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Heidi auf heidimariaskleinewelt: hier
Jane auf Blood, Tears, Gold & Minds: hier, hier, hier und hier
Christian auf Wortverdreher: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle: hier, hier und hier
Lene auf HerzPoeten: hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier und hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier, hier, hier und hier
Doro auf DORO|ART: hier
Resi Stenz auf Gschichtldruckerei Resi Stenz: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier und hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Sofie auf Sofies viele Welten: hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier
Torsten auf Wortman: hier
Yvonne auf umgeBUCHt: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Ulli aus dem Café Weltenall: hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier

Nachzügler:
Veronika auf vro jongliert: hier

Ihr wisst/erinnert euch, wie das mit den Extraetüden geht?! Ihr nehmt die Begriffe des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht euch davon fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!
Den Rest kennt ihr.

Die Wörter im Monat Mai spendeten Nina (Das Bodenlosz-Archiv) und Bernd (Red Skies Over Paradise) Sie lauteten:

Korsett, rechtsdrehend, dampfen
Baracke, lau, widerfahren.

 

Dieses Mal gilt die Abwandlung des öden, blöden Etüden-Disclaimers: Die Headline für die Etüden heißt: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern.
Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist diese hier), der kommt nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es schon am nächsten Sonntag, den 6. Juni 2021. Euch viel Schreiblust! Habt weiterhin ein schönes Wochenende und bleibt heiter!

 

Extraetüden 22.21 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Extraetüden 22.21 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Männerballett | abc.etüden

Er hasste es spontan und hob das Kostüm an zwei spitzen Fingern hoch. Weiß. Federn. Albern. Warum nur hatte er zugesagt, bei der Charity-Gala mitzuwirken? Guter Zweck, ha, Event, Spenden für die Krebsstation, ha, eine Lachnummer würde es werden und er würde sich unsterblich blamieren. Und dafür probte er mit den anderen Honoratioren des Ortes jetzt schon zwei Monate!

***

Du lieber Himmel. Markus! Da passe ich nie rein! Unmöglich!

Komm schon, Peter, du wirst doch deinen edlen Hintern unter so einem Tutu-Röckchen verstecken können! Geht uns nicht anders!

Hast du eben nicht zugehört? Ich tanze das Solo. Ich bin der Schwan, der sterbende!

Gratulation! Wieso du? Ich dachte, er hätte den anderen Peter gemeint.

Der Trainer sagt, dann bringe ich euch wenigstens nicht raus, wenn wir alle in einer Reihe tanzen, weil ich anscheinend rechtsdrehend und linksdrehend nicht auseinanderhalten kann.

Da ist was dran, oder?

Der Trainer sagt, er sei froh, dass es bei uns nur einen gebe, der sich automatisch in die falsche Richtung dreht. Und ob ich Linkshänder wäre. Kann ich da was für? Mann, muss das sein, ich und das Solo? Ich seh mich schon auf Instagram herumhampeln!

Schön, dann brauchen wir für dich ein Korsett für darunter, damit du eine gute Figur machst, wenigstens um den Bauch und den Hintern herum, Herr Konditor.

Spinnst du? Nie im Leben! Das wird ja immer schlimmer!

Lass mich mal machen. Dein Freund Markus kennt sich da aus.

ACH WAS?!?!?! Interessant, was du so alles weißt.

Hab dich nicht  so. Wir werden schon einen hübschen Crossdresser aus dir machen! Vielleicht macht es dir ja sogar Spaß, wer weiß das schon. Lass uns erst mal rausgehen, eine dampfen, und dann kannst du weiter an deinem perfekten Hüftschwung feilen. Du wirst den Laden schon rocken, das verspreche ich dir.

 

abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday
Quelle: Foto von Shuxuan Cao von Pexels, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 18/19.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Nina Bodenlosz mit ihrem Blog »Das Bodenlosz-Archiv«. Sie lauten: Korsett, rechtsdrehend, dampfen.

Nein, nicht autobiografisch. Kein Stück davon. Nur das mit dem Drehen. Schönen Vatertag, die Herren! 😀

 

Schneckenkönig | abc.etüden

Guck mal, Mama, ein Schneckenkönig!«

Sie musterte das Mädchen, das neben ihrer Bank im Sandkasten zugange war. In der Hand schien sie eine gewöhnliche Bänderschnecke mit gelbem Schneckenhaus zu halten. Mama, eine Bank weiter, traktierte ihr Handy und sah nicht auf. Vielleicht spielte sie nicht, sondern war im Home Office und arbeitete?

