Tag 28 | 30 Days Book Challenge

 

28 Ein Held/eine Heldin, der/die Dein Herz berührt hat

Ich könnte es kurz machen, und es wäre gerechtfertigt: Spiel, Satz und Sieg für „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Es gibt wenige Bücher, die mich in den letzten Jahren so erschüttert zurückgelassen haben wie dieses Monster von einem Buch (knapp 1.000 Seiten) über den Wert von Liebe und Beziehungen, über den Lebensweg von vier Freunden, unter ihnen Jude, der eine Kindheit und Jugend voller schwerster körperlicher und seelischer (und sexueller) Misshandlungen überstanden hat und es trotz aller Freundschaft und Freundlichkeit, die er nun endlich erfährt, nicht schafft. Wer es nicht kennt: LESEN (Link zum Verlag für Infos und Leseprobe: HIER KLICKEN!, es gibt auch eine TB-Ausgabe (anderer Verlag)). Aber seid gewarnt, es ist harter Tobak.

Nicht nur, weil ich davon ausgehe, dass die meisten, die das Buch gelesen haben und bei der Challenge mitschreiben, dieses Buch wählen werden, habe ich mir noch eine weibliche Heldin gesucht.

 

Es geht „um die Tochter eines Königs, dessen schöne Frau ihm auf dem Sterbebett das Versprechen abnimmt, nur dann wieder zu heiraten, wenn jene Frau mindestens ebenso schön sei wie sie selbst und ebensolche goldenen Haare habe. Als sich eine solche Schönheit nicht findet, erkennt der König eines Tages, dass allein seine Tochter ebenso schön ist wie die verstorbene Gattin, und begehrt sie zur neuen Ehefrau.“ (QUELLE) Die Vorlage ist das Grimm’sche Märchen namens Allerleirauh (hier das Original), das ist aber auch die Geschichte von „Tochter des Schattens“ (ein blöder Titel, wie ich finde, „Deerskin“ im Original) von Robin McKinley.
Auch hier begehrt der verwitwete Vater seine Tochter, aber anders als Allerleirauh kann sie erst fliehen, nachdem der Vater sie vergewaltigt und geschwängert hat. Im Gegensatz zum Märchen wird Lissar, die Tochter, aber von ihrer Hündin begleitet, mit der sie dann durch die Wildnis irrt. Nachdem sie bei der Fehlgeburt fast stirbt, nimmt sich die Mondgöttin ihrer an. Ihre Geschenke, unter anderem ein Gewand aus Rehleder („Deerskin“) weisen Lissar einen Weg in ein neues Leben, aber es dauert noch einige Jahre, bis sie wieder einen Platz in der Welt gefunden hat, das ihr angetane Unrecht benannt und gesühnt werden kann und sie sich vor der Entscheidung findet, der Liebe Raum in ihrem Leben einzuräumen.

Das Buch ist 1993 (1994 dt.) herausgekommen und stand 1994 auf der Liste der Finalisten beim Mythopoeic Award (Adult). Aufgrund des Alters ist es fast logischerweise nur noch gebraucht irgendwo aufzutreiben. Ich bin überhaupt nicht sicher, warum es so einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat, abgesehen davon, dass die Geschichte (trotz allem) zauberhaft und tiefgründig ist (und etwas für Windhundfans), vermutlich müsste ich hier auch wieder mal die bemerkenswerte sprachliche Wucht, Einprägsamkeit und Schönheit der Sprache aufführen – „Tochter des Schattens“ hat die letzten 25 Jahre auf meinem Bücherbord überdauert (das regelmäßig durchgeschaut wird, allein aus Platzgründen), und ich sehe nicht, dass sich das ändern wird.

 

Tag 28 | 30 Days Book Challenge | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, bearbeitet von mir

 

Mein Dank verfolgt unverdrossen Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt.

 

Off topic: Adventüden (hier klicken): 7 bereits erhalten, 16 weitere Zusagen. Sehr schön! Weiter so!

 

„Sie werden darüber sprechen wollen!“

„Sie werden darüber sprechen wollen!“ wirbt der Hanser Verlag für das neue Buch von Hanya Yanagihara, „Ein wenig Leben“, und er hat recht und gleichzeitig auch wieder nicht.
Ja, ich bin gerade damit durch. Ja, ich möchte darüber sprechen, wirklich. Ja, aber ich weiß nicht, mit wem (auf jeden Fall nicht auf dem Blog), und eigentlich weiß ich auch gar nicht, was ich sagen soll – so vieles in diesem Buch kommt mir irgendwie so nah, so dicht, und mir fehlen buchstäblich die Worte.

Es gibt einige kluge Rezensionen dazu, und vielleicht mögt ihr hier bei der ZEIT weiterlesen, und sie erzählen, dass es ein Buch über das Leben und Gefühle ist, über Liebe, Freundschaft, Erfolg, Sex, über Schmerzen, Unfälle, Tod und Verlust. Über große und kleine Dinge des Lebens, über die Vergangenheit und welche Spuren sie hinterlässt, und dass Zeit nicht immer alle Wunden heilt. Über Abgründe, über Entscheidungen und ihre Folgen.

Es hat mich erschüttert und hinterlässt mich verändert, und die Erinnerung daran wird noch eine Zeit lang mit mir gehen und Fragen aufwerfen. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann ich das zum letzten Mal über ein Buch gesagt habe, auch nicht von denen, die mir gut gefallen haben. Es ist … anders. Ich glaube, ich werde zwei Tage warten und es noch mal lesen, und ich weiß, zumindest das Buch, das ich danach anfasse, hat es schwer, bei mir zu landen.

 

 

Dornen | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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