Von der Bitte um Regen

Hochsommer

Von des Sonnengotts Geschossen
Liegen Wald und Flur versengt,
Drüber, wie aus Stahl gegossen,
Wolkenlose Bläue hängt.

In der glutgeborstnen Erde
Stirbt das Saatkorn, durstig ächzt
Am versiegten Bach die Herde,
Und der Hirsch im Forste lechzt.

Kein Gesang mehr in den Zweigen!
Keine Lilie mehr am Rain! –
O wann wirst du niedersteigen,
Donnerer, wir harren dein.

Komm, o komm in Wetterschlägen!
Deine Braut vergeht vor Weh –
Komm herab im goldnen Regen
Zur verschmachtenden Danae!

(Emanuel Geibel, Hochsommer, aus: Spätherbstblätter, 1877, Online-Quelle)

Ein Lied um Regen

Der Erste
Regen, komm herab!
Unsre Saaten stehn und trauern,
Und die Blumen welken.

Der Zweite
Regen, komm herab!
Unsre Bäume stehn und trauern!
Und das Laub verdorret.

Der Erste
Und das Vieh im Felde schmachtet,
Und brüllt auf zum Himmel.

Der Zweite
Und der Wurm im Grase schmachtet,
Schmachtet und will sterben.

Beide
Laß doch nicht die Blumen welken!
Nicht das Laub verdorren!
Oh, laß doch den Wurm nicht sterben!
Regen, komm herab!

(Matthias Claudius, Ein Lied um Regen, aus: ASMUS omnia sua SECUM portans oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen, Erster und zweyter Theil, 1774, Online-Quelle)

Kinderlied

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Bring’ uns Kühle, lösch’ den Staub
Und erquicke Halm und Laub!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Labe meine Blümelein,
Laß sie blüh’n im Sonnenschein!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Nimm dich auch des Bächleins an,
Daß es wieder rauschen kann!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Regen, Regen, aus: Kinderlieder, Online-Quelle)

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen

Hörst du, wie draußen im Regen die Wasser sich necken,
Wie die Regengüsse hinfallen in langen, lauten Strecken
Und überlaufen über die Ränder der Wolkenbecken,
Als soll mit Mann und Maus heut Nacht die Erde ersaufen.
Es kann kaum der Regen vor stürzender Eile noch schnaufen;
Die Regengeister füllen mit ihren Wasserleibern die Traufen.

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen,
Aus dem Regen sie sich ein eigenes Liebeslied macht,
So wie ein Verlassener sein einsames Lachen lacht.
(Max Dauthendey, Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 256)


Quelle: Pixabay

Erfüllende und erfüllte Urlaubstage euch allen da draußen! Kommt gut und heil und fröhlich in und durch die neue Woche!