»Dann gib acht, dass die Enten ihn nicht fressen, Mia«, kam es von Mama, die ununterbrochen auf ihrem Display herumtippte. Punkt für Mama, der Teich war gleich nebenan.

Ihr Blick traf den des Mädchens.

»Was ist denn überhaupt ein Schneckenkönig?«, fragte sie die Weltentdeckerin.

Mia vergewisserte sich, dass ihre Mutter abgelenkt war.

»Also«, erklärte sie mit gedämpfter Stimme. »Normalerweise sind alle Schneckenhäuser rechtsdrehend, das bedeutet, wenn du sie so auf die Seite legst, dass die Öffnung unten ist, ist die rechts.« Sie sah sich suchend um. »Halt mal, die tut nichts.«

Sie drückte ihr die Schnecke in die Hand und stapfte zur anderen Ecke des Sandkastens. Als sie zurückgelaufen kam, brachte sie eine zweite Schnecke mit. »Die hier ist normal. Wenn du die nebeneinanderlegst, kann man sehen, dass die Häuser in unterschiedliche Richtungen drehen. Siehst du das?«

Interessant, die Schneckenhäuser waren spiegelbildlich gewunden. »Und das gibt es nicht so oft?«, fragte sie.

»Schneckenkönige sind ganz total selten“, belehrte Mia sie. »Meine Lehrerin …«

»Mia Marie! Du störst die Dame!« Mama war aufmerksam geworden. Verlegenheit dampfte ihr förmlich aus allen Poren. »Entschuldigen Sie, meine Tochter wollte Sie nicht belästigen.«

»Tut sie nicht.« Sie schüttelte den Kopf. »Alles gut. Ich habe Zeit und unterhalte mich gern.«

Mama widmete sich tatsächlich beruhigt erneut ihrem Handy.

Sie seufzte. »Und was machst du jetzt mit ihnen?«, wandte sie sich an die Schneckenforscherin.

Das Korsett ihres Alltags sah vor, dass es in einer Stunde in der Seniorenresidenz Mittagessen gab.
Noch mal so jung sein.

 

abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Wochen 18/19.2021: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Nina Bodenlosz mit ihrem Blog »Das Bodenlosz-Archiv«. Sie lauten: Korsett, rechtsdrehend, dampfen.

Selbstverständlich gibt es Schneckenkönige! Wer davon noch nie etwas gehört hat, kann hier bei Wikipedia nachlesen. Ich erinnere mich, als Kind welche gefunden zu haben, aber ich wusste nie, dass es dafür eine eigene Bezeichnung gibt. Und ob Schneckenkönige bei den »normalen Gartenschnecken« soooo selten sind, weiß ich auch nicht, bei Weinbergschnecken scheinen sie es allerdings zu sein. 🙂

Übrigens bin ich ziemlich stolz, dass ich in dieser Runde die Erste mit dem nicht rechtsdrehenden Schneckenkönig bin.

 

Gelbe Bänderschnecke | 365tageasatzaday
Rechtsgewundene Schnecke (»rechtsdrehend«), Quelle: Pixabay

 

Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.21 | Wortspende vom Bodenlosz-Archiv

Der April hat immer weiter das gemacht, was er will, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, und in diesem Fall hat er (und natürlich die wunderbar vergnügliche Wortspende von Doro) eure Ideen beflügelt, was wunderbar zu lesen war. Möge der Mai sich als ähnlich beschwingt erweisen – wobei die Wortspenden es in sich haben und nach Geschichten rufen, so oder so, ich bin gespannt, was euch (und mir) so einfällt.

Kurze Vorrede dieses Mal. Ich fange wie immer mit der Statistik an: Ich verzeichne diesmal 73 Etüden von 32 Blogs, alles über 70 ist sehr viel, vielen Dank! Dieses Mal ist Ulrike in einen Schreibflow geraten, Puzzleblumes Muse war überaus lebhaft und so haben beide den nach wie vor schreibstarken Männern Paroli geboten.
Die Liste führt also dieses Mal Ulrike mit ganzen 8! Etüden an, gefolgt von Christian und Gerhard mit jeweils 6 Etüden und Puzzleblume und Werner mit jeweils 5 Etüden. Danke euch sehr!

