Von Liebe und Meer

 

Dein Haar hat Lieder, die ich liebe

Dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
und sanfte Abende am Meer –
O glückte mir die Welt! O bliebe
mein Tag nicht stets unselig leer!

So kann ich nichts, als matt verlegen
vertrösten oder wehe tun,
und von den wundersamsten Wegen
bleibt mir der Staub nur auf den Schuhn.

Und meine Träume sind wie Diebe,
und meine Freuden frieren sehr –
dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
und sanfte Abende am Meer.

(Max Herrmann-Neiße, Dein Haar hat Lieder, die ich liebe, aus: Verbannung, 1919, Online-Quelle)

 

Mein Leben ist wie leise See

Mein Leben ist wie leise See:
Wohnt in den Uferhäusern das Weh,
wagt sich nicht aus den Höfen.
Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn:
aufgestörte Wünsche ziehn
darüber wie silberne Möven.

Und dann ist alles wieder still. . .
Und weißt du was mein Leben will,
hast du es schon verstanden?
Wie eine Welle im Morgenmeer
will es, rauschend und muschelschwer,
an deiner Seele landen.

(Rainer Maria Rilke, Mein Leben ist wie leise See, aus: Dir zur Feier, 1897/98, Online-Quelle)

 

Diese Rose von heimlichen Küssen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.
Unsre Hände reichen sie hin und her,
unsre Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsre Seelen grüßen sich hin und her –
wie über ein Meer – – wie über ein Meer – –
Diese Rose vom Duft unsrer Seelen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.

(Christian Morgenstern, Diese Rose von heimlichen Küssen schwer, aus: Stuttgarter Ausgabe, Bd. 1, Online-Quelle)

 

Das Meer singt

Singe das Leben
Trunken und weit.
Rausche euch allen
Unendlichkeit.

Singe die Liebe
Grausam und groß.
Breit über alles
Mein Namenlos.

Gott tönt aus mir.
Dunkel und Glut.
Alles ist tödlich
Und alles ist gut.

(Franziska Stoecklin, Das Meer singt, aus: Die singende Muschel, 1925, Online-Quelle)

 

 

Hinter der Sandbank der Leuchtturm | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst an einem wirklich heißen Tag

 

Hinter der Sandbank die See | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst an einem wirklich heißen Tag

 

Kommt gut und gesund in und durch die neue Woche! 🙂

 

 

Von Meer und Liebe

 

Aus tausend Quellen quillt die Nacht

Aus tausend Quellen quillt die Nacht
Und übernimmt den Himmel unsrer Träume.
Da ist ein Licht noch – dort noch Bäume,
Dann nichts mehr. Sintflut. Nur noch Nacht.

Aus Ozeanen ohne Licht erheben sich Gedanken,
Wie Meerestiere schwimmen unsre Träume
Mit schweren Flossen durch die Finsternis der Räume
Und kreisen um die Hoffnungsschiffe, die versanken.

(Guido Zernatto, Aus tausend Quellen quillt die Nacht, aus: Gedichte, 1950, Online-Quelle)

 

Diese Rose von heimlichen Küssen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.
Unsre Hände reichen sie hin und her,
unsre Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsre Seelen grüßen sich hin und her –
wie über ein Meer – – wie über ein Meer – –
Diese Rose vom Duft unsrer Seelen schwer:
Sieh, das ist unsre Liebe.

(Christian Morgenstern, Diese Rose von heimlichen Küssen schwer, aus: Stuttgarter Ausgabe, Bd. 1, Online-Quelle)

 

Naturgesetz

Zwei reißende Ströme, die fluten und fließen,
um sich gemeinsam ins Meer zu ergießen –

Zwei himmelaufsprühende, lodernde Flammen,
im heiligen Feuer schlagend zusammen –

Zwei Wetterwolken, die sich begegnen,
Im Frühlingsgewitter die Welt zu segnen – –

Dein Herz und mein Herz, die jubelnd sich finden
Im Muß? Im Wollen? Wer mag es ergründen!

(Clara Blüthgen, Naturgesetz, aus: Paul Grabein, Liebeslieder moderner Frauen, 1902, Online-Quelle)

 

Ein Frühlingswind

Mit diesem Wind kommt Schicksal; laß, o laß
es kommen, all das Drängende und Blinde,
vor dem wir glühen werden –: alles das.
(Sei still und rühr dich nicht, daß es uns finde.)
O unser Schicksal kommt mit diesem Winde.

Von irgendwo bringt dieser neue Wind,
schwankend vom Tragen namenloser Dinge,
über das Meer her was wir sind.

… Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.
(Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)
Aber mit diesem Wind geht immer wieder
das Schicksal riesig über uns hinaus.

(Rainer Maria Rilke, Ein Frühlingswind, Februar 1907, in: Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Gedichte aus den Jahren 1906 bis 1926, insel tb 98, 1953, S. 15/16. Online-Quelle, zur Interpretation)

 

Herzmuschel | 365tageasatzaday Quelle: Pixabay

 

Wie immer: Kommt gut in und durch die neue Woche und bleibt heiter!

 

Und weil ich gestern zufällig drauf gestoßen bin, hier ein anderes „Meer“-Lied als mein übliches, da man das Meer sowieso gerade nicht sehen kann: AnnenMayKantereit, „Ozean“. Hier ist der Text. „Hennings Version“, weil ich die Stimme so geil finde.