Vielen Dank wie immer an alle, die mitgeschrieben, mitgelesen, gelikt und kommentiert haben! Danke besonders an Doro für das Mitziehen und Kommentieren in den schreibenden Blogs, und wie immer danke ich jeder*jedem, die*den ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat.

Auch dieses Mal bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Ich trage gerne nach, wenn irgendwas nicht stimmt, ihr wisst, es ist keine böse Absicht, und manchmal geht auch was mit den Pings/Verlinkungen schief …
Kaffee und Keks(e) zur Hand? Hier kommt die Liste.

Disclaimer: Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.

Christa Hartwig in meinen Kommentaren: hier
Jane auf Blood, Tears, Gold & Minds: hier und hier
Gerhard auf Kopf und Gestalt: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Heidi auf heidimariaskleinewelt: hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Resi Stenz auf Gschichtldruckerei Resi Stenz: hier, hier, hier und hier
Maren auf Ich lache mich gesund: hier, hier und hier
Puzzleblume auf Puzzle❀: hier, hier, hier, hier und hier
Corly in Corlys Lesewelt: hier
Christian auf Wortverdreher: hier, hier, hier, hier, hier und hier
Tanja auf Stachelbeermond: hier und hier
Ulrike auf Blaupause7: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Carmen aus der Wortwabe: hier
Kain Schreiber auf Gedankenflut: hier und hier
Ellen auf nellindreams: hier und hier
Monika auf Allerlei Gedanken: hier und hier
Judith auf Mutiger leben: hier und hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier, hier und hier
Bernd von Red Skies over Paradise: hier, hier und hier
Werner auf Werner Kastens: hier, hier, hier, hier und hier
Myriade auf la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier
Yvonne auf umgeBUCHt: hier
Doro auf DORO|ART: hier
Alice auf Make a Choice Alice: hier und hier
Sabine auf Wortgeflumselkritzelkram: hier
Elke H. Speidel auf Transworte auf Litera-Tour: hier
Torsten auf Wortman: hier
Donka auf onlybatscanhang: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Veronika auf vro jongliert: hier
Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier

Nachzügler, bitte unbedingt beachten:
Natalie im Fundevogelnest: hier

Die Wörter für die Textwochen 18/19 des Schreibjahres 2021 stiftete Nina mit ihrem Blog Das Bodenlosz-Archiv. Sie lauten:

Korsett
rechtsdrehend
dampfen.

Wie immer an dieser Stelle der Verweis auf den Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Eure Beiträge verlinkt ihr bitte wie gewohnt hierhin und/oder postet den Link unten in einen Kommentar, damit eure Etüden auch ganz sicher von mir und von allen, die es interessiert, gelesen werden können. Wen ich nicht in den Kommentaren/Pings der zugehörigen Schreibeinladung finden kann (das ist hier), der kommt (höchstwahrscheinlich) nicht auf die nächste Liste bzw. muss meckern, ich merke mir nicht, was ich wann eventuell bei wem gelesen habe.
Die Illustrationen unterliegen nach wie vor meinem Copyright. Wie immer behalte ich mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig. Wer sich die Illustrationen herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen. Wenn was fehlt – ihr wisst schon.

Die nächsten regulären Wörter gibt es am 16. Mai 2021.
Habt weiterhin ein schönes Wochenende und genießt im Wonnemonat Mai, was es zu genießen gibt – möge es ein Monat der Wonnen werden!

 

abc.etüden 2021 18+19 | 365tageasatzaday
Quelle: Foto von Shuxuan Cao von Pexels, Bearbeitung von mir

 

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Adventüden 2020 08-12 | 365tageasatzaday

08.12. – Annamirls magische Semmelknödel | Adventüden

 

Annamirl kochte die besten Semmelknödel weit und breit, doch der Bürgermeister kam nicht mehr zum Essen. Er wollte seine schlanke Linie halten.

»Welche schlanke Linie?«, fragte seine Frau, die das Hungern zur Religion erhoben hatte und für jedes Kohlehydrat im Fitnessstudio Buße tat. Tatsächlich wölbte sich, seit er im Amt war, ein Bäuchlein in seiner Körpermitte. Und es war Wahlkampf. Also gönnte er sich keinen Käsekuchen und auch keinen Lebkuchen.

Am Wunschpunsch nippte er nur bei der Weihnachtsfeier, was dieser Veranstaltung nicht zuträglich war. Den Wichtel-Rap der Auszubildenden ertrug er, den Minnesang der Hausmeister für alle weiblichen Angestellten ebenso, er las sogar aus dem sentimentalen Märchenbuch des örtlichen Poeten vor. Doch beim Ballett der Buchhaltung zur Petersburger Schlittenfahrt wurde ihm blümerant.

Er stürzte aus dem Saal. Im Aktenschrank stand eine Flasche Gin von Annamirl, bei der er in besseren Zeiten fast täglich gegessen hatte. Er trank ein zweites Glas. Gin war eine unschuldige, klare Substanz, die bestimmt kaum Kalorien enthielt. Auf dem Etikett wurden jedenfalls keine aufgeführt.

Musik dröhnte durch den Flur. Die Disco hatte begonnen. Er musste hinuntergehen und tanzen. Tanzen und lächeln und fröhlich sein. Hatte das nie ein Ende? Mehr als acht Jahre schon musste er den anderen gefallen. Und es würde so weitergehen. Immer weiter.

Er schlich über die Hintertreppe hinaus. Die Hauptstraße schimmerte im Lichtermeer der Weihnachtsbeleuchtung. Am Laternenmast hing das Porträt seiner Herausforderin.

Sollte die sein Amt übernehmen? Eine mit Doppelnamen? Niemals!

Er war im Begriff zurückzugehen, als die Tür zu Annamirls Semmelknödelwirtschaft aufging. Goldenes Licht fiel heraus und köstlicher Duft umhüllte ihn. Seine Nase zog ihn über die Schwelle. Schon saß er hinter einem Berg dampfender Knödel. Er schmolz dahin. Durch das Fenster sah er das Plakat mit der Doppelnamigen.

Er prostete ihr zu und gratulierte zur Nachfolge im Amt.

Autor*in: Nina Bodenlosz     Blog: Das Bodenlosz-Archiv

 

Adventüden 2020 08-12 | 365tageasatzaday
Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

22 – Bescherung | Adventüden

Zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

 

Bescherung (Nina, Das Bodenlosz-Archiv)

 

Langsam erhitzt sich das Wasser im Kessel. In der Teekanne warten die dreizehn Kräuter.

Bald schon wird er auf dem Bärenfell vor dem Kamin liegen. Nackt und weich wie eine Jungratte. Sie hat eine Tanne aufgestellt, die bis zur Decke ragt, über und über besetzt mit Schneeflocken und Eiszapfen. Soll sie es im Wohnzimmer schneien lassen? Entzückend würde das Zimmer mit einer flauschigen Schneedecke aussehen. Aber er würde frieren. Lieber die Wände mit Zucker glasieren und ein ordentliches Feuer im Kamin prasseln lassen. Er wird Nussplätzchen knabbern und genüsslich über seinen straff gewölbten Bauch streichen.

Sie mag die Gefährten füllig. Da besteht kein Zweifel. Und wenn sie weiß, was sie will, stellt sich der Richtige ein.

Der Kessel pfeift. Sie gießt das sprudelnde Wasser über die Kräuter. Es riecht nach Zimt und Nelken, aber auch nach gefrorener Erde, Moos und Salz. Wie es sich zur Wintersonnenwende gehört. Schon ihre Urgroßmutter hat diesen Tee gebraut.

Sie schließt die Augen, trinkt und wünscht.

Es klopft an der Haustür. Sie öffnet. Die Steinwüste ist von Glatteis überzogen, aber das hat den neuen Gefährten nicht abgehalten. Er trägt eine grüne Pudelmütze und ein breites Lächeln im Gesicht.

Sie ist erfreut.

Woher die Gefährten kommen? Sie hat keine Ahnung. Vielleicht trägt sie der Sturm herbei. Sie wünscht nur und ihre Wünsche werden erfüllt.

Das ist der Weihnachtszauber und es geschieht alle Jahre wieder.

 

Adventüden 2019 22 